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Tutorialbeschreibung

Fotoeffekt: Regentropfen mit Spiegelung

Fotoeffekt: Regentropfen mit Spiegelung

Wer kennt sie nicht - die Blumenfotos in jeder Lage, bei jedem Wetter und in jeder Umgebung. Ich möchte euch hier einmal die "etwas andere" Art zeigen, wie man mit Hilfe von Photoshop selbst die langweiligsten Blümchen noch peppig präsentieren kann.


 

Blumen – einmal anders präsentiert


Nun kommt sie wieder – die Frühlingszeit und damit die ersten blühenden Vorboten der wärmeren Jahreszeit. Mit dieser Jahreszeit kommen aber auch all die neuen Digi-Cam-Inhaber  - auf der Suche nach lohnenden Objekten - hinter den wärmenden Ofen hervor. Was liegt da näher als – Blume entdeckt, Digicam gezückt und draufgedrückt. Das Internet wird wieder überschwemmt mit Bildern die Blumen in allen möglichen Lebens-, Blüh- und Wetterverhältnissen zeigen.

Heute möchte ich daher mal eine etwas andere Variante zeigen, wie selbst die abgegrabbelste Blume noch effektvoll präsentiert werden kann und zu einem kleinen „Aha-Erlebnis“ auf einer Website führt.

Benötigt werden:
- 1 Ast (aufgenommen im Nah- oder Makromodus der Kamera)

Bilder


- Blumen nach Jahreszeit (aufgenommen von oben, unten, der Seite oder wie auch immer)  und
Bilder

- das Wissen, wie Tropfen an Zweigen hängen und welche Eigenschaft sie haben.

 

Fangen wir mit dem 3. Punkt an.

Tropfen an Zweigen sind nicht unbedingt vergleichbar mit Tropfen die an Scheiben hängen oder sich auf der Oberfläche von Blättern ansammeln. Sie haben eine eigene Form, eine eigene Lichtbrechung und die optische Eigenart Dinge, die sich in ihnen spiegeln, seitenverkehrt und auf dem Kopf gestellt, darzustellen. Diese „Darstellungs-Eigenart“ hat übrigens auch das menschliche Auge. Das Bild wird über die Iris (die in diesem Fall als Blende eingesetzt wird) seitenverkehrt und auf den Kopf gestellt auf die Netzhaut projiziert und erst das Gehirn bringt das alles wieder ins Lot, sonst würden wir tatsächlich alles auf den Kopf gestellt und spiegelverkehrt sehen. 

Zurück zum Wetter.

Bilder
  
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Diese zwei Bildchen zeigen die Eigenart dieser Wassertropfen, die wir auch in unserem Werk berücksichtigen müssen, wenn es natürlich wirken soll. Eine Verbreitung der Tropfen nach oben zum Kontaktpunkt am Zweig, Licht- und Eigenreflexionen des Zweiges, die sich im Tropfen widerspiegeln und (etwas schwer zu erkennen) die Verzerrung des Objektes das im Tropfen dargestellt wird.

 Fangen wir an.
Tutorials über die Erstellung von Wassertropfen gibt es zu Genüge im Internet, aber auch hier auf dieser Seite. Für mich ist die einfachste Variante noch immer die Auswahl mit dem Oval-Auswahlwerkzeug, der Füllung der Konturen mit schwarz, Weichzeichnung dieser Kanten und Wegradieren des oberen Drittles unter Einbau der Lichtreflexionen mittels Sprühdose – fertig. So ein Tropfen ist innerhalb von 10 Sekunden erstellt.

OK – das war zu schnell. Ich wollte damit auch nur ausdrücken, dass diese Technik durchaus bekannt ist und nicht auf meinem Mist gewachsen ist. Sie dient als Mittel zum Zweck, nämlich der Erstellung des Endbildes.

Aber der Reihe nach:
Der „Masterplan“ sieht vor, dass sich die Blumen in einem Wassertropfen widerspiegeln, der von einem Zweig hängt. Die beiden Ausgangsbilder sind bekannt – das erste, wo auffällt, dass bei einem realen Foto der Hintergrund des Zweiges nicht stimmen kann, da sich die Osterglocken ja irgendwo hinter dem Zweig befinden müssen und daher zumindest ein Gelb/Dunkelgrünschimmer vorhanden sein muss.

