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Tutorialbeschreibung

Teil 09: Mut für Experimente zeigen

Teil 09: Mut für Experimente zeigen

Die Fotografie ist nicht dazu verpflichtet, gegenständlich abzubilden (links). Durch die bewegte Kamera entstand von gleichen Motiv ein „Gemälde“ (rechts). „Fotografie“ bedeutet so viel wie „mit Licht malen“, was man durchaus auch wörtlich nehmen darf.

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BITTE NICHT

In klassischen Denkmustern verharren

Wenn es um das Thema Fotografieren geht, wird dann und wann ein Zitat von Karl Valentin verballhornt:

„Alles ist schon mal fotografiert worden. Aber noch nicht von jedem.“

Lässt man diese Worte auf sich wirken, kann Frustration die Folge sein. Immerhin erfahren wir eine bittere Wahrheit: Tatsächlich gibt es kein Motiv, das nicht schon auf Fotos verewigt worden wäre. Der Zusatz „Aber noch nicht von jedem“ suggeriert, dass unsere Motivation zu fotografieren daraus bestehen könnte oder gar müsste, die allseits bekannten Motive mit den eigenen Händen und der eigenen Kamera ebenfalls abzulichten.

Geschieht das in der vertrauten Art und Weise, entstehen zwar keine originellen und einzigartigen Resultate, doch immerhin selbst fotografierte. Doch worin sollte dabei der Reiz liegen? Ist die Erkenntnis, dass alle Fotos bereits gemacht sind, nicht ein Grund, die Fotografie an den Nagel zu hängen und sich eine andere Beschäftigung zu suchen?

Die eindeutige Antwort darauf lautet: Nein! Denn ein wichtiges Detail ist im genannten Zitat nicht enthalten, nämlich die Frage nach dem „Wie“. Daher möchte ich das Zitat nochmals abwandeln und es so formulieren:

Alles ist schon mal fotografiert worden. Aber noch nicht auf jede denkbare Art.

Auch daraus sind bitte nicht die falschen Lehren zu ziehen. Freilich stimmt es, dass alle Fotografen, auch die besten, Vorbilder hatten und haben, an denen sie sich orientieren. Die sie vielleicht zu Beginn auch zu kopieren versucht haben. Daher ist es legitim, eine gewisse Art von Fotos, für die man sich besonders begeistern kann, in den Mittelpunkt des eigenen Schaffens zu stellen, ohne dabei einzelne Fotos im Detail zu kopieren.

Falsch wäre vor allem die Feststellung, man müsse nur etwas machen, was noch nie da war, was verrückt genug ist, um sich von der Masse abzuheben, wobei die Ästhetik in den Hintergrund treten dürfe. Manche beschreiten diesen Weg und suchen ihr Heil im Trivialen, im Schockierenden, im Ekelerregenden oder Animalischen. Mich persönlich sprechen solche Arbeiten eher weniger an, in Einzelfällen wende ich mich angewidert ab.

Möglicherweise befindet sich jeder Fotograf irgendwann in seiner Karriere einmal an jenem Punkt, der einer Zwickmühle gleicht: Einerseits möchte man die klassische Knipserei hinter sich lassen, also die Produktion möglichst scharfer und richtig belichteter Erinnerungsbilder. Andererseits fehlt die Idee, wo der Weg hinführen soll.

Natürlich kann man sich auf- und daranmachen, die ewiglich gleichen Motive der Siegerfotos von Wettbewerben, dem Stolz von Fotoclubs und Foto-Webportalen vor die Linse zu bekommen: Das Mohnblumen-Makro, den Eisvogel, die Wüsten-Landschaft, der schwarz-weiße Akt, Porträts von alten Männern, alten Frauen, jungen Mädels, den „witzigen“ Tierschnappschuss und Schatten werfende Brückengeländer. Tatsächlich mag das eine gute Idee sein, wenn der Gewinn von Wettbewerben und anerkennende Kommentare unter den Fotos, die sich meist auf ein „Gut gesehen!“ beschränken, deine Ziele sind.

Letztlich bedeutet aber auch dieser Schritt nur den Austausch von starren Denkmustern, die in den Köpfen der meisten Fotografen wie einzementiert zu sein scheinen. Wie es dazu kommt, ist keine leichte Frage, denn immerhin unterscheiden sich alle Menschen bezüglich ihrer Interessen und Vorlieben, optischen Wahrnehmung, Vorbildung, Persönlichkeit, Sozialisation und ihres fotografischen Werdegangs erheblich voneinander, trachten aber im Zweifelsfall nach fast gleichen Fotomotiven.

Fragt man unterschiedliche Menschen nach ihren Erinnerungen an eine gemeinsame Reise, erhält man höchst subjektive Antworten, die voneinander unterschiedlicher kaum sein könnten. Der eine schwärmt vom guten Essen, der andere von der netten Gesellschaft, der nächste von den schönen Farben der Landschaft und einem weiteren ist die ungewohnte Architektur am Reiseziel aufgefallen. Warum nur knipsen diese unterschiedlichen Menschen (mehr oder minder) die gleichen Motive auf die gleiche Weise? Wegen der zementierten Denkmuster?

Solange man darin gefangen ist, wird man stets dieselben Fotos machen, egal, mit welchem Apparat und egal mit welchem Objektiv. Der Kauf einer neuen, besseren Ausrüstung wird die Erkenntnis reifen lassen, dass es mit der Technik alleine nicht getan ist. Selbst ein neues Extrem-Objektiv – vielleicht ein Fischaugen-Objektiv – wird außer der einen oder anderen Effekthascherei keinen wirklichen Entwicklungsschub bedeuten.


