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Tutorialbeschreibung

Making-of des Contestbildes "My Problems Are Waterbased"

Making-of des Contestbildes "My Problems Are Waterbased"

In diesem Tutorial wird die Entstehung des für den Foto-Kreativcontest - Wortspiele [Bein] erstellten Bildes „My Problems Are Waterbased“ beschrieben. Es wird gezeigt, wie man ohne Studio, aber mit einer guten Idee und etwas Freude am Improvisieren ein kreatives Bild machen kann. Elementare Werkzeuge für den Bildlook: Schwarz-Weiß-Umwandlung, Kopierstempel und selektive Kontrastverstärkung.


1. Einführung

Es ist bestimmt nichts Anstößiges daran, sich bei der Entwicklung einer eigenen fotografischen Stilrichtung an Vorbildern zu orientieren. Auch viele Maler und Künstler früherer Tage haben in ihren Anfängen oft die Stile alter Meister analysiert und kopiert. Die Digitalisierung und vor allem das Internet schaffen im Positiven wie im Negativen radikale Veränderungen. Bildmaterial ist allgegenwärtig, durch das kostenlose „Sharing“ von Fotos in sozialen Netzwerken gibt es wohl kaum ein Motiv, welches nicht in irgendeiner Form bereits fotografiert und gepostet bzw. keine Bildidee, die nicht schon realisiert wurde.

In der Entwicklung der eigenen Bildsprache kann die Auseinandersetzung mit Vorbildern ein sinnvoller Zwischenschritt sein. Wichtig ist jedoch, eine eigene Bildsprache zu entwickeln und die persönliche Sichtweise in einem Bild zum Ausdruck zu bringen. Bei Bildern wie „My Problems Are Waterbased“ wähle ich gerne eine Schwarz-Weiß-Konvertierung, oft auch einen quadratischen Beschnitt. Schwarz-Weiß hat zwar einen dokumentarischen Charakter, unterscheidet sich jedoch auch gravierend von der Art und Weise, wie wir die Realität wahrnehmen; auch kann man dabei wunderbar mit Details und Kontrasten spielen. Durch die fehlende Farbe hat der Betrachter Freiraum für eigene Sichtweisen und Interpretationen.


2. Die Aufnahme

Bereits bei der Aufnahme eines Fotos ist es wichtig, das fertige Bild vor dem geistigen Auge zu haben. Grundsätzlich mache ich immer mehrere Aufnahmen im Raw-Format. Mein Motto beim Fotografieren ist stets: „Man muss nicht immer das Beste haben, jedoch versuchen, mit den Mitteln, die man hat, das Beste zu machen. Dabei kann man auch beschränkte Mittel ganz bewusst als Stilelement einsetzen. Als Beispiele seien hier genannt: mangelhafte Bildqualität bei der Lomografie oder Porträtaufnahmen mit seitlichem Tageslicht am Fenster (also ohne Studiolicht).

So habe ich bei dieser Aufnahme auf eine raumgroße Hohlkehle und eine Studioausrüstung verzichtet. Das Bild ist mit nur einem Blitzgerät in einem unverputzten Kellerraum entstanden. Jedoch habe ich diese Rohbauwand, die Details und Strukturen betont, gezielt als Hintergrund eingesetzt. Benutzt habe ich meine Sony a 77 MKII, ein Sony-Zeiss-Objektiv 16-80 mm und ein Blitzgerät, das ich in indirekter Stellung auf die Kellerdecke gerichtet habe. Kameraeinstellungen: ISO 400, Blende 8, 1/60 Sekunden, Brennweite 16 mm (entsprechend 24 mm Kleinbildäquivalent bei einem Crop-Faktor von 1,5).

Die Kamera war zur Erleichterung der Komposition auf einem Stativ montiert. Trotzdem habe ich später noch mit Lightroom eine leichte Korrektur bezüglich der waagrechten Ausrichtung des Bildes vorgenommen. Bei solchen Aufnahmen fokussiere ich zumeist manuell, was mit dem Fokus Peaking (farbliche Umrahmung der Kanten im Sucher, die in der Schärfeebene liegen) bei Sony vorzüglich funktioniert.

