Tutorialbeschreibung

Fotoeffekt: Evolution - Neue Arten braucht das Land

Fotoeffekt: Evolution - Neue Arten braucht das Land

Die Erschaffung neuer Tierarten - bis vor Kurzem noch Sache der Biochemiker in den Versuchslaboren. Ab heute könnt ihr selbst Hand anlegen - mit Photoshop.


Unser Exklusiv-Tutorial des Commags im Monat Februar wird nun als Nachtrag ebenfalls in den Online-Bestand aufgenommen.

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Sicher sind diese Arten von Tieren jedem schon einmal in den Weiten des Internets über den Weg gelaufen: Mäuse mit Furcht erregenden Haifischgebissen, Wes­pen, deren Beine in Kreis- oder Kettensägen enden oder einfach nur Tiere, denen man nachts nicht alleine auf der Straße begegnen will.

Wie derartige Kreationen entstehen, will ich euch im Exklusiv-Workshop in diesem Monat versuchen, zu zei­gen. Erstellt wurde der Workshop mit der Photoshop-Version CS2. Allerdings sollte es auch problemlos mit älteren Versionen machbar sein. (Ich hoffe jedenfalls, dass dort alle angewandten Methoden vorhanden sind). Die Hauptarbeitswerkzeuge werden Masken, das Stempelwerkzeug und der Wischfinger sein. Mehr braucht man eigentlich nicht. Der Workshop ist auch sehr gut für Einsteiger geeignet.

Machen wir uns also an die Erschaffung einer neuen Art. Keine Furcht erregende und keine gefährliche Krea­tur, sondern die Urform eines, bei Kindern sehr belieb­ten Haustieres:

Die Meersau

Um eine neue Art zu erschaffen, besteht der wesentli­che und schwierigste Teil des ganzen Unternehmens in der Suche nach geeignetem Ausgangs-Bildmaterial (auch „Stock“ genannt).

In gewissem Umfang ist es hier sogar gestattet, auf Material aus der Bild-Suchmaschine „Google“ zurück­zugreifen, da durch die Verfremdung der dort gefun­denen Bilder ein neues „Kunstwerk“ geschaffen wird. Allerdings sollte man sich auf die Tier-Körperteile be­schränken und mit Landschafts-Hintergründe eher vorsichtiger sein. Im Zweifelsfall hilft auch immer eine kurze Mail mit einer Erlaubnisanfrage an den Autor weiter. Ich habe bisher jedenfalls noch nie eine Absa­ge bekommen – ganz im Gegenteil. Die Rechteinha­ber fühlten sich fast jedesmal schon fast „geehrt“, dass ausgerechnet ihr Bild auserkoren wurde. Das Schlüssel­wort ist immer „Nicht-kommerzielle Nutzung“.

Worauf ist nun bei der Bildsuche zu achten? Die Bilder müssen von der Perspektive zusammenpassen. Ein Vogelkopf von unten aufgenommen, passt kaum auf einen Katzenkörper, der von oben geknipst wurde. Im Übrigen bestehen ca. 90 % aller Hundeaufnahmen aus einer perspektivischen Aufnahme „von oben herab“. Es ist also gar nicht mal einfach, ein perspektivisch geeig­netes Bild zu finden.

Die Ausrichtung der beiden Tierkörper sollte identisch sein. Das seitliche Portrait eines Hundekopfes dürfte kaum auf das frontal aufgenommene Bild eines Ka­ninchens passen, auch wenn der Hoppelhase noch so schön in die Kamera schaut.

Die Oberfläche der Tiere sollte ähnlich sein. So dürfte es sehr schwer sein, den Kopf einer Perserkatze mit ih­rem wuscheligen Fell nahtlos auf einen Schlangenkör­per zu bringen.


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In unserem heutigen Workshop spielen ein kleines Ferkel und ein glattfelliges Meerschweinchen die bei­den Hauptrollen. Ich habe hier zwei Bilder gefunden, in denen beide Tiere sowohl in der gleichen Körper­darstellung (von schräg vorne fotografiert), als auch in der gleichen Perspektive (Augenhöhe) aufgenommen wurden. Somit prädestiniert für eine nette Montage.

Schritt 1 – Angleichung beider Farben

In der Version CS2 gibt es einen sehr hilfreichen Menü­punkt "Bild > Anpassen > Gleiche Farbe". Dieser Punkt ist eigentlich nichts anderes, als ein automatisiertes An­passen des Farbtons und der Sättigung, was natürlich auch über diese Funktion erledigt werden kann, da es die Fuktion "gleiche Farbe" in den Versionen < CS2 noch nicht gibt. In un­serem Fall soll das Meerschweinchen bereits jetzt den Farbton des Ferkels erhalten.

