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Tutorialbeschreibung

Fotoeffekt: Simulation von Tiefenschärfe

Fotoeffekt: Simulation von Tiefenschärfe

Die Idee zu diesem Tutorial kam mir, als ich hier im Forum einen Beitrag mitverfolgte, in dem es um die Freistellung eines Objektes ging, dessen Hintergrund unscharf gezeichnet wurde.

Ausgangsbild war dieses Bild, bei dem der Threadersteller fragte, wie es möglich wäre ein Auto derart schön freizustellen:

      

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Jedem ambitionierten Hobbyfotografen fällt der nachträgliche Eingriff in dieses Bild natürlich sofort auf.  Die Schärfeverteilung ist absolut unnatürlich und der manuelle Eingriff in die Bildgestaltung ist offensichtlich. So ist der Boden unter dem Wagen scharf, ausserhalb des Wagens unscharf – ein Zustand, wie er durch Fotografie nie erreicht wird und der absolut künstlich wirkt. Wenn der Reifen scharf ist, dann muss auch der Boden, auf dem der Reifen steht scharf sein. Einzige Ausnahme sind Studioaufnahmen, in denen die Objekte mit einem kleinen Schlagschatten freigestellt werden, um sie z.B. in Prospekten zu positionieren.

Zur Verdeutlichung eine Nahaufnahme des linken Vorderreifens:
      

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In der Fotografie spricht man von „Freistellung“ bei Objekten bei denen bewusst die Tiefenschärfe des Objektivs eingesetzt wird. Insbesondere im Bereich der Fotografie mit Wechselobjektiven (Spiegelreflex) und im Zielbereich der Makrofotografie kommt dieses Bildgestaltungselement sehr oft zum Einsatz.

Bevor wir uns mit diesem Gestaltungselement in Photoshop befassen, ein kleiner Exkurs zum Thema Tiefenschärfe:

Jeder der sich ein wenig näher mit der Fotografie befasst hat, kennt das Problem der Schärfeeinstellung, wenn etwas fotografiert werden soll. Am einfachsten geht man diesem Problem aus dem Weg, indem man auf automatische Scharfstellung schaltet (Autofokus =AF), die Belichtungsautomatik wählt und dem Kameraprogramm auch noch die Wahl der Blende überlässt. In der Regel führt das auch zu netten Fotos, aber auch zu Effekten die oft nicht gewünscht werden.

Am Beispiel unseres BMWs oben, z.B. zu dem Effekt, dass die Leute im Hintergrund alle scharf abgebildet waren, der Fotograf aber eigentlich das Auto in den Vordergrund stellen wollte. Am Ende war dies dann nur durch Nachbearbeitung des Bildes möglich - mit diesem unbefriedigendem Endprodukt als Ergebnis. Hier hätte der Fotograf durch die manuelle Blendenvorgabe die Gestaltung des Bildes voll in seiner Hand gehabt, denn selbst die etwas billigeren Kompaktkameras einer grossen deutschen Lebensmittelkette haben Programme, die es ermöglichen bestimmte Blenden vorzugeben.

Aber was steckt da nun eigentlich genau hinter ?

Eine Blende am Objektiv macht nichts anderes, als nur eine gewisse Menge an Licht auf den Film/Chip durchzulassen. Und um dies zu steuern, schliesst sie sich mal mehr und mal weniger - je nachdem was der Fotograf oder das Belichtungsprogramm vorgibt.

      

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Je weiter sich nun also diese Lamellen schliessen, umso weniger Licht lassen sie auf den Film/Chip durch. Klar das der normale Effekt dann wäre, dass die Fotos immer dunkler werden würden. Und um dies auszugleichen, lässt die Kamera die Blende eben länger offen – erhöht also die Belichtungszeit.

Die Vollautomatiken der Kameras bestehen also quasi aus einem ständigen Wechselspiel zwischen Blenden- und Belichtungseinstellungen. Immer mit dem Ziel, genau die richtige Lichtmenge auf den Film/Chip durchzulassen.

