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30 Jahre Adobe Illustrator

30 Jahre Adobe Illustrator
Von 1.1 zu CS zu CC

Es war 1987, als Adobe Systems eine Software auf den Markt bugsierte, die sich Adobe Illustrator nannte. Viel muss man nicht rechnen, um festzustellen, dass seither 30 Jahre vergangen sind und das Programm also einen Runden feiert. Mittlerweile in der Cloud angekommen, dreht sich heute wie damals alles um Vektoren.

Aus den Versionen 1.1 und 88 für den Macintosh wurden im Laufe der Zeit die Versionen 2.0 bis 10 für auch andere Plattformen, wurden ab 2003 die CS-Varianten 11 bis 16, wurden ab 2013 die CC-Folgeversionen 17 bis 2017. Nebenher gewann die anfänglich mit 13 direkt anklickbaren Werkzeugen ausgestattete Toolbar an Größe und weist mittlerweile insgesamt 28 direkte Anklickstationen auf.

Das Layout veränderte sich selbstverständlich ebenfalls – kurz und bündig lässt sich das im Adobe Creative Connection Blog ansehen. Dort werden in einem Zusammenschnitt die unterschiedlichen Startbildvarianten der Versionen gezeigt, weiter unten lässt sich in einer Übersicht die Genese der Toolbar und die der jeweiligen Icons nachvollziehen.
 

Vektoren bitte – die Anfänge von Illustrator

Die Entstehungsgeschichte von Adobe Illustrator ist eng verknüpft mit dem Wirken eines nicht ganz unbekannten Mannes namens John Warnock. Der arbeitete ab 1978 bei Xerox, wo man über das Büro der Zukunft nachdachte. Texteditoren wurden entwickelt, E-Mail-Systeme, Netzwerke, es gab Laser-Drucker – doch was fehlte war eine Grafik-Engine, die es erlaubte, beliebige Grafiken darzustellen. So zumindest meint es John Warnock selbst im unten stehenden Video „The Adobe Illustrator Story“. Einfach mal einen Buchstaben in die Länge ziehen? Unmöglich.

Folgt man den Ausführungen im Video, so setzt sich die Illustrator-Story folgendermaßen fort: John Warnock führt an, dass die Entwickler bei Xerox damals mehr aus der Sicht jener Personen dachten, die sie nun einmal waren: Computer-Wissenschaftler. Wonach es der kreativen Welt verlangte, sei ihnen eher fremd gewesen. „Sie entwickelten schlichtweg keine Tools, um diese Community [also die kreative] anzusprechen.“

Weshalb Warnock, der bei Xerox selbst eher forschend unterwegs war, sich überhaupt über solch grafisch-kreative Dinge Gedanken machte, könnte eventuell auf einen nicht unerheblichen Einfluss seiner Ehefrau Marva zurückzuführen sein, die sich mit Grafik-Design beschäftigte. Das mutmaßt zumindest Russell Brown, Senior Creative Director bei Adobe.

Jedenfalls: Einer der ersten Aspekte, über die beide – John und Marva – sinnierten, waren abgerundete Ecken – solche, bei denen man den Radius nach Belieben variieren konnte, quasi die Grundlage für jede Zeichnung, die man sich so vorstellen kann. Mit Pixeln?! Sicherlich durchaus machbar. Doch John Warnock hatte da etwas anderes im Köpfchen. So etwas zum Beispiel: x(t) = axt3 + bxt2 + cxt + x0.

Oder mit anderen Worten: PostScript. Warnock arbeitete an der Seitenbeschreibungssprache über 10 Jahre, erst bei Evans & Sutherland, danach bei Xerox, um die Dinge dann schließlich selbst in die Hand zu nehmen, indem er 1982 zusammen mit Charles Geschke Adobe Systems Inc. gründete.

Mit PostScript war so ziemlich alles denkbar, was das kreative Herz begehrt: Buchstaben konnten nach jeglichem Wunsch verformt, komplexeste Zeichnungen entworfen und im Prinzip sämtliche Drucker mit einer einzigen, einheitlichen Sprache angesprochen werden. Die Mathematik mitsamt den Vektoren und Kurvenformeln machte es möglich. Jedoch: Wer damit auch nur eine einzige Linie zeichnen wollte, musste programmieren können. Eine handhabbare Anwendung gab es nicht.

Die Entwicklung von Illustrator begann schließlich im Jahr 1985. Entwickler Mike Schuster war der erste, der sich mit der Programmierung der Software beschäftigte. So entstand quasi eine Übersetzung von der zugrunde liegenden Mathematik hin zu einem nutzbaren Grafikprogramm. Russell Brown: „Er [Mike Schuster] klickte und zog und erstellte eine Beziér-Kurve – das hat mich ziemlich beeindruckt.“

Als Illustrator dann in die Betaphase überging, zeichnete Warnock eine Rose auf Papier, um sie sodann mithilfe der Software umzusetzen … Das hatte es im Digitalen und vektorbasiert noch nicht gegeben:
 
The Adobe Illustrator Story from Terry Hemphill on Vimeo.

Nun denn, Illustrator. Auch wenn es etwas merkwürdig ist, einem Programm zu gratulieren: Alles Gute und weiterhin viele Vektoren, die von Kreativen in aller Welt mit dir gezeichnet werden. Übrigens – als Illustrator 1987 ausgeliefert wurde, war in dem Paket gleich noch eine Kassette enthalten, mit deren Hilfe John Warnock zu den ersten Nutzern sprach. Adobe hat die Videos zur Feier noch einmal hochgeladen. Und so sah das Ganze dann aus:
 
 
Weitere Videos zum Jubiläum von Adobe Illustrator gibt es im Adobe Creative Cloud-YouTube-Kanal.

Euer Jens

Bildquelle Vorschau und Titel: Rose: Screenshot aus dem Video "The Adobe Illustrator Story" von Terry Hemphill (Adobe)

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Kommentare
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Portrait von do5sko
  • 06.03.2017 - 20:08

Toller Artikel, wußte gar nicht das es Illu schon so lange gibt. Congrats to Adobe. Und wie lange man damals brauchte um da drauf zu kommen; sind schon helle Köpfchen.
Und die Programme sind echt erste Sahne!

Portrait von sven67
  • 03.03.2017 - 21:34

Illustrator möchte ich nie wieder missen.

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