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Tutorialbeschreibung

Teil 01 - Stimmungsaufnahmen in der Dämmerung

Teil 01 - Stimmungsaufnahmen in der Dämmerung

Fotografieren bedeutet so viel wie „Lichtbildnerei“, also das Erstellen von Bildern mithilfe von Licht. Das ist allgemein bekannt, daher verschwinden viele Kameras in dem Moment in ihren Taschen, wenn das Licht an Ende eines Tages an Intensität verliert und die Dämmerung hereinbricht. Dabei wird übersehen, dass gute Fotos auch bei geringer Beleuchtungsstärke entstehen können, denn jede Kamera kann durch entsprechend lange Belichtungszeiten das vorhandene Licht so lange wie nötig aufsummieren, um ein korrekt belichtetes Foto entstehen zu lassen. Das können im Einzelfall mehrere Sekunden oder gar Minuten sein. In dieser Beziehung ist eine Kamera also unseren Augen weit überlegen, daher lohnt sich die Motivjagd auch dann noch, wenn wir selbst aufgrund der Dunkelheit nicht mehr viel wahrnehmen können.

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Mond (rechts unten) und Venus (links oben). Belichtet wurde 3 Sekunden lang mit einem 60-mm-Objektiv, Blende 1:5,6 bei ISO 200:

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1. Stimmungsaufnahmen in der Dämmerung

Fotografieren bedeutet so viel wie „Lichtbildnerei“, also das Erstellen von Bildern mithilfe von Licht. Das ist allgemein bekannt; daher verschwinden viele Kameras in dem Moment in ihren Taschen, wenn das Licht an Ende eines Tages an Intensität verliert und die Dämmerung hereinbricht.

Dabei wird übersehen, dass gute Fotos auch bei geringer Beleuchtungsstärke entstehen können, denn jede Kamera kann durch entsprechend lange Belichtungszeiten das vorhandene Licht aufsummieren, so lange wie nötig, um ein korrekt belichtetes Foto entstehen zu lassen.
 
 
Das können im Einzelfall mehrere Sekunden oder gar Minuten sein. In dieser Beziehung ist eine Kamera also unseren Augen weit überlegen, daher lohnt sich die Motivjagd auch dann noch, wenn wir selbst aufgrund der Dunkelheit nicht mehr viel wahrnehmen können.

Erschwerend hinzu kommt eine Eigenart unserer Augen, bei geringer Helligkeit nur noch Grautöne, jedoch keine Farben mehr zu sehen. Der Grund dafür ist, dass die Augen bei Dunkelheit auf das „skotopische Sehen“ (Nachtsehen) umschalten und dafür einen zweiten Sehapparat verwenden, nämlich stäbchenförmige Sehzellen anstelle der Zapfenzellen bei Tag.

Die Stäbchen können tatsächlich nur Helligkeitswerte unterscheiden, was in der volkstümlichen Weisheit „Nachts sind alle Katzen grau“ einen Niederschlag gefunden hat. Gleichzeitig verlieren wir bei Dunkelheit die Fähigkeit, mit hoher Auflösung, also scharf zu sehen.
 
 
Simulation des skotopischen Sehens: oben bei Tageslicht, unten bei fortgeschrittener Dämmerung. Die Farben und die Bildschärfe gehen für das menschliche Auge verloren.

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Von diesen Einschränkungen ist eine Kamera nicht betroffen. Sie kann auch lange nach Sonnenuntergang, wenn das Lesen einer Zeitung im Freien ohne zusätzliches Licht schon längst unmöglich geworden ist, noch scharfe und farbige Fotos produzieren.

Das heißt, dass Abstraktionsvermögen, Intuition und etwas Erfahrung nötig sind, um Motive bei Dunkelheit zu finden, denn wir sehen sie nicht so, wie sie auf dem späteren Foto aussehen mögen. Gleichzeitig gilt es, technische Herausforderungen zu meistern, denn bei Dunkelheit bereitet die Bedienung mancher Kameras Probleme; sei es die schlechte Lesbarkeit von Bedienungselementen oder sei es das Versagen von Funktionen, etwa dem Autofokus oder der Belichtungsmessung.