BESSER MACHEN

Experimentierfreude zeigen

Wer sich aus der „Gefangenschaft der Denkmuster“ befreien will, muss aktiv und aggressiv gegen den „inneren „Schweinehund“, der Gewohnheiten und Bequemlichkeiten liebt, vorgehen. Wie das gelingt, dafür gibt es leider kein Patentrezept. Daher bleibt mir nur übrig, einen Vorschlag zu machen.

Möchte man sich fotografisch verbessern, hat man das klare Ziel, andere Fotos als bisher zu machen. Andere Fotos entstehen aber – wie gehört – nicht durch den Einsatz einer anderen Kamera, sondern dadurch, dass man etwas anders damit tut als das, was man bisher damit tat!

Und wenn wir schon beim Zitieren tiefgründiger Sprüche sind, fällt mir dazu der hier von Nossrat Peseschkian, dem Begründer der „Positiven Psychotherapie“, ein:

„Wenn du willst, was du noch nie gehabt hast, dann tue, was du noch nie getan hast.“

Jetzt wird klar, dass bessere Fotos nur gelingen können, wenn man an seinem Verhalten, an seiner Vorgehensweise etwas verändert. Mit Verhaltensänderungen tun sich Menschen aber generell nicht leicht, daher ist es zunächst wichtig, sich dessen bewusst zu sein. Bleibt nur die Frage, was genau anders gemacht werden soll.

 
Um sich einer Antwort auf diese Frage anzunähern, sollte man zunächst sein Grundverständnis der Fotografie auf den Prüfstand stellen. Es gibt zahllose verschiedene Motivationen, sich mit der Fotografie zu beschäftigen. Keine davon ist besser oder schlechter als eine andere. Dennoch gibt es auch solche, bei denen das Bild, die Fotografie, gar nicht im Mittelpunkt des Interesses steht, etwa:

• Freude an dem Umgang mit der Kameratechnik
• Spaß an der Tätigkeit des Fotografierens
• Interesse an den aktuellen Kamera- und Objektivtechnologien
• Sammeln von historischen oder auch aktuellen Fotogerätschaften
• Studium der Foto- und/oder Kamerageschichte

Diese Liste könnte man fortsetzen. Wer aufrichtig in sich hineinhorcht und sein Hauptinteresse auf dieser Liste wiederfindet, braucht sich dem Druck, endlich besser zu fotografieren, nicht auszusetzen.

Anders verhält es sich, wenn man primär des Ergebnisses wegen fotografiert. Die Liste der Varianten ist endlos, daher hier ein Auszug:

• Schaffen eigenständiger Werke jenseits des Erinnerungswerts
• Kunstvolle Darstellung von Motiven
• Jagd nach dem „entscheidenden Moment“
• Warten auf ein „magisches Licht“
• Formal-ästhetische Ansprüche wichtiger als gegenständliche Abbildung
• Fotografie als kreative Ausdrucksmöglichkeit eigener Emotionen
• Fotografie als Instrument, um Empfindungen und Träume zu visualisieren
• Fotografie begreifen als Medium mit allen Freiheiten, die auch ein Maler oder Bildhauer hat
• …

Auch diese Aufzählung ist sicherlich nicht vollständig. Wer sich darin findet oder gerne finden möchte, liest bitte weiter.

Ganz bewusst taucht in dieser Liste nicht das Wort „Kunst“, sondern nur „kunstvoll“ auf. Kunst ist ein arg strapazierter Begriff, über den immer wieder gerne kontrovers debattiert wird. Da es keine allgemeingültigen Kriterien dafür zu geben scheint, bleibt als Ausweg nur, einen großen Bogen um den Terminus „Kunst“ zu machen. Sicher scheint, dass nicht der Erschaffer eines Werks dieses zur „Kunst“ und damit sich selbst zum „Künstler“ deklarieren kann, sondern dass es „Kunden“ bedarf, die ein Werk durch ihr Interesse und ihre Kaufbereitschaft in den „Kunstmarkt“ integrieren. Darauf kann und will ich hier nicht näher eingehen, denn ich stehe diesem „Kunstmarkt“ mit ausgeprägter Skepsis gegenüber. Wichtig an dieser Stelle ist nur, dass ein Fotograf sich nicht selbst zum Künstler erklären sollte und danach eine „Künstlerfreiheit“ für sich in Anspruch nimmt, die jenseits aller Bewertungskriterien liegt. Damit tut er anderen und letztlich auch sich keinen Gefallen.

Sehr wohl nachvollziehen kann ich hingegen den Wunsch von Fotografen, kunstvolle Darstellungen zu erzielen. Der Begriff „kunstvoll“ ist in diesem Zusammenhang so zu verstehen, dass ästhetische, gestalterische, formale oder lustvolle Gesichtspunkte berücksichtigt worden sind. Ein Betrachter sollte Freude beim Anschauen des Fotos haben, dabei eine durch was auch immer ausgelöste Lust verspüren. Wenigstens der Fotograf selbst sollte diesem Anspruch an seine eigenen, besten Fotos gerecht werden.

Wer und wie viele andere Menschen diese Empfindungen teilen oder auf eine andere Art eine visuelle Befriedigung erreichen, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Streng genommen reicht es aus, wenn der kritische Fotograf selbst mit seinen Ergebnissen zufrieden ist. Doch freilich ist jenes Maß an Eitelkeit nicht abzustreiten, die wohl jedem Menschen innewohnt und dazu führt, dass auch die Anerkennung anderer von Wichtigkeit ist. Hier tut sich eine Gratwanderung auf, denn keinesfalls sollte man sich zu einem frühen Zeitpunkt am Geschmack anderer orientieren, wenn es das eigentliche Ziel ist, seinen eigenen und persönlichen fotografischen Weg zu finden.