Der erste Schritt wäre daher, das Bild der Narzissen als weichgezeichneten Hintergrund in das Bild mit dem Zweig einzubauen. Der Zweig bietet recht glatte Kanten und daher ist die einfachste Methode, nämlich über eine Ebenenmaske mit Pinsel, auch die schnellste und effektivste.

Zieht also einfach das komplette Bild der Osterblumen in das Bild mit dem Zweig und PS erstellt automatisch eine weiter Ebene, auf der nun das Bild mit unseren Blumen liegt. Sollten die Ausmaße nicht passen, dann verändert durch die Funktion „Transformieren“ (STRG-T) einfach die Größe des Bildes, bis es die gesamte Fläche einnimmt – es kommt uns weder auf die Schärfe noch auf die Seitenrelation an – wir brauchen nur das Farbmuster.
Nun ruft über -> Filter -> Weichzeichnen -> Gaußscher Weichzeichner den Weichzeichnungsfilter auf und stellt die Einstellungen so ein, dass der Hintergrund verschwommen wirkt, die Farbstruktur aber noch erkennbar ist.. Der erste Schritt ist damit geschafft.

Euer Bild sollte jetzt in etwa so aussehen:

Bilder

 

Erstellt nun von eurem Astbild eine Kopie der Ebene, legt diese oberhalb der Ebene mit den unscharfen Osterglocken an und benennt die Ebene in „Ast“ um. Euer Ebenenfenster sollte nun so aussehen:

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Aktiviert nun die Ebene „Ast“ und erstellt dort eine neue Ebenenmaske (1). Die neu erstellte Ebenenmaske sollte jetzt als leere weiße Fläche auf der Ebene „Ast“ erscheinen (2)

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Überprüft jetzt noch kurz, ob Ihr als Pinselfarbe „Schwarz“ eingestellt habt

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und dann könnt ihr anfangen, mit dem Pinsel den Hintergrund zu übermalen. Durch die Einstellung auf „schwarz“ werden die Bildinformationen der aktuellen Ebene transparent gemacht und umgekehrt – mit „weiß“- wieder sichtbar gemacht. Das ist der große Vorteil gegenüber der Arbeit mit dem Radiergummi – da wäre die Information weg und der Schritt zur Wiederherstellung wäre nur über die Funktion „Rückgängig“ möglich. Überhaupt solltet Ihr Euch angewöhnen, den Radiergummi so wenig wie möglich zu gebrauchen.

Nach dieser kleinen „Freistellungsübung“ sollte Euer Bild dann ungefähr so aussehen:

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Besonders deutlich wird dieser Schritt, wenn Ihr euch die Ebenenmaske anschaut – die untere Ebene erscheint in den schwarzen Stellen, die obere Ebene in den Stellen, die weiß geblieben sind.

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Nun geht es an den eigentlichen Regentropfen den wir an den Ast anbringen wollen. Hilfreich ist hier beide Bilder in der gleichen Größe nebeneinander zu stellen, um die Größe des Wassertropfens und auch dessen Inhalt besser abschätzen zu können.In unserem Fall habe ich die Narzissen um 50% verkleinert, um die Blumen dann besser zur Geltung kommen zu lassen. Damit ein kleiner Verzeichnungseffkt sichtbar wird, kann nun über die Menüpunkte Filter -> Verflüssigen dieser Effekt simuliert werden. Die Pinselgröße stelle ich dabei ungefähr auf die Größe des Wassertropfens ein.

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Markiert nun in diesem Bild mit den Elipse-Werkzeug (1) ein Oval, das entfernt an ein Ei erinnert. Achtet dabei darauf, dass oben in der Menüleiste die Pfade-Option aktiviert ist (2)

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Nun ist ein wenig Handarbeit angesagt. Wie oben schon beobachtet, haben die Regentropfen an ihrer Kontaktstelle zu dem Ast eine Verbreiterung (sonst würde sie sofort herabfallen). Wir müssen daher mit dem Zeichenstift im Pfadmodus ein wenig nachbessern. Ebenso müssen wir berücksichtigen, dass die Kontaktstelle rechts höher angeordnet ist als links, da der Ast schräg ins Bild hineinragt.

