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Tutorialbeschreibung

Technological Advance

Technological Advance

In diesem ausführlichen Making of möchte ich euch die Erstellung des Bildes "Technological Advance" vorstellen. Angefangen mit der Geschichte hinter dem Foto über die Findung von Ideen und die Umsetzung bis hin zum fertigen Produkt.


Ursprung

Damals bin ich mit meinem Freund Billy in ein verlassenes Keramikwerk gegangen, um Fotos für Fotomontagen zu schießen. Wir haben möglichst viele Motive fotografiert, welche schon allein, ohne jegliche Bearbeitung, kräftig sein sollten.

Nachdem ich jedoch schon einige Bilder in Photoshop bearbeitet hatte, musste ich feststellen, dass bei manchen Bildern schlichtweg die passende Idee fehlte.

Wir hatten damals viele Accessoires dabei, unter anderem eine Schweißerbrille und einen Mundschutz. Aus einer Spontaneität heraus kombinierten wir beide Gegenstände und Billy blickte direkt gen Sonnenuntergang (geschützt durch seine Brille, verständlicherweise).

Erstaunt vom Foto, fehlte es uns damals jedoch an Inspiration, aber auch das nötige Können, um dieses Bild überzeugend zu bearbeiten.

 
Somit verschwand dieses Bild zunächst für 2 Jahre in den ewigen Archiven meines Rechners.

Bilder



 

Umsetzung

Als ich fast zwei Jahre später aus Langweile meinen PC durchstöberte, stieß ich schließlich auf das besagte Foto. Nachdem ich es eine Weile betrachtet hatte, sah ich eine gewisse Herausforderung, dieses Bild zu bearbeiten. Ich ging einige Ideen in Gedanken durch, wie man dieses Bild bearbeiten könnte.

Ohne einen richtigen roten Faden in der Hand importierte ich das Bild in Photoshop und fing an, geleitet durch die sehr auffallende Reflexion im Brillenglas, an dem Bild herumzuwerkeln.

Zunächst beschränkte sich die Bearbeitung auf die Kontraste des Bildes. Um die Sättigung zu vermindern, aber gleichzeitig die Kontraste zu erhöhen, verwende ich gerne Graustufen-Duplikate der Zielebene, welche mit den Ebenenmodi Ineinanderkopieren oder Weiches Licht auf das Bild gelegt werden.

Dadurch entstand eine dunklere und kältere Stimmung. Jedoch rückte der Fokus ein weiteres Stück näher auf das Brillenglas.

Ich kann es mir bis heute nicht erklären, doch ich hatte das Bedürfnis, dem Brillenglas mehr Inhalt zu schenken und viel Energie zu verleihen.

 
Von daher konzentrierte ich mich als Nächstes auf besagtes Brillenglas und suchte nach Möglichkeiten, alles aus dem relativ schlichten Bereich des Bildes zu holen.

Bilder



 

Die Welt im Glas

Es war für mich nicht sehr einfach, aus einer Reflexion eines Horizonts etwas Spektakuläres zu machen. Ich spielte mit diversen Mitteln wie Lens-Flare-Effekten, doch dies machte das Bild nicht besser. Ich betrachtete das Bild im Ganzen und versuchte die Grundaussage des Fotos zu finden.

Die Maske und die Brille signalisierten Schutz vor Gefahren, und da der Protagonist scheinbar auf etwas blickte, kam ich schließlich auf die Idee, das Objekt, wovor unser Billy sich scheinbar schützt, in die Spiegelung der Brille zu integrieren.

Das, wovor man sich mit einer Maske schützen kann, liegt in der Luft, und was liegt näher, als ein Kraftwerk als Bedrohung zu nehmen?

Somit suchte ich in diversen Archiven im Internet wie stock.xchng nach einem passenden Kraftwerk. Jedoch wollte ich keine traditionellen, schmalen Schornsteine, sondern etwas, was modern wirkt, aber gleichzeitig viel Platz einnimmt.

 
Deswegen entschied ich mich für die Kühltürme eines Atomkraftwerks. Ich stellte diese schnell frei, da die Form nicht sehr kompliziert ist, und fügte diese dann auch direkt in das Brillenglas ein.