Hilfreich dabei ist es, sich aufmerksam „schöne“ Dinge anzuschauen. Das muss keineswegs auf Fotografien beschränkt bleiben, sondern kann Gemälde, Skulpturen, Bauwerke und Industriedesign einschließen, ja sogar die Musik und die Dichtung. In vielen dieser Dinge offenbart sich eine Harmonie, ein Wohlklang, ein Rhythmus, eine Struktur von übergeordneter Instanz, die es zu erkennen gilt und die für jeden Fotografen wertvollste Anregungen liefern kann.

Vor diesem Hintergrund sollte es zu einer Gewohnheit werden, beim Fotografieren sich selbst die Frage zu stellen, wie viel Eigenleistung eigentlich in einem Foto steckt. Je mehr Eigenleistung erkennbar wird, desto befriedigender wird das Foto ausfallen. Unter „Eigenleistung“ verstehe ich die Dinge, die kein technischer Apparat je leisten kann. Schärfe und Belichtung zum Beispiel gehören nicht dazu, sie sind der Leistung des Kamera- und Objektivherstellers, dem Programmierer der Kamera-Firmware und dem Entwickler des Bildsensors geschuldet. Wer eine hübsche Statue „abknipst“, muss einsehen, dass der Erschaffer der Statue einen größeren Beitrag zum Foto geleistet hat als der Fotograf!

Eigenleistungen zeichnen sich dadurch aus, dass ein Foto so und nicht anders geworden ist. Versuche, den Anteil der Eigenleistungen in deinen Fotos sichtbar werden zu lassen und diesen Anteil zu steigern. Am besten so, dass du sagen kannst: „Nur ich habe dieses Motiv bisher auf diese Weise abgelichtet“.

 
Dieses absichtlich verwackelte Bild des Taj Mahal in Indien wirkt wie aus einem Märchentraum aus 1001 Nacht, transportiert dadurch mehr Emotionen als die klassischen „Architekturfotos im Postkartenstil“.

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Doch im Rahmen dieses Prozesses geht es wahrlich nicht darum, in erster Linie „anders“, eigenartig oder gar eigensinnig zu sein. Vielmehr sollte die gewählte Darstellungsform dazu geeignet sein, den eigenen, subjektiven Blick auf ein Motiv zu visualisieren.

Mit anderen Worten: Statt nur das Motiv anzuschauen, sollte der Fotograf auch einmal in sich selbst hineinschauen, um festzustellen, welche Emotionen das Motiv in ihm auslöst. Wie wirkt das Motiv, welche Assoziationen, Erinnerungen, Wünsche, Träume, Ängste, Sehnsüchte oder Lüste werden geweckt, welche „Saiten zum Klingen gebracht“? Wie kann es gelingen, mit fotografischen Mitteln eben jene Emotionen in ein höchst subjektives Bild umzusetzen?

Eine einfache Antwort darauf wäre, diejenige Eigenschaft zum Thema eines Fotos zu machen, die als die wichtigste empfunden wird. Sind es die Farben eines Herbstwaldes, dann könnte man sein Foto auf diese Farben beschränken oder zumindest daraufhin konzentrieren. Ist es die Lichterfülle und Hitze eines Sommertages, sollte auch das Foto davon erzählen. Transportiert ein Motiv etwas träumerisch Verklärtes, Geheimnisvolles, sollte sich auf dem Foto eine Menge davon finden lassen.

Ein vertikaler Kameraschwenk half bei dieser Aufnahme, die Farben des Waldes in den Mittelpunkt zu rücken, andere Details dafür in den Hintergrund zu drängen. Scharfe Bilder von bunten Wäldern gibt es bereits zur Genüge, daher spricht nichts dagegen, die Emotionen des Fotografen höher zu bewerten als eine gegenständliche Abbildung.

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Eine mutwillige Überbelichtung um plus zwei Belichtungsstufen (EV) war notwendig, um aus diesem Frühlingsmotiv ein „Gemälde von Claude Monet“ werden zu lassen. Damit ist kein direkter Vergleich zu diesem Großmeister der Malerei gemeint, sondern der Hinweis, dass auch die Fotografie durchaus impressionistische Züge tragen kann.

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Doch selbst mit dem Besitz einer solchen Erkenntnis ist man noch nicht am Ziel, denn der letzte Schritt besteht darin, den gewünschten Effekt durch eine geeignete Aufnahmetechnik zu erreichen. Auch dazu gibt es keine verbindliche und erschöpfende Liste, die man wiedergeben könnte. Die Zahl der fotografischen Ausdrucksmöglichkeiten wächst mit jedem unternommenen Versuch, mit jedem durchgeführten Experiment.

Ehrlich gesagt wundere ich mich darüber, dass Digitalkameras vielfach in einer Art und Weise eingesetzt werden, die einer klassischen Kamera mit Film entspricht. Verschenkt wird ein riesiges Potenzial, das in jeder Digitalkamera schlummert. Sie ist nämlich ein extrem mächtiges Werkzeug, um fotografische Experimente zu unternehmen.

Solche Experimente wurden auch vor der Erfindung der Digitaltechnik gemacht, doch es war ungleich schwieriger, zu einem annehmbaren Ergebnis zu kommen, weil immer erst die Filme entwickelt werden mussten, um die Zwischenergebnisse zu sichten. Die Ergebnisse mussten mit den passenden Aufzeichnungen verglichen werden, um zu sehen, welches Experiment zu welchen Ergebnissen führte.

Meistens wurde ein zweiter und dritter Durchgang erforderlich, bis eine „Technik“ soweit gereift war, dass man sie im fotografischen Alltag einsetzen konnte. Alles in allem eine langwierige, fehlerbehaftete und stets mit einem Gefühl restlicher Unsicherheit verbundener Prozess.

