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Tutorialbeschreibung

Bilder scharfzeichnen - Teil 2

Bilder scharfzeichnen - Teil 2

Einer der häufigsten Bearbeitungsschritte in Photoshop ist das Scharfzeichnen. Wer sich einmal näher damit beschäftigt hat, wird feststellen, dass es in Photoshop diverse Varianten gibt, ein Bild zu schärfen. In dieser Tutorialserie werde ich die verschiedenen Möglichkeiten vorstellen und erklären.

Im 2. Tutorial stelle ich euch das zweite von Adobe zum Schärfen empfohlene Werkzeug vor: den Selektiven Scharfzeichner. Die Beschreibungen bauen auf den Grundlagen des ersten Tutorials der Serie „Bilder scharfzeichnen – Teil 1“ auf.


Tutorialübersicht

Bilder scharfzeichnen - Teil 1

• Was ist Schärfe?
• Wie entsteht Unschärfe?
• Was passiert beim Schärfen?
• Unscharf maskieren – was ist das?
• Einstellungsmöglichkeiten des Unscharf-maskieren-Filters
• Vorgehensweise bei der Anwendung des Unscharf-maskieren-Filters
• Tipps und Tricks rund ums Schärfen


Bilder scharfzeichnen - Teil 2

• Selektiver Scharfzeichner – was ist das?
• Einstellungsmöglichkeiten des selektiven Scharfzeichners
• Vorgehensweise bei der Anwendung des selektiven Scharfzeichners
• Vergleich der Schärfungsergebnisse


 

Selektiver Scharfzeichner - was ist das?

Das Funktionsprinzip des Selektiven Scharfzeichners ist dem des Unscharf-maskieren-Filters sehr ähnlich. So werden auch hier zunächst die Kanten im Bild über das Unscharf-maskieren-Prinzip ausgewählt. Während der Unscharf-maskieren-Filter jedoch standardgemäß den Gaußschen Weichzeichner verwendet, gibt es beim Selektiven Scharfzeichner die Möglichkeit, die Weichzeichnungswerkzeuge Tiefenschärfe abmildern oder Bewegungsunschärfe zu verwenden. Welche Methode sich am besten für welches Bild eignet und wie diese sich unterscheiden, werde ich später im Zusammenhang der Einstellungsmöglichkeiten des Selektiven Scharfzeichnungsfilters erläutern.

Ein weiterer Unterschied zum Selektiven Scharfzeichner ist die Anwendung auf das Bild. Während der Unscharf-maskieren-Filter grundsätzlich auf das gesamte Bild gleich stark angewendet wird, gibt es beim Selektiven Scharfzeichner die Möglichkeit, verschiedene Tonwertbereiche unterschiedlich stark zu schärfen. Daher kommt auch der Name, denn die Schärfung des Bildes erfolgt selektiv entsprechend verschiedener Bildbereiche.

 
Um zu verstehen, wie diese unterschiedliche Schärfung auf verschiedene Tonwertbereiche optimal angewendet werden kann, müssen wir erst einmal verstehen, was Tonwerte sind. Dazu an dieser Stelle ein kleiner Ausflug zum Thema Histogramm.

In einem Histogramm wird die Verteilung der Pixel eines Bildes anhand ihrer Helligkeit angezeigt – also alle im Bild vorhanden Tonwerte von 0 (Schwarz) bis 255 (Weiß). In Photoshop kann das Histogramm über Fenster>Histogramm angezeigt werden.

HistogrammBilder



 
Hier einmal beispielhaft das Histogramm zu meinem Schärfungsbeispiel. Links im Histogramm befinden sich die Tiefen, im mittleren Teil die Mitteltöne und im rechten Teil die Lichter. Um das Ganze noch einmal klarer zu machen, habe ich das Bild einmal in die drei Tonwertbereiche zerlegt (der hellblaue Hintergrund ist nur zum besseren Erkennen eingefügt).

Lichter, Mitteltöne und TiefenBilder



Grundsätzlich sollten jedoch in allen Tonwertbereichen Pixel vorhanden sein, wie im Bild oben gezeigt. Die Ausprägung des Histogramms kann zwar Über- oder Unterbelichtung aufzeigen – jedoch ist die Interpretation immer motivabhängig. So sollte ein Schneebild bei Sonnenschein aufgenommen bspw. den Großteil der Pixel im Bereich der Lichter haben, während ein Nachtbild eher in den Tiefen ausgeprägt ist, wie man in den folgenden beiden Beispielbildern und –histogrammen erkennt.

