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Tutorialbeschreibung

HDR-Fotografie - Teil 15 - HDR experimentell: Schwierige Motivszenen meistern

HDR-Fotografie - Teil 15 - HDR experimentell: Schwierige Motivszenen meistern

Der abschließende Teil der HDR-Tutorialreihe besteht eigentlich aus zwei Tutorials. Beide Teile beschäftigen sich mit schwierigen Motivszenen und haben zum Ziel, bewegte Objekte aus dem Bild herauszunehmen oder zu korrigieren. Dabei geht es weniger um die HDR-Generierung und die damit verbundene Option „Geisterbilder entfernen“, sondern um die nachträgliche Korrektur im Bildbearbeitungsprogramm.

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Bewegte Motive

Für die HDR-Fotografie bieten bewegte Motive besondere Herausforderungen, die bisweilen nur mit großem Aufwand oder in manchen Fällen gar nicht lösbar sind. Je stärker und unregelmäßiger die Bewegungen, desto mehr Probleme haben HDR-Programme, diese wieder auszugleichen. Eine Aufnahmeserie von drei Bildern und einer insgesamt relativ kurzen Belichtungszeit lässt sich in einigen Fällen noch kompensieren.

Hierbei stellt sich jedoch die Frage, ob der Arbeitsaufwand beziehungsweise das mögliche Scheitern des Projekts im Verhältnis zum erreichbaren Ergebnis steht. Mit etwas Erfahrung beim Erstellen der Quellaufnahmen lässt sich ganz gut einschätzen, wie hoch der spätere Aufwand für die Nachbearbeitung des HDR-Bildes sein wird.

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Bei dieser getonten Schwarz-Weiß-Umsetzung stören mich die Geisterbilder keineswegs. Im Gegenteil - geben sie dem Bild doch ein Stück weit Dynamik.


 

Lösungsvorschlag 1: Geisterbilder mit der HDR-Software entfernen

Von sogenannten Geisterbildern spricht man, wenn sich während der Aufnahmeserie beispielsweise Menschen oder Fahrzeuge durchs Bild bewegt haben. Bei der Verrechnung der Quellbilder erscheinen diese Objekte dann teiltransparent. Das kann bei manchen Aufnahmen interessant wirken und eine gewisse Dynamik ins Bild bringen. In vielen Fällen ist es jedoch einfach nur ein störender Fehler. Photomatix bietet zwei Methoden, um Geisterbilder zu unterdrücken: eine für bewegte Objekte sowie eine für sich wiederholende, gleichmäßige (Wellen-)Bewegungen.

Für die Stärke der Erkennung können Sie zwischen Normal und Hoch wählen. Hier empfiehlt es sich, erst einmal die Einstellung NORMAL auszuprobieren. In vielen Fällen passiert dann aber so gut wie gar nichts. Die Geister bleiben erhalten. Stellen Sie jedoch die Einstellung auf hoch, wird zwar der Dynamikumfang des HDR-Bildes nicht reduziert, doch können die Bilder stark darunter leiden. Rauschen und Bildfehler können so stark ausgeprägt sein, dass selbst eine Nachbearbeitung im Bildbearbeitungsprogramm aussichtslos erscheint oder das zu erwartende Ergebnis in keinem Verhältnis zum Aufwand steht.

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Auch in dieser Bearbeitung habe ich die Geisterbilder nicht entfernt, "... und die Geister der ehemaligen Besitzer schleichen um ihr altes Gefährt!"


 

Lösungsvorschlag 2: Ein Pseudo-HDRI erstellen

Alternativ bietet sich bei bewegten Motiven die Möglichkeit an, ein HDR-Bild aus einer einzigen Aufnahme zu erstellen. Das sogenannte Pseudo-HDRI (siehe Teil 9: Ein Pseudo-HDRI erstellen). Als Quellaufnahme sollte dann allerdings ein RAW-Bild verwendet werden, da in diesem Format der größtmögliche Kontrast-Spielraum steckt. Letztendlich kann dies jedoch nur ein Kompromiss sein, denn, wie der Name schon sagt, ein Pseudo-HDRI ist kein echtes HDR-Bild. Es kann bei dieser Methode nur der Kontrastumfang abgebildet werden, der in diesem einen Bild auch steckt.