Mit der Digitalkamera werden Experimente zum Kinderspiel, manche Ideen können innerhalb kurzer Zeit, einer Stunde, zur „Perfektion“ entwickelt werden, weil man die Ergebnisse sogleich kontrollieren und gegebenenfalls seine Aufnahmetechnik optimieren kann.

Nehmen wir als Beispiel den Texaner Ryan Gallagher, der eine Aufnahmemethode „erfunden“ hat, die als „Camera-Tossing“ bekannt wurde. Dabei wird eine Kamera, während sie belichtet, bei Dunkelheit in die Luft geworfen, wobei sie die Lichter einer Stadt in Form von Linienmustern aufzeichnet. Ein Blick auf seine Webseite http://www.kineticphotography.net/ lohnt sich, auch ohne dass ich empfehlen würde, seine Experimente nachzumachen.

Seine Idee ist gedacht, seine Fotos gemacht, es ihm gleichzutun wäre wenig kreativ. Trotzdem lernen wir von ihm, dass es mitunter nicht schwierig ist, eine interessante Bildidee zu entwickeln. Mithilfe der Digitalfotografie reift die Idee bis zum ersten brauchbaren Bild innerhalb kürzester Zeit! Brennweite, Belichtungszeit, Blende, ISO-Wert, Weißabgleich, Wurfhöhe und „Anfangsdrill“ müssen in einem ausgeklügelten Verhältnis stehen, um ansehnliche Resultate zu erzielen. Von der Methode, die Kamera wieder heil zu fangen, einmal zu schweigen.

Doch auch weniger riskante Unternehmungen lohnen einen Versuch, um festzustellen, ob interessante Ergebnisse dabei herauskommen und welche Wirkung entsteht. Dabei gilt es, sich zu befreien von den klassischen Vorstellungen, was scharf sein muss, wie eine richtige Belichtung auszusehen hat und wann eine realistische Farbwiedergabe erzielt wird. Erlaubt ist alles, was gefällt. An der Kamera können zum Beispiel an folgenden Stellen Änderungen der Einstellungen erfolgen:

• Absichtlich herbeigeführte Über- oder Unterbelichtung (durch Belichtungskorrektur oder manuellen Belichtungsmodus)
• Fokus an eine unerwartete Stelle des Bildes legen (z. B. ein Detail im Vordergrund)
• Bewusst und dosiert eingestellter Fehlfokus (Autofokus abschalten, auf „MF“ stellen)
• Einen nicht „passenden“ Weißabgleich einstellen (erzeugt Farbstiche)
• Falls im Menü der Kamera vorhanden, Wahl eines bevorzugten „Bildstils“


Konkrete Beispiele dazu:

Dieses normal belichtete Motiv gewinnt an Wirkung, wenn …

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… es mit einer drastischen Überbelichtung aufgenommen wird.

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Das Bild dieser versunkenen Seerosenblätter entstand an einem sehr trüben Novembertag. Eine starke Überbelichtung sorgte für eine fast weiße Wiedergabe der Wasseroberfläche und das Erscheinen der kräftigen Farben.

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Diese Blätter bewegten sich im Wind, während die kräftige Überbelichtung zu frühlingshaften Farben und einem rein weißen Hintergrund führte. Das Ergebnis gleicht einer Aquarell-Malerei in verblüffender Weise.

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Überbelichtung und Überstrahlung sind die Zutaten für dieses sensible Pflanzenporträt.

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Eine bewusste Unterbelichtung verstärkt die düstere Stimmung auf diesem Foto, die durch die Schwarz-Weiß-Umsetzung unterstrichen wird.

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Durch die Auswahl eines ungewöhnlichen Schärfepunkts im Vordergrund entsteht selbst aus diesem profanen Motiv ein Foto mit besonderer Wirkkraft.

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Auch Fotos ohne einen einzigen Schärfepunkt können ihren Reiz haben, etwa dieser „rote Stern“.

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Um absichtlich unscharfe Fotos zu machen, schaltet man den Autofokus (AF) am besten ab und stellt auf manuelle Fokussierung (MF) um.

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Bei diesem Foto reichen die Farben und angedeutete Formen; eine scharfe Abbildung ist absichtlich vermieden worden.

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Wer absichtlich unscharfe Fotos machen möchte, sollte darauf achten, dass der Grad der Unschärfe angemessen ist. Wird es zu scharf, sieht es aus wie ein versehentlich unscharf gewordenes Bild. Ist die Unschärfe hingegen zu groß, lösen sich alle Strukturen bis zur Unkenntlichkeit auf.

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Der Weißabgleich bei diesem Motiv stand auf „Tageslicht“, was angesichts der natürlichen Beleuchtung eine technisch gesehen richtige Farbwiedergabe zur Folge hatte.

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Nachdem der Weißabgleich auf „Kunstlicht“ verstellt wurde, entsteht zwar ein blaustichiges Foto, aber das ist in diesem Fall aber eher zu begrüßen.

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Dabei ist in Erinnerung zu rufen, dass es „die richtige Belichtung“, „den besten Fokus“ und „den passenden Weißabgleich“ nicht gibt. „Richtig“ ist immer nur das, was die vom Fotografen beabsichtigte Bildwirkung unterstützt.

Eine noch weitaus größere Fülle an kreativen Möglichkeiten hat der Fotograf, wenn es um das „Handling“ beim Fotografieren geht. Dem Einfallsreichtum sind keine Grenzen gesetzt und der Horizont dieser „Spielwiese“ ist unendlich weit entfernt.

Ich habe schon mit beschränkten handwerklichen Fähigkeiten ein Objektiv aus einer Linse gebaut, die ich an der Tankstelle fand und die einem Nebelscheinwerfer entstammte. Und ich habe schon durch die Glasscherben eines Flaschenbodens fotografiert, den ich zufällig vor Ort vorfand.