High- und LowkeybildBilder



 
Über- oder unterbelichtete Fotos zeigen in den Lichtern oder Tiefen besondere Ausprägungen, obwohl sie nicht in besonders heller oder dunkler Umgebung aufgenommen wurden.

Über- und UnterbelichtungBilder



 
Korrekturmöglichkeiten für die Unter- oder Überbelichtung zu erläutern, soll jedoch kein Thema dieses Tutorials sein – im weiteren Verlauf werde ich daher von korrekt belichteten Bildern ausgehen.

Wichtig für uns ist es zu wissen, dass Photoshop unser Bild automatisch in die drei Tonwertbereiche Lichter, Mitteltöne und Tiefen aufteilt. Je nachdem, in welchem Bereich der Großteil der Pixel liegt, werden gleiche Einstellungen im Selektiven Scharfzeichner auf verschiedenen Bildern deutlich unterschiedliche Ergebnisse produzieren.


 

Einstellungsmöglichkeiten des selektiven Scharfzeichners

Auch beim Selektiven Scharfzeichner gilt wie beim Unscharf-maskieren-Filter: Möglichst nie auf der Originalebene arbeiten, sondern immer zuerst eine Ebenenkopie anlegen!

Selektiver Scharfzeichner im FiltermenüBilder



 
Der Filter Selektiver Scharfzeichner findet sich unter Filter>Scharfzeichnungsfilter>Selektiver Scharfzeichner. Hier gibt es zunächst die Auswahl Einfach oder Erweitert. Ich wähle Erweitert, schließlich wollen wir lernen, was der Selektive Scharfzeichner wirklich kann! (Alle im Modus Einfach vorhandenen Regler sind auch im Erweitert-Modus zu finden und werden daher von mir mit erklärt).

Einfache und erweiterte Ansicht des Selektiven ScharfzeichnersBilder



 
Im erweiterten Modus fällt sofort eines auf: Es gibt viel mehr Regler als beim Unscharf maskieren, sogar auf mehrere Tabs verteilt – deswegen ist es auch besonders wichtig zu verstehen, welcher Regler was bewirkt, um zu einem optimalen Ergebnis zu gelangen.

Zunächst gibt es dort das Auswahlmenü Einstellungen. Hier können gespeicherte Einstellungen des Selektiven Scharfzeichners geladen werden – dies bietet sich an, wenn mehrere Bilder in der gleichen Umgebung aufgenommen wurden und sich bspw. nur durch die Pose des Models unterscheiden. Hier können mehrere Bilder identisch geschärft und Arbeit gespart werden, da die Werte automatisch übernommen werden. Im Normalfall steht der Punkt Einstellungen jedoch auf Standard.

Selektiver Scharfzeichner - Option EinstellungenBilder



 
Darunter gibt es drei Reiter – Scharfzeichnen, Lichter und Tiefen. Fangen wir ganz links an:

Die beiden Regler Stärke und Radius sind bereits aus dem Unscharf-maskieren-Filter bekannt und haben dieselbe Funktion. Kurz zur Erinnerung: Die Stärke bestimmt, wie stark an einer Kante die helle Seite aufgehellt und die dunkle Seite abgedunkelt wird, der Radius, in welchem Bereich um die Kante herum aufgehellt bzw. abgedunkelt wird.

Der nächste Einstellungswert ist das Auswahlmenü Entfernen. Hier gibt es die Auswahlmöglichkeiten Gaußscher Weichzeichner (bereits vom Unscharf maskieren bekannt), Bewegungsunschärfe und Tiefenunschärfe.

Selektiver Scharfzeichner - Option EntfernenBilder



 
Mein Gedanke war erst einmal: Warum sind die möglichen Weichzeichnungs-Methoden zur Kantenmaskierung unter einem Menü namens Entfernen versteckt? Nach einigem Suchen (nicht einmal direkt bei Adobe gibt es eine Aussage dazu) habe ich jedoch eine logische Erklärung gefunden: Bei der Auswahl der Weichzeichnungsmethode wird entschieden, welchem dieser Werkzeuge die Unschärfe im Bild am ehesten entspricht. Wir entfernen also bspw. Bewegungsunschärfe, die durch Bewegung der Kamera oder des Motivs entsteht, am besten mit der Entfernen-Methode Bewegungsunschärfe.

