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Teil 13: Nicht immer aus Augenhöhe fotografieren
18.05.2012 in Endlich besser fotografieren von stefan_seip
- Kategorie: Endlich besser fotografieren
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BITTE NICHT
Immer aus Augenhöhe fotografierenWahrscheinlich aus Bequemlichkeit machen Fotografen zu viele Fotos aus ihrer Augenhöhe. Das ist freilich nicht immer falsch, denn immerhin stellt die Augenhöhe eines Menschen sozusagen eine „Normalperspektive“ dar, die jedermann kennt, die jedem „geläufig“ ist und die somit keine (in manchen Fällen vielleicht) unerwünschten Überraschungseffekte nach sich zieht.
Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und behaupte, dass bei manchen Motiven die Augenhöhe als Perspektive sogar förderlich ist, gerade weil ein Motiv in der uns vertrauten Art und Weise dargestellt werden soll. Ein gutes Beispiel sind Fotos von Autos.
Die folgenden drei Fotos entstanden alle mit der gleichen Brennweite, einem leichten Weitwinkel-Objektiv:
Aus Bodennähe wird die Form des Fahrzeugs nicht überzeugend dargestellt. Die Attraktivität der Karosse kommt nicht zur Geltung. Ich kann nur schwer nachvollziehen, warum immer wieder Autos aus einer solchen Perspektive abgelichtet werden.




Diese Wendeltreppe hingegen wirkt aus normaler Augenhöhe langweilig und unattraktiv. Welch ein Unterschied zum nächsten Bild, für das die Kamera, mit dem Objektiv nach oben gerichtet, auf den Boden gelegt wurde – und zwar an die Stelle, die auf diesem Foto markiert ist (roter Pfeil)!

BESSER MACHEN
Ungewöhnliche Perspektiven suchenDie generelle Empfehlung lautet daher, aktiv (neumodischer Ausdruck: „proaktiv“) nach ungewöhnlichen und spannenden Blickwinkeln zu suchen. Dabei ist stets in Betracht zu ziehen, die Augenhöhe zu verlassen und Fotos entweder von tieferen oder auch höheren Kamerastandpunkten einzunehmen. Selbst viele an sich eher profane Motive können ein sehenswertes Foto ergeben, wenn sie aus einer für den Betrachter überraschenden, unbekannten Perspektive fotografiert werden.
Die auf dem Boden liegende Kamera nahm dieses Foto der Wendeltreppe (siehe vorige Abbildung) auf. Durch eine extrem ungewöhnliche Perspektive entstand ein sehenswertes Foto.

Froschperspektive
Ein Kamerastandpunkt unterhalb der Augenhöhe wird als „Froschperspektive“ bezeichnet. Sie kann praktisch in jeder Aufnahmesituation gewählt werden, weil es dazu schon ausreicht, in die Knie zu gehen. In Extremfällen nimmt die Kamera eine bodennahe Position ein, wird dabei vielleicht auf den Boden aufgesetzt oder gar in eine Grube im Boden versenkt.Stets entsteht bei der Froschperspektive das Problem, noch bequem durch den Sucher schauen zu können, wenn sich der Fotograf nicht auf den Boden legen möchte. Letzteres ist nicht immer praktikabel, wenn beispielsweise der Boden feucht oder schmutzig ist.
Als technische Hilfsmittel zur Lösung dieser Problematik bietet sich ein Winkelsucher oder eine Digitalkamera mit Klappdisplay an.
Winkelsucher
Der Winkelsucher wird anstelle der Gummi-Augenmuschel auf das Okular einer Spiegelreflexkamera gesetzt und erlaubt einen um 90 Grad versetzten Sucheranblick.Der auf das Okular angesetzte Winkelsucher ermöglicht die Sucherbetrachtung von oben, während die Kamera auf dem Boden steht.

Winkelsucher sind drehbar, sodass der Einblickkomfort auch bei Hochformataufnahmen nicht leidet.

Bei Makroaufnahmen hilft die einschwenkbare Lupe dieses Winkelsuchers, das Sucherbild um den Faktor 2,5 zu vergrößern, um so die kritische Scharfeinstellung zu erleichtern.

