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Tutorialbeschreibung

HDR-Fotografie - Teil 04 - Eine Belichtungsreihe aus zwölf Aufnahmen erstellen

HDR-Fotografie - Teil 04 - Eine Belichtungsreihe aus zwölf Aufnahmen erstellen

Wie angekündigt, geht es nach den drei theoretischen Tutorials nun mit den Schritt-für-Schritt-Anleitungen weiter. Dieses Tutorial setzt sich mit der Erstellung einer großen Belichtungsreihe auseinander.

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Vorab möchte wieder auf einige Kommentare und Fragen zu dem letzten Tutorial eingehen:

1. Natürlich lässt sich ein sogenanntes Pseudo-HDR auch aus einer RAW-Datei erstellen. Der größte Vorteil dabei ist, dass auch bewegte Motive zum Pseudo-HDR verarbeitet werden können. Wie das genau funktioniert, werde ich in einem der folgenden Tutorials erläutern. Letztendlich kann dabei jedoch nur das aus einer Aufnahme herausgeholt werden, was drinsteckt. Im Falle einer RAW-Aufnahme mehr als in einer komprimierten JPEG-Datei, trotzdem kann der gesamte Kontrastumfang nicht wie bei einer Belichtungsreihe abgebildet werden. Die Pseudo-Ergebnisse bleiben entsprechend weit hinter denen einer echten HDR-Verarbeitung zurück und können nur als schwache Alternative angeführt werden. Bevor nun Motive mit Bewegung, für den echten HDR-Workflow verworfen werden, empfehle ich, doch mal eine Belichtungsreihe zu erstellen. Manchmal passen die sogenannten Geisterbilder sehr gut und verleihen der Szenerie eine gewisse Dynamik, wie beispielsweise dem Oldtimer-Opel aus dem letzten Tutorial.

2. Die Verarbeitung zu den Tonemapped HDR-Bildern werde ich fast ausschließlich mit Photomatix Pro erläutern. Es ist nun mal so, dass HDRsoft mit Photomatix ein Programm entwickelt hat, dass in nahezu allen HDR-relevanten Bereichen Spitze und dabei gut bedienbar und stabil ist. Versuche mit anderen Programmen konnten nicht immer überzeugen. In den Bereichen, wo eine andere Software echte Vorteile bringt, werde ich dies natürlich in die Tutorials einbauen. Zur Vor- und Nachbearbeitung benutze ich Photoshop. Nahezu alle Schritte können auch mit Photoshop Elements oder anderer Bildbearbeitungssoftware durchgeführt werden. Für den eigentlichen HDR-Workflow kann Photoshop jedoch nur bedingt empfohlen werden. Die Ergebnisse sind oftmals nur nach langem Probieren befriedigend und können denen von Photomatix Pro nicht das Wasser reichen.

3. Die Erstellung einer Belichtungsreihe mit vielen Quellaufnahmen hat keine Auswirkung auf die Stärke des typischen HDR-Effekts, sondern dient dem Zweck, sämtliche Lichter und Tiefen mit Zeichnung zu versehen. Je größer der Unterschied zwischen hellen und dunklen Bereichen, desto mehr Aufnahmen werden benötigt. Der berühmt-berüchtigte HDR-Look ergibt sich vorrangig durch das Tonemapping-Verfahren und die Stärke der unterschiedlichen Einstellungen. Gerade HDR-Einsteiger setzen diesen Effekt oftmals zu stark ein. Das wirkt auf den ersten Blick zwar recht beeindruckend, verwandelt aber die ein oder andere Online-Galerie in eine wahre Augenfolterkammer. Hier empfiehlt sich wirklich erst mal etwas weniger Tonemapping und dann nach Bedarf nachsteuern.

 
In unserem Beispiel handelt es sich um eine schwierige Lichtsituation, die eine hohe Zahl an Quellaufnahmen für die HDR-Verarbeitung benötigt. Die Aufnahmen entstanden am frühen Morgen, als die Sonne gerade über den Alpen aufging. Ziel war es, einen Blick aus dem Fenster inklusive Fensterrahmen und Fensterbank in Form eines Tonemapped HDRI zu dokumentieren. Insgesamt sind für diese Belichtungsreihe 15 Aufnahmen erstellt worden, wobei letztlich 12 Aufnahmen ausgereicht haben, um nahezu den kompletten Kontrastumfang abzubilden.

