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Tutorialbeschreibung

Grundlagen: Goldener Schnitt

Grundlagen: Goldener Schnitt

Der Goldene Schnitt als Gestaltungsmittel in der Fotografie

Beim Betrachten vieler Bilder fällt auf, dass einige von ihnen einen gewissen „STOP-Effekt“ besitzen. Man verspürt bei ihnen den Wunsch, sie länger zu betrachten als andere und gelegentlich macht man sich Gedanken darüber, weshalb das denn so ist.

Wenn wir einmal den ganz besonderen Bildinhalt, die außergewöhnliche Bildinformation, durch Objekte und Motive, die man sonst selten oder nie zu sehen bekommt, außer acht lässt, so sind es einige gestalterische Regeln, deren Anwendung zu solchen, oben genannten Bildergebnissen mit STOP-Effekt führen.

Der manipulierte Weg ins Bild, der die uns gewohnte Betrachtungsweise des Bildes beeinflusst, ist eine solche Regel oder die wichtige und effektive Bilddiagonale, die enorme, gestalterische Möglichkeiten bietet. Dazu kommen die Verwendung von geometrischen Formen, die Anwendung von Beziehungen zwischen Vorder- und Hintergrund und einiges mehr. Solche Regeln in Kombination anzuwenden ergibt zumeist Bilder, die danach verlangen, intensiver betrachtet zu werden als andere, an denen die Anwendung solcher Gestaltungsmittel fehlt.

Eine elementare Regel haben wir noch nicht erwähnt, die des „Goldenen Schnitts“. Um diese soll es in der folgenden Abhandlung hauptsächlich gehen.

Nicht zuletzt der Autofokus der modernen Kameras ist, neben „altherkömmlichen Betrachtungsweisen“ daran schuld, dass das Hauptmotiv, der zentrale Bildbestandteil, immer dort liegt, wo er unkompliziert scharf gestellt werden kann, nämlich in der Bildmitte. Und gerade die Bildmitte ist für das Hauptmotiv, für den Teil des Bildes, auf den der Autor lenken will, in der Regel der ungünstigste Ort, weil das Bild dadurch statisch und undynamisch wirkt.

Schon die Baumeister im antiken Griechenland wussten, dass die Anwendung des goldenen Schnitts an sowohl dimensionalen als auch nicht dimensionalen Kunstwerken, diese besonders harmonisch wirken lassen. Aus dieser Zeit stammt auch der Ausdruck „göttliche Teilung“ für den goldenen Schnitt. Auch die Natur wurde in weiterer Folge, im Sinne des goldenen Schnitts betrachtet und niemand Geringerer als Leonardo da Vinci konstruierte, unter Berücksichtigung des goldenen Schnitts, den „idealen Menschen“. Die Darstellung ist alleine durch die italienische ein Euro-Münze hinlänglich bekannt.

Eine passende Abbildung stammt aus dem Schriftstück "Wege der Erkenntnis" im Kapitel "Die universelle Qualitätsempfindung". Dieses Schriftstück gibt es hier als *.pdf-Datei, unter dem Link "http://people.fh-aargau.ch/staff/richard_schorpp/Dateien/Philosophie/4%20Die%20universelle%20Qualit%C3%A4t.pdf", auf Seite 15.

 

Bezogen auf die Fotografie als Kunstform, folgen z.B. die klassischen Filmformate 24 x 36 mm oder 6 x 9 cm, und auch die Maße halbformatiger Digitalchips der modernen Spiegelreflex-Fotografie, den Regeln des goldenen Schnitts.

Der goldene Schnitt wird durch vier mögliche Punkte in einem Bild beschrieben. Diese werden aus zwei, so durch das Bild verlaufenden, im Verhältnis 1 : 1,618 geteilten Geraden gebildet, dass deren Schnittpunkte, die jeweils gemeinsamen Eckpunkte, zweier neuer, ungleich großer, aber in den Seitenverhältnissen gleicher Rechtecke ergeben.

