Anzeige
Tutorialbeschreibung

Basiswissen - Teil 07 - Wo steh ich heute? Brennweite, Perspektive, Abstand

Basiswissen - Teil 07 - Wo steh ich heute? Brennweite, Perspektive, Abstand

In einer 18-teiligen Tutorialreihe erfahren Sie alles Grundlegende zur digitalen Fotografie. Welche Kameras gibt es, was zeichnet ein gutes Objektiv aus, wie geht man mit digitalen Daten um, wie nutzt man die vielen Einstellmöglichkeiten einer Digitalkamera usw.

... übrigens findest du die komplette Serie hier: Der große Fotografie-Workshop - Schnapp sie dir in unserem Shop oder in der Kreativ-Flatrate!


Wo steh ich heute? Von Brennweite, Perspektive und Aufnahmeabstand

Extreme Brennweite, extreme Perspektive – man sollte immer versuchen, ein Motiv aus verschiedenen Blickwinkeln und mit unterschiedlichen Brennweiten zu fotografieren. Dadurch schult man den Blick für interessante Gestaltung und macht nicht nur die Aufnahmen, die alle anderen auch machen. Denn schließlich möchte man ja etwas Besonderes mit seiner Kamera leisten.

Bilder



 

Brennweite und Aufnahmeabstand

Wieso eigentlich „Brennweite“? Brennt da was, oder wie? In der Tat, denn der Begriff Brennweite kommt aus der Optik und beschreibt die Entfernung einer Linse zu ihrem Brennpunkt. Wer schon mal mit einer Lupe ein Stück Papier mit gebündeltem Sonnenlicht zum Kokeln gebracht hat, weiß, wie er den Brennpunkt findet – man verändert einfach den Abstand zwischen Lupe und Papier so lange, bis der Punkt möglichst klein ist – das ist der Brennpunkt.

Und der Abstand, den die Lupe dann zum Papier bzw. zum Brennpunkt hat, das ist die Brennweite. Aber genug Physik, wer es genauer wissen möchte, schaut bei Wikipedia nach – da gibt’s Formeln, die aber fürs Fotografieren nicht wirklich wichtig sind.

 
Leichtes Weitwinkel und nah ran an die Pistole – das ist das Geheimnis dieser Aufnahme. Durch die Weitwinkelbrennweite wirkt die Pistole größer. Weil direkt auf die Mündung fokussiert wurde, ist der Mann im Hintergrund unscharf.

Bilder



 

Brennweite in der Fotografie

In der Fotografie bestimmt die Brennweite, die immer in mm angegeben wird, den Bildwinkel. Der Bildwinkel ist derjenige Bereich vor dem Objektiv, der auf dem Sensor abgebildet wird. Wie man sich vorstellen kann, ist der Bildwinkel nicht nur von der Brennweite, sondern auch vom Aufnahmeformat bzw. der Sensorgröße abhängig. Je kleiner der Sensor, desto kleiner muss die Brennweite sein, um den gleichen Bildwinkel wie mit einer größeren Sensor/Brennweiten-Kombination zu erzielen. Macht‘s Klick? Hier sollte nun ein kleines Licht aufgehen, was die Brennweitenangaben auf den Objektiven von Kompaktkameras angeht.

Die sind nämlich oft winzig im Vergleich zu denen auf Objektiven von Spielreflexkameras. Kleiner Sensor – kleine Brennweite – gleicher Bildwinkel. Um nun die in einem Foto verwendete Brennweite einer Kompakten mit der einer SLR vergleichen zu können, müsste man genau genommen den Bildwinkel angeben. Oder, und das ist gängige Praxis, die Brennweite der Kompaktkamera in Bezug auf das Kleinbildformat einer SLR-Kamera umrechnen.


 

Brennweite eines Normalobjektivs

Ein Normalobjektiv hat eine Brennweite, die ungefähr dem Bildwinkel der menschlichen Wahrnehmung entspricht. Die Länge der Normalbrennweite entspricht der Diagonalen des Aufnahmemediums (Sensor, Film). In der Kleinbildfotografie hat die Diagonale des 35-mm-Films ca. 50 mm, ein Normalobjektiv hat also diese Brennweite. Die Normalbrennweite ist aus zwei Gründen wichtig. Erstens bestimmt man durch sie, was Weitwinkel (kleiner als Normalbrennweite) und was Tele (größer als Normalbrennweite) ist.

Und zweitens sind Fotos, die mit der Normalbrennweite gemacht werden, durch ihren Bildwinkel oft sehr eindringlich, weil sie sozusagen die menschliche Wahrnehmung widerspiegeln. In Kombination mit einer ungewöhnlichen Perspektive ergeben sich mitunter hochinteressante Effekte. Hält man die Kamera dagegen einfach vors Gesicht, ohne sich groß Gedanken über die Perspektive zu machen, werden die Bilder entweder dokumentarisch oder langweilig.

