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Verlaufsfilter und "Tilt&Shift"-Miniatureffekt
02.09.2011 in Adobe Lightroom von sailor
- Kategorie: Adobe Lightroom
- Erstellt mit Programmversion: 3.2
- Kompatibel ab Programmversion: 3
- Dateigröße (PDF): 1.9 MB
- Bisherige Zugriffe: 1073
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Kommentare
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Nachdem ich mich vor einiger Zeit schon mal mit einem eher allgemeinen Beitrag vorgestellt habe, möchte ich nun eine speziellere Funktion in Lightroom vorstellen.
Im Entwickeln-Modul findet man das Werkzeug Verlaufsfilter - das vierte Symbol von links, der stilisierte Verlauf (Shortcut: M - wie mask). Ein alter Fotografentrick, um nachträglich Farbe ins Spiel zu bringen.

Gerade an schönen hellen Sommertagen ist man häufig enttäuscht über die Blässe des Himmels, der doch so strahlend blau war. Klar, zu viel Licht auf den Sensor - was soll dieser schon machen? Er weiß ja nicht, dass der Himmel so blau ist.
Darüber hinaus lassen sich mit diesen Verlaufsfiltern aber noch ganz andere Sachen anstellen.
Als Motive eignen sich am besten Bilder, die von einem etwas erhöhten Standpunkt aufgenommen wurden. Und nebenbei werden noch ein paar andere Tools des Entwickeln-Moduls angesprochen. Es wird also etwas umfangreicher ...
Los geht's: hier das Ausgangsbild - ein Arm des Büsumer Hafens bei Ebbe.
Ein wunderbarer Sommerabend, aber die Stimmung kommt nicht so recht rüber ... (001).


Noch mal Klick auf den Pfeil und das Blau verschwindet. Es soll uns nicht weiter stören. Der rechte Pfeil im Histogramm zeigt uns die überbelichteten Stellen - falls vorhanden - in rot an. (003).

Ich hebe die Belichtung etwas an; dadurch wird das Bild als Ganzes heller. Mit der Wiederherstellung kann man nun nur die hellen Bereiche wieder etwas dunkler machen. Manchmal reicht das schon, um wieder Farbe in einen überbelichteten Himmel zu bringen. Diesen Regler kann man ruhig beherzt bedienen.
Das Aufhelllicht kümmert sich nur um die dunklen Bereiche und Schwarz definiert sich selbst. Dieser Regler arbeitet deutlich intensiver als z. B. die Wiederherstellung - probiert es einfach aus.
Stop - an dieser Stelle noch mal der Hinweis: Alle Aktionen in Lightroom sind non-destruktiv, an der Datei wird nichts verändert, sie liegt nach wie vor im Originalzustand auf der Festplatte. Die Bearbeitungsschritte werden lediglich in die Lightroom-Datenbank geschrieben und jeder einzelne im Protokoll festgehalten. Alles lässt sich jederzeit modifizieren oder rückgängig machen.
Hier meine Einstellungen (005).

Erst mal wollen wir den Himmel bearbeiten, um ein hübsches Urlaubsbild zeigen zu können. Wir drücken die Taste M und diese Filter-Parameter erscheinen. (007).

Erst mal sacken lassen und gucken.
Das Handling dieser Filter muss ein wenig geübt werden, ist dann aber unabhängig von den eingestellten Parametern immer gleich. Wir wollen den Himmel blauer machen - also interessiert uns der Punkt Farbe.
Ein Klick auf das Farbfeld (bei mir ist es schon blau gefärbt) öffnet den Farbkreis und wir können die gewünschte Farbe wählen. Intensität und Ton können noch nachträglich justiert werden. Wir wählen ein kräftiges Blau und schließen die Farbbox durch einen Klick.