Zu beachten beim Erwerb eines Winkelsuchers ist, dass er auf die Kamera passt. Die Okulare der Kameras unterscheiden sich von Hersteller zu Hersteller. Wer die nicht unerheblichen Kosten für einen Winkelsucher des Kameraherstellers scheut, kann bei Fremdanbietern fündig werden, sollte dabei aber die Qualität und den Komfort mit dem Original vergleichen.
| Hersteller | Zirka-Preis in Euro |
| Canon | 175 |
| Nikon | 190 |
| Sony | 185 |
| Fremdanbieter | 35 bis 70 |
Klappdisplay
Statt eines Winkelsuchers leistet auch ein klappbares Display an der Kamera gute Dienste, um bequem aus der Froschperspektive fotografieren zu können. Etliche Kompakt- und Bridgekameras verfügen über ein Klappdisplay, aber auch bei Spiegelreflexkameras ist es bei neueren Modellen vermehrt anzutreffen. Lange Zeit den digitalen Kompakt- und Bridge-Kameras vorbehalten, gibt es Live-View und Klappdisplay nun auch bei immer mehr Spiegelreflexkameras, was Aufnahmen aus der Froschperspektive auch ohne Winkelsucher leichter macht (Symbolfoto).
„Von oben herab“ fotografiert ist dieser Löwenzahn nur für ein eher unterdurchschnittliches Foto gut.


Andere elektronische Sucher
Das Livebild mancher Digitalkameras kann über eine spezielle Schnittstelle auch an externe Displays übertragen werden, die dann als elektronischer Sucher fungieren. Viele verschiedene Systeme sind erhältlich, die jeweils mit bestimmten Kameramodellen zusammen funktionieren.Einfache Varianten könnte man als nachrüstbare Klappdisplays bezeichnen, wogegen nichts einzuwenden ist, wenn sich der Kaufpreis in Grenzen hält. Ob aber drahtlose Varianten, für die bis zu 300 Euro fällig werden, oder riesige Flachbildschirme zu noch höheren Preisen eine Anschaffung wert sind, sollte gründlich überlegt und abgewogen werden.
Auch dieses Bild einer Kirche und einem Pfosten, der Autofahrer fernhält, entstand aus der Froschperspektive. Die Kamera lag mit der Rückseite auf dem Asphalt. Um das Display vor Verkratzen zu schützen, wurde einfach ein Papiertaschentuch untergelegt.





Vogelperspektive
Das Gegenstück zur Frosch- ist die Vogelperspektive bei Kamerastandpunkten oberhalb der Augenhöhe eines aufrecht stehenden Menschen. Im einfachsten Fall entsteht ein Foto aus der Vogelperspektive, wenn der Fotograf die Kamera über seinen Kopf hält und in Richtung des Erdbodens fotografiert. Ein Blick in den Sucher ist bei dieser Arbeitsweise nicht möglich, sodass mit größeren Bildwinkeln (Weitwinkel) blind gearbeitet und auf einen Glückstreffer gehofft wird. Mit etwas Übung lässt sich die Ausbeute auf ein erstaunlich hohes Maß steigern.Bei solchen „Überkopffotos“ muss auf den Sucheranblick verzichtet werden. Dennoch können mit etwas Übung auf diese Weise gute Fotos entstehen.

Noch ein bisschen Höhe gewinnt, wer sein Einbeinstativ als Armverlängerung benutzt. Ein Kabelauslöser und ein Kugelkopf komplettieren die Ausstattung.

Unter kontrollierten Bedingungen entstehen Fotos aus der Vogelperspektive, wenn der Fotograf einen erhöhten Standpunkt einnimmt, also eine Mauer oder Treppe erklimmt, aus dem Fenster oberer Stockwerke, von Balkonen, Brüstungen, Dächern, Leitern und ähnlichen Einrichtungen seine Fotos schießt. Dass dabei die eigene Sicherheit höchste Priorität hat, sei der Vollständigkeit halber erwähnt.
Das Erklimmen eines kleinen Mäuerchens erlaubte diese Aufnahme aus leichter Vogelperspektive. Durch sie kamen mehr Läufer aufs Bild und die ruhige Asphaltfläche macht einen Großteil des „Hintergrundes“ aus.

