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Tutorialbeschreibung

Umsetzung eines Printproduktes (1): Ideenfindung und Umsetzungskriterien

Umsetzung eines Printproduktes (1): Ideenfindung und Umsetzungskriterien

Ein Printprodukt zu erstellen, ist mehr, als nur mit Photoshop und Konsorten umgehen zu können. Oft erfordert ein solches Produkt einen langwierigen Prozess. In diesem Tutorial möchte ich erklären, welche Bedeutung Kreativitätsmethoden haben und welche Punkte man bei der Umsetzung beachten sollte.


Willkommen zu meinem Tutorial. Ich möchte mit dir einige grundlegende Dinge klären, die es bei der Gestaltung eines Printproduktes zu beachten gibt. Ein Printprodukt zu erstellen, ist mehr als, nur mit Photoshop und Konsorten umgehen zu können. Oft erfordert ein solches Produkt einen langwierigen Prozess. In diesem Tutorial möchte ich erklären, welche Bedeutung Kreativitätsmethoden haben und welche Punkte man bei der Umsetzung beachten sollte.


Kreativitätsmethoden

Bevor man sich überhaupt in die Arbeit mit Illustrator, InDesign oder Photoshop stürzt, sollte man sich erst mal vor Augen halten, was man eigentlich gestalten möchte und wie es überhaupt aussehen soll. Damit man sich aber nicht völlig den Kopf hierbei zerbricht, ist es sinnvoll, nach einem bestimmten Schema zu arbeiten, um den kreativen Prozess zu fördern. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, um auf Ideen zu kommen. Ich stelle euch hierbei mal 3-4 Möglichkeit vor, wie man Ideen sammeln kann. Es gibt mit Sicherheit auch andere Kreativitätsmethoden. Aber folgende haben sich als besonders effektiv herausgestellt.

Diese sind:
• Brainstorming
• Mind-Maps
• Scribbles
• Mordboard


Brainstorming:

Eine der bekanntesten Methoden zur Ideenfindung ist wohl das Brainstorming. Hier geht es darum, ohne viel nachzudenken möglichst viele Dinge aufzuschreiben, die einem zu einem Begriff einfallen.

Beispiel: Apfel
• Obst
• Grün
• Vitamine
• Apfelbaum
• Apfelsaft
• Apfelringe
• Apfelkerne
• Apfelschorle
• Ernte


Mind Map:

Eine ebenso effektive Methode ist das sogenannte „Mind Mapping“. Es ist dem Brainstorming sehr ähnlich, mit dem Unterschied, dass man gefundene Begriffe zum vorgegebenen Hauptbegriff kategorisiert und Begriffe, die eine Gemeinsamkeit haben, zusammenfügt. Dies kann man zum Beispiel mit ovalen Kreisen machen, die einen Zweig zum Hauptbegriff bilden.

Nehmen wir doch wieder unseren Apfel als Beispiel und „gruppieren“ die Begriffe, die zusammenpassen: Apfelsaft und Apfelschorle passen zusammen. Apfelbaum, Kerne und Ernte auch. Nehmen wir mal Grün in eine einzelne Kategorie. Apfelringe ebenso. Lassen wir mal Obst und Vitamine außen vor.

Nachdem wir nun Begriffe gesammelt haben, könnte unsere Mindmap so aussehen:

Bilder



 

Scribbles:

Nachdem man mit der Brainstorming- bzw. Mind-Map-Methode ein paar Anregungen gesammelt hat, geht es bei den Scribbles darum, sich „visuelle Gedanken“ über sein Produkt zu machen. Hier kann man zu den Begriffen ein paar Skizzen anfertigen, zum Beispiel einen Apfelbaum, den Apfel selbst oder auch eine Flasche mit Apfelsaft bzw. Apfelschorle. Man kann hierbei mit Bleistift skizzieren oder man kann auch das Ganze farblich gestalten. Der eigenen Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Man kann auch einfach die Farbe Grün nehmen und etwas Grünes zeichnen, zum Beispiel ein kleines Maskottchen für eine Apfelsaft-Marke.

Bilder



In diesem Beispiel habe ich nicht nur eine Skizze gemacht, sondern auch gleichzeitig die Illustration platziert, um zu zeigen, was als mögliches Resultat bei der Erstellung von Illustrationen herauskommen kann. In diesem Fall habe ich mich für das obige Beispiel mit dem grünen Männchen als Maskottchen entschieden.