Bilder

Auch die Sach- und Still-Life-Fotografie bedient sich häufig der Normalbrennweite, um die Realität mit der gewohnten menschlichen Perspektive wiederzugeben.


 

Kurze Brennweite und die Probleme

Will man viel aufs Bild bringen, muss man entweder die Entfernung zum Motiv verändern oder mit Weitwinkel fotografieren. Landschaften, Menschengruppen, Gebäude – das sind typische Motive für die Weitwinkelbrennweite und die entsprechend großen Bildwinkel. Je nach Motiv fotografiert man im Hoch- oder Querformat, die kurze Brennweite verstärkt dabei die Wirkung von vertikalen bzw. horizontalen Linien. Aber auch Diagonalen, die sich durchs Bild ziehen, werden mit Weitwinkel optisch verstärkt. Gerade wenn z.B. eine Straße im Bild unten oder unten links ins Bild kommt und sich nach oben ins Bild hinein schlängelt, wird der Blick des Betrachters unwiderstehlich in und durch das Motiv geführt.

Wir lesen von links nach rechts, deshalb sind von links nach rechts verlaufende Linien gute Führungslinien. Kleiner Tipp zur Bildgestaltung mit kurzer Brennweite: auf interessante Vordergrundmotive achten! Denn das Problem bei Weitwinkelaufnahmen ist, dass Motive, die nicht direkt vor der Kamera sind, auf dem Foto dann ziemlich klein werden und den Blick nicht mehr so fesseln. Deshalb ist das A und O bei Weitwinkelbildern das Eliminieren von störenden Details. Ein alter, allein stehender Bauernhof im Sonnenuntergang ist in einer Landschaftsaufnahme nur dann als Hauptmotiv zu erkennen, wenn sonst nichts von ihm ablenkt. Strommasten, Autos, andere Gebäude – das kann so störend wirken, dass der Blick nicht lange genug am Bauernhof hängen bleibt.

Und noch ein eher technisches Problem soll hier angesprochen werden: Die meisten Weitwinkelobjektive (Zoom und Festbrennweite) haben mit optischen Fehlern zu kämpfen. Zu den Rändern hin gibt es deutliche Unschärfe  und Farbfehler, die Bildecken sind dunkler als der Rest (Vignettierung). Das lässt sich zwar alles mehr oder weniger per Bildbearbeitung korrigieren, sollte jedoch in die Überlegungen vor dem Drücken des Auslösers mit einfließen.

 
Der Baum im Vordergrund erfüllt zwei Funktionen: Er bildet durch seinen Stamm und die Äste oben einen Rahmen für das Hauptmotiv Schloss Schönbrunn. und sein Schatten auf dem Boden führt den Blick ins Bild.

Bilder



 
Einmal hoch, einmal quer – ...

Bilder



 
... die starken Vertikalen werden in der Hochformataufnahme, die mit 17 mm Brennweite entstanden ist, besser verstärkt.

Bilder


 

Lange Brennweite – nur was für Faule?

Sicher nicht. Denn lange Brennweiten ab ca. 80 mm (in Bezug auf das Kleinbildformat) sind für bestimmte fotografische Aufgaben einfach prädestiniert. Der wichtigste Bereich im fotografischen Alltag ist die Porträtfotografie. Machen Sie sich den Spaß und fotografieren Sie mal einen Menschen (Kopf-Brust-Porträt oder nur den Kopf) mit 30 mm Brennweite, 50 mm, 85 mm und 135 mm. Achten Sie darauf, dass immer der gleiche Bildausschnitt zu sehen ist.

Dazu müssen Sie natürlich die Entfernung zwischen sich und dem Model verändern. Sie werden auf den Fotos sehen, dass die Proportionen bei den Brennweiten 85 und 135 mm am „schönsten“ aussehen. Nicht umsonst hat sich in der professionellen Porträtfotografie die Brennweite von 85 cm als Quasi-Standard etabliert, hier kann man praktisch nichts falsch machen – mal abgesehen von Licht, Pose, Gestaltung, Hintergrund usw.

 
Ein typisches Studioporträt mit 85 mm Brennweite. Die Proportionen werden sehr vorteilhaft abgebildet.

Bilder



 
Lange Brennweiten braucht man natürlich auch noch in der Reportagefotografie oder bei Streetlife-Aufnahmen, wenn man nicht gleich als Fotograf entdeckt werden möchte. Außerdem beim Sport, weil man da ja selten nah genug ans Geschehen rankommt. Gleiches gilt für die Makro- und Naturfotografie, wo Brennweiten weit jenseits der 200 mm nichts Ungewöhnliches sind.

