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Tutorialbeschreibung

Umsetzung eines Printproduktes (2): Ein einfaches Praxis-Beispiel

Umsetzung eines Printproduktes (2): Ein einfaches Praxis-Beispiel

Im zweiten Teil meines Tutorials möchte ich dir zeigen, wie du die in meinem ersten Tutorial benannten Punkte in deinem eigenen Projekt umsetzen kannst. Da es sich um ein Grundlagen-Tutorial handelt, werde ich mich auf das Wesentliche beschränken und anhand eines einfachen Beispiels zeigen, wie man ein Printprodukt konzipiert. Dies muss nicht unbedingt nachgemacht werden, sondern dient hauptsächlich zur Veranschaulichung.

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Willkommen im zweiten Teil meines Tutorials. Diesmal möchte ich dir zeigen, wie du die in meinem ersten Tutorial benannten Punkte in deinem eigenen Projekt umsetzen kannst. Da es sich um ein Grundlagen-Tutorial handelt, werde ich mich auf das Wesentliche beschränken und anhand eines einfachen Beispiels zeigen, wie man ein Printprodukt konzipiert. Dies muss nicht unbedingt nachgemacht werden, sondern dient hauptsächlich zur Veranschaulichung.


Auftrag und Zielgruppe

Der (fiktive) Auftrag:

Tim feiert bald seinen 18. Geburtstag. Zu diesem Anlass möchte er natürlich seine Freunde einladen. Er bittet uns darum, eine Einladungskarte für ihn zu erstellen. Diese soll im DIN-A5-Format beidseitig ausgedruckt werden. Die Gestaltung steht uns frei.

Bevor wir uns Gedanken über die Kreativitätsmethoden machen, ist es wichtig, sich zunächst einmal die Zielgruppe vor Auge zu führen, da diese auch einen Einfluss auf unsere Ideen haben kann. Im ersten Teil meines Tutorials habe ich die Zielgruppe ganz nach unten gestellt. Allerdings ist es sinnvoller, sich schon während des kreativen Prozesses Gedanken zu machen. In diesem Fall geht es um die Adressaten, denen Tim die Einladungskarte zuschicken lassen möchte. Es sind hier wahrscheinlich Freunde und Bekannte, die ungefähr in seinem Alter sind und vermutlich noch zur Schule gehen oder sich gerade in der Ausbildung befinden.

Schauen wir uns doch mal die Zielgruppe an:

Soziodemografisch: Im Schnitt werden Tims Freunde wohl zwischen 16 und 19 Jahre alt sein. Es sind hierbei sowohl Jungen als auch Mädchen vertreten. Ein festes Einkommen werden sie wohl nicht haben, da sie entweder noch zur Schule gehen oder sich in der Ausbildung befinden.
Geografisch: Da es sich im Fall von Tim um Freunde und Bekannte handelt, werden sie wohl in der näheren Umgebung bzw. in derselben Region wohnen.
Psychologisch: Vom Alter ausgehend, wollen Tims Freunde zunächst einmal ihr Leben in vollen Zügen genießen, wobei eine bestimmte Gruppe von ihnen schon weiß, was sie möchte und wie ihre Zukunft aussehen soll. An dieser Stelle kann nicht verallgemeinert werden, da die Persönlichkeit eines Menschen individuell ist. Gehen wir aber davon aus, dass sie bei einer Feier gerne dabei sein und ausgiebig feiern wollen und daher relativ positiv gestimmt sind, während einige von ihnen sicherlich noch eine naive Einstellung zum Leben haben.
 
Konsum: In diesem Alter lernt man wohl erst, richtig mit Geld umzugehen bzw. man weiß es so langsam durch die Ausbildung, was es heißt, eigenes Geld zu verdienen. Vermutlich werden aber einige direkt noch kein eigenes Geld verdienen und durch die Eltern finanziert. Grundsätzlich wird bei vielen zwischen 16 und 17 gekauft, was gefällt. Mit 18-19 macht man sich dann langsam mehr Gedanken, was wichtig ist und was nicht.

Anmerkung: Hierbei handelt es sich nur um ein Muster. In der Regel ist es wichtig, sich vorher mit der Zielgruppe auseinanderzusetzen und (je nach Produkt) über sie zu recherchieren. Es muss daher nicht unbedingt so sein, wie es hier in der Zielgruppe beschrieben wird.


