Tutorialbeschreibung

HDR-Fotografie - Teil 01 - Grundsätzliches, Anforderungen, Begriffe

HDR-Fotografie - Teil 01 - Grundsätzliches, Anforderungen, Begriffe

In dieser 15-teiligen Tutorialreihe möchte ich Sie mit der HDR-Fotografie und der damit verbundenen Technik vertraut machen. Im ersten Teil geht es um grundsätzliche Kenntnisse, Anforderungen und Begriffserläuterungen.


Seit etwa zwei Jahren begegnet man immer häufiger Fotografien, die extrem kontrastreich sind, eine fast unnatürliche Schärfentiefe aufweisen oder gar schon surrealistisch wirken. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um ein sogenanntes High-Dynamic-Range-Image. Betrachter, die diese HDR-Bilder zum ersten Mal sehen, sind nicht selten erstaunt, und sofort drängt sich die Frage auf, "Wie funktioniert das?".


Eine neue Form der Fotografie:

HDR-Fotografien sind Bilder, die technisch eigentlich gar nicht möglich sind, geht man von der klassischen Fotografie aus. Da gibt es auf einmal Zeichnung in den Lichtern und den Tiefen, die zu einem Kontrastumfang führen, der für die normalen Sehgewohnheiten unnatürlich wirkt. Die Detailfülle ist so außergewöhnlich, dass manche Aufnahmen gar an ein Gemälde erinnern, wäre da nicht der fotorealistische Gesamteindruck. Kurz gesagt, mit dem Aufkommen der HDR-Fotografie ist die digitale Fotografie und Bildbearbeitung um ein beeindruckendes Betätigungsfeld reicher geworden. Aus der von einigen Fachleuten gar als Modeerscheinung betitelten Technik ist eine faszinierende Form der Bildgestaltung geworden, die mittlerweile ihren Weg in die Print- und Onlinemedien gefunden hat.

Bilder


 

Den Kontrastumfang erweitern:

Oftmals stellt sich ein spektakuläres Motiv, wie beispielsweise der Innenraum eines sonnendurchfluteten Kirchenschiffes, im Nachhinein als wenig beeindruckend heraus. Was vor Ort noch als Top-Motiv erschien, entpuppt sich am heimischen Monitor als Enttäuschung. Das liegt daran, dass weder die Kamera noch der Monitor in der Lage sind, den Kontrastumfang des menschlichen Auges annähernd abzubilden.

Ein sonniger Tag bringt es leicht auf Helligkeitsunterschiede von 1.000.000:1. Das menschliche Auge hingegen kann, ohne Adaption, einen Kontrastumfang von etwa 10.000:1 erfassen. Ein handelsüblicher Kamerasensor schafft es lediglich auf einen Kontrastumfang von 1.000:1. Könnten beispielsweise die Kamera und der Monitor den vollen Kontrastumfang einer Sommerszene abbilden, müsste der Betrachter eine Sonnenbrille tragen. Oder anders gesagt, der Monitor wäre von einem Fenster nicht zu unterscheiden.

Bilder


 

Die Grenzen der Kameratechnik umgehen:

Mithilfe der HDR-Fotografie und der HDR-Verarbeitung wird der Kontrastumfang einer Fotografie dem des menschlichen Auges künstlich angepasst. Dies geschieht, indem mehrere unterschiedlich belichtete Aufnahmen zu einer Aufnahme verrechnet werden.

Normalerweise wird eine Aufnahme auf das Hauptmotiv belichtet. Entweder werden dabei die Lichter optimal abgebildet, wobei die Tiefenzeichnung im Schwarz verschwindet, oder es wird auf die Tiefen fokussiert und die Lichter gehen dabei in einer weißen Fläche auf.

Bilder


 
Durch die Aufnahme mehrerer Belichtungen wird jedoch der gesamte Kontrastumfang aufgezeichnet, der dann mithilfe der HDR-Software, wie beispielsweise Photomatix Pro, zu einem Bild verrechnet wird.

Bilder
Bilder
 
Dabei entsteht ein 32-Bit-Bild, das eigentliche High Dynamic Range Image, ...

Bilder
Bilder


 
... welches im Rahmen des Tone Mappings wieder zu einem 16- oder 8-Bit-Bild, dem Low Dynamic Range Image, umgewandelt wird.

Bilder


 

Die Ausstattung:

Neben der Kameraausstattung und entsprechendem Zubehör wie Stativ und Fernauslöser wird auch eine spezielle Software zur HDR-Generierung benötigt. Als Marktführer genießt die Firma HDRsoft mit dem Softwarepaket Photomatix einen sehr guten Ruf. Daneben darf ein gutes Bildbearbeitungsprogramm für die Vor- und Nachbearbeitung nicht fehlen.

