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360-Grad-Kamera Panono – Auf, Ab, Ende und eventueller Neubeginn einer Berliner Firma

360-Grad-Kamera Panono – Auf, Ab, Ende und eventueller Neubeginn einer Berliner Firma
Hochwerfen, 36 Fotos aufnehmen und daraus eine Rundum-Ansicht erstellen

Eine Idee zu haben und sie anschließend mit Betonung auf „erfolgreich“ umzusetzen, das ist bekanntlich zweierlei. Umso schwieriger wiegt das Vorhaben wohl, wenn Technik im Spiel ist, wenn also zur Umsetzung des Gedachten sowohl die Produktion sichergestellt werden muss, als auch weitere Entwicklungen stattzufinden haben.

Jens Pfeil jedenfalls startete mit seiner Idee einer 360-Grad-Kamera vielversprechend, man könnte gar sagen: phänomenal. Das Konzept: Eine handliche Kugel, ausgestattet mit 36 Kameramodulen, sollte in die Luft geworfen werden, dort ließen sich dann alle Kameras synchron auslösen, damit in einer nachgelagerten Cloud-Zusammensetzung aus den einzelnen Bildern eine 360-Grad-Rundum-Ansicht entsteht.

Dass dieses Prinzip sogar über die selbst gesteckten Erwartungen hinaus Anklang fand, bewies die erste Crowdfunding-Kampagne der von Pfeil und zwei weiteren Protagonisten gegründeten Panono GmbH auf Indiegogo: 1,25 Millionen US-Dollar sammelte man ein, gewünscht hatte man sich mindestens 900.000. Weiter ging es über Companisto, wo schließlich zusätzliche 1,6 Millionen Euro eingespielt wurden.

2012, 2013, 2014 – Gründung, Funding Nummer eins, Funding Nummer zwei – beachtlich lief sich an, was dann jedoch nach und nach Probleme zu bereiten schien.

Erst hieß es, Ende 2014 solle ausgeliefert werden, schließlich begann man damit ein Jahr später. Dazu kam, dass das Unternehmen nicht – wie ursprünglich angekündigt – in der Lage war, bruchsichere Modelle bereitzustellen, wie bei Gründerszene nachzulesen ist. Nach dem Hochwerfen der Kamera gilt es also, sie möglichst wieder aufzufangen, damit sie nicht auf hartem Boden landet. Hinzu gesellte sich bei Markteinführung ein Preis weit abseits der angedachten 600 Euro – zuletzt gab es das Gerät gar für über 2.100 Euro.

2015, 2016, 2017 – keine wirklich guten Jahre also, und in der Konsequenz musste Jonas Pfeil im Mai 2017 einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens stellen. Doch die Geschichte findet damit keineswegs ihr Ende:

Wie golem.de berichtet (hier und hier), hat die Schweizer Bryanston Group die Patente, das Vermögen und die Warenzeichen der Panono GmbH gekauft. Demzufolge sollen die 22 Mitarbeiter des Unternehmens übernommen werden und nach Abschluss des Insolvenzverfahrens in einer Holding namens Professional360 GmbH am Standort Berlin weiterhin tätig sein können. Der Ideengeber und Gründer Jonas Pfeil wird indes wohl nicht mehr involviert sein, wie es bei golem.de heißt.

Für all jene nun, die Panono per Crowdfunding unterstützt haben und die auf vorbestellte Kameras warten, ist die Sachlage noch unsicher. Die Verpflichtung, diese auszuliefern, liegt nicht beim neuen Investor. Allerdings, so berichtet gleichfalls golem.de, soll die Bryanston Group mitgeteilt haben, dass man versuchen möchte, die bestehenden Verbindlichkeiten zu erfüllen – die Panono könnte also an die Unterstützer noch ausgeliefert werden.

Eine Idee zu haben und sie anschließend zum Erfolg zu führen – ein Drahtseilakt. Bleibt zu hoffen, dass die Panono-Mitarbeitenden mit dem Investor wieder frischen Wind verspüren und dass die Crowd-Funding-Unterstützer noch allesamt an ihre vorbestellten Kameras gelangen.

Euer Jens

Bildquelle Vorschau und Titel: Panono GmbH

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Kommentare
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Portrait von psd_lob
  • 08.07.2017 - 01:53

Sehr spannend.
Ich mal gespannt wie - grundsätzliche sehr gute Idee an Gestalt nimmt.

Aber auch sehr schade für den Initiator des Vorhabens.
Wie die Geschichte lehrt, zieht der Gründer meistens den Kürzeren.

Besten Dank an den unermüdlichen Autor des Beitrags!!

Portrait von andemande
  • 07.07.2017 - 22:25

Genau aus den hier gezeigten Gründen (tolle Idee, allerdings ohne gründliche Vorarbeit was Durchführbarkeit betrifft) sind für mich viele Crowdfunding-Projekte größtenteils eine Art legaler Betrug mit zeitgeistigem sozialem Anstrich.

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