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>> Kinderfotografie - Teil 03: Das fröhliche Fotoshooting
Jeder, der selbst schon einmal vor der Kamera eines professionellen Fotografen stand oder saß, weiß ein Lied davon zu singen, wie fehl am Platze man sich vorkommen, respektive wie unwohl man sich fühlen kann. Sicherlich gibt es auch Menschen, und dazu gehören vor allem professionelle Models, die es genießen, wenn sie im „Scheinwerferlicht“ stehen und ein oder mehrere Objektiv(e) auf sie gerichtet sind. Doch die meisten Menschen, und dazu - so musste ich selbst fast schmerzhaft vor ein paar Monaten feststellen - gehöre auch ich, haben eher eine Abneigung gegen das Fotografiertwerden.
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Kinderfotografie Teil 1: Einleitung Teil 2: Die geeignete Ausrüstung Teil 3: Das fröhliche Fotoshooting Kindliche Neugier Kleine Rabauken Mit dem Lieblings-Spielzeug Verkleiden macht Spaß! Kinderarbeit Mitmachen lassen Dicke Kumpels Lustige Fotos Teil 4: Vom Babybauch zum Teenager Teil 5: Indoor fotografieren Teil 6: Fotos im Freien Teil 7: Familienleben Teil 8: Tipps und Tricks (I) Teil 9: Tipps und Tricks (II) Teil 10: Kinderfotos archivieren, bearbeiten und präsentieren Text: Jens Brüggemann Fotos: Jens Brüggemann (147), Leonie Ebbert (44), Elli Bezensek (61), Radmila Kerl (26), Ramona Prosch (5), Kay Johannsen (4) Skizzen: Jens Brüggemann (27) Teil 3: Das fröhliche Fotoshooting Wie man Kinder fürs Fotoshooting begeistert Jeder, der selbst schon einmal vor der Kamera eines professionellen Fotografen stand oder saß, weiß ein Lied davon zu singen, wie fehl am Platze man sich vorkommen, respektive wie unwohl man sich fühlen kann. Sicherlich gibt es auch Menschen, und dazu gehören vor allem professionelle Models, die es genießen, wenn sie im „Scheinwerferlicht“ stehen und ein oder mehrere Objektiv(e) auf sie gerichtet sind. Doch die meisten Menschen, und dazu - so musste ich selbst fast schmerzhaft vor ein paar Monaten feststellen - gehöre auch ich, haben eher eine Abneigung gegen das Fotografiertwerden. Kindliche Neugier (Foto: Jens Brüggemann) Kinder hingegen lieben das Neue, und nahezu alles wird anfangs als Spiel angesehen, also auch das „gestellte“ Fotoshooting beim Fotografen. Das macht die Sache für uns Fotografen natürlich deutlich leichter, da die kindliche Neugier sich auch auf das Fotografiertwerden bezieht. (Foto: Jens Brüggemann) Es hat leider nur den großen Nachteil, dass die „Halbwertzeit“, wie lange ein Fotoshooting interessant für die kleinen Modelle ist, recht kurz ist: Kinder fangen schnell an, sich zu langweilen. Die Folge: Sie werden entweder albern ... (Foto: Jens Brüggemann) … oder müde... (Foto: Radmila Kerl) … oder sie büchsen aus ... (Foto: Elli Bezensek) Ganz anders hingegen, wenn die Kleinen beim neugierigen Spielen und Lernen fotografiert werden. Solange man sich als Fotograf im Hintergrund ruhig verhält und den Nachwuchs „machen lässt“, ergeben sich tolle Motive, voll von kindlicher Neugier und Wissbegierigkeit. Die folgende Serie zeigt meinen Sohn im Alter von 7 Monaten beim „Boxen“ mit einer Handpuppe. (Foto: Jens Brüggemann) Kleine Rabauken (Foto: Leonie Ebbert) Kinder wollen Spaß haben, toben. Sie wollen cool aussehen, wenn sie Superheld spielen, und verwegen, wenn sie Räuber oder Pirat spielen. Nur eines wollen sie nicht: artig und langweilig in die Kamera schauen, dabei minutenlang ruhig stehen bleiben, und schlimmstenfalls auch noch nicht einmal reden dürfen ... Und doch gibt es immer wieder Fotografen, die genau solche Fotos zu machen versuchen, und steife Eltern, die ihren Kindern Sonntagskleidung anziehen und genau solche Fotos von ihrem Nachwuchs (und vom Fotografen) verlangen. Lasst den Kleinen doch ihre Lebendigkeit, ihren Spaß, ihren