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Tutorialbeschreibung

How-to: Halt auf freier Strecke

How-to: Halt auf freier Strecke

Die Vorbereitung

Ganz zu Beginn stand natürlich die Frage, welchen Stock ich überhaupt verwende. Da mir zu den beiden frontal fotografierten Loks nichts allzu Spannendes einfiel, wählte ich also die alte, seitlich abgebildete Lok. Die Perspektive des Stocks gab dann recht eindeutig auch die Perspektive des Endbildes vor und so startete ich mit der Stocksuche.

Für den Hintergrund benutzte ich ausschließlich eigene Bilder. Die Schienen, auf denen der Zug steht, schoss ich irgendwann einmal bei einer erfolglosen Fototour in Krefeld-Uerdingen, die Fabriken im Hintergrund wurden im „Landschaftspark Nord“ in Duisburg fotografiert, der Himmel ist ein holländischer und das verfallene Haus hatte ich hinter dem völlig zerstörten alten Herrenhaus Wolfskuhlen (lohnt sich zu googeln!) in Rheinberg entdeckt und abgelichtet. Nun fehlten also nur noch ein paar lebendige Elemente im Bild.

Die Idee war, ein paar Personen auf irgendeinem abgelegenen Gleis durch einen Defekt der Lok zu einem Halt zu zwingen. Ursprünglich war noch eine vierte Person vorgesehen, es stellte sich dann aber heraus, dass diese für das Bild nicht unbedingt notwendig war, und so ließ ich sie weg. Was blieb, waren also diese drei vom Rest der Welt unabhängigen Damen (eine davon Mechanikerin), die versuchen, die Lok wieder ans Laufen zu bringen, um ihren Weg fortzusetzen.

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Aufbau des Hintergrunds

Ich nahm zuerst das Bild der Gleise und stellte es über den Blaukanal, dessen Kontrast ich mittels einer Tonwertkorrektur aufstylte, von seinem Himmel frei. Ich platzierte es direkt im Bild mit den finalen Abmessungen und verfeinerte den Freisteller noch, indem ich störende Elemente (Leitungen, Gebüsche und Gebäude) wegmaskierte. Vor den Gleisen waren noch Sträucher, die ich per Kopierstempel entfernte. Übrig blieben also die Gleise und die Strommasten für das Gleis, auf dem die Lok später stehen sollte.

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Als Nächstes nahm ich den Sonnenuntergangshintergrund mit den Fabriken am Horizont und setzte ihn als ersten Hintergrund und Himmel ein, kopierte die Gleise und setzte sie gespiegelt auf der anderen Bildseite ein, sodass ein Fluchtpunkt entstand.

Damit die Gleise auf der einen Seite denen auf der anderen nicht zu ähnlich sahen, „zerstörte“ ich die gespiegelte Oberleitung, entfernte die obere Hälfte eines Strommastes und ließ von einem weiteren Reste der Kabel baumeln. Diese Kabel malte ich mit dem ganz normalen Pinsel und kleiner Pinselspitze ein. Des Weiteren fügte ich noch ein paar weitere Strommasten im Hintergrund ein, damit der Eindruck entsteht, die Strecke gehe noch sehr viel weiter, als es auf dem Ursprungsbild den Anschein hatte.

 
Zwischen den beiden Gleisen musste natürlich noch ein Boden her. Ich hatte zunächst überlegt, die Steinhaufen unter den Schienen zu verlängern, entschied mich allerdings für einen trockenen Erdboden, den ich hinter die Gleise legte, maskierte und farblich schon dem Rest des Bildes anpasste. Ein guter Weg, um farblich nicht ganz passende Elemente anzupassen, ist es oft, die Dynamik dieses Elements und anderer Elemente zu reduzieren. Das mache ich oft und koloriere diese Dinge dann später nach, was meiner Meinung nach zu einem interessanten Look führen kann.

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Freistellen und Einbauen der Lok und des Hauses

Nun endlich kam die Lok ins Spiel, und da wählte ich den mühsamsten, aber für mich genauesten Weg, indem ich sie mit einem Pfad freistellte, was einige Zeit in Anspruch nahm, gerade die Konstruktion auf ihrem Hauptkörper mit den vielen Metallrohren und Verstrebungen. Ich probierte es auch mit dem Hintergrundradierer, der Farbauswahl und dem Schnellauswahlwerkzeug, doch damit waren mir die Kanten zu unsauber.

 
Als ich die Lok in das Bild einbaute, musste ich den Anhänger von der Lok trennen und beide einzeln auf die Schienen setzen. Die Perspektive stimmte nicht 100-%ig, daher verformte ich die Lok und den Anhänger recht erfolgreich mit dem Transformierentool und dem Formgitter, welches ich sehr empfehlen kann, wenn Composingelemente nicht ganz passen. Oft kann man sich damit aufwendige Retuschen sparen.