Für die Aufnahme hat sich das Model (mein Sohn) eine weitere Jeans mit einem Gürtel an der Taille befestigt, die über dem Wäscheständer ausgebreitet wurde. Der Gürtel wurde hierbei nur durch die vorderen Laschen der Hose gefädelt. Zu beachten ist, dass das spätere Retuschieren (Entfernen) der Beine bei einer andersfarbigen Hose (z.B. in Rot) wesentlich leichter gewesen wäre.

Unbearbeitetes Ausgangsfoto:

AusgangsfotoBilder



 

3. Entwicklung (Bildvorbereitung)

In der folgenden Ausführung gehe ich nicht auf elementare Arbeitsschritte bei der Entwicklung und Bildbearbeitung ein, da dies den Rahmen dieses Tutorials sprengen würde. Gewisse Basiskenntnisse werden vorausgesetzt.

Die RAW-Daten der oben erwähnten Aufnahme werden anschließend mit Lightroom 5 entwickelt: Es erfolgen ein quadratischer Beschnitt, eine korrekte Ausrichtung der Waagrechten, Korrektur der Tonwerte für einen ausgeglichenen Verlauf des Histogramms sowie eine Vorschärfung.

Bilder



 

4. Bildbearbeitung

Vorbemerkung: Die hier beschriebenen Arbeitsschritte sind nur einer von vielen möglichen Wegen. Photoshop ist eine sehr mächtige Software. Es ist wichtig, die einzelnen Arbeitsschritte zu verstehen und nicht einfach nachzuklicken. Im Weiteren beschreibe ich meinen Weg, ohne sicher zu sein, ob es der einfachste und effektivste ist. Ich betrachte das Ganze vom fertigen Bild, also vom Ziel her (hier gilt also nicht „der Weg ist das Ziel“).


4.1. Retusche

Im Rahmen einer Bildbearbeitung erledige ich umfangreiche Retuschen immer als Erstes. So erspart man sich, sofern das Ergebnis nicht befriedigt, weitere Bearbeitungsschritte und somit vertane Zeit.

Bei diesen Retuschearbeiten habe ich sukzessiv die einzelnen Bildteile, die überstempelt werden sollten, ausgewählt, da diese unmittelbar am Fuß des Wäscheständers angrenzen und man mit dieser Vorgehensweise einfach abgrenzen kann, was entfernt werden soll. Der Wäscheständer soll auf jeden Fall auf dem Bild erhalten bleiben. Benutzt habe ich hierzu das Zeichenstift-Werkzeug (P), damit Bildbereiche umrandet und den angelegten Pfad über rechte Maustaste>Auswahl erstellen, Radius weiche Kante (0,5 Pixel) in eine Auswahl umgewandelt.

Mit dem Kopierstempel (S) arbeite ich auf einer leeren Ebene; wichtig dabei ist, dass der Kopierstempel-Aufnahmemodus auf Alle Ebenen bzw. Akt. u. darunter steht. Dadurch, dass nur der Bildbereich ausgewählt ist, der verschwinden soll, muss man an den Kanten nicht aufpassen und läuft nicht Gefahr, den Wäscheständer ebenfalls zu entfernen.

 
An den Rändern des ausgewählten Bereiches gilt es, ein Gefühl für die Härte-Einstellung des Kopierstempels zu entwickeln, wie auch für die Stelle, an der man die Pixel (Bildteile) aufnimmt. Zur Kontrolle kann man die Auswahl („laufende Ameisen“) immer wieder ausblenden (Ansicht>Anzeigen>Auswahlkante). Nach erfolgter Teilbereichs-Retusche hebt man die Auswahl mit dem Befehl Strg+D wieder auf. Die trotzdem eventuell verbleibenden Kanten beim Stempeln werden einfach nach aufgelöster Auswahl behutsam mit dem Kopierstempel nivelliert (Variation beim Kopierstempel hinsichtlich Härte, Deckkraft, Durchmesser). Das Beispielsbild zeigt nur eine leere Ebene.

Bilder



Dadurch, dass hier Schritt für Schritt die einzelnen Bildteile jeweils auf neuen leeren Ebenen retuschiert werden, bekommt man am Ende eine Datei mit vielen Ebenen, die man zwecks Übersichtlichkeit für die weitere Bearbeitung wieder auf einer Ebene zusammenfasst (oder eine Ebenengruppe bildet).