Diese Schwierigkeiten sollten uns nicht davon abhalten, bei schwachem Licht oder gar bei fortgeschrittener Dunkelheit zu fotografieren, denn der Lohn für die Mühen können recht außergewöhnliche Ergebnisse sein.
 
 
Simulation des visuellen Eindrucks (oben). Im Gegensatz dazu nimmt die Kamera Farben wahr und lässt ein Motiv bei entsprechender Belichtung heller erscheinen.

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In dieser Tutorialreihe geht es um „Astro- und Himmelsfotografie“, also einen Motivbereich, der in aller Regel dann von Interesse wird, wenn die Sonne nicht über dem Horizont steht. Dann dienen der Mond, die Sterne, die Planeten, die Milchstraße und andere Objekte im Universum und Phänomene in der Erdatmosphäre als Hauptmotiv oder zumindest als Kulisse.

Nicht zwangsläufig ist kostspieliges Spezialequipment nötig, beispielsweise ein Fernrohr und eine astronomische Montierung, um eindrucksvolle Fotos von Himmelsobjekten zu machen. Ganz im Gegenteil: Dank den Fähigkeiten von modernen digitalen Spiegelreflexkameras reichen Fotoobjektive in vielen Situationen aus, um höchst sehenswerte Fotos zu schießen.

Freilich, ganz ohne Zubehör geht es nicht. Notwendig, aber in vielen Ausrüstungen bereits vorhanden, sind:

• stabiles Stativ
Es dient dazu, Verwacklungen bei langen Belichtungszeiten zu vermeiden. Es sollte stabil genug sein, um eine Kamera auch mit einem schweren Teleobjektiv sicher zu tragen und auch einem Windstoß zu trotzen. Nichts ist ärgerlicher als ein Stativ, das letztlich seinem Zweck nicht gerecht wird. Sehr praktisch sind Stativköpfe, bei denen eine Umstellung von Quer- auf Hochformat bequem und schnell vonstatten geht.

• Kabelauslöser
Er wird in Verbindung mit dem Stativ eingesetzt, um die Kamera auszulösen, ohne sie berühren zu müssen. Einerseits würde eine direkte Betätigung des Auslösers die Gefahr einer Verwacklung mit sich bringen, andererseits muss bei Langzeitbelichtungen der Auslöser für die Dauer der Belichtung gedrückt bleiben, was mit einem Kabelauslöser viel komfortabler möglich ist. Manche Kabelauslöser sind mit weiteren Steuerungsfunktionen ausgestattet, etwa einem programmierbaren Intervall für Serienaufnahmen oder der Möglichkeit, die Belichtungszeit bei Langzeitaufnahmen vorzugeben. Manche dieser Zusatzfunktionen sind für die Astro- und Himmelsfotografie durchaus von Interesse.
 
 
Zwei Kabelauslöser: Der obere ist ein einfaches Modell, mit dem die Kamera nur ausgelöst werden kann, wobei eine Feststellfunktion für Langzeit-Belichtungen vorhanden ist. Das untere Modell erlaubt programmierbare Intervallaufnahmen und Langzeitbelichtungen mit voreinstellbarer Belichtungszeit.

Wichtig ist, dass der Anschluss des Kabelauslösers zu Ihrer Kamera passt, denn die Anschlussbuchsen sind nicht genormt.

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Hilfreich können außerdem sein:
• Lichtstarkes Objektiv mit fester Brennweite
Für Fotos in der Dämmerung, bei denen sowohl irdische Objekte als auch Himmelsobjekte erfasst werden, muss sich die Belichtungszeit in Grenzen halten, um zu vermeiden, dass die scheinbare Drehung des Himmels, verursacht durch die Rotation der Erde, nicht zur unscharfen Abbildung der Himmelsobjekte führt. In der Regel sind festbrennweitige Objektive lichtstärker als Zoom-Objektive, sodass das Ziel mit Objektiven fester Brennweite leichter zu erreichen ist. Außerdem zeigen Festbrennweiten in aller Regel eine bessere Abbildungsqualität.

• Störlichtblende
Sie wird auch Streulichtblende, Sonnenblende oder Gegenlichtblende genannt und sollte immer und grundsätzlich verwendet werden. Sie schützt nicht nur vor seitlichem Lichteinfall (etwa von einer Straßenlampe), sondern auch vor mechanischer Beschädigung und Taubeschlag der Frontlinse. Für jedes Objektiv wird eine dazu passende, individuell geformte Störlichtblende angeboten.