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So sieht das Motiv aus, wenn es im Rahmen einer einzigen Aufnahme optimal, durchschnittlich belichtet wird:

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Die Kamera aufstellen:

Bei der HDR-Fotografie kommt es darauf an, exakt dasselbe Bild mit verschiedenen Belichtungen zu fotografieren. Auch bei relativ guten Lichtverhältnissen ist es kaum zu schaffen, völlig deckungsgleiche Belichtungsreihen aus der Hand zu fotografieren. In unserem Beispiel ist es gar unmöglich, eine Belichtungsreihe, bestehend aus 12-15 Quellaufnahmen und den zu erwartenden Belichtungszeiten, wackelfrei zu erstellen. Um eine solch umfangreiche Belichtungsserie nahezu deckungsgleich zu erstellen, ist es mit am wichtigsten, ein standfestes Stativ einzusetzen.

Welches Stativ nun für den eigenen Gebrauch am besten ist, hängt von dem hauptsächlichen Verwendungszweck und den persönlichen Vorlieben ab. Ob nun Komplettsystem, Neiger oder Kugelkopf, zahlreiche Tests und Empfehlungen erleichtern die Stativauswahl. Bei den Aufnahmen soll die Kamera auch während einer minutenlangen Serie absolut sicher stehen. Um Verwackler durch leichte Unregelmäßigkeiten weitestgehend zu unterbinden, empfiehlt es sich, ein relativ schweres Stativ einzusetzen. Nachdem die Kamera einen sicheren Stand hat und richtig ausgerichtet ist, werden die Belichtungsparameter manuell eingestellt. Tipp: Zum Ausrichten der Kamera erweist sich eine kleine Wasserwaage für den Blitzschuh als äußerst hilfreiches Tool.

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Weißabgleich einstellen:

Mit dem Weißabgleich wird die Kamera auf die Farbtemperatur des Lichtes am Aufnahmeort »geeicht«. Für die HDR-Fotografie empfiehlt es sich, den automatischen Weißabgleich der Kamera abzuschalten, da sich im Rahmen einer Belichtungsserie die Werte ändern können. Der Weißabgleich kann zwar noch nachträglich angepasst werden – vor allem wenn im RAW-Format fotografiert wird –, die volle Kontrolle haben Sie jedoch nur bei der vorab fest gewählten Einstellung des Weißabgleichs.

Viele Digitalkameras haben neben dem automatischen Weißabgleich noch verschiedene vorgegebene Einstellmöglichkeiten, zwischen denen gewählt werden kann. Das erspart den manuellen Weißabgleich und liefert mit ein bisschen Übung ebenso gute Ergebnisse. Sofern das Ergebnis nicht hundertprozentig den Erwartungen entspricht, können Sie den Weißabgleich im Rahmen der Vorbereitung zur HDR-Erstellung im Bildbearbeitungsprogramm nachjustieren.

Die Tabelle zeigt einige Werte für typische Lichtquellen in der Fotografie. Die Werte sind als Richtwerte anzusehen und können leicht variieren. Für unsere Belichtungsreihe habe ich einen Wert von 5900 Kelvin (K) gewählt.

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Manueller Belichtungsmodus und Blende einstellen:

Nun wird es Zeit, die Kamera auf den manuellen Belichtungsmodus umzuschalten. Dieser ist am Gehäuse zu wählen und meist mit einem M als Symbol gekennzeichnet. Entsprechend dem Motiv und den eigenen Vorstellungen zur Bildgestaltung wird nun die passende Blende gewählt: Je größer die Blendenzahl, desto kleiner die Blendenöffnung. Je kleiner die Blende, desto höher die Schärfentiefe. Je kleiner die Blendenöffnung, desto länger muss der Sensor belichtet werden. Die Dauer der Belichtung (Belichtungszeit) kann in unserem Beispiel außer Acht gelassen werden, da die Kamera einen relativ unbeweglichen Stand auf dem Stativ hat und ein Verwackeln ausgeschlossen werden kann.

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Die richtigen Belichtungszeiten bestimmen

Im nächsten Schritt wird die längste Belichtungszeit ermittelt. Dazu wird die Kamera auf den dunkelsten Punkt der Motivszene gerichtet. Bei vielen Kamera-Typen kann dies im manuellen Modus durchgeführt werden. Wenn dies nicht möglich ist, wird die richtige Belichtungszeit im Automatikmodus ermittelt und die Werte im Kopf behalten oder aufgeschrieben.

Der ermittelte Wert dient als Ausgangswert und mit jeder weiteren Aufnahme wird eine Blendenstufe kürzer belichtet, bis die gesamte Motivszene unterbelichtet aufgenommen ist. Die an der Kamera eingestellte Belichtungszeit habe ich jedem Bild beigefügt (s.u.).

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Mit der Belichtungsreihe ...

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... kann es dann im nächsten Tutorial ...

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... mit dem Generieren ...

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... des 32-Bit HDRI weitergehen.