Bilder



 
Natürlich wirken die unbearbeiteten Türme alleine gar nicht, weswegen ich die Türme schattierte und kleine Details wie Lämpchen und bedrohliche, japanische Schriftzeichen, welche den Fortschritt der Welt propagieren, einfügte.

Warum japanisch? Weil Japan für mich der Fortschritt an sich ist, aber nicht unbedingt der sauberste (kleine Anmerkung: Das Bild ist VOR der Katastrophe von Fukushima entstanden).

Die Lämpchen erstellte ich einfach aus sehr weichen, kreisförmigen Werkzeugspitzen, während die Schriftzeichen natürlich etwas mehr Arbeit brauchten. Als Grundlage diente ein japanischer Schriftfont, jedoch konnte ich den nicht alleine nehmen, da sich sonst die Schrift zu sehr vom Turm abgehoben hätte.

Um einen Ausdruck von Schmutz zu erreichen, habe ich der Schrift zusätzlich eine Ebenenmaske bzw. einen Alphakanal hinzugefügt und mit diversen Grunge-Brushes (Dreck/Zerstört), einen kaputten und schmutzigen Look erzielt. Damit ich dem Ganzen noch die Krone aufsetzen konnte, habe ich noch Rauch eingefügt.

Vor längerer Zeit habe ich die in meinem Wohnraum häufig vorkommenden, Kraftwerke bei Sonnenuntergang fotografiert, weswegen ich auch passende Rauchwolken hatte. Ich brauchte nur mit einem sehr weichen, runden Pinsel um die Rauchkonturen zu malen, die Wolken zu positionieren, ein bisschen Farbe und ...

 
... voilà, fertig ist das Industriemonster.

Bilder



 
Da die Türme so alleine natürlich schon gigantisch aussahen, aber trotz allem irgendwie "einsam" waren, hauchte ich mehr Leben in die dreckige Industrie. Ich suchte wieder nach Bildern von Skylines und wurde fündig.

Hierbei handelte es sich um ein Foto von Tokio, zu erkennen an dem Funkturm, wodurch man ein stärkeres Gefühl einer Hightech-Stadt erhält.

Insgesamt hatte ich zwei Stadtebenen, einmal vor und einmal hinter den Türmen, um dem ganzen Tiefe zu verleihen. Da es sich bei dem Foto um eine Nachtaufnahme der Stadt gehandelt hat, konnte ich mit den Kontrasten spielen.

Per Tonwertkorrektur und Gradationskurve stellte ich die vielen kleinen Lämpchen der Stadt in den Vordergrund. Man sollte nur Konturen der Stadt erkennen und keine näheren Details. Während ich diese Stadt erstellte, hatte ich die ursprüngliche Spiegelung im Sinn, welche mir die Inspiration für die Lichtstimmung gab.

Es sollte eine Symbiose aus Licht und Schatten werden - es sollte Nacht sein, obwohl es Tag ist. Dies war für mich ein perfektes Mittel, um die Verschmutzung der Luft zu unterstreichen, die nur wenige Lichtstrahlen durchlässt, um diese Welt zu erhellen.

Somit verdunkelte ich die Reflexion der Stadt an seinen Rändern und ließ nur noch einen kleinen, horizontalen Lichtbereich übrig, der durch die Sonne (in Form eines Lens-Flare-Effektes) verstärkt wird. Somit war die Stadt komplett.

 
Doch dies war natürlich nicht der letzte Schritt, denn nun passte der Rest des Bildes nicht zur Reflexion!

Bilder



 

Der Betrachter

Nun widmete ich mich natürlich dem Betrachter, damit das gesamte Bild zu einer gewissen Harmonie geleitet wurde. Zunächst wollte ich den Übergang zwischen Reflexion und Gesicht des Protagonisten bearbeiten.

Die Reflexion sah zwar toll aus, fügte sich aber nicht harmonisch in das Bild, es wirkte einfach draufgesetzt. Von daher griff ich erneut tief in die Schmutzkiste meiner Brushes und überschüttete das Brillenglas mit Kratzern, Schmierflecken und einfach Dreck.

Um die Harmonie zwischen Brillenglas und Hintergrund zu steigern, erweiterte ich die Farbstimmung auf das komplette Bild, indem ich auf das komplette Bild einen orangen Farbton legte.

