Anzeige
Tutorialbeschreibung

Basiswissen - Teil 06 - Messen für Anfänger: Belichtung ist das A und O

Basiswissen - Teil 06 - Messen für Anfänger: Belichtung ist das A und O

In einer 18-teiligen Tutorialreihe erfahren Sie alles Grundlegende zur digitalen Fotografie. Welche Kameras gibt es, was zeichnet ein gutes Objektiv aus, wie geht man mit digitalen Daten um, wie nutzt man die vielen Einstellmöglichkeiten einer Digitalkamera usw.

... übrigens findest du die komplette Serie hier: Der große Fotografie-Workshop - Schnapp sie dir in unserem Shop oder in der Kreativ-Flatrate!


Messen für Anfänger: Belichtung ist das A und O

Hier nützt die beste Belichtungsmessung nichts, denn die Kontraste zwischen tiefen Schatten in der Scheune und dem hellen Licht draußen sind einfach zu groß für den Kamerasensor:

Bilder



 
Schön ausgewogen ist diese Landschaftsaufnahme. Die Kontraste sind im Rahmen, der Himmel nicht zu hell. Die Kamera hatte keine Probleme, die Belichtungswerte automatisch korrekt einzustellen. Übrigens: Für den sattblauen Himmel wurde ein Polfilter vors Objektiv geschraubt.

Bilder



 
Wenn Sie ein Motiv fotografieren, ist eine ganz bestimmte Lichtmenge nötig. Je nach Kontrast und Helligkeit variiert die Belichtung und sie muss entweder von der Kamera automatisch oder von Ihnen manuell gesteuert werden. Um ein Foto richtig zu belichten, sind mehrere Faktoren bzw. Parameter zu berücksichtigen: Die Empfindlichkeit (ISO), die Blende und die Verschlusszeit. Jeder dieser drei Werte kann bei einer guten Kamera manuell verändert werden, allerdings kann man die Entscheidung für die Werte auch der Kamera überlassen. Das nennt man dann Belichtungsautomatik.

Sehen Sie in Ihrem Kamerahandbuch nach, wie man die Kamera in den vollautomatischen Modus stellt. Dann haben Sie zwar keine Kontrolle über die Belichtungsmessung und die Einstellung von ISO-Wert, Blende und Verschlusszeit, bekommen aber trotzdem in der Regel ganz passable Fotos.

Bilder

Hier sehen Sie die Displayanzeige einer EOS 450D mit eingeschalteter ISO-Automatik. Wenn Sie Wert auf wenig Bildrauschen legen, stellen Sie den ISO-Wert manuell auf 100 oder 200.


 

Wie werden die Belichtungswerte ermittelt?

Ganz einfach: von der Kamera. Sobald Sie den Auslöser leicht antippen bzw. halb durchdrücken, ermittelt eine Kamera die für eine korrekte Belichtung notwendigen Werte. Je nachdem, wie die Kamera konfiguriert ist, werden ISO, Blende und Verschlusszeit so eingestellt, dass mit großer Wahrscheinlichkeit ein richtig belichtetes Bild entsteht. Während früher – also in der analogen Zeit – die Empfindlichkeit vom Film vorgegeben war, bieten viele Digitalkameras heute die Möglichkeit, neben Blende und Verschlusszeit auch den ISO-Wert automatisch zu regeln. Eine zweischneidige Angelegenheit, denn je höher der ISO-Wert, desto verrauschter sind die Bilder. Gerade bei kleinen Kompaktkameras ist das Bildrauschen ab ISO 200/400 ein echtes Problem, wenn man qualitativ hochwertige Bilder haben möchte. Fazit: Wenn Sie Bildrauschen stört, sehen Sie im Handbuch der Kamera nach, wie man die ISO-Automatik abschaltet. Wählen Sie dann manuell einen niedrigen Wert wie ISO 100 vor und überlassen Sie der Kamera den Rest, spricht die Ermittlung von Blende und Verschlusszeit.


Technische Grundlagen

Ein Belichtungsmesser, wie ihn jede Kamera eingebaut hat, ist geeicht. Und zwar auf die Messung einer grauen Fläche, die 18% Licht reflektiert. Das entspricht einem mittleren Grau, wie es z.B. nicht zu dunkler Asphalt hat. Aber nicht nur Asphalt, auch eine grüne Sommerwiese oder nicht im Schatten liegende Hauttöne reflektieren 18% Licht. Das heißt, wenn Sie mit Ihrer Kamera auf eine asphaltierte Straße „zielen“ und den Auslöser halb durchdrücken, bekommen Sie eine perfekt belichtete Aufnahme, weil der integrierte Belichtungsmesser die richtigen Werte einstellt. Aber was, wenn man keine solche Referenzstelle im Motiv findet?

