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Tutorialbeschreibung

Arbeitsweisen von Lightroom - Teil 2 - Das RAW-Datenformat

Arbeitsweisen von Lightroom - Teil 2 - Das RAW-Datenformat

Photoshop Lightroom ist ein Programm, das alle Aspekte der digitalen Fotoverarbeitung aufgreift und komplexe Vorgänge einfach bedienbar macht. Um zu verstehen, was Lightroom eigentlich ausmacht und wie es arbeitet, ist ein wenig grundlegendes Wissen um die Verarbeitung von digitalen Bildern notwendig – etwa um das Konzept des nichtdestruktiven Workflows und das Metadatenkonzept auch richtig anwenden zu können.


Das nun folgende Tutorial ist ein Auszug aus dem Buch: Adobe Photoshop Lightroom von István Velsz.
Die Veröffentlichung des Kapitels erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Galileo Press.

 

1.1 Verwaltung über Metadaten

Jedes Bild, das Sie in Lightroom bearbeiten wollen, muss zuerst in die Bibliothek der Software importiert werden. Dabei handelt es sich um eine Datenbank. Sie stellt den Kern von Lightroom dar. Alle Bearbeitungsschritte und Einstellungen für die Ausgabe werden in der Datenbank gespeichert und daraus erstellt.

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Abbildung 1.1 In Metadaten vom Typ EXIF werden vor allem Kameradaten und technische Informationen zu einer Bilddatei angegeben.

Dieses Konzept erscheint auf den ersten Blick umständlich. Warum soll man ein Bild zuerst in eine Datenbank importieren, nur um zum Beispiel kurz die Belichtung zu korrigieren oder es auszudrucken? Wenn es bei so einfachen Arbeiten bleibt, ist diese Frage durchaus berechtigt. Wer jedoch aus mehreren hundert oder tausend Bildern ein bestimmtes sucht, benötigt ein Verwaltungstool, das mit allen Assoziationen zu diesem Bild umgehen kann. Da hilft nur eine Datenbank weiter. Neben den Bildern werden dort auch die Metadaten verwaltet und den Bildern zugewiesen.

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Abbildung 1.2 Metadaten wie ISO-Wert, Belichtungsdaten oder Brennweite können in Lightroom bei den Vorschaubildern angezeigt werden.

Doch was sind nun Metadaten genau? Sie sind ein neuartiges Konzept, um Dateien zu verwalten, indem man sie nicht nur einfach in Ordnern ablegt, sondern ihnen die Ordnungsinformationen anhängt. Heutige Dateisysteme arbeiten leider nur bedingt damit. Sie können Metadaten nicht auslesen, sondern setzen auf eine hierarchische Ordnerstruktur. Darüber hinaus gibt es auch kaum leistungsfähige Programme, mit denen man Metadaten in Dateien hineinschreiben kann. Lightroom schließt diese Lücke, indem es Metadaten und Bilder zusammenbringt und Werkzeuge zur Bearbeitung von Metadaten zur Verfügung stellt.

 

1.2 Was sind Metadaten?

Metadaten sind Zusatzinformationen zu Dateien, die unabhängig von ihrem Speicherort oder ihren Verzeichnissen Informationen bereitstellen. Sie schweben sozusagen in einer Metaebene über dem Dateisystem und umfassen Informationen zu Inhalt, Autor, technischen Angaben oder zum Copyright einer Datei. Metadaten werden in das Dokument mit hineingeschrieben – egal ob es sich dabei um ein Text-, Bild- oder anderes Dokument handelt, und dienen der Beschreibung des Dokuments. Sie können dann von speziellen Programmen ausgelesen und interpretiert werden.

 

1.3 Metadatenformate

Metadaten gibt es für alle Arten von Aufgaben und Dokumenten. Auch die RAW-Informationen in Lightroom für die Bildverarbeitung werden als Metadaten an die Datei geheftet und beim Anzeigen oder Exportieren mit hineingerechnet. Dies ermöglicht erst den nichtdestruktiven Workflow, da das Bild so selbst unberührt bleibt.
Für die zusätzliche Beschreibung oder Klassifizierung von Bilddateien haben sich zwei Standards herausgebildet: EXIF und IPTC.

