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Teil 09: Mut für Experimente zeigen
27.09.2011 in Endlich besser fotografieren von stefan_seip
- Kategorie: Endlich besser fotografieren
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Die Fotografie ist nicht dazu verpflichtet, gegenständlich abzubilden (links). Durch die bewegte Kamera entstand von gleichen Motiv ein „Gemälde“ (rechts). „Fotografie“ bedeutet so viel wie „mit Licht malen“, was man durchaus auch wörtlich nehmen darf.

BITTE NICHT
In klassischen Denkmustern verharrenWenn es um das Thema Fotografieren geht, wird dann und wann ein Zitat von Karl Valentin verballhornt:
„Alles ist schon mal fotografiert worden. Aber noch nicht von jedem.“
Lässt man diese Worte auf sich wirken, kann Frustration die Folge sein. Immerhin erfahren wir eine bittere Wahrheit: Tatsächlich gibt es kein Motiv, das nicht schon auf Fotos verewigt worden wäre. Der Zusatz „Aber noch nicht von jedem“ suggeriert, dass unsere Motivation zu fotografieren daraus bestehen könnte oder gar müsste, die allseits bekannten Motive mit den eigenen Händen und der eigenen Kamera ebenfalls abzulichten.
Geschieht das in der vertrauten Art und Weise, entstehen zwar keine originellen und einzigartigen Resultate, doch immerhin selbst fotografierte. Doch worin sollte dabei der Reiz liegen? Ist die Erkenntnis, dass alle Fotos bereits gemacht sind, nicht ein Grund, die Fotografie an den Nagel zu hängen und sich eine andere Beschäftigung zu suchen?
Die eindeutige Antwort darauf lautet: Nein! Denn ein wichtiges Detail ist im genannten Zitat nicht enthalten, nämlich die Frage nach dem „Wie“. Daher möchte ich das Zitat nochmals abwandeln und es so formulieren:
Alles ist schon mal fotografiert worden. Aber noch nicht auf jede denkbare Art.
Auch daraus sind bitte nicht die falschen Lehren zu ziehen. Freilich stimmt es, dass alle Fotografen, auch die besten, Vorbilder hatten und haben, an denen sie sich orientieren. Die sie vielleicht zu Beginn auch zu kopieren versucht haben. Daher ist es legitim, eine gewisse Art von Fotos, für die man sich besonders begeistern kann, in den Mittelpunkt des eigenen Schaffens zu stellen, ohne dabei einzelne Fotos im Detail zu kopieren.
Falsch wäre vor allem die Feststellung, man müsse nur etwas machen, was noch nie da war, was verrückt genug ist, um sich von der Masse abzuheben, wobei die Ästhetik in den Hintergrund treten dürfe. Manche beschreiten diesen Weg und suchen ihr Heil im Trivialen, im Schockierenden, im Ekelerregenden oder Animalischen. Mich persönlich sprechen solche Arbeiten eher weniger an, in Einzelfällen wende ich mich angewidert ab.
Möglicherweise befindet sich jeder Fotograf irgendwann in seiner Karriere einmal an jenem Punkt, der einer Zwickmühle gleicht: Einerseits möchte man die klassische Knipserei hinter sich lassen, also die Produktion möglichst scharfer und richtig belichteter Erinnerungsbilder. Andererseits fehlt die Idee, wo der Weg hinführen soll.
Natürlich kann man sich auf- und daranmachen, die ewiglich gleichen Motive der Siegerfotos von Wettbewerben, dem Stolz von Fotoclubs und Foto-Webportalen vor die Linse zu bekommen: Das Mohnblumen-Makro, den Eisvogel, die Wüsten-Landschaft, der schwarz-weiße Akt, Porträts von alten Männern, alten Frauen, jungen Mädels, den „witzigen“ Tierschnappschuss und Schatten werfende Brückengeländer. Tatsächlich mag das eine gute Idee sein, wenn der Gewinn von Wettbewerben und anerkennende Kommentare unter den Fotos, die sich meist auf ein „Gut gesehen!“ beschränken, deine Ziele sind.