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Wird das RAW-Bild in ein Pseudo-HDR verwandelt, kann der Kontrastumfang durchaus erhöht werden. Die Grenzen des Möglichen sind jedoch schnell erreicht.


 
Kommen beide Lösungsansätze nicht infrage, hilft nur noch Kreativität und Handarbeit. An zwei Beispielen möchte ich Ihnen zeigen, wie Sie das Problem der Bewegung im HDRI in Griff bekommen können. Zum einen werde ich eine Leseranfrage vorstellen, die sich mit einem rotierenden Blaulicht auseinandersetzt, was im Rahmen der HDR-Verarbeitung zu unschönen und ausgerissenen Lichtern geführt hat. Im zweiten Teil des Tutorials werde ich Ihnen zeigen, wie Sie Menschen, die sich durch die Belichtungsreihe bewegt haben, ohne die Option „Geisterbilder entfernen“ korrigieren können.


1. Ein fehlerhaftes Blaulicht korrigieren

Markus, PSD-Tutorials.de-Mitglied, hat mir sein Tonemapped HDRI geschickt und freundlicherweise gleich einmal die Problemzonen gut sichtbar markiert. Wobei ich bei dem Abblendlicht keine Beanstandung hätte und somit auch keinen Korrekturbedarf sehe. Aber das mag dann reine Geschmackssache sein.

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Die drei Ausgangsbilder sind mit der Bracketing-Funktion einer Canon EOS 350D und einem Belichtungsabstand von je zwei Belichtungsstufen aufgenommen.

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Die Bilder unter Photoshop ausrichten

Um nun diese hässlichen Ausreißer loszuwerden, wird zunächst das Tonemapped HDRI und die optimal belichtete Quellaufnahme (Bild 2) in Photoshop geöffnet. Schneiden Sie beide Bilder auf ein identisches Maß zu (beispielsweise 15 x 10 cm) und ziehen Sie das Tonemapped HDRI mit gedrückter Umschalt-Taste auf das Quellbild.

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Sie haben nun eine Datei, bestehend aus zwei Ebenen. Das Tonemapped HDRI wird nicht mehr benötigt und kann geschlossen werden. Mit einem Doppelklick auf die Hintergrund-Ebene wird daraus eine "normale" Ebene, die nicht fixiert ist und bearbeitet werden kann.

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Markieren Sie nun beide Ebenen und öffnen Sie unter dem Menüeintrag Bearbeiten>Ebenen automatisch ausrichten das Dialogfeld zum pixelgenauen Ausrichten der Ebenen. Belassen Sie den Eintrag auf Auto und bestätigen Sie mit dem OK-Button.

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Eine Ebenenmaske einsetzen und anwenden

In der Ebenenpalette markieren Sie die obere Ebene (die mit dem Tonemapped HDRI) und erstellen eine Ebenenmaske, indem Sie auf das dritte Symbol von links, das Maskensymbol, klicken.

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Achten Sie nun darauf, dass die Ebenenmaske aktiv ist (nicht die Ebene) und Schwarz als Vordergrundfarbe eingestellt ist. Wählen Sie dann eine kleine Pinselspitze mit einer Härte von etwa 50% aus. Nun können Sie beginnen, über die kritischen Stellen zu malen. Sollten Sie über den zu bearbeitenden Bereich hinauskommen, müssen Sie nur die Vordergrundfarbe von Schwarz auf Weiß wechseln und die Stellen durch Übermalen wieder korrigieren. Dabei können Sie auch mit unterschiedlicher Deckkraft arbeiten.

TIPP: Lieber etwas weiter reinzoomen, als sich die Augen zu verderben.