Im folgenden Bild seht ihr eine Simulation der unterschiedlichen Kantenauswahl mit den drei Weichzeichnungswerkzeugen. Wie auch schon in Teil 1 habe ich die Ausgangsebene dupliziert, auf der oberen Ebene jeweils eins der Weichzeichnungswerkzeuge angewendet und die Ebene auf den Ebenenmodus Differenz gesetzt.

Simulierte EntfernentechnikBilder



 
Eine kleine Ergänzung dazu an dieser Stelle: Der Radius, den ich beim simulierten Weichzeichnen und Maskieren verwende (bspw. Gaußscher Weichzeichner mit einem Radius von 2px), entspricht genau dem Radius, der als Regler Radius im Unscharf-maskieren-Filter bzw. Selektiven Scharfzeichner angeboten wird.

Unter diesem Auswahlfeld findet sich die Option Winkel, die allerdings nur anwählbar ist, wenn man als Entfernen-Werkzeug die Bewegungsunschärfe ausgewählt hat. Hier sollte die Richtung der Bewegung eingestellt werden.

WinkeleinstellungenBilder



 
Als Letztes gibt es noch eine Checkbox Genauer. Hier wird die Maskierung und Scharfzeichnung mehrfach und dadurch genauer von Photoshop berechnet. Es empfiehlt sich, beim Ausprobieren und Testen den Haken zu entfernen und erst, wenn man mit dem Schärfungsergebnis zufrieden ist, dieses Genauer berechnen zu lassen – denn das Ergebnis ist zwar besser, dauert aber auch länger.

Der erste Reiter ist geschafft – wenden wir uns den anderen beiden zu: den Tiefen und den Lichtern. Da die beiden Menüs komplett identisch aufgebaut sind, werde ich sie nur anhand der Lichter erklären – für die Tiefen gilt das Ganze dann analog.

Als Ausgangswerte habe ich im Reiter Scharfzeichnen eine übertriebene Schärfung von 500% Stärke mit einem Radius von 5px gewählt, um die Funktionsweise der einzelnen Regler deutlicher hervorzuheben.

Tiefen- und LichterreiterBilder



 
Hier kommt uns nun das oben Gelernte zugute: Wir wissen bereits, was die Tiefen und Lichter eines Bilder sind. Alle Einstellungen des Reiters Scharfzeichnen werden zunächst auf das gesamte Bild angewendet, alles, was wir nun im Reiter Lichter verändern, wird sich lediglich auf die Lichter unseres Bildes auswirken.

Der erste Regler nennt sich Verblassen um. Hier kann eingestellt werden, um wie viel Prozent die im ersten Reiter eingestellte Schärfung reduziert werden soll. Bei 0% wird sich nichts verändern, bei 100% werden alle Lichter des Bildes überhaupt nicht geschärft.

VerblassenreglerBilder



 
Der nächste Regler nennt sich Tonbreite. Wie wir ja wissen, teilt Photoshop das gesamte Bild in Lichter, Mitteltöne und Tiefen. Bewege ich diesen Regler nun Richtung 0%, wird der Bereich der Lichter immer kleiner gefasst – d.h., nur die hellsten Töne werden um den zuvor eingestellten Verblassen-Wert reduziert. Bewege ich den Regler nach rechts, wird der Bereich der Lichter größer. Töne, die zuvor in der Kategorie Mitteltöne waren, werden nun zu Lichtern, obwohl sie dunkler sind.

Gerade bei diesem Regler ist es entscheidend zu wissen, in welchem dieser Tonwertbereiche das zu bearbeitende Bild die meisten Pixel hat. So sollte man bspw. bei sehr hellen Bildern mit vielen Pixeln (wie das Beispielbild im Winter) die automatische Auswahl der Lichter reduzieren (also eher einen Wert Richtung 0% wählen), da wir ja nicht das gesamte Bild „entschärfen“ wollen, sondern nur die Schärfung in den ganz hellen Tönen. Andersherum kann es passieren, dass bei sehr dunklen Aufnahmen (wie bspw. der Nachtaufnahme oben) eine Vergrößerung des Tonwertbereiches für die Lichter notwendig ist.