Als Letztes bekam die Lok noch einen Schatten, bevor ich mich an das Haus am Bildrand machte, da ich fand, dass dieser ansonsten etwas leer war. Im Originalbild des Hauses entfernte ich also störende Äste mit dem Kopierstempel und stellte es mit dem Zeichenstift recht grob frei (gerade den Vordergrund). Ich platzierte es in der PSD-Datei und maskierte den Boden mit einer dieser „bröseligen“ Standard-Pinselspitzen so weg, dass man die Gleise noch ein wenig erahnen konnte. Anschließend folgte eine grobe farbliche Anpassung über die Dynamik und die Tonwertkorrektur.

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Der nächste Schritt war einer der wichtigsten, um die Lok und das Haus wirklich ins Bild zu integrieren. Ich malte am inzwischen neu eingesetzten Himmel auf einer separaten Ebene ganz obendrüber ein X mit dem Pinsel ein, das den späteren Standpunkt der Sonne vormerken sollte.

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Somit war klar, wo Licht und wo Schatten sein musste, also fing ich mit klassischem Dodge&Burn auf einer mit 50% Grau gefüllten Ebene im Weiches-Licht-Modus an, die im Schatten liegenden Partien der Lok sehr zu verdunkeln und umgekehrt die von der Sonne beschienenen Teile sehr aufzuhellen; ebenso verfuhr ich bei dem Haus. In dem Arbeitsschritt verbesserte ich auch noch mal den Schatten unter der Lok, die anschließend soweit fertig war.

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Freistellen und Einbauen der drei Frauen

Leben ins Spiel kam nun nacheinander durch die drei Frauen. Die erste Frau, die auf den Knien mit dem Gerät in der Hand, stellte ich mit dem Zeichenstift und ihre Haare mit dem Blaukanal frei, kombinierte beide Freisteller und setzte sie neben die Lok.

Hier kam dann wieder das Formgitter zum Einsatz, mit welchem ich die Frau näher an die Lok lehnte und das Gerät in ihrer Hand direkt auf einem Rohr der Lok platzierte, sodass es glaubhafter erschien, dass sie gerade daran arbeitete. Aufwendig war das Anpassen der Lichtsituation dieser Frau, ich dunkelte die sonnenabgewandte Seite also stark ab und hellte entsprechend die sonnenzugewandte Seite stark auf und färbte zudem ihre Kleidung um.

Das alles mit Einstellungsebenen, die als Schnittmaske auf die Pixelebene der Frau wirkten. Als Letztes kam noch ein gemalter Schatten hinzu, den ich unter die Frau legte, und so war sie soweit erst mal fertig. Bei den beiden anderen Frauen verfuhr ich im Grunde ähnlich. Ich stellte sie erst frei, positionierte sie, verformte sie ein wenig und passte die Lichtsituationen jeweils an.

Bei der hinteren Frau war das etwas kniffliger, da sie genau im Gegenlicht steht, sodass ihr Rücken komplett im Schatten liegt. Um den Eindruck einer Überstrahlung des Lichts zu erwecken, malte ich das Licht mittels einer Gradationskurve als Schnittmaske an den Konturen der Frau mit weichem Pinsel wieder ein. Die Schatten der beiden Damen erstellte ich, indem ich sie auswählte und diese Auswahl auf neuer Ebene mit Schwarz füllte. Durch Transformieren zerrte ich diese schwarzen Ebenen auf den Boden, sodass sie mit dem Sonnenstand übereinstimmten, zeichnete sie weich und reduzierte die Deckkraft ein wenig.

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Einbauen des Rauchs, Staubs und der Funken

Als vorletzten Schritt baute ich dann noch ein paar Rauchschwaden und etwas Staub ein sowie ein paar Funken, die aus dem Gerät der knienden Frau kommen sollten. Dazu erstellte ich mit Photoshop Einzelbilder aus Stockvideos von Rauch, Staub und Funken vor bereits transparentem Hintergrund und passte sie durch Transformieren und mit Einstellungsebenen dem restlichen Bild an.

Rund um die Funken erstellte ich noch etwas Licht über eine Gradationskurve, das auf die kniende Frau, die stehende Frau daneben und auf die Lok wirkte.

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Das X am Himmel wurde noch mit einer einfachen Sonne (mehrere Ebenen mit verschieden weichen weißen Pinselspitzen übereinandergelegt und dann mit der Deckkraft gespielt) ersetzt. Damit war das Bild soweit fertig aufgebaut.

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Als Look hatte ich ursprünglich eine Orange-Färbung im Sinn, die ich auch zunächst umsetzte, indem ich den Vordergrund (also alles außer dem Himmel) auswählte, auf neuer Ebene im Modus Farbe mit Orange füllte und die Deckkraft reduzierte. Dasselbe machte ich mit dem Himmel und einem Blauton, doch das entsprach noch nicht meinen Vorstellungen. Denn neben der Farbe fand ich noch, dass mein Bild etwas zu weich wirkte, also setzte ich den Filter ColorEfex Pro ein und wählte dort den Bleach-Bypass-Filter, den ich recht dezent einsetzte, aber immer noch so, dass er eine spürbare Veränderung im Bild erzielte.