Das Längenverhältnis dieser Linien beträgt also 1:1,618 und folgt im Weiteren der Gleichung A : C = C : (A+C) beziehungsweise B : D = D : (B+D) (bezogen auf das folgend dargestellte Beispiel) .

Bilder

 

Die Punkte im „goldenen“ Schnitt und in der „Dreiteilung“

In der Praxis verwendet man nun die Näherung der Strecken von 5:8 (statt 5 : 8,09) und vereinfacht diese im letzendlichen Anwendungsfall auf eine Einteilung des Bildes in jeweils hoch und quer in Drittel (also 1/3 zu 2/3) und spricht dann von der „Dreiteilung“ (die mathematisch mit dem goldenen Schnitt natürlich nur mehr sehr peripher zu tun hat).

An einem der vier so entstehenden Schnittpunkten (dem goldenen Schnitt) soll sich die bildzentrale Aussage, das Hauptmotiv, befinden, um das Bild dynamisch und interessant zu machen.

Der goldene Schnitt geht dabei von der Tatsache aus, dass ein in der Bildmitte platzierter Objektpunkt, der sowohl horizontal als auch vertikal denselben Abstand zu den Bildrändern besitzt, einen spannungslosen Zustand verursacht, der vom Betrachter als wenig interessant und unharmonisch empfunden wird. Wird dieser genannte Objektpunkt jedoch aus der Mitte geschoben, werden unterschiedliche Abstände zu den Bildrändern und damit neue, unterschiedliche Bezugsverhältnisse zu anderen Bildinformationen und den Bildrändern geschaffen, die im Idealfall vom goldenen Schnitt ausgehen. Durch neue Bezugsverhältnisse ist Spannung im Bild entstanden, die letztendlich das Interesse des Betrachters eines Bildes intensiviert.

Es stellt sich nun die Frage "Welche der vier Möglichkeiten, das Hauptmotiv im goldenen Schnitt zu setzen verwendet man wann ?".

Eine weitere bildgestalterische Regel besagt, dass man eine Person oder ein Objekt im Regelfall nicht "aus dem Bild hinausschauen" sondern es vielmehr in die Bildmitte hineinschauen lassen soll, um das Bild komplett wirken zu lassen. Weiters sollte der bildwichtigere Bereich in höherem Ausmaß vorhanden sein als der weniger wichtige (wenn wir z.B. an ein Landschaftsbild denken, durch das ein Horizont läuft, so sollte derjenige Teil des Bildes, der mehr Informationen beinhaltet, zu etwa zwei Drittel, der andere, z.B. ein wolkenloser Himmel, zu einem Drittel zu sehen sein). Aus diesen Überlegungen resultiert automatisch einer der vier möglichen Punkte im goldenen Schnitt.

Selbstverständlich gibt es auch Anwendungsfälle, in denen die Vorzüge des Goldenen Schnitts (und bildgestalterischer Regeln im Allgemeinen) vorsätzlich umgangen werden, um etwas Besonderes auszudrücken (keine Regel ohne Ausnahmen).

Letztendlich erhebt sich aber noch die Frage, ob es eine Motivpositionierung gibt, die Betrachtungsweisen in keinem Falle standhalten. Nach einigen Überlegungen und Betrachtungen kommen wir zum Schluss, dass solche Motivteile, die zum Bildrand hin, außerhalb des goldenen Schnitts liegen, im Extremfall vom Bildrand angeschnitten werden, als störende Bilddetails empfunden werden.

Als Zusammenfassung der Abhandlung stellen wir fest, dass die Bildmitte als Standort für die zentrale Bildaussage gleichermaßen unerwünscht ist, als dessen Lage zu nahe am Bildrand. Daraus ergibt sich ein Mittelmaß aus Zentrums- und Randlage als ideale Position. Die Rede ist von „Goldenen Schnitt“.

