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Tutorialbeschreibung

Belichtung - Grundlagen Crashkurs

Belichtung - Grundlagen Crashkurs

Eins der wichtigsten gestalterischen Mittel bei der Fotografie ist die Belichtung. Hier erläutere ich verschiedene Einstellmöglichkeiten, deren Auswirkungen und Tipps.


Belichtung

Eins der wichtigsten gestalterischen Mittel bei der Fotografie ist die Belichtung. Hier erläutere ich verschiedene Einstellmöglichkeiten, deren Auswirkungen und Tipps.

Grundlegendes
Grundlegend lässt sich sagen, dass die Belichtung durch die Kombination von Blende und Belichtungszeit geregelt wird. Die Blende kann man sich wie eine Tür vorstellen: Ist die Tür nur einen Spalt weit offen, dann tritt nur wenig Licht in den Raum hinein, ist die Tür allerdings vollständig geöffnet, so gelangt weitaus mehr Licht hinein.

Ein Foto entsteht, wenn das Licht, welches das Motiv reflektiert durch das Objektiv hindurch auf den Sensor/Film fällt.

Die Belichtungszeit gibt die Dauer an, die die Blende geöffnet wird und somit Licht auf den Sensor/Film fällt.

Die Belichtungszeit
Die Belichtungszeit wird normalerweise in Bruchteilen von Sekunden angegeben. Durch das Einstellen der Belichtungszeit im Verhältnis zur Blende wird die Belichtung des Sensors/Films gesteuert.
In der Regel wird die Belichtungszeit in Sekunden angegeben (z.B. 1/10 S. für eine Zehntel Sekunde). Die Belichtung wird durch das Verhältnis von Blende zur Belichtungszeit gesteuert (zur Blende gehe ich im weiteren Verlauf ein).

Die Belichtungsdauer lässt sich oft leider nicht an allen Kompaktkameras einstellen, sondern nur an Bridge- oder Spiegelreflexkameras, bei welchen sie über ein Einstellrad oder über das Bedienmenü vorgewählt wird.

Meist können Belichtungszeiten von ca. 1/2000 bis 30 Sekunden eingestellt werden – bei manchen Spiegelreflexkameras sind auch noch deutlich kürzere Verschlusszeiten möglich.

Je kürzer die Belichtungszeit, umso weniger Licht kann auf den Sensor fallen (da die „Tür ja schneller verschlossen wird“). Daher werden extrem kurze Belichtungszeiten nur bei guten Lichtverhältnissen, Aufnahmen mit Blitz oder Studioaufnahmen verwendet.

Der Vorteil von langen Verschlusszeiten liegt z.B. darin, dass es möglich ist auch bei schlechtem Licht noch Fotos machen zu können, da zwar wenig Licht durch den „Türspalt“ fällt, aber der „Türspalt“ dafür länger offen bleibt. Allerdings ist zu erwähnen, dass die Gefahr des Verwackelns bei steigender Verschlusszeit rapide zunimmt, weshalb man z.B. bei schlechtem Licht, Nachtaufnahmen, Innenräumen usw. unbedingt ein Stativ verwenden sollte (-> siehe meinen kleinen Exkurs zum Thema „Stative“ am Ende dieses Tutorials).

Man sagt in der Regel, dass die Verschlusszeit (Sek) nicht größer sein sollte, als der Kehrwert der Brennweite des Objektivs (mm).
Wenn man nun bei 250mm ein Foto macht, dürfte die Verschlusszeit nicht länger als 1/250 Sekunden liegen. Jedoch muss ich erwähnen, dass die „verwacklungsfreie Zeit“ von Person zu Person unterschiedlich ist – Manche können aus der Hand verwacklungsfreie Fotos schießen, Andere haben bei 1/60 und Weitwinkelobjektiv schon starke Probleme.

Die Blende
Mit der Blende kann man bestimmen, wie viel Licht durch das Objektiv fallen soll – mit der Verschlusszeit, die Dauer, die die Blende geöffnet ist.