• Weichzeichner-Filter
verhindern, dass Sterne und Planeten als zu kleiner Punkt abgebildet werden und damit auf dem Foto kaum sichtbar sind. Sie führen nicht nur zu einer größeren Abbildung der hellen Sterne und Planeten, sondern machen auch deren Eigenfarbe besser sichtbar und erhalten weitgehend den Eindruck eines visuellen Beobachters. Mehr dazu im Tutorial #3 dieser Reihe („Sternbilder fotografieren“).

• Astronomisches Jahrbuch
Der Anblick des Himmels ändert sich von Stunde zu Stunde, von Tag zu Tag und im Laufe eines Jahres kontinuierlich. Wer Himmelsobjekte wie den Mond als Bestandteil seiner Fotos einplant, sollte darüber informiert sein, wann die Himmelskörper an bestimmten Tagen auf- und untergehen, um die Aufnahmen entsprechend sorgfältig planen zu können. Besonders attraktiv sind zum Beispiel enge Begegnungen der schmalen Mondsichel mit einem oder gar mehreren hellen Planeten. Ein astronomisches Jahrbuch liefert zuverlässige Daten, nämlich an welchem Tag eine solche Konstellation zu sehen sein wird. Schon klassisch zu nennen ist das „Himmelsjahr“ aus dem Kosmos-Verlag, das in jedem Jahr neu erscheint. Ergänzt werden kann ein astronomisches Jahrbuch von einer Planetariums-Software, die den Anblick des Himmels für einen beliebigen Ort zu einer beliebigen Zeit errechnen und darstellen kann. Ohne Kosten ist das Programm „Cartes du Ciel“ zu haben, das als Freeware unter http://www.stargazing.net/astropc/ zum Download angeboten wird. Selbst online stehen wichtige Informationen parat, zum Beispiel auf der Webseite http://www.calsky.de, auf der Sie nur Ihren Beobachtungsort eintragen müssen, um einen personalisierten Himmelskalender zu erstellen. Der Vorteil eines gedruckten Buches ist aber, dass Sie es bei Ihren Aufnahmen immer dabei haben können.

• Taschenlampe
Sie hat zwei Funktionen. Einerseits ermöglicht sie das Einstellen von Kamerafunktionen im Dunkeln oder das Auffinden eines Objektivdeckels, der nachts ins Gras gefallen ist. Andererseits kann eine Taschenlampe während einer Langzeitbelichtung dazu verwendet werden, Vordergrundobjekte wie Bäume und Gebäude anzustrahlen. Sie zeigen dann Strukturen, während diese ohne den Einsatz der Taschenlampe vielleicht nur als tiefschwarze Silhouette abgebildet werden.

• Stoppuhr
Eine Stoppuhr wird benötigt, wenn der Kabelauslöser keine programmierbaren Langzeitbelichtungen zulässt und die Belichtung über die „BULB-Funktion“ der Kamera erfolgt. Dann bleibt der Verschluss der Kamera so lange geöffnet, wie der Auslöseknopf gedrückt wird. Mittels einer Stoppuhr kann die Belichtungszeit geregelt werden.
 
 
• Blitzgerät
Es ist für den Fall nützlich, dass Vordergrundobjekte aufgehellt werden sollen. Die Leistung des Blitzes ist so zu drosseln, dass der Dämmerungs- oder Nachtcharakter einer Aufnahme erhalten bleibt.

 

Vorgehensweise

1. Vorbereitung

Eine gute Planung und Vorbereitung ist bei Dämmerungsaufnahmen mit Himmelskörpern das A und O. Im einfachsten Fall kann die schmale, zunehmende Mondsichel am Abendhimmel nach Sonnenuntergang als eindrucksvolle Zutat zu einer Landschaftsaufnahme gewählt werden. Noch imposanter ist die Begegnung des Mondes mit dem Planeten Venus, der als dritthellstes Gestirn nach Sonne und Mond unübersehbar ist. Periodisch ist sie „Abendstern“, Monate später wieder „Morgenstern“. In jedem Monat gibt es einen Abend oder einen Morgen, an dem der Mond in der Nähe von Venus steht. Im astronomischen Jahrbuch heißt es dann: „Mond bei Venus“, wobei der geringste Abstand jeweils schwankt. Wer systematisch solche Aufnahmen anfertigen möchte, wird sich in die Grundlagen der Himmelskunde einarbeiten müssen.