Letztlich bedeutet aber auch dieser Schritt nur den Austausch von starren Denkmustern, die in den Köpfen der meisten Fotografen wie einzementiert zu sein scheinen. Wie es dazu kommt, ist keine leichte Frage, denn immerhin unterscheiden sich alle Menschen bezüglich ihrer Interessen und Vorlieben, optischen Wahrnehmung, Vorbildung, Persönlichkeit, Sozialisation und ihres fotografischen Werdegangs erheblich voneinander, trachten aber im Zweifelsfall nach fast gleichen Fotomotiven.
Fragt man unterschiedliche Menschen nach ihren Erinnerungen an eine gemeinsame Reise, erhält man höchst subjektive Antworten, die voneinander unterschiedlicher kaum sein könnten. Der eine schwärmt vom guten Essen, der andere von der netten Gesellschaft, der nächste von den schönen Farben der Landschaft und einem weiteren ist die ungewohnte Architektur am Reiseziel aufgefallen. Warum nur knipsen diese unterschiedlichen Menschen (mehr oder minder) die gleichen Motive auf die gleiche Weise? Wegen der zementierten Denkmuster?
Solange man darin gefangen ist, wird man stets dieselben Fotos machen, egal, mit welchem Apparat und egal mit welchem Objektiv. Der Kauf einer neuen, besseren Ausrüstung wird die Erkenntnis reifen lassen, dass es mit der Technik alleine nicht getan ist. Selbst ein neues Extrem-Objektiv – vielleicht ein Fischaugen-Objektiv – wird außer der einen oder anderen Effekthascherei keinen wirklichen Entwicklungsschub bedeuten.
BESSER MACHEN
Experimentierfreude zeigenWer sich aus der „Gefangenschaft der Denkmuster“ befreien will, muss aktiv und aggressiv gegen den „inneren „Schweinehund“, der Gewohnheiten und Bequemlichkeiten liebt, vorgehen. Wie das gelingt, dafür gibt es leider kein Patentrezept. Daher bleibt mir nur übrig, einen Vorschlag zu machen.
Möchte man sich fotografisch verbessern, hat man das klare Ziel, andere Fotos als bisher zu machen. Andere Fotos entstehen aber – wie gehört – nicht durch den Einsatz einer anderen Kamera, sondern dadurch, dass man etwas anders damit tut als das, was man bisher damit tat!
Und wenn wir schon beim Zitieren tiefgründiger Sprüche sind, fällt mir dazu der hier von Nossrat Peseschkian, dem Begründer der „Positiven Psychotherapie“, ein:
„Wenn du willst, was du noch nie gehabt hast, dann tue, was du noch nie getan hast.“
Jetzt wird klar, dass bessere Fotos nur gelingen können, wenn man an seinem Verhalten, an seiner Vorgehensweise etwas verändert. Mit Verhaltensänderungen tun sich Menschen aber generell nicht leicht, daher ist es zunächst wichtig, sich dessen bewusst zu sein. Bleibt nur die Frage, was genau anders gemacht werden soll.
• Freude an dem Umgang mit der Kameratechnik
• Spaß an der Tätigkeit des Fotografierens
• Interesse an den aktuellen Kamera- und Objektivtechnologien
• Sammeln von historischen oder auch aktuellen Fotogerätschaften
• Studium der Foto- und/oder Kamerageschichte
Diese Liste könnte man fortsetzen. Wer aufrichtig in sich hineinhorcht und sein Hauptinteresse auf dieser Liste wiederfindet, braucht sich dem Druck, endlich besser zu fotografieren, nicht auszusetzen.
Anders verhält es sich, wenn man primär des Ergebnisses wegen fotografiert. Die Liste der Varianten ist endlos, daher hier ein Auszug:
• Schaffen eigenständiger Werke jenseits des Erinnerungswerts
• Kunstvolle Darstellung von Motiven
• Jagd nach dem „entscheidenden Moment“
• Warten auf ein „magisches Licht“
• Formal-ästhetische Ansprüche wichtiger als gegenständliche Abbildung
• Fotografie als kreative Ausdrucksmöglichkeit eigener Emotionen
• Fotografie als Instrument, um Empfindungen und Träume zu visualisieren
• Fotografie begreifen als Medium mit allen Freiheiten, die auch ein Maler oder Bildhauer hat
• …
Auch diese Aufzählung ist sicherlich nicht vollständig. Wer sich darin findet oder gerne finden möchte, liest bitte weiter.