Die Blende ist die Öffnung im Objektiv, welche man meistens beeinflussen kann. Die Blendenöffnung wird als Zahl angegeben (z.B: 2.8 oder 11) welche den Durchmesser der Öffnung im Verhältnis zur Brennweite darstellt.
Je größer die Blendenöffnung, umso kleiner ist die Blendenzahl:
Bei 2 ist die Blende fast ganz offen, bei 16 ist sie nahezu geschlossen.

fotoBilder

Die Grund-Blendenöffnungen bewegen sich in einem Bereich von 2.0 bis 22.0
2 – 2.8 – 4 – 5.6 – 8 – 11 – 16 – 22

Es gibt jedoch auch noch Zwischenwerte (halbe Blenden), welche von den meisten modernen Kameras unterstützt werden:
1.8 – 2.4 – 3.5 – 4.8 – 6.5 – 9 – 13 - 19

Über die Blende kann auch die Tiefenschärfe (Schärfentiefe oder DOF) beeinflusst werden. Die Tiefenschärfe gibt den Bereich an, der von der Kamera scharf erfasst wird. Bei einer Blende von 11 ist die Schärfentiefe sehr hoch, d.h. auch weit entfernte Objekte sind noch sehr scharf. Bei einer Blende von 2.8 ist die Schärfentiefe eher gering, was sich durch ein „Verschwimmen“ des Hintergrundes zeigt. Dadurch ist ein „Freistellen“ von Objekten möglich, da der Vordergrund (das Objekt) scharf ist, aber alle störenden Bildteile verschwommen sind.

In der Regel wird die Blendenöffnung über einen Einstellring am Objektiv oder über das kamerainterne Menü eingestellt. Der Einstellring hat den Vorteil, dass die Blende stufenlos gewählt werden kann (trotzdem rastet der Einstellring bei den normalen Blendenöffnungen ein).

 

Messen der Belichtung
Die Belichtung kann über einen Belichtungsmesser gemessen werden, welcher über die Helligkeit eine geeignete Blende/Zeit Kombination auswählt. Man unterscheidet zwischen der „Objektmessung“ und der „Lichtmessung“; bei beiden Arten wird die Helligkeit gemessen. Da die Lichtmessung in der Regel nur von Profi-Fotografen praktiziert wird, werde ich auf diesen Punkt nicht weiter eingehen.

Am häufigsten wird die Objektmessung verwendet:
Bei ihr wird das Licht gemessen, welches vom Motiv gesendet bzw. reflektiert wird. Man gelangt mit dieser Methode bei den meisten Motiven zu guten Resultaten (deshalb wird sie oft auch in Kameras fest integriert).

Allerdings kann es mit dieser Methode auch zu Problemen kommen:
Es kann nicht unterschieden werden, ob das Motiv hell bei wenig Licht oder dunkel bei viel Licht ist, da nur die gesamte ausgehende Lichtmenge gemessen wird.
Mit der Objektmessung bekommt man in diesen Fällen oft mangelhafte Resultate (z.B. bei Abenddämmerung), da Belichtungsmesser auf ein graues Motiv eingestellt wurden (ausgewogen helle und dunkle Bereiche im Motiv).

Am ehesten kann man ein gutes Resultat mit einer Belichtungsreihe (Bracketing) erreichen, bei der mit verschiedenen Einstellungen ein Bild gemacht wird, welches dann später ausgesucht werden kann. Eine professionellere Belichtungsmessung kann mit Hilfe einer Graukarte erreicht werden (mehr dazu am Ende meines Tutorials).
Die Objektmessung unterteilt sich wieder in verschiedene Messmethoden:

 

mittenbetonte Integralmessung
Die Helligkeit wird im oberen Bildteil nicht so stark berücksichtigt, wie in der unteren Bildhälfte (Himmel ist immer deutlich heller, als der Boden).
Zusätzlich liegt der Fokus auf dem Bildzentrum, nicht auf dem Rand des Bildes, weil das Motiv von den meisten Menschen in der Bildmitte platziert wird und nicht an einer Ecke des Bildes.
fotoBilder

mittenbetonte Messung
Das Zentrum des Bildes wird in der Belichtung mit ungefähr 70% gewichtet, der Rest des Bildes nur zu 30%. Dadurch ist gewährleistet, dass das Motiv korrekt belichtet ist. Wenn sich das Motiv außerhalb der Bildmitte befindet, oder nicht durchschnittlich grau ist (siehe oben), kann es zu Belichtungsfehlern kommen.