 

4.2. Schwarz-Weiß-Umwandlung

Wie bereits eingangs erwähnt, gibt es auch bei der Schwarz-Weiß-Konvertierung viele verschiedene Wege zum gleichen Bildergebnis und somit zum Ziel. Gerne arbeite ich hierbei mit Nik Silver Efex Pro 2. Das fertig retuschierte Bild habe ich mit Photoshop geöffnet und von dort aus erfolgte die weitere Konvertierung mit obigem Plug-In.

Auf die Bedienung von Nik Silver Efex kann an dieser Stelle nicht eingegangen werden. Dies ist für die weitere Bearbeitung auch nicht notwendig, da bereits beim Betrachten der Presets erkennbar ist, dass man damit schon fast am Ziel ist. Das Preset Voller Kontrast wird angewendet und, auf einer separaten neuen Ebene, das Preset Neutral“. Diese beiden Preset-Einstellungen überblende ich in Photoshop in folgender Weise: Über die Ebene "SilverEfex Pro 2_Neutral" lege ich eine maskierte SilverEfex Pro 2_Voller Kontrast-Ebene mit einer Deckkraft von 75%.

Die Maskierung ist so gestaltet, dass der Hintergrund und auch die Jeans mit vollem Kontrast gezeigt werden. Beim Oberkörper ist das „zu viel des Guten“, hier erfolgt eine Reduzierung durch die neutrale Einstellung, die in der Ebene darunter liegt und aufgrund der Maskierung der darüber liegenden Ebene zum Tragen kommt. Vollständigkeitshalber sei noch erwähnt, dass in Nik Silver Efex beim Preset Voller Kontrast die dunkle Vignettierung oben am Bild verstärkt wurde.

Bilder



 

4.3. Feinarbeit

Für die weitere Bearbeitung werden die überblendeten Ebenen von der SW-Umwandlung zu einer Ebene zusammengefasst (Strg+Shift+Alt+E).

Jetzt gilt es, noch das Aussehen des Bildes zu optimieren. Die üblichen Nachbearbeitungsschritte sind beispielsweise: Klarheit, Details verstärken, Abwedeln, Nachbelichten, Feinretusche. Je nach Motiv, gewünschtem Look und individueller Arbeitsweise kommen hier unterschiedliche Funktionen, die als Bordmittel von Photoshop oder Plug-Ins zur Verfügung stehen, zum Einsatz. Natürlich hätte dies bereits auch in der Schwarz-Weiß-Umwandlung erfolgen können. Hat es ja auch zum Teil. Doch ich versuche gerne, ob bei Bildern noch etwas „mehr geht“, v.a. bei Details und Mikrokontrasten. Kann man vielleicht noch etwas „herauskitzeln“?

Geht man so vor, ist es ratsam, dies auf separaten Ebenen bzw. non-destruktiv mit Einstellungsebenen zu tun. Denn oft „schießt“ man hierbei „über das Ziel hinaus“, und so lässt sich das Ganze über die Ebenendeckkraft zurücknehmen bzw. selektiv nur in manchen Bildbereichen mit Masken ein- und ausblenden. (Eine weitere Möglichkeit ist natürlich auch der Einsatz von Smartfiltern).

Bei diesem Bild habe ich von Topaz labs das Plug-In Clarity (für die Kontraststeuerung) und Detail (für die Detailbetonung) verwendet und das bearbeitete Bild jeweils auf einer separaten Ebene gespeichert. Bei dem mit Clarity bearbeiteten Bild habe ich die Deckkraft der Ebene auf etwa 60% zurückgenommen und dann die Ebenen jeweils wieder zusammengefasst.

Bilder



 
Auf eine genaue Beschreibung, wie diese Plug-Ins zu bedienen sind, kann hier nicht eingegangen werden. Die Funktionen und Regler sind jedoch weitgehend selbsterklärend und bieten die Möglichkeit, den Kontrast (Micro, Low, Medium, High) und die Details (small, medium, large, jeweils für die Bereiche Allgemein, Lichter und Schatten) fein abgestimmt zu regeln.

Bilder



 
Wie bereits erwähnt, ist das in Lightroom mit dem Regler für Klarheit, mit Nik Color Efex Pro oder auch in Photoshop (z.B. Unscharf maskieren, Stärke 40, Radius 60, Schwellenwert 0) natürlich ebenfalls möglich.