Die letztendliche bläuliche Färbung des Gesamtbildes entstand im Wesentlichen durch eine Farbbalance-Einstellungsebene, bei der ich in den Tiefen und in den Mitteltönen den Cyan-/Rot-Regler etwas nach links und den Gelb-/Blau-Regler etwas nach rechts verschob. Damit die dunklen Töne nicht „zusuppen“, stellte ich den Ebenenmodus auf Farbe. Dort, wo das Licht des Funken sprühenden Geräts war, maskierte ich die Farbbalance-Ebene weg, sodass dort das Orange von vorher wieder zum Vorschein kam, was, wie ich finde, sehr stimmig aussieht.

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Die gelbliche Färbung der hellen Töne des Bildes kam dann noch durch eine Verlaufsumsetzung mit einem Verlauf von Dunkelblau nach Gelb und einer 18-%igen Deckkraft.

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Als letzte Schritte gab es dann noch eine Vignette und einen Hochpassfilter zur Schärfung. Als allerletzten Schritt machte ich etwas, was ich ganz gerne am Ende eines Composings mache: Ich spiegelte die gesamte Arbeitsfläche. Das sorgt bei mir meistens dafür, dass ich einen ganz neuen Blick auf das Bild bekomme, der mir meistens besser gefällt.

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So auch in diesem Fall, weswegen ich das Bild gespiegelt ließ. Ich hoffe, das war einigermaßen informativ für euch und ihr konntet etwas für eure Bilder daraus mitnehmen! Es kann sein, dass ich einige wenige Arbeitsschritte für dieses How-to in eine etwas sinnvollere Reihenfolge gebracht habe, als ich sie tatsächlich durchgeführt habe, und einige ganz weggelassen habe, da sie den Rahmen hier sprengen würden. Wie das Ganze nun auf meinem Bildschirm aussah, kann man sich in diesem Zeitraffervideo auf YouTube ansehen, das ich während der Arbeit an dem Bild aufgenommen habe.

Danke in jedem Fall fürs Lesen und Abstimmen!

Viele Grüße, euer Fabian.


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Kommentare
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Portrait von ICEMANN
Portrait von aloh47
  • 31.12.2013 - 15:04

Tolle Stimmung! Super gemacht

Portrait von zzzw38
  • 27.08.2013 - 16:54

Vielen Dank für das Tutorial!

Portrait von mkey
  • 15.08.2013 - 10:22

Klasse Tutorial! Danke dafür!

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 23.05.2013 - 11:30

Richtig gute Umsetzung! Und man bekommt wieder Ideen für neue Projekte!

Portrait von Thomas_
  • 17.04.2013 - 16:03

Danke für deine Ausführungen

Portrait von tobias12
  • 15.04.2013 - 08:42

Herzlichen Dank für das tolle Tutorial!!
Wenn ich das so anschaue, möchte ich auch gerade ein Bild erstellen :)

Portrait von alias611
  • 01.04.2013 - 10:20

danke! freu mich schon auf austesten!

Portrait von soulchild7
  • 31.03.2013 - 20:53

Das wird was geben !
Werde aber versuchen mich dran zu wagen :)

Vielen dank für das tut !!!

Portrait von emirel
  • 26.03.2013 - 03:04

Danke für das Tutorial!

Portrait von nonnimus
  • 25.03.2013 - 19:30

Richtig gut! Kann man nur witerempfehlen.

Portrait von HansoO
  • 22.03.2013 - 20:13

Tolles Bild, tolles Tut., tolles Video! Danke!

Portrait von HazeBuster183
Portrait von Nan

Nan

  • 22.03.2013 - 08:39

Danke für dieses Tutorial! Ist gut geworden!!

Portrait von julimonda
  • 16.03.2013 - 22:27

Ein sehr interessantes Tutorial, vielen Dank!

Portrait von Uzmarck
  • 16.03.2013 - 12:15

Vielen Dank ich werde es demnächst doch selber einmal ausprobieren

Portrait von wetava
  • 15.03.2013 - 17:23

schönes ergebnis, die titel sind gerechtfertigt. werde mich gleich mal an die arbeit machen

Portrait von rwpanketal
  • 15.03.2013 - 16:47

Vielen Dank auch von mir. Tolle Idee und sehr gute Arbeit.

Portrait von andemande
  • 15.03.2013 - 15:26

Danke für den Einblick in dein Können !

Portrait von Torito49
  • 15.03.2013 - 15:12

Traumhaft! Tolles Tutorial!
Dafür bekommst du einen riesen Applaus...

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