Tatendrang, auch und gerade vor der Kamera! Lasst ihnen den Freiraum, sich „darzustellen“, so, wie sie sich wohlfühlen, und heraus kommen lebendige und vor allem ehrliche Fotos, die den Nachwuchs so zeigen, wie er nun einmal ist. (Foto: Jens Brüggemann) (Skizze: Jens Brüggemann) Mit dem Lieblings-Spielzeug (Foto: Jens Brüggemann) (Skizze: Jens Brüggemann) Spielzeug soll unterhalten, Spaß machen, beruhigen. Oftmals dient es auch zum Lernen, oder, wie in den meisten Fällen, erfüllt es mehrere Funktionen gleichzeitig. Wenn Sie Kinder fotografieren möchten, wird Ihnen das einfacher gelingen, wenn das Kind zum Fotoshooting sein Lieblingsspielzeug mitbringen darf. Stolz wird es Ihnen dies präsentieren. Bereiten Sie sich also schon im Vorfeld der Fotosession darauf vor, richten Sie das Licht ein, stellen Sie den Hintergrund auf und legen Sie Ihre (bereits voreingestellte) Kamera schussbereit in Reichweite, damit Ihnen dieser schöne Moment nicht entgeht. Doch genauso schön ist das Fotografieren der Kleinen, wenn diese sich intensiv mit ihrem (derzeitigen) Lieblingsspielzeug beschäftigen! (Foto: Elli Bezensek) Achten Sie aber darauf, sich möglichst außerhalb des Blickfeldes der Kleinen aufzuhalten, damit der Nachwuchs nicht durch Sie abgelenkt wird. Dazu gehört auch, sich möglichst wenig zu bewegen oder sogar aus entfernter Distanz mit einem Teleobjektiv zu fotografieren. So ist auch die Münchener Fotografin vorgegangen, als sie diesen Schnappschuss eines Jungen in Uganda, der verträumt mit seinem Draht-Motorrad spielte, aufgenommen hat. (Foto: Radmila Kerl) Für Werbefotos ist darauf zu achten, dass das Spielzeug, womit sich die Nachwuchs-Models beschäftigen, möglichst neu und somit noch sauber und heile, also nicht angeknabbert oder fleckig, und auch frei von Sabber ist. Dies gilt ganz besonders für Plüschtiere, die schnell zerknautscht oder fleckig aussehen können. (Foto: Elli Bezensek) Verkleiden macht Spaß! (Foto: Leonie Ebbert) Verkleiden macht Spaß, nicht nur zur Karnevalszeit, und deshalb sollten Sie Ihrem Nachwuchs möglichst oft ermöglichen, sich zu verkleiden, denn tolle Aufnahmen in Kostümierung sind garantiert! Meine ganze Kindheit bestand aus Verkleidung. Keine Woche verging, ohne dass ich wie ein Pirat, Bauarbeiter, Ritter, Indianer, Cowboy, Polizist, Räuber, Bat- oder Superman um die Häuser strich ... Kinder, selbst die kleinsten unter ihnen, verkleiden sich zum Spielen; aber auch, um die Erwachsenen zu imitieren. (Foto: Jens Brüggemann) Kinder wollen ihren Vorbildern nacheifern, wobei sie ihre nahezu unbegrenzte Fantasie einsetzen. Wenn Sie als Kinderfotograf (-in) tätig sind, empfehle ich Ihnen, sich zur Karnevalszeit mit ein paar (oft erstaunlich günstigen!) Kostümen einzudecken. Wenn dann irgendwann später bei Ihnen im Studio Aufnahmen von (fremden) Kindern gemacht werden sollen, die wenig Interesse an der Fotosession zeigen und vielleicht sogar quengelig sind, können Sie sie mit ein paar Superhelden-Outfits garantiert aus der Reserve locken! Nun werden sie wieder mit Freude und Eifer bei der Sache sein. Übrigens bedarf es nicht immer gleich ganzer Schränke voller Kostüme, um die Kleinen zum Strahlen zu bringen. Dieses Foto der erst neunzehnjährigen Fotografin beweist, dass auch die „Minimalausstattung“ zum Erfolg, also zu einem außergewöhnlichen Foto, führen kann. (Foto: Leonie Ebbert) Kinderarbeit (Foto: Jens Brüggemann) Das hört sich eigentlich wie ein Widerspruch an: „Kinderarbeit“ als ein Punkt zum Kapitel „Das fröhliche Fotoshooting“. Als Untertitel habe ich aber beim Schreiben dieser Tutorialserie „Wie man Kinder fürs Fotoshooting begeistert“ gewählt, und dann wird einem bestimmt schnell klar, was „Kinderarbeit“ bezwecken soll, nämlich die Kleinen für die Aufnahmen zu motivieren und zu begeistern. Kinder