Wenn man die gesamte Bearbeitung beendet hat, ist es ratsam, das fertige Bild noch einige Zeit ruhen zu lassen. Betrachtet man es nach einigen Tagen erneut, so entdeckt man garantiert weitere Möglichkeiten, es zu verbessern. So habe auch ich die Schatten unterhalb des Wäscheständers mit einer Einstellungsebene Helligkeit/Kontrast noch etwas aufgehellt. So wirkt das Bild, nach meinem Empfinden, stimmiger.

Bilder



Jetzt erfolgen noch einige kleinere Retuschen mit dem Kopierstempel (S) bzw. dem Ausbessern-Werkzeug (J) und das Bild ist fertig (Faltenwurf am Hemd, Muttermal am Gesicht und störende Flecken an der Wand). Die finale Schärfung des fertigen Bildes kommt immer ganz zum Schluss und jeweils in Abhängigkeit von dem gewünschten Ausgabemedium. (Alle Tastenschlüssel beziehen sich auf Windows).

 
Schön wäre es, wenn euch dieses Tutorial anregt, auch mit den einfachen Mitteln, die ihr habt, kreative Bilder zu machen. Es muss nicht immer ein Fotostudio sein. Eine gute Idee und etwas Freude am Improvisieren reichen oft aus.

Bilder



Ekhard Eitel


Kommentare
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Portrait von Liz331
  • 14.09.2016 - 10:31

Vielen Dank für das Tutorial.

Portrait von kw513143
  • 07.10.2015 - 21:20

Gut erklärt. Danke für die Arbeit

Portrait von Eugen812
  • 06.10.2015 - 12:40

Vielen Dank für das Tutorial.

Portrait von Gill
  • 05.10.2015 - 15:47

Sehr cool, Dankeschön!

Portrait von fe_web
  • 05.10.2015 - 14:12

Super erklärt und hilfreich eigene Projekte dieser Art zu starten. Man/Frau muss ja nicht unbedingt die Falten aus den Jeans raushauen

Portrait von Domingo
  • 05.10.2015 - 14:12

Klasse Idee. Vielen Dank.

Portrait von rocking_sid
  • 05.10.2015 - 13:27

Vielen Dank für das interessante Tutorial

Portrait von psd_list
Portrait von Caesarion2004
  • 05.10.2015 - 12:19

Vielen Dank für das informative Tutorial.

Portrait von renate_C
  • 05.10.2015 - 12:15

Ich bedanke mich für das interessante Tutorial.

Portrait von chipslette
  • 05.10.2015 - 11:49

Vielen Dank für das Tutorial!

Portrait von Eugen812
  • 05.10.2015 - 11:37

Vielen Dank für das Tutorial. Super Idea!

Portrait von Ragnar793
  • 05.10.2015 - 10:10

Vielen Dank für das Tutorial, es hat mich wieder auf Ideen gebracht.

Portrait von AnneRick
  • 05.10.2015 - 10:09

Vielen Dank für das Tutorial.

Anne

Portrait von Merline
  • 05.10.2015 - 09:36

Bei dieser supergenialen Idee für das ungewöhnliche Bildmotiv gerät die dazugehörige Erstellungsanleitung fast in den Hintergrund - aber nur fast :o)

Lieben Dank für die Anleitung!

Portrait von figge
  • 05.10.2015 - 09:28

Danke für dieses Making Of Tutorial.

Portrait von aloh47
  • 05.10.2015 - 08:32

Vielen Dank für dieses anregende Projekt.

Portrait von MARIA52
  • 05.10.2015 - 08:05

Vielen Dank für das Tutorial.

Portrait von steinmannn
  • 05.10.2015 - 07:35

Schönes Tut, aber die Stempelarbeit kann bei einem gestellten Foto vereinfacht werden.
Kamera auf Stativ, erstes Bild mit Person und zweites Bild mit gleichen Einstellungen (AF aus) ohne Person.
Beide Ebenen in Ps übereinanderlegen, Beine und Schatten ausmaskieren.

Projekt gefällt mir.

Portrait von Ekhard
  • 05.10.2015 - 13:55

Vielen Dank für Deinen Kommentar! Du hast Recht die ganze Stempelarbeit geht auch einfacher. Dieses Tutorial ist jedoch aus einem Kreativ-Contest heraus entstanden, laut den Regeln ist dies dort nicht zulässig. Daher musste ich einen Umweg gehen. (Ich hätte dies vielleicht noch hier im Tutorial erwähnen sollen, Danke!)

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