Würden wir dafür nun das gesamte Bild des kleinen Fer­kels als Ausgangsbild nehmen, würde auch der bräun­liche Untergrund in die Farbinformation einfließen, was natürlich ungewollt wäre. Daher greifen wir zu einem kleinen Trick und kopieren lediglich ein Stückchen der rosa Haut aus dem Ferkel als neue Ebene in das Bild des Meerschweinchens. Arbeitsschritte bei dem Ferkelbild: - Mit dem Auswahlwerkzeug ein Rechteck auswählen und in die Zwischenablage kopieren.

Arbeitsschritte bei dem Meerschweinchenbild: "Bearbeiten > einfügen".

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Pho­to­shop hat nun auto­matisch eine neue Ebene mit dem kopierten Hautstückchen des Ferkels angelegt. Um nun auch im Meerschweinchen-Bild nur das Tier und nicht den Hintergrund der neuen Farbe anzupassen, muss natürlich auch nur das Tierchen ausgewählt sein. In unserem Fall geht das relativ einfach, nämlich mit dem Zauberstab, da der Hintergrund weiß ist. Klickt da­her mit dem Zauberstab auf den weißen Hintergrund und kehrt dann einfach die getroffene Auswahl um. AuswAhl > AuswAhl umkehren.

Jetzt ist das Meerschweinchen ausgewählt und alle jetzt folgenden Aktionen haben nur Auswirkung auf die getroffene Auswahl.

Über den Menüpunkt "Bild > Anpassen >Gleiche Farbe" habt ihr nun die Möglichkeit, die Quelle für die Farbanpassung zu wählen. In unserem Fall lautet der Name der Ebene mit dem eingefügten Ferkel-Teil sinnigerweise „Ebene1“ im Bild Meerschwein.jpg. Achtet darauf, dass der Haken bei der Option "Farben anhand von Auswahl in Ziel berechnen" gesetzt ist, da Photoshop ansonsten das Rosa als einen einzigen Farbton aufs Bild kleistert und keinerlei Schatten etc. berücksichtigt werden.

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Danach solltet ihr noch ein wenig mit den Schiebereg­lern für Luminanz, Farbintensität und Verblassen spie­len, bis das Ergebnis zufriedenstellend ist.

Schritt 2 – Einfügen, Ausrichten und Freistellen des Ferkel-Kopfes

Nun geht es an den Schweinekopf. Der Kopf kann na­türlich bereits vorher freigestellt werden. Ich habe mir bei felligen Genossen die Freistellung mittels einer Maske angewöhnt. Mit einem weichen Pinsel klappt das wesentlich besser/harmonischer, als mit einer glat­ten Auswahlkante eines Pfades o.ä.

Kopiert also das großzügig ausgeschnittene Kopfstück des Ferkelchens in das Bild mit dem Meerschweinchen und richtet es schon mal grob aus. Sowohl in der Posi­tionierung als auch in der Größe. Sehr schön bekommt man das hin, wenn die Deckkraft dieser neuen Ebene mit dem Ferkel-Kopf ein wenig reduziert wird, damit der Untergrund wieder durchscheint.

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Erstellt nun auf der Ebene mit dem Ferkelkopf eine Ebenenmaske und rubbelt mit einem schwarzen Pin­sel erstmal ganz grob die überflüssigen Teile des Fer­kelkopfes weg (macht sie also transparent, damit die nächste Ebene wieder zum Vorschein kommt).

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Geht jetzt mit einem weichen Pinsel vorsichtig am Rand des Kopfes längs und beseitigt auch dort über die Ebenenmaske alle ungewünsch­ten Ränder. Am besten lässt sich dieser Arbeitsschritt im Ansichtsmodus 200-300 % erledigen. Durch den Einsatz eines weichen Pinsels entstehen keine harten Kanten, die für ein Fell untypisch wären.

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Schritt 3 – Die Übergänge

Nun kommen zwei Schritte, die eigentlich bei der Schaffung jedes neuen Geschöpfes identisch sind, um einen nahezu nahtlosen Übergang zu bekommen:

1. Schaltet die Pinsel-Deckkraft auf ca. 20 % zu­rück und versucht nun gefühlvoll (immer noch über die Ebenenmaske) einen Übergang zum Untergrund auszuarbeiten. (Anm.: Das oben noch sichtbare Ohr des Meerschweinchens habe ich über das Stempel­werkzeug mit Fell bedeckt). Das soll noch nicht zu 100% perfekt sein, aber zum obigen Bild lässt sich schon jetzt der Unterschied feststellen.

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2. Jetzt kommt der Kopierstempel zum Einsatz.

Ebenfalls noch auf Basis des weichen Pinsels – aber nicht mehr in der Ebenenmaske, sondern in der Bilde­bene selbst (wichtig!).