Und auch in der Landschaftsfotografie werden lange Brennweiten eingesetzt, wenn es darum geht, ein Motiv optisch zu verdichten. Denn bei einer langbrennweitigen Aufnahme rücken hintereinander angeordnete Motivteile dichter zusammen. Würde man den gleichen Bildausschnitt mit Weitwinkel fotografieren, würde der Vordergrund betont und die dahinter liegenden Teile in weite Ferne gerückt.

 
Den Wolf möchte man wohl kaum aus dieser Nähe mit Weitwinkel fotografieren. Die Aufnahmen entstand mit 800 mm Brennweite (400 mm plus 2x-Konverter an einer digitalen Spiegelreflexkamera).

Bilder



 
Extreme Verdichtung: Zwischen dem Haas-Haus im Vordergrund und dem Stephansdom dahinter liegen ca. 100 m. Durch die lange Brennweite von 200 mm werden beide Bildteile kräftig zusammengezogen.

Bilder



Problem bei jeder Art von Telefotografie: Die Gefahr, zu verwackeln, steigt mit jedem Millimeter Brennweite stark an. Während eine Weitwinkelaufnahmen bei Tageslicht auch mit 1/30 Sek. noch aus der Hand und ohne Stativ machbar ist, kann man das bei einer 200-mm-Aufnahme komplett vergessen.

 
Außer, der Bildstabilisator funktioniert so gut, worauf man sich im Zweifel nicht verlassen sollte. Daher sollte man, wenn Teleaufnahmen über 100 mm geplant sind, immer ein Stativ dabei haben. Das muss nicht mal ein großes sein, auch ein Einbein funktioniert gut, wie die Bundesliga-Fotografen jeden Samstag beweisen.

Bilder

Diese Werbeaufnahme wurde mit einer Brennweite von ca. 135 mm gemacht, um die Landschaft im Hintergrund näher an die Familie heranzuholen.


 

Warum nicht einfach zoomen?

Wie oben schon gesagt, verändert sich je nach Brennweite die gestalterische Dichte auf einem Foto. Wer ein guter Fotograf sein will, muss !! in seine Überlegungen zur Bildgestaltung eine Entscheidung für eine bestimmte Brennweite mit einfließen lassen. Beispiel gefällig? Fotografieren Sie einen Künstler/Handwerker/Hobbybastler in seiner Werkstatt, können Sie natürlich eine mittlere Brennweite wählen, um den Menschen hübsch abzubilden.

Vielleicht noch irgendein wichtiges Utensil oder Werkstück in die Hand, fertig ist Porträtaufnahme. Wie wäre es dagegen mit einer Weitwinkelaufnahme? Der Künstler/Handwerker etc. sitzt an seinem Arbeitsplatz und konzentriert sich auf seine Tätigkeit.

Sie gehen mit kurzer Brennweite (ca. 35 mm) relativ nah an ihn ran und nehmen nicht nur ihn, sondern auch einen großen Teil der Werkstatt auf. Dazu sollte der Hintergrund natürlich aussagekräftig sein und etwas von der Arbeit, die hier verrichtet wird, zeigen.

 
Natürlich könnte man den Rosenkavalier einfach von vorne mit üblicher Porträtbrennweite abbilden. Aber die Wahl der Weitwinkelbrennweite verleiht dem Motiv etwas Skurriles, Witziges.

Bilder



 

Perspektive – wie ändert man sie

Ebenso wichtig wie die Brennweite ist die Perspektive. Nein, die Perspektive wird durch die Brennweite nicht geändert. Die Perspektive eines Motivs ist vom selben Standort aus mit 35 mm und 200 mm die gleiche. Um die Perspektive zu verändern, müssen Sie den Kamerastandort ändern. Links, rechts, hoch, runter, vor, zurück – das verändert die Perspektive. Ein guter Rat, der mir schon oft zu neuen Perspektiven in meinen Bildern verholfen hat: Wenn man ein Motiv sieht und toll findet, sollte man gleich mal eine Aufnahme machen. Dann den Standort wechseln und noch eine machen.

Und noch mal den Standort wechseln und noch eine machen, und so weiter, bis man sein Motiv aus allen möglichen Richtungen fotografiert hat. Wenn es sich zeitlich und räumlich irgendwie machen lässt, schöpfen Sie den gesamten Raum um ein Motiv herum aus und probieren Sie jede erdenkliche Perspektive. Sicher, das geht nicht immer, aber es ist eine Tatsache, dass dies die allerbeste Schulung für den Blick eines Fotografen ist.

Und irgendwann, wenn man nicht völlig talentfrei ist, kommt man zu einem Punkt, an dem ein kurzer Blick genügt, und man weiß ganz genau, aus welcher Perspektive und mit welcher Brennweite man ein Motiv am besten abbildet. Wie gesagt, das erfordert ein bisschen Erfahrung.