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TIPP: Bei sichtbaren Unterschieden zwischen Tonemapped HDRI und Quellaufnahme kann auch mal die unterbelichtete Aufnahme zum Einsatz kommen oder mit unterschiedlichen Ebenenverrechnungen experimentiert werden.

Wenn Sie mit der Korrektur fertig sind, können Sie das Bild auf eine Ebene reduzieren, bei Bedarf noch etwas nachschärfen und im Format Ihrer Wahl abspeichern.

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2. Geisterbilder korrigieren

Nach der Verarbeitung der drei Quellaufnahmen unter Photomatix kam es erwartungsgemäß zu den sichtbaren Geisterbildern. Ein zweiter Versuch mit der Option Geisterbilder unterdrücken führte zwar dazu, dass die Personen richtig dargestellt wurden, jedoch das gesamte Bild unter dem Eingriff litt und auch im Rahmen der Nachbearbeitung kaum zu reparieren war. Also blieb als Alternative die Möglichkeit der Handarbeit, diesmal mithilfe des Radiergummis unter Photoshop.

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Die Quellaufnahme anpassen

Das fertige Tonemapped HDRI sowie die am längsten belichtete Aufnahme werden in Photoshop geöffnet. Da es sich bei der Quellaufnahme um ein RAW-Bild handelte, öffnet sich der RAW-Konverter, was durchaus von Vorteil ist. Mithilfe der Regler wird die Menschengruppe möglichst der Farbgebung der Gruppe auf dem Tonemapped HDRI angepasst. Achten Sie dabei ausschließlich auf die Personengruppe und das direkte Umfeld. Der Rest des Bildes wird nicht benötigt und wegradiert.

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Sowohl das geöffnete Tonemapped HDRI als auch das RAW-Bild werden auf die gleiche Zoomstufe gestellt, bevor die Farbtöne angeglichen werden.


 

Bilder ausrichten

Im nächsten Schritt ziehen Sie das im RAW-Konverter eingestellte, leicht überbelichtete Bild mit gedrückter Umschalt-Taste auf das Tonemapped HDRI und lassen es unter dem Menüpunkt Bearbeiten>Ebenen automatisch ausrichten... pixelgenau ausrichten.

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Radiergummi einsetzen

Wählen Sie nun den Radiergummi aus der Werkzeugleiste aus und stellen Sie eine Pinselspitze ein, die eine Härte von etwa 50% und eine Deckkraft von 100% erhält. Für den oberen Bereich des Bildes kann die Spitze ruhig etwas größer sein.

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Je näher Sie an der Personengruppe radieren, desto kleiner und weicher sollte die Pinselspitze werden. Die Gruppe wird großzügig freiradiert.

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Die Zwischenräume bleiben unberührt, da sich dort die "Geister" aufhalten könnten.

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Wenn Sie die Personengruppe grob freiradiert haben, wird die Ebene mit dem Tonemapped HDRI wieder eingeblendet und die Härte der Pinselspitze auf 0'% und die Deckkraft etwa 50% gesetzt. Gearbeitet wird nach wie vor ausschließlich auf der Ebene mit dem Quellbild.

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Der letzte Schliff

Haben Sie den Ausschnitt so angepasst, dass die Übergänge nicht mehr sichtbar sind, erhält das Bild noch den letzten Schliff, indem Sie erst den freiradierten Ausschnitt scharfzeichnen. Am besten geht das mit dem Klassiker Unscharf maskieren, der auch schon in den vorhergehenden Tutorials eingesetzt wurde. Anschließend reduzieren Sie das Bild auf eine Ebene und schärfen, nach Bedarf, insgesamt noch etwas nach.

Je nach Geschmack bleibt noch das Ausrichten der stürzenden Linien, wobei ich diesen natürlichen Effekt, bei diesem Beispiel, gar nicht ganz ausgleichen möchte. Die Person, die nach oben blickt, in Verbindung mit den leicht stürzenden Linien, unterstreicht die Höhe der Fassade und lässt die Spaziergänger wie in einer Schlucht wirken. Wie auch immer es Ihnen gefällt, unter dem Menüpunkt Bearbeiten >Transformieren finden Sie die passenden Werkzeuge. Mit dem Verkrümmen-Werkzeug lässt sich das Bild exakt nach den eigenen Vorstellungen transformieren, auch wenn dazu etwas Übung gehört.