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Ausschnitt aus dem astronomischen Jahrbuch „Das Himmelsjahr 2008“, Kosmos Verlag, ISBN 978-3440110218). Eine Begegnung der Mondsichel mit den Planeten Venus und Saturn wird angekündigt.


Nehmen wir an, die Venus ist gerade Abendstern und bekommt „Besuch“ vom Mond an einem bestimmten Tag, der im astronomischen Jahrbuch vermerkt ist. Dann ist es eine gute Idee, schon einen Abend vorher nach einem geeigneten Standort Ausschau zu halten, von dem aus dem nicht nur das Rendezvous der beiden Himmelskörper zu sehen ist, sondern auch ein interessanter Vordergrund zu einer gelungenen Bildkomposition führt. Ob das ein besonders eindrucksvoller Baum, ein historisches Gebäude oder eine sehenswerte Landschaft ist, bleibt natürlich Ihnen überlassen.

Wenden Sie nach Sonnenuntergang Ihren Blick nach Westen, wo die Sonne untergegangen ist, und orientieren Sie sich an der hellen Venus, die wie ein heller Stern aussieht. Vielleicht sehen Sie auch schon die Mondsichel, allerdings noch ein gutes Stück von Venus entfernt, denn er wird ja erst am Folgetag in Venusnähe vorrücken. Die Venus wird einen Tag später zur gleichen Uhrzeit praktisch an der gleichen Stelle stehen, sodass Sie Probeaufnahmen anfertigen können, um eine geeignete Brennweite zu finden.

Am Tag des bevorstehenden Himmelsereignisses „Mond bei Venus“ bereiten Sie dann Ihren Fotoausflug vor: Laden Sie den Akku der Kamera voll auf und nehmen Sie, falls vorhanden, auch den oder die Reserveakku(s) mit. Langzeitbelichtungen können den Strombedarf der Kamera ziemlich in die Höhe treiben. Achten Sie auch auf eine Speicherkarte mit ausreichend Kapazität. Vergessen Sie nicht, Stativ und Kabelauslöser sowie das restliche Zubehör einzupacken.


2. Grundeinstellungen vornehmen

Begeben Sie sich rechtzeitig an den von Ihnen gewählten Aufnahmeort, am besten noch vor Sonnenuntergang, dann können Sie Ihre Ausrüstung bei Tageslicht aufbauen, ohne dass Sie unter Zeitdruck geraten.

Eine Schwierigkeit besteht darin, den besten Fokus auf „Unendlich“ zu finden, weil sich die meisten Autofokusobjektive über die Unendlich-Marke hinaus fokussieren lassen. Solange es noch hell ist, können Sie einen weit entfernten Horizont verwenden und den Autofokus verwenden. Ist es erst einmal dunkel, können Sie es mit dem Mond versuchen, keinesfalls jedoch mit sternförmigen Objekten, denn damit kommt der Autofokus in vielen Fällen nicht klar. Nach erfolgter Fokussierung stellen Sie das Objektiv um auf manuellen Fokus, also von „AF“ auf „MF“, um zu verhindern, dass die Kamera nach jedem Foto wieder die Schärfe einstellen möchte. Wohl dem, der eine Spiegelreflexkamera mit „Live-View“ hat, bei dem das Bild auf dem Kameradisplay dargestellt wird.
 
 
Dann benutzen Sie die höchste Vergrößerungsstufe des Displays, um den besten Fokus manuell einzustellen.

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Fokussierung auf einen hellen Stern mit der „Live-View“-Funktion einer Canon EOS 20Da. Im oberen Bild ist der Stern noch unscharf, im unteren scharf gestellt.