fühlen sich geschmeichelt (allerdings nur bis zu einem gewissen Alter!), wenn man sie „braucht“, wenn sie helfen dürfen. Kinder fühlen sich wichtig, wenn sie Arbeiten von den Erwachsenen übernehmen können. Sie imitieren die Eltern aber auch, um hierdurch zu lernen, was unweigerlich zu jedem Erwachsen- und Selbstständigwerden dazugehört! Nutzen Sie dieses Spielen der Kleinen! Bitten Sie sie, Ihnen bei der Vorbereitung zu den Aufnahmen zu helfen (und das gilt ganz besonders auch in einem ihnen fremden Fotostudio), zum Beispiel indem Sie gemeinsam den Hintergrund aufbauen, die Requisiten herrichten, gemeinsam Stative aufstellen, etc. Dadurch steigt die Motivation der jungen Modelle ungemein, und die (gegebenenfalls neue) Umgebung wird ihnen vertrauter. Sie werden sich dadurch ungleich wohler fühlen! (Foto: Jens Brüggemann) Mitmachen lassen (Foto: Jens Brüggemann) Ebenfalls eine gute Methode, das Vertrauen eines Kindes zu gewinnen, ist, ihm etwas zuzutrauen. Nicht nur, aber gerade auch in neuer Umgebung sollte man die Kids ruhig einmal durch die Kamera schauen lassen und Ihnen erklären, was eine Kamera macht und was Sie vorhaben, wenn Sie mit dem „Ding“ auf die Kleinen zielen. Meine Assistentin Leonie bietet den Kleinen dann auch regelmäßig an, einmal durch den Sucher der Kamera zu schauen und sogar auf den Auslöser zu drücken, um wahlweise das mitgebrachte Kuscheltier oder Mama und Papa zu fotografieren. Achten Sie aber darauf, dass Sie Ihre wertvolle Kamera samt teurem Objektiv niemals völlig aus der Hand geben! Hängen Sie dem neugierigen Nachwuchs den Kameragurt um den Hals und halten Sie zusätzlich die Kamera mit einer Hand fest, wenn die Kleinen Teddy oder Eltern fotografieren, denn gerade eine schwere Spiegelreflex kann schon mal schnell aus einer Kinderhand gleiten ... Dicke Kumpels (Foto: Jens Brüggemann) Immer wieder, und so auch beim obigen Foto (mein Sohn und sein Freund waren zu diesem Zeitpunkt beide 5 Jahre alt), kommt mein Sohn zu mir mit der Bitte, ihn doch zusammen mit seinem (aktuellen) Kumpel zu fotografieren. Der Wunsch, die Freundschaft zu dokumentieren, wohnt anscheinend auch schon in den kleinsten Köpfen! Die Verbundenheit zu ihren Freunden zeigen unsere Kleinsten schon in ganz jungen Jahren, ähnlich wie die Erwachsenen, indem sie ihre Freunde anfangs noch an die Hand nehmen (Kindergarten-Alter) und danach, spätestens ab Schul-Alter, kumpelhaft den Arm um deren Schultern legen. Das ändert sich dann auch im Laufe des Erwachsenen-Lebens nicht mehr, wie ich erst neulich beim 70. Geburtstag meines Vaters feststellen konnte. (Foto: Elli Bezensek) Lustige Fotos (Foto: Jens Brüggemann) Nicht nur Kinder, auch Erwachsene sind oft albern. Aber anders als die meisten Erwachsenen (Ausnahme: beim Karneval und in besoffenem Zustand, was sich manchmal überschneidet) lassen sich Kinder sehr gerne bei dieser Albernheit fotografieren. Mein Sohn wurde ab einem Alter von ca. fünf Jahren nur noch albern, sobald er eine Kamera auf sich gerichtet sah. Er zog (und zieht leider immer noch) Grimassen, eine schrecklicher als die andere. Und je mehr Mama, Papa, Oma(s) oder Opa(s) darüber schimpfen, desto lustiger findet er das ... (Foto: Jens Brüggemann) Warum also nicht mal ein Grimasse schneidendes Kind fotografieren? Scheinbar gehört diese Albernheit zum Kindsein dazu. Und mittlerweile, mein Sohn fotografiert gelegentlich mit meiner alten Kompaktkamera, kann ich mich auch revanchieren, denn dann schneide ich Grimassen, wenn er mich vor dem Computer sitzend fotografiert, was mein Sohn allerdings - anders als die Erwachsenen - ganz toll findet. Hier noch eine weitere beispielhafte Pose zum Thema „furchtbares Kinder-Grinsen“ zum Nachstellen: (Foto: Jens Brüggemann)
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