Dass professionelle Bildbearbeitungsprogramme, allen voran Adobe Photoshop, ressourcenhungrig sind, ist sicherlich keine Neuigkeit. Beim HDR-Imaging kommt noch hinzu, dass fast ausschließlich mit 16- und 32-Bit-Dateien gearbeitet wird.

Auch die automatische Verarbeitung der Rohdaten im Batch-Modus verlangt dem Prozessor erhebliche Leistung ab. Neben einer hohen Prozessor- und Grafikleistung des Rechners ist die Speicherkapazität der Festplatte(n) fundamental wichtig. Im Rahmen des HDR-Imaging entsteht eine große Menge an Ausgangsfotografien, generierten HDR-Aufnahmen und Tonemapped-Bildern. Von den Tonemapped-Bildern werden oftmals noch Kopien mit unterschiedlichen Einstellungen und Stimmungen gespeichert. Und bleibt es bei der 16-Bit-Datei, um bei möglichen Nachbearbeitungen keinen nennenswerten Qualitätsverlust zu erleiden, kann die Dateigröße einer einzigen Fotografie leicht auf 50 MB und mehr anwachsen.

Bilder


 
Wenn Sie Panoramen erstellen wollen, sind die Anforderungen noch größer. Sofern die Tonemapped HDR-Aufnahmen in bestmöglicher Qualität vorliegen, kann das Panorama eine Größe von weit mehr als 1000 MB erreichen. Natürlich besteht die Möglichkeit, verkleinerte und komprimierte Kopien zu erstellen, bevor das Panorama weiter bearbeitet wird. Aber wer möchte schon nach den umfangreichen Vorarbeiten noch Kompromisse bezüglich der Qualität eingehen?

Bilder


Begriffe und Abkürzungen aus der HDR-Fotografie

HDR:

Steht für High Dynamic Range und bezeichnet eine Methode, die aus unterschiedlich belichteten Aufnahmen eine 32-Bit Datei erstellt, die anschließend im Rahmen des Tone-Mapping-Verfahrens zu einem 16- oder 8-Bit-Bild heruntergerechnet wird. HDR ist eine eigenständige Technik, die spezielle Software benötigt.


DRI:

Steht für Dynamic Range Increase und bezeichnet eine Bearbeitungsmethode, die aus unterschiedlich belichteten Aufnahmen mittels Ebenen und Masken ein Bild mit einem erhöhten Kontrast erzeugt. Dabei werden keine 32-Bit-Dateien erzeugt. Häufig wird DRI auch als Überbegriff für sämtliche Verfahren und Techniken zur Erweiterung des Dynamikumfangs eingesetzt.


 

Exposure Blending:

Steht ebenfalls für die Verarbeitung unterschiedlich belichteter Aufnahmen, mit dem Ziel, diese so zu verarbeiten, dass in den Tiefen Zeichnung vorhanden ist und gleichzeitig die Lichter nicht ausfressen. Die Methode kann automatisiert, mithilfe einer Software, durchgeführt werden oder bei voller Kontrolle, jedoch wesentlich zeitaufwendiger, mittels Ebenen und Masken.

Bilder


LDRI:

Das Low Dynamik Range Image ist das Ausgangsbild für die HDR-Verarbeitung. Meist werden zwischen drei und neun unterschiedlich belichtete 8-Bit-Aufnahmen (LDRI) zu einem 32-Bit Bild verrechnet. Je nach abzudeckendem Kontrastumfang können dies auch erheblich mehr Bilder sein.


 

HDRI:

Damit wird das eigentliche 32-Bit High Dynamik Range Image bezeichnet. Fälschlicherweise wird häufig auch das Tonemapped Image als HDRI bezeichnet, das eigentlich ein LDRI ist, da es durch das Tone-Mapping-Verfahren wieder zum 8- oder 16-Bit-Bild verrechnet wurde.


Tone Mapping:

Der 32 Bit umfassende Dynamikumfang des HDRI muss in einen für Standardgeräte darstellbaren Farbraum umgewandelt werden – also in eine Farbtiefe von 8 oder 16 Bit. Diese Technik wird Tone Mapping genannt. Je nach Verfahren und Art der Anwendung kann durch das Tone Mapping der typische HDR-Effekt verstärkt oder reduziert werden.