EXIF | EXIF (Exchangeable Image File Format) kümmert sich um die technische Seite einer Aufnahme. Darin werden Angaben zu Kamera, Objektiv, Verschluss, Belichtungszeiten, Farbtemperatur, Farbraum etc. verwaltet. EXIF-Informationen werden bei der Erstellung des Bildes, beispielsweise beim Fotografieren von der Kamera, in die Datei geschrieben und können nachträglich nicht mehr verändert werden.

IPTC | IPTC (International Press Telecommunications Council) kümmert sich vor allem um die Inhalte im Bild, deren Herkunft und um Fragen rund ums Copyright. IPTC besitzt auch feste Begriffe und Codes für das Genre oder die Art des Bildinhalts, etwa für Sport, Stilleben etc. Dies erlaubt einen international standardisierten Umgang mit Bilddaten. Die entsprechenden Codes können auf der Website des IPTC (www.iptc.org) nachgeschlagen werden. Professionelle Fotografen kommen an diesen Angaben nicht vorbei, vor allem in der Kommunikation mit Nachrichten- und Bildagenturen.

IPTC-Daten lassen sich in Lightroom bequem editieren. Zum Beispiel Schlüsselwörter, mit denen man ein Bild verschlagworten kann, schreibt Lightroom in ein extra dafür vorgesehenes Feld der IPTC-Metadaten. Ebenso lassen sich umfassende Angaben zu Copyright, Aufnahmeort und Fotograf hier unterbringen. Als Fotograf sollte man sich die Mühe machen und seine Bilder mit allen wichtigen Informationen ausstatten.

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Abbildung 1.3 IPTC-Informationen beinhalten Daten zum Autor, Bildinhalt, Genre, Copyright und Verbreitung.

 

1.4 Mangelnde Unterstützung

Ausgelesen werden Metadaten bisher nur von wenigen Applikationen. Die gängigen Betriebssysteme bieten leider noch keine ausreichende Unterstützung. Auch erlauben viele Spezifikationen von Dateiformaten es nach wie vor nicht, Metainformationen in einer Datei mitzuspeichern. Apples Mac OS X bietet zumindest einen beschränkten Zugriff. So lässt es sich zum Beispiel nach Fotos von einem speziellen Kameramodell suchen, die Suche nach Hochformatbildern ist aber noch nicht möglich.

Von einer Verwaltung der Dateien nur noch über Metainformationen – ganz unabhängig von Ordnern – sind wir noch entfernt. Aber darin liegt mit Sicherheit die Zukunft, da Daten einfach mehr Informationen beinhalten können als nur den Dateinamen und die Bezeichnung des Ordners, in dem sie liegen.

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Abbildung 1.4
Stichwörter, Kollektionen und Metadaten bieten die Basis für die leistungsfähige Verwaltung von Bildern.

 

1.5 Speicherung von Metadaten mit XMP

Adobe hat mit XMP (Extensible Metadata Platform) ein Dateiformat geschaffen, das die Unzulänglichkeiten der Betriebssysteme im Umgang mit Metadaten zumindest vorübergehend überbrücken soll.

Mit XMP werden Metadaten, darunter auch EXIF und IPTC, in ein XML-basiertes Format übertragen. Somit können auch Dateien mit Metadaten ausgestattet werden, die die Daten nicht in sich selbst abspeichern können. Es wird dann einfach eine externe XMP-Datei mit demselben Namen wie die Originaldatei angelegt und die Metainformation darin abgelegt.