Ganz bewusst taucht in dieser Liste nicht das Wort „Kunst“, sondern nur „kunstvoll“ auf. Kunst ist ein arg strapazierter Begriff, über den immer wieder gerne kontrovers debattiert wird. Da es keine allgemeingültigen Kriterien dafür zu geben scheint, bleibt als Ausweg nur, einen großen Bogen um den Terminus „Kunst“ zu machen. Sicher scheint, dass nicht der Erschaffer eines Werks dieses zur „Kunst“ und damit sich selbst zum „Künstler“ deklarieren kann, sondern dass es „Kunden“ bedarf, die ein Werk durch ihr Interesse und ihre Kaufbereitschaft in den „Kunstmarkt“ integrieren. Darauf kann und will ich hier nicht näher eingehen, denn ich stehe diesem „Kunstmarkt“ mit ausgeprägter Skepsis gegenüber. Wichtig an dieser Stelle ist nur, dass ein Fotograf sich nicht selbst zum Künstler erklären sollte und danach eine „Künstlerfreiheit“ für sich in Anspruch nimmt, die jenseits aller Bewertungskriterien liegt. Damit tut er anderen und letztlich auch sich keinen Gefallen.
Sehr wohl nachvollziehen kann ich hingegen den Wunsch von Fotografen, kunstvolle Darstellungen zu erzielen. Der Begriff „kunstvoll“ ist in diesem Zusammenhang so zu verstehen, dass ästhetische, gestalterische, formale oder lustvolle Gesichtspunkte berücksichtigt worden sind. Ein Betrachter sollte Freude beim Anschauen des Fotos haben, dabei eine durch was auch immer ausgelöste Lust verspüren. Wenigstens der Fotograf selbst sollte diesem Anspruch an seine eigenen, besten Fotos gerecht werden.
Wer und wie viele andere Menschen diese Empfindungen teilen oder auf eine andere Art eine visuelle Befriedigung erreichen, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Streng genommen reicht es aus, wenn der kritische Fotograf selbst mit seinen Ergebnissen zufrieden ist. Doch freilich ist jenes Maß an Eitelkeit nicht abzustreiten, die wohl jedem Menschen innewohnt und dazu führt, dass auch die Anerkennung anderer von Wichtigkeit ist. Hier tut sich eine Gratwanderung auf, denn keinesfalls sollte man sich zu einem frühen Zeitpunkt am Geschmack anderer orientieren, wenn es das eigentliche Ziel ist, seinen eigenen und persönlichen fotografischen Weg zu finden.
Hilfreich dabei ist es, sich aufmerksam „schöne“ Dinge anzuschauen. Das muss keineswegs auf Fotografien beschränkt bleiben, sondern kann Gemälde, Skulpturen, Bauwerke und Industriedesign einschließen, ja sogar die Musik und die Dichtung. In vielen dieser Dinge offenbart sich eine Harmonie, ein Wohlklang, ein Rhythmus, eine Struktur von übergeordneter Instanz, die es zu erkennen gilt und die für jeden Fotografen wertvollste Anregungen liefern kann.
Vor diesem Hintergrund sollte es zu einer Gewohnheit werden, beim Fotografieren sich selbst die Frage zu stellen, wie viel Eigenleistung eigentlich in einem Foto steckt. Je mehr Eigenleistung erkennbar wird, desto befriedigender wird das Foto ausfallen. Unter „Eigenleistung“ verstehe ich die Dinge, die kein technischer Apparat je leisten kann. Schärfe und Belichtung zum Beispiel gehören nicht dazu, sie sind der Leistung des Kamera- und Objektivherstellers, dem Programmierer der Kamera-Firmware und dem Entwickler des Bildsensors geschuldet. Wer eine hübsche Statue „abknipst“, muss einsehen, dass der Erschaffer der Statue einen größeren Beitrag zum Foto geleistet hat als der Fotograf!
Eigenleistungen zeichnen sich dadurch aus, dass ein Foto so und nicht anders geworden ist. Versuche, den Anteil der Eigenleistungen in deinen Fotos sichtbar werden zu lassen und diesen Anteil zu steigern. Am besten so, dass du sagen kannst: „Nur ich habe dieses Motiv bisher auf diese Weise abgelichtet“.