 

Pseudo-HDR:

Als Alternative zur Belichtungsreihe bietet es sich an, ein sogenanntes Pseudo-HDR aus einem Bild zu generieren. Dazu sollte das digitalisierte Foto als RAW-Datei vorliegen. Mithilfe der RAW-Software werden Belichtungskorrekturen auf das Ausgangsbild angewendet und als Abzüge der RAW-Datei, im TIFF- oder JPEG-Format gespeichert. Die so erstellte „unechte“ Belichtungsreihe wird anschließend mithilfe der HDR-Software zu einem HDRI gewandelt. Die Ergebnisse sind nicht so beeindruckend wie die HDR-Bilder aus mehreren Einzelbildern.

Bilder


DVD-Werbung

Passend zum Inhalt empfehlen wir: Camera Raw-Video-Training

Du leidest an Schnappschussatmung? Hier kommt die beste Medizin: Luft holen und Leidenschaft auslösen – mit diesem Video-Training für mehr Fotos mit Tiefgang. Eduardo da Vinci lässt sich 5 Stunden über die Schulter blicken, damit dein Fotoergebnis zum Gipfelstürmer wird!

  • Fotoentwicklung und Bildbearbeitung mit Camera Raw gezielt einsetzen
  • Erklärung aller Werkzeuge und Regler für ein besseres Bildergebnis
  • Störende Effekte gekonnt verschwinden lassen

Lerne die digitale Fotoentwicklung mit dem beliebten Photoshop-Plug-In Camera Raw von allen Seiten kennen. Mit diesem Training wirst du selbst zum motivierten Blickfänger für entscheidende Momente!

Erhältlich im Shop ... oder in der Kreativ-Flatrate

Kommentare
Portrait von ThirdBen
  • 24.05.2016 - 15:48

Vielen Dank für die Tutorial-Reihe. Sehr gut erklärt, ich hatte als Foto-Neuling nicht das Gefühl, dass ich nicht mitkomme. Werde mich da in der nächsten Zeit mal ranmachen.

Portrait von buttonx
  • 15.08.2015 - 21:52

Danke für die klasse urlaubslektüre... =)

Portrait von Stefan.U
  • 07.07.2015 - 20:58

Herzlichen Dank

LG
Stefan

Portrait von Mary_Jue
  • 11.05.2015 - 16:51

Danke, hat mir sehr geholfen!

Portrait von Domino
  • 29.03.2015 - 11:42

Vielen Dank für die Erklärung der ganzen Fachbegriffe. Einmal muß ich HDR auch ausprobieren.

Portrait von ASTRODeluxe
  • 18.03.2015 - 01:19

Vielen Dank ! Super Anleitung! :-)

Alternative Portrait

User hat PSD-Tutorials.de verlassen

  • 18.02.2015 - 12:07

Danke für die tolle Einleitung. Sehr gut erklärt.

Portrait von MaThoPa
  • 05.01.2015 - 18:48

Danke für dieses tolle Tutorial

Portrait von Pixel Hunter
  • 18.08.2014 - 17:50

Danke für die gute Einleitung, werde mir auf jeden Fall auch die anderen Folgen ansehen

Portrait von novofoto
  • 09.01.2014 - 13:39

Meine erstes Tutorial!

Portrait von kaiku
  • 31.12.2013 - 12:24

Danke für dieses Tutorial. war echt hilfreich.

Portrait von MartinLandmann
Portrait von firsthippi
  • 27.08.2013 - 09:42

Aller Anfang ist schwer, mit übersichtlichen Erklärungen, wie hier, wird es einfacher.
Vielen Dank dafür.

Portrait von RonaldN
  • 01.08.2013 - 17:52

Ein Grund mir eine DSLR anzuschaffen, war unter anderem das Thema HDR. Vielen Dank für die gute Einführung.

Portrait von Sir Jeffrey
  • 27.06.2013 - 13:52

Tolles Tutorial, vielen Dank.

Portrait von Masch83
  • 04.06.2013 - 23:17

Für einen Neuling echt super erklärt!!!

Portrait von Theo11
  • 13.04.2013 - 16:47

Sehr gut erklärt. Macht lust auf mehr.

Portrait von jga
  • 10.04.2013 - 17:19

Super Tutorial....viele wichtige Info´s.

Portrait von thomac
  • 04.04.2013 - 13:00

Vielen Dank für die ersten Erklärungen. Wie passt nun focus-stacking hier rein?

Portrait von raviloi
  • 29.03.2013 - 16:00

endlich mal eine einfache erklärung zum thema !



Achtung: Du kannst den Inhalt erst nach dem Login kommentieren.
© 2002 - 2016 PSD-Tutorials.de – ein Projekt mit der 4eck Media GmbH & Co. KG
x
×
×