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Tutorialbeschreibung

Digital-Painting-Grundlagen: Wächter der Wälder

Digital-Painting-Grundlagen: Wächter der Wälder

Fantasy-Motive können auf vielfältige Weise entstehen: Oftmals setzen sich diese Motive aus eigenen Bildideen und fremden Vorlagen zusammen. Die Kombination von eigenen Skizzen auf der Grundlage von bestehendem oder eigens inszeniertem Fotomaterial ist hierbei möglich.

Mittelalterliche Figuren in langen Gewändern, die an Mönche oder Kreuzritter erinnern, tauchen in vielen Fantasy-Filmen oder Romanen auf.  Wenn ihr sie in einem digitalen Kunstwerk in Kombination mit einem düsteren Hintergrund verwendet, könnt ihr eine mystische und geheimnisvolle Atmosphäre zaubern. Was für eine Mission hat der Junge mit dem Schwert? Welche Gefahren drohen ihm? Der „Wächter der Wälder“ Step by Step zeigt den Aufbau einer Fantasy-Illustration von der Fotovorlage über die erweiterte Skizze bis hin zum fertigen Bild. Mystische Licht- und Schattenspiele werden hier ganz ohne Effektfilter, nur mit dem Grafiktablett-Stift erzielt.


Schritt 1

Wenn ihr ein Motiv selbst konstruieren möchtet, ist es am besten, wenn ihr euch entsprechendes Fotomaterial besorgt oder in einem Fotoshooting Motivelemente kreiert. In diesem Fall habe ich auf Fotos einer Internet-Bildagentur zurückgegriffen.

Startet mit der Skizze des Jungen. Dabei ist es egal, ob ihr sie zunächst mit dem Bleistift auf Papier übertragt und danach einscannt oder direkt in Photoshop auf einer separaten Ebene die Konturen durchzeichnet.

Für den Hintergrund kommen sicherlich unterschiedliche Konzeptionen infrage. Ich habe mich für einen mystischen dunklen Wald im gleichen Farbton entschieden. Ihr habt dabei natürlich die Möglichkeit, eure eigenen Ideen zu realisieren. Achtet aber darauf, dass der Hintergrund nicht zu komplex wird und vom eigentlichen Motiv ablenkt.

 
Zeichnet also entweder eigene Baumkreationen oder benutzt auch hier Fotovorlagen, um die Hintergrundskizze umzusetzen.

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Schritt 2

Ist die Vorzeichnung vorhanden, geht es an die Ausarbeitung des Motivs. Legt als Erstes einige Farbtöne für die Kutte fest. Ich habe mich für drei passende Brauntöne entschieden, die jeweils als Grundfarbe sowie Licht- und Schattenfarbe dienen. Wenn ihr mit der Kutte startet, habt ihr den Vorteil, dass ihr durch den Kontrast die Gesichtsfarben später viel besser deuten könnt, als wenn ihr als Erstes mit den Hauttönen beginnt. Legt eine neue Ebene über der Skizze an und startet beim Malen der Kapuze mit dem hellsten Farbton. Benutzt dazu einen Airbrush-rund-weich-Pinsel bei mittlerer Deck- und Flusskraft.

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Wählt dann den nächstdunkleren Farbton, um die ersten Schatten und Falten zu definieren. Für die tiefen Schattenbereiche am Faltenwurf benutzt ihr einen noch dunkleren Braunton.

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Schritt 3

Für das Gesicht wählt ihr ebenfalls drei Farbtöne, diesmal in Beige. Hilfreich sind dabei Fotovorlagen, aus denen ihr mit dem Pipette-Werkzeug eure Referenzfarbtöne herausnehmen könnt. Für diese fast einfarbige Illustration reichen für das Gesicht drei Farbtöne aus.

Startet mit dem hellsten Farbton. Dann kommen die ersten Schattierungen am Rand des Gesichts, um die Formgebung zu definieren. Vergesst nicht die Schatten an den Nasenflügeln.

Wie für die meisten Bereiche dieser Illustration verwendet ihr ebenfalls im Gesicht einen Airbrush-rund-weich-Pinsel. Habt ihr euch bei einem Schatten vermalt, könnt ihr je nach Bereich mit der hellen oder dunklen Farbe wieder ausgleichen. Durch die Druckintensität des Grafiktablett-Stifts sowie der in Photoshop eingestellten Druck- und Fließkraft könnt ihr trotz der wenigen gewählten Grundfarben viele Nuancen im Gesicht darstellen.

