Tutorialbeschreibung

HDR-Fotografie - Teil 12 - Alternative DRI (Kontrastumfang ohne die HDR-Technik erhöhen)

HDR-Fotografie - Teil 12 - Alternative DRI (Kontrastumfang ohne die HDR-Technik erhöhen)

Das zwölfte Tutorial befasst sich mit der Dynamik-Range-Increase-Technik (DRI). Mit dieser Methode kann der Kontrastumfang einer Motivszene ohne die Generierung eines HDR-Bildes erhöht werden. Neben einem Bildbearbeitungsprogramm, welches mit Ebenen und Masken umgehen kann, ist dabei keine zusätzliche HDR-Software nötig.

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Streng genommen gehört dieses Tutorial gar nicht in die HDR-Tutorialreihe, da es mit dem eigentlichen HDR-Workflow relativ wenig zu tun hat. Es wird keine 32-Bit-Datei erstellt und ein Tonemapping wie mit den speziellen HDR-Programmen ist auch nicht notwendig. Beiden Verfahren ist jedoch gemein, dass aus mehreren unterschiedlich belichteten Aufnahmen ein Bild mit erweitertem Dynamikumfang entstehen soll. Somit gehört dieses Verfahren, als echte Alternative zur 32-Bit-HDR-Verarbeitung, eben doch in dieser Tutorialreihe beschrieben.

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Mit der DRI-Techik lässt sich der Kontrastumfang einer Motivszene erhöhen, ohne dass das Ergebnis gleich nach Tonemapped HDRI aussieht.


DRI steht für Dynamic Range Increase und wird häufig auch als Exposure Blending bezeichnet. Bei dieser Methode werden unterschiedlich belichtete Aufnahmen im Bildbearbeitungsprogramm mithilfe von Ebenen verarbeitet. Dabei beginnt man mit der am längsten belichteten Aufnahme. Anschließend fährt man mit dem nächstdunkleren Bild fort, bis sämtliche Aufnahmen als Ebenen übereinanderliegen.

 
Durch den Einsatz von Ebenenmasken werden die unterschiedlich belichteten Aufnahmen dann so miteinander verrechnet, dass am Ende ein Bild entsteht, bei dem sowohl die hellsten als auch die dunkelsten Stellen Zeichnung aufweisen. Dadurch wird ein höherer Kontrastumfang erreicht.

Die DRI-Methode eignet sich sehr gut für Belichtungsreihen, die bei Nacht aufgenommen wurden. Oftmals genügen schon drei Aufnahmen, die miteinander verschmolzen werden, um den Dynamikumfang des Bildes merklich zu erhöhen. Wer den typischen HDR-Effekt nicht mag, der ein Bild sofort als Tonemapped HDRI erkennen lässt, ist mit dieser Methode sehr gut bedient. Mit ein wenig Übung und Fingerspitzengefühl beim Erstellen der DRI-Bilder lassen sich mit dieser Technik beeindruckende Bilder erstellen, die den zeitlichen Mehraufwand allemal lohnen.

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In diesem Beispiel genügten schon drei Aufnahmen, die miteinander verschmolzen wurden, um den Dynamikumfang zu erhöhen.


 
Anmerkung zur Software: Die Anforderungen an die Grafik-Software sind nicht so hoch wie bei spezieller HDR-Software, denn beim Exposure Blending werden keine 32-Bit-Dateien erzeugt. Sofern die Ebenenmaskierung und Verarbeitung per Hand erledigt werden, ist der Arbeitsaufwand aber erheblich höher als bei der automatischen HDRI-Generierung. Photomatix 3.0 und andere Tools bieten auch für das Exposure Blending eine automatische Verrechnung. Insgesamt sind Ergebnisse jedoch nicht so spektakulär wie mit der HDR-Technik und dem Tone Mapping. Für das Tutorial habe ich Photoshop verwendet. Die Arbeitsschritte sind aber auch mit jeder anderen Grafik-Software, die mit Ebenen und Masken umgehen kann, durchführbar.


Die Aufnahmen als Ebenen übereinanderlegen

Zuerst werden die Quellaufnahmen in Photoshop geöffnet. Die Ebenen werden dann, beginnend mit der am kürzesten belichteten, übereinandergelegt. Damit die Ebenen genau deckungsgleich übereinanderliegen, ziehen Sie das zweite Bild bei gedrückter Umschalt-Taste auf die dunkelste Aufnahme.