Was man beim Fotografieren alles machen kann:

• Verwackeln bei längerer Belichtungszeit
• Mitziehen bei längerer Belichtungszeit
• Zoomen bei längerer Belichtungszeit
• Kameradrehungen bei längerer Belichtungszeit
• Zoomen und Kameradrehung bei längerer Belichtungszeit
• Eigenbewegung bei längerer Belichtungszeit
• Fotografieren in helle Lichtquellen
• Unkonventionelle Verwendung des Blitzgeräts
• Verwendung von beliebigem transparentem Material als „Objektivfilter“
• Verwendung irgendwelcher Linsen (-systeme) als Objektiv (Leselupe)
• …

Ohne Weiteres ließe sich diese Liste verlängern.


 

Hier einige Beispiele:

Diese Bäume mit heller Rinde wirken wie gemalt, weil die Kamera während einer relativ langen Belichtungszeit vertikal geschwenkt wurde.

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So ist die Kamera für das obere Foto bewegt worden. Der rote Punkt gibt in etwa die Achse der Bewegung wieder.

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Wird die Kamera während der Belichtung absichtlich bewegt, sollte ein eventuell vorhandener Bildstabilisator ausgeschaltet werden.

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Das beste Belichtungsprogramm, um eine lange Belichtungszeit zu erzwingen, ist „Tv“ (bei manchen Kameras „S“), die Blendenautomatik mit Zeitenpriorität (unterer Pfeil). Mit dem Haupt-Wahlrad (oberer Pfeil) kann dann die gewünschte Belichtungszeit direkt eingestellt werden.

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In diesem Beispiel wurde im Programm „Tv“ als Belichtungszeit eine halbe Sekunde vorgewählt (Pfeile).

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Ruckartige Kameraschwenks in drei verschiedene Positionen führten zu dieser Aufnahme.

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Absichtliches Verwackeln führt bei dieser Aufnahme zu einem Bewegungseindruck, als würde man die Straße entlangfahren.

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Diese springende Katze im Schnee wurde mit der Kamera und einer längeren Belichtungszeit „verfolgt“, wobei mit viel Glück der Kopf am schärfsten abgebildet wurde. Nicht jeder „Mitzieher“ gelingt auf Anhieb, bisweilen sind viele Versuche notwendig.

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Die Kamera stand still auf einem Stativ, nur der Zoomring wurde bei längerer Belichtungszeit verstellt, um einen Bewegungseindruck zu erzeugen. Die Bahn fuhr auf die Kamera zu, sodass von langer in Richtung der kürzeren Brennweite gezoomt werden musste, um den Abbildungsmaßstab für die Bahn während der Belichtung möglichst unverändert zu lassen.

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Verstellen des Zooms und eine Überbelichtung schuf dieses Foto von einem Baum im Herbstkleid.

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So entstehen die gezoomten Fotos: Die Kamera bleibt möglichst unbewegt, gedreht wird nur der Zoomring. Der dunkelrote Abschnitt des Pfeiles symbolisiert die Belichtung. Bereits vor der Belichtung startet die Drehung am Zoomring und erst lange nach dem Ende der Belichtungszeit wird sie gestoppt. Das garantiert ein möglichst flüssiges Zoomen während der Aufnahme.

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Zoom und gleichzeitiger Kameraschwenk lösen dieses Herbstmotiv in ein gegenstandsloses „Gemälde“ auf.

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Zoom, Überbelichtung und Einbeziehung der Sonne als Lichtquelle führte zu dieser Aufnahme. Mit Film wären endlose Versuche nötig gewesen. Die Digitalkamera zeigt zeitnah, was zu tun ist und ob das gewünschte Resultat „im Kasten“ ist.

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Hier war kein Zoom im Spiel, sondern eine Kameradrehung. Die Drehachse liegt oberhalb der Bildmitte nahe am Bildrand. Wichtig ist, dass der angestrebte Effekt zum Motiv passend ist.

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Eine Kameradrehung um die optische Achse des Objektivs schuf diese Aufnahme von vier Birken gegen den blauen Himmel. Statt nur die Kamera zu rotieren, kann sich der Fotograf samt Kamera auch selbst um seine Längsachse drehen.

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Das Foto dieser blühenden Zierkirsche entstand durch Zoomen und gleichzeitiger Rotation der Kamera um die optische Achse. Der Clou hier: Die Bewegung wurde erst nach dem Ablauf der ersten Hälfte der Belichtungszeit gestartet, sodass ein scharfes Kernbild entstanden ist.

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Das obere Foto wurde mit der folgenden Technik aufgenommen: Die linke Hand umfasst den Zoomring und bewegt sich während der Belichtung möglichst nicht, während die rechte Hand die Kamera innerhalb des Zoomrings dreht. Zoomen und Rotation wird so mit einer Handbewegung erledigt. Dunkelrot ist wiederum die Phase der Belichtung hervorgehoben (die bei dem oberen Foto allerdings schon vor dem Start der Drehbewegung begann).

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Durch Zoomen und gleichzeitiges Drehen entsteht ein „Strudel“, dessen Zentrum in der Bildmitte liegt.

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Auch diese Aufnahme entstand durch Zoomen und gleichzeitiges Drehen, wurde nachträglich aber so beschnitten, dass die Drehachse nicht mehr in der Bildmitte liegt, um die Komposition zu verbessern.

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Diese Aufnahme entstand aus einem sich bewegenden Fahrzeug. Mehrere Versuche waren notwendig, um das angestrebte Foto zu erhalten.

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Ganz im Gegensatz zum oberen Foto stand die Kamera hier auf einem festen Stativ, während der Wind für die Bewegung der Zweige und Blätter sorgte.

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Die Einbeziehung der Sonne und eine drastische Überbelichtung sind die Zutaten für dieses Foto einer Schlüsselblume und den frühlingshaften Touch.