Jetzt klicken wir in die Mitte des Himmels und ziehen bei gedrückter Maustaste nach unten bis etwas über das Ufer hinaus, also ungefähr bis zur Bildmitte.
Hält man dabei die Shift-Taste gedrückt, wird der Verlauf exakt horizontal aufgezogen; man sieht sofort den Effekt. Drei Linien beschreiben den Verlauf. Auf der mittleren befindet sich eine Art "Anfasser". Mit ihm lässt sich der Verlauf als Ganzes im Bild verschieben. Die untere Linie zeigt an, wo der Filter keine Wirkung mehr hat, die obere dagegen, wo die Filterintensität abnimmt. Durch Verschieben der äußeren Linien kann man diesen Übergangsbereich also in der Größe bestimmen. Ebenso lässt sich durch Drehen der mittleren Linie der Winkel des Verlaufes bestimmen. Achtet einfach auf die Form des Mauszeigers.
Durch erneutes Drücken der Taste M werden die Linien ausgeblendet. Nochmals M und der Filter wird wieder sichtbar. Mit Klick auf den Anfasser (angezeigt durch einen schwarzen Punkt) lassen sich nun alle Parameter in Ruhe einstellen.
Durch einen Klick auf das Farbfeld lässt sich mit den verschiedenen Blautönen experimentieren. Soll die Intensität verändert werden, zieht man den Farbwähler langsam nach unten oder verschiebt den rechten unteren Regler nach links. Null Prozent bedeutet, dass keine Filterwirkung mehr besteht.
Hier das Ergebnis - das sieht doch schon nett nach Sommer aus (009).

Vielleicht ein wenig die Belichtung verringern, das gibt mehr Abendstimmung, oder den Kontrast erhöhen - schon kommen die Wolken besser zur Geltung oder oder oder. Probiert selber - man kann wie gesagt nichts zerstören. Durch wiederholten Klick auf den Button links unten in der Filterbox lässt sich die Wirkung überprüfen.
Bis hierhin alles klar soweit? Ehe wir es wieder sacken lassen und endlich zu dem Miniatureffekt kommen, schnell noch 2 Dinge. Es lassen sich jederzeit beliebig viele weitere Verlaufsfilter aus allen Richtungen mit unterschiedlichen Einstellungen aufziehen. Warum nicht für ein Sommer-Wiesen-Foto von unten noch ein Grün-Filter oder von der Seite her den Kontrast absenken?
Und das Beste nun: Jede beliebige Einstellung kann man in Lightroom als Entwicklungspreset abspeichern und hat es damit mit einem Mausklick auch auf andere Bilder angewendet. Einfach im Menü Entwickeln den Punkt Neue Vorgabe anwählen, darauf achten, dass bei Verlaufsfilter das Häkchen gesetzt ist, und unter einem beliebigen Namen, z. B. "blue-sky" abspeichern.
Tilt and shift
Zurück bzw. endlich hin zum eigentlichen Thema: Tilt and Shift (verschwenken und verschieben), der Miniatureffekt.Den optisch-mathematischen Background will ich hier nicht erläutern, das www ist voll mit Informationen auch zu diesem Thema. Im Spiegel gab's am 28.2.2010 einen ganz interessanten Artikel dazu: www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,677217,00.html.
Es geht darum, das Hauptmotiv möglichst scharf und alles andere unscharf abzubilden. Je intensiver dieses umgesetzt wird, umso modellhafter erscheint es dem Betrachter.
Machen wir uns doch erst mal eine virtuelle Kopie vom bisherigen Ergebnis - Strg+T erzeugt eine. Unser Urlaubsbild bleibt dann erst mal von allen weiteren Verfremdungen verschont oder dient als neuer Ausgangspunkt, wenn wir uns verlaufen haben.
Bereiten wir unser Bild ein wenig vor.
Das Ziel - eine Miniaturlandschaft - vor Augen, drehen wir erst mal den Sättigungs-Regler in den Grundeinstellungen des Entwickeln-Moduls auf; es darf gerne etwas "knallig" sein, schließlich wollen wir ja eine künstliche Stimmung. Zudem schärfen (unter Details) wir auch noch kräftig nach.
Jetzt kommen die Verlaufsfilter wieder ins Spiel, diesmal der Parameter Schärfe.
Schritt für Schritt: M aktiviert den Filtermodus. Jetzt erst mal wieder die Farbbox öffnen und den Wähler ganz nach unten ziehen und damit die Intensität auf Null Prozent setzen. In Lightroom 3.x wird nach Verlassen der Farbbox dieser Zustand mit einem durchgestrichenen weißen Kästchen angezeigt. Jetzt stellen wir den Schärferegler ganz nach links auf den Wert "-100", den Regler Klarheit ebenfalls auf einen negativen Wert und fangen an.
Der Kutter ist das Hauptmotiv, also klicken wir knapp überm Horizont und ziehen den ersten Verlauf bis an die weißen Segelboote leicht schräg nach links unten. Voilà, der Effekt wird schon sichtbar. Gleich noch mal eben unter den ersten Anfasser geklickt und mit denselben Einstellungen einen zweiten, nicht ganz so breiten Verlauf dazu.