 
 
Folgende Kameraeinstellungen sind zu empfehlen:

Dateiformat
Nehmen Sie Bilder dieser Art bitte immer im RAW-Format auf. Schließlich geht es darum, Motive mit einem zum Teil enormen Kontrastumfang (Dynamik) zu erfassen, und um die Reserven bei der anschließenden Bildverarbeitung. Eine Datei im RAW-Format enthält wesentlich mehr Daten als ein Foto im JPG-Format. Sollte Ihnen die Weiterverarbeitung der RAW-Dateien noch nicht geläufig sein, dann stellen Sie Ihre Kamera so ein, dass sie RAW- und JPG-Dateien gleichzeitig abspeichert. Dann können Sie sich mit den RAWs zu einem späteren Zeitpunkt beschäftigen. Ich selbst speichere neben den RAWs immer noch JPGs in der niedrigsten Qualität, das erleichtert mir später am PC die Selektion der besten Aufnahmen, weil sich JPGs besser in der Vorschau darstellen und schneller öffnen lassen.

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Einstellung der Bildqualität bei einer Canon EOS 450D: Gewählt ist hier das RAW-Format, während das Foto gleichzeitig auch im JPG-Format gespeichert wird.

 
 
ISO-Wert
Beginnen Sie Ihre Aufnahmeserie mit ISO 100, also der niedrigsten Stufe, um das Bildrauschen auf möglichst geringem Niveau zu halten.

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Einstellung des ISO-Wertes bei einer Canon EOS 450D.

 
 
Weißabgleich
Ein Dämmerungshimmel kann eine ausgeprägte Eigenfarbe haben, der dem automatischen Weißabgleich der Kamera Probleme bereitet. Daher ist eine Einstellung auf „Tageslicht“ (Symbol: „Sonne“) die beste Wahl.

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Einstellung des Weißabgleichs bei einer Canon EOS 450D auf Tageslicht (5200 Kelvin).

 
 
Rauschreduzierung
Verfügt Ihre Kamera über die Einstellung „Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtungen“, sollte diese eingeschaltet werden. Seien Sie dann aber darauf vorbereitet, dass die Kamera nach jeder Aufnahme mit längerer Belichtungszeit (ab einer Sekunde) ein Dunkelbild mit der gleichen „Belichtungszeit“ anfertigt und während dieser Zeit keine weitere Aufnahme möglich ist. Das bedeutet, dass beispielsweise nach einer 5-sekündigen Belichtung die Kamera für weitere 5 Sekunden blockiert ist. Mit der Einstellung „High ISO Rauschreduzierung“ (neuere Canon EOS-Modelle) habe ich hingegen keine guten Erfahrungen gemacht und lasse sie daher stets ausgeschaltet.

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Einstellung der Rauschreduzierung bei Langzeitbelichtungen bei einer Canon EOS 450D. Wählen Sie die Einstellung „Ein“ und nicht „Automatisch“.

 
 
Belichtungsprogramm
Starten Sie in der noch hellen Dämmerung mit der Zeitautomatik (Einstellung „A“ oder „Av“), bei der Sie die Blende vorwählen können, während die Kamera durch Belichtungsmessung die dazu passende Belichtungszeit ermittelt und steuert.

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Einstellung der Zeitautomatik (Av, Blenden-Priorität) am Einstellrad einer Canon EOS 450D.

 
 
Messmethode
Die Mehrfeldmessung liefert in aller Regel gute Ergebnisse.

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Wahl der Mehrfeldmessung als Belichtungs-Messmethode bei einer Canon EOS 450D.


Blende
Bei der Blendenvorwahl entscheiden Sie sich anfangs noch nicht für eine voll geöffnete Blende (kleinster Blendenwert), sondern blenden das Objektiv um eine oder besser zwei Stufen ab, was der Abbildungsqualität zugute kommt.

 

3. Aufnahmen machen

Jetzt beobachten Sie das Geschehen nach Sonnenuntergang und starten die ersten Aufnahmen, sobald die abzulichtenden Himmelsobjekte für das bloße Auge sichtbar werden. Bei der Belichtung können Sie, so lange es noch einigermaßen hell ist, den Werten der Belichtungsautomatik vertrauen.
 
 
Dennoch lohnen Belichtungsreihen, bei denen mithilfe der manuellen Belichtungskorrektur absichtlich eine Unterbelichtung (Einstellung auf Werte „-2“ und „-1“) oder Überbelichtung (Werte „+1“ und „+2“) herbeigeführt wird.