 
Wichtig ist hierbei natürlich, möglichst viele Scribbles zu machen und nicht nur bei einer Idee kleben zu bleiben, um möglichst viele Variationen und Ideen zu haben. So könnte man zum Begriff „Tiercomic“ Folgendes „scribbeln“:

Bilder



In diesem Fall stammen die Scribbles nicht von mir, sondern von der Bilddatenbank Pixelio, und sind unter folgendem Link zu finden: http://www.pixelio.de/?ACTION=search&q=Scribble&tid=3&license=b0&order=date&sort=-1&items=20&page=1&items=20

Wie man sieht, gibt es verschiedene Möglichkeiten, um ans Ziel zu gelangen. Wichtig ist hierbei natürlich, sich noch nicht festgelegt zu haben. Nur dann können solche Ergebnisse wie im Tiercomic-Beispiel zustande kommen. Der Zeichner hat hier verschiedene Tiere auf verschiedene Art und Weise gezeichnet und ihnen somit eine gewisse Individualität gegeben. Somit hätte er, sofern er einen Tiercomic zeichnen würde, eine größere Auswahl an Möglichkeiten. Er könnte zum Beispiel bei einem Tiercomic das Häschen unten rechts zum Helden machen, während das Schwein oben links der Bösewicht sein könnte.


 

Moodboard:

Die letzte Methode, die man nach dem Scribble anwenden könnte, ist das sogenannte Moodboard (deutsch: Stimmungstafel), bei dem Fotos und Zeichnungen auf einem A3- oder A2-Blatt (kann natürlich auch größer oder kleiner sein) angebracht werden, die zu der vorgegebenen Thematik passen und einzuordnen sind. Es können sowohl kleine Fotos als auch große Fotos mit angebracht werden. Die Struktur spielt hierbei keine Rolle. Wichtig ist nur, dass so viel wie möglich drauf kommt, damit man möglichst viele, visuelle Anregungen erhält, die bei der späteren Gestaltung hilfreich sein könnten.

Ein solches Moodboard (Beispiel-Thema: Liebe) könnte folgendermaßen ausschauen:

Bilder



Auch hier diente die Bilddatenbank Pixelio als Hilfe für die Bildsuche: http://www.pixelio.de/?ACTION=search&q=Liebe&tid=3&license=b0&order=date&sort=-1&items=20&page=1&items=20

Insgesamt hat man also ein mächtiges Werkzeug für die Ideenfindung, die für die spätere Umsetzung mehr als nützlich ist. Durch diese Hilfsmittel kann man nun in die Praxis gehen und sein Printprodukt gestalten.


 

Gestaltungsmittel, Farbe, Typografie und Zielgruppe als Umsetzungshilfe

Durch die Kreativitätsmethoden entstehen sicherlich viele Ideen, die man in die Tat umsetzen möchte. Doch diese Ideen müssen auch sinnvoll umgesetzt werden.

Dabei sind die vier folgenden Punkte zu berücksichtigen:
• die Gestaltung nach bestimmten Kriterien
• die Farbwahl
• Typografie
• in manchen Fällen auch die Zielgruppe.

Im folgenden Abschnitt möchte ich kurz auf diese Punkte eingehen und begründen, warum sie bei der Erstellung eines Printproduktes eine Rolle spielen.


Gestaltungsgesetze:

Bei der Gestaltung eines Printproduktes spielen Gestaltungsgesetze eine wichtige Rolle. Durch sie können wir einfacher bestimmen, wie unser „Endprodukt“ aufgebaut sein und aussehen soll. Egal, ob Form, Farbe, Perspektive, Kontraste, Linienführung, Geometrie, Goldener Schnitt oder das Format selbst – diese und andere Gestaltungsmittel sind mächtige und wichtige Werkzeuge, um unserem Produkt eine Gestalt zu geben.

Mehr noch: Wir können durch sie auch begründen, warum wir gerade eine bestimmte Farbe gewählt haben oder warum wir zum Beispiel Dreiecke statt Kreisen verwendet haben. Bewusst oder unbewusst wenden wir einige Gestaltunggesetze an. So ist es kein Wunder, dass wir mit schwarzer oder blauer Tinte auf ein weißes Blatt Papier schreiben. Mit gelber Farbe wäre die Schrift aufgrund des fehlenden „Hell-Dunkel“-Kontrasts schwer zu lesen. Die Schrift muss sich also vom Weiß „abheben“.

Diesen Zustand bezeichnet man auch als Figur-Grund-Kontrast, weil die Schrift sich von dem Papier abhebt. Die Schrift ist – wenn man es so möchte – das „Hauptmotiv“, während das weiße Papier nur die Fläche bzw. der Hintergrund ist. Neben diesem Gestaltungsgesetz gibt es aber auch noch andere Möglichkeiten und Gesetze, die einem die Arbeit erleichtern.