XMP-Dateien sind also eigene Dateien, die bis auf denselben Namen keinen Bezug zur Originaldatei haben. Löscht man die Originaldatei, verbleibt die zugehörige XMP-Datei auf der Festplatte und umgekehrt. Das Umbenennen der XMP-Datei oder des Originals sollte man besser unterlassen, da sonst der Bezug verloren geht. Darüber hinaus können die Informationen in XMP-Dateien nur von Programmen ausgewertet werden, die dieses Format unterstützen.

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Abbildung 1.5 RAW-Daten mit XMP-Filialdokumenten: Diese beinhalten die Metadaten der RAW-Bilder.

Lightroom kann XMP-Dateien lesen und auch selbst erzeugen. Etwa für proprietäre RAW-Dateien der Kamerahersteller schreibt Lightroom die Metainformationen in externe XMP-Dateien. Für alle anderen Formate, wie zum Beispiel DNG, TIFF, PSD und JPEG, werden die Metainformationen in die Datei selbst integriert – es sei denn, man weist Lightroom an, auch für diese Dateien externe XMP-Dateien anzulegen. Dies bietet sich vor allem dann an, wenn die Originaldatei nicht verändert werden darf oder soll. XMP erlaubt es, über EXIF und IPTC viele Informationen, darunter sogar GPS-Daten (Global Positioning System) oder auch herstellereigene Angaben, zu speichern.

 

1.6 Verwaltung von Metadaten

So viel zu dem nicht unkomplizierten, aber hilfreichen Konzept der Metadaten. Was aber soll man nun mit diesen Daten anfangen? Die Möglichkeit, nach Informationen wie Bildinhalt, Kameratyp, Aufnahmeeinstellungen etc. zu suchen, stellt nur die rudimentärste Art der Verwaltung dar. Eine effektive Bildorganisation erfordert aber mehr Funktionen. Dazu bietet Lightroom eine ganze Reihe von Möglichkeiten.

Kollektionen | In Lightroom lassen sich Bilder in Sets oder Kollektionen ablegen, das sind Sammlungen von Bildern mit ähnlichen Eigenschaften. Das Prinzip erinnert an herkömmliche Ordner, allerdings werden hier nicht die Dateien selbst verschoben, sondern nur Verknüpfungen davon angelegt. Somit kann ein Bild auch zu mehreren Kollektionen gehören. Welchen Kollektionen ein Bild angehört, wird von Lightroom in die Datenbank geschrieben.

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Abbildung 1.6
Kollektionen ähneln Ordnern, mit dem Unterschied, dass nicht die Bilder selbst in einer Kollektion liegen, sondern nur ein Verweis darauf. Daher können Bilder auch in mehreren Kollektionen liegen.

Das Löschen eines Bildes in Lightroom entfernt dieses dabei nicht wirklich, es wird lediglich aus der Kollektion entfernt, in der es sich befindet. Dies kann man auch wieder rückgängig machen, da das Bild ja nicht wirklich gelöscht wurde, sondern nur seine Zuordnung zur Kollektion.

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Abbildung 1.7 Flags sind kleine Fahnen, die einen Status des Bildes markieren. Man kann zwischen »unmarkiert«, »markiert« und »abgelehnt« wählen. Es ist immer nur ein Status möglich. Vor allem bei der ersten Sortierung sind diese Markierungsfahnen sehr hilfreich.

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Abbildung 1.8 Neben der Filterung nach Metadaten wie EXIF und IPTC lassen sich auch Markierungsfilter setzen. Diese filtern die Bilder nach Bewertung, Farbmarkierung oder Markierungsflaggen.

Filter | Eine weitere Möglichkeit, um Bilder nach ihren Metadaten zu sortieren, bieten die Filter in Lightroom. Diese können nahezu beliebig nach allen zur Verfügung stehenden Bildeigenschaften gesetzt werden. Nur Bilder, die den aktivierten Filtern entsprechen, werden dann angezeigt. Filter können aus allen Arten der Dateiinformation bestehen – nicht nur aus den erwähnten IPTC- und EXIF-Daten, sondern auch aus Markierungsflaggen (Flags), hierarchischen Stichwörtern und deren Synonymen, Farbmarkierungen oder Bewertungen.