Mit anderen Worten: Statt nur das Motiv anzuschauen, sollte der Fotograf auch einmal in sich selbst hineinschauen, um festzustellen, welche Emotionen das Motiv in ihm auslöst. Wie wirkt das Motiv, welche Assoziationen, Erinnerungen, Wünsche, Träume, Ängste, Sehnsüchte oder Lüste werden geweckt, welche „Saiten zum Klingen gebracht“? Wie kann es gelingen, mit fotografischen Mitteln eben jene Emotionen in ein höchst subjektives Bild umzusetzen?
Eine einfache Antwort darauf wäre, diejenige Eigenschaft zum Thema eines Fotos zu machen, die als die wichtigste empfunden wird. Sind es die Farben eines Herbstwaldes, dann könnte man sein Foto auf diese Farben beschränken oder zumindest daraufhin konzentrieren. Ist es die Lichterfülle und Hitze eines Sommertages, sollte auch das Foto davon erzählen. Transportiert ein Motiv etwas träumerisch Verklärtes, Geheimnisvolles, sollte sich auf dem Foto eine Menge davon finden lassen.
Ein vertikaler Kameraschwenk half bei dieser Aufnahme, die Farben des Waldes in den Mittelpunkt zu rücken, andere Details dafür in den Hintergrund zu drängen. Scharfe Bilder von bunten Wäldern gibt es bereits zur Genüge, daher spricht nichts dagegen, die Emotionen des Fotografen höher zu bewerten als eine gegenständliche Abbildung.


Ehrlich gesagt wundere ich mich darüber, dass Digitalkameras vielfach in einer Art und Weise eingesetzt werden, die einer klassischen Kamera mit Film entspricht. Verschenkt wird ein riesiges Potenzial, das in jeder Digitalkamera schlummert. Sie ist nämlich ein extrem mächtiges Werkzeug, um fotografische Experimente zu unternehmen.
Solche Experimente wurden auch vor der Erfindung der Digitaltechnik gemacht, doch es war ungleich schwieriger, zu einem annehmbaren Ergebnis zu kommen, weil immer erst die Filme entwickelt werden mussten, um die Zwischenergebnisse zu sichten. Die Ergebnisse mussten mit den passenden Aufzeichnungen verglichen werden, um zu sehen, welches Experiment zu welchen Ergebnissen führte.
Meistens wurde ein zweiter und dritter Durchgang erforderlich, bis eine „Technik“ soweit gereift war, dass man sie im fotografischen Alltag einsetzen konnte. Alles in allem eine langwierige, fehlerbehaftete und stets mit einem Gefühl restlicher Unsicherheit verbundener Prozess.
Mit der Digitalkamera werden Experimente zum Kinderspiel, manche Ideen können innerhalb kurzer Zeit, einer Stunde, zur „Perfektion“ entwickelt werden, weil man die Ergebnisse sogleich kontrollieren und gegebenenfalls seine Aufnahmetechnik optimieren kann.
Nehmen wir als Beispiel den Texaner Ryan Gallagher, der eine Aufnahmemethode „erfunden“ hat, die als „Camera-Tossing“ bekannt wurde. Dabei wird eine Kamera, während sie belichtet, bei Dunkelheit in die Luft geworfen, wobei sie die Lichter einer Stadt in Form von Linienmustern aufzeichnet. Ein Blick auf seine Webseite http://www.kineticphotography.net/ lohnt sich, auch ohne dass ich empfehlen würde, seine Experimente nachzumachen.
Seine Idee ist gedacht, seine Fotos gemacht, es ihm gleichzutun wäre wenig kreativ. Trotzdem lernen wir von ihm, dass es mitunter nicht schwierig ist, eine interessante Bildidee zu entwickeln. Mithilfe der Digitalfotografie reift die Idee bis zum ersten brauchbaren Bild innerhalb kürzester Zeit! Brennweite, Belichtungszeit, Blende, ISO-Wert, Weißabgleich, Wurfhöhe und „Anfangsdrill“ müssen in einem ausgeklügelten Verhältnis stehen, um ansehnliche Resultate zu erzielen. Von der Methode, die Kamera wieder heil zu fangen, einmal zu schweigen.