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Beispiel Canon EOS 450D: Die manuelle Belichtungskorrektur wurde auf „-2“ gestellt, was eine absichtliche Unterbelichtung um zwei Stufen gegenüber dem Automatikwert bedeutet.


Mit zunehmender Dunkelheit kann der Fall eintreten, dass selbst eine manuelle Belichtungskorrektur von plus/minus zwei Stufen nicht ausreicht, um eine optimale Belichtung sicherzustellen.
 
 
Dann muss die Kamera in den manuellen Modus („M“) geschaltet werden, bei der die Blende und Belichtungszeit frei gewählt werden können.

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Manuelle Belichtungseinstellung („M“) einer Canon EOS 450D.


Machen Sie auf jeden Fall wiederholt Aufnahmen, denn die fortschreitende Dämmerung bietet ein stets wechselndes Verhältnis zwischen der Himmelshelligkeit auf der einen und dem Restlicht für die Beleuchtung des Vordergrundes auf der anderen Seite. Es gilt, den Zeitpunkt zu erwischen, bei dem die Helligkeit beider Anteile in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander steht, sodass mit einer Aufnahme sowohl der Himmel als auch der Vordergrund korrekt belichtet werden können. Das Zeitfenster für diesen optimalen Status beträgt manchmal nur zehn Minuten, die Sie nicht versäumen sollten.

Am besten wirken die Fotos, wenn der Himmel noch eine Resthelligkeit aufweist und dann sogar bläulich erscheint. Rechnen Sie gegebenenfalls auch damit, dass historische Gebäude oder eine Kirche zu einem bestimmten Zeitpunkt beleuchtet, also angestrahlt werden. Das kann problematisch werden, wenn diese Beleuchtung so hell ist, dass sich eine Überbelichtung kaum vermeiden lässt, wenn man gleichzeitig astronomische Objekte abbilden will. Manchmal jedoch kann dieses Zusatzlicht aber auch den Reiz einer Aufnahme ausmachen.

Liegen Vordergrundobjekte in Reichweite einer Taschenlampe oder eines Blitzgerätes, können diese während der Belichtung angeleuchtet werden, um zu verhindern, dass sie zu dunkel oder nur als Silhouette auf dem Foto erscheinen.

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Das linke Bild entstand ohne Zusatzbeleuchtung, bei dem rechten Beispiel wurde die Kirchenfassade während der Belichtungszeit mit einem Blitzgerät aufgehellt.


Die zunehmende Dunkelheit wird immer längere Belichtungszeiten erfordern. Dann steigt die Gefahr, dass durch die Erdrotation die Himmelsobjekte unscharf, Sterne als kleine Striche abgebildet werden.
 
 
Um das zu vermeiden, achten Sie bitte darauf, die folgenden Belichtungszeiten nicht zu überschreiten:

 
Brennweite [mm] Belichtungszeit [s]

10

14

15

9

20

7

24

6

28

5

35

4

50

3

85

2

100

1

Tabelle 1: Diese Tabelle liefert einen Anhaltswert für die maximal zulässige Belichtungszeit, mit der Sterne noch als Punkte und nicht als Striche abgebildet werden. Die Berechnung ist im Grunde ziemlich kompliziert: In sie fließen nämlich nicht nur die verwendete Brennweite, sondern auch die Pixelgröße des Aufnahmechips und die fotografierte Himmelsregion ein. Um die Sache zu vereinfachen, enthält die Tabelle den ungünstigsten Fall, d.h. sie wurde unter der Annahme erstellt, dass die Pixelgröße nur 0,01 mm (10 µm) beträgt, eine Region des Himmels aufgenommen wird, in der die Himmelsdrehung am schnellsten ist und der Stern sich um einen Betrag unterhalb von zwei Pixeln weiterbewegt. In der Praxis können diese Werte oft verdoppelt oder gar verdreifacht werden, ohne dass eine strichförmige Abbildung von Sternen zu bemerken ist. Tatsache bleibt aber, dass zum Beispiel mit einem 100-Millimeter-Objektiv bereits nach wenigen Sekunden Belichtungszeit bei kritischer Betrachtung Sternstriche entstehen.