 
Alles Durchschnitt – bei diesem Promifoto war die Belichtungsmessung unproblematisch, weil helle und dunkle Bereiche relativ ausgewogen waren.

Bilder



 

Graukarte

Schon mal von einer Graukarte gehört? Profis arbeiten ständig mit so was. Die Reflexionsfähigkeit einer Graukarte entspricht nahezu perfekt dem, was ein Belichtungsmesser braucht. Das bedeutet, Graukarte vors Motiv halten, mit der Kamera auf die Graukarte zielen und die Brennweite so einstellen, dass die Karte das gesamte Blickfeld bedeckt, Auslöser halb durchdrücken – und man hat die richtigen Belichtungswerte. Die kann man dann entweder speichern (falls vorhanden mit der AE-Taste – siehe Kamerahandbuch) oder sich merken und dann in der manuellen Betriebsart (M) von Hand einstellen.

Bilder

Hier wurde wegen der ins Objektiv scheinenden Sonne zuerst eine Messung am Kiesbelag des Radwegs rechts vorne vorgenommen. Dann hat‘s auch mit der Belichtung geklappt.


 

Objektmessung vs. Lichtmessung

Bisher war ich etwas ungenau bei der Verwendung des Begriffs Belichtungsmessung. Im Grund gibt es zwei Methoden der Belichtungsmessung, die man unterscheiden sollte bzw. von denen mal zumindest mal gehört haben sollte: Die Objektmessung und die Lichtmessung. Wenn Sie mit der Kamera auf ein Motiv zielen und den Auslöser halb durchdrücken, macht die Kamera eine Objektmessung. Sie misst das Licht, das vom Objekt oder Motiv reflektiert wird und durchs Objektiv auf den Sensor bzw. Belichtungsmesser fällt.

Diese Art der Messung hat einen entscheidenden Nachteil: Entspricht die Oberfläche des Motivs nicht der 18%-Referenz wie oben beschrieben, ermittelt der Belichtungsmesser falsche Werte. Die Lichtmessung funktioniert andersherum: Man geht mit einem Handbelichtungsmesser (nicht mit der Kamera!!) so nah wie möglich ans Motiv und hält das Messgerät in Richtung der Kamera. So wird die Lichtmenge gemessen, die auf das Motiv fällt.

Wie man sich vorstellen kann, ist diese Methode viel exakter, leider auch aufwendiger, teurer (Handbelichtungsmesser kosten) und oft nicht möglich – z.B. bei einem entfernten Landschaftsdetail oder im Zoo bei den Löwen.

Bilder

Hier war leider keine Lichtmessung am Bären möglich. Er hatte an dem Tag noch nichts gegessen … :-)


 

Problem Objektmessung

Wie oben gesagt, kann die Objektmessung Probleme verursachen. Konkret: Fotografieren Sie eine weiß gekleidete Braut vor einer weißen Wand, können Sie den Belichtungsmesser der Kamera vergessen. Das Bild wird, weil die Kamera auf 18%iges Grau geeicht ist, viel zu dunkel. Brautkleid und Wand wären nicht weiß, sondern grau. Das Beispiel in Zahlen: Wäre für eine korrekte Belichtung eine Verschlusszeit von 1/60 Sekunde bei Blende f/8 notwendig (nur theoretisch), würde die Kamera einen Wert von ca. 1/250 Sekunde ermitteln, läge also um 2 LW (Lichtwerte) zu niedrig. Umgekehrt der schwarz gekleidete Bräutigam im schattigen Kirchenportal: Der wird zu hell. Was tun? Ganz einfach: Die Belichtungswerte manuell kompensieren.

Praktisch jede Kamera verfügt über die Möglichkeit der Belichtungs-Kompensation. Suchen Sie einen Knopf, Schalter oder Menüpunkt mit Plus-/Minuszeichen. Oder sehen Sie im Handbuch nach, wie das geht. Das Prinzip ist immer das gleiche: Man lässt die Kamera die Belichtungswerte ermitteln und kompensiert diese Werte dann nach unten (Minus) oder oben (Plus), wodurch die Belichtung verlängert oder verkürzt wird. Das erfordert einige Erfahrung und einen wachen Geist.

