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Panoramafotografie Teil 04 - Die Parallaxe: Leid des Panoramafotografen
28.05.2009 in Panoramafotografie von Harald_Woeste
- Kategorie: Panoramafotografie
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Panoramafotografie Teil 4: Die Parallaxe: des Menschen Freud, des Panoramafotografen Leid
Ein guter Geist, bekannt als Parallaxe, ermöglicht uns, räumlich zu sehen und Entfernungen abzuschätzen – sehr praktisch! Beachtet man jedoch die Parallaxe in der Panoramafotografie nicht, so hat man es schnell mit bösen Geistern zu tun: Geisterbilder machen unsere Arbeit zunichte.

Parallaxe
Dieser Begriff meint den Abstand zweier gedachter (optischer) Linien, die auf einen gemeinsamen Punkt ausgerichtet sind wie beispielsweise bei unseren Augen. Der Parallaxeneffekt ist gut sichtbar mithilfe eines kleinen Versuchs: Strecken Sie bitte Ihren Arm mit erhobenem Daumen vor sich aus. Wenn Sie nun abwechselnd jeweils ein Auge schließen, bewegt sich scheinbar der Hintergrund hinter dem Daumen hin und her bzw. der Daumen springt vor dem Hintergrund nach rechts oder links. Die Parallaxe – die scheinbare Verschiebung des Daumens vor dem Hintergrund – ist umso größer, je kürzer der Abstand vom Auge zum Daumen und je größer die Distanz zum Hintergrund. Die Parallaxe ist äußerst praktisch und hilft uns beim Einschätzen von Distanzen; letztlich ist sie die wesentliche Grundlage für das räumliche Sehen und basiert bei der technischen Entfernungsmessung auf einer Winkelmessung zwischen den beiden optischen Linien.


Bei einer Nikon D200 mit Nikkor 10.5mm ist die Differenz zwischen Standarddrehpunkt um das Stativgewinde und dem No-Parallax-Point ca. 8 cm!
Hat die verwendete Kamera ein rechteckiges Aufnahmeformat, wird sie normalerweise im Hochformat an den VR-Stativkopf angesetzt. Der größere vertikale Blickwinkel macht die höhere Zahl an Aufnahmen für den (Rundum-) Schwenk mehr als wett. Einen noch größeren vertikalen Blickwinkel erzielt man nur mit aufwendigeren VR-Stativköpfen, die es ermöglichen, die Kamera nicht nur horizontal zu drehen, sondern zusätzlich auch vertikal um den No-Parallax-Point zu kippen: So können mehrreihige (im Englischen Multi-Row-) Panoramen aufgenommen werden, die im Extremfall die komplette Sphäre von 360 x 180 Grad abdecken!

Ermittlung des No-Parallax-Point
Fakt ist: Jedes Objektiv hat seinen eigenen parallaxenfreien Drehpunkt (No-Parallax-Point). Seine Lage ist in erster Linie von der Objektivbrennweite, der Objektivkonstruktion und der gewählten Aufnahmeentfernung abhängig. Genau um diesen fiktiven Punkt im Objektiv muss die gesamte Kombination aus Kameragehäuse und Objektiv geschwenkt werden. Leider gibt es nicht einmal für die von Profifotografen benutzten Objektive Angaben seitens der Hersteller, an welcher Stelle sich dieser Punkt befindet. Ein Weg, ihn herauszufinden, sind eigene Versuche oder aber unter Angabe von Kameratyp und gewünschtem Objektiv der Kauf eines Spezialpanoramakopfes für genau diese Kombination. Hier hat dann der Panoramakopfhersteller für Sie diese Versuche unternommen.Vorbereitung
1. Montieren Sie Ihre Kamera mit angesetztem Objektiv auf einen üblichen Kreuzschlitten. Selbstverständlich steht alles auf Ihrem Stativ!2. Verschieben Sie die Kamera mithilfe des Schlittens seitlich, bis das Objektiv exakt über der Stativdrehachse, also mittig sitzt.
3. Jetzt verschieben Sie die Kamera mithilfe des Schlittens vor und zurück, bis die geschätzte Objektivmitte ebenfalls über der Stativdrehachse sitzt.
4. Jetzt haben Sie den Startpunkt für Ihre Einstellungsversuche erreicht!
Einmessen von Kamera und Objektiv
5. Suchen Sie sich einen Standpunkt, wo Sie zwei scharfkonturige Objekte jeweils nah und weiter entfernt von der Kamera hintereinander durch den Sucher anvisieren können (z. B. eine Stehlampe und einen Fensterrahmen).6. Stellen Sie gewünschte Blende und Fokus ein, z. B. F8 und die hyperfokale Entfernungseinstellung.
7. Prüfen Sie die Ausrichtung der Kamera mit der Libelle oder einer Wasserwaage.
8. Kamera langsam nach links schwenken und die Position der beiden Objekte zueinander im Sucher beobachten: Bewegt sich das weiter entfernte Objekt scheinbar nach links, liegt der No-Parallax-Point weiter hinten im Objektiv, d.h., die Kamera muss auf dem Schlitten nach vorne bewegt werden. Scheint sich bei diesem Linksschwenk hingegen das hintere Objekt nach rechts zu bewegen, befindet sich die Kamera zu weit vorne und der Schlitten muss zurückjustiert werden.