 
Damit dieses Tutorial aber nicht allzu lang ausfällt, empfehle ich zu den Gestaltungsgesetzen folgende Quellen:

http://www.zeichnen-lernen.net/kunstkurse/gestaltungsgesetze.php
https://docs.google.com/viewer?a=v&q=cache:fcDcr7nguzMJ:www.agenturtschi.ch/t3/fileadmin/download/fachartikel/gestaltgesetze.pdf+&hl=de&gl=de&pid=bl&srcid=ADGEESjoCxYad1WOtztqdJpWqGO4rKkmt2evvH60qSSI-szHNoHQRPIFWxl-iXPOuPSzPCkWFeHnOb2Fzh8s7NP6Gx-1iFzzyuDR_Ru_N-0NM6aoI-UIIZF1etUIJ0bKfCVH1Rz-2z5p&sig=AHIEtbSt4uvx1bORK7gXSL-qZs290IvR_w&pli=1
http://www.logo-pogo.de/index.php/grundlagen/gestaltungsgesetze


Farben:

Wie bereits in den Gestaltungsgesetzen erwähnt, spielen Farben eine wesentliche Rolle. Sie können uns unter anderem psychologisch beeinflussen. So ist es kein Wunder, dass Rot unter anderem alarmierend wirkt, während Blau eine beruhigende Wirkung hat. Vielleicht lieben wir die Natur auch so sehr, weil Grün für Hoffnung und Antrieb steht.

Aber nicht nur die psychologische Wirkung von Farbe ist ein wichtiges Thema, sondern auch die Anwendung von Farbe – so auch zum Beispiel Kontraste und Farbabstufungen. So ist es nicht verwunderlich, dass der Rot-Grün-Kontrast als harmonisch empfunden wird (Stichwort: Rosen) oder bei einer Landschaft die Farben immer heller werden, je weiter die Bildelemente nach hinten rücken.

Wie man Farben ansonsten sinnvoll anwendet, erklären folgende Quellen:

https://docs.google.com/viewer?a=v&q=cache:cHLxBGxeS9EJ:www.grafixerin.com/bilder/Farbpsychologie.pdf+&hl=de&gl=de&pid=bl&srcid=ADGEEShje-_JsWDRtPgNZC6I_ZLrSAIYjTViRVb1dG4oQCf2EIx0X2C6jFJahFnaETIQuRZ-r9R94qEySKWwhEensj_KrKNwetgZoEZrpgSv3JpntU-p8RGKXiNaT6XCmhXCoijze0MS&sig=AHIEtbR6KKd6P92aBJ6MbYm3IWObJTVd0A
http://www.lern-online.net/kunst/weiteres/farbenlehre/
http://lehrerfortbildung-bw.de/kompetenzen/gestaltung/farbe/index.html

 
Folgende Abbildung zeigt ein fröhliches Farbbild mit Figur-Grund-Kontrast:

Bilder



Typografie:

Auch Schriften spielen bei Printprodukten eine Rolle und sind daher ein wichtiges Thema in der Gestaltung. So würde wohl niemand einen Fließtext mit einer Schnörkelschrift, sondern eher mit einer Schrift wie Times New Roman oder Arial verfassen. Und wo wir gerade bei diesen beiden Schriften sind, möchte ich zumindest kurz auf ihre Eigenschaften eingehen: Die Schrift „Times New Roman“ ist eine sogenannte „Serifenschrift“, während „Arial“ eine „serifenlose Schrift“ ist.

Die Strichstärke eines Buchstabens ist bei Times New Roman nicht immer gleich bzw. variabel, während bei Arial die Strichstärke gleich ist. Vom Charakter her wirkt Arial modern, während Times New Roman – vorsichtig gesagt – altertümlich wirkt, wobei sie auch gerne in Zeitungen und Büchern verwendet wird, weil Serifen laut Typografen eine bessere Lesbarkeit gewährleisten.

Wie man an diesen beiden Beispielen von Arial und der Times sieht, gibt es zwischen Schriften doch einige Unterschiede im Aussehen, Charakter und in ihrer Wirkung. Daher muss gut überlegt sein, welche Schrift man verwendet und mit welcher Schrift man sie zum Beispiel in der Logogestaltung mischt. So verwendet man beim Wort Internet-Café auch gerne eine serifenlose Schrift für Internet und eine schnörkelige Schrift für Café.