 
In die Knie zu gehen reicht oft schon, um völlig ungewöhnliche Perspektiven zu bekommen. Hier wurde die Kamera einfach knapp über den Boden gehalten, um die Linien des Straßenpflasters als Gestaltungselemente zu nutzen.

Bilder



 

Frosch und Vogel

Wer von oben fotografiert, verwendet die Vogelperspektive, von unten ist das die Froschperspektive. Diese Begriffe muss man wohl nicht mehr groß erklären. Hier nur ein Tipp zum Einsatz der jeweiligen Perspektiven: Da die Menschen auf Kontraste abfahren und gute Fotos davon nur so strotzen (in Bezug auf Farben, Licht und Inhalt!), nehmen Sie bei bestimmten Motiven doch diejenige Perspektive ein, die man so nicht erwartet.

Fotografieren Sie Kleines, das man üblicherweise von oben sieht, von unten aus der Froschperspektive, große Dinge dagegen wenn möglich aus der Vogelperspektive. Setzen Sie die Perspektiven – das gilt natürlich nicht nur für Frosch und Vogel – ungewöhnlich ein, um Ihre Bilder interessant zu machen. Bestes Beispiel: Kinder. Gehen Sie in die Knie und fotografieren Sie Kinder auf Augenhöhe oder leicht von unten. Das ist man so nicht gewöhnt. Gleiches gilt für Hunde, Katzen, Mäuse etc.

 
Das nennt man dann wohl Froschperspektive. Hier wurde ein 17-mm-Weitwinkel einfach dicht über den Boden gehalten. Fokussierung und Belichtungswerte wurden der Kameraautomatik überlassen.

Bilder



Kommentare
Achtung: Du kannst den Inhalt erst nach dem Login kommentieren.
Portrait von zwenka
  • 25.06.2013 - 10:59

super tutorial, danke :)

Portrait von Gladiole
  • 11.06.2013 - 19:48

viel tipps zu besseren bildern, vielen dank

Portrait von stibo8
  • 17.03.2013 - 13:23

super hilfreiches tutorial. vielen Dank

Portrait von Lexi_
  • 05.03.2013 - 08:27

Hat mir super weitergeholfen. Danke!

Portrait von gulag
  • 01.02.2013 - 16:45

muss man echt gelesen und ausprobiert haben kommen super bilder nei raus

Portrait von susisnaomi
  • 03.12.2012 - 23:39

Nicht nur was für Anfänger! Herzlichen Dank!!!

Portrait von widder60
  • 29.11.2012 - 19:17

Danke, verständlich beschrieben und nützlich.

Portrait von widder60
  • 29.11.2012 - 19:16

Danke, verständlich beschrieben und nützlich.

Portrait von widder60
  • 29.11.2012 - 19:16

Danke, verständlich beschrieben und nützlich.

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 18.10.2012 - 15:50

Sehr gut verständliches Tutorial! Vorher habe ich nicht darauf geachtet die speziellen Eigenschaften der Brennweiten gezielt einzusetzen. Danke!

Portrait von Spezia
  • 05.10.2012 - 11:14

hey...danke und weiter so. ich arbeite mich grade schritt für schritt durch und die tuts sind echt super :)

Portrait von mantaro
  • 03.09.2012 - 13:30

Danke für das gelungene Tutorial. Werde mir bestimmt auch noch einige der vorangegangenen/nachfolgenden ansehen!

Portrait von tobo1005
  • 02.09.2012 - 18:00

Interessantes Tut. Freue mich auch auf die anderen Teile.

Portrait von Yarnauga
  • 31.08.2012 - 08:36

Tolles Tut! Super erklärt alles. Kann man als Anfänger richtig was lernen.
Den Punkt mit der Perspektive hätte man meiner Meinung nach gerne noch etwas ausbauen können, die Möglichkeiten hier auch echt spannend finde.

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 29.08.2012 - 09:03

Hat mir sehr gut gefallen. Danke

Portrait von Gismo77
  • 20.06.2012 - 19:37

Danke, hat mir sehr geholfen

Portrait von Jake23
  • 20.02.2012 - 15:06

Super tut. ein kleinen fehker hab ich aber endeckt. brennweite 85mm nicht 85cm. mfg

Portrait von tpfote
  • 14.12.2011 - 13:33

Wieder was dazu gelernt! Gut verständlich und infomativ. Danke!

Portrait von aizn
  • 22.11.2011 - 11:29

schönes Tutorial, danke!

Portrait von jasmine1988
  • 28.09.2011 - 12:50

Für blutige Anfänger ein Muss dieses Tutorial - einfach und verständlich - Danke!

x
×
×