TonbreiteBilder



 
Kommen wir zum letzten Regler, dem Radius. Dieser hat nichts mit dem bereits bekannten Radius zu tun, der den Pixelbereich der Schärfung festlegt, sondern bestimmt, in welchem Umkreis eines hellen Pixels geschaut wird, ob es zu den Lichtern gehört oder nicht. Leider muss ich an dieser Stelle zugeben, dass ich dafür kein ergänzendes Bild hinzufügen kann, um dies zu zeigen, da kein Unterschied zwischen den Einstellungen 1px (Minimum) und 100px (Maximum) zu erkennen ist. Ich habe auch sonst keine Informationen gefunden, inwieweit dieser Regler das Ergebnis beeinflusst, von daher werde ich im weiteren Tutorial auch nicht darauf eingehen.


 

Vorgehensweise bei der Anwendung des selektiven Scharfzeichners

Die Theorie ist geschafft, setzen wir nun das Ganze einmal praktisch an einem Beispielbild um. Dem ein oder anderen mag das Beispielbild schon bekannt vorkommen, denn ich habe es bereits im ersten Tutorial gewählt. Wem das Bild nicht gefällt, den muss ich leider enttäuschen, denn auch in allen folgenden Tutorials werde ich bei diesem Bild bleiben, denn so können wir am Ende sehr gut die verschiedenen Schärfungsmethoden vergleichen.

Aber nun wie gesagt erst einmal zum Vorgehen bei der Anwendung des Selektiven Scharfzeichners. Ein Patentrezept gibt es dabei wie immer leider nicht, allerdings sollte man trotzdem strukturiert vorgehen, denn zumindest wissen wir jetzt ja schon, was bei welchem Regler eigentlich passiert.


 

1. Bild öffnen und duplizieren

Als Erstes öffnen wir das Bild in Photoshop und duplizieren es, indem wir es auf das Symbol für Neue Ebene ziehen oder Strg+J drücken. Beim Austesten mit verschiedenen Einstellungen des Selektiven Scharfzeichners bietet es sich an, die obere Ebene in ein Smart-Objekt umzuwandeln. So können im Nachhinein alle Einstellungen noch einmal unkompliziert angepasst werden.

In SmartObjekt konvertierenBilder



 

2. Entfernen-Methode auswählen

Da die gewählten Einstellungen des Radius und der Stärke bei der Wahl verschiedener Weichzeichnungsmethoden zu unterschiedlichen Ergebnissen führen, entscheiden wir als Erstes, welche Weichzeichnungsmethode der Option Entfernen für unser Bild am besten geeignet ist.

Den Gaußschen Weichzeichner kennen wir bereits vom Unscharf-maskieren-Filter – seine Anwendung wird hier zu ähnlichen Ergebnissen führen.

Die Weichzeichnungsmethode Tiefenschärfe abmildern hingegen führt zu einer wesentlich feineren Schärfung und eignet sich besonders für kleine Details. Des Weiteren entstehen bei der Schärfung mit dieser Entfernen-Methode geringe Schärfungsartefakte. Schärfungsartefakte, auch unter den Begriffen Kranzeffekt oder ugs. Halos bekannt, sind sehr auffällige weiße bzw. schwarze Ränder, die bei übertriebener Schärfung entstehen. Bei einigen Bildern entstehen schon bei geringer Schärfung auffällige Kranzeffekte – besonders auffällig zum Beispiel bei weißen Streifen vor blauem Himmel. Gerade bei solchen Motiven sollte man daher die feinere Schärfung mit dieser Weichzeichnungsmethode verwenden.

Die dritte Option ist die Bewegungsunschärfe, die sich, wie der Name schon sagt, besonders für Bewegungsunschärfe im Bild eignet. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um durch Bewegung der Kamera oder Bewegung des Motivs entstandene Unschärfe handelt.

Während die dritte Option der Bewegungsunschärfe relativ einfach vom Betrachter zu identifizieren ist, sollte man für die Wahl zwischen den Entfernen-Methoden Gaußscher Weichzeichner und Tiefenschärfe abmildern ggf. mit relativ hoher Stärke- und Radiuseinstellung die Ergebnisse vergleichen.

 
Da in unserem Bild erkennbar keine Bewegungsunschärfe vorhanden ist, wähle ich hier zusätzlich ein weiteres Beispielbild, um die Einstellung des Winkels zu verdeutlichen.

Öffne ich den Selektiven Weichzeichner und wähle nun Bewegungsunschärfe, wird der Winkel editierbar. Diesen passe ich nun der Richtung der Bewegungsunschärfe an, um diese optimal zu beseitigen.