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Mehrfeldmessung
Das Bild wird in mehrere Bereiche aufgeteilt, deren einzelne Helligkeiten die gesamte Belichtung ergeben.

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Spotmessung
Eine der zuverlässigsten Methoden ist die Spotmessung. Ein sehr kleiner Bereich der Bildmitte wird gemessen, weshalb diese Methode nur für erfahrene Fotografen zu empfehlen ist. Die Trefferquote bei dieser Belichtungsmessung ist sehr hoch, wenn der Spot auch genau auf dem Motiv liegt. Dies erfordert viel Übung.

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Belichtungsautomatik
Viele moderne Kameras (insbesondere Spiegelreflexkameras) besitzen verschiedene Belichtungsautomatiken:

 

Vollautomatik
Die Kamera übernimmt alle Einstellungen selbst, sodass der (unerfahrene) Fotograf sich nicht um die ganzen Einstellmöglichkeiten kümmern muss.

Zeitautomatik (S)
Der Fotograf wählt die Belichtungszeit, die Kamera wählt die passende Blende dazu. Bei Sportaufnahmen kommt es vor allem auf kurze Verschlusszeiten an – in diesem Gebiet die die Blendenautomatik das richtige Mittel.

Blendenautomatik (A)
Hier wird die Blende (z.B: zur Beeinflussung der Tiefenschärfe) manuell eingestellt und die „passende“ Zeit von der Kamera gewählt. Diese Methode findet häufig Anwendung in Naturfotografie.

Hier einige angeschnittene Themen:
Graukarte
Sie wird bildfüllend in das selbe Licht wie das Motiv gehalten, danach wird die Belichtung für dieses „Bild“ gespeichert.
Schon hat man eine perfekte Belichtung für sein Foto gewählt.

 

Ein kleiner Exkurs: Stative
Gerade bei längeren Belichtungszeiten sind Stative unabdingbar:
Man unterscheidet zwischen Dreibein- und Einbeinstativen. Die herkömmlichen Dreibeinstative sind deutlich stabiler, aber auch schwerer und unhandlicher. Auf ihnen kann die Kamera mühelos platziert werden, ohne dass ein Zittern der Hand Auswirkungen auf das Verwackeln hat.
Die Einbeinstative sind deutlich flexibler, aber auch verwacklungsgefährdeter.
Sie bieten eine gute Stütze für den Fotografen, welcher seine Kamera auf dem Einbeinstativ (eine Art langer Stock) befestigt, aber trotzdem noch die Kamera selbst festhalten muss.
Einbeinstative vergrößern den Zeitraum, in dem es einem möglich ist verwacklungsfreie Fotos zu schließen enorm – er eliminiert Verwackler allerdings nicht, da eine Hand immer noch an der Kamera bleibt.

 

Ich hoffe, das Tutorial war informationsreich, verständlich und hat dir geholfen!


Kommentare
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Portrait von chris843
  • 11.04.2015 - 14:24

Tolles Grundlagen Tutorial. Sehr gut Beschrieben und Verständlich. Vielen Dank

Portrait von ASTRODeluxe
  • 18.03.2015 - 01:16

Vielen Dank ! Super Anleitung! :-)

Portrait von LisaPuck
  • 05.10.2014 - 19:46

Dieser Crashkurs gefällt mir an und für sich sehr gut, vor allem macht er Lust auf mehr. Einige Grundbegriffe wurden prima und verständlich erklärt, ein paar andere erfordern noch viele Nachforschungen. Aber ich glaube das ist ja auch der Sinn :-) Danke für die Mühe!!!

Portrait von mkellmann
  • 17.09.2014 - 13:09

Danke für's tutorial.
Hier sind die avbsoluten Basics gut und kurz dargestellt
Markus

Portrait von Chicks1991
  • 07.09.2014 - 17:28

Danke für diese Infos =)

Portrait von annlikesthis
Portrait von keilrina
  • 22.03.2014 - 09:38

Vielen Dank für den guten Tutorial, für Einsteiger wie mich ist es genau das Richtige. Jetzt weiß ich was es mit auf sich hat mit den ganzem Begriffen :)

Portrait von Bettinamaria
  • 25.12.2013 - 11:44

Hi, bin absoluter Anfänger was Fotografie angehn. Der Beitrag hat mir super geholfen das Thema zu verstehn, da die Begriffe in einfachen und klaren Worten auf den Punkt gebracht erklärt wurden.
Konnte mit diesen Begriffen bis jetzt nicht wirklich viel anfangen. Danke!

