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Tutorialbeschreibung

HDR-Fotografie - Teil 13 - HDR experimentell: Der Infrarot-Look

HDR-Fotografie - Teil 13 - HDR experimentell: Der Infrarot-Look

In diesem Teil der Tutorialreihe wird ein wenig experimentiert, um den HDR-Ergebnissen einen sogenannten Infrarot-Look zu verpassen. Das hat nicht viel mit der eigentlichen, technisch aufwendigen Infrarot-Fotografie zu tun, sondern soll einfach nur eine kreative Möglichkeit sein, außergewöhnliche HDR-Bilder zu schaffen.

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Als Infrarotstrahlung werden in der Physik elektromagnetische Wellen im Spektralbereich zwischen sichtbarem Licht und den langwelligeren Mikrowellen bezeichnet. Durch die farbliche Wiedergabe der Infrarotstrahlen kann Unsichtbares sichtbar gemacht werden. In der Fotografie wurde die Infrarottechnik meist zur kreativen Gestaltung unterschiedlicher Motive genutzt. Mithilfe der digitalen Bildbearbeitung wie beispielsweise der HDR-Verarbeitung können Infrarot-Effekte erzeugt werden, ohne dass man teures Equipment kaufen müsste. Dabei kommt es in dem Tutorial-Ergebnis nicht auf physikalische Gesetzmäßigkeiten an, sondern schlichtweg auf den gestalterischen Effekt.

Bei diesem Beispiel wurden drei Quellaufnahmen zum Tonemapped HDRI verarbeitet.

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In dieser Variante habe ich die Quellbilder vorher in Camera Raw getont, anschließend dem HDR-Workflow übergeben und abschließend die Gradationskurven bearbeitet.

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Für die Tonung der Ausgangsbilder wird ein RAW-Konverter verwendet. In unserem Beispiel habe ich die Adobe-Software Camera Raw eingesetzt. Zwar können damit auch JPEG- und TIFF-Dateien verarbeitet werden, es empfiehlt sich jedoch, RAW-Dateien einzusetzen, da die erheblichen Bildeingriffe im Rahmen des gesamten Workflows nicht spurlos an der Bildqualität vorübergehen. Vor allem JPEG-Dateien, die schon erheblich komprimiert sind, sind für diese Art der Bearbeitung eher ungeeignet.

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Gibt man dem Ergebnis im Rahmen der Nachbearbeitung noch etwas Körnung, wirkt das Pseudo-Infrarot noch glaubwürdiger.


 

Exkurs: RAW-Format

Der englische Begriff RAW steht für »roh« oder »unverarbeitet«. Mit dieser direkten Übersetzung ist das Wesen des RAW-Formates schon sehr gut beschrieben, denn es geht tatsächlich um die Rohdaten, die von der Digitalkamera erstellt werden.

Im Gegensatz zu den üblichen Kamera-Bildformaten wie JPEG- oder TIFF-Dateien handelt es sich beim RAW-Format nicht nur um ein weiteres Dateiformat, sondern um eine völlig andere Art der Datenverarbeitung durch die Kamera. Der Speicherchip erhält ausschließlich die Daten, die der Bildsensor der Kamera im Rahmen der Aufnahme erzeugt hat. Wird hingegen bei der Kamera als Speicherformat JPEG angegeben, durchlaufen die Aufnahmen schon vor der Ablage auf dem Speicherchip eine umfangreiche, kamerainterne Verarbeitung.

Durch das Speichern der Bilddaten im RAW-Format haben Sie bei der Verarbeitung der Bilder einen wesentlichen größeren Spielraum. Dies gilt im Besonderen auch für die Erstellung von HDR-Fotos, daher sollten Sie durchweg auf das RAW-Format setzen. RAW-Dateien sind vergleichbar mit den Negativen der analogen Fotografie. Die RAW-Datei selbst wird nicht verändert, in der Bildbearbeitung werden sozusagen nur Abzüge von ihr erstellt – als eigene, neue Bilddateien.

Mittlerweile hat fast jeder Kamerahersteller sein eigenes Rohdatenformat entwickelt – manche Hersteller sogar verschiedene Formate für unterschiedliche Kameratypen. Grundsätzlich sind sich diese Formate sehr ähnlich, jedoch sind sie in den meisten Fällen weder untereinander kompatibel noch dokumentiert. Zu erkennen sind die Formate an den Endungen der Dateien. Um die RAW-Dateien zu verarbeiten, benötigen Sie eine Software, den sogenannten RAW-Konverter. Diese Software wird als eigenständiges Programm, als Plug-in oder als Kamerazubehör angeboten.