Doch auch weniger riskante Unternehmungen lohnen einen Versuch, um festzustellen, ob interessante Ergebnisse dabei herauskommen und welche Wirkung entsteht. Dabei gilt es, sich zu befreien von den klassischen Vorstellungen, was scharf sein muss, wie eine richtige Belichtung auszusehen hat und wann eine realistische Farbwiedergabe erzielt wird. Erlaubt ist alles, was gefällt. An der Kamera können zum Beispiel an folgenden Stellen Änderungen der Einstellungen erfolgen:
• Absichtlich herbeigeführte Über- oder Unterbelichtung (durch Belichtungskorrektur oder manuellen Belichtungsmodus)
• Fokus an eine unerwartete Stelle des Bildes legen (z. B. ein Detail im Vordergrund)
• Bewusst und dosiert eingestellter Fehlfokus (Autofokus abschalten, auf „MF“ stellen)
• Einen nicht „passenden“ Weißabgleich einstellen (erzeugt Farbstiche)
• Falls im Menü der Kamera vorhanden, Wahl eines bevorzugten „Bildstils“
Konkrete Beispiele dazu:
Dieses normal belichtete Motiv gewinnt an Wirkung, wenn …












Eine noch weitaus größere Fülle an kreativen Möglichkeiten hat der Fotograf, wenn es um das „Handling“ beim Fotografieren geht. Dem Einfallsreichtum sind keine Grenzen gesetzt und der Horizont dieser „Spielwiese“ ist unendlich weit entfernt.
Ich habe schon mit beschränkten handwerklichen Fähigkeiten ein Objektiv aus einer Linse gebaut, die ich an der Tankstelle fand und die einem Nebelscheinwerfer entstammte. Und ich habe schon durch die Glasscherben eines Flaschenbodens fotografiert, den ich zufällig vor Ort vorfand.
Was man beim Fotografieren alles machen kann:
• Verwackeln bei längerer Belichtungszeit
• Mitziehen bei längerer Belichtungszeit
• Zoomen bei längerer Belichtungszeit
• Kameradrehungen bei längerer Belichtungszeit
• Zoomen und Kameradrehung bei längerer Belichtungszeit
• Eigenbewegung bei längerer Belichtungszeit
• Fotografieren in helle Lichtquellen
• Unkonventionelle Verwendung des Blitzgeräts
• Verwendung von beliebigem transparentem Material als „Objektivfilter“
• Verwendung irgendwelcher Linsen (-systeme) als Objektiv (Leselupe)
• …
Ohne Weiteres ließe sich diese Liste verlängern.
Hier einige Beispiele:
Diese Bäume mit heller Rinde wirken wie gemalt, weil die Kamera während einer relativ langen Belichtungszeit vertikal geschwenkt wurde.







































Die Spiegelreflexkamera wird damit zu einer „Lochkamera“. Freilich kann man sich Derartiges selbst basteln – oder auch fertig einkaufen.


• Umsetzung in Schwarz-Weiß
• Hinzufügen einer Vignette (dunkle Bildränder) und
• leichte Brauntonung
Völlig verfehlt wäre ein wildes und zielloses Klicken im Bildbearbeitungs-Programm, um zu sehen, ob man zufällig auf einen vorgefertigten Filter trifft, der ein überraschend gefälliges Foto entstehen lässt.
Natürlich kann man sich anfangs auch einmal durch diese fertigen Effektfilter durchklicken, sollte sich aber stets gut merken, welche Wirkungen damit jeweils zu erreichen sind. Schließlich müssen die Resultate ja reproduzierbar sein, d. h., ein einmal „gefundener“ Bearbeitungsstil sollte auch auf andere Bilder anwendbar sein, damit vielleicht im Laufe der Zeit eine sehenswerte Serie entsteht.
Um das sicherzustellen, sollte man stets eine Antwort auf die Frage parat haben, welche bildverarbeitenden Maßnahmen denn zu diesem oder jenem Bildergebnis geführt haben. Schulterzucken und die Aussage „Keine Ahnung, ich habe eine Weile in Photoshop herumgespielt“ sind nicht weiterführend.