 
 
Kommen Sie an die Grenze der maximal zulässigen Belichtungszeit, muss der ISO-Wert gesteigert und die Blende bis zu ihrem Maximalwert geöffnet werden. Das durch höhere ISO-Werte ansteigende Bildrauschen und die durch die Offenblende verursachte Beeinträchtigung der allgemeinen Abbildungsqualität sind in jedem Fall einer strichförmigen Sternabbildung vorzuziehen.

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Dieser Bildausschnitt zeigt leicht strichförmige Sterne, obwohl ein leichtes Weitwinkel-Objektiv verwendet wurde. Grund ist die zu lange Belichtungszeit von 60 Sekunden.


Durch die hereinbrechende Nacht fallen auch die Außentemperaturen. Je nach verwendetem Objektiv kann das zu einer Verlagerung des Fokus führen. Daher ist es ratsam, von Zeit zu Zeit den bestmöglichen Schärfepunkt zu kontrollieren.

 
 

4. Bildverarbeitung

Dämmerungsaufnahmen erfordern in der Regel keine spezielle Vorgehensweise und können mit dem gleichen Workflow verarbeitet werden, wie Sie es auch von normalen Tageslichtaufnahmen gewohnt sind. Bei der „Entwicklung“ von RAW-Dateien können Sie eine leichte Entrauschung vornehmen. Auf eine Nachschärfung hingegen verzichte ich gerne, denn dadurch erhalten die Sterne oft ein unnatürliches Aussehen.

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Dieser Ausschnitt aus dem „Adobe Camera RAW“-Modul, mit dem sich in „Photoshop“ und „Photoshop Elements“ RAW-Dateien von Digitalkameras „entwickeln“ lassen, weist auf zwei Positionen hin: Das Ausschalten einer Nachschärfung (roter Pfeil oben) und die Verwendung einer Rauschreduzierung (roter Pfeil unten). Die beste Einstellung der Rauschreduzierungs-Regler variiert je nach verwendeter Kamera und deren Einstellungen. Am besten schaltet man die „Vorschau“ ein und vergrößert einen relevanten Ausschnitt des Bildes auf 100 Prozent.

 
 

5. Beispielaufnahmen


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Die helle Venus (unübersehbar in den Ästen des Baumes) zieht an dem Sternhaufen der Plejaden („Siebengestirn“, rechts oberhalb der Venus) vorbei. Eine solche Konstellation ist mehrere Abende hintereinander sehenswert, denn Venus bewegt sich gegenüber den Sternen nur langsam. Verwendet wurde ein lichtstarkes 85-mm-Objektiv bei Blende 1:1,8, ISO 1000. Belichtet wurde drei Sekunden lang.

 
 
Sternenhimmel über dem Schloss „Solitude“ bei Stuttgart. Die Beleuchtung des Schlosses bei Nacht machte dieses Bild erst möglich. Die Brennweite betrug 20mm. Belichtet wurde 10 Sekunden lang bei Blende 1:3,5 und ISO 800.

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Das Sternbild Orion und der hellste Fixstern Sirius wurde mit einem 35mm-Weitwinkel-Objektiv aufgenommen. 10 Sekunden belichtet bei ISO 1000 und Blende 1:2,0:

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Auch für dieses Foto kam ein 35-mm-Objektiv zum Einsatz. Die Blende war auf 1:2,8 eingestellt, der ISO-Wert auf 1000 und die Belichtungszeit betrug 10 Sekunden.

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Am Horizont geht die schmale Mondsichel auf, bei den beiden anderen Himmelskörpern handelt es sich nicht um Sterne, sondern um die Planeten Venus (links) und Jupiter. 135-mm-Objektiv, Blende 1:2,8, ISO 400, 3 Sekunden Belichtungszeit.

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Links oben ist die helle Venus zu sehen, während der Mond in unmittelbarer Nähe des Sternhaufens „Plejaden“ steht. 200mm Brennweite, ISO 800, 2 Sekunden Belichtungszeit bei Blende 1:3,5.

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Auf diesem Bild ist die schmale Mondsichel und – sehr horizontnah – der schwer zu beobachtende Planet Merkur zu erkennen. Mit 420mm Brennweite betrug die Belichtungszeit bei ISO 800 und Blende 1:5,6 nur eine Sekunde. Lang genug, um das „aschgraue Licht“ des Mondes, also dessen dunkle Seite zu zeigen. Ursache des aschgrauen Lichtes ist von der Erde auf den Mond zurückreflektiertes Sonnenlicht.