Ideenfindung

Nachdem die Zielgruppe ermittelt worden ist, müssen nun Ideen her, damit die Einladungskarte gestaltet werden kann. Dazu verwenden wir die im letzten Tutorial erwähnten Punkte: Brainstorming, Mind-Mapping, Erstellung von Scribbles und eines Moodboards.

Wir machen das Ganze in folgender Reihenfolge:

1. Brainstorming
2. Mindmap
3. Scribbles
4. Moodboard


 

Brainstorming:

Wie im letzten Abschnitt erklärt, geht es bei Brainstorming darum, sich möglichst viele Dinge zu einem Begriff aufzuschreiben, ohne dabei viel nachzudenken. Natürlich stellt sich die Frage: Worum geht es hier denn? Um die Einladungskarte sicherlich. Aber welches Ziel hat diese Einladungskarte? Logischerweise soll sie einladen und auf den Geburtstag aufmerksam machen. Hier haben wir ein wichtiges Schlagwort: Geburtstag. Und hier stellt sich die Frage: Was ist typisch für einen Geburtstag? Schreiben wir uns doch mal auf, was uns dazu einfällt:

Bilder



Damit haben wir nun Begriffe gesammelt, die uns zu einem Geburtstag spontan einfallen würden. Um das Ganze ein wenig zu differenzieren, nehmen wir uns das Geschriebene und führen es in einer Mind Map auf und führen die Begriffe gemeinsam auf, die zueinanderpassen.


 

Mind Map:

Damit würde unsere Mind Map folgendermaßen ausschauen:

Bilder



 
Kurz zur Erklärung: Bei einer Geburtstagsparty sind Tanzen, Musik und alkoholische Getränke (Sektglas) typisch. Eine typische Ausstattung sind Konfetti, Partyhüte und eine Partytröte. Was vor allem wichtig für das Geburtstagskind ist: eine Geburtstagstorte mit Geburtstagkerzen und natürlich Geschenke! Damit hätten wir grundlegende Dinge, die wir im nächsten Schritt mit berücksichtigen können.


Scribbles:

Wie im vorherigen Tutorial schon gesagt wurde, geht es bei den Scribbles darum, Ideen zu visualisieren bzw. visuelle Anregungen zu sammeln, die den kreativen Prozess vorantreiben und somit Einfluss auf die spätere Gestaltung nehmen können.

Als visuelle Hilfe wurden hier ein paar Begriffe aus den vorherigen Schritten skizziert:

Bilder



Wir sehen hier zum einen ein Geschenk und eine Geburtstagstorte und zum anderen ein Sektglas und einen Jungen mit einem Partyhut und einer Partytröte, der sozusagen das „ausgiebig Feiern“ symbolisiert. Diese Zeichnungen könnte man dann zum Beispiel in Illustrator umsetzen und später in InDesign platzieren.

Doch damit wir nicht zu sehr an einer Idee festkleben, versuchen wir es für alle Fälle auch mit der letzten Möglichkeit: dem Moodboard! Hier geht es darum, viele Bilder, die mit dem Thema zu tun haben, als eine Art Collage zusammenzukleben.

Ein Moodboard zum Thema „Geburtstag“ könnte in dem Fall so zum Beispiel aussehen:

Bilder



Anmerkung: Dies ist hier eine etwas abgespeckte Variante. Ein Moodboard kann daher grundsätzlich aus unendlich vielen Bildern bestehen. Um das Tutorial aber ein wenig übersichtlicher zu halten, habe ich mich hier für eine abgespeckte Variante entschieden.

Wir sehen hier wieder die typischen Elemente eines Geburtstages: Sektgläser, Geschenke, Ballons, Partyhüte, Torten, Kerzen, usw. Damit hätten wir nun genügend Anregung, um unsere Idee umzusetzen.

Es gibt sicherlich noch weitere Methoden, um Ideen zu sammeln, die hier nicht erwähnt worden sind. Das wären zum Beispiel:

• Die 6 3 5 – Methode, bei der man 5 weitere Personen benötigt
• Die Cluster-Methode
• Die Walt-Disney-Methode
• Die 9-Mini-Scribbles-Methode

Und sicherlich noch viele andere Methoden. Nun soll der nächste Schritt, nämlich die Umsetzung, folgen!