 
Das Kapuzeninnere stellt ihr am besten mit Schwarz dar, um die Gesichtsfarbe und deren Schattierungen optimal wahrzunehmen.

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Schritt 4

Im nächsten Schritt bekommt das Gesicht weitere Details und Schattierungen. Vergleicht dabei immer eure Zeichnung mit der Fotovorlage. Bevor ihr das Auge, die Nase und den Mund weitermalt, arbeitet ihr zunächst an Schattierungen und Lichtstellen im Gesicht.

Die Wangen bleiben zum Beispiel etwas heller stehen. Zusätzliche Schatten tragt ihr zwischen Nasenflügel und Augen auf. Beachtet auch den Schattenwurf der Kapuze, die Schatten zwischen Nase und Oberlippe, unter der Unterlippe, Mundwinkel, Kinn und Hals.

Wählt von eurer braunen Gesichtsfarbe einen dunkleren Ton im Farbwähler aus, um die dunkleren Schattenbereiche zu realisieren. Geht dann an die Augendetails.

Hier könnt ihr ebenfalls in der vorher gewählten Farbpalette bleiben. Die Pupille wird Schwarz gestaltet, die Iris in Braun und der Irisrand noch dunkler. Der helle Augapfel bringt den Kontrast und zusätzlichen Ausdruck für das ganze Gesicht. Wählt aufgrund der Bildgröße an dieser Stelle einen nur wenige Pixel großen Airbrushpinsel.

 
Konkretisiert anschließend die Nasenflügel, Nasenlöcher und den ersten Farbauftrag der Lippen.

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Schritt 5

In diesem Stadium des Motivs wird der Mund konkretisiert und ausgearbeitet. Bleibt bei den gewählten Gesichtsfarbtönen und legt Licht und Schatten sowie Lichtreflexionen auf Ober- und Unterlippe an. Auch hier benötigt ihr einen kleinen Pinsel aus der Pinselpalette.

Einige Schattierungen im Gesicht sollten ebenfalls noch abgedunkelt werden. Wenn ihr Lust haben, könnt ihr dabei gleich den Saum der Kapuze mit kleinen Strichen andeuten.

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Schritt 6

Es geht weiter mit der Ausarbeitung der Kutte – eine echte Herausforderung, da hier unheimlich viel Faltenwurf zu realisieren ist. Arbeitet zuerst mit der hellen Kuttenfarbe vor, um eine leichte Grundierung zu erreichen. Dann malt ihr mit der nächstdunkleren Farbe die ersten Andeutungen der Faltenschattierungen ein. Um den Falten Tiefe zu geben, greift ihr zu einem noch dunkleren Braunton. Mit hellen Farben setzt ihr die Lichtkanten der Falten. Ihr benötigt je nach Faltengröße unterschiedliche Pinselgrößen.

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Arbeitet in diesem Stadium auch die Säume der Ärmel mit einem kleinen Pinsel sowie die Schattierungen hinter den Händen aus. Tastet euch an die dunklen Schattierungen vorsichtig heran und verringert gegebenenfalls die Deckkraft für den Pinsel.

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Schritt 7

Die Kutte läuft im unteren Bereich dunkler aus. Legt daher einen kurzen Farbverlauf von unten nach oben an. Das geht relativ zügig und bringt später das Schwert kontrastreich in den Vordergrund. Vergesst nicht die Schattierungen unterhalb der Ärmel, die auf die Kutte fallen.

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Schritt 8

Weiter geht es mit den Händen.

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Auch hier ist es ratsam, eine neue Ebene anzulegen (Umschalt+Strg+N).

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Legt mit dem hellsten Hautton los und grundiert die Handrücken.

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Bei den nächsten Farbtönen ist es wichtig, dass ihr die Deckkraft und den Fluss auf etwa 20 Prozent reduziert, damit die Schattierungen zart aufgetragen werden können.

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Kleine Details und die richtigen Schattierungen formen die Hände, damit diese einigermaßen realistisch aussehen.

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Schritt 9

Entscheidend beim Schwert ist die Vorzeichnung. Ist sie schon recht detailliert, ist der Rest nicht mehr so dramatisch. Je nach Wunsch könnt ihr unterschiedliche Formgebungen oder Verzierungen aus anderen Referenzfotos entnehmen. Das Schwert wird in Grautönen gehalten, um den silbermetallenen Look zu erreichen. Für die Details benutzt ihr am besten 3-5 Pixel große Pinsel.

