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Nah- & Makrofotografie - Teil 12 - Bildgestaltung in der Nah- & Makrofotografie
03.08.2010 in Makro- und Nahfotografie von Bjoern_Langlotz
- Kategorie: Makro- und Nahfotografie
- Erstellt mit Programmversion:
- Dateigröße (PDF): 3.4 MB
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Schmetterlingsporträt: Bei der Makrofotografie ist Bildgestaltung nicht immer einfach, da gerade Insekten häufig flüchten. Dennoch gewinnen Aufnahmen durch eine durchdachte Gestaltung enorm!
Nikon D200 mit AF-S VR 105 mm f 2.8 G | Blende 5,6 | Belichtungszeit 1/125 s
Bildgestaltung in der Nah- & Makrofotografie
Für viele Fotografen liegt das Augenmerk in der Nah- & Makrofotografie darin, möglichst hohe Abbildungsmaßstäbe zu erreichen, eine sehr gute Beleuchtung zu erzeugen oder, einfach nur bestimmten Tieren hinterherzujagen. Der letzte Schritt zum Ziel der Fotografie wird jedoch aus den Augen verloren: die Bildgestaltung.Das Bild der Kamera und das menschliche Sehen
Jeder, der fotografiert, möchte mit seinen Bildern beim Betrachter eine Reaktion auslösen. In der Regel also Emotionen ausdrücken. Um dies zu erreichen, ist es jedoch notwendig, zu verstehen, dass eine Kamera nicht ohne Weiteres das im Bild festhält, was man sieht. Ganz im Gegenteil: Eine Kamera hält das fest, was vor der Linse ist. Im Gegensatz dazu wird das Bild, das unser Auge erzeugt, durch unser Gehirn interpretiert. Bildunwichtige Bereiche und Details werden ins Unterbewusste zurückgedrängt und wir können uns auf das Hauptmotiv konzentrieren. Genau nach dem gleichen Prinzip arbeitet auch unser Gehör, das es uns ermöglicht, unseren Gesprächspartner auch in lauter Umgebung zu verstehen.Wenn man einmal dieses Prinzip verstanden hat, kann man den Übergang vom Knipsen hin zum Fotografieren beschreiten und mit der Kamera anfangen, Szenen zu interpretieren. Also so zu fotografieren, dass wir beim Betrachten des Bildes an der Wand keine störenden Elemente mehr im Bild haben. Mehr noch! Durch geschickte Kombination von Elementen kann der Betrachter emotional in eine vom Fotografen gewünschte Richtung gelenkt werden.
Viele Ideen für ein Ziel
Zur Erreichung dieses Ziels stehen dem Fotografen viele Gestaltungselemente zur Verfügung. Anstatt nun jedes Element zu beschreiben, möchte ich Ihnen stattdessen eine einfache Auswahl an Gestaltungsmöglichkeiten mit an die Hand geben, die ich mit großem Erfolg eingesetzt habe. Sicher lassen sich aber noch viele weitere Ideen finden. Um diese mit allen Lesern zu teilen, würde ich mich freuen, wenn reger Gebrauch von der Kommentarfunktion gemacht würde! Da Bildgestaltung auch nur mit Bildern geht, ist jeder Punkt mit mindestens einem Beispiel versehen:Die Bildbegrenzung:
Sie beeinflusst, ob Nähe oder Distanz im Bild zum Ausdruck kommt. Bei einem Anschnitt des Motivs sollte dem Betrachter unmissverständlich klar sein, dass der Beschnitt des Hauptmotivs gewollt ist.
Kröte ganz nah! Mehr Nähe geht kaum noch. Durch den starken Anschnitt wird große Nähe ausgedrückt.
Nikon D200 mit AF-S VR 105 mm f 2.8 G und Zwischenringen | Blende 8 | Belichtungszeit 1/125 s
Das Format
Das Bildformat hat ebenfalls einen großen Einfluss auf die Bildaussage. Während das Querformat der menschlichen Wahrnehmung am nächsten kommt, kann das Hochformat Distanz und Dominanz ausdrücken. Grundsätzlich sollte die Form des Bildformats jedoch zum Motiv passen. Hochgewachsene Blumen sind beispielsweise geradezu prädestiniert, um im Hochformat aufgenommen zu werden.
Wie fürs Hochformat geschaffen: Zu Blumen mit ausgeprägtem Stängel passt das Hochformat besonders.
Nikon D200 mit AF-D Micro-Nikkor 60 mm f 2.8 | Blende 5,6 | Belichtungszeit 1/160 s
Die Perspektive
Sie ist ein sehr häufig falsch eingesetztes Gestaltungsmerkmal – gerade in der Nah- & Makrofotografie. Fotografiert man ein Motiv von oben, spricht man von Aufsicht. Das Grundmerkmal dieser Perspektive ist die Verkleinerung des Motivs und damit ein Ausdruck von Dominanz. Sie wird in der Nah- & Makrofotografie sehr häufig eingesetzt, da wir kleine Motive so wahrnehmen. Genau daher ist sie gänzlich ungeeignet! Viel besser ist es, kleine Motive mit dem Betrachter auf eine „Höhe“ zu bringen. Dann spricht man von Normalsicht.
Da bin ich! Durch die Normalsicht wird der kleine Frosch auf Höhe des Betrachters gehoben und damit enorm betont.
Nikon D200 mit AF-D Micro-Nikkor 200 mm f 4 | Blende 8 | Belichtungszeit 1/160 s
Die Blende
Die Blende entscheidet maßgeblich über die Schärfentiefe und die Deutlichkeit des Hintergrunds. Damit ist sie eines der wichtigsten Gestaltungsmittel. Durch die geschickte Wahl der Blende kann der Hintergrund ausgeblendet und damit das menschliche Sehen interpretiert werden.
Lila vor Gelb: Durch die Wahl einer relativ weit geöffneten Blende vor sehr weit entferntem Hintergrund hebt sich dieser Krokus sehr gut vom Hintergrund ab.
Nikon D3x mit AF-S VR 105 mm f 2.8 G und Telekonverter TC14eII | Blende 8 | Belichtungszeit 1/160 s
Das Licht
Das Licht ist ebenfalls ein Gestaltungsmittel, womit die Lichtführung (siehe weitere Tutorials dieser Serie) zu mehr als einem Mittel wird, um die Belichtungszeit zu verkürzen.
Leuchtend: Um das Rosa dieser Orchideenblüten besonders hervorzuheben, wurde diese mit hartem Blitzlicht im Gegenlicht aufgenommen.
Nikon D200 mit AF-S VR 105 mm f 2.8 G | Blende 22 | Belichtungszeit 1/60 s