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Scheint die Sonne als Lichtquelle direkt ins Objektiv, sind Reflexe meistens nicht vermeidbar. Doch statt zu stören, unterstützen sie den gewünschten Eindruck von Licht, Helligkeit und Leichtigkeit.

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Der Hirsch als Zierde auf einem Dach wurde direkt gegen die Sonne aufgenommen. Die Kamera sollte nicht zu lange auf die Sonne gerichtet werden und ein direkter Blick in die Sonne ist ebenfalls zu vermeiden, um Augenschäden zu vermeiden.

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Fast surreal erscheint dieser Drachen in Form eines Salamanders, der im direkten Gegenlicht fotografiert wurde.

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Hier wurden Regentropfen bei Nacht mit einem Weitwinkelobjektiv aufgenommen. Für die Beleuchtung sorgte ein Blitzgerät. Kamera und Blitz sollten dem Regen nicht über einen längeren Zeitraum ausgesetzt werden.

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Dieser Baum an einem trüben Tag in schlechtem Licht geriet zu einer Herausforderung für jeden kreativen Fotografen …

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… und verwandelte sich in eine grazile Tänzerin, nachdem der Boden einer zertrümmerten Weinflasche vor das Objektiv gehalten wurde! Die Scherben lagen zufällig in Reichweite.

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Selbst gebautes Objektiv mit einer Linse, die aus einem Nebelscheinwerfer stammt. Natürlich verfügt dieses „Objektiv“ über keinen Autofokus, keine Blendenverstellung. Immerhin kann es durch einen Gewindegang manuell fokussiert werden! Auf dem Bild nicht zu sehen ist die Störlichtblende aus schwarzer Pappe. Die folgenden Fotos wurden damit aufgenommen.

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Das „Nebellinsen-Objektiv“ aus einer einzigen Linse, die zudem nie für die Erzeugung scharfer Abbilder konstruiert wurde, weist zahlreiche und erhebliche Abbildungsfehler auf, die – gezielt eingesetzt – zu fantastischen Effekten führen kann. Insbesondere die Randbereiche werden extrem unscharf wiedergegeben.

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Auch diese Aufnahme profitiert von den Charakteristika der „Nebellinse“. Starke Farbsäume erinnern an eine historische Aufnahme, zeigen aber, dass „schärfer“ und „brillanter“ nicht zwangsläufig „besser“ im Sinne der angestrebten Bildwirkung bedeuten.

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Diese im Wortsinne traumhafte Abbildungseigenschaft der „Nebellinse“ könnte durch Bildbearbeitung nur durch sehr aufwendige Verfahren simuliert werden.

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Die erzielte Überstrahlung harmoniert in perfekter Weise mit dem Wunsch des Fotografen nach einer weichen, gefühlsbetonten Darstellung der Allee.

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Selbst für unorthodoxe Tierporträts ist die „Nebellinse“ zu gebrauchen.

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Objektive mit „eingebauten Abbildungsfehlern“ gibt es auch zu kaufen. Hier gezeigt ist ein „Lensbaby“, ein einfach konstruiertes Objektiv mit nur einem zentralen Schärfepunkt. Der aber kann durch „Verbiegen“ des Objektivs auch aus der Bildmitte entrückt werden.

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Dieses Foto wurde mit einem Lensbaby aufgenommen. Deutlich sichtbar ist, dass der kleine Schärfebereich auf der Blüte rechts unterhalb der Bildmitte sitzt, was durch eine entsprechende Verstellung des Objektivs gelang. Außerhalb dieses Schärfepunkts bildet das Lensbaby absichtlich unscharf ab, was zu seiner charakteristischen Bildwirkung führt.

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Dieses Billigobjektiv nennt sich „Loreo – Lens in a Cap“ und stellt sozusagen ein Objektiv innerhalb eines Kameragehäuse-Deckels dar, der komplett verschlossen werden kann oder wahlweise ein Objektiv mit verschieden einstellbaren Blenden beherbergt. Blende 5,6 ist allerdings das Maximale, eine Fokusverstellung gibt es nicht. Es folgen ein paar Beispiele.

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„Lens in a Cap“ liefert trotz Plastiklinse erstaunlich scharfe Bilder, die zwar nicht mit normalen Objektiven mithalten können, aber ihren eigenen Reiz besitzen.

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Das Loreo-Objektiv ist extrem anfällig gegenüber Reflexbildung bei Gegenlicht. Doch statt zu jammern sollte man aus der Not eine Tugend machen und die Reflexe als Bereicherung in das Bild einbeziehen.

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Auch hier überlagern massive Reflexe die Aufnahme, die mit einem „Loreo – Lens in a Cap“-Objektiv entstanden ist.

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Es geht auch ganz ohne Linse! In diesem Kameragehäuse-Deckel befindet sich eine Aluminium-Platte mit einem winzigen Löchlein darin.

Die Spiegelreflexkamera wird damit zu einer „Lochkamera“. Freilich kann man sich Derartiges selbst basteln – oder auch fertig einkaufen.

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Dieses Foto wurde mit der oben gezeigten „Lochkamera“ aufgenommen. Wegen der langen Belichtungszeiten selbst bei hellem Tageslicht ist die Verwendung eines Stativs ratsam.

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Als letzte Instanz können spezielle Methoden der Bildverarbeitung gelten, um ein Ergebnis zu erreichen, das dem „Wunschbild vor dem geistigen Auge“ entspricht. Wichtig dabei ist auf jeden Fall ein zielstrebiges Vorgehen, dessen Ziel schon vor Beginn der Bildbearbeitung definiert ist. Ein solches Vorhaben könnte in klare Anweisungen zerlegbar sein, zum Beispiel

• Umsetzung in Schwarz-Weiß
• Hinzufügen einer Vignette (dunkle Bildränder) und
• leichte Brauntonung

Völlig verfehlt wäre ein wildes und zielloses Klicken im Bildbearbeitungs-Programm, um zu sehen, ob man zufällig auf einen vorgefertigten Filter trifft, der ein überraschend gefälliges Foto entstehen lässt.