Fragen Sie sich immer, ob und wie sehr ein Motiv von 18%igem Grau abweicht und korrigieren Sie die Belichtung entsprechend. Ist das Motiv heller, erhöhen Sie die Belichtung um eine oder zwei Stufen (+1, +2), ist es dunkler, verringern Sie die Werte.

 
Weiße Motive vor weißem Hintergrund – da gerät jede Kamera ins Schwitzen. Um eine vernünftige Belichtung hinzubekommen, wurde die Belichtungskorrektur eingesetzt und um zwei Lichtwerte von 1/8 Sek auf 0,5 Sekunden erhöht.

Bilder



 

Kompensation nötig

Hier eine kleine Übersicht, für welche Motive man die Belichtung kompensieren muss:
Schnee Belichtung um ca. 2 Stufen erhöhen
Heller Sandstrand Belichtung um ca. 1 Stufe erhöhen
Landschaft mit viel hellem Himmel Belichtung um ca. 1 Stufe erhöhen
Landschaft mit Sonne im Sucher Belichtung um ca. 2-3 Stufen erhöhen
Dunkler Anzug vor dunklem Auto Belichtung um ca. 2 Stufen verringern
Person im Scheinwerferlicht vor dunklem Hintergrund Belichtung um ca. 1-2 Stufen verringern (oder Spotmessung vornehmen)
Nachtaufnahme mit wenig Beleuchtung Belichtung um ca. 2-3 Stufen erhöhen


Bilder

So oder ähnlich sieht die Belichtungskorrekturanzeige auf dem Display oder im Sucher einer Digitalkamera aus.


 

Außermittige Motive und Bracketing

Ist das normal beleuchtet Hauptmotiv nicht in der Bildmitte? Dann gibt es einen Trick, wie Sie die Belichtungsmessung trotzdem am Hauptmotiv ausrichten können. Schwenken Sie die Kamera zunächst zum Motiv, drücken Sie den Auslöser halb durch, um die Belichtung zu ermitteln. Lassen Sie den Auslöser dann nicht mehr los, damit die Werte erhalten bleiben. Schwenken Sie die Kamera dann wieder zurück und machen Sie die Aufnahme. Klingt einfach und ist es auch.

Und was ist das mit dem Bracketing – zu Deutsch „Belichtungsreihe“? Stehen Sie vor einem Motiv, von dem Sie nicht genau wissen, ob es heller oder dunkler als der 18%ige Durchschnitt ist, machen Sie einfach eine Belichtungsreihe. Sehen Sie im Kamerahandbuch nach, wie Sie Ihre Kamera einstellen müssen. Beim Bracketing werden automatisch drei oder mehr Bilder mit unterschiedlicher Belichtung angefertigt. Dann ist zumindest eins dabei, bei dem die Belichtung passt.

Bilder

Von allem etwas – Hell und Dunkel sind gleichmäßig verteilt, die mittenbetonte Messung bringt ein gutes Ergebnis. Allerdings wurde hier die Kamera zuerst auf die Frau gerichtet, die Belichtung gemessen und dann wieder zurückgeschwenkt.


 

Belichtungsmessmethoden

Und noch ein paar technische Details zur Belichtungsmessung. Eine moderne Kamera bietet verschiedene Möglichkeiten der Belichtungsmessung. Meistens werden drei Methoden verwendet: die Mehrfeld- oder Matrixmessung, die mittenbetonte Messung und die Spot- oder Selektivmessung.

Bilder

Dies ist die Anzeige einer EOS 1000D mit den drei Belichtungsmessmethoden Mehrfeldmessung (oben), Selektivmessung (mitte) und mittenbetonte Messung (unten).


 

Mehrfeldmessung

Bei der Mehrfeldmessung wird einfach das gesamte Sichtfeld der Kamera in gleich große Bereiche geteilt, die Bereiche werden vermessen, wobei der mittlere Bildbereich ein wenig höher gewichtet wird. Denn üblicherweise befindet sich das Hauptmotiv in der Mitte. Diese Methode ist Standard bei allen Kameras im Automatikmodus und führt in den allermeisten Fällen zu guten Belichtungen, selbst bei Gegenlicht, das immer etwas knifflig ist, klappt es mit der mittenbetonten Messung ganz gut.