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Hinweis in eigener Sache: Alle verwendeten Bildbeispiele sind keine Fotomontagen, sondern sind das Ergebnis einer einzigen Belichtung.

Weiter geht es mit Teil 2: „Strichspuraufnahmen von Sternen“
 

Kommentare
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Portrait von chris843
  • 02.04.2015 - 21:24

Sehr verständlich. Vielen Dank

Portrait von ASTRODeluxe
  • 14.03.2015 - 18:37

Tolle Anleitung!
Vielen Dank

Portrait von AustrianKiller
  • 16.03.2014 - 20:15

sehr gute Tipps und leicht verständlich. Habe viel daraus gelernt!!

Portrait von Gonzo58
  • 02.03.2014 - 17:09

Klasse Tutorial,
die dabei gezeigten Grundlagen lassen nichts zu wünschen übrig!

Portrait von Figib
  • 23.12.2013 - 11:06

Tolles Tutorial! Vielen Dank für die Tipps!

Portrait von Gladiole
  • 20.10.2013 - 08:17

Wieder ein neues Gebiet mit viel Arbeit entdeckt, vielen Dank.

Portrait von Kieara
  • 11.09.2013 - 20:50

das ist ein super tutorial! sehr interressant und ich werde es auf jedenfall ausprobieren!
nur eine Frage habe ich. geht das auch mit einer Kompaktkamera?

Portrait von stefan_seip
  • 11.09.2013 - 23:13

@Kieara: Stark eingeschränkt, da Kompaktkameras i.d.R. sehr kleine Sensoren haben.

Portrait von iSnacky
  • 24.08.2013 - 13:37

Schön verständlich, einfach und ausführlich erklärt.
Werde es natürlich mal ausprobieren

Portrait von ehrenberg
  • 13.08.2013 - 12:16

tolles Tutorial, eine mehr als brauchbare Schritt für Schritt Anleitung, habs ausprobiert und hat auf Anhieb alles funktioniert - danke

Portrait von crm
crm
  • 16.01.2013 - 05:00

Gutes und informtives Tutorial für den einstieg, Danke!

Portrait von crm
crm
  • 16.01.2013 - 04:57

Sehr gutes und verständliches Tutorial für den Einstieg. Danke!

Portrait von stefan_seip
  • 14.12.2012 - 15:02

@IngmarMkIII: Danke für den Link. Sehr interessant. Werde untersuchen, ob das auch für Photos gilt oder nur bei Videos auftritt. Grüße Stefan

Portrait von IngmarMkIII
  • 12.12.2012 - 11:19

Tolles Tutorial, tolle Tips und tolle Bilder!
Eine Anmerkung zur ISO-Einstellung - Ich bin Kameramann und wir arbeiten bei Canon-DSLR's nur mit ISO-Werten von 160, 320, 640, 1250 und bei der MKIII dann noch bis max. 6400.
Bei ISO 160 rauscht das Bild erheblich weniger als bei ISO 100
Hier ein entsprechender Link: http://wiegaertnerfilms.com/tutorials/the-best-iso-settings-for-canon-video-dslrs/

Danke!

Portrait von Caisn
  • 08.10.2012 - 15:28

Gefällt mir sehr. Schön gemacht!

Portrait von Caisn
  • 08.10.2012 - 15:28

Gefällt mir sehr. Schön gemacht!

Portrait von simonkch
  • 24.07.2012 - 14:55

Vielen Dank. Auch als bereits fortgeschrittener Astrofotograf noch interessant zum lesen. Sehr schöne Beispielbilder.

Portrait von oionline
  • 29.04.2012 - 22:23

Sehr gut erklärt. Dankeschön!

Portrait von Pady_88
  • 10.02.2012 - 13:09

kann mir jemand sagen ob es mit einem anderen ojektiv noch besser wird hab jetzt bei einer Canon 5D mark 2 ein 70 mm drauf
?

Portrait von stefan_seip
  • 10.02.2012 - 13:14

"kann mir jemand sagen ob es mit einem anderen ojektiv noch besser wird" ... Besser als was?

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teststefan