Als Passagier ist ein Sitzplatz an einem sauberen Fenster anzustreben; bei motorgetriebenen Maschinen vor dem Abgasstrahl der Motoren, der ansonsten die Bildschärfe massiv beeinträchtigen kann. Ideal sind Fluggeräte, bei denen man Fenster oder Türen öffnen kann und man nicht durch eine Fensterscheibe hindurch fotografieren muss.
Vibrationen während des Fluges erfordern kurze Verschlusszeiten, wobei die Kamera nicht gegen die vibrierende Scheibe gehalten werden darf. Dennoch nähert man sich mit der Frontlinse der Kamera der Scheibe möglichst weit, ohne sie zu berühren, und fotografiert mit Offenblende, allenfalls leichter Abblendung, damit auf der Scheibe befindliche Schmutzpartikel nicht sichtbar werden.
Das Foto des „Planeten Erde“ entstand mit einem Fischaugenobjektiv aus dem Fenster einer gewöhnlichen Verkehrsmaschine heraus von einem regulären Sitzplatz für Passagiere.



Klingt das alles sehr praxisfremd? Mag sein, daher noch zwei Anregungen: Buche beim nächsten Urlaubsflug frühzeitig und lasse dir einen Fensterplatz im vorderen Teil der Maschine, also vor den Tragflächen, reservieren. Dann beginnt das Fotovergnügen schon auf dem Hinflug! Am Urlaubsort angekommen, besteht in vielen Ländern die Möglichkeit, zu moderaten Preisen ein kleines Privatflugzeug samt Pilot zu chartern.
Mit ihm lässt sich vereinbaren, wo es hingehen soll und vor allem die Tageszeit, damit das Licht der tief stehenden Sonne eine Landschaft im besten Licht präsentiert. Das Geld für einen solchen individuellen Rundflug ist gut investiert und die Fotoausbeute sicher bedeutend reicher als bei manch einem Pauschalausflug im Kleinbus …
Der Autor in einem privaten, gecharterten Cessna-Kleinflugzeug, auf dem Weg zu einem Meteor-Einschlagkrater bei Flagstaff, USA.





Menschen oder Tiere vor der Kamera
Eine besondere Bedeutung bekommt das Thema „Augenhöhe“ bei Motiven, die selbst Augen haben, also in erster Linie bei Menschen oder Tieren, rein theoretisch aber auch bei Puppen, Plüschtieren oder anderen figürlichen Darstellungen von Lebewesen. Dann lautet die Empfehlung, aus der Augenhöhe der Motive zu fotografieren.Nicht nur bei Menschen, auch bei Tieren ist es eine gute Empfehlung, sie aus ihrer Augenhöhe heraus abzulichten.

Augenhöhe bei Kindern – das bedeutet für den Fotografen, dass er sich bücken muss.


Aus der Höhe abgelichtet wirken Menschen klein, unterdrückt, schutzlos, vom Fotografen dominiert und beherrscht.





Nicht ohne Grund stehen mächtige Denkmäler großer Persönlichkeiten (hier: Friedrich Schiller) auf hohen Sockeln, damit man zu ihnen aufschauen muss, sich selbst dabei etwas „erniedrigt“ vorkommt.




Diese Regeln sind als „Faustregeln“ zu verstehen. Befolgt man sie, kann man nicht viel falsch machen. Was allerdings nicht bedeutet, dass in manchen Fällen eine bewusst vorgenommene Missachtung der Regel nicht dennoch angebracht ist.
Wird beispielsweise eine Person von „oben herab“ fotografiert, die jedoch den Kopf nach oben kippt, das Gesicht der Kamera entgegen hält und dabei einen selbstbewussten Eindruck hinterlässt, besteht kaum die Gefahr, dass ein Bildeindruck einsteht, bei dem der Fotograf das Modell „dominiert“.
Beispiele
Vögel fotografiert man besser nicht aus der „Vogelperspektive“, sondern – wie bei Tieren allgemein ratsam – aus deren Augenhöhe. Auch bei dem Foto dieses Feldsperlings war diese Perspektive angemessen.






