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Tutorialbeschreibung

Teil 13: Nicht immer aus Augenhöhe fotografieren

Teil 13: Nicht immer aus Augenhöhe fotografieren

Die Augenhöhe als „Universalperspektive“ kann unter- und überschritten werden. Die so entstandenen Fotos unterscheiden sich in dramatischer Art und Weise voneinander.

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BITTE NICHT

Immer aus Augenhöhe fotografieren

Wahrscheinlich aus Bequemlichkeit machen Fotografen zu viele Fotos aus ihrer Augenhöhe. Das ist freilich nicht immer falsch, denn immerhin stellt die Augenhöhe eines Menschen sozusagen eine „Normalperspektive“ dar, die jedermann kennt, die jedem „geläufig“ ist und die somit keine (in manchen Fällen vielleicht) unerwünschten Überraschungseffekte nach sich zieht.

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und behaupte, dass bei manchen Motiven die Augenhöhe als Perspektive sogar förderlich ist, gerade weil ein Motiv in der uns vertrauten Art und Weise dargestellt werden soll. Ein gutes Beispiel sind Fotos von Autos.

 
Nimmt man sie aus der Perspektive eines Frosches auf, der kurz davor ist, von dem Auto überfahren zu werden, wirkt sich das eher negativ auf das Foto aus. Ganz abgesehen davon, dass statt der attraktiven Karosse fast nur der Unterboden des Fahrzeugs zu sehen sein wird.

Die folgenden drei Fotos entstanden alle mit der gleichen Brennweite, einem leichten Weitwinkel-Objektiv:

Aus Bodennähe wird die Form des Fahrzeugs nicht überzeugend dargestellt. Die Attraktivität der Karosse kommt nicht zur Geltung. Ich kann nur schwer nachvollziehen, warum immer wieder Autos aus einer solchen Perspektive abgelichtet werden.

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Eine in die Höhe gehaltene Kamera zeigt das gleiche Automobil von oben. Zwar ist die Perspektive ungewohnt, doch auch sie zeigt sicherlich nicht die „Schokoladenseite“ des Cabrios.

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Die Augenhöhe einer stehenden, erwachsenen Person ist gerade für Autos oftmals der beste Blickwinkel für ein Foto.

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Auch dieses Foto wurde aus Augenhöhe mit einem leichten Weitwinkel aufgenommen, um das Produkt dem Betrachter in einer für ihn gewohnten Perspektive zu präsentieren.

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Andere Motive hingegen leiden unter der allseits „gewohnten“ Perspektive. So ist die Augenhöhe vielfach nicht dazu geeignet, ein Motiv unter einem neuartigen, überraschenden oder besonders vorteilhaften Blickwinkel darzustellen. Gewohnheit kann in Langeweile münden.

Diese Wendeltreppe hingegen wirkt aus normaler Augenhöhe langweilig und unattraktiv. Welch ein Unterschied zum nächsten Bild, für das die Kamera, mit dem Objektiv nach oben gerichtet, auf den Boden gelegt wurde – und zwar an die Stelle, die auf diesem Foto markiert ist (roter Pfeil)!

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BESSER MACHEN

Ungewöhnliche Perspektiven suchen

Die generelle Empfehlung lautet daher, aktiv (neumodischer Ausdruck: „proaktiv“) nach ungewöhnlichen und spannenden Blickwinkeln zu suchen. Dabei ist stets in Betracht zu ziehen, die Augenhöhe zu verlassen und Fotos entweder von tieferen oder auch höheren Kamerastandpunkten einzunehmen. Selbst viele an sich eher profane Motive können ein sehenswertes Foto ergeben, wenn sie aus einer für den Betrachter überraschenden, unbekannten Perspektive fotografiert werden.

Die auf dem Boden liegende Kamera nahm dieses Foto der Wendeltreppe (siehe vorige Abbildung) auf. Durch eine extrem ungewöhnliche Perspektive entstand ein sehenswertes Foto.