Schon bei der Aufnahme war klar, dass dieses Foto den Eindruck einer uralten Fotoplatte erhalten sollte, der durch entsprechende Bildbearbeitung herbeigeführt wurde:




Betrachtet man ein gutes Foto als die Umsetzung einer Vision des Fotografen, stellt man fest, dass die Vision und ihre fotografische Umsetzung eine Symbiose eingehen. Die schönste Vision ist zwecklos, wenn es dem Fotografen nicht gelingt, sie technisch umzusetzen. Umgekehrt nützt ein tief greifendes Verständnis für die Technik der Fotografie herzlich wenig, wenn es an der Vision mangelt.
Egal, welchen Effekt du mit welchen Experimenten erzielst, ob durch Kameraeinstellungen, Handling oder Bildverarbeitung, er sollte niemals dem Selbstzwecke dienen. Ein schlechtes Foto wird durch einen Effektfilter niemals zu einem guten. Motiv, Aufnahme- und Bearbeitungsmethode müssen mit den Vorstellungen, den Visionen des Fotografen eine Einheit bilden – das ist das große Ziel.
Weitere Beispiele:
Ausgangsmotiv für die nächsten beiden Fotos ist dieses Blumenbeet.





Übung
1. Fotografiere ein halbtransparentes Motiv vor einem gleichmäßig hellen Hintergrund, etwa eine Blume in der Vase am Fenster oder einen Ast mit Blättern gegen den Himmel. Stelle die Kamera auf manuelle Belichtung (Programm „M“) ein und den ISO-Wert auf 800. Belichte das erste Foto so, wie es auch die Belichtungsautomatik der Kamera tun würde.Für die weiteren Bilder verlängerst du Schritt für Schritt die Belichtungszeit, bis das entstehende Foto fast nur noch Weiß zeigt. Schau dir die Ergebnisse am PC-Bildschirm an und suche das für dich beste Foto heraus. Wie stark wurde es gegenüber dem Automatikwert überbelichtet? Beachte, wie sich bei starker Überbelichtung die Farben verändern und wie der helle Hintergrund mehr und mehr Strukturen überstrahlt.
2. Stelle an deiner Kamera, die mit einem Zoomobjektiv bestückt ist, eine relativ lange Belichtungszeit ein, etwa ¼ Sekunde. Halte die Kamera-Objektiv-Kombination mit der linken Hand am Zoomring fest, während du mit der rechten Hand die Kamera möglichst gleichmäßig um die optische Achse drehst und dabei auslöst. Wichtig ist, die linke Hand möglichst bewegungsfrei zu halten und die Auslösung erst nach dem Start der Drehbewegung vorzunehmen.
Zum Ende der Belichtung sollte der Zoomring noch nicht am Anschlag angekommen sein. Drehe, auch wenn du den Verschlussablauf am Ende der Belichtung hörst, weiter bis zum Anschlag! Verwende Motive mit möglichst vielen Farbtupfern (Blumenbeet, gemusterte Tischdecke) als Motiv, dann kommt die entstehende Spiralform gut zur Geltung. Mit Kompaktkameras ist diese Übung nicht durchführbar, weil diese während der Belichtung keine Zoomverstellung zulassen.
3. Suche ein Motiv mit einem oder mehreren Bäumen (Wald, Allee, Park, Garten) bei sonnigem Wetter und halte während der Belichtung eine gewöhnliche, transparente, leere Plastik-Getränkeflasche direkt vor die Frontlinse. Gegenlicht ist von Vorteil. Fotografiere mit Offenblende. Beobachte, wie unterschiedlich die Resultate ausfallen, je nachdem, welchen Teil der Flasche du verwendest (Boden, Wände oder Hals). Nimm das Foto mit der besten Wirkung mehrfach auf, wobei du die Belichtung sukzessive in Richtung Überbelichtung korrigierst. Am besten erreichst du das durch Verwendung der manuellen Belichtungskorrektur (+1, +2) oder durch Umstellung auf manuelle Belichtung (Programm „M“).
Weiter geht es mit Teil 10: „Nicht bei ungünstigen Lichtverhältnissen fotografieren“
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MicroSmurf
18.05.2012 - 17:10
Sehr gutes Tutorial, Danke.
