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Tutorialbeschreibung

Zusammenspiel Blende und Tiefenschärfe

Zusammenspiel Blende und Tiefenschärfe

Wie hängt die Blende mit der Tiefenschärfe zusammen? Was ist überhaupt eine Blende und was bedeutet Tiefenschärfe?


Was ist eigentlich die Blende?

Grundsätzlich befindet sich die Blende zwischen der vordersten Linse und dem Sensor bzw. dem Film. Die Blende ist eigentlich nichts anderes als ein Loch, dessen Größe man am Objektiv selbst bestimmen kann, bzw. bei den Automatikkameras oder Automatikprogrammen eben "automatisch" eingestellt wird. Technisch gesehen gibt es verschiedene Arten von Blenden und deren Aufbau, meistens sind es Lamellen die man ähnlich wie bei einem Fächer übereinanderlegen kann. Interessant ist aber für uns nur: Man kann die Größe dieses Lochs verändern. Diese Lochgröße wird mit einer Zahl gekennzeichnet, dabei gilt: je kleiner diese Zahl, desto größer ist das Loch und je größer die Zahl, desto kleiner ist das Loch. Ein großes Loch (kleine Blendenzahl) bedeutet: es gelangt sehr viel Licht durch das Objektiv, ein kleines Loch (große Blendenzahl) bedeutet weniger Licht. Das Ganze hat aber noch einen weiteren Effekt. Durch ein kleines Loch werden die Lichtstrahlen sehr stark gebündelt, das wiederum heißt, es gibt kaum Ablenkungen und die Lichtstrahlen kommen genau da an, wo sie hin sollen, das Bild wird insgesamt schärfer. Umgekehrt verhält es sich mit dem großen Loch (kleine Blendenzahl), hier werden die Lichtstrahlen stärker abgelenkt, gestreut, das Bild wird also insgesamt unschärfer.

Was bedeutet nun aber Tiefenschärfe?


Das erste Bild zeigt drei Schlümpfe, diese Schlümpfe stehen nebeneinander, die Schärfe wurde auf den mittleren Schlumpf eingestellt, trotzdem sind alle drei scharf.

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Im Bild Nummer zwei habe ich den grünen Schlumpf ein bisschen weiter weg von der Kamera gestellt und den schwarzen Schlumpf ein wenig näher heran. Alle anderen Einstellungen habe ich gleich gelassen. Wie man sieht sind sowohl der grüne, also auch der schwarze Schlumpf unscharf geworden.

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Wieso ist TIEFENSchärfe eine ungünstige Wortwahl?

Der Begriff „Tiefenschärfe“ ist deswegen ein klein wenig verwirrend, weil sie nicht unbedingt etwas mit der Schärfe in der „Tiefe“ des Bildes - also weiter weg von der Kamera - zu tun hat. Sie breitet sich vom Zentrum der Schärfe in alle Richtungen aus, weg vom Zentrum der Schärfeeinstellung. Um das noch mal zu verdeutlichen habe ich bei den nachfolgenden Bildern einmal auf den Schlumpf vorne rechts scharf gestellt, die Unschärfe wird nach hinten immer größer. Beim anderen liegt die Schärfe hinten links und wird nach vorne hin immer unschärfer.

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Was hat nun die Blende mit der Tiefenschärfe zu tun?

Mit der Blende kann ich steuern, wie groß der Schärfebereich sein soll. Eine kleine Blendenzahl bedeutet, ich habe nur einen kleinen Schärfebereich, eine große Blendenzahl bedeutet, ich habe einen großen Schärfenbereich. Zur Veranschaulichung hier wieder zwei Bilder. Auf beiden nachfolgenden Bildern habe ich auf den hellblauen Schlumpf in der Mitte scharfgestellt. Der Unterschied ist jedoch, dass ich mit den beiden extremsten Blenden gearbeitet habe, welche mir mein Objektiv angeboten hat. Zuerst habe ich Blende32 gewählt. (zur Erinnerung: große Blendenzahl, kleines Loch, starke Bündelung, viel Schärfe) Wir ihr seht ist fast das gesamte Bild scharf, also auch die Schlümpfe im Vorder- und Hintergrund.

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Hier kommt nun das gleiche Bild nocheinmal, dieses Mal jedoch mit Blende 2,8, der kleinsten Blende an diesem Objektiv (zur Erinnerung: kleine Blendenzahl, großes Loch, wenig Bündelung, wenig Schärfe)

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Mit der Blende kann ich nun also exakt bestimmen was in meinem Bild scharf sein soll und was eben nicht. Ich habe mir hier zur Aufgabe gestellt den hellgrünen und den hellblauen Schlumpf scharf zu bekommen, während alle anderen Schlümpfe unscharf abgebildet werden. Ich musste also ein Schärfezentrum zwischen dem hellblauen und dem hellgrünen Schlumpf wählen und dann die richtige Blende erwischen.

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Das obige Ergebnis habe ich in diesem Fall mit einer Blende von 8 erreicht.

Der Zusammenhang zwischen Blende und Belichtungszeit

Achtung: eine Veränderung der Blende ist gleichbedeutend mit einer Veränderung der Lichtmenge, die auf meinen Chip bzw. meinen Film fällt. Das bedeutet, um ein richtig belichtetes Bild zu bekommen, muss ich die Belichtungszeit anpassen. Dies kann natürlich manuell passieren, empfehlenswert ist aber für die ersten Versuche die Einstellung Av an der Kamera. Hier übernimmt bei geänderter Blende die Kamera automatisch die Belichtungszeitkorrektur.

 

Mein Spezialtipp

Nehmt die Kamera in die Hand und probiert das eben Gelesene einfach mal aus, ihr entwickelt schnell ein Gefühl dafür wie sich Euer Objektiv bei den verschiedenen Einstellungen verhält.