Übung
1. Mach ein Foto aus der Froschperspektive, wobei die Kamera auf dem Boden aufgesetzt oder gar mit dem Objektiv nach oben gelegt wird. Wenn Hilfsmittel wie Winkelsucher oder Klappdisplay nicht zur Verfügung stehen, dann fotografiere einfach, ohne durch den Sucher zu schauen! Wenn mit großem Bildwinkel (Weitwinkel) fotografiert wird, ist die Trefferquote auch ohne einen Blick durch oder auf den Sucher mit etwas Übung beachtlich. Als Motive kommen zum Beispiel infrage: ein Haustier, ein Fahrrad, eine Wiese oder eine Treppe.2. Nun gilt es, ein Foto aus der Vogelperspektive zu erstellen. Dabei bitte keine Risiken eingehen! Es reicht, von einer gesicherten Brüstung, einem Balkon oder einem höher gelegenen Fenster aus zu fotografieren, notfalls sogar mit einer über Kopf gehaltenen Kamera. Als Motive eigen sich beispielsweise Fußgängergruppen (am besten mit langen Schatten), Stühle/Tische, eine Weg-/Straßenkreuzung oder ein Schiff auf einem Fluss (Brücke als Standort!).
3. Nimm eine Person deiner Wahl aus drei verschiedenen Perspektiven auf: aus Augenhöhe, weit unterhalb und weit oberhalb der Augenhöhe. Das Modell sollte dabei seine Kopfhaltung nicht verändern, allenfalls mit Augenbewegungen in die Kamera schauen. Versuche, auf den entstandenen Fotos die oben beschriebene Wirkung der „Dominanz“ des Modells oder der des Fotografen nachzuvollziehen. Hole dazu auch die Meinung des Modells ein.
4. (Optional) Wiederhole Übung 1 und 2, verwende dafür aber dasselbe Motiv und nimm ein drittes Bild davon aus (deiner) Augenhöhe auf. Vergleiche die entstandenen Fotos miteinander.
Weiter geht es mit Teil 14: „Nicht nur bei ‚schönem‘ Wetter fotografieren“
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fluzzy
31.03.2013 - 10:29
klasse - sehr lehrreich!
TheIncredibleHagen
07.12.2012 - 15:58
Super, sehr anschaulich unf hilfreich erklärt!
spuellana
27.10.2012 - 16:54
danke für das hilfreiche tutorial ;)
schulteost
29.09.2012 - 14:05
Danke. Es ist gut, an die Möglichkeiten der Fotografie erinnert zu werden - besonders, wenn nicht viel doziert, sondern mehr an Beispielen demonstriert wird.
Bassoony
03.07.2012 - 16:21
Interessante Perspektivwechsel und vor allem: super Beispielbilder! Tausend Dank!
yorker976
28.06.2012 - 17:03
Danke für das Tutorial. Man kann immer wieder was Tolles lernen.
Arcangelo
20.06.2012 - 11:04
Danke für die tollen Anregungen.
Gismo77
19.06.2012 - 20:58
Echt Klasse Tutorial, weiter so
gimprobs
14.06.2012 - 20:14
Vorallem der Hinweis auf den Winkelsucher war sehr interesant.Wusst bis jetzt nicht, das es so gibt.
michael_freemann
10.06.2012 - 19:18
Wieder einmal ein toller Beitrag.
Schachfigur
28.05.2012 - 19:46
Sehr gutes Tutorial - mehr muss man dazu einfach nicht sagen ;)
Dankeschön =)
geändert von Schachfigur am 28.05.2012 - 19:46
hamsibone
27.05.2012 - 14:12
Vielen Dank für das Tutorial
etatkath
25.05.2012 - 16:39
Ja genau, es lohnt sich immer, die Perspektive mal zu verändern. Sehr guter Beitrag, der zur Kreativität ermuntert.
apo04
25.05.2012 - 09:54
Vielen Dank Stefan für die tollen und professionellen Tipps, die Du hier sehr anschaulich und mit guten Fotos präsentierst. Bin schon gespannt auf kommende Tutorials.
GHR
20.05.2012 - 19:27
super tutorial, werde in zukunft mehr auf meine perspektiven achten
Domino
20.05.2012 - 19:02
Sehr gutes Tutorial mit wertvolen Tipps und Tricks, die man immer brauchen kann. Danke.
Stando
20.05.2012 - 01:11
Hammer, vielen Dank für das Tutorial
berndschwartz
18.05.2012 - 23:25
Super Tutorial...prima erklärt, vielen Dank dafür
huibuh
18.05.2012 - 20:11
Danke! Ich warte schon immer auf den nächsten Teil. Auch dieser ist, wie die vorhergehenden, gut erklärt und regt zum ausprobieren an.
Wolfgang_Dz
18.05.2012 - 16:50
Vielen Dank für das gute Tutorial, da sind wirklich gute, überraschende Ideen drin, wann eine ganz andere Perspektive richtig ist und wann vielleicht auch nicht.