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Wissenschaft trifft Kunst: Bilder aus dem Mikroskop – die Gewinner der Nikon Small World 2017

Wissenschaft trifft Kunst: Bilder aus dem Mikroskop – die Gewinner der Nikon Small World 2017
Die Gewinner des diesjährigen Nikon Small World-Wettbewerbs wurden bekannt gegeben. Die Galerien sind eine Fundgrube faszinierender Bilder (und Videos) aus einer nur scheinbar anderen Welt.

In den Laboren rund um den Globus schaut man mittels Mikroskop bis ins winzigste Detail. Die hierbei in den Fokus genommenen Motive weisen zumeist eher informativen Charakter auf. Strukturen sollen erkannt, Prozesse nachvollzogen, Dinge vermessen werden und so weiter. Mitunter jedoch schleichen sich auch Bilder ein, die darüber hinaus durch ihr Erscheinungsbild positiv auffallen.

Der Wettbewerb Nikon Small World würdigt, mittlerweile in der 43. Ausgabe, alljährlich solche Aufnahmen – solche, die eine wissenschaftliche Neuheit mit sich bringen und forschungsrelevante Inhalte, die mit technischer Versiertheit abgelichtet wurden und überdies noch visuell überzeugen. Nicht eben wenig Kriterien, anhand derer die Jury die Mikroskop-Aufnahmen auf ihre Plätze verweist.

In der 2017er-Auflage des Wettbwerbs gab es mehr als 2.000 Einreichungen aus 88 Ländern. Sämtliche Top-20-Platzierte sowie zwei weiterführende Galerien („Honorable Mentions“ und „Images of Distinction“) wurden am 4. Oktober veröffentlicht und lassen sich hier im Ganzen einsehen. Unten in dieser News folgt die Darstellung der Top-10-Bilder.

Seit 2012 wird der Wettbewerb außerdem begleitet von seiner kleinen Schwester, die mikroskopische Filme und Zeitraffer bewerten lässt. Entsprechend nennt sich dieser Wettbewerb dann auch „Small World in Motion“, kurz SWIM, und auch dazu gibt es eine Galerie sowie am Ende der News die Top-2-Platzierten.

In der Jury saßen Dr. Bob Goldman vom Department of Cell and Molecular Biology der Northwestern University Feinberg School of Medicine, Robert Krulwich, ein Journalist und Wissenschaftskorrespondent für Radio und TV, Dave Mosher, Wissenschafts- und Technik-Korrespondent für Business Insider, Dr. Clare Waterman, Wissenschaftlerin vom amerikanischen National Institute of Health, sowie Eric Clark, Wissenschaftskoordinator und Anwendungsentwickler am National High Magnetic Field Laboratory an der Florida State University.

Die Zusammensetzung der Jury zeigt also, dass bei der Auswahl vor allem die wissenschaftlichen Inhalte der Bilder im Mittelpunkt stehen – ein gehöriger Schuss Schönheit ist den folgenden Aufnahmen und Videos aber auch nicht abzusprechen.
   

Top 10: Mikroskop-Aufnahmen

1: Keratin ist essenzieller Bestandteil menschlicher Hautzellen. Das Material formt ein faseriges Netzwerk und schützt die Zellen u. a. gegen mechanische Beanspruchung. Die Untersuchung der Keratin-Strukturen trägt dazu bei, dem Krebs zugrunde liegende Prozesse zu erforschen. So verweist beispielsweise ein geringer Anteil bestimmter Keratin-Proteine auf die Aggressivität eines Tumors.

In diesem Forschungsfeld bewegen sich die Arbeiten von Dr. Bram van den Broek vom „The Netherlands Cancer Institute“. In seiner Aufnahme zu sehen: eine menschliche Hautzelle in 40-facher Vergrößerung, deren Keratin-Bestandteile mithilfe von Fluoreszenz-Markern aufleuchten. Das Bild entstand in Zusammenarbeit mit dem Studenten Andriy Volkov.


© Dr. Bram van den Broek, Andriy Volkov, Dr. Kees Jalink, Dr. Nicole Schwarz & Dr. Reinhard Windoffer, The Netherlands Cancer Institute, BioImaging Facility & Department of Cell Biology, Amsterdam, Niederlande

2: Den Blütenkopf des Senecio vulgaris bzw. des Gewöhnlichen Greiskrauts hat Dr. Havi Sarfaty unter zweifacher Vergrößerung mittels Stereomikroskopie betrachtet. Seit acht Jahren legt der eigentliche Veterinär-Augenarzt verschiedene Objekte, hauptsächlich aus seinem Garten, unter die Vergrößerung. In diesem Fall schlichtweg, um aufzuzeigen, welch Komplexität sich – von uns ungesehen – beispielsweise in so etwas scheinbar Simplen wie einer Gartenpflanze verbirgt.


© Dr. Havi Sarfaty, Eyecare Clinic, Israel

3: Die Aufnahme von Jean-Marc Babalian könnte auch aus einem Videospieleklassiker stammen. Stattdessen zeigt sich aber in hundertfacher Vergrößerung eine Volvox-Alge, die gerade dabei ist, ihre Tochterkugeln ins Freie zu entlassen.


© Jean-Marc Babalian, Nantes, Frankreich

4: Nun ja, hübsch ist vermutlich anders, aber man kann ihm ja trotzdem einmal in die Augen blicken – dem Schweinebandwurm. Wobei „Augen“ hier keineswegs der richtige Begriff ist. Zu sehen ist der sogenannte Skolex, das vordere Ende des Wurms, der aus einem Hakenkranz sowie aus Saugnäpfen besteht. Hier festgehalten in 200-facher Vergrößerung durch Teresa Zgoda vom Rochester Institute of Technology in New York. Schnell weiter zu Bild 5 ;-).