 
Bei diesem Beispiel wurden die Quellaufnahmen vorab in Graustufen umgewandelt und dann erst getont.

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Die RAW-Konvertierung

Öffnen Sie die RAW-Dateien in Camera Raw. In der linken Spalte sind die drei Aufnahmen als Miniatur zu sehen. Klicken Sie auf die erste RAW-Aufnahme und wechseln Sie in der rechten Spalte auf den Reiter Teiltonung (das ist der fünfte Button von links).

TIPP: Wenn Sie die Aufnahmen über die Bridge (Adobe Bildbrowser) öffnen und dabei die Tastenkombination Strg/Befehl+R verwenden, wird nur Camera Raw aufgerufen, was voll und ganz ausreicht. Werden die Bilder über den Bildbrowser per Doppelklick geöffnet, wird auch jedes Mal Photoshop mit aufgerufen.

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Erste Aufnahme tonen

Die Aufnahme, die am kürzesten belichtet ist, liegt auf dem Stapel ganz oben. Unter dem Reiter Teiltonung werden nun die Werte für die Tiefen eingestellt. Als Farbton wählen Sie einen Wert von etwa 240 und für die Sättigung einen Wert von rund 80. Wechseln Sie anschließend auf das zweite Bild.

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Zweite Aufnahme tonen

Die zweite Aufnahme der Belichtungsreihe ist relativ ausgewogen belichtet. Für dieses Bild stellen Sie sowohl für die Lichter als auch für die Tiefen jeweils einen Wert von 130 für den Farbton ein. Für die Sättigung wählen Sie jeweils einen Wert um die 65 aus.

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Dritte Aufnahme tonen

Die letzte Aufnahme der Reihe ist überbelichtet. Für dieses Bild werden nur die Lichter eingestellt. Für den Farbton ist ein Wert um die 320 und für die Sättigung ein Wert von etwa 85 einzustellen.

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Aufnahmen als TIFF-Dateien speichern

Nachdem die Einstellungen für alle Aufnahmen vorgenommen sind, klicken Sie in der linken Leiste auf den Button Alles Auswählen und anschließend auf Bilder speichern. Bleibt noch die Auswahl des Speicherorts und der Dateinamen. Als Format wählen Sie am besten das TIFF-Format ohne Komprimierung. Die Konvertierung wird mit einem Klick auf den Speichern-Button gestartet. Je nach Rechnerleistung kann die Konvertierung ein paar Momente dauern, bis die Bilder im vorbestimmten Ordner liegen. Der RAW-Konverter kann jetzt geschlossen werden, da dieser für das Tutorial nicht mehr benötigt wird.

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HDR erstellen

Wenn noch nicht geschehen, wird jetzt Photomatix geöffnet. In der linken Leiste wählen Sie unter dem Button HDR erzeugen (Strg/Befehl+G) das Dialogfenster zur HDR-Generierung an. Die Option Versuche Geisterbilder zu unterdrücken wird nicht aktiviert, da dadurch der Effekt nahezu verloren geht. Wenn Geisterbilder zu erwarten sind, müssen diese im Rahmen der Nachbearbeitung entfernt werden.

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Alternativ können Sie die Bilder auch einfach ins Arbeitsfenster von Photomatix ziehen und die Software wird fragen, ob eine HDR-Verarbeitung durchgeführt werden soll.

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Tone Mapping

Nach der HDR-Generierung wird das 32-Bit Bild dem Tone Mapping unterzogen. Dazu wechseln Sie in das Tone-Mapping-Dialogfenster. Für die Stärke können Sie einen Wert von 80 und für die Farbsättigung einen Wert von 65 einsetzen. Unter Kontrast glätten wird die mittlere Checkbox markiert. Den Weißpunkt stellen Sie auf 0,175% und den Schwarzpunkt auf 0,020% ein. Den Gammawert können Sie auf 1,10 einstellen. Die restlichen Einstellungen können auf den neutralen Standardwerten belassen werden. Bestätigen Sie mit OK und speichern Sie das Bild am gewünschten Speicherort ab. Nun kann auch der Photomatix geschlossen werden und wir widmen uns der Nachbearbeitung.