Portrait von nemesisprojekt
  • 30.08.2013 - 07:03

Seher gutets tutorial.
Leicht verständlich.

Portrait von ghostinside
  • 28.08.2013 - 01:19

Sehr verständlich erklärtes Tutorial für Einsteiger! :)

Portrait von Psychotrop
  • 26.08.2013 - 09:01

Aus meiner sicht als Amateur Fotograf muss ich sagen, es ist ein leicht verständliches und gut erklärtes Tutorial. Es ist auch sehr Hilfreich, somal es wirklich leicht zu verstehen ist. Danke für die mühe und die Arbeit die darin steckt.

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 08.08.2013 - 11:28

sehr hilfreich für mich als Anfänger

Portrait von Gladiole
  • 25.06.2013 - 20:48

Interessant und für jeden wichtig, das mit AV und TV sollte noch geändert werden.

Portrait von w0rtmann
  • 13.05.2013 - 06:50

Insgesamt ein gutes Tutorial! Nahezu 20.000 Aufrufe sprechen für sich selbst! Aber es ist eben "nur" ein Crashkurs, deshalb ist meine Kritik eigentlich nicht gerechtfertigt. Aber ich will sie trotzdem loswerden:

Mich hätte ein wenig mehr der Bezug zur Lichtstärke und deren Abhängigkeit zu Blende und Verschlusszeit interessiert. Ich als Anfänger weiß nicht, ob die Lichtstärke mehr Einfluss hat, als einfach die Verschlusszeiten zu verlängern - oder ob sie eben noch mehr Einfluss hat!

Der erwähnte "Durchmesser der Blende im Verhältnis zur Brennweite" wird nur klar, wenn man sich im Vorfeld in etwa darüber im Klaren ist, dass die Lichtstärke Auswirkungen auf dieses Verhältnis hat. Und diese Erleuchtung kam mir auch erst nach dem kurzen Nachdenken, was der Autor damit gemeint haben könnte.

Was ich positiv hervorheben möchte, ist in der "Messung der Belichtung" erwähnte "Mittenbetonte Integralmessung". Durch die Beispielgrafik wird im Gegensatz zu Handbuch- bzw. sonstigen Internetangaben deutlich, dass diese Messung den Horizont beschneidet!

Die wenigen Zeilen zur Graukarte im Bezug zur Belichtungsmessung hätten etwas ausführlicher sein können. Ich verstand die Graukarte im Kontext der Fotografie immer nur als Gegenstand zur Bestimmung des Weißabgleichs. Dennoch danke für diesen Anstoß, mich im Thema Belichtungsmessung damit zu beschäftigen. Es sei denn, es ist wirklich so einfach wie beschrieben - ich stelle mir das allerdings nicht so einfach vor.

9/10, 1 Punkt subjektiver Abzug aufgrund meiner Streitpunkte. Es sei mir verziehen!

Portrait von F_Walter
  • 02.03.2013 - 20:46

Danke sehr, das Tutorial hat mir beim Verständnis des Themas sehr geholfen.

Portrait von mialga
  • 28.12.2012 - 21:45

Guter Überblick über die wichtigsten Grundlagen der Belichtung.

Portrait von flashlight_1966
  • 17.12.2012 - 11:26

Danke, für den sehr hilfreichen Beitrag!

Portrait von cruzader
  • 24.11.2012 - 21:23

Sehr informativ. Leider sind einige grobe Fehler auch nach über einem Jahr nicht bereinigt worden. Das hinterlässt leider den Eindruck, Tutorial einstellen, Punkte kassieren und gut ist - sehr schade...

Portrait von BuddahLeader
  • 29.10.2012 - 13:16

Gut erklärt. Allerdings ist der Fehler mit der Zeit- bzw. Blenenautomatik noch immer nicht korrigiert worden.

Portrait von KaiaK
  • 05.09.2012 - 12:00

Einfach und verständlich beschrieben und mit tollen Beispielen, vielen Dank :)

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