Noch mal kurz zum Motiv: Ideal sind Aufnahmen von einem erhöhten Standpunkt, also rauf auf Brücken und Balkone und nach unten fotografiert ...
Dann geht es an die untere Bildpartie. Etwas über dem unteren Bildrand klicken und bis etwa an die Poller der Kutters ziehen, bei Bedarf wiederholen bzw. weitere Verläufe hinzufügen. Einzelne Filter lassen sich in aktiviertem Zustand sofort mit der Entf-Taste löschen oder ihr geht über das Protokoll zu einem vorherigen Arbeitsschritt zurück.
Das ist schon fast alles. Um das Ganze noch abzurunden, kann man noch an den Rändern links und rechts je einen schmalen vertikalen (Shift-Taste halten) Filter ziehen. Diese sollten aber wirklich nur sehr schmal sein, sonst wirkt es komisch.
Und wer dann noch möchte, dunkelt die Ränder mit einem negativen Wert unter Effekte>Vignettierung nach Freistellen etwas ab.


Schnell als Preset (Entwickeln>Neue Vorgabe) abspeichern und fertig, d. h. noch nicht so ganz. Dieses Preset würde jetzt nur bei einem ähnlich großen Bild und dem Hauptmotiv an derselben Stelle funktionieren. Bewährt haben sich bei mir drei Presets: large, medium und small mit dem Fokus in der Mitte. Dann lassen sich im aktivierten Filtermodus über die Anfasser die Filter schnell verschieben und anpassen.
Viel Spaß beim Filtern und auf weitere Entdeckungen in diesem fantastischen Programm. Thanks Adobe.
Gruß sailor
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dsuser
22.04.2012 - 14:15
Bitte mehr davon.Super erklärt, gut nachvollziehbar.
aroscas
29.02.2012 - 18:02
Seit ich diese Werbungen des rosa Riesen im Fernsehen gesehen habe, fragte ich mich, wie so was geht. Nun habe ich aufgrund des hervorragenden Tutorial endlich die Möglichkeit, solchen Motive herzustellen. Freut mich natürlich auch als Märklin-Fan. Vielen Dank an Sailor
spinger
06.01.2012 - 10:17
Klasse tut! Habe es an mehreren Beispielen nachgemacht und es funktionierte prima und problemlos. Danke an den Autor!
allannda
27.12.2011 - 20:37
Ich finde es super. Ich dachte auch, es geht nur mit Photoshop. Das Tut hat mir gute Anregung gegeben meine eigene Vorstellung umzusetzen. Vielen Dank!
geändert von allannda am 27.12.2011 - 20:40
sailor
01.10.2011 - 13:57
ich habe hier nochmal ein paar kleine Demos auf dem eigenen webspace abgelegt - viel Spaß.
http://www.hkmusic.de/webspace/download/20110802_psd-tuts/01a.htm
Die Kritik von PEPi ist natürlich berechtigt, ich hätte das Foto vorher entsprechend manipulieren müssen.
PEPi
11.09.2011 - 08:44
Mhh, also meiner Meinung nach passt das Ergebnis aber nicht.
Der Mast des Kutters ist doch genauso weit von der Sensorebene weg wie der Rumpf.
Also müsste dieser doch scharf sein...
rgb
04.09.2011 - 17:52
sehr gut und verständlich erklärt. Ich dachte, dieser Effekt lässt sich nur mit Photoshop realisieren.
hamsibone
03.09.2011 - 15:08
Vielen Dank für das Tutorial
psdjonas
03.09.2011 - 14:28
danke echt super
funktioniert echt super ::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::.
amslgruber
02.09.2011 - 18:13
leicht und verständlich erklärt, wunderbar.
Fidelis_jpg
02.09.2011 - 11:38
Wow, echt toll! Diese Miniatur-Technik schaut echt gut aus. Ich habe die das erste mal als Video gesehen. Da kommt es auch gut, wenn man so eine Position im Zeitraffer aufnimmt und dann die Filter hinzufügt!
Auf jeden fall schön von dir, mal die Ansätze zu zeigen, jetzt weiß ich wie ich es wirklich realisieren kann und den gewünschen Effekt bekomme!