Somit fing das Bild an, stärker zu wirken und man konnte schon in diesem Stadium die "Nachricht" hinter dem Bild sehen.

 
Doch ich war noch weit vom finalen Bild entfernt.

Bilder



 
Um die Atmosphäre zu steigern und einen coolen, aber gleichzeitig merkwürdigen Effekt zu erzielen, habe ich es "schneien" lassen! Natürlich keine Schneeflocken im eigentlichen Sinne, vielmehr etwas, was Schmutz und Zerstörung ausdrückt - Asche.

Die Asche sollte dem Betrachter des Bildes den Eindruck vermitteln, dass die Luft so verpestet ist, dass man ohne Schutz nicht mehr atmen kann.

Um die Flocken zu erstellen, habe ich erneut einen "Dreck"-Brush verwendet, mit den Einstellungen, dass sich dieser Brush verstreut und in verschieden gedrehten Winkeln und Größen auf dem Bild verteilt wird.

Weiter habe ich den Ebenenstil der Brushes so eingestellt, dass alle Flocken einen Schatten nach innen und eine Abgeflachte Kante und Relief hatten. Dadurch erhielten sie mehr Volumen, aber sahen gleichzeitig leicht aus, so wie es Asche in der Luft ist.

Um schließlich den Protagonisten komplett in die Welt, welche die Reflexion widerspiegelt, eintauchen zu lassen, habe ich den ursprünglichen Hintergrund mit einer weiteren Kopie der besagten japanischen Stadt ausgetauscht.

Das Bild wirkte für mich einen Moment lang fertig, doch dann bemerkte ich, dass es immer noch zu sauber aussah. Obwohl Billy sich damals für das Foto im Dreck gewälzt hat, sah er, im Gegensatz zu den digitalen Erweiterungen, zu rein aus.

 
Somit hatte ich mich dazu entschlossen, den lieben Billy, digital zu beschmutzen!

Bilder



 
Also erzeugte ich eine neue Ebene, stellte mir eine neue Palette aus Schmutzbrushes zusammen und bemalte Billys Gesicht mit verschiedenen Brushes, die alle einen ziemlich dunklen Farbton hatten.

Es sah zunächst sehr unnatürlich aus, weil es wie draufgelegt wirkte, aber beim Schalten durch die Ebenenfüllmethoden, habe ich schließlich festgestellt, dass Multiplizieren sehr gut funktioniert.

Es macht das Gesicht dunkler und man hat den Eindruck, dass der Dreck tatsächlich auf der Haut liegt. Weiter habe ich das Gesicht in Schatten getaucht, damit man die schlechten Lichtverhältnisse besser spürt.

Das Bild wirkte um einiges "natürlicher", aber trotzdem gab es eine gewisse Disharmonie, die auf die Flocken zurückzuführen war. Die Flocken wirkten nicht wirklich wie Flocken, sondern vielmehr wie Schmutz auf einem Objektiv. Sie waren zu unauffällig.

Ich gab ihnen, entgegen meiner ursprünglichen Idee, mehr Gewicht. Sie sollten wirklich Dreck in sich tragen, erzielt durch einen dunkleren Farbton und stärkere Kontraste in den Konturen.

Um jedoch den Effekt zu vermeiden, dass sie wie Schmutz auf der Linse aussehen, habe ich die größten Flocken mit dem Gaußschen Weichzeichner bearbeitet.

 
Dadurch entstand ein Tiefeneffekt, wodurch die Flocken scheinbar so nah an der Kamera vorbeigleiten, dass sie außerhalb des Schärfebereichs sind.

Bilder



 
Nach ein paar Stunden (verteilt über Tage) vollendete ich "Technological Advance":

Bilder



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Kommentare
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Portrait von Sven_Wiechers
  • 26.06.2013 - 09:47

Sehr cooles Bild mit durchdachter Aussage! Mir gefällt die Szenerie und das Endzeit-feeling. Das Tutorial macht spaß zu lesen da es wie eine Geschichte aufgebaut ist. Sehr inspirierend! Danke!

Portrait von Etnies_Freak
  • 30.04.2013 - 14:21

Einfach nur Grandios!! Ich liebe solche Kunst und versuch mich auch immer wieder mal dran.

