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Tutorialbeschreibung

Gedichte setzen in InDesign

Gedichte setzen in InDesign

Hier lernt ihr anhand von Edgar Allan Poes Raven, wie ihr mithilfe von Absatzformaten Gedichte setzen könnt und welcher typografische Sonderfall auftreten kann.

Das Gedicht findet ihr übrigens auf www.gutenberg.org.


Erster Schritt:

Ihr öffnet ein neues Dokument in InDesign (links oben Datei>Neu). Es ist sinnvoll, gleich mehrere Seiten einzustellen, auch wenn ihr noch nicht wisst, wie viele ihr brauchen werdet; das erspart euch das manuelle Einfügen, wenn der Text nicht auf einer Seite Platz hat.

Lyrik braucht mehr noch als belletristische Prosa Luft, also habe ich das Format B5 gewählt und breite Ränder eingestellt: innen und oben jeweils 20 mm, außen 25 mm, unten 35 mm. Der Innenrand wird im gedruckten Produkt schmaler erscheinen als wir ihn einstellen, denn die meisten Bücher lassen sich nicht voll aufklappen, ohne Schaden zu nehmen, also nicht über diesen scheinbaren Regelverstoß wundern ;)


Zweiter Schritt:

Ihr platziert den Text (wieder über Datei, dann Platzieren oder Strg+D) und klickt auf das kleine rote Plus im Kästchen unten rechts an der Textrahmenbegrenzung. Damit ladet ihr den Text, der in diesem Rahmen keinen Platz mehr hatte, und könnt ihn auf der nächsten Seite weiterlaufen lassen, indem ihr Shift gedrückt haltet und klickt. Ihr seht dann einen sich schlängelnden durchgezogenen Pfeil neben dem Mauszeiger, der anzeigt, dass InDesign auch alle nötigen Seiten erzeugen wird.
 
 
Dies ist das Ergebnis:

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Die verborgenen Zeichen blendet ihr mit Strg+Alt+I ein oder aus. Ich habe eine Textdatei importiert, also waren eine Menge überzähliger Leerzeichen zu erwarten. Via Suchen und Ersetzen (Strg+F) lassen sie sich leicht eliminieren, indem ihr alle doppelten Leerzeichen durch nichts "ersetzt". Hier waren es 413 x 2 Leerzeichen, es lohnt sich also, solche Sachen zu automatisieren.


 

Dritter Schritt:

Als Nächstes nehmen wir uns die Interpunktionsbaustelle vor, wieder über Suchen und Ersetzen. Folgende Ersetzungen sind nötig:

• Deutsche Anführungszeichen in englische umwandeln (wir erinnern uns: Englische Anführungszeichen sind alle oben und entsprechen "66 – 99")
• Richtige (englische) Apostrophe
• Die doppelten Viertelgeviertstriche werden zu Geviertstrichen, bitte ohne Leerzeichen (hier weichen die Gepflogenheiten ab!)

Am schnellsten kommen wir ans Ziel, wenn wir die Glyphen erst in den Text einfügen und dann ins Suchen-und-Ersetzen-Fenster kopieren.

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Vierter Schritt:

Jetzt kommen wir zum Eigentlichen: zu den Absatzformaten. Wenn sie euch in der rechten Leiste noch nicht angezeigt werden, findet ihr sie unter Fenster>Formate oder mit F11. Folgendes wird unser Grundformat werden:

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Wir brauchen noch ein paar Formate: Für die Überschrift stellen wir 20 pt bold ein, Zeilenabstand 20 pt, Abstand dahinter (unter Einzüge und Abstände) 20 Pt, für den Autorennamen 14 pt bold, 20 pt Zeilenabstand, 40 pt Abstand dahinter.

Anhand des Formats für die letzte Zeile einer Strophe möchte ich euch zeigen, wie ihr Formate aufeinander aufbauen könnt. Wenn ihr in "Gedicht" etwas ändert, dann ändert sich dieser Parameter in den darauf aufbauenden Formaten entsprechend, ganz ähnlich wie in CSS ;)

Für die letzte Zeile stellt ihr in den Absatzformatoptionen unter Einzüge und Abstände im Feld Einzug links einen Einzug von 30 mm und einen Abstand dahinter von 20 pt ein.