Natürlich kann man sich anfangs auch einmal durch diese fertigen Effektfilter durchklicken, sollte sich aber stets gut merken, welche Wirkungen damit jeweils zu erreichen sind. Schließlich müssen die Resultate ja reproduzierbar sein, d. h., ein einmal „gefundener“ Bearbeitungsstil sollte auch auf andere Bilder anwendbar sein, damit vielleicht im Laufe der Zeit eine sehenswerte Serie entsteht.

Um das sicherzustellen, sollte man stets eine Antwort auf die Frage parat haben, welche bildverarbeitenden Maßnahmen denn zu diesem oder jenem Bildergebnis geführt haben. Schulterzucken und die Aussage „Keine Ahnung, ich habe eine Weile in Photoshop herumgespielt“ sind nicht weiterführend.

Schon bei der Aufnahme war klar, dass dieses Foto den Eindruck einer uralten Fotoplatte erhalten sollte, der durch entsprechende Bildbearbeitung herbeigeführt wurde:

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Massive Überschärfung und eine Anhebung der Farbsättigung führt zu diesem „Pop Art“-Effekt.

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Dieses Foto einer tristen Herbstlandschaft profitiert von einer ungewöhnlich starken Anhebung der Farbsättigung …

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… während diese Landschaftsaufnahme zunächst schwarz-weiß verarbeitet und im Nachhinein monochrom eingefärbt wurde.

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Betrachtet man ein gutes Foto als die Umsetzung einer Vision des Fotografen, stellt man fest, dass die Vision und ihre fotografische Umsetzung eine Symbiose eingehen. Die schönste Vision ist zwecklos, wenn es dem Fotografen nicht gelingt, sie technisch umzusetzen. Umgekehrt nützt ein tief greifendes Verständnis für die Technik der Fotografie herzlich wenig, wenn es an der Vision mangelt.

Egal, welchen Effekt du mit welchen Experimenten erzielst, ob durch Kameraeinstellungen, Handling oder Bildverarbeitung, er sollte niemals dem Selbstzwecke dienen. Ein schlechtes Foto wird durch einen Effektfilter niemals zu einem guten. Motiv, Aufnahme- und Bearbeitungsmethode müssen mit den Vorstellungen, den Visionen des Fotografen eine Einheit bilden – das ist das große Ziel.


 

Weitere Beispiele:

Ausgangsmotiv für die nächsten beiden Fotos ist dieses Blumenbeet.

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Verstellung des Zooms bei längerer Belichtungszeit: Die Bildmitte bleibt überraschend scharf, während sich der Zoomeffekt zum Bildrand hin verstärkt.

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Zoomen und Drehen der Kamera führt die Abstraktion weiter fort und bildet einen „Farbstrudel“.

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Dieses Foto einer Spiegelung auf einer Wasseroberfläche wurde um 180 Grad gedreht, um den Betrachter zunächst vor ein kleines Rätsel zu stellen, wie die Aufnahme wohl zustande kam. Ein alter, aber immer wieder wirksamer Trick.

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Die Spiegelung dieser Häuserfassade im Wasser führt zu witzigen Verzerrungen und dem Nebeneinander von scharfen und unscharfen Bereichen.

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Diese Tulpe wurde nicht direkt, sondern als Spiegelbild auf dem (ausgeschalteten) Display eines Mobiltelefons fotografiert.

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Übung

1. Fotografiere ein halbtransparentes Motiv vor einem gleichmäßig hellen Hintergrund, etwa eine Blume in der Vase am Fenster oder einen Ast mit Blättern gegen den Himmel. Stelle die Kamera auf manuelle Belichtung (Programm „M“) ein und den ISO-Wert auf 800. Belichte das erste Foto so, wie es auch die Belichtungsautomatik der Kamera tun würde.

Für die weiteren Bilder verlängerst du Schritt für Schritt die Belichtungszeit, bis das entstehende Foto fast nur noch Weiß zeigt. Schau dir die Ergebnisse am PC-Bildschirm an und suche das für dich beste Foto heraus. Wie stark wurde es gegenüber dem Automatikwert überbelichtet? Beachte, wie sich bei starker Überbelichtung die Farben verändern und wie der helle Hintergrund mehr und mehr Strukturen überstrahlt.

2. Stelle an deiner Kamera, die mit einem Zoomobjektiv bestückt ist, eine relativ lange Belichtungszeit ein, etwa ¼ Sekunde. Halte die Kamera-Objektiv-Kombination mit der linken Hand am Zoomring fest, während du mit der rechten Hand die Kamera möglichst gleichmäßig um die optische Achse drehst und dabei auslöst. Wichtig ist, die linke Hand möglichst bewegungsfrei zu halten und die Auslösung erst nach dem Start der Drehbewegung vorzunehmen.

Zum Ende der Belichtung sollte der Zoomring noch nicht am Anschlag angekommen sein. Drehe, auch wenn du den Verschlussablauf am Ende der Belichtung hörst, weiter bis zum Anschlag! Verwende Motive mit möglichst vielen Farbtupfern (Blumenbeet, gemusterte Tischdecke) als Motiv, dann kommt die entstehende Spiralform gut zur Geltung. Mit Kompaktkameras ist diese Übung nicht durchführbar, weil diese während der Belichtung keine Zoomverstellung zulassen.