All diese Möglichkeiten bietet Lightroom mit der Verarbeitung von Metadaten. Solange diese nicht über das Betriebssystem bereitgestellt werden, wird man die Bilder für die Verwaltung auch weiterhin in die Datenbank von Lightroom importieren müssen.


 

2 Was sind RAW-Daten?

Eine RAW-Datei ist wie ein Rohdiamant. Ungeschliffen ist ein solcher unförmig, rauh und ohne Glanz. Erst das Schleifen macht ihn zu dem, wovon viele träumen. Ähnlich trifft das auf RAW-Bilder zu. Sie sind in ihrer Rohform, wenn sie aus der Kamera kommen, noch gänzlich unbearbeitet und damit frei von allen durch die Kamera vorgegebenen Zwängen wie Farbbalance oder Dateiformat. Wie diese »digitalen Negative« dann weiterverarbeitet, also entwickelt werden, ist für die Bildqualität entscheidend.

RAW-Daten speichern nur die reine Information des Kamerachips ab, ohne diese zu interpretieren oder zu verändern. Chips können aber nur Helligkeitsinformationen aufnehmen und abspeichern, daher verhält sich ein RAW-Bild eher wie ein Schwarzweißnegativ.

 

2.1 Analoger Film

Um den Unterschied zum analogen Film deutlich zu machen, werfen wir zuerst einen kurzen Blick in die analoge Welt. Herkömmlicher Film besteht aus mehreren Schichten (siehe auch Abbildung 1):

Zwischen dem Trägermaterial und einer UV-Filterschicht befinden sich drei farbempfindliche Schichten. Je nach Wellenlänge dringt das Licht mehr oder weniger tief in diese Farbschichten ein und belichtet die Kristalle in der jeweiligen Farbschicht. Die Auflösung wird dabei durch die Größe der Kristalle bestimmt. Da die Schichten übereinander liegen, kann also theoretisch jedes »Korn« jede Farbe annehmen.

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Abbildung 2.1
Beim analogen Film werden die Farben in drei übereinanderliegenden Schichten gespeichert. Jedes »Filmkorn« besitzt somit die komplette Farbinformation.

Bei der Entwicklung werden dann die ungebrauchten Schichten entfernt und die lichtempfindlichen Kristalle fixiert. Durch die drei übereinanderliegenden Farbschichten kann dabei jede beliebige Farbe erzeugt werden.

Die Farbtemperatur von analogem Film wird durch die chemische Zusammensetzung fest definiert. Tageslichtfilme haben eine Farbtemperatur von 5500K. Verwendet man einen solchen Film bei Kunstlicht, erscheinen die Bilder extrem rot. Daher gibt es spezielle Kunstlichtfilme. Diese sind auf niedrigere Farbtemperaturen von ca. 3400K eingestellt.

 

2.2 Digitale Sensorchips

Wie entsteht aber nun das digitale Foto? Sensorchips in Digitalkameras bestehen aus in Gitterform angelegten kleinen Sensorelementen. Jedes Element misst die Helligkeit, die es empfängt. Die Elemente können keine Farben messen, sondern nur Helligkeiten. Sie zählen quasi die Photonen. Je mehr Photonen einströmen, umso höher die Helligkeit.

Der Messwert der Helligkeit wird in digitale Werte mit 12Bit umgewandelt. Das entspricht einem Wert von 4096 Helligkeitsabstufungen. 0 bedeutet dabei Schwarz, Weiß wird durch den Wert 4095 repräsentiert.

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Abbildung 2.2 Da Fotosensoren keine Farben sehen können, werden Farbfilter vorgeschaltet. Die hinter dem Filter gemessenen Helligkeitswerte werden dann in Farbwerte umgesetzt und zu einem Bild verrechnet.