Ganz weiß: Hier wurde eine weiche Beleuchtung gewählt, um den durchscheinenden Charakter der Blüte zu bewahren.
Nikon D3 mit Novoflex BalPro T/S und Zeiss Luminar 63 mm | Blende 9,5 | Belichtungszeit 1/60 s
Die Farben
Sie gehören zu unserem Sehen einfach dazu! Daher sind sie ebenfalls ein wichtiges Mittel! Ungewöhnliche Kombinationen von Farben und Hell-Dunkel-Kontrasten erlauben es, Motive stark zu betonen. Aber auch das absichtliche Weglassen von Farben kann ein Motiv betonen.
Verwelkt: Bei dieser Aufnahme wurde durch das gezielte Entsättigen aller Farbtöne außer Orange ein surrealer Charakter erzeugt, da das tote Blatt das vermeintlich einzig Lebende in der Komposition ist.
Nikon D200 mit AF-S VR 105 mm f 2.8 G | Blende 4,5 | Belichtungszeit 1/80 s
Die Bildaufteilung
Nun sind wir fast am Ende meiner kleinen Liste angelangt. Die Bildaufteilung meint die Anordnung des Hauptmotivs im Bildausschnitt. Sehr häufig wird der Goldene Schnitt zitiert, da er tatsächlich ein sehr effektives Mittel ist. Der Goldene Schnitt besagt vereinfacht, dass man das Bildfeld horizontal und vertikal in drei Teile unterteilt. Wird ein Motiv auf eine der vier Schnittpunkte gelegt, wird es stark betont. Dieses Vorgehen funktioniert jedoch nur mit einzelnen Hauptmotiven.
Übrigens: Hat man den Horizont im Bild, so ist es vorteilhaft, diesen auf die 1/3- oder 2/3-Linie der vertikalen Einteilung zu legen und nicht durch die Bildmitte.

Kleiner Begleiter: Um den Kopf dieser Segellibelle besonders zu betonen, wurde er in den Goldenen Schnitt gelegt.
Nikon D200 mit AF-D Micro-Nikkor 60 mm f 4 | Blende 9 | Belichtungszeit 1/320 s
Mit Linien gestalten
Linien sind fast in jedem Bild vorhanden, sodass auch ihr Verlauf ein Teil der Bildgestaltung ist. Grundsätzlich lässt sich hier nicht sagen, dass eine bestimmte Anordnung schlecht ist. Auf jeden Fall lohnt es sich, nach Linien im Bild Ausschau zu halten und deren Lage kritisch zu hinterfragen.
Dynamik und Ruhe: Bei diesem Bild scheint die Libelle förmlich auf dem gespannten Blatt zu balancieren. Dies kommt durch die geschickte Linienführung zustande. Bei einem so dynamischen Bild sollte man jedoch auch einen Ruhepol nicht vergessen. Hier der Hintergrund unten rechts.
Nikon D200 mit AF-S VR 400 mm f 2.8 G und Zwischenringen | Blende 4 | Belichtungszeit 1/200 s
Der Weg zu guten Bildern
Alle zuvor erwähnten Ideen sind Teile eines Ganzen und können daher selten isoliert voneinander betrachtet werden. Genauso wenig wie sie losgelöst vom Motiv betrachtet werden können. Daher kann das eine Stilmittel bei einem Motiv sehr gut wirken und bei einem anderen sehr schlecht.Der Weg zu tollen Bildern ist lang, sehr lang! Einer der besten Tipps, die ich geben kann, ist folgender:
Lerne zu verstehen, warum dir ein Bild gefällt oder nicht. Mit diesem Wissen kannst du in jeder Lebenslage tolle Bilder gestalten.
Nichtdestotrotz möchte ich dieses Tutorial mit einer wiederum ergänzbaren fotografischen Liste von häufigen Unachtsamkeiten der Bildgestaltung beenden:

Das Hauptmotiv ist viel zu klein.