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Während ihr den Knauf und den Griff „freihand“ gestalten, kann bei der Klinge das Polygon-Lasso verwendet werden, um gerade Kanten zu bekommen. Benutzt ein mittleres Grau für die Zwischenräume, Weiß für die Reflexionen und dunkles Grau für die reliefartigen Konturen. Damit sich das Schwert von der Kutte gut abhebt, legt ihr noch ein wenig Schatten um das Schwert herum.

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Schritt 10

Jetzt geht es an den Hintergrund, der auf einer einzelnen Ebene unter dem Jungen liegt. Die vorgefertigte Skizze gibt die ersten Formgebungen vor. Benutzt einen Airbrush-rund-weich-Pinsel mit einem hellen bis mittleren Braunton, um den Baumstämmen eine erste farbliche Grundlage zu geben.

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Mit einem dunkleren Braunton ergänzt ihr die Baumstämme mit Schatten. Ein wenig Baumrindenstruktur erlangt ihr, wenn ihr auch mit dünneren Strichen der Baumform entlangmalt. Benutzt einen hellen Gelb-Braunton sowie einen großen Airbrush-rund-weich-Pinsel für die Färbung im Hintergrund. Im gleichen Zug legt ihr im Vordergrund ebenfalls einige Schattierungen an. Anschließend geht es weiter mit zusätzlichen Details und den Blättern an den Bäumen.

Äste und Sträucher könnt ihr hervorragend mit einem Rund-weich-Pinsel zeichnen, da die Pinsel von Haus aus schon durch die Druckintensität des Grafiktablett-Stiftes den Duktus ändern. Somit könnt ihr verjüngende Äste schnell realisieren.

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Schritt 11

Für die Blätter und Büsche greift ihr auf einen anderen Photoshop-Pinsel zurück. Probiert den Pinsel Dick unsauberer Rand. Falls dieser Pinsel noch nicht in eurer Photoshop-Pinselpalette ist, könnt ihr ihn dazuladen. Am schnellsten geht das über das kleine Dreieck im Pinselmenü. Dort findet ihr den Menüpunkt Pinsel für nasse Farben und Photoshop hängt die zusätzlichen Pinseleinstellungen an die Palette dran.

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Probiert die neuen Pinsel erst einmal auf einer weißen frischen Seite, bevor ihr ihn in der Illustration anwendet. Tupft damit erste Farbschichten in den Baumkronen auf. Verstärkt anschließend die Schattierungen der Baumstämme durch dunklere Farbnuancen.

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Schritt 12

Der Hintergrund bekommt nun noch zusätzliche Details. Gräser könnt ihr zum Beispiel mit dem Gras-Pinsel aus dem Pinselmenü schnell und effektvoll integrieren. Natürlich habt ihr auch die Möglichkeit, aus vorhandenen Fotomotiven Strukturen einzubinden. Die Schattierungen der Baumstämme und das Blattwerk wurden nun auch noch mal etwas dunkler gestaltet und die Lichtung im Hintergrund bekommt mithilfe eines großen, weißen und transparenten Airbrush-Pinsels einen hellen, mystisch anmutenden Schein.

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Schritt 13

Möchtet ihr die Farbstimmung ändern, könnt ihr das zum Beispiel über Bild>Anpassungen>Farbton-Sättigung machen. Setzt im Menü den Haken auf Färben und probiert über die Schiebregler unterschiedliche Farbstimmungen aus. Der Lichtschein an der Kutte wurde für diesen Hintergrundfarbton noch ein wenig angepasst, damit er besser zum Gesamtbild passt. Fertig ist euer Fantasy-Motiv.

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Weitere Tutorials und Digital-Painting-Grundlagen findet ihr in meinem Buch: Digital-Painting-Workbook. Digital Painting – das digitale Malen am Computer bietet Hobby- und Profi-Künstlern vielseitige Möglichkeiten für die Umsetzung kreativer Ideen. Ob klassische Skizzentechnik oder Malerei wie auf Papier, Arbeiten mit Fotovorlagen und Fotomontagen oder Weiterbearbeitung von traditionell gemalten Werken: Beim digitalen Malen ist alles erlaubt, was Spaß macht und den gewünschten Effekt erzielt. Das vorliegende Buch bietet einen Einstieg in die digitale Maltechnik.

Weitere Infos unter: www.digital-painting-buch.de oder bei Amazon.de
Roger Hassler, Digital Painting Workbook, ISBN: 978-3941656048, 24,95 inkl. DVD.