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Zur Erinnerung hier noch einmal die Checkliste zur Erstellung der Quellaufnahmen:

• Kamera auf einem Stativ mit festem Stand ausrichten und bei Spiegelreflexkameras die Spiegelvorauslösung aktivieren.
• Manuellen Belichtungsmodus einstellen und eine passende Blende auswählen. Achtung: Die Blende darf während der Belichtungsreihe nicht verändert werden, da sich sonst die Schärfentiefe verändern würde, was zu Problemen bei der Verrechnung zum HDRI führen kann
• Den Weißabgleich der Kamera manuell und passend zur Aufnahmeszene einstellen.
• Die längste Belichtungszeit ermitteln und als Ausgangswert einstellen.

Je nach Kontrastumfang des Motivs wird nun die Anzahl der Ausgangsaufnahmen ermittelt. Werden nur drei Aufnahmen erstellt, sollte mit einem Unterschied von 2 EV (Vervierfachung der Belichtungszeit) belichtet werden. Die erste Aufnahme sollte auf jeden Fall erheblich überbelichtet und die letzte Aufnahme stark unterbelichtet sein.

Kommentare
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Portrait von ThirdBen
  • 24.05.2016 - 15:49

Vielen Dank für die Tutorial-Reihe. Sehr gut erklärt, ich hatte als Foto-Neuling nicht das Gefühl, dass ich nicht mitkomme. Werde mich da in der nächsten Zeit mal ranmachen.

Portrait von Chris LG
  • 30.04.2016 - 11:42

Interessantes Tutorial! Ich habe bisher immer mit 3, maximal 5 Aufnahmen gearbeitet und mich dann gewundert, warum die Ergebnisse nicht sooo zufriedenstellend waren. Jetzt weiß ich warum. :-)

Portrait von Stefan.U
  • 07.07.2015 - 21:02

Jetzt kann ich das entlich auch mal ausprobieren! Finde die Anleitung super! Dankeschön

LG
Stefan

Portrait von ASTRODeluxe
  • 18.03.2015 - 01:21

Vielen Dank ! Super Anleitung! :-)

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 05.01.2015 - 18:50

Danke für dieses tolle Tutorial

Portrait von PapaJoe74
  • 04.05.2014 - 12:14

Sehr gutes Script, hat mir sehr geholfen die Technik umzusetzen und zu verfeinern.
DANKE!!!!!

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 30.01.2014 - 18:26

Tolles Tutorial, vielen Dank!

Portrait von novofoto
  • 09.01.2014 - 15:50

Ich muss nach der Lektüre meinen Workflow ein wenig korrigieren.

Portrait von MartinLandmann
  • 16.10.2013 - 15:41

Schön ausführlich beschrieben . Danke

Portrait von Satanophobia
  • 29.08.2013 - 13:27

Vielen Dank für dieses Tutorial. Hatte bis jetzt nur mit der AEB - Funktion meiner Kamera gearbeitet. Nun versuche ich es mal wie hier beschrieben. :-))

Portrait von RonaldN
  • 01.08.2013 - 18:00

Scher gut erklärt... Auch als Leihe direkt verstanden...

Portrait von Sir Jeffrey
  • 27.06.2013 - 18:36

Nun, hier konnte ich nicht viel Neues dazulernen, aber so ist das manchmal und nimmt der ganzen Reihe nichts. Herzlichen Dank.

Portrait von FurryWolf
  • 13.03.2013 - 09:04

Einer der besten HDR-Tutorials die ich bis jetzt gefunden habe! Natürlich alle Teile von 1-15 :-) DANKE *Daumen hoch*

Portrait von nesra
  • 27.02.2013 - 00:51

Mit jedem Tutorial bekommt man einen besseren Überblick und so langsam steigt die Lust, das gelesene endlich in die Tat umzusetzen.

Portrait von rk1988
  • 29.01.2013 - 02:49

Schön ausführlich beschrieben . Danke

Portrait von ElaB
  • 25.01.2013 - 22:40

Ich hoffe nun noch auf ein geeignetes Motiv und dann kann's losgehn

Portrait von Franzp
  • 09.01.2013 - 10:15

Danke für das Tutorial, wollte mich schon immer mit HDR beschäftigen, jetzt kann´s losgehen

Portrait von longlife
  • 04.01.2013 - 13:25

Jetzt kann ich das entlich auch mal ausprobieren! Finde die Anleitung super! Danke

Portrait von mzaron
  • 26.09.2012 - 18:06

Gutes Tutorial, vielen Dank!

Portrait von simonkch
  • 23.07.2012 - 16:27

Nettes Tutorial. Ob es dafür wirklich 12 Bilder gebraucht hat...
Gibt es (noch) keine Software, die beliebige Belichtungs-Sequenzen PC-Gesteuert aufnehmen kann? Meine EOS20D konnte ich noch komplett über den PC steuern. Bei den neuen Modellen habe ich das nie mehr probiert.

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