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Genauso verfahren Sie mit der am längsten belichteten Aufnahme. Danach können die zwei übertragenen Aufnahmen geschlossen werden.

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Die Ebenen exakt ausrichten

Unter dem Menüpunkt Bearbeiten>Ebenen automatisch ausrichten... lassen sich die Ebenen pixelgenau ausrichten.

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Lichter auswählen

Die drei Belichtungen werden nun als Ebenen in der Ebenenpalette angezeigt. Blenden Sie die zwei oberen Ebenen aus, indem Sie auf das Augensymbol klicken. Markieren Sie die Hintergrundebene und öffnen Sie unter Auswahl>Farbbereich den Auswahl-Dialog. In dem Klappmenü wählen Sie den Eintrag Lichter aus und bestätigen die Eingabe mit dem OK-Button.

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Photoshop erstellt dadurch eine Auswahl aus den hellsten Bereichen im Bild den Lichtern.

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Die Auswahl erweitern

Öffnen Sie nun in der Menüleiste unter Auswahl>Auswahl verändern den Menüpunkt Erweitern. Dort geben Sie als Wert für die Erweiterung 10 Pixel an. Bestätigen Sie die Eingabe mit dem OK-Button. Die Lichter-Auswahl wird dadurch vergrößert.

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Weiche Kante

Im nächsten Schritt wird der Lichtradius mit einer weichen Kante versehen. In dem Beispiel öffnen Sie erneut das Auswahl-Menu und wählen den Eintrag Auswahl verändern>Weiche Kante (Strg/Befehl+Alt/Wahl+D). An dieser Stelle geben Sie einen Radius von 30 Pixel an und bestätigen Sie mit OK.

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Hinweis: Je nach Auflösung und Größe der Ausgangsaufnahmen können die Werte für die Erweiterung und die weiche Kante variieren, bis man den gewünschten Effekt erreicht. Hier gilt es, etwas zu experimentieren.


 

Ebenenmaske erstellen

Vor dem Erstellen der Ebenenmaske wird die Auswahl unter Auswahl>Auswahl umkehren (Umschalt+Strg/Befehl+I) umgekehrt.

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Anschließend wechseln Sie auf die nächste Ebene. Nach einem Klick auf das Maskensymbol erstellt Photoshop eine Ebenenmaske anhand der Auswahl. Die Maske ist aktiv und zeigt auch gleich ihre Wirkung.

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Die zweite Auswahl erweitern und eine weiche Kante hinzufügen

Weiter geht es mit der nächsten Ebene. Markieren Sie die Ebene, indem Sie das Ebenensymbol anklicken (nicht das Maskensymbol). Öffnen Sie, wie bei der ersten Ebene auch, über Auswahl>Farbbereich das Auswahl-Dialogfenster und wählen Sie den Eintrag Lichter.

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Erweitern Sie anschließend die Auswahl, genau wie vorher beschrieben, um 10 Pixel. Auch die weiche Auswahlkante kommt wieder zum Einsatz. Diesmal jedoch nur mit einem Wert von 20 Pixel. Bestätigen Sie das Dialogfeld mit dem OK-Button.

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Die Maske anwenden

Wechseln Sie nun auf die oberste Ebene mit der am längsten belichteten Aufnahme. Wie zuvor, erstellen Sie auch hier die Ebenenmaske aus der Auswahl, indem Sie das Maskensymbol anklicken. Die Auswirkungen können sofort festgestellt werden und somit auch das vorläufige Ergebnis der DRI-Bearbeitung.

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TIPP: Wenn größere Belichtungsreihen mit dieser Methode verarbeitet werden sollen, wiederholen Sie die beschriebenen Schritte mit jeder weiteren Ebene. Einzig der Pixel-Eintrag für die weiche Kante sollte mit jedem Schritt um etwa 25% geringer ausfallen.

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Auf eine Ebene reduzieren

Um dem Bild nun den letzten Schliff zu verpassen, werden zunächst die Ebenen und Masken auf die Hintergrundebene reduziert. Dazu gehen Sie über die Menüleiste zu dem Punkt Ebene>Auf Hintergrundebene reduzieren.

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Der letzte Schliff

Über Filter>Scharfzeichnungsfilter>Unscharf maskieren wird das bewährte Standard-Werkzeug zur Bildschärfung aufgerufen.