Beispiel BewegungsunschärfeBilder



Um den richtigen Winkel zu finden, empfiehlt es sich zuerst, den Radius und die Stärke sehr hoch zu wählen.

 
Nun aber zurück zum Golden Retriever – auch hier wähle ich zunächst hohe Werte für Radius und Stärke, um die Entfernen-Methode zu bestimmen. Hier einmal der Vergleich der beiden infrage kommenden Varianten Gaußscher Weichzeichner und Tiefenschärfe abmildern.

Entfernen-Methode auswählenBilder



Im Ergebnis gefällt mir persönlich der Gaußsche Weichzeichner besser – aber das ist wie immer Geschmackssache. Mal abgesehen davon, dass mit diesen Werten beide Varianten schrecklich aussehen (da dürften sich wohl ausnahmsweise alle einig sein), ist die Fellstruktur meiner Meinung nach bei der unteren Variante durch die Schärfung zu hell geworden.


 

3. Radius und Stärke einstellen

Dieser Vorgang ist bereits aus dem ersten Tutorial bekannt. Zunächst wirken sich diese Einstellungen auf das gesamte Bild aus – wir sollten wir nun jedoch vorrangig die Mitteltöne betrachten, da eine Überschärfung der Tiefen und Lichter im weiteren Vorgehen noch beseitigt werden kann. Dabei gilt in diesem Fall sogar: Lieber zu stark als zu schwach schärfen!

Radius und Stärke einstellenBilder



Ich wähle hier einen Stärkewert von 200% und einen Radius von 2px. Wie man sieht, ist das Bild nun zunächst leicht überschärft.


 

4. Lichter einstellen

Als Nächstes nehmen wir uns den Reiter Lichter vor. Diese müssen besonders vor Überschärfung geschützt werden, da gerade diese oftmals helle Schärfungsränder verursachen. Bei besonders feinen Details besteht die Gefahr, dass diese komplett verschwinden und nur noch weiße Pixel übrig bleiben.

Wir reduzieren nun also die Schärfung der Lichter, indem wir den Regler Verblassen so lange reduzieren, bis die Überschärfung verschwindet.

Lichter verblassenBilder



In diesem Fall führt eine Reduktion der Lichterschärfung um 50% zu einem schon sehr viel besseren Ergebnis.

 
Jetzt nehmen wir uns der Tonbreite an. Dazu prüfen wir, ob zu viele oder nicht genug dunklere Lichtbereiche durch die Reduktion der Schärfe beeinflusst worden sind. Je höher der Wert der Tonbreite, desto dunkler dürfen die Töne sein, auf die die Einstellungen des Reiters Lichter angewendet werden. Währenddessen führt ein kleinerer Tonbreitewert dazu, dass nur die hellsten Bereiche des Bildes beeinflusst werden.

An dieser Stelle ist es noch einmal sehr wichtig, sich das Histogramm des Bildes in Erinnerung zu rufen. Habe ich ein insgesamt sehr helles Bild, so sollte das Verblassen der Schärfung nur auf die hellsten Bereiche angewendet werden, damit nicht das gesamte Bild wieder „entschärft“ wird – wir wählen also eine kleine Tonbreite.

Im Beispielbild haben wir ein relativ ausgeglichenes Histogramm, allerdings sehr viele helle Töne im Fell des Hundes. Während die sehr hellen Bereiche geschützt werden, sind die etwas dunkleren Schatten- und Fellbereiche bspw. an den Ohren immer noch überschärft.

Lichter - Tonbreite anpassenBilder



Deswegen erhöhe ich in diesem Fall den Tonwertbereich auf einen Wert von 60%. Um auf diesen Wert zu kommen, empfiehlt es sich, die Tonbreite zunächst auf 100% zu setzen und dann so lange zu reduzieren, bis die Schärfung im Fellbereich wieder leicht hervortritt.


 

5. Tiefen einstellen

Kommen wir nun zum letzten Schritt: die Tiefen. Das Vorgehen ist grundsätzlich analog zu den Lichtern, jedoch liegt der Fokus anders. Bei den Lichtern wollten wir vor allem Kranzeffekte und weiße Pixel bei feinen Details verhindern. In den Tiefen wiederum haben wir ein anderes Problem:

Einerseits tritt Bildrauschen von Fotos meist in den dunklen Bereichen auf. Eine Schärfung würde dieses verstärken, was in jedem Fall verhindert werden sollte. Zum anderen wird durch jede Schärfung der Fokus des Betrachters auf die geschärften Bereiche gezogen. Da das Hauptmotiv jedoch zumeist in den Mitteltönen des Bildes zu finden ist (in unserem Fall sogar in den Lichtern), sollte man vermeiden, durch eine übermäßige Schärfung den Blick auf die Tiefen zu lenken.