Schaltet daher auf das Zeichenstift-Werkzeug (1) um und aktiviert oben die Schaltfläche für „Pfade erweitern“ (2).

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Nun könnt ihr mit dem Zeichenstift den Pfad so erweitern, wie er dem natürlichen Tropfen am Ehesten entspricht. Hilfreich ist es auch hier das Bild mit dem Zweig im Blick zu haben, um den schrägen Verlauf so gut wie möglich einhalten zu können. Wenn ihr dann im Ebenenfenster auf „Pfade“ (1) umschaltet und auf „Auswahl erstellen“ (2) klickt (weiche Kante 1 vorgeben), haben wir den unbearbeiteten Tropfen im „Rohzustand“ als Auswahl definiert.

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Diesen können wir jetzt über den Zwischenspeicher in unser Astbild einfügen. Photoshop legt automatisch eine neue Ebene an, die wir in „Tropfen“ umbenennen. Diesen Tropfen setzen wir nun an eine geeignete Stelle an den Ast und überdecken diesen damit oben ein wenig. Im nächsten Schritt grenzen wir den Tropfen etwas vom Hintergrund ab, indem wir über den Menüpunkt Bearbeiten -> Kontur füllen einen 4 Pixel breiten schwarzen Rand anbringen. Dieser schwarze Rand dient im eEdbild dasn dazu, die Eigenspiegelung des Astes zu simulieren.
Das Bild sollte jetzt in etwa so aussehen:

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Über eine neue Ebenenmaske wird nun der Übergang zum Ast bearbeitet. Das Verfahren gleicht dem, welches wir oben beim Ast angewendt haben, um den Narzissen-Hintergrund freizustellen. Also: Neue Ebenenmaske auf der Ebene „Tropfen“ erstellen und den Übergang duch Malen mit dem Pinsel und schwarzer Farbe transparent machen. Hier kann man durch eine Verringerung der Deckkraft das Ganze noch ein wenig natürlicher gestalten.
Als Ergebnis sollte das Bild jetzt ungefähr so aussehen:

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Der Tropfen hat noch einen unnatürlich schwarzen Rand. Diesen passen wir über den Weichzeichner ein wenig an und arbeiten ihn damit etwas mehr ins Bild ein. Auch hier orientieren wir uns wieder an dem echten Tropfen – dort wo das Bild innerhalb des Tropfens hell ist, wird der Rand um den Regentropfen ein wenig aufgehellt, wo dunkelgrüne Blätter sitzen, sogar ein wenig nachgedunkelt – so kommt etwas mehr plastische Stimmung ins Bild.
Das Ergebnis bisher – und das sieht doch schon fast nach einem echten Tropfen aus:

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Was uns jetzt noch fehlt sind die Lichtspiegelungen.

Hierfür können wir auf die altbekannte Airbrush-Funktion zurückgreifen, die aber mit sehr viel Fingerspitzengefühl ausgeführt werden muss. Am besten immer von lang nach kurz arbeiten – also erst einen langen Strich ziehen, dann einen Kürzeren darüber usw – bis man in der Mitte des Striches/der Fläche ankommt, die dann natürlich durch das 3-4malige Übermalen völlig weiss ist.

Diese Airbrush-Funktion steht Euch zur Verfügung, wenn Ihr die Pinselauswahl getroffen habt. Sie befindet sich dann oben in der Menüzeile (1). Ebenso könnt ihr dort die Deckkraft und den Fluss einstellen (2). Ich habe in meinem Fall eine Einstellung von 68 und 87% gewählt – das verzeiht ein paar Nebentritte und wirkt sich nicht gleich so gravierend auf das Bild aus.

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Eine weitere Möglichkeit zur Erstellung der Glanzlichter ist der Einsatz des Pfadwerkzeuges, um danach die gezeichneten Pfade mit weiß zu füllen. Diese Variante eignet sich besonders für die dünnen Striche der Spiegelung, denn solange nicht mit einem Grafiktablett gearbeitet wird, wäre es ein Ding der Unmöglichkeit diese Striche mit der Maus zu zaubern.  – Kurz noch mit dem Weichzeichner drüber und fertig ist das Glanzlicht. Mit dem Wischfinger könnt Ihr jetzt noch ein wenig an der Innenkontur des Tropfens langgehen, um die natürliche Verzeichnung nachzuahmen. Jetzt noch 1 bis 2 kleine Wassertröpchen auf die Blätter gemalt (Verfahren s. Oben), einen schicken Rahmen und passenden Text ins Bild und voila.