Benne96
07.03.2012 - 17:20
Kleines Tricks und große Wirkung, danke! :)
Dorie1968
20.11.2011 - 19:35
Es ist eigentlich alles gesagt worden - prima Tutorial mit super Hinweisen! Erst dachte ich, dass ich als Anfängerin mich wohl erst mal bei den Standards aufhalten sollte - aber nun denke ich, dass, wenn mein Gefühl danach ist und die Stimmung es sozusagen gebietet (hört sich blöd an, sorry), werde ich einfach mal was verrücktes ausprobieren und sehen, ob es mir gelingt. Ohne natürlich die technischen Hintergründe etc. zu vergessen.
Sandra007
20.11.2011 - 19:16
Ein klasse Tutorial. Vielen Dank für die vieln Tipps und Denkanstöße.
rosaRose
21.10.2011 - 20:11
Es ist doch ganz normal, dass Bilder nicht immer jeden gfallen müssen, so verschieden wir Menschen sind, so verschieden sind eben auch Bilder.
Außerdem gibt es immer viele, viele Möglichkeiten ein Bilder zugestalten und auf eine bestimmte Art umzusetzen. Alle Tipps und Ratschläge aus Büchern sind immer nur Anregungen und Vorschläge und diese Tipps hier sind wirklich gut.
Ich freue mich schon auf die Fortsetzung!
rosaRose
21.10.2011 - 20:11
Es ist doch ganz normal, dass Bilder nicht immer jeden gfallen müssen, so verschieden wir Menschen sind, so verschieden sind eben auch Bilder.
Außerdem gibt es immer viele, viele Möglichkeiten ein Bilder zugestalten und auf eine bestimmte Art umzusetzen. Alle Tipps und Ratschläge aus Büchern sind immer nur Anregungen und Vorschläge und diese Tipps hier sind wirklich gut.
Ich freue mich schon auf die Fortsetzung!
rosaRose
21.10.2011 - 20:11
Es ist doch ganz normal, dass Bilder nicht immer jeden gfallen müssen, so verschieden wir Menschen sind, so verschieden sind eben auch Bilder.
Außerdem gibt es immer viele, viele Möglichkeiten ein Bilder zugestalten und auf eine bestimmte Art umzusetzen. Alle Tipps und Ratschläge aus Büchern sind immer nur Anregungen und Vorschläge und diese Tipps hier sind wirklich gut.
Ich freue mich schon auf die Fortsetzung!
solo0671
05.10.2011 - 00:32
danke für das tolle tutorial!
hamsibone
01.10.2011 - 14:19
Vielen Dank für das Tutorial
centipete
30.09.2011 - 21:03
Mit gefällt das sehr gut, weil es einen aufs "Werkzeug Kamera" zurückbringt. Die Möglichkeiten erkunden heißt ja im besten Fall, besser zu verstehen, wie das Ding eigentlich funktioniert.
Sehr gut gefällt mir auch, daß es nicht nur die Standard-Comments auslöst ("Gutes Tut - Danke - probier ich gleich mal aus."). Könnte man als Qualitätsmerkmal sehen :)
geändert von centipete am 30.09.2011 - 21:04
Compositor
30.09.2011 - 19:49
Mir gefallen zwar auch nicht alle Bilder - jeder hat nun mal einen anderen Geschmack. Auf jeden Fall beinhaltet das Tut jede Menge Anregungen, die zum Nachmachen animieren. Vielen Dank dafür.
Andre_S
30.09.2011 - 16:19
Hier werden verkrustete Denkmuster aufgebrochen und inspierative Adern zum pulsieren gebracht.
Klasse
geändert von Andre_S am 30.09.2011 - 16:21
Rastabob
30.09.2011 - 07:08
Ziemlich cool..... ! gibt leichte impressionistische Möglichkeiten :-)
allannda
29.09.2011 - 21:37
Ich bin begeistert!
Es gibt sehr viele schöne Fotos, die aber irgendwie langweilig sind. Es ist wahr, es gibt fast nichts, was nicht schon fotografiert wurde. Einen Weg zu finden, dass meine Fotos meine eigene Handschrift tragen ist sehr schwer. Vieleicht hast du mich auf diesem Weg ein Stück weiter gebracht. Vielen Dank für dein Tut!
Liebe Grüße!
