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Weißabgleich bei digitalen Kameras
07.02.2009 in Grundlagen der Fotografie von Trutscherle
- Kategorie: Grundlagen der Fotografie
- Erstellt mit Programmversion: digitale Kamera
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Weißabgleich in einer Digitalkamera
Moderne digitale Spiegelreflexkameras (DSLR) bieten zwei Möglichkeiten der WB-Ausführung: Sie können entweder einen automatischen Weißabgleich oder einen manuellen Weißabgleich ausführen, um das Aufnahmeverhalten der Kamera an die jeweilige Lichtsituation anzupassen, wohingegen Kompaktkameras der unteren Preisklasse meist nur mit dem vollautomatischen Weißabgleich arbeiten (AWB).Außer diesen beiden Möglichkeiten bieten viele DSLR's den sogenannten halbautomatischen Weißabgleich, bei dem man bestimmte Lichtsituationen, wie zum Beispiel:
Sonnenschein, Wolken, Kunstlicht, Blitzlicht, Glühlampen usw. vorwählen kann.
Halb- und vollprofessionelle Modelle bieten auch noch zusätzlich die Einstellung des Weißabgleiches nach Farbtemperatur, bei der der Benutzer die Kelvingrade der Farbtemperatur selbst wählt.
Deshalb beschäftigen wir uns zuerst mit dem Begriff der „Farbtemperatur“.
Sowohl analoges Filmmaterial als auch digitale Kameras werden auf eine bestimmte Farbtemperatur eingestellt.
Das muss man sich so vorstellen: Ein vollkommen schwarzer Körper wird erhitzt, ab einer bestimmten Temperatur beginnt er zu glühen, beginnend mit dunkelrot, hellrot, gelb über weiß bis blau. Um jetzt gültige einheitliche Werte zu bekommen, wurde dem jeweiligen Glühstatus – sprich Temperatur in Kelvin - die Farbe zugeordnet, die unser schwarzer Körper genau in diesem Moment hat. Sonnenlicht hat um die Mittagszeit eine Temperatur von 5.526,8°. Würde unser schwarzer Körper diese Temperatur annehmen, würde er exakt reinweiß leuchten. Geht man hiervon aus, wird die Lichtfarbe um so rötlicher, je niedriger die Farbtemperatur wird, und um so bläulicher, je höher die Farbtemperatur wird. Daher spricht man von Farbtemperatur. (°Kelvin entsprechen °Celsius minus bei 273°).
Tageslicht wird mit ca. 5.500 Kelvin genormt, Glühlampen mit ca. 2800-3.400 Kelvin, Leuchtstoffröhren mit ca. 4.000 Kelvin, bewölkter Himmel mit ca. 7.000 Kelvin, blauer Himmel je nach Höhe von ca. 8.000-12.000 Kelvin, blaue Stunde mit ca. 15.000 Kelvin.
|
Farbtemperatur |
Lichtquelle |
|---|---|
|
2.000 Kelvin |
Kerzenlicht (=rötliches Licht) |
|
2.500 Kelvin |
Glühbirne 40 Watt |
|
3.000 Kelvin |
Sonnenuntergang, Halogenlampe |
|
3.200-3.400 Kelvin |
Fotolampen |
|
4.000 Kelvin |
Leuchtstoffröhre (Kaltweiß) |
|
4.500 Kelvin |
Xenonlampen, Lichtbogen |
|
5.000 Kelvin |
Morgen- und Abendsonne |
|
5.500 Kelvin |
Blitzgeräte |
|
6.000 Kelvin |
Bedeckter Himmel |
|
7.000 Kelvin |
Schatten bei wolkigem Himmel |
|
8.000 Kelvin |
Schatten bei blauem Himmel |
|
12.000 Kelvin |
Blauer Himmel |
|
15.000 Kelvin |
Blaue Stunde |

Zurück zu unserem Weißabgleich
Unser Auge führt für uns einen ständigen Weißabgleich aus und stellt sich automatisch auf die neuen Lichtsituationen ein: Wir sehen immer „richtig“; es führt eine chromatische Adaption aus. So nehmen wir einen Farbstich, den z.B. eine Glühbirne verursacht, nicht wahr. Das menschliche Auge gleicht den Farbstich aus, während eine Digitalkamera ihn aufzeichnen würde. (Rotstich bei Kerzenlicht, Blaustich bei Schnee). In „normalen Situationen“ misst der automatische Weißabgleich meist völlig korrekt.Automatischer Weißabgleich + halbautomatischer Weißabgleich
Der automatische Weißabgleich moderner Digitalkameras arbeitet in der Regel sehr zuverlässig und sorgt meist für korrekt belichtete Ergebnisse. Versagt die Automatik in schwierigen Lichtsituationen, können wir die sogenannte Halbautomatik (vorgegebene Lichtsituationen anwählbar durch Symbole) nutzen und erhalten mit ihr fast immer befriedigende Resultate.Beispiel 1: regnerisches Wetter, trüber Himmel
Vollautomatischer Weißabgleich der Kamera:


Manueller Weißabgleich auf Taschentuch: (die Taschentuchmethode wird etwas später genau erklärt)

An diesem regnerischen Tag bringen folgende Einstellungen diese Ergebnisse:
Automatischer Weißabgleich (AWB) liefert kalte Farben, das Gelb des Hauses wird zu kühl wiedergegeben.
Tageslicht (vorgewählte halbautomatische Einstellung) liefert ähnliche unbefriedigende Ergebnisse, auch hier wird das Gelb zu kühl wieder gegeben.
Bewölkt (vorgewählte halbautomatische Einstellung) liefert bereits bessere Farben, wir sind aber noch nicht 100% zufrieden; unser Auge sieht das Gelb doch noch kräftiger.
Manueller Weißabgleich mit der Taschentuchmethode liefert das korrekt wiedergegebene Gelb - wir sind zufrieden.
Anhand dieser Beispiele sieht man auch deutlich, dass man mithilfe der Vorwahl des Weißabgleiches gezielt bestimmte Farbrichtungen einstellen oder Farben verschieben kann.
Beispiel 2: sonniges Wetter, blauer Himmel
Vollautomatischer Weißabgleich der Kamera
Halbautomatischer Weißabgleich auf Tageslicht

Manueller Weißabgleich auf Taschentuch

An diesem sonnigen Tag führen folgende Einstellungen zu den folgenden Ergebnissen:
Automatischer Weißabgleich (AWB) bewirkt, dass das Foto unterbelichtet wird. Der Schnee wirkt stumpf, die automatische Belichtungsmessung wird durch Schnee und Sonne irritiert.
Tageslicht (vorgewählte halbautomatische Einstellung) berücksichtigt die Lichtsituation besser, mit ihr kommen wir unserer Wahrnehmung schon sehr nahe.
Manueller Weißabgleich auf Taschentuch bewirkt, dass das Foto am ehesten unserem visuellen Eindruck nahekommt; der Schnee strahlt und ist weiß.
Schwarz und Weiß ergeben Grau?
Nun tritt aber häufig das Problem auf, dass der Fotograf ein Bild mit völlig anderen Farben erhält, als er sie sieht. Das kann verschiedene Ursachen haben:• der Weißabgleich steht auf Automatik, die Automatik ist überfordert und macht bei der Lichtmessung Fehler
• der automatische Weißabgleich entscheidet sich bei Mischlicht für das falsche Licht.
• Das Motiv ist für einen exakten Weißabgleich zu klein
• die Halbautomatik liefert zwar korrekt belichtete Fotos, aber nicht die gewünschte Bildstimmung
Beispiele:
a. Große FlächenDie Kamera sucht auf dem Motiv nach der hellsten Stelle und ordnet ihr die Farbe Weiß zu. Ist diese Fläche aber kein reines Weiß, entsteht ein unerwünschter Farbstich.
Um das besser zu verstehen, fotografieren wir ein weißes Blatt Papier formatfüllend mit automatischem Weißabgleich. Unser Kamerabild zeigt uns eine hellgraue Fläche.
Anschließend fotografieren wir mit gleicher Kameraeinstellung wieder formatfüllend ein schwarzes Blatt Papier – unsere Kamera zeigt uns wieder eine graue Fläche, die sich durch nichts vom vorigen Bild unterscheidet.
Foto auf weißem Blatt Papier