Umsetzung / Gestaltung

Bereits vor der Umsetzung kann und sollte man sich auch Gedanken darüber machen, welche Farben und welche Schrift man bei einem zu gestaltenden Produkt verwendet. So könnte man als Text „Einladung zu meinem 18. Geburtstag“ auf der Vorderseite mit der Schrift „Aberration“ (als kostenlose Schrift herunterladbar) anbringen.

Aberration ist auf der einen Seite eine lebhafte Schrift, die aber auf der anderen Seite einen lässigen Schriftcharakter hat. Genau richtig für unsere Einladungskarte! Auf der anderen Seite benötigen wir auch den Einladungstext, welcher in einer sachlichen und klaren Schrift dargestellt werden sollte. Hierfür nehmen wir „Kabel Ult B“. Diese Schrift ist sehr dick und daher gut leserlich.

Schriften können unter anderem auf http://www.schriftarten-fonts.de gefunden werden.

Kümmern wir uns um die Farben. Wichtig ist, dass sie eine bestimmte psychologische Wirkung erzielen, aber sich gegenseitig nicht „beißen“. Das heißt, sie müssen harmonieren. Harmonie erreicht man oft auch durch Kontraste, sei es in Form von Hell-dunkel-Kontrasten, Kalt-warm-Kontrasten oder Komplementär-Kontrasten. Kontraste spielen daher eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, mehrere Farben in einem Print-Produkt einzusetzen. Welche Kontraste ich angewandt habe, erfahrt ihr jedoch am Ende des Tutorials. Hier aber schon mal eine Liste der Farben, für die ich mich entschieden habe mit kurzer Erklärung zur Psychologie:

Blau: symbolisiert in diesem Zusammenhang Harmonie, Freundlichkeit und Freundschaft
Grün: symbolisiert Zuversicht und Antrieb
Rot: symbolisiert Freude und Aktivität
Gelb: symbolisiert Optimismus und Lebensfreude
Weiß: symbolisiert das Ideale und das Gute.

Natürlich haben auch Farben die verschiedensten Bedeutungen. Ich habe mich in diesem Fall für diese Farben entschieden, weil sie unter anderem diese Bedeutung haben und sich daher gut in die Einladungskarte einfügen würden.

Kommen wir aber nun zur eigentlichen Umsetzung. Bevor wir beginnen, eine kurze Anmerkung: Dies soll kein Tutorial sein, bei dem Step-by-step die Umsetzung in Illustrator und InDesign erklärt wird. Hier geht es hauptsächlich um das Konzept. Daher gehe ich im Folgenden nicht detailliert auf die Umsetzung in den Programmen ein. Die Erklärung zur Gestaltung erfolgt am Ende des Tutorials.

Wir haben uns dafür entschieden, dass das Sektglas und der Junge mit dem Partyhut und der Tröte perfekt zum 18. Geburtstag passt, denn man wird nur einmal 18 und das soll natürlich ausgiebig gefeiert werden. Natürlich werden bei einem solchen Geburtstag auch Geschenke erwartet, deswegen beziehen wir doch auch die Geschenkpackung mit ein.

Für die Umsetzung der einzelnen Elemente wurde Illustrator verwendet. Das Ergebnis schaut wie folgt aus:

Bilder



 
Für das Glas:

Bilder



 
Und für das Geschenk:

Bilder



 
Für den Fall, dass du dich noch nicht in Illustrator auskennst, empfehle ich dir folgendes Tutorial: http://www.psd-tutorials.de/tutorials/2d/adobe-illustrator/grundlagen/view/1309--eigene-zeichnung-illustrieren

Unsere Elemente sind schon mal fertig. Jetzt fehlt die eigentliche Einladungskarte mit Text und Hintergrund, die wir in InDesign gestalten.

Das Ganze sieht dann so aus:

Bilder



Anmerkung: Falls du Kenntnisse in InDesign benötigst, empfehle ich dir folgenden Link: http://www.psd-tutorials.de/tutorials/2d/adobe-indesign.

Nun zur Erklärung bezüglich der Gestaltung, Farbe und Typografie:

Vorderseite: Das Glas und der „Partyjunge“ wurden bewusst schräg gehalten. Dadurch wirkt das Ganze etwas dynamischer. Damit sie auch im Mittelpunkt stehen, habe ich einen roten Hintergrund verwendet, der vergleichsweise dunkler ist als die beiden Elemente selbst. Auch die „Überschrift“ über dem Glas und dem Jungen wurde in Weiß gehalten, damit sie nicht untergeht.