Denken Sie bitte auch daran, dass das kleine Bild im Kamerasucher nur bedingt zur Beurteilung taugt. Machen Sie die Vergleiche auf einem Bildschirm oder verbinden Sie die Kamera direkt mit Ihrem PC, sodass die Aufnahmen unmittelbar nach Auslösung auf dem Bildschirm erscheinen oder gar ein Live-Preview direkt auf dem PC-Bildschirm möglich ist.
Praktischer Umgang mit Parallaxefehlern
Der Parallaxenfehler, also die sichtbare Verschiebung zwischen zwei unterschiedlich weit entfernten Objekten, nimmt erstens mit der zunehmenden Entfernung der Objekte vom Aufnahmepunkt ab und zweitens mit dem zunehmenden Abstand der Objekte zueinander zu. Für die Praxis der Panoramafotografie lassen sich grundsätzlich zwei typische Fälle unterscheiden:Recht problemlos sind Landschaftsaufnahmen mit ihren typischen großen Aufnahmeentfernungen, vor allem wenn keine scharfkantigen Objekte im Vordergrund existieren. Sie leiden nur wenig unter einem Parallaxenfehler, da es zu kaum sichtbaren Verschiebungen zwischen Vorder- und Hintergrund kommt. Mit etwas Überlegung und Übung lassen sich ganz passable Landschafts-Panoramen sogar aus der Hand fotografieren. Bei sichtbaren Fehlern helfen hier häufig die modernen Blending-Algorithmen der Stitching-Software weiter. Damit gilt bei der Aufnahme von Landschafts-Panoramen: Parallaxenfehler können zwar nicht ungeschehen gemacht werden, sind aber zum Teil vertuschbar … Das ist bei Architektur- und Innenaufnahmen mit konturenreichen nahen und fernen Objekten anders.
Eine Parallaxenverschiebung zwischen den Aufnahmen wird oft im Panorama sichtbare Spuren hinterlassen. Hier kommt auch die noch so cleverste Stitching-Software schnell an ihre Grenzen! Fehlervermeidung heißt hier, dass die Kamera sehr genau um den No-Parallax-Point gedreht werden muss. Ein falscher Drehpunkt fällt bei großen Entfernungsdifferenzen besonders ins Auge, wenn ein nahes Objekt im Bereich überlappender Einzelaufnahmen liegt. Also platzieren Sie möglichst die nahen Objekte in der Mitte einer einzelnen Aufnahme, sodass sie sich komplett auf diesem einen Foto befinden und nicht im Überlappungsbereich liegen.
Vorschau
Nachdem in diesem Teil alles um die Theorie der Parallaxe und die Vermeidung von Geisterbildern ging, wird im nächsten Teil der Serie dann endlich die Hardware der Panoramafotografie behandelt: der VR-Panorama-Stativkopf – mit dem sich der Parallaxenfehler von vornherein bei der Aufnahme vermeiden lässt.-
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shk79
02.08.2012 - 11:09
Etwas knapper Teil zum Nodal oder "no parallax point", aber trotzdem lesenswert.
binifada
07.05.2012 - 13:32
Hat sich wieder gelohnt - Danke!
marichen
28.12.2011 - 17:26
tolle arbeit - hat mir sehr geholfen - herzlichen dank
Wini03
07.09.2010 - 21:23
Gut beschrieben und mit den Zeichnungen erklärt
Corelli
15.06.2010 - 18:04
Erstklassige Darstellungen, klar und plausibel. Vielen Dank sagt Corelli
magicg
23.02.2010 - 09:10
gut erklärt, aber für ein Beispieltbild mit und ohne Nodalpunkt gäbe es einen Stern mehr.
mielkedet
18.02.2010 - 20:34
Wusste gar nicht, was alles zu beachten ist. Besser vorher... .
Bender27
18.12.2009 - 18:42
Sehr gutes Tutorial!!!!!!!!!!!!
Bin begeistert.
DieterFfm
10.11.2009 - 10:30
Schwieriges Thema praktisch erklärt, danke.
HorstMueller
01.10.2009 - 22:17
Gut erklärt und Kompliziertes einfach aufbereitet.
bruceclewett
10.09.2009 - 12:44
sehr klar und sehr praktisch
myeye
22.08.2009 - 15:35
...sehr gut, weiter so und vielen dank !
trolli4
03.07.2009 - 09:38
SUPER SUPER SUPER SUPER SUPER
jbpsd
10.06.2009 - 14:30
Sehr gutes Tutorial!!!!!!!!!!!!
Fotomanege
08.06.2009 - 09:17
Klasse, was man noch alles hier lernen kann......
altok
07.06.2009 - 21:16
danke auch für diesen Teil!!!
wielber
04.06.2009 - 21:08
Reale Bilder wären noch der absolute Hammer zu deinem tollen Tutorial! Superaufwendig! Danke!
User hat PSD-Tutorials.de verlassen
04.06.2009 - 13:17
Großartig, danke schön! Jetzt weiß ich endlich, was ich immer falsch gemacht habe...
AliAs
04.06.2009 - 10:07
Sehr aufwendiges Tutorial...
ZackBag
31.05.2009 - 18:20
Schade , dass du nicht mal die Unterschiede in gemachten Bildern verdeutlichst. Sonst sehr hilfreich und gut geschrieben!