 

2.3 Von der Helligkeit zur Farbe

Die meisten Sensorchips besitzen nicht mehrere Farbschichten wie analoger Film, sondern nur eine Ebene und können auf dieser nur Helligkeitsinformationen verarbeiten. Wie gelangt also die Farbe in die digitalen Bilder?

Um diese zu erzeugen, wird vor dem Sensorchip ein Farbfilter platziert. Da ein Lichtstrahl aus der Kombination von Rot, Grün und Blau jede erdenkliche Farbe ergeben kann, benötigt man nur drei Filter. Diese werden in einem bestimmten Muster über den Sensoren platziert. Das am meisten eingesetzte Muster ist das Bayer-Muster (siehe Abbildung 3).

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Abbildung 2.3 Das Bayer-Raster der meisten Sensorchips berücksichtigt die höhere Empfindlichkeit des menschlichen Auges gegenüber Grün.

Das Bayer-Muster berücksichtigt die größere Grünempfindlichkeit des menschlichen Auges. Daher befinden sich doppelt so viele grüne Filter wie blaue oder rote in diesem Muster.

Es gibt auch andere Muster oder Farbfilterungen, die aber nicht so verbreitet sind. Erwähnenswert ist der Foveon-Chip. Dieser arbeitet nicht wie die anderen Sensoren mit nur einer Ebene, sondern, ähnlich wie analoger Film, mit drei Schichten. Auch hier dringen die Farben des Lichts unterschiedlich tief ein. Der Vorteil dabei ist, dass jedes Pixel gleich die komplette Farbinformation erhält.

Bei einschichtigen Chips empfängt jedes Pixel aber nur einen Teil der gesamten Farbinformation. Um jeden Pixel mit der kompletten Farbinformation abzubilden, muss diese erst aus den benachbarten Pixeln über komplizierte Rechenprozesse interpoliert werden. Dieses Verfahren nennt sich Mosaikfilterung. Wichtig ist, dass die dahinter operierenden Algorithmen zuverlässig arbeiten und beispielsweise auch harte Kontrastkanten im Bild erkennen und darstellen können.

Je nach Anordnung des Filters und je nach Kamerahersteller werden bei der Berechnung unterschiedliche Filteralgorithmen angewendet. Auch eine Software wie Lightroom, die RAW-Dateien verarbeitet, benötigt solche Filter, da sie von der Kamera ja nur die unberechneten RAW-Daten bekommt und die Farbinformation selbst errechnen muss. Daher ist die Art der Filterung ein Qualitätsmerkmal von RAW-Programmen.

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Abbildung 2.4 Der Foveon-Chip ist bisher der einzige Chip, der keinen Mosaikfilter benötigt. Jedes Pixel verarbeitet die Information aller drei Farben, wie bei herkömmlichem Film.

 

2.4 Warum mit RAW fotografieren?

Werden Bilder in der Kamera als JPEG oder TIFF gespeichert, werden die RAW-Daten gleich zusammen mit weiteren Informationen verarbeitet. Dabei passiert Folgendes:

  1. Die RAW-Helligkeitsdaten werden mit einem Farbmosaikfilter zu einem Farbbild zusammengerechnet.

  2. Zusätzlich eingerechnet wird die Information über den in der Kamera eingestellten Weißabgleich.

  3. Auf die Bildinformation wird dann ein Scharfzeichnungsfilter angewendet.

  4. Das Bild wird schließlich automatisch von der Kamera in eine Farbtiefe von 8 Bit konvertiert und dann komprimiert abgespeichert. Bei JPEG ist die Kompression zusätzlich mit Verlusten behaftet.

Durch die Verwendung des RAW-Datenformats entfallen all diese Bearbeitungsschritte in der Kamera. Die Möglichkeiten dafür sind kameraintern auch eher gering.

Mit RAW können Sie die Bilder später selbst am weitaus leistungsstärkeren Computer mit einer viel feiner arbeitenden RAW-Software selbst zu Ende entwickeln. So behalten Sie die komplette Kontrolle über die Bilddaten.