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Leicht ist es einzusehen, dass nicht irgendwelche Einstellungen an der Kamera zielführend sind, sondern lediglich die Ortsveränderung von Fotograf und seiner Kamera. Ist die passende Perspektive gefunden, folgt die Wahl der passenden Brennweite, um den gewünschten Bildausschnitt formatfüllend zu erfassen (siehe dazu auch Folge #6 „Erst die Perspektive, dann die Brennweite festlegen“).


Froschperspektive

Ein Kamerastandpunkt unterhalb der Augenhöhe wird als „Froschperspektive“ bezeichnet. Sie kann praktisch in jeder Aufnahmesituation gewählt werden, weil es dazu schon ausreicht, in die Knie zu gehen. In Extremfällen nimmt die Kamera eine bodennahe Position ein, wird dabei vielleicht auf den Boden aufgesetzt oder gar in eine Grube im Boden versenkt.

Stets entsteht bei der Froschperspektive das Problem, noch bequem durch den Sucher schauen zu können, wenn sich der Fotograf nicht auf den Boden legen möchte. Letzteres ist nicht immer praktikabel, wenn beispielsweise der Boden feucht oder schmutzig ist.

Als technische Hilfsmittel zur Lösung dieser Problematik bietet sich ein Winkelsucher oder eine Digitalkamera mit Klappdisplay an.


 

Winkelsucher

Der Winkelsucher wird anstelle der Gummi-Augenmuschel auf das Okular einer Spiegelreflexkamera gesetzt und erlaubt einen um 90 Grad versetzten Sucheranblick.

Der auf das Okular angesetzte Winkelsucher ermöglicht die Sucherbetrachtung von oben, während die Kamera auf dem Boden steht.

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Zudem ist er drehbar ausgeführt, sodass zum Beispiel bei einer auf dem Boden stehenden Kamera der Suchereinblick immer von oben erfolgen kann, unabhängig davon, ob im Quer- oder im Hochformat fotografiert wird.

Winkelsucher sind drehbar, sodass der Einblickkomfort auch bei Hochformataufnahmen nicht leidet.

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Die meisten Modelle verfügen außerdem über eine einschwenkbare Lupe, mit der die Bildmitte vergrößert dargestellt und beurteilt werden kann. Das ist praktisch, weil die normale Optik der Winkelsucher zu einem verkleinerten Anblick des Sucherbildes führt. Mit eingeschwenkter Lupe kann die Schärfe in kritischen Fällen besser kontrolliert werden.

Bei Makroaufnahmen hilft die einschwenkbare Lupe dieses Winkelsuchers, das Sucherbild um den Faktor 2,5 zu vergrößern, um so die kritische Scharfeinstellung zu erleichtern.

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Zu beachten beim Erwerb eines Winkelsuchers ist, dass er auf die Kamera passt. Die Okulare der Kameras unterscheiden sich von Hersteller zu Hersteller. Wer die nicht unerheblichen Kosten für einen Winkelsucher des Kameraherstellers scheut, kann bei Fremdanbietern fündig werden, sollte dabei aber die Qualität und den Komfort mit dem Original vergleichen.

 
Preisübersicht Winkelsucher (Stand: Januar 2012)

Hersteller Zirka-Preis in Euro
Canon 175
Nikon 190
Sony 185
Fremdanbieter 35 bis 70

Klappdisplay

Statt eines Winkelsuchers leistet auch ein klappbares Display an der Kamera gute Dienste, um bequem aus der Froschperspektive fotografieren zu können. Etliche Kompakt- und Bridgekameras verfügen über ein Klappdisplay, aber auch bei Spiegelreflexkameras ist es bei neueren Modellen vermehrt anzutreffen. Lange Zeit den digitalen Kompakt- und Bridge-Kameras vorbehalten, gibt es Live-View und Klappdisplay nun auch bei immer mehr Spiegelreflexkameras, was Aufnahmen aus der Froschperspektive auch ohne Winkelsucher leichter macht (Symbolfoto).