Der Wahrheit die Ehre. Der Goldene Schnitt ist eine Methode, um fotografische Aufnahmen interessanter zu gestalten. Die Perfektion liegt in der Kombination einerseits hochwertiger Bildinformation, technisch einwandfreier Bilddarstellung (Bildschärfe, Kontrastumfang, Tonwertverteilung, etc.) und andererseits in einem Zusammenspiel einiger Regeln, aber unter ganz besonderer Beachtung der Regel des goldenen Schnitts.

Wollen wir zum Schluss dieser Abhandlung noch einige Beispielbilder betrachten, die den bildwesentlichen Motivteil einmal zentral positioniert haben und ein anderes Mal in einem der Punkte des goldenen Schnitts.

Beurteilen Sie bitte selbst, welches der beiden Varianten Ihrem Betrachtungsempfinden als angenehmerer Bildeindruck erscheint.

Bilder

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Der Trompeter wurde links in der Bildmitte platziert und wirkt statisch, undynamisch.

Wird der Trompeter jedoch in den linken unteren Punkt des goldenen Schnitts gesetzt, so entsteht weiters das Gestaltungselement der "Bilddiagonale", das Bild erhält dadurch Dynamik und Gefälligkeit.

Bilder

Bilder

Auch in diesem Fall steht das fotografische Hauptobjekt in der Bildmitte und wirkt statisch. Es sieht im Weiteren aus dem Bild hinaus, was als ungünstig empfunden wird.

Durch Wahl des rechten oberen Punktes des goldenen Schnitts ist es augenfälliger, dass der Redner zu einem offensichtlich größeren Publikum spricht (natürlich auch unter Einbeziehung der Information, worum es bei der Ansprache geht, durch das Schild am Pult). Das Bild beginnt zu leben und wirkt komplett.

Bilder

Bilder



Das Portrait des Modells ist zu klein beschnitten und zu mittig. Es wirkt undynamisch und erzählt nichts.

Wird der Ausschnitt hingegen größer gewählt und das Portrait in den richtigen Punkt des goldenen Schnitts gesetzt, ergibt sich ein dynamischeres, lebhafteres Bild mit einer höheren Bildaussage.


RudiG., 15.1.2007


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Kommentare
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Portrait von ASTRODeluxe
  • 18.03.2015 - 01:16

Vielen Dank ! Super Anleitung! :-)

Portrait von ithtl_ybbs
  • 01.12.2014 - 21:32

Tolles Tutorial! Gute Erklärung, Leicht Verständlich...

Portrait von LisaPuck
  • 05.10.2014 - 20:20

Habe davor schon mal davon gehört, bzw ich hab es an meinen eigenen Bildern immer wieder festgestellt, dass es Perspektiven gibt, welche für das menschliche Auge schöner zu betrachten sind. Ich habe hauptsächlich aus dem Gefühl heraus fotografiert, wobei ich meine Bilder immer in drei Teile geteilt habe. Das Tutorial gab mir zu verstehen, warum ich das eigentlich mache, wobei es zwischendurch schon ein wenig kompliziert erklärt wird. Für mich war es auf jeden Fall sehr interessant und es waren wieder einige nützliche Tipps für meine nächsten Bilder dabei! Dankeschön!

Portrait von Zicke
  • 07.05.2014 - 11:07

Da ich bisher mehr geknipst als fotografiert habe finde ich dieses Tutorial ein tolle Sache. Beim ersten Lesen fand ich den Text etwas schwierig, aber es ist eine Grundlage, um sich weiter damit zu beschäftigen. Danke.

Portrait von Bika
  • 07.10.2013 - 11:27

Etwas kurz ist der Beitrag schon. Auch habe ich ganz andere Formeln zur Berechnung des Goldenen Schnitts kennengelernt.

Portrait von nemesisprojekt
  • 02.09.2013 - 12:35

Super gut zu lesen....
Sehr Intressant.

