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Tutorialbeschreibung

Weiße Bäume und skurrile Farben - Infrarot-Entwicklung mit GIMP und UFRaw

Weiße Bäume und skurrile Farben - Infrarot-Entwicklung mit GIMP und UFRaw

Bei der Infrarot-Fotografie blockt man mithilfe eines Filters, den man über das Objektiv schraubt, die üblicherweise für uns wahrnehmbaren Farben und macht die darunter- bzw. darüberliegenden Spektralbereiche sichtbar. Das Ergebnis ist ein knallig rotes Bild und benötigt ein wenig Nachbearbeitung, damit man den typischen Infrarot-Effekt erhält.


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Intro

Schwerpunkt in diesem Tutorial ist die Entwicklung von IR-Aufnahmen. Ich habe mir erst vor Kurzem einen Infrarot-Filter für meine Kamera gekauft und damit ein wenig experimentiert. Hier mal die ersten Gehversuche.

Voraussetzung für den Workshop ist GIMP und die Installation von UFRaw. UFRaw entwickelt Raw-Dateien in 16 Bit und liefert diese anschließend als 8-Bit-Dateien nach GIMP weiter. Ganz hervorragende Ergebnisse erhältst du, wenn du unter den UFRaw-Farbmanagement-Einstellungen dein Kamera-Profil hinterlegst. Mehr dazu findest du auf der UFRaw-Website http://ufraw.sourceforge.net.


Tipps für die Aufnahmen

  • Unbedingt im Raw-Format fotografieren
  • Der Effekt wird noch intensiver, wenn man einen Weißabgleich auf Grün durchführt – dann werden Wiesen und Bäume tatsächlich weiß und man erhält diese fantastischen Landschaftsbilder mit den skurrilen Farben.
  • Der IR-Filter ist sehr dunkel; daher ist ein Stativ empfehlenswert, um unscharfe Bilder zu vermeiden
  • Für den Anfang eignen sich vor allem Landschaftsaufnahmen

Gute Tipps liefert im Übrigen auch dieser PSD-Tutorials.de-Workshop.


 

Schritt 1: Infrarot-Entwicklung in UFRaw

Ja, die Infrarot-Raw-Datei kommt so aus der Kamera - knallrot!

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Öffne die Raw-Datei in UFRaw (siehe Intro), indem du sie per Drag&Drop auf das GIMP-Bildfenster (Win, Linux) bzw. Icon (MAC) ziehst.

Gleich am Startbildschirm stellst du auf der linken Seite Automatisches SW (evtl. statt Kamera-SW) ein.

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Damit sorgst du für einen automatischen Weißabgleich und das Bild erhält schon die typischen Falschfarben:

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Falls nötig, kannst du den Belichtungsausgleich noch leicht erhöhen (EV), zum Beispiel auf ca. 0,65. Den Regler dafür findest du im linken Fensterbereich ganz oben. Wichtig ist auch eine Rauschunterdrückung, da aufgrund der schlechten Lichtverhältnisse (der IR-Filter ist wie erwähnt sehr dunkel) die Bilder meist zum Rauschen neigen (wie auch dieses hier ...)

Infrarot-Bilder sind meist etwas flach, daher erhöhen wir den Kontrast. Unter dem Reiter Basiskurve (der Reiter-Name wird eingeblendet, sobald du die Maus ganz ruhig darüber positionierst) bringe ich eine ganz leichte S-Kurve hinein, um den Kontrast sanft zu verstärken.

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Unter Leuchtstärke und Sättigung gibt es noch einen weiteren Regler für die Intensivierung des Kontrasts. Wenn du den Regler für Sättigung leicht nach rechts ziehst, erhältst du noch intensivere Falschfarben.

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Wenn das alles erledigt ist, bestätige mit OK und öffne damit das Bild in GIMP.

 

Schritt 2: Feintuning in GIMP

Kanaltausch

In GIMP sorgen wir zunächst mithilfe des Kanalmixers für einen Austausch der Kanäle Rot und Blau – damit erhalten wir einen blauen Himmel:

Menü Farben > Komponenten > Kanalmixer
Im Ausgabekanal: Rot
Rot auf 0 und Blau auf 100 stellen.

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Danach Wechsel zum Ausgabekanal Blau.
Dort: Rot auf 100 und Blau auf 0 stellen. -> OK.