3. Suche ein Motiv mit einem oder mehreren Bäumen (Wald, Allee, Park, Garten) bei sonnigem Wetter und halte während der Belichtung eine gewöhnliche, transparente, leere Plastik-Getränkeflasche direkt vor die Frontlinse. Gegenlicht ist von Vorteil. Fotografiere mit Offenblende. Beobachte, wie unterschiedlich die Resultate ausfallen, je nachdem, welchen Teil der Flasche du verwendest (Boden, Wände oder Hals). Nimm das Foto mit der besten Wirkung mehrfach auf, wobei du die Belichtung sukzessive in Richtung Überbelichtung korrigierst. Am besten erreichst du das durch Verwendung der manuellen Belichtungskorrektur (+1, +2) oder durch Umstellung auf manuelle Belichtung (Programm „M“).

Weiter geht es mit Teil 10: „Nicht bei ungünstigen Lichtverhältnissen fotografieren“


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Kommentare
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Portrait von Tom_FotoPinnwand
  • 19.04.2018 - 15:21

Hammer hab neue Ideen da durch bekommen ein par schen kenne ich aber auch schon

Portrait von UBothmer
  • 29.10.2015 - 14:42

Vielen Dank für das Tutorial. Hab auch schon verschiedene Sachen ausprobiert, aber nur so zum Spaß. Ich war immer der Ansicht, dass ich das ja nur mache, weil ich keine besseren Bilder hinkriege. Jetzt weiß ich erst, was ich schon für Schätze auf meinem PC habe. Deine Fotos auf Deiner Homepage sind einfach klasse. Ich liebe zwar auch "perfekte" Fotos, aber noch mehr liebe ich einzigartige Fotos. Denn die lösen in mir immer die verschiedensten Gefühle aus und das belebt mich ungemein. Danke!

Portrait von Tilli88
  • 11.12.2014 - 10:41

Die Idee hinter dem Tutorial find ich Klasse, aber die Fotos überzeugen mich persönlich nicht so sehr. Ich glaube da gibt es bessere Möglichkeiten (Langzeitbelichtung mit Flashlight etc). Trotzdem interessant.

Portrait von GypsyLuna
  • 04.12.2014 - 11:05

sehr coole witzige ideen ich werde einiges davon bald ausprobieren ^^ wenn ich frei habe

Portrait von Figib
  • 30.12.2013 - 08:30

Vielen Dank für das Tutorial!

Portrait von firsthippi
  • 16.09.2013 - 08:53

Danke für das Tutorial, werde es eher sparsam einsetzen. Bin entweder zu konservativ oder nicht mutig genug.

Portrait von Sir Jeffrey
  • 23.06.2013 - 20:31

Tja, die alten Strukturen . . . Dies Tutorial ist für mich wirklich herausfordernd, und das ist auch gut so.

LG, Gerald.

Portrait von hansi4711
  • 15.03.2013 - 14:26

Klasse. Das macht Mut zum Mutigsein.

Portrait von marukami
  • 10.12.2012 - 13:29

Wow, das war mal eine tolle Neuanregung. Vor allem das Darübernachdenken, was Fotografie für einen selbst bedeutet und was das Ziel des Ganzen ist. Die Beispiele machen Lust auf Experimente. Danke!

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 31.10.2012 - 19:17

Sehr hilfreiche Anregungen Danke!

Portrait von spuellana
  • 27.10.2012 - 17:00

danke für das hilfreiche tutorial ;)

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 29.08.2012 - 09:14

Super tut. hat echt spass gemacht es zu lesen.

Portrait von Popeye
  • 11.08.2012 - 12:52

Hi! hab grad erst mit dem fotografieren angefangen. wollte alles immer "richtig" machen und es ergaben sich nur sehr wenige gelegenheiten für motive. aber nach diesem tutorial bin ich begeistert was ich mit der 600D + kit objektiv 18-55 machen kann! vielen dank dafür!

Portrait von yankeefranky
  • 03.08.2012 - 17:47

Hallo !

Zunächst möchte ich mich für das gute Tutorial bedanken.Besonders gut finde ich das du mit diesem Tutorial dem freien Geist und der Kreativität einen Raum gibst.Für mich persönlich haben die ganzen zu Technik bezogenen Themen nie eine große Rolle gespielt.Sicher ist es wichtig ein bestimmtes Grundwissen der Fototechnik zu wissen aber es war für mich immer wichtiger den Kreativen Aspekt zu verbessern.Deshalb noch mals dank für deinen Beitrag.

Portrait von Nicole_H
  • 10.07.2012 - 12:28

Ein hervorragendes Tutorial! ich hatte mich durchaus schonmal in diese Richtung versucht - allerdings ohne Hintergrundwissen über die technischen Möglichkeiten. Hier erfährt man so einiges und bekommt sfort Lust auf´s Ausprobieren!
Und wem´s nicht gefällt - Pech gehabt!

Portrait von Nicole_H
  • 10.07.2012 - 12:28

-gelöscht wegen Doppelposting

Portrait von Gismo77
  • 24.06.2012 - 15:57

Danke für das Tutorial

Portrait von MicroSmurf
  • 18.05.2012 - 17:10

Sehr gutes Tutorial, Danke.

Portrait von Benne96
  • 07.03.2012 - 17:20

Kleines Tricks und große Wirkung, danke! :)

Portrait von Dorie1968
  • 20.11.2011 - 19:35

Es ist eigentlich alles gesagt worden - prima Tutorial mit super Hinweisen! Erst dachte ich, dass ich als Anfängerin mich wohl erst mal bei den Standards aufhalten sollte - aber nun denke ich, dass, wenn mein Gefühl danach ist und die Stimmung es sozusagen gebietet (hört sich blöd an, sorry), werde ich einfach mal was verrücktes ausprobieren und sehen, ob es mir gelingt. Ohne natürlich die technischen Hintergründe etc. zu vergessen.

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