Wichtige Details sind abgeschnitten.

Der Horizont kippt nach links oder rechts. („Das Meer läuft aus.“).

Ein Grashalm oder ähnliches Objekt im Hintergrund wächst aus dem Hauptmotiv heraus.

Der Hintergrund ist zu bunt oder unruhig.

Im Hintergrund befinden sich helle Bereiche, die das Auge ablenken.

Ein kleiner Teil eines Objekts ragt in das Bild hinein.

Ein unsymmetrisches Hauptobjekt befindet sich in der Mitte des Bildes.
Die ideale Ergänzung zu dieser Tutorialserie ist das Fachbuch von Björn Langlotz:Digitale Fotopraxis Makrofotografie, erschienen im Galileo Verlag.
Sowie seine Fotoworkshops und Fotoreisen für Anfänger und Fortgeschrittene an ausgewählten Locations.
Zum Autor:Björn Langlotz, promovierter Naturwissenschaftler, ist Autor des Buchs "Digitale Fotopraxis Makrofotografie" aus dem Galileo Verlag und ein bekannter Naturfotograf mit dem Schwerpunkt Makrofotografie. Regelmäßig erscheinen seine Texte und Bilder in internationalen Büchern und Zeitschriften. Darüber hinaus lehrt er am FOTOCAMPUS Claus Brandt Makrofotografie in kleiner Gruppengröße, gibt Einzeltrainings und führt Fotoreisen.
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hamsibone
06.08.2011 - 22:29
Vielen Dank für das Tutorial
Schnuppi8480
21.06.2011 - 09:20
toll ... klasse bilder ... danke ...
Blumenfreundin
01.03.2011 - 17:23
toll, die sind viele anregungen dabei. was mir noch fehlt ist ein beitrag dazu, wie ich zu genug licht komme, wenn ich ganz nah ran gehe...
lg monika
wir697296
10.12.2010 - 08:00
vielen dank
zitterhand64
30.10.2010 - 17:52
Vielen Dank für die tollen Tipps
longlife
13.08.2010 - 15:16
schön dargestellt, dank der negativ beispiele
ninaundtwister
11.08.2010 - 00:56
Super Workshop!
Da ich noch Anfänger bin finde ich die schlechten Beispiele auch super.
Somit hat man immer einen Leitfaden.
Super Fotos.
Lichtzelt
09.08.2010 - 09:25
"Schlechtbeispiele" sind super gewählt und fast noch hilfsreicher wie die "Guten"!
Erich
08.08.2010 - 22:11
Sehr schön gemacht!
Besonders gefallen mir die Schlechtbeispiele!
Weiter so!
User hat PSD-Tutorials.de verlassen
08.08.2010 - 11:01
Vielen Dank für die guten Tipps.
MARIA52
07.08.2010 - 21:21
Schöne Bilder, gute Beispiele. Danke.
smacks
07.08.2010 - 14:23
Super Tipps, hab grad mal wieder mein Macro ausgepackt und da kommt das Tutorial wirklich klasse, danke :>
BALU10
07.08.2010 - 13:25
Da kann man nur Danke sagen für die Bemühungen in dem Workshop.
urspol
07.08.2010 - 12:52
In knappen, präzisen Worten und eindrucksvollen Bildern erklärt worauf es ankommt. Gerade auch die Gegenüberstellung mit den Negativbeispielen macht einem Anfänger wie mir den Unterschied klar. Vielen Dank.
User hat PSD-Tutorials.de verlassen
06.08.2010 - 22:45
Super Bilder, ich bin begeistert!!!
susisnaomi
06.08.2010 - 22:25
Sehr schöne Anregungen!!! Vielen Dank dafür. Ruhig mehr davon. Gruß von susisnaomi
vfr_blondie
06.08.2010 - 20:31
Ich kann mich nur meinen Vorschreibern anschließen - sehr gut gerade für Anfänge wie mich
schneckes
06.08.2010 - 18:59
Für mich als Macro-Anfänger ein sehr inressantes Angebot. Danke wieder eine gute Idee.
prinzipella
06.08.2010 - 17:44
sehr gut mit dem godenen schnitt eklärt
danke ;-)
infografik
06.08.2010 - 17:30
Schöner Workshop, der viele flüchtige Aspekte wieder in Erinnerung ruft. Gemäß der Fotografenweisheit "Die ersten 100.000 Bilder sind die Schlechtesten!" brauche ich sicher noch 99.990 Makroaufnahmen ... nach der Lektüre von dem Workshop sicher aber deutlich weniger! ;-)