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Unser Endbild jedenfalls macht Lust auch mal im Regen zu fotografieren und die Eigenheiten der Natur ein wenig genauer unter die Lupe zu nehmen – so wie ich gestern, als ich die Bilder für dieses Tutorial im Garten aufgenommen habe. Einem Garten, der eigentlich noch recht trostlos aussieht und erst langsam in Fahrt kommt.


Achja – ich weiss dass das Bild im Tropfen (entgegen den Naturgesetzen) nicht auf dem Kopf steht – aber bei diesem Bild fällt das nicht so sehr ins Gewicht, da die Osterglocken auch seitenverkehrt auf den Kopf gestellt, ähnlich aussehen würden. Ebenso verhält es sich bei Blumen die von oben fotografiert wurden.

Die beiden unveränderten Originalbilder findet Ihr übrigens unter

http://www.d-a-n-k-e.de/zweig.jpg und
http://www.d-a-n-k-e.de/narzissen.jpg

Viel Spass beim Nachbauen.

Pepexx 
April 2006


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Kommentare
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Portrait von FiftyFiftyandPia
  • 24.04.2014 - 11:18

gut gemacht. bin mal gespannt wie das mit den pfaden klappt

Portrait von tatsu
  • 05.06.2012 - 12:24

Habs mal ausprobiert ^^ http://www.imagebanana.com/view/xjuykw9j/Blumentropfen.jpg

Portrait von fraaanzi_
  • 22.04.2012 - 19:52

super beschrieben, werde es gleich ausprobieren!

Portrait von Jamel
  • 04.01.2012 - 11:41

Vielen Dank hat mir sehr geholfen

Portrait von SiaSah
  • 26.10.2011 - 10:31

Ein sehr ausführliches Tutorial; finde ich super. Gibt es bei der Positionierung der Glanzpunkte bestimmte Regeln zu beachten? Denn eigentlich müsste man ja auch die Position der Lichtquelle mit berücksichtigen.

Portrait von hamsibone
  • 20.07.2011 - 19:07

Vielen Dank für das Tutorial

Portrait von muellimaus
  • 14.04.2011 - 22:37

Toll werde ich mal ausprobieren ,vielen Dank

Portrait von Redgrisu
  • 18.03.2011 - 09:53

Toll gemachtes Tut. Das Nachbauen ist nicht wirklich schwierig. Danke!

Portrait von wir697296
  • 11.03.2011 - 11:22

So, dann warte ich mal auf den Regen und lade mal die Batterien, damit die Kamera garantiert
einsatzbereit ist. Vielen Dank für das tolle Tutorial - macht richtig Lust auf Regen!

Portrait von jackmacneill
  • 09.01.2011 - 13:15

super! werd ich gleich mal selber ausprobieren!

Portrait von muechen
  • 27.10.2010 - 17:24

sehr gut beschrieben und leicht nachzumachen!

Portrait von alexkl
  • 22.10.2010 - 14:44

sehr cool, das muß ich gleich mal testen

Portrait von Annemarie
  • 17.10.2010 - 12:42

Für mich super! Vielen Dank... Gruß

Portrait von willy999
  • 11.10.2010 - 16:40

Tolles Tut, für mich als Naturfoto-Fan eine super Idee meine bilder zu bearbeiten. Danke

Portrait von allannda
  • 30.08.2010 - 23:27

Super beschrieben. Vielen Dank. Liebe Grüße.

Portrait von TiniA
  • 29.06.2010 - 15:55

Es ist echt klasse erklärt für Anfänger. Danke dir.

Portrait von ninaatnet
  • 21.06.2010 - 17:45

Für mich als Einsteiger ist das echt klasse beschrieben, danke.

Portrait von imognimma
  • 03.06.2010 - 18:22

cool und schön erklärt, danke.

Portrait von australien444
Portrait von White_Masque
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