Die Kompakt- und Spiegelreflexkameras haben in ihren Automatik-Programmen allerdings als Priorität gespeichert die Belichtungszeit so kurz wie möglich zu lassen – einleuchtend, denn je kürzer die Blende auf ist, umso weniger besteht die Gefahr, das Bild zu verwackeln. Also: Offene Blende = kurze Belichtungszeit = geringe Verwacklungsgefahr. Oder: Geschlossene Blende = längere Belichtungszeit = größere Verwacklungsgefahr. Geschlossenere Blenden haben aber einen Vorteil gebenüber den Blenden, die offen sind und viel Licht durchlassen: Sie bilden vor und hinter dem Objekt wesentlich mehr Dinge scharf ab.

Diesen Effekt könnt ihr auch selbst einmal testen, falls ihr Brillenträger seid (oder schlecht gucken könnt). Schaut einmal auf ein Objekt, das ihr ohne Brille nicht richtig erkennen könnt. Dann macht eine Faust und lasst eine winzig kleine Öffnung darin frei und schaut hindurch – ihr könnt das Objekt auf einmal völlig scharf erkennen – und das ohne Brille. Aber je weiter Ihr dann die Faust öffnet, umso unschärfer wird das dann wieder. Die Simulation eines Fernglases mit beiden Fäusten am Auge hat also durchaus einen wahren Hintergrund.

OK – Brille wieder aufgesetzt und weiter :-).  Hier mal ein kleines Beispielfoto, das diesen Effekt verdeutlichen soll.

      

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Angenommen der Fotograf steht frontal vor diesem Auto und fotografiert es mit verschiedenen Blenden und hat als Scharfeinstellungspunkt die Scheinwerfer gewählt – dann ist das Bild bei der entsprechenden Blende nur bis zu dem entsprechendem Pfeil scharf und beginnt dahinter unscharf zu werden – und je weiter die Objekte sich dann dahinter befinden, umso unschärfer werden sie. Die Pfeilentfernungen dienen natürlich nur der Demonstration des Effektes. Um dies korrekt am Fotoapparat darstellen zu lassen, gibt es die sogenannte Abblendtaste – aber zurück zum Thema:

Der Fotograf des BMW hat also ganz offensichtlich eine Blende eingestellt gehabt (oder durch die Automatik einstellen lassen) im im 16-20er Bereich war. Hätte er die Blende manuell gewählt und z.B. 2,8 oder 5,6 eingestellt, wären nachträgliche Arbeiten im Bereich der Unschärfe-Maskierungen zum größten Teil überflüssig gewesen.

So – Exkurs beendet – Wwir sind wieder beim Thema Photoshop.

Photoshop wäre nun aber nicht Photoshop, wenn man diesen Mangel bei der Aufnahme nicht auch noch nachträglich korrigieren könnte. Hier kommt nun der Bereich der Kanäle zum Einsatz. Um die ganze Aktion nun besser zu verdeutlichen, wechseln wir einmal das Automodell – in einen Wagen, der (ähnlich dem BMW in dem Ausgangsbild) komplett scharf dargestellt wird – inkl. Vorder- und Hintergrund, mir aber besser gefällt :-)


      

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Für die fotorealistische Simulation der Tiefenschärfe lassen sich die folgenden Arbeiten in 2 Schritte aufteilen:

1.Weichzeichnung des Hintergrundes durch Auswahl und Weichzeichnungsfilter.
2.Erstellung einer Alphamaske zur Simulation der Tiefenschärfe für die rechte Wagenhälfte.

Fangen wir mit dem Hintergrund an.

Zuerst erstellt ihr eine Kopie der derzeitigen Hintergrundebene und benennt diese um, z.B. In „Hintergund_unscharf“. Danach wählt ihr mit Lasso- oder Pfadwerkzeug den Hintergrundbereich aus. Jeder hat bestimmt schon einmal ein Objekt in irgendeiner Weise freigestellt. Hier werden die üblichen Freistellungswerkzeuge genommen – sei es nun das Pfad- oder Lassowerkzeug – das bleibt jedem selbst überlassen. Darauf gehe ich jetzt nicht näher ein.