Beim Reduzieren der Schärfung erhöhen wir daher zunächst den Verblassen-Regler so lange, bis das offensichtliche Rauschen in den Scheiben verschwindet. Vorsicht an dieser Stelle: Bitte nicht den Regler einfach auf 100% ziehen, denn zumindest eine moderate Schärfung der Tiefen kann in anderen Bildbereichen notwendig sein. Im Beispielbild sehen wir uns vor allem den Bereich der Fenster, der Nase und Augen und der Mauer links an, um einen guten Mittelwert zu finden.

Tiefen - VerblassenBilder



Bei der Betrachtung fällt in diesem Fall sogar auf, dass das Rauschen durch die Erhöhung des Verblassen-Reglers über 20% nur noch minimal abnimmt. In diesem Fall sollte man immer den kleinstmöglichen Prozentsatz einstellen, der das Rauschen reduziert.

 
Nun wenden wir uns wieder der Tonbreite zu. Dabei sollten wir diese so wählen, dass möglichst alle Bereiche, in denen Bildrauschen auftritt, eingeschlossen werden. Tritt das Rauschen nur in den besonders dunklen Bereichen auf, können wir die Tonbreite reduzieren – sind auch hellere Bereiche betroffen, so erhöhen wir den Wert.

Tiefen - TonbreiteBilder



 
Auch hier gilt es, noch einmal einen Blick auf das Histogramm zu werfen und bei einem insgesamt sehr dunklen Bild die Tonbreite deutlich zu reduzieren, um nicht die gesamte Schärfung durch den Verblassen-Regler zu beeinflussen. In unserem Beispielbild passt der Wert von 50% schon sehr gut und muss nicht weiter verändert werden.

Damit haben wir es geschafft. Hier mein Ergebnis als Vorher-Nachher-Vergleich. Das ungeschärfte Original …

OriginalBilder



 
... und das mit dem Selektiven Scharfzeichner bearbeitete Bild:

Schärfungsergebnis Selektiver ScharfzeichnerBilder



 

Vergleich der Schärfungsergebnisse

An dieser Stelle des Tutorials möchte ich die unterschiedlichen Ergebnisse der bisher vorgestellten Schärfungswerkzeuge zeigen. Im Laufe der nächsten Tutorials wird diese Aufstellung noch ergänzt.

Was wir im Laufe des Tutorials sicherlich feststellen konnten, ist, dass der Selektive Scharfzeichner gegenüber dem Unscharf-maskieren-Filter deutlich mehr Regler hat. Dies hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Während mehr Regler einerseits auf jeden Fall mehr Aufwand bedeuten (und leider auch mehr Fehlerquellen bei der Anwendung), haben wir andererseits natürlich auch mehr Möglichkeiten, die Einstellungen der Schärfung zu beeinflussen und zu einem differenzierteren Ergebnis zu gelangen. Es ist immer eine Frage der Zeit und des Nutzens.

Der Unscharf-maskieren-Filter führt zu guten Schärfungsergebnissen, für eine Präsentation im Web bspw. meist völlig ausreichend, da hier sowieso viele Details aufgrund der Auflösung verloren gehen. Will ich jedoch ein Bild sehr groß ausdrucken lassen und irgendwo an die Wand hängen, sollte ich mir die Zeit nehmen, ein sehr viel feineres Schärfungsergebnis zu erarbeiten.

Leider bietet Adobe bei den Einstellungen des Selektiven Scharfzeichners den uns vom Unscharf maskieren bekannten Schwellenwertregler nicht mit an. Ein Vermeiden der Verstärkung des Bildrauschens durch das Schärfen geht daher leider immer zu Lasten des Tonwertbereichs, in dem das Rauschen auftritt (meist in den Tiefen).

Schade, aber vielleicht wird dieser kleine Schönheitsfehler ja irgendwann behoben – der Unscharf-maskieren-Filter würde dann allerdings als Scharfzeichnungswerkzeug komplett überflüssig werden, denn alle dort getroffenen Einstellungen können wir auch mit dem Selektiven Scharfzeichner abdecken.