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Fünfter Schritt:

In einigen Zeilen sind einzelne Wörter betont, wie txt-Dateien es zu tun pflegen, mit zwei _Underscores_. Wir wollen das lieber kursiv haben, also legen wir uns ein entsprechendes Zeichenformat an:

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Das Besondere an den Zeichenformaten ist, dass ihr beliebig kurze Texteinheiten damit versehen könnt, selbst Teile eines Wortes. Ihr habt auch die Möglichkeit, die Schriftfamilie offenzulassen und wie hier nur den Schnitt festzulegen.


 

Sechster Schritt:

So weit, so gut. Das sieht doch schon ganz anständig aus. Aber was ist das?

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Da hat sich doch ein Wort in eine neue Zeile geschummelt. Lyrik ist hier etwas Besonderes, denn die Zeilen gliedern das Gedicht in Sinneinheiten und sind daher nicht so beliebig wie in Prosa. Was also tun?


 
Die elegante (und "traditionelle" ;)) Lösung ist eine Überhangzeile, für die wir ein weiteres Absatzformat brauchen. Diesmal stellen wir uns unter Tabulatoren einen rechtsbündigen Tabulator auf dem rechten Rand unseres Textfensters (bei 131 mm, wenn ihr meine Einstellungen übernommen habt) ein und versehen das Wort mit einer öffnenden eckigen Klammer, um anzuzeigen, dass es zur vorhergehenden Zeile gehört.

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So sieht das dann aus:

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Siebter Schritt:

Eine letzte Kontrolle, dann sind wir fertig. So sehen die erste Seite ...

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... und die Doppelseite mit unserer Überhangzeile dann aus:

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Viel Spaß beim gar nicht so erschreckenden Satz von Gedichten wünscht euch die Windgetriebene :)


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Kommentare
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Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 12.11.2012 - 14:38

Gut erklärt, kann ich sogar für mein Märchenbuch verwenden.
Da kommen auch viele 2-4 Zeiler vor. Danke

Portrait von andrea69
  • 25.10.2011 - 08:38

Schlag mich grad mit dem Indisign für unseren Verein durch und ich bin echt froh habe ich dieses Tut gefunden. Danke :o)

Portrait von teletom
  • 02.10.2011 - 21:11

Sehr nett!

Und vor allem: sehr brauchbar -- DANKE!

Portrait von Zenist
  • 09.06.2011 - 01:39

Einfach - sachlich - doch nicht schlicht
Halfs Du mir bei `nem Gedicht
Welches - frei nun von Entsetzen -
Ich will und werde endlich setzen.

Dank Dir !!!

Portrait von Twoface22
  • 11.05.2011 - 14:23

Vielen Dank, sehr schön gemacht

Portrait von mwenyewe
  • 25.02.2011 - 15:59

Sehr hilfreich,
vielen Dank.
Mwenyewe

Portrait von eldibujante
  • 18.02.2011 - 09:51

Danke für die gelungene Erinnerung, dass es Absatzformate gibt...:-)

Portrait von jackywug2008
  • 18.02.2011 - 06:57

Tja, im Anfang war das Wort und was man daraus machen kann sieht man hier!

Danke!

Portrait von missmcfeegle
  • 10.02.2011 - 15:02

Ein schönes Grundlagentutorial, ohne Absatzformate würde ich wahrscheinlich verrückt werden ;).

Allerdings ist auch im Englischen ein Apostroph kein „foot“-Zeichen ( ' ), sondern sieht so aus: ( ’ ), wie ein hochgestelltes Komma. Windows-Kürzel: [Alt]+0146

Portrait von Windgetriebene
  • 17.02.2011 - 20:05

Noch ein Kürzelnutzer!
Du hast völlig recht, da ist mir ein altes Bild hineingeraten und du hast es gefunden ;)

Portrait von buddler
  • 09.02.2011 - 20:48

super...danke..wieder was gelernt;)

Portrait von Matthias
  • 09.02.2011 - 16:07

Gut gemacht, mir gefällt's.

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