 

Was bedeuten die Blendenwerte, wie f2.8?


Die Irisblende der Kamera verringert beim Schließen die Fläche des einfallenden Lichts. Entscheidend für den Blenden-effekt ist das Verhältnis zwischen Brennweite und Blendendurchmesser.
Ein Verhältnis von der Brennweite »f« (Focus) und der Blende von 1.0 bedeutet, dass der Durchmesser der Brennweite entspricht. Bei 50 mm wäre der Blendendurchmesser also ebenfalls 50 mm. Jedes Abblenden um eine Stufe halbiert die einfallende Lichtmenge.
Da es sich dabei um Flächenangaben handelt, verursacht nicht die Verdoppelung der Blendenwerte eine Halbierung der Lichtmenge, sondern die Quadratwurzel aus 2, also ca. 1.4. Das ergibt dann eine Wertefolge von 1.0, 1.4, 2.0, 2.8, 4.0, 5.6, 8, 11, 16 usw.
f2.8 – also eigentlich f/2.8 – bei 50 mm bedeutet einen Blendendurchmesser von 17,86 mm. Dadurch wird auch klar, warum lange Brennweiten höhere Ausgangsblenden besitzen.



 

Vorteile des RAW-Workflows | Die Vorzüge von RAW-Bildern liegen auf der Hand. Man erreicht damit eine größere Kontrolle und Präzision:

  • Sie haben die volle Kontrolle über den Entwicklungsprozess Ihrer Bilder bis zum Ergebnis und können Weißpunkt, Schärfe, Farbbalance, Sättigung etc. auch nachträglich noch ändern.

  • RAW-Daten sind noch nicht auf eine Farbtiefe von 8 Bit reduziert. Sie haben darin den vollen Zugriff auf 12 Bit und können so detailliertere Bearbeitungen durchführen.

  • Sie haben Zugriff auf den vollen Farbumfang des Chips. Es findet keine Beschränkung durch ein angewendetes Farbprofil wie zum Beispiel sRGB statt.

  • Von einem RAW-Bild als »digitalem Negativ« können mehrere unterschiedliche Varianten, quasi als Abzüge, angefertigt werden. Die RAW-Datei selbst bleibt dabei als Negativdatei unberührt.

  • Durch den größeren Helligkeitsumfang können auch Fehlbelichtungen korrigiert werden.

  • Es entstehen keine Kompressionsfehler oder -artefakte wie bei JPEG-Bildern.

  • In RAW-Bildern lassen sich besser Licht- und Schattendetails herausholen.


Nachteile des RAW-Workflows |
Sicher gibt es auch einige Nachteile in Verbindung mit dem RAW-Format, die hauptsächlich im Verzicht auf den Komfort einer schnellen, automatischen Entwicklung der Bilder liegen:

  • Der größte Nachteil ist die deutlich höhere Dateigröße. Selbst bei verlustfreier Kompression kann eine Datei bei einer 12-Megapixel-Kamera schon mal 10 MB besitzen. Das macht die Handhabung nicht einfacher: Die Kamera benötigt länger, bis die Daten auf die Speicherkarten geschrieben werden. Auch das Herunterladen auf den Rechner dauert länger.

  • Der zweite Punkt ist, dass man bei RAW-Bildern nicht um die Nachbearbeitung herumkommt. Die Bilder müssen mit einer Software nachbearbeitet werden, um ansehnlich oder gar präsentierbar zu werden. Die RAW-Daten können somit auch nicht direkt von der Kamera gedruckt oder präsentiert werden. Sie müssen erst durch eine Software in druckbare Bildformate konvertiert werden.