Foto auf schwarzem Blatt Papier

Woher kommt es, dass beide Fotos völlig gleich aussehen?
Beim automatischen Weißabgleich wird anhand der Farbmengen des Motivs, bei dem weißen Blatt Papier, das viel Licht reflektiert, die einfallende Lichtmenge berechnet und sehr kurz belichtet. Das weiße Blatt erscheint grau.Bei dem schwarzen Blatt Papier, das wenig Licht reflektiert, wird die einfallende Lichtmenge berechnet und sehr lange belichtet. Das schwarze Blatt erscheint ebenfalls grau.
Dieses Problem entsteht immer dann, wenn größere Flächen des Motivs sehr dunkel oder sehr hell sind.
b. Farbstimmungen wie Sonnenuntergänge oder Kerzenlicht
Die Kamera belichtet einen wunderbaren Sonnenuntergang auf die hellste Stelle und versucht dadurch, das viele Rot im Bild zu neutralisieren. Das Ergebnis ist ein helleres Bild mit weniger Rottönen, die warmen Farbtöne gehen dabei teilweise verloren, die schöne Stimmung des Sonnenuntergangs wird nicht so wiedergegeben, wie wir uns erinnern. Ähnlich ist es bei Fotos mit Kerzenlicht.
Automatischer WB

Manueller WB

c. Innenaufnahmen in Räumen mit großen Fenstern und draußen Sonne = zwei unterschiedliche Lichtquellen
Die Kamera misst die Lichtverhältnisse im Raum. Diese sind relativ dunkel, die Belichtungsmessung wird durch das Sonnenlicht in den Fenstern irritiert. Die Kamera entscheidet sich für eine der beiden Lichtquellen. Es entsteht ein meist unterbelichtetes Bild oder ein Farbstich.
Um all diese Irritationen zu vermeiden, nutzte man zu Analogzeiten eine Graukarte. Heute, bei modernen Digitalkameras, reicht in solch einem Falle ein manueller Weißabgleich mit der Taschentuch-Methode völlig aus. Womit wir schon beim Manuellen Weißabgleich angekommen sind.
Die Taschentuchmethode
Papiertaschentuch um Objektiv gespannt
Hierzu nimmt man ein ganz normales Papiertaschentuch (diese sind am besten geeignet, da sie keine optischen Aufheller enthalten, die einen Blaustich erzeugen würden - Schreibmaschinenpapier wäre deshalb ungeeignet) und spannt es über das Objektiv. Mit der umgedrehten Streulichtblende kann man das Papiertaschentuch fixieren.
Dann stellt man den Autofokus auf Manuell fokussieren MF um (ist ganz wichtig) und fotografiert in einem beliebigen halbautomatischen WB-Modus direkt in die vorhandene Lichtquelle (nicht in Richtung des Motivs).
Wenn das Motiv von mehreren Lichtquellen unterschiedlicher Farbtemperatur beleuchtet wird, muss man sich für eine Richtung entscheiden und macht dafür am besten mehrere Fotos in die unterschiedlichen Lichtquellen und wählt die Aufnahme, die den eigenen Vorstellungen am ehesten entspricht.
Anschließend dieses Foto auswählen und im Kameramenü auf die Option Manueller Weißabgleich umstellen, Referenzbild auswählen, mit Set bestätigen. Die Weißabgleichdaten des Referenzbildes werden importiert. Menü beenden, dann in der Halbautomatik wieder Manuellen Weißabgleich wählen, evtl. auf AF umstellen, und fertig.
(Die genauen Schritte bitte im Kamerahandbuch nachlesen, da hier von Kamera zu Kamera leichte Unterschiede vorhanden sind).
Dieses „weiße“ Foto ist nun das Referenzbild für alle Berechnungen der Kamera.
Mit dieser Referenz kann man entweder alle folgenden Belichtungen auf neutral stellen oder man benutzt sie zur späteren Stapelverarbeitung im Bildbearbeitungsprogramm. Dadurch werden alle Aufnahmen einer Lichtsituation gleichzeitig farblich korrigiert.
Weißabgleich als gestalterisches Mittel
Noch zu erwähnen ist, dass ein „falsch“ gewählter Weißabgleich auch als gestalterisches Mittel genutzt werden kann. Ein Raum, der mit Glühlampen beleuchtet ist, aber mit Weißabgleich Tageslicht fotografiert wird, bekommt eine gelblich-orange Tönung, die evtl. die Stimmung besser wiedergibt. Ein Porträt mit falschem Weißabgleich kann durch den entstandenen Blaustich gewollt kühl wirken. Hier gilt: ausprobieren, experimentieren und gezielt falsche Einstellungen zur Bildgestaltung einsetzen.Beispiel:
Folgendes Makrofoto (Ausschnitt) wurde bei Kunstlicht (ca. 3.300°Kelvin) aufgenommen:WB auf Automatik