Folgende Quellen sollen dabei Auskunft geben, was man sonst über Schriften, Zeichen, etc. wissen sollte:

http://www.zeichnen-lernen.net/kunstkurse/typografie-schriftgestaltung.php
http://www.janaszek.de/t/typograph-online.htm
http://www.teachsam.de/arb/visua/visua_3_4_3_3.htm

Folgende Abbildung soll noch einmal zeigen, wie verschieden Schriften sein können:

Bilder



 

Zielgruppe:

Nicht immer, aber öfter ist auch die Zielgruppe von Belang, da durch sie auch bestimmt werden kann, wie zum Beispiel eine Werbeanzeige in einer Zeitschrift auszusehen hat. So es ist auch kein Wunder, dass man beim Paula-Pudding eine Kuh im Zeichentrick-Stil verwendet, weil man mit diesem Produkt Kinder ansprechen möchte.

Bei Autos spielt die Zielgruppe eine große Rolle, da es verschiedene Preisklassen und Modelle gibt, die auch für verschiedene Zielgruppen geeignet sind. Auch bei Kaffee gibt es verschiedene Marken / Unternehmen, die jeweils eine bestimmte Zielgruppe ansprechen. So wird einfacher, günstiger Kaffee aus dem Supermarkt mit Sicherheit nicht auf dieselbe Art und Weise vermarktet wie ein „ausgezeichneter Marken-Kaffee“, dessen Preis deutlich höher ist.

Es gibt verschiedene Wege und Möglichkeiten, die Zielgruppe zu ermitteln bzw. festzulegen. Eine einfache Möglichkeit möchte ich euch vorstellen, die ich mal selbst angewandt habe. Bei dieser Methode geht es schlicht und einfach darum, die Zielgruppe in verschiedene Bereiche einzuteilen, damit man so eine engere bzw. übersichtlichere Auswahl hat.

Die Zielgruppe kann hierbei nach folgendem Schema festgelegt werden:

• Soziodemografisch: Alter, Geschlecht, Beruf, Bildung, Einkommen
• Geografisch: Wohnort, Wohnortsgröße, Nielsengebiet, Bundesland, etc.
• Psychologisch: Wünsche, Meinungen, Einstellungen, Vorurteile, Geduld, Risikobereitschaft, Emotionalität
• Konsum: Freizeitverhalten, Kaufverhalten, Besitzansprüche.

Mithilfe dieser vier Punkte kann nun die Gestaltung ihren Lauf nehmen und wir können mit Illustrator, InDesign oder Photoshop Hand anlegen.

Im zweiten Teil des Tutorials werde ich anhand eines fiktiven, aber einfachen Praxisbeispiels alle Punkte durchgehen und meine anschließende Idee in Illustrator umsetzen. Also: Stay tuned!

Vielen Dank für das Lesen meines Tutorials!

Kommentare
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Portrait von eule88
  • 23.09.2015 - 09:53

Danke, hat wieder mal an die Grundsätze erinnert!

Portrait von iwanlenin
  • 18.11.2014 - 13:23

Sehr schön. Kurz,knapp, verständlich.

Portrait von Bruhsman
  • 31.12.2012 - 12:12

Danke! Da wurde einiges an Grundwissen wieder mal aktiviert ;-)

Portrait von headover
  • 29.12.2012 - 11:13

Vielen Dank für das Tutorial. Ein guter Leitfaden zum Arbeiten und Ideen entwickeln, danke auch für die Links.

Portrait von wammerl
  • 29.12.2012 - 09:50

Super interessant! Danke!

Portrait von klarakolumna
  • 25.12.2012 - 17:30

Schönen Dank für diesen Upload. Werde gleich mal ausprobieren.Auf alle Fälle intersiantes Thema.

Portrait von funkyalien
  • 25.12.2012 - 15:35

Vielen Dank für den Upload. Super Methoden!

Portrait von Hanno_Hauser
  • 25.12.2012 - 09:01

Hi,
danke für das interesssante Tutorial.
LG

Portrait von MicroSmurf
  • 25.12.2012 - 01:05

Sehr interessant. Vielen Dank.

Portrait von ninafee
  • 24.12.2012 - 23:52

Dankeschön für das Tutorial.

Portrait von Ivoire
  • 24.12.2012 - 23:35

"Mordboard" bei den Aufzählungen der Methoden find ich genial ;-)

Portrait von Stavros
  • 24.12.2012 - 23:42

Der Tag war sehr lang und ich war TOTmüde. :-D

Portrait von Dragon65
  • 24.12.2012 - 21:43

Vielen lieben Dank. Einfach aber effektiv

Portrait von MaoMao
  • 24.12.2012 - 20:06

Vielen Dank für das Tutorial.

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