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Für die Stärke können Sie einen Wert von etwa 120%, für den Radius einen Wert von 2,3 Pixel und für den Schwellenwert einen Wert von etwa 10 Stufen eingeben. Bestätigen Sie die Eingaben mit dem OK-Button und die Dynamikerweiterung per Hand ist abgeschlossen.

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Je nach Verwendungsart wird das Bild noch zugeschnitten und abschließend für die Ausgabe optimiert.

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Fazit

Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, den Dynamikumfang einer Belichtungsreihe ohne den Weg über die 32-Bit-HDR-Generierung zu erhöhen. Abgesehen von den automatisierten Methoden, wie sie beispielsweise Photomatix oder das Traumflieger-Tool anbieten, steckt bei allen DRI-Arbeiten eine Menge Handarbeit dahinter.

Einerseits haben Sie bei der Verarbeitung der Belichtungsreihe die volle Kontrolle und lernen das Bildbearbeitungsprogramm kennen. Andererseits steht der Zeitaufwand nicht immer im Verhältnis zum Ergebnis.

Da es keine festen Bearbeitungs- und Einstellungsschritte für jedes Motiv und jede Belichtungsreihe gibt, ist meist ein wenig Experimentieren notwendig, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist. Mit der DRI-Methode wurde eine Technik vorgestellt, die mit vergleichsweise überschaubarem Aufwand den Dynamikumfang einer Belichtungsreihe erhöhen kann, ohne den typischen HDR-Effekt bzw. diesen künstlich wirkenden Tonemapping-Look ins Bild zu bringen.

Kommentare
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Portrait von julotte
  • 12.10.2011 - 14:39

Vielen Dank für das Tutorial!

Portrait von jonnymcpot
  • 09.09.2011 - 10:45

Dank für das gut erklärte Tutorial :)

Portrait von jonnymcpot
  • 09.09.2011 - 10:45

Danke für das gute Tutorial :)

Portrait von fox_
  • 06.09.2011 - 10:29

Auch eine interessante Methode um den Kontrastumfang zu steigern. Super Tutorial!

Portrait von maxiw
  • 25.07.2011 - 17:20

ein tolles Tutorial! Das ist eine gute Methode seinen Bilder mehr Ausdruck zu verleihen!
Einfach und verständlich erklärt.

Portrait von Bytewalker
  • 24.06.2011 - 10:21

Interressantes Tutorial
Gibt gute Anregungen zum ausprobieren und, wie erwähnt, das Blbearbeitungsprogamm besser kennen zu lernen.

Portrait von Shaolon666
  • 19.06.2011 - 17:36

Sehr gute Anregung, werde ich demnächst mal umsetzen.

Portrait von isaf
  • 23.03.2011 - 20:45

In elements müsste das auch funktionieren - Schwellenwert.
Ich probiers einfach mal!

Portrait von Inspiron
  • 29.12.2010 - 12:32

Am besten ausprobieren. Danke

Portrait von kyvanda
  • 28.12.2010 - 11:12

Da hilft nur ausprobieren. LG Ilona

Portrait von madmr
  • 12.09.2010 - 14:56

Vielen Dank für das Tutorial. Da heißt es gleich selber ausprobieren :-)

Portrait von retepada10
  • 19.08.2010 - 19:00

Sehr ausführlich kommentiert

Portrait von marslux
  • 21.03.2010 - 21:03

Ein sehr ausführliches Tutorial. Bravo und vielen Dank für diese vorbildliche Arbeit !

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 04.03.2010 - 07:53

Super Tutorial! Da macht das Arbeiten nach Spaß!

Portrait von Fimbulvetr
  • 25.02.2010 - 22:18

Vielen Dank, das war wirklich ein super tutorial.
freu mich schon das selber auch mal ausprobieren zu können.
ist echt ne feine alternative zum richtigen hdr

Portrait von alexpreyer
  • 18.02.2010 - 13:49

Auch mir reicht oft das aufpeppen durch Kontrasterweiterung. Da kommt mir dieses Tutorial genau richtig. Super beschrieben.

Portrait von BlueHair
  • 08.02.2010 - 20:24

Tolle Bilder als Beispiele für den Workshop!

Portrait von BlueHair
  • 08.02.2010 - 20:22

vor allem die screenshots sind hilfreich

Portrait von BlueHair
  • 08.02.2010 - 20:21

sehr gute beschreibung des photoshop workflows

Portrait von Bratapfel_69
  • 26.01.2010 - 19:24

Gut beschrieben, man sollte sich schon etwas besser mit PS auskennen

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