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Kommentare
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Portrait von sacora
  • 05.07.2013 - 17:34

1a! So etwas habe ich immer gesucht!

Habe ich das nicht richtig gelesen, oder wie machst du das, dass nicht über die Skizzenränder hinausgemalt wird - legst du einen Alphakanal an?

Portrait von newart
  • 07.07.2013 - 20:42

Da man ja auf Ebene arbeitet ist es kein Problem wenn man über die Ränder malt - man kann nämlich jederzeit mit dem Radierpinsel gegenarbeiten und das wegnehmen was nicht benötigt wird oder übergemalt war.

Gruß,

Roger

Portrait von arnieparnie
  • 03.07.2013 - 15:12

Herzlichen Dank für's sehr gut erklärte Tut....ich lerne wohl niemals aus !!! ;-)

Portrait von newart
  • 07.07.2013 - 20:40

Hi arnie, vielen Dank für Dein Feedback. Toll wenn Du damit was angefangen kannst. Weitere Tutorials auch in meinem Digital Painting Workbook und in unser Digital Paintbook Buchserie!

Gruß,

Roger

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 08.05.2013 - 19:08

Sind einige gute Informationen drin. Ganz ineressant =)

Portrait von newart
  • 09.05.2013 - 07:59

Merci - für Dein Feedback! Freut mich wenn was für Dich dabei ist.
Roger

Portrait von Rueteck
  • 18.04.2013 - 15:41

Vielen Dank für das tolle Tutorial. Sehr verständlich beschrieben. Das wird mein erster Versuch im Bereich Digital Painting.
Gruß Rudi

Portrait von newart
  • 09.05.2013 - 07:59

Hi! Ui - da hst Du Dir ja was vorgenommen. Es werden einige Stunden ins Land gehen. Also ich Drück die Daumen, dass Du durchhältst.
Gruß aus Hamburg,

Roger Hassler

Portrait von pageraven
  • 15.04.2013 - 11:00

Wunderschön gemacht! Habe gleich Lust bekommen, was nach zu bauen. Noch nicht perfekt, aber die Richtung stimmt ;-)

Portrait von newart
  • 09.05.2013 - 07:58

Hi ! Vielen Dank für dein netten Kommentar. Freut mich, dass es Dir etwas geholfen hat. Weitere tolle Tutorials findest Du auch in unserer Digital Paintbook Buchreihe. Siehe bei: www.digital-paintbook.de

Roger Hassler

Portrait von mustang67500
  • 24.03.2013 - 15:31

super tutorial sehr verständlich

Portrait von newart
  • 25.03.2013 - 09:30

Vielen Dank Mustang!

Ist sicherlich nicht ganz einfach zum nacharbeiten. Aber ich hoffe es regt an eigene Motive zu realisieren.

Weitere Einsteigertutorials findest Du in gedruckter Form auch in meinem Digital Painting Workbook.

Gruß,

Roger Hassler

Portrait von dosenschreck
Portrait von newart
  • 26.02.2013 - 14:04

DANKE DIR ! Sehr nett :)

Portrait von BlackDragon
  • 23.02.2013 - 10:22

Nettes Tutorial. Wenn ich nur noch so eine Skizze zeichen könnte, wäre das perfekt

Portrait von newart
  • 26.02.2013 - 14:03

Hi Black Dragon,
als Grundlage diente mir ein Stockphoto. Viele Profis verwenden Fotovorlagen oder fotografieren Personen in entsprechenden Posen zur Realisierung ihrerer Motive! Das ist nicht schon seit dem digitalen Zeitalter - das war und ist auch beim analogen illustrieren. Siehe Künstler wie Royo, Sorayama oder Boris Vallejo.

Gruß,

Roger Hassler

Portrait von JosephCortez
  • 10.02.2013 - 05:04

excelente tutorial facl de entender

Portrait von Moonlight001
  • 31.01.2013 - 16:03

Wirklich ein sehr schönes und verständlich erklärtes Tutorial. Habe mit Photoshop leider noch nicht all zu viele Erfahrung, aber nach dieser Erklärung, dürfte es kein Problem werden.

Portrait von woasis111
  • 06.01.2013 - 14:46

Echt gut gemacht ... Deine Anleitung hat mir echt weitergeholfen

Portrait von newart
  • 07.01.2013 - 08:46

Wow - prima, wenns hilft. Dann mal ganz viel Erfolg bei der Umsetzung eigener Fantasy-Motive!

Roger Hassler

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