Wichtig bei diesem Schritt ist lediglich, dass auch wirklich nur der räumliche Hintergrund ausgewählt wird. Dieser fängt bei dem Kanaldeckel links unten an und endet rechts hinten bei der Hecke.

Jetzt geht ihr über Filter -> Weichzeichnungsfilter -> Gaußscher Weichzeichner in die Filterauswahl und zeichnet den Hintergrund etwas weicher. Hier gilt: Weniger ist mehr, denn ein zu weich gezeichneter Hintergrund macht das Bild schnell wieder unglaubwürdig und lässt es künstlich wirken.
Das Bild sollte jetzt in etwas so aussehen:

      

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Nun kommt der 2. Schritt. Wir benötigen jetzt einen schönen Übergang in der rechten Hälfte des Bildes, um das Ganze realistisch wirken zu lassen.

Dazu erstellt ihr einen neuen Alphakanal im Bereich des Kanalfensters:

      

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Zur bessereen Übersicht benennt ihr diesen nun von „Alpha 1“ in z.B. „Tiefenschärfe_rechts“ um. In diesen Tiefeschärfekanal könnt ihr nun mit Hilfe des Verlaufwerkzeuges

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 und eines Graustufenverlaufs die Tiefe quasi hineinmalen. 

Da ihr den Tiefenschärfe-Verlauf lediglich am hinteren rechten Reifen benötigt und vorne linke ebenfalls nur einen Tick, wählt ihr vorher diese Bereiche wieder mit dem Pfadwerkzeug (oder Lasso) aus. Nun zieht ihr mit Hilfe des Werkzeugs „Graustufenverlauf“ eine Linie vom unteren Bildrand senkerecht bis in die Hecke oberhalb des rechten Hinterreifens. Wenn Ihr nun einmal die RGB-Kanäle ausschaltet und lediglich die Alphamaske als Anzeige lasst, könnt ihr den Verlauf von Schwarz nach Weiss erkennen, wobei schwarz für „nah“ steht und weiß für „fern“ - die Grautöne stellen den Schärfeverlauf zwischen den Entfernungen dar.

Auch hier gilt: Ruhig ein wenig experimentieren. Notfalls den eigentlichen Verlauf im Verlaufswerkzeug noch anpassen.

      

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 Wie kommt nun die gewünschte Unschärfe ins Bild? Dazu wählt ihr im Kanalbereich wieder den RGB-Kanal (Wichtig!) und habt damit die ersten vier Kanäle auf aktiv geschaltet.

      
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Jetzt ruft Ihr über Filter -> Weichzeichnungsfilter -> Tiefenschärfe abmildern den entsprechenden Filter auf. In älteren Versionen wird dieser Filter auch unter „Verwackeln“ aufgeführt.

Wichtig in dem jetzt geladenen Fenster ist es, dass Ihr als Quelle den entsprechenden Alpha-Kanal angegeben habt. Die Stärke und Form der Weichzeichnung werden in erster Linie durch die Schieberegler „Weichzeichnen- Brennweite“ und dem Radius der Iris beeinflusst. Hier gibt es kein Patentrezept – einfach ein wenig probieren, bis es am besten passt.

Unser Bild sieht nun am Ende so aus und wirkt nun tatsächlich so, als ob der Fotograf die Tiefenschärfe seines Objektives gezielt zur Bildgestaltung eingesetzt hat.

Genaugenommen hätten wir im linken Bereich ebenfalls über einen gesonderten Alphakanal einen Unschärfeverlauf vorgeben müssen - aber zur Demonstration soll das hier reichen.