Kommentare
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Portrait von jpwoodman
  • 07.07.2015 - 22:22

Super geeignet für Einsteiger, wie mich. Danke!

Portrait von ASTRODeluxe
  • 18.03.2015 - 01:17

Vielen Dank ! Super Anleitung! :-)

Portrait von berndschwartz
  • 13.05.2014 - 14:57

Gute Beschreibung...passt gut für die Teilnehmer meines nächsten Kurses.

Portrait von aloh47
  • 30.10.2013 - 22:40

Ganz toll erklärt!
Die Idee mit dem Kehrwert ist super

Portrait von Nibo
  • 25.06.2013 - 16:08

Gute Zusammenfassung über die Blende!
Für absoultue Neulinge umbedingt geeignet um ein erstes Verständnis zu bekommen!
Danke!

Portrait von Gladiole
  • 21.06.2013 - 19:29

Ein wichtiger Punkt in der _Fotografie, aber eins fehlt mir:

Wie weit geht vom fokussiertem Punkt aus die Schärfe nach hinten und nach vorne ? Wie weit geht die "Schärfeebene" in Richtung Kamera und wie weit nach hinten ?

Vielen Dank.

Portrait von w0rtmann
  • 06.05.2013 - 10:03

Zu allererst ist zu sagen, dass dieses Tutorial sehr gut, verständlich und vermittelnd verfasst wurde, die Bilder sind notwendig und verdeutlichen das Geschriebene. Ich gebe imaginäre 9 von 10 Punkten, abzüglich eines Punktes wegen der (sicher schon in früheren Kommentaren genannten) Unstimmigkeiten:

1.) Tiefenschärfe ist der falsche Ausdruck, es heißt richtig, semantisch wie auch wissenschaftlich korrekt: Schärfentiefe. Das ist nicht als "Klugscheißerei" gemeint, auch wenn es so ankommt. Ich erwähne es überhaupt, weil der Autor explizit auf die Bezeichnung eingeht, es aber dennoch verfehlt richtigzustellen.
Warum es Schärfentiefe heißt, kann man sich zum Merken folgendermaßen herleiten: Bei der Schärfentiefe geht es nicht darum, wie scharf die Tiefe ist (darunter kann man sich ohnehin kaum etwas vorstellen, oder?), sondern wie groß die Tiefe der Schärfe ist.
Demnach → S c h ä r f e n t i e f e (engl. depth of field/DOF)

2.) Das letzte Bild ist meiner Meinung nach nicht optimal, hier hätte es sich zur absoluten Verdeutlichung und Bestätigung angeboten, eine Blende zu wählen, mit der alle Figuren scharf abgebildet werden - sofern das bei dieser Nähe überhaupt möglich gewesen wäre.

Mein Kommentar liest sich mies, aber es ist gut gemeint. Wie gesagt, 9/10, weil einfach, verständlich, anschaulich und einleuchtend! :) Kurz 1- :)

Portrait von Ostfriese
  • 29.03.2013 - 18:27

Vielen Dank! Sehr einfach und sehr verständlich erklärt. Gerade für einen Anfänger sehr wichtig. Alles ohne Umschweife!

Portrait von mialga
  • 28.12.2012 - 21:59

Gutes, sehr anschauliches Tutorial, idel für Einsteiger.

Portrait von mialga
  • 28.12.2012 - 21:59

Gutes, sehr anschauliches Tutorial, idel für Einsteiger.

Portrait von 010Design
  • 20.11.2012 - 09:40

Seht gut erklärt, vielen Dank!

Portrait von KaiaK
  • 05.09.2012 - 12:01

Einfach und verständlich beschrieben und mit tollen Beispielen, vielen Dank :)

Portrait von Nachthagel
  • 16.07.2012 - 20:47

Wirklich sehr anschaulich erklärt.Vielen Dank dafür!!

Portrait von Ms_Ceeh
  • 03.06.2012 - 12:15

sehr gutes tutorial!
Nun hoffe ich das meine Kamera morgen, spätestens übermorgen bei mir ist, damit ist es dann mal testen kann =)

Portrait von w0rtmann
  • 14.04.2012 - 13:37

Das Prinzip war mir ja fast schon klar, in der Praxis beim Testen habe ich das auch bewusst eingesetzt um Unterschiede zu erkennen, habe also die praktische Erfahrung dazu im Grundsatz erlangt.
Dein Tutorial habe ich mir zwecks weiterer Befassung mit dem speziellen Thema angeschaut und, wie erwartet, nichts neues gelernt. Hätte ich dein Tutorial aber als erstes gelesen, und nicht andere im Netz zu diesem Thema, hätte ich das Prinzip wohl eher verstanden. Denn du hast erstens sehr gut erklärt und zweitens genau die richtigen Beispielbilder präsentiert, die deinen Text perfekt unterstützen. Gutes Material finde ich immer erst, wenn's "zu spät" ist. ;) Super Tutorial!

Portrait von Slipe
  • 19.02.2012 - 14:26

Knappgehaltenes Tut, das aber dennoch gut geschrieben ist und mir als Neuling das Geplänkel um die Blende nähergebracht hat.
Es lohnt sich! :)

Portrait von SabrinaM
  • 16.02.2012 - 14:13

Seht gut erklärt, vielen herzlichen Dank!

Portrait von peterporkert
Portrait von gs_600d
  • 27.12.2011 - 23:32

Super beschrieben! Danke!

Portrait von tpfote
  • 14.12.2011 - 12:19

Sehr gut! Mehr kann man dazu kaum noch sagen! Vielen Dank für ein tolles und gut verständliches Tutorial!

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