 
Gucken wir uns zum Abschluss noch einmal die beiden Schärfungsergebnisse am Beispielbild an. Ich weiß, in dieser Größe ist leider nicht viel zu erkennen, deswegen möchte ich selbst noch einmal auf einige Details hinweisen, die mir im direkten Vergleich in größerer Auflösung ins Auge gefallen sind.

SchärfungsvergleichBilder



Die Vermeidung der Verstärkung des Rauschens durch das Schärfen ist mit dem Unscharf-maskieren-Filter besser gelungen, dafür sind vor allem die Randbereiche des Fells bspw. ganz rechts an den Ohren mit dem Selektiven Scharfzeichner besser gelungen. Hier tritt keine übermäßige Schärfung auf. Insgesamt haben wir damit mit dem Selektiven Scharfzeichner schon einen Schritt in die richtige Richtung gemacht – wir können das Bild differenzierter entsprechend der verschiedenen Tonwertbereiche schärfen.

Ich hoffe, dass euch das Tutorial gefallen hat und ihr das ein oder andere zum Thema Schärfen mit dem Selektiven Scharfzeichner lernen konntet.

Im nächsten Tutorial der Serie werde ich auf weitere Schärfungswerkzeuge und -methoden von Photoshop wie bspw. den Hochpassfilter eingehen.

Weitere Teile


Kommentare
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Portrait von lora-hth
  • 27.08.2014 - 13:36

Super erklärt! Vielen Dank :-)

Portrait von lora-hth
  • 27.08.2014 - 13:36

Super erklärt! Vielen Dank :-)

Portrait von lora-hth
  • 27.08.2014 - 13:35

Super erklärt! Vielen Dank :-)

Portrait von lora-hth
  • 27.08.2014 - 13:35

Super erklärt! Vielen Dank :-)

Portrait von lora-hth
  • 27.08.2014 - 13:34

Super erklärt! Vielen Dank :-)

Portrait von lora-hth
  • 27.08.2014 - 13:34

Super erklärt! Vielen Dank :-)

Portrait von lora-hth
  • 27.08.2014 - 13:34

Super erklärt! Vielen Dank :-)

Portrait von lora-hth
  • 27.08.2014 - 13:33

Super erklärt! Vielen Dank :-)

Portrait von lora-hth
  • 27.08.2014 - 13:33

Danke für das ausführliche Tutorial

Portrait von lora-hth
  • 27.08.2014 - 09:13

Sehr hilfreich und gut verständlich

Portrait von lora-hth
  • 21.08.2014 - 11:19

Super erklärt! Vielen Dank :-)

Portrait von lora-hth
  • 21.08.2014 - 11:19

Super erklärt! Vielen Dank :-)

Portrait von KFreund
  • 18.05.2014 - 17:27

Die Erklärungen zu den technischen Grundlagen sind Spitze.

Portrait von mondohda
  • 10.01.2014 - 19:35

Teil 1 und 2 finde ich sehr ausfühlich und gut erklärt, Danke.

Portrait von HeinzGeorg
  • 07.01.2014 - 12:18

Sehr schöne Beschreibung wie man mit den Reglern umgehen kann.

Doch nur die praktische Anwendung zeigt die wirklichen Bildveränderungen.

Ich selbst bin immer wieder verblüfft, wie sich die Anwendung sich bei unterschiedlichen Motiven auswirken.
Die Federn eines Vogels müssen ganz anders bearbeitet werden wie eine technische Aufnahme von einem Auto mit weniger feiner Strukturen, dafür aber glänzenden Oberflächen.

Danke für den Beitrag.

Portrait von Domingo
  • 14.10.2013 - 18:27

Dieses Tutorial kann man immer gebrauchen!

Portrait von caralis91
  • 17.08.2013 - 12:32

Toll erklärt, vielen Dank!

Portrait von Photo de Luxe
  • 26.06.2013 - 14:57

Danke für das toll erklärte und sehr infomative Tutorial!!!
FREU MICCH SCHON AUF DEN NÄCHSTEN TEIL !!!
Weißt du schon bis wann Teil 3 online sein wird ?
MfG Mario

Portrait von mantaro
  • 26.06.2013 - 09:16

Nach dem ersten Teil hab ich mir gleich noch den zweiten besorgt. Danke vielmals für die Tutorials!

Portrait von Kundentest
  • 25.06.2013 - 10:34

Herzlichen Dank für das Tutorial.

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