 

Farbwerte

Öffne anschließend Farben>Werte und justiere die Tonwerte. Klicke zunächst auf Automatisch; falls du ein gutes Ergebnis damit erzielt hast, bestätige mit OK. Falls nicht, klicke auf Zurücksetzen und klicke mit der Weißpipette auf einen Bereich im Bild, der reinweiß sein soll. GIMP berechnet daraufhin die restlichen Tonwerte automatisch. Ziel ist in jedem Fall, dass die Kontraste weiter erhöht werden und sowohl die Höhen als auch die Tiefen detailreich erhalten bleiben.

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Zwischenergebnis:

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Wie du deutlich erkennen kannst, sollten wir die Artefakte reduzieren. Öffne dazu Farben>Farbton/Sättigung, wähle die Primärfarbe Rot aus und reduziere die Sättigung. Wiederhole den Schritt für Magenta.

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Ebenenmodus

Abschließend sorgen wir mit einem Trick dafür, dass das Bildrauschen reduziert wird und die Kontraste weiter verstärkt werden. Dadurch kommen auch die hellen resp. weißen Blätter noch intensiver zur Geltung:

Dupliziere dazu die Hintergrund-Ebene (Shift+Strg+D) und stelle im Ebenen-Dialog den Ebenenmodus von Normal auf Multiplizieren. Das Bild wird wesentlich dunkler. Reduziere soweit die Deckkraft dieser Ebene, bis das Ergebnis für dich passt.


Schärfen

Wie gewohnt, schärfen wir zum Abschluss. Ich bin ein Fan von Wavelet-Sharpening und verwende bevorzugt dieses Plug-in. Du musst es jedoch gesondert installieren (siehe registry.gimp.org). Doch auch mit Filter>Verbessern>Unscharf maskieren erzielst du gute Ergebnisse. Verwende zum Beispiel diese Einstellungen:

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Das Ergebnis

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PS: Bei dieser Aufnahme habe ich mit 1600 ISO fotografiert, weil ich hier kein Stativ dabeihatte und wie oben erwähnt der IR-Filter sehr dunkel ist und daher keine optimalen Lichtverhältnisse vorherrschten. Daher neigt das Foto leider etwas zu Bildrauschen, und um dieses zu kaschieren, habe ich kurzerhand das Bild verkleinert! :)


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Kommentare
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Portrait von hannes61
  • 24.02.2011 - 09:48

Schade, dass meine Kamera dies nicht ermöglicht.

Portrait von Schnuckemaus
  • 20.12.2010 - 10:53

Man lernt immer wieder dazu werde es mal ausprobieren

Portrait von RASPUTIN200
  • 05.12.2010 - 17:17

Schöne Aufnahmen,
vor allem Aaber ein Klasse Tutorial.
Vielleicht baue ich meine Olympus doch noch um.

Portrait von fpab
  • 03.12.2010 - 07:12

Achso, Ich selber arbeite seit Jahren mit einer selber umgebauten G3 und EOS 350D.
Wer interesse an Filtervergleichen hat, kann dies auf meiner Homepage unter folgenden Links gerne machen:
http://www.tnpix.de/Info_filter_vergleich_1.html und http://www.tnpix.de/Info_filter_vergleich_2.html. Viel Spaß und LG Thomas Nagel

Portrait von fpab
  • 03.12.2010 - 07:11

Die Arbeitsweise ist ähnlich wie in Photoshop. Also, alle die mit Photoshop arbeiten finden die hier beschriebenen Einstellmöglichkeiten auch wieder. Beim Kanalmixer sollte man möglichst darauf achten, dass die Summe bei 100% liegt. je nach Geschmack und Wirkung die man erzielen möchte, kann der wert aber auch gering über/unterschritten werden. Um die "Blauwirkung" zu unterstützen kann man auch mal mit dem Grünkanal spielen, z.B. R=-20, G=+55, B=+65 Je nach Aufnahme kann der Wert variieren. So kann man in allen Kanälen mit den Werten spielen (aber immer um die 100% bleiben!)
LG Thomas Nagel

Portrait von Sundance_2
  • 02.12.2010 - 14:51

also ich bearbeite meine IR Bilder ausschließlich über den Kanalmixer. Bei der Raw-Entwicklung wird bereits vorgeschärft, so dass nach der Umwandlung nur noch entrauscht wird, fertig. Dann noch eine leichte Tonwert Korrektur und die Bildgröße . Die Aufnahmen werden mit einer umgebauten EOS D5 gemacht. Bei Filtern gibt es immer in der Mitte eine Unschärfe. Dies könnte hier aber auch ein Hot-Spot sein.

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