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Ausrichten und Zuschneiden

Öffnen Sie das Tonemapped HDR-Bild in Photoshop und kopieren Sie die Hintergrundebene, indem Sie die Ebene auf das zweite Symbol von rechts in der Ebenenpalette ziehen. Mit Strg/Befehl+T wird das Frei-Transformieren-Werkzeug aktiviert. Wenn Sie nun die Strg-/Befehl-Taste gedrückt halten, können Sie das Bild vertikal und horizontal ausrichten. Zur Unterstützung sollten Hilfslinien aus dem Lineal gezogen werden. Je nach Ausgabewunsch kann das Bild an dieser Stelle auch schon auf Maß zugeschnitten werden (beispielsweise auf 15x10 cm, bei einer Auflösung von 300Pixel/Zoll, für den Fotodruck).

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Geisterbilder entfernen

Die Bildfehler/Geisterbilder können nun mit dem Kopierstempel-Werkzeug entfernt werden. Dazu wählen Sie in der Werkzeugleiste das Kopierstempel-Werkzeug aus und suchen sich, mit gedrückter Alt-Taste, einen Referenzpunkt im Bild. Der eingesetzte Pinsel soll einen Hauptdurchmesser von 40 Px und eine Härte von 40% haben. Die Deckkraft soll 100% betragen. Im Laufe der Retusche können Sie dann den Hauptdurchmesser und die Härte den Anforderungen entsprechend anpassen.

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Ergänzung: Zusätzliche Korrekturen und Retuschen

Eigentlich sieht das Bild an dieser Stelle schon ganz gut aus. Durch die etwas weicheren Kontraste wirkt es als Infrarot-Aufnahme auch recht glaubwürdig (natürlich nur auf die Betrachter, die sich mit den physikalischen Gesetzmäßigkeiten nicht auskennen).

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Wer jedoch ein etwas knackigeres und rauschärmeres Bild möchte, sollte an dieser Stelle mit den Gradationskurven und der Rauschunterdrückung experimentieren (wie im Teil 11 der HDR-Tutorials beschrieben).

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Unscharf maskieren

Im nächsten Schritt wird das Bild nachgeschärft. Dafür wird der bewährte Unscharf-maskieren-Filter eingesetzt. In der Menüleiste erreichen Sie über Filter>Unscharf maskieren den Schärfe-Dialog. Wählen Sie für die Stärke 100%, für den Radius einen Wert von 1,2 Pixel und für den Schwellenwert 8 Stufen. Bestätigen Sie mit OK. Anschließend können Sie das Bild auf eine Ebene reduzieren und unter Modus>8-Bit-Kanal in eine 8-Bit-Datei umwandeln.

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Der Dialog Strukturierungsfilter

Wer möchte, kann den Infrarot-Effekt unterstreichen, indem er dem Bild zum Abschluss eine Körnung hinzufügt. Öffnen Sie dazu unter Filter>Strukturierungsfilter>Körnung das entsprechende Dialogfenster. Für die Intensität kann ein Wert von 18 und für den Kontrast ein Wert von 45 eingestellt werden. Die Körnungsart bleibt auf dem Eintrag Standard stehen. Bestätigen Sie mit OK und speichern Sie das Bild im gewünschten Format ab.

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Hinweis: Sie finden unter den Stilisierungsfiltern auch einen Eintrag Korneffekt, der direkt eine Körnung in das Bild aufträgt. Dieser hat jedoch kaum Einstellmöglichkeiten zu bieten und ist daher nicht zu empfehlen.

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Kommentare
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Portrait von ThirdBen
  • 24.05.2016 - 15:54

Vielen Dank für die Tutorial-Reihe. Sehr gut erklärt, ich hatte als Foto-Neuling nicht das Gefühl, dass ich nicht mitkomme. Werde mich da in der nächsten Zeit mal ranmachen.

Portrait von Stefan.U
  • 02.07.2015 - 22:07

Dankeschön für diese hervorragende Arbeit.

Gruß
Stefan

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-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 05.02.2014 - 08:27

Nach meinen ersten Schritten macht die Sache mit den HDR-Bildern immer mehr Spaß. Danke dafür.

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-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 04.02.2014 - 22:40

Ich hab's ausprobiert - tolle Inspiration!

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-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 04.02.2014 - 18:58

Nach den ersten Versuchen bewahrheitet sich, dass Fotografieren bedeutet, mit Licht zu malen.

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-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 04.02.2014 - 18:56

Ich werde damit mal experimentieren.

Portrait von RonaldN
  • 01.08.2013 - 18:23

Ist nicht ganz mein Geschmack, wollte diesen Teil aber nicht auslassen. Wieder interessantes