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Der Bildausschnitt kann auf dem geschwenkten Display gut beurteilt werden, wenn nicht gerade die Sonne darauf scheint. Um die Schärfeeinstellung in kritischen Fällen zu meistern, ist es aber notwendig, in das auf dem Display dargestellte Livebild hineinzuzoomen und einen Bildausschnitt zu vergrößern. Bei bewegten Motiven keine einfache Aufgabe.

„Von oben herab“ fotografiert ist dieser Löwenzahn nur für ein eher unterdurchschnittliches Foto gut.

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Aus der Froschperspektive hingegen entsteht aus der gleichen Blume ein besseres Foto, weil der blaue Himmel in das Bild einbezogen werden kann. Ohne Winkelsucher oder Klappdisplay muss man sich dazu allerdings in die Wiese legen.

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Andere elektronische Sucher

Das Livebild mancher Digitalkameras kann über eine spezielle Schnittstelle auch an externe Displays übertragen werden, die dann als elektronischer Sucher fungieren. Viele verschiedene Systeme sind erhältlich, die jeweils mit bestimmten Kameramodellen zusammen funktionieren.

Einfache Varianten könnte man als nachrüstbare Klappdisplays bezeichnen, wogegen nichts einzuwenden ist, wenn sich der Kaufpreis in Grenzen hält. Ob aber drahtlose Varianten, für die bis zu 300 Euro fällig werden, oder riesige Flachbildschirme zu noch höheren Preisen eine Anschaffung wert sind, sollte gründlich überlegt und abgewogen werden.

Auch dieses Bild einer Kirche und einem Pfosten, der Autofahrer fernhält, entstand aus der Froschperspektive. Die Kamera lag mit der Rückseite auf dem Asphalt. Um das Display vor Verkratzen zu schützen, wurde einfach ein Papiertaschentuch untergelegt.

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Für die Abbildung oben kam ein Weitwinkelobjektiv zum Einsatz. Dabei kommt es leicht vor, dass man selbst ungewollt auf dem Foto erscheint. Der Selbstauslöser mit kurzer Vorlaufzeit (Pfeil) lässt dem Fotografen genügend Zeit, nach dem Drücken des Auslösers zu verschwinden. Der Autofokus sollte nach erfolgter Fokussierung ausgeschaltet werden (manueller Fokus).

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Die extreme Froschperspektive machte es möglich, die Blumen vor einem ruhigen Hintergrund abzubilden. Von oben fotografiert hätte der Hintergrund aus dem wilden Durcheinander zahlloser Grashalme bestanden.

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Auf die Abbildung der gelben Mitte der Margeritenblume wurde auch bei diesem Foto bewusst verzichtet. Aus der Froschperspektive bildet der Himmel einen gleichmäßigen Hintergrund, und die zarte Transparenz der Blütenblätter wird im Gegenlicht sichtbar.

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Sportfoto aus der Froschperspektive.

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Vogelperspektive

Das Gegenstück zur Frosch- ist die Vogelperspektive bei Kamerastandpunkten oberhalb der Augenhöhe eines aufrecht stehenden Menschen. Im einfachsten Fall entsteht ein Foto aus der Vogelperspektive, wenn der Fotograf die Kamera über seinen Kopf hält und in Richtung des Erdbodens fotografiert. Ein Blick in den Sucher ist bei dieser Arbeitsweise nicht möglich, sodass mit größeren Bildwinkeln (Weitwinkel) blind gearbeitet und auf einen Glückstreffer gehofft wird. Mit etwas Übung lässt sich die Ausbeute auf ein erstaunlich hohes Maß steigern.

Bei solchen „Überkopffotos“ muss auf den Sucheranblick verzichtet werden. Dennoch können mit etwas Übung auf diese Weise gute Fotos entstehen.

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Ein Einbeinstativ und ein Kabelauslöser können als „verlängerter Arm“ eingesetzt werden.

Noch ein bisschen Höhe gewinnt, wer sein Einbeinstativ als Armverlängerung benutzt. Ein Kabelauslöser und ein Kugelkopf komplettieren die Ausstattung.

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Im Gegensatz zur Froschperspektive hilft ein Winkelsucher bei der Vogelperspektive nicht weiter, sehr wohl aber ein Klappdisplay bzw. ein elektronischer Sucher, der sich entsprechend schwenken lässt. Vorausgesetzt, das Display ist so groß, dass man aus einiger Entfernung darauf noch etwas erkennen kann.

Unter kontrollierten Bedingungen entstehen Fotos aus der Vogelperspektive, wenn der Fotograf einen erhöhten Standpunkt einnimmt, also eine Mauer oder Treppe erklimmt, aus dem Fenster oberer Stockwerke, von Balkonen, Brüstungen, Dächern, Leitern und ähnlichen Einrichtungen seine Fotos schießt. Dass dabei die eigene Sicherheit höchste Priorität hat, sei der Vollständigkeit halber erwähnt.

Das Erklimmen eines kleinen Mäuerchens erlaubte diese Aufnahme aus leichter Vogelperspektive. Durch sie kamen mehr Läufer aufs Bild und die ruhige Asphaltfläche macht einen Großteil des „Hintergrundes“ aus.

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Der nächste Schritt kann darin bestehen, die Bezeichnung „Vogelperspektive“ wörtlich zu nehmen und selbst in die Luft zu gehen. Fluggeräte aller Art eignen sich dafür, also beispielweise Gleitschirme, Fallschirme, Ballone, Zeppeline, Hubschrauber, Flugzeuge. Steuert man das Fluggerät selbst, stellt die Fotografie eine besondere Herausforderung dar, um die Sicherheit des Flugs nicht zu gefährden. Bevor vom Gleitschirm aus das erste Foto entsteht, sollte man viele Flugstunden ohne Kamera absolviert und entsprechende Erfahrungen gesammelt haben.

Als Passagier ist ein Sitzplatz an einem sauberen Fenster anzustreben; bei motorgetriebenen Maschinen vor dem Abgasstrahl der Motoren, der ansonsten die Bildschärfe massiv beeinträchtigen kann. Ideal sind Fluggeräte, bei denen man Fenster oder Türen öffnen kann und man nicht durch eine Fensterscheibe hindurch fotografieren muss.

Vibrationen während des Fluges erfordern kurze Verschlusszeiten, wobei die Kamera nicht gegen die vibrierende Scheibe gehalten werden darf. Dennoch nähert man sich mit der Frontlinse der Kamera der Scheibe möglichst weit, ohne sie zu berühren, und fotografiert mit Offenblende, allenfalls leichter Abblendung, damit auf der Scheibe befindliche Schmutzpartikel nicht sichtbar werden.

Das Foto des „Planeten Erde“ entstand mit einem Fischaugenobjektiv aus dem Fenster einer gewöhnlichen Verkehrsmaschine heraus von einem regulären Sitzplatz für Passagiere.

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Nur mit etwas Glück und gutem Timing konnten die schneebedeckten Kämme der Alpen im Licht der Morgensonne aus dem Fenster eines Passagierflugzeugs festgehalten werden.

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Auf die gleiche Weise wurde dieses Foto aufgenommen. Das Objektiv sollte nicht stärker abgeblendet werden, um eventuell an der Scheibe haftenden Schmutz nicht scharf abzubilden. Die Frontlinse wird der Scheibe stark genähert, ohne sie jedoch zu berühren – das würde Vibrationen übertragen und wahrscheinlich Unschärfe verursachen.

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Auch zwei exotische Lösungen für Luftaufnahmen seien zumindest noch erwähnt: erstens die Befestigung einer Kamera an einem Drachen oder Modellflugzeug bei funkgesteuerter Auslösung und zweitens die Verwendung von speziellen, bis zu zwanzig Meter hohen Teleskopmasten oder Hochstativen, die zu diesem Zweck von Spezialfirmen angeboten werden. Beides ist mit einem enormen Aufwand verbunden, der sich nur für diejenigen lohnt, die sich mit Haut und Haaren der Vogelperspektive verschrieben haben.

Klingt das alles sehr praxisfremd? Mag sein, daher noch zwei Anregungen: Buche beim nächsten Urlaubsflug frühzeitig und lasse dir einen Fensterplatz im vorderen Teil der Maschine, also vor den Tragflächen, reservieren. Dann beginnt das Fotovergnügen schon auf dem Hinflug! Am Urlaubsort angekommen, besteht in vielen Ländern die Möglichkeit, zu moderaten Preisen ein kleines Privatflugzeug samt Pilot zu chartern.

Mit ihm lässt sich vereinbaren, wo es hingehen soll und vor allem die Tageszeit, damit das Licht der tief stehenden Sonne eine Landschaft im besten Licht präsentiert. Das Geld für einen solchen individuellen Rundflug ist gut investiert und die Fotoausbeute sicher bedeutend reicher als bei manch einem Pauschalausflug im Kleinbus …

Der Autor in einem privaten, gecharterten Cessna-Kleinflugzeug, auf dem Weg zu einem Meteor-Einschlagkrater bei Flagstaff, USA.

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Ziel erreicht: Der Barringer-Krater mit 1,2 Kilometer Durchmesser liegt im schönen Licht der tief stehenden Morgensonne. Bei diesem Fischaugen-Foto wurden Teile des Flugzeugs ins Bild einbezogen.

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Mit längerer Brennweite wurde dieses Foto des Kraters aus der Vogelperspektive aufgenommen.

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Bereits auf dem Hinflug zum Krater bot die Landschaft Arizonas fantastische Gelegenheiten für eindrucksvolle „Luftaufnahmen“.

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Durch die rasche Bewegung des Fliegers muss der Fotograf sehr schnell reagieren, um nicht den besten Zeitpunkt für das Foto zu versäumen. Die Perspektive ändert sich nämlich fast im Sekundentakt.

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Menschen oder Tiere vor der Kamera

Eine besondere Bedeutung bekommt das Thema „Augenhöhe“ bei Motiven, die selbst Augen haben, also in erster Linie bei Menschen oder Tieren, rein theoretisch aber auch bei Puppen, Plüschtieren oder anderen figürlichen Darstellungen von Lebewesen. Dann lautet die Empfehlung, aus der Augenhöhe der Motive zu fotografieren.

Nicht nur bei Menschen, auch bei Tieren ist es eine gute Empfehlung, sie aus ihrer Augenhöhe heraus abzulichten.

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Sollen Fotos von Kindern entstehen, bedeutet das für Erwachsene, mit den Knien auf den Boden zu gehen. Für das gelungene Bild einer Katze muss die Kamera noch tiefer positioniert werden.

Augenhöhe bei Kindern – das bedeutet für den Fotografen, dass er sich bücken muss.

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Sogar bei Stofftieren oder Puppen bietet deren Augenhöhe eine gute Aufnahmeperspektive.

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Überschreitet die Perspektive der Kamera die Augenhöhe der Motive deutlich, wirken die Bilder dementsprechend „von oben herab“: Einerseits zeigt das Foto dann in erster Linie Kopfhaare (Kind) oder Rücken (Katze), andererseits entsteht auf diese Weise der Eindruck einer „Überlegenheit“ des Fotografen über sein Motiv.

Aus der Höhe abgelichtet wirken Menschen klein, unterdrückt, schutzlos, vom Fotografen dominiert und beherrscht.

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Ein weiteres Problem, wenn Menschen von oben aufgenommen werden ist, dass man statt der Gesichter fast nur Haare oder – wie in diesem Fall – Hüte sieht.

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Von oben nach unten fotografiert, sieht selbst eines der mächtigsten Raubtiere – ein Eisbär – klein und harmlos aus.

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Auf „Augenhöhe“ dagegen entsteht ein anderer, deutlich intensiverer Eindruck.

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Aber wie bedrohlich wirkt ein solches Tier, wenn es aus der „Froschperspektive“ – über einem im Wasser schwebend – fotografiert wird!

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Umgekehrt wird das Motiv „auf einen Sockel erhoben“, wenn es aus einer Perspektive fotografiert wird, die weit unterhalb der Augenhöhe liegt. Das abgebildete Motiv erweckt dann den Eindruck der Überlegenheit, manchmal sogar der Überheblichkeit.

Nicht ohne Grund stehen mächtige Denkmäler großer Persönlichkeiten (hier: Friedrich Schiller) auf hohen Sockeln, damit man zu ihnen aufschauen muss, sich selbst dabei etwas „erniedrigt“ vorkommt.

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Wie stolz und erhaben wirkt der Steinbock, auf dem Felsgipfel thronend! Unterstrichen wird dieser Eindruck noch von einem Kamerastandpunkt deutlich unterhalb der Augenhöhe des Tiers.

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Der „Mondscheinbrunnen“ in Schorndorf wirkt aus der Augenhöhe der Skulptur nicht gerade sympathisch.

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Aus der Froschperspektive vermittelt die Skulptur den Eindruck, als habe man es mit einem „Feldherrn“ zu tun.

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Diese Regeln sind als „Faustregeln“ zu verstehen. Befolgt man sie, kann man nicht viel falsch machen. Was allerdings nicht bedeutet, dass in manchen Fällen eine bewusst vorgenommene Missachtung der Regel nicht dennoch angebracht ist.

Wird beispielsweise eine Person von „oben herab“ fotografiert, die jedoch den Kopf nach oben kippt, das Gesicht der Kamera entgegen hält und dabei einen selbstbewussten Eindruck hinterlässt, besteht kaum die Gefahr, dass ein Bildeindruck einsteht, bei dem der Fotograf das Modell „dominiert“.


 

Beispiele

Vögel fotografiert man besser nicht aus der „Vogelperspektive“, sondern – wie bei Tieren allgemein ratsam – aus deren Augenhöhe. Auch bei dem Foto dieses Feldsperlings war diese Perspektive angemessen.

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Frösche – egal ob echte oder solche aus Plastik – werden auch aus deren Augenhöhe fotografiert, dann wirken sie am besten. Unter „Froschperspektive“ wird allerdings etwas anderes verstanden, nämlich die Welt aus der Sicht eines Frosches zu betrachten.

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Die Vogelperspektive für ein Auto produziert in aller Regel keine besonders aufregenden Resultate …

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… es sei denn, das Fahrzeug hat eine spezielle Form, die besonders aus der Vogelperspektive zur Geltung kommt, was bei Rennsportfahrzeugen nicht selten der Fall ist.

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Ein Weihnachtsbaum - aus Augenhöhe fotografiert – bietet einen für uns gewohnten Anblick.

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Wir wissen auch, wie ein Weihnachtsbaum aus der Froschperspektive aussieht, denn viele der Bäume sind viel größer als wir, sodass wir zu ihnen aufblicken müssen.

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Ungewöhnlich und somit spannend ist in diesem Fall besonders die Vogelperspektive, denn sie bietet eine für uns weitgehend unbekannte Sichtweise.

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Übung

1. Mach ein Foto aus der Froschperspektive, wobei die Kamera auf dem Boden aufgesetzt oder gar mit dem Objektiv nach oben gelegt wird. Wenn Hilfsmittel wie Winkelsucher oder Klappdisplay nicht zur Verfügung stehen, dann fotografiere einfach, ohne durch den Sucher zu schauen! Wenn mit großem Bildwinkel (Weitwinkel) fotografiert wird, ist die Trefferquote auch ohne einen Blick durch oder auf den Sucher mit etwas Übung beachtlich. Als Motive kommen zum Beispiel infrage: ein Haustier, ein Fahrrad, eine Wiese oder eine Treppe.

2. Nun gilt es, ein Foto aus der Vogelperspektive zu erstellen. Dabei bitte keine Risiken eingehen! Es reicht, von einer gesicherten Brüstung, einem Balkon oder einem höher gelegenen Fenster aus zu fotografieren, notfalls sogar mit einer über Kopf gehaltenen Kamera. Als Motive eigen sich beispielsweise Fußgängergruppen (am besten mit langen Schatten), Stühle/Tische, eine Weg-/Straßenkreuzung oder ein Schiff auf einem Fluss (Brücke als Standort!).

3. Nimm eine Person deiner Wahl aus drei verschiedenen Perspektiven auf: aus Augenhöhe, weit unterhalb und weit oberhalb der Augenhöhe. Das Modell sollte dabei seine Kopfhaltung nicht verändern, allenfalls mit Augenbewegungen in die Kamera schauen. Versuche, auf den entstandenen Fotos die oben beschriebene Wirkung der „Dominanz“ des Modells oder der des Fotografen nachzuvollziehen. Hole dazu auch die Meinung des Modells ein.

4. (Optional) Wiederhole Übung 1 und 2, verwende dafür aber dasselbe Motiv und nimm ein drittes Bild davon aus (deiner) Augenhöhe auf. Vergleiche die entstandenen Fotos miteinander.


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Kommentare
Portrait von mikawi
  • 24.03.2016- 14:42

Ein gutes Tutorial, vor allem deshalb, weil zu den verständlichen Erklärungen auch die passenden Bilder gezeigt werden, an denen die Erklärungen gut nachvollzogen werden können. Und das macht Lust auf's eigene Ausprobieren.

Portrait von Tilli88
  • 18.12.2014- 09:16

Dieser Teil des Tutorials ist ganz ok, aber nicht wirklich was Neues......

Portrait von steve-joe
  • 16.07.2014- 22:11

Danke, weiter so, das macht Laune die Tutorial zu lesen und auszuprobieren.

Portrait von Figib
  • 30.12.2013- 08:17

Vielen Dank für das Tutorial!!!

Portrait von firsthippi
  • 12.09.2013- 10:11

Interessante Sichtweisen. Danke.

Portrait von Sir Jeffrey
  • 26.06.2013- 12:45

Auch hier wieder super lehrreich, herzlichen Dank für das gute Tutorial.

Portrait von Pskarin
  • 29.05.2013- 11:04

Vielen Dank für dieses gute Tutorial. Veränderte Perspektive /Sichtweise kann ungeahnte Spannung erzeugen.

Portrait von skoo
  • 25.05.2013- 16:46

Großartig! Tolle Bilder, tolle Vergleiche und noch mehr Inspirationen! Vielen Dank!

Portrait von fluzzy
  • 31.03.2013- 10:29

klasse - sehr lehrreich!

Portrait von TheIncredibleHagen
Portrait von spuellana
  • 27.10.2012- 16:54

danke für das hilfreiche tutorial ;)

Portrait von schulteost
  • 29.09.2012- 14:05

Danke. Es ist gut, an die Möglichkeiten der Fotografie erinnert zu werden - besonders, wenn nicht viel doziert, sondern mehr an Beispielen demonstriert wird.

Portrait von Bassoony
  • 03.07.2012- 16:21

Interessante Perspektivwechsel und vor allem: super Beispielbilder! Tausend Dank!

Portrait von yorker976
  • 28.06.2012- 17:03

Danke für das Tutorial. Man kann immer wieder was Tolles lernen.

Portrait von Arcangelo
  • 20.06.2012- 11:04

Danke für die tollen Anregungen.

Portrait von Gismo77
  • 19.06.2012- 20:58

Echt Klasse Tutorial, weiter so

Portrait von gimprobs
  • 14.06.2012- 20:14

Vorallem der Hinweis auf den Winkelsucher war sehr interesant.Wusst bis jetzt nicht, das es so gibt.

Portrait von michael_freemann
Portrait von Schachfigur
  • 28.05.2012- 19:46

Sehr gutes Tutorial - mehr muss man dazu einfach nicht sagen ;)

Dankeschön =)

Portrait von hamsibone
  • 27.05.2012- 14:12

Vielen Dank für das Tutorial



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