Portrait von weyer
  • 02.03.2013 - 15:55

Interessante Arbeit, werde die Tipps in meinen Arbeiten berücksichtigen. Die Beschreibung über die Entstehung und Deine Bildvorstellung ist passend.

Portrait von cyQe
  • 19.02.2013 - 11:21

ein Super Tuto. ich finds klasse. Probiere es gleich mal aus

Portrait von Schtative
  • 15.02.2013 - 12:23

Sehr schön umfangreich und gut beschrieben!

Portrait von purpleblackdesign
  • 08.02.2013 - 15:31

Die ausführliche Beschreibung zu der Entstehung ist super! Und das Bild sowieso. Ich bin ein großer Fan von diesen Steampunkthemen, aber hab noch nie was dazu ausprobiert. Ich werd dann wohl mal Technik und alte Fabrigken fotografieren gehen ;-)

Portrait von Milanek
  • 01.02.2013 - 23:00

Sieht Richtig Klasse aus..

Portrait von Milanek
  • 01.02.2013 - 22:59

Wo ist link für das foto ?

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 31.12.2012 - 11:19

Unwahrscheinlich starker Stil. Ich mag den Steampunk Look.
Besten Dank

Portrait von Etheria
  • 30.12.2012 - 20:58

Danke für das Making of... !

Portrait von mtothemdesign
  • 18.12.2012 - 21:14

Das ist wohl mit Abstand eines der besten Tutorials die ich je gelesen und dem nach gearbeitet habe! Das Bild wie auch das Tut ist sehr überzeugend geworden! Dankeschön!!!!

Portrait von chilla2906
  • 13.11.2012 - 20:43

Tolle Story , hat mir sehr gut gefallen ; Danke!

Portrait von ButtersROFL
  • 20.10.2012 - 23:00

Super Tutorial, ich liebe den ganzen style und die Atmosphäre dieses Bildes, einfach super.
Früher fand ich es schwer etwas nur ansatzweise ähnliches zu schaffen, aber was ich hier gelernt habe kann ich leicht auf andere Bilder übertragen.
Bitte mehr davon!

Portrait von filib
  • 06.09.2012 - 12:28

sehr sehr gute Story und klasse Bildaussage ;) Danke

Portrait von TRBN
  • 12.08.2012 - 17:32

Das Bild ist wirklich sehr gut geworden.
Und auch über die Entstehungsgeschichte zu lesen ist wirklich interessant

Portrait von kcc

kcc

  • 09.08.2012 - 10:26

Eine super Beschreibung, wie du zu das Bild entstanden bist! Gerade für den fortgeschrittenen Photoshopuser ist das letztendlich viel interessanter als eine genaue Beschreibung der einzelnen Werkzeuge, da gibt es sowieso immer tausend verschiedene Wege.
Ein sehr gelungenes stimmiges Bild ist am Ende dabei herausgekommen, Respekt! :)

Portrait von Dexsoul
  • 07.08.2012 - 18:01

Ich bin absoluter Anfänger und finde es fantastisch zusehen wie aus einem Grundmotiv so ein beeindruckendes Bild werden kann. Auch die Erklärungen über das Warum und was erzielt werden sollte ist super da dies in den regulären HoWto Tutorials selten zum tragen kommt. Gerne noch mehr davon :-)

Portrait von tamsagk
  • 01.07.2012 - 09:12

Ne gute Idee und ne gute Umsetzung dieser Idee.

Portrait von Daniyyel
  • 30.06.2012 - 11:49

Für Anfänger ist es vemutlich nicht detailliert genug, aber für fortgeschrittene vollkomen ausreichend, denke ich. Ich persönlich versuche sowieso nie eine 100%-ige Nachbildung zu machen, sondern versuche selber mit dem Bild ein bisschen zu "spielen". Ich denke dadurch lernt man auch mehr als wenn man stumpf irgendwelche Zahlen eingibt und Mausklicks folgt - das ist nicht der Sinn..

Portrait von troller
  • 28.06.2012 - 14:01

Die Erklärung hätte man abkürzen können in: "Ich hab Photoshop benutzt"! fertig. Sorry aber mit tutorial hat das gar nichts zu tun.

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