Durch diesen Hell-dunkel-Kontrast sind die Hauptelemente gut zu erkennen und stechen dadurch gut ins Auge. Damit ist auch klar, dass hier perspektivisch gearbeitet worden ist (Stichwort: Figur-Grund-Kontrast): Die Elemente stehen im Vordergrund, während das Rot den Hintergrund repräsentiert. Da der Partyhut des Jungen nicht ganz so hell ist, habe ich hier die Farbe Grün verwendet, weil sie im (Komplementär-) Kontrast zu dem Rot steht und daher trotzdem Unterschiede zu erkennen sind. Der schwarze Rahmen gibt dem Ganzen noch etwas Stabilität.

Die psychologische Wirkung der Farbe und die Schriftwahl wurden weiter oben erklärt, wobei hier noch erwähnt werden sollte, dass es wichtig ist, in der Vorderseite den „Betreff“ in jedem Fall zu haben. Wo der restliche Einladungstext erscheint, ist eine persönliche Entscheidung.

Rückseite – hier haben wir direkt den Einladungstext, der sich in einem Satzspiegel befindet. Das hat zum einen den Grund, damit die Schrift nicht zu nah am Rand ist und zum anderen brauchen unsere Hände eine „Anfassfläche“, damit unsere Finger die wesentlichen Informationen nicht überdecken.

Dasselbe trifft auch auf die Vorderseite zu, die auch freien Platz für die Finger bietet. Auch hier ist die Schrift in Weiß gehalten, um für den nötigen Hell-dunkel- bzw. Figur-Grund-Kontrast zu sorgen. Unter dem Text befindet sich die Geschenkverpackung, die aus Platzgründen etwas verzerrt worden ist. Das tut dem Ganzen aber keinen Abbruch, denn Geschenkverpackungen müssen nicht zwangsweise quadratisch sein. Die Geschenkverpackung wurde bewusst in den Farben Blau und Gelb gestaltet. Die Schleife soll sich von der Verpackung abheben und soll nicht mit dem roten Hintergrund konkurrieren und ist daher heller als beides. Das Blau soll für einen Kalt-warm-Kontrast zum Hintergrund sorgen. Blau ist ja eine kalte Farbe, während Rot und Gelb eher warme Farben sind.

Damit wären wir nun am Ende unseres Tutorials. Du hast gelernt, wie man nach einem bestimmten System gestaltet und dass man niemals willkürlich etwas gestalten sollte. Es ist daher von immenser Bedeutung, sich vor und während der Umsetzung Gedanken zu machen. Hier ging es vor allem um die Konzeption und Gestaltung eines Produktes. Ich hoffe, ich konnte dir viel Nützliches zeigen und dir einiges näherbringen.


Kommentare
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Portrait von Thomas_
  • 17.04.2013 - 14:46

Dann mal einen dank für deine Mühe hier lasse

Portrait von funkyalien
  • 25.12.2012 - 15:38

Danke fürs Uploaden. Super Download!

Portrait von straubingerin
Portrait von MicroSmurf
Portrait von ich1
  • 24.12.2012 - 13:22

Toll gemacht!

Jetzt habe ich den 2ten Teil und bin zu doof den Ersten zu finden :o(( kann mir jemand den Titel des 1ten Teils sagen oder nen Link, bitte, bitte?!?

Gruß
ich

Portrait von Stavros
  • 24.12.2012 - 13:37

Den ersten Teil habe ich eigentlich vor dem zweiten Teil hochgeladen. Aber komischerweise wurde der erste Teil wohl noch nicht freigeschaltet. Deswegen geht hier auch der rote Pfaden ein wenig verloren. Tut mir sehr leid! Habe leider auch keine Kontrolle darüber, in welcher Reihenfolge die Sachen freigeschaltet werden. :-(

Portrait von MaoMao
  • 24.12.2012 - 13:18

Vielen Dank für das Tutorial.

Portrait von klarakolumna
  • 24.12.2012 - 13:15

Dankeschön, schöne Weinachten !!!

Portrait von ninafee
  • 24.12.2012 - 13:13

Vielen Dank und frohes Fest.

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 24.12.2012 - 13:12

Cool Gemacht !
Dankeschön für das TUT

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