Ein Abwägen zeigt recht schnell: Die Vorteile überwiegen eindeutig. Daher fotografieren auch so viele Profis im RAW-Modus Ihrer Kamera. Nur wenn Schnelligkeit und geringe Datenmengen wichtiger sind als die Bildqualität, kann vom RAW-Workflow abgesehen werden – das ist beispielsweise in der Sport- oder Reportagefotografie der Fall. Dort werden die Bilder häufig noch während einer Veranstaltung per Mobilfunk in die Redaktion geschickt. Hier gewinnt der schnellere Workflow mit JPEG.

Für den Fotografen, dem es auf Präzision ankommt und der trotzdem auch erste Ansichten seiner Bilder schnell präsentieren möchte, bietet es sich an, an seiner Kamera gleichzeitig JPEG- und RAW-Dateien zu erzeugen. Die Ersten kann er dann schnell vorzeigen, die Zweiten kann er in aller Ruhe entwickeln.

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Abbildungen 2.5, 2.6 + 2.7 RAW-Daten werden von der Kamera linear aufgenommen. Die Bilder erscheinen zu dunkel, enthalten aber die komplette Bildinformation. Das Histogramm zeigt, dass sich die Daten im linken Bereich sammeln.




Das Tutorial ist ein Auszug aus dem Buch von István Velsz:

Adobe Photoshop Lightroom - Das Praxisbuch für den digitalen Foto-Workflow


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Kommentare
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Portrait von Puro_Diseño86
Portrait von Sir Jeffrey
  • 18.01.2017 - 15:44

Herzlichen Dank für dieses Tutorial.
LG, Gerald.

Portrait von jbernabe
  • 31.01.2014 - 19:34

danke für dieses gute tutorial

Portrait von Ballou
  • 07.07.2013 - 20:41

Danke für die ausführliche Beschreibung!

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 28.08.2012 - 16:21

Danke für das tut. War sehr aufschlussreich.

Portrait von remt
  • 04.01.2012 - 12:24

Danke für die einleitung!

Portrait von wolfsieger
  • 18.08.2011 - 10:31

Vielen Dank
ich freue mich schon auf das nächste Tutorial

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 31.05.2011 - 13:01

Danke für das verständliche Tutorial, sehr gut erklährt.

Portrait von IronRaiderEU
  • 20.04.2011 - 06:10

super beitrag, beide daumen hoch!

Portrait von Pite
  • 28.01.2011 - 11:52

Hat nochmal Einiges in Erinnerung gerufen. Suchte allerdings vergebens nach den Korrekturmöglichkeiten der Objektivfehler (Vignetierung, Verzeichnung pp.)

Portrait von agressor10
  • 13.11.2010 - 12:18

Hab mal wider was gelernt

Portrait von deanton
  • 26.09.2010 - 16:01

Danke , Das ist sehr informativ für mich gewesen.

Portrait von mm88
  • 13.09.2010 - 13:47

Sehr interessant und gut verständlich beschrieben, Danke

Portrait von Fossi
  • 28.08.2010 - 18:56

Gefällt mir gut, besonders die ausführliche Beschreibung der Exiffunktionalität

Portrait von RolfMY
  • 22.08.2010 - 19:32

Nettes Tutorial, aber da ich das Buch von Istvan V. habe, leider nichts neues.
Das Buch über LR2 passt grundsätzlich auch noch für LR 3, bis auf die grundsätzlichen Neuerungen jedenfalls.
Sollte Jeder in seinem Schrank haben.

Portrait von Analogus
  • 17.08.2010 - 15:04

Schade, ich habe etwas neues erwartet. Das Buch von IV habe ich im Schrank stehen, eswar mir bisher oft sehr hilfreich.

Portrait von bluetomm
  • 16.03.2010 - 11:53

Das macht einfach Lust auf mehr! Toll erklärt, viel Hintergrundwissen geliefert...los gehts!

Portrait von sunlite
  • 04.03.2010 - 12:42

Danke für ein weiteres sehr informatives und doch verständlich aufgebautes Tutorial!

Portrait von xmann76
  • 27.02.2010 - 21:52

super gleich mal ans werk gehn

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 15.02.2010 - 12:45

sehr gute sache..................

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