Portrait von Gladiole
  • 25.06.2013 - 19:55

ist interessant, aber die genaue Berechnung, die mathematische, die fehlt.

Portrait von KevinKaiser
  • 02.06.2013 - 15:58

Ich denke die gesamte Thematik wurde sehr gut und verständlich erklärt und hilft bestimmt vielen weiter. Super Tut.

Portrait von Mo_the_Cat
  • 29.04.2013 - 13:22

Ich danke für die Verdeutlichung.

Portrait von mialga
  • 28.12.2012 - 21:49

Etwas schwer verstehbares Tutorial mit guten Bildern.

Portrait von cruzader
  • 24.11.2012 - 21:39

Gutes Tutorial. Vor allem die Bildbeispiele sind sehr interessant.

Portrait von thecatempire
  • 18.09.2012 - 14:01

Interessante informationen ich werde mir mal gedanken machen :)

Portrait von Niobe
  • 11.09.2012 - 20:21

prima Erklärung die für mich hilfreich ist... ich muss es nur noch umsetzen - ich arbeite daran. Danke für's erklären und die Arbeit.

Portrait von Robomat
  • 12.07.2012 - 11:16

Hallo,
Alles in Allem ein tolles Tutorial , allerdings habe ich meine Schwierigkeiten das mit den " Punkten bzw. Linien im Verhältnis von 1:1,1816" zu verstehen.

Portrait von w0rtmann
  • 14.04.2012 - 13:21

Danke für das Tutorial. Ich schließe mich den meisten Vorrednern insofern an, dass die Theorie des "Goldenen Schnittes" sehr mathematisch ist und damit sehr kompliziert zu verstehen wirkt. Dank der zum Ende hin aber beispielhafteren Erklärung wird aber klar, dass das Kernwissen hier nicht auf der Mathematik liegt, diese lediglich wichtig für den Ursprung dieser Regel ist. Wenn man die Kernaussage des Tutorials auf ein absolutes Minimum reduziert, könnte man auch sagen: Merkt euch die vier Punkte in der Grafik, bedenkt sie während des Blickes durch den Sucher und positioniert ein Motiv je nach Situation in einem der vier Bereiche. Berücksichtigt den Blick eines lebendes Motivs in Richtung der Bildmitte, sowie den Ausschnitt des gesamten Bildes in Hinblick auf die Bilddiagonale. Letztendlich sehr simpel.
Ich für meinen Teil mache mir ein paar mehr Gedanken dazu und denke, dass mir dein Tutorial sehr dienlich sein wird, um bessere Fotos zu gestalten. Vielen Dank!

Portrait von tpfote
  • 14.12.2011 - 12:04

Also ich bin mir nicht sicher, ob es an meinem fehlenden Wissen über die Fotografie liegt oder ob es die wissenschaftliche Grundlage des Goldenen Schnittes ist, ich empfinde diesen Beitrag als nicht wirklich gut verständlich und sehe keinen Zusammenhang. Vielleicht wird mir weiterführende Litteratur weiterhelfen.

Portrait von Trommler7
  • 27.08.2011 - 00:30

Guter Beitrag. Hab als Anfänger noch nicht davon gehört. Bin so auch auf den Beitrag in Wikipedia zur Drittel Regel aufmerksam geworden, der nocht etwas eingänglicher ist für mich.

Portrait von resi85
  • 30.07.2011 - 21:10

den goldenen schnitt habe ich aus diesem turtorial nicht wirklich verstanden..

Portrait von Kerschtine
  • 10.06.2011 - 09:00

Danke für den Beitrag - ich finde jedoch den Beitrag zur Drittel-Regal in Wikipedia ansprechender.. und das beispiel-bild dort finde ich besser gewählt...

Portrait von Theresi
  • 10.05.2011 - 08:00

schließe mich dem Eintrag von Equivalent an:
Da ist jeder Wikipediaeintrag besser!

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