        

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Es gibt natürlich eine Vielzahl von Filtern, die es ermöglichen ein Objekt durch Freistellung besser zur Geltung zu bringen. Ziel dieses Tutorials war es aber, dieses Verfahren so getreu wie möglich der Fotografie anzupassen. Ich hoffe das ist mir ein wenig gelungen. Weiterhin hoffe ich, das Thema „Tiefenschärfe“ ein wenig entschlüsselt zu haben, damit es in weiteren Werken Anwendung findet.

Pepexx
April 2006


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Kommentare
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Portrait von Kathi___
  • 21.03.2012 - 16:12

Sehr gutes Tutorial!
Ich würde mir jedoch wünschen, dass du die einzelnen Schritte vermerkst ;)

Portrait von VincentVega
  • 19.12.2011 - 14:40

Sehr schönes tutorial.

Portrait von ELECTROPRINZ
  • 23.12.2010 - 09:19

Gut erklärt und sehr hilfreich. Danke

Portrait von AlinaK
  • 14.12.2010 - 19:27

Bei mir hat das Ganze funktioniert, gut erklärt auch für Anfänger geeignet. Danke!

Portrait von charly397
  • 30.10.2010 - 01:40

Tutorial sehr gut...aber auch sehr unübersichtlich

Portrait von eilander71
  • 25.09.2010 - 10:52

Ein cooler Effekt lässt sisch miot der Tiefenschärfe machen wenn man Miniaturwelten damit erstellt

Portrait von Berndus
  • 22.09.2010 - 13:39

Danke, hat super funktioniert; bin hoch zufrieden - wieder einmal

Portrait von Kugelfisch93
  • 15.09.2010 - 15:12

wozu den ganzen "Exkurs zur Tiefenschärfe", wenn dann der Gaußsche Weichzeichner benutzt wird? Der Effekt mit dem sieht ganz anders aus als richtige Tiefenunschärfe. Aber in Photoshop gibt es einen praktischen Filter, der das besser simulieren kann, nämlich "Tiefenschärfe abmildern". Aber dazu gibts schon ein Tutorial.

Portrait von pepexx
  • 15.09.2010 - 19:24

Ahhh . hier scheint ein echter Spezialist und Könner unterwegs zu sein.... Jeder blamiert sich selbst so gut er kann. Wie wäre es mal, das Tut zu Ende zu lesen?

Ich lösche Deinen Kommentar nun extra nicht, damit die Nachwelt sich auch noch darüber amüsieren kann..

Portrait von Bistromatic
  • 10.08.2010 - 09:43

gut erklärt, super tut

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 04.04.2010 - 01:25

Ich würde für den hinteren Teil anstatt des Weichzeichners auf den Filter Tiefenschärfe abmildern verwenden, wirkt mMn natürlicher ;)

Portrait von Yetinka
  • 17.03.2010 - 17:04

Super geklappt! Danke.

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 11.03.2010 - 01:15

TOP! habs sofort hinbekommen

Portrait von Appleby
  • 15.12.2009 - 23:41

Schönes Tut und sehr verständlich!
LG Appleby

Portrait von ego24
  • 04.12.2009 - 18:08

Super verstaändlich mit vielen guten Erklärungen

Einfach super !!!

Portrait von jockisch
  • 04.12.2009 - 09:59

super - auch für einen Anfänger für mich gut verständlich

Portrait von wuschlhase
  • 19.11.2009 - 09:29

Super! Danke das war wirklich hilfreich und sehr gut erklärt!

Portrait von Streifie
  • 18.11.2009 - 22:32

Beides ist logisch, beides ist richtig. Und nebenbei super Tut!

Portrait von BigBilly
  • 12.11.2009 - 12:11

Ich weiß. Finde Aber Schärfentiefe klingt auch logischer.
Weil die Schärfe eine Tiefe hat.
Und nicht die Tiefe ein Schärfe.

Aber jeder wie er will :)

Portrait von BigBilly
  • 11.11.2009 - 16:21

Es heißt Schärfentiefe. Nicht Tiefenschärfe.

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