RGN90
29.09.2011 - 18:51
Hallo,
vielen Dank für das hervorragende Tut. Es ist von der ersten bis zur letzten Seite auch meine Sichtweise. Das sich daran die Geister reiben die die Qualität eines Bildes an der Schärfe messen ist mehr als normal. Leider finden sich zuviele in der ersten beschriebenen Gruppe (Seite 5). Das ist ja soweit auch ok. Aber diese Gruppe sollte dann halt schwerpunktmäßig auch die aufgelisteten Themenschwerpunkte bewerten und weniger die Werke der 2. Gruppe mit der Unterstellung "... vermutlich ein schlechtes/mißlungenes Foto das nachträglich schön geredet wird und so getan wird als hätte man das gewollt". In fast jedem Bild des Tut ist die "Auseinandersetzung / Beschäftigung" mit dem Motiv sichtbar und mir gefallen fast alle. Nochmals vielen Dank. Gerne mehr davon.
Gruß
Georg
berndschwartz
29.09.2011 - 01:03
...und ich dachte schon ich stehe alleine in weiter Flur mit der Überwindung der klassischen Denkmuster...MEINER Meinung nach wäre es schön, wenn davon etwas mehr hier im Forum einfließen würde, ohne jedoch die urspürunglich und strukturierte "Photographie" zu vernachlässigen oder gar zu verwerfen..ohne die klassische und exakte und gute alte/neue Technik und Ausbildung der Fotografie ist ein Ausbrechen aus festen Denkweisen nicht möglich...aber nur MEINER Meinung nach... ;-)
stefan_seip
29.09.2011 - 09:06
berndschwartz schrieb:
'...ohne jedoch die urspürunglich und strukturierte "Photographie" zu vernachlässigen'
Das sehe ich auch so. Daher beschäftigt sich nur EINE Folge (von 23) der Tutorialserie mit der EINLADUNG zum Experimentieren.
andemande
28.09.2011 - 08:05
hallo Stefan,
habe gerade das Tutorial "durchgeblättert", d.h. Bilder betrachtet, Text noch nicht gelesen. Weißt du was mein erster Gedanke war? Der Geist der FC lässt grüssen.
Die einen gestalten solche Werke mit Photoshop, du gehst hier den Schritt weiter und erledigst das bereits mit der Aufnahme. Ich sag es ehrlich, die Photoshop-Spielereien sind eine feine Sache und so lange das Originalbild behalten wird eine wunderbare Ergänzung. Wer nach deiner Methode knipst hat in 20 / 30 Jahren Hipstamatic-Styles zum Anschauen und ich garantiere dir, es kommt wenig Freude auf.
Unter Denkmuster überwinden sehe ich dieses Tutorial nicht, sondern das Gegenteil, eine Aufforderung zur unkritischen Zeitgeist-"Photographie" . Übrigens, die Schreibweise "Photographie" werte ich auch als Markenzeichen.
stefan_seip
28.09.2011 - 09:21
An was ich in 20 / 30 Jahren Freude habe, interessiert mich heute noch nicht so sehr. Meine aktuellen Photos müssen diesen Zeitraum nicht überdauern. Vielmehr geht es mir darum, HEUTE und JETZT Spaß am Photographieren zu haben und diesen - soweit es mir möglich ist - anderen zu vermitteln.
Ich hätte im Übrigen vor dem Verfassen eines Kommentars nicht nur die Bilder angeschaut (auch ein Zeitgeist!), sondern auch den Text gelesen... ;-)
geändert von stefan_seip am 28.09.2011 - 09:25
andemande
28.09.2011 - 13:41
hallo Stefan,
man (sprich der gemeine Knipser) macht keine Bilder für die Ewigkeit, schon klar, und tradierte Wege verlassen erweitert den Horizont.
Wer 10 (100) gelungene klassische Aufnahmen vom Taj Mahal gemacht hat darf / soll ruhig zusätzlich das Aquarell in Bleu machen. Wer allerdings nur das Blaue hat, ärgert sich bald "grün".
Ich werde schon noch lesen, aber wenn mir die Bildbeispiele schon nicht überzeugend sind, werde ich vermutlich nicht unbedingt meine Meinung ändern.
Vielleicht sind es nur deine Beispielbilder die mir nicht wirklich einen neuen Weg zeigen.