WB auf Kunstlicht ca. 3.300°Kelvin

WB auf Tageslicht

Bei diesem Bild waren mir die Farben im AWB viel zu kühl, auch die Originalfarben des halbautomatischen WB gefielen mir nicht so gut. Ich experimentierte etwas und fand, dass mir das Bild bei WB Tageslicht am besten gefiel, obwohl die Farbstimmung nicht dem Original entsprach.
Auch dies ist für mich einer der Gründe, warum ich der Überzeugung bin, dass man zwar als Fotografie-Anfänger ruhig dem AWB der Kamera vertrauen kann, dann aber doch auch die Möglichkeiten der modernen DSLR-Kameras nutzen sollte, um einen gezielten Weißabgleich für bessere Fotos oder für Bildmanipulationen zu nutzen.
Natürlich wird nicht jeder für jeden Schnappschuss einen manuellen Weißabgleich machen wollen. Meist liefert die Automatik akzeptable Ergebnisse. Wenn nicht, kann der Fotograf auf die Halbautomatik umschalten und die verschiedenen Einstellungen austesten. Der manuelle Weißabgleich ist dann die letzte Möglichkeit, wenn alles andere nicht befriedigt.
Für PC-Freunde bleibt natürlich auch die Möglichkeit, alle Bilder, die im RAW-Format aufgenommen wurden, am Computer im RAW-Converter auf den gewünschten Weißabgleich einzustellen.
Welchen Weg nun der Einzelne bevorzugt, sei ihm überlassen. Wichtig ist nur, dass man die Zusammenhänge versteht und im Bedarfsfall anzuwenden weiß. Für ganz Faule gibt es dann noch kleine Helfer wie Expodisc, eine Art Objektivdeckel, den man statt der Taschentuchmethode anwendet, siehe http://www.digitalkamera.de/Meldung/ExpoDisc_von_ExpoImaging_Inc_im_Detail/3304.aspx
Der Weißabgleich ist leider ein trockenes Thema, dessen Möglichkeiten häufig unterschätzt werden. Ich hoffe, ihr habt Lust bekommen, ein bisschen herumzuprobieren.
Ich wünsche euch allen viel Spaß beim weiteren Fotografieren und allzeit gut Licht.
Alle hier verwendeten Fotos und die Farbtemperaturtafel wurden von mir gemacht, Copyright bei Trutscherle
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Karin15
10.05.2013 - 08:02
super informationen - echt ein klasse Tutorial-Reihe!! SEHR hilfreich für Anfänger. :)
MaoMao
15.01.2013 - 20:43
Sehr hilfreich Danke.
cytrex
22.08.2012 - 22:44
Ja Sehr informativ und sehr verständlich
cytrex
22.08.2012 - 22:42
Ja Sehr informativ und sehr verständlich
Wutknut
27.07.2012 - 12:39
sehr schick und nachvollziehbar geschrieben, danke!
ride
27.03.2012 - 17:31
Vielen Dank für die Tipps!
tschenny90
22.01.2012 - 13:22
sehr hilfreich mit gut erklärten Beispielen!
donatellaa
21.11.2011 - 15:25
danke, dir für deine sehr gute und verständliche erklärung
diegabi
26.10.2011 - 07:36
vielen Dank für diese Anleitung!
Compositor
16.09.2011 - 18:35
Vielen Dank für den sehr verständlichen Beitrag.
Compositor
05.09.2011 - 18:50
Hallo Trutscherle,
vielen Dank für das leicht verständliche Tutorial.
Krestan
12.08.2011 - 11:41
Herzlichen Dank
Grüsse Markus
hamsibone
04.08.2011 - 23:59
Vielen Dank für das Tutorial
johannesisak
24.07.2011 - 18:07
wirklich sehr informativ - danke für deine mühe :)
Djete
19.07.2011 - 13:30
Sehr aufschlussreich! Wieder was gelernt.
MobilesFotostudio
10.03.2011 - 07:16
Ich habe bisher nirgends eine so gute und anschauliche Erklärung zum WB gelesen. Vielen Dank!!!! Ist wirklich super verständlich.
r_manu
11.02.2011 - 11:13
danke sehr für das tutorial, ich glaub ich habs endlich verinnerlicht ;)
Annemarie
29.01.2011 - 13:06
Endlich ist mir alles klar geworden! :-) Danke für Deine Mühe!
User hat PSD-Tutorials.de verlassen
03.11.2010 - 20:22
sehr gutes tutorial, danke dir! :)
Paricas
05.10.2010 - 16:05
Danke für dieses Tutorial.
Wie unterscheiden sich die Messmethoden für den Weissabgleich einmal mittels Graukarte und einmal mittels Taschentuch?