Dieser Kopierstempel wird ebenfalls auf ca. 15 % Deck­kraft gestellt. Sucht euch nun ein Stückchen Fell in geeigneter Helligkeit/Struktur und tragt dieses dann auf die noch sichtbaren Übergänge auf. Auch hier bei Bedarf ruhig 3 oder 4x drübergehen, bis der Übergang perfekt aussieht.


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Schritt 4 - Feinheiten

Um die Illusion noch ein wenig zu verbessern, könnt ihr nun noch ein Stückchen aus dem Fell kopie­ren und die­ses Stückchen auf die Stirn des Ferkels anbringen.

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Das Ganze wird dann nach der Fellrichtung ausge­richtet und (wer hätte es gedacht) ebenfalls über eine Ebenenmaske mit einem weichen Pinsel an den Untergrund angepasst, indem die Ränder einen transpa­renten Übergang bekommen.

Zur „Verschönerung“ kann jetzt noch ein schwarzer Hintergrund eingefügt werden. Dabei müssen dann natürlich die Übergänge noch nachbearbeitet werden – das geht sehr schön mit dem Wischfinger in Verbin­dung mit ein paar Pinselstrichen (in starker Vergröße­rung mal an einem Ohr ersichtlich).

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Schritt 5 - Restarbei­ten

Was nun folgt, sind eigentlich nur noch Restarbeiten.

Einen kleinen Rah­men ums Bild, das Tierchen ein wenig besser positioniert und einen treffenden Titel gewählt. Fertig ist die Urform aller unserer kleinen, quie­kenden Meerschwein­chen.

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Und sollte euch das keiner abnehmen, dass sich die Evolution wirklich so zugetragen hat – beweist es denen. Ihr habt schließ­lich sogar ein Farbbild davon.

Dieser kleine Workshop diente vorrangig dazu, das Ver­fahren zu verdeutlichen, wie derartige Bilder entste­hen. Einmal verinnerlicht, lässt sich mit diesem System auch eine Menge anderer Sachen machen, bei denen aus zwei Bildern ein Bild erstellt werden soll.

Der Einsatz der Ebenenmaske ist eigentlich der Grund­stock für alle gelungenen Fotomontagen.
Abschließend wünsche ich viel Spaß beim Ausprobie­ren und Erschaffen neuer Kreaturen.

Wie wäre es dann z. B. mit einem der seltenen Schäfer­hund-Adler, einem Koligator oder einem Pinguinhund? Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

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Pepexx – im Genesis-Fieber

Irgendwann im Januar 2007


Kommentare
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Portrait von Yetikisdorf
  • 07.03.2008 - 00:16

Witzige Sache. Gefällt mir.

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-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 23.02.2008 - 20:30

Wow... echt klasse ;)

Portrait von ich123
  • 23.02.2008 - 17:46

echt tolles Tutorials. Ich find den Kolinator cool

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-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 18.02.2008 - 22:20

lol super nice toturial und supa nice tiere XD

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-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 13.02.2008 - 10:43

geiles tutorial :D


5* :D

Portrait von memi0012
  • 26.01.2008 - 11:01

Sehr gut erklärt. Danke.

Portrait von Elron
  • 24.01.2008 - 23:21

super tut...und gut beschrieben

Portrait von glubsch642
  • 22.01.2008 - 21:59

richtig gut
dankeschön
musst mal anstatt von nem tierkopf nen menschenkopf nehmen funktioniert auch perfekt

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-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 05.01.2008 - 22:12

Echt Stark! Nach so etwas habe ich gesucht.

Portrait von nOoj
  • 02.01.2008 - 16:23

tolles tut :D


lassen sich schöne sachen mit zaubern

Portrait von landrobber
  • 13.12.2007 - 15:59

Schön sind sie ja nicht gerade, die Tierchen (Ausnahme Kolinator) ;-) - aber das Tut ist klasse!

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-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 29.11.2007 - 16:32

is schon ein cooles tut,am besten is der kolinator *g*

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-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 11.11.2007 - 14:38

ist ja lustig xD
Danke ^^

Portrait von Jo83
  • 05.11.2007 - 18:14

Super Tutorial. Vielen Dank dafür!

Portrait von Bunze
  • 01.11.2007 - 16:54

Super Tut, gut erklärt und leicht verständlich.

Portrait von Backobone
  • 31.10.2007 - 11:46

Das kann ich brauchen. Klasse !

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-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 20.10.2007 - 14:58

Sehr gutes Tut, habe es gleich ausprobiert und viel Spass dabei gehabt.

Portrait von frankg
  • 06.10.2007 - 13:42

Das hat doch mal Spaß gemacht ! Klasse !

Portrait von lomapatta
  • 25.09.2007 - 14:52

Das ist ein Tutorial, das einfach Spass macht und auch noch super gut erklärt ist, vielen Dank.

Portrait von Mortaine
  • 16.09.2007 - 23:33

Sehr nettes Tutorial, wollte immer schon wissen wie man sowas macht :)

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