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Soweit bin ich nun am Ende meiner Tutorialreihe angelangt und möchte mich bei allen Leserinnen und Lesern für das Feedback und die meist positiven Kommentare bedanken. Wer noch etwas tiefer in die HDR-Fotografie einsteigen möchte, dem empfehle ich mein HDR-Praxisbuch. Neben einer Menge Theorie und Handwerkszeug finden Sie dort auch weitere Tutorials. Übrigens, für alle, die das Buch besitzen, gibt es im September ein Update zur neuen, deutschsprachigen Photomatix-Version. Natürlich lohnt es sich auch, gelegentlich einen Blick auf meine Website http://www.digitaletiefe.de zu werfen. Dort wird sich in den nächsten Wochen einiges tun, ... spätestens, wenn ich mit neuem (HDR-)Bildmaterial aus dem Urlaub zurückkomme.

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Kommentare
Portrait von ThirdBen
  • 24.05.2016- 15:57

Vielen Dank für die Tutorial-Reihe. Sehr gut erklärt, ich hatte als Foto-Neuling nicht das Gefühl, dass ich nicht mitkomme. Werde mich da in der nächsten Zeit mal ranmachen.

Portrait von Stefan.U
  • 02.07.2015- 22:03

Dankeschön für diese hervorragende Arbeit.

Gruß
Stefan

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 05.02.2014- 08:27

Nach meinen ersten Schritten macht die Sache mit den HDR-Bildern immer mehr Spaß. Danke dafür.

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 04.02.2014- 22:43

Guter Abschluß einer tollen Tutorialserie. Vielen Dank dafür.

Portrait von Figib
  • 29.01.2014- 22:38

Vielen Dank für das Tutorial!

Portrait von dimizu
  • 16.06.2013- 18:27

Vielen Dank für das super 15 teilige Tutorial. Obwohl ich mit HDR schon Erfahrung hatte, konnte ich trotzdem so einige nützliche Tipps ergattern.

Portrait von FurryWolf
  • 13.03.2013- 08:58

Einer der besten HDR-Tutorials die ich bis jetzt gefunden habe! Natürlich alle Teile von 1-15 :-) DANKE *Daumen hoch*

Portrait von marsmillenium
Portrait von spuellana
  • 27.10.2012- 17:06

danke für das hilfreiche tutorial ;)

Portrait von Antje18
  • 25.05.2012- 10:32

Danke für das Tutorial, sehr hilfreich!

Portrait von Thomas_
  • 19.05.2012- 15:09

Danke für dieses Tut

Portrait von schaerjer
  • 16.03.2012- 19:56

Vielen Dank für die Tipps - so fällt der Einstieg viel leichter

Portrait von Salto19
  • 16.02.2012- 12:48

Sehr gut hat mir auch geholfen da ich auch so ein Problem mit dem Blaulicht hatte

Portrait von aphi
  • 21.11.2011- 10:10

Danke für die Tipps aus den gesamten Tutorials

Portrait von coyotegc
  • 19.11.2011- 17:06

Vielen Dank für die hilfreichen Informationen !

Portrait von dzimmermann
  • 20.10.2011- 13:52

Guter Abschluß zu einer tollen Tutorialserie. Vielen Dank dafür.

Portrait von fox_
  • 06.09.2011- 10:28

Sehr interessantes Tutorial!

Portrait von jebaer
  • 10.08.2011- 16:32

Interessantes Tutorial zur Hilfe, Danke

Portrait von smasti
  • 24.07.2011- 11:43

Super erklärt. Nach solch einer Anleitung habe ich schon lange gesucht

Portrait von chelis
  • 01.07.2011- 10:22

Wie die anderen Nutzer finde ich es ganz gut aufbereitet. Mir hat es viel gebracht. Danke



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