© Teresa Zgoda, Rochester Institute of Technology, Rochester, New York, USA

5: Tja, was ist nun das? Ein hübsches, weißes, schwammartiges Knäuel auf wässrig-roter Oberfläche? Richtig – das kann nur Schimmel sein, und zwar auf einer Tomate. Aufgenommen von Dean Lerman in 3,9-facher Vergrößerung und in Szene gesetzt mittels Focus Stacking:


© Dean Lerman, Netanya, Israel

6: Die Pollen einer Lilie führt uns Dr. David A. Johnston in 63-facher Vergrößerung vor Augen.


© Dr. David A. Johnston, University of Southampton/University Hospital Southampton, Biomedical Imaging Unit, Southampton, UK

7: Die bunte Aufnahme von Dr. Ryo Egawa zeigt 30-fach vergrößert die Nervenausläufer im Ziliarganglion eines embryonalen Kükens. Die Farbigkeit rührt daher, dass die einzelnen Nervenausläufer individuell markiert wurden. Wer sich nun noch fragt, was ein Ziliarganglion ist, dem gebe Wikipedia die Antwort: „ein Ganglion, das hinter dem Augapfel am Sehnerv gelegen ist“.


© Dr. Ryo Egawa, Nagoya University, Graduate School of Medicine, Nagoya, Japan

8: In der Annahme, ich übersetze den Begriff „rat cochlea“ korrekt, ist im Bild von Dr. Michael Perny die Hörschnecke einer neugeborenen Ratte zu sehen, 100-fach vergrößert. Grün erscheinen die Haarzellen, rot jene Nervenzellen, die Informationen vom Gehör zum Hirn übertragen.


© Dr. Michael Perny, University of Bern, Institute for Infectious Diseases, Bern, Schweiz

9: Keinen Weihnachtsbaum, sondern ein knorpelähnliches Gewebe, das gerade aus Stammzellen heranwächst, zeigt das folgende Bild. Das Kollagen in Grün, Fettablagerungen in Rot, aufgenommen bzw. eingereicht von einer Gruppe von Wissenschaftlern an der University of Southampton in Großbritannien.


© Catarina Moura, Dr. Sumeet Mahajan, Dr. Richard Oreffo & Dr. Rahul Tare, University of Southampton, Institute for Life Sciences, Southampton, UK

10: Was auf diesem Bild genau los ist, kann ich nur vermuten. Jedenfalls sind zwei sogenannte Rüsselkäfer in 80-facher Vergrößerung zu sehen. Ein Einblick ins mikroskopische Tierreich von Dr. Csaba Pintér.


© Dr. Csaba Pintér, University of Pannonia, Georgikon Faculty, Department of Plant Protection, Keszthely, Hungary
   

Top 2: Videos/Zeitraffer

1: Bei den bewegten Bildern findet sich auf Platz 1 ein Video von Dr. Daniel von Wangenheim, über welches in den News bereits einmal berichtet wurde. Das Besondere dabei: Es wurde eine Technik entwickelt, bei der Mikroskope sich bewegende Objekte automatisch verfolgen. Hier zum Beispiel wird das Wurzelwachstum der Arabidopsis thaliana über 17 Stunden hinweg beobachtet – automatisiert.
 
Video: Dr. Daniel von Wangenheim, Institute of Science and Technology Austria, Department of Developmental and Cell Biology of Plants, Klosterneuburg, Österreich

2: Um das aufzunehmen, was im nächsten Video zu sehen ist, zeigten Tsutomu Tomita und Shun Miyazaki ihren Probanden Videos von Menschen, die zur die Spitze von Wolkenkratzern hinaufsteigen. Die Folge: Schweißproduktion. An den Fingerspitzen der sich Ängstigenden entstanden dann die schweißtreibenden Bilder:
 
Video: Tsutomu Tomita & Shun Miyazaki, TIMELAPSE VISION INC., Shiki, Japan

Die Galerien des Nikon Small World-Wettbewerbs findet ihr auf entsprechender Seite oder bei Instagram.
 
Euer Jens

Bildquelle Vorschau: © Dr. Havi Sarfaty, Eyecare Clinic, Israel; Bildquelle Titel: © Dr. Bram van den Broek, Andriy Volkov, Dr. Kees Jalink, Dr. Nicole Schwarz & Dr. Reinhard Windoffer, The Netherlands Cancer Institute, BioImaging Facility & Department of Cell Biology und © Jean-Marc Babalian, Nantes, Frankreich

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Kommentare
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Portrait von formulator
  • 11.10.2017 - 07:54

Faszinierend waren solche Aufnahmen aus der Mikrowelt ja schon immer. Aber durch die moderne Aufbereiten mit den Farben erscheint das ganze noch viel rätselhafter.
Vielen Dank für den Bericht.

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 10.10.2017 - 15:20

Daß die Natur faszinierende Strukturen aufzeigt ist schon lange bekannt. Neu ist die der menschlichen Natur gefällige Aufbereitung in Farbe.
Daß es inzwischen allerdings schon Monsterratten gibt, bei denen die Hörschnecken selbst bei Neugeborenen schon so groß sind, lässt mich etwas zusammenzucken. Falscher Vergrößerungsfaktor?

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