Mittenbetonte- oder Matrixmessung

Die Matrixmessung dagegen ist ein wenig intelligenter, weil die Kamera das Sichtfeld interpretiert. Sie nimmt, an, dass das Hauptgeschehen in der Bildmitte stattfindet, lässt aber z.B. sehr hellen Himmel weniger in die Bewertung der Lichtverhältnisse einfließen.

Sie gewichtet die Belichtungsmessung entsprechend. Das klappt meistens ganz hervorragend, muss aber nicht, wenn das Hauptgeschehen eben nicht in der Mitte stattfindet und vielleicht sogar noch sehr hell oder sehr dunkel ist. Leichte Veränderungen der Kameraposition (oder des Motivs) können zu unterschiedlichen Belichtungen führen.

 
Ein Fall für die Matrixmessung – der dunkle Hintergrund und das weiße Hemd fallen bei der Messung nicht so sehr ins Gewicht wie die Hauttöne.

Bilder



 

Selektiv-/Spotmessung

Wenn’s mal ganz genau gehen muss und z. B. ein Gesicht im krassen Gegenlicht angemessen werden soll oder eine Graukarte angemessen wird, ist die Selektiv- oder Spotmessung zu empfehlen. Hierbei wird nur ein ganz kleiner Bereich im Sichtfeld vermessen, bei der Spotmessung ist der noch kleiner als bei der Selektivmessung. Üblicherweise sitzt der Spotmesspunkt in der Mitte, kann aber zusammen mit dem Autofokusmessfeld verschoben werden. Ob das auch bei Ihrer Kamera geht, steht im Kamerahandbuch. Kleiner Tipp: Die Spotmessung ist bei unregelmäßig beleuchteten Ereignissen wie z.B. Rockkonzerten sehr hilfreich. Man muss nur immer auf die Gesichter (Hauttöne) messen und diese Werte dann für die Belichtung verwenden.

Bilder

Weiße Möwe vor hellem Hintergrund – hier wurde mit der Spotmessung gearbeitet und die Belichtung anschließend um 2 Werte verlängert. Sonst wäre der Vogel unterbelichtet gewesen.

DVD-Werbung
Kommentare
Achtung: Du kannst den Inhalt erst nach dem Login kommentieren.
Portrait von ASTRODeluxe
  • 18.03.2015 - 01:41

Vielen Dank ! Super Anleitung! :-)

Portrait von suesskeks
  • 02.12.2014 - 21:21

Danke, sehr gut erklärt.

Portrait von Patty12
  • 07.07.2014 - 19:16

Danke, wieder was gelernt.

Portrait von Nibo
  • 10.07.2013 - 19:49

Wie immer echt gute Tipps, insbesondere für Neulinge,
Danke

Portrait von Gladiole
  • 12.06.2013 - 20:58

Wieder gute Tipps zum Beachten, vielen Dank

Portrait von Gladiole
  • 02.06.2013 - 19:39

Alles klar, vielen Dank.

Portrait von schmidtel23
  • 02.05.2013 - 22:12

Danke - ein tolles Tutorial!

Portrait von Mo_the_Cat
  • 30.04.2013 - 11:53

Danke - die Grundprinzipien logisch und kurz zusammengefasst.

Portrait von gulag
  • 30.01.2013 - 21:59

Belichtung muss man können

Portrait von mialga
  • 28.12.2012 - 22:01

Gute Einführung in das Thema.

Portrait von MiBo21
  • 07.11.2012 - 23:20

Vielen dank! Deutlich und interessant!

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 18.10.2012 - 12:45

Gute Übersicht zum Thema danke!

Portrait von knuddelbaer7271
  • 08.10.2012 - 18:39

Jetzt hat es auch Ivonne verstanden. Danke.

Portrait von MonochromePython48
Portrait von therabbitpaw
  • 26.09.2012 - 12:19

Tolles Tutorial :) War echt hilfreich!

Portrait von KaiaK
  • 05.09.2012 - 11:58

Einfach und verständlich beschrieben und mit tollen Beispielen, vielen Dank :)

Portrait von woasis111
  • 26.08.2012 - 14:37

Umfangreich aber auch für mich als Anfänger sehr gut verständlich!
Danke!

Portrait von woasis111
  • 26.08.2012 - 14:37

Umfangreich aber auch für mich als Anfänger sehr gut verständlich!
Danke!

Portrait von cytrex
  • 22.08.2012 - 22:45

Ja Sehr informativ und sehr verständlich

Portrait von cytrex
  • 22.08.2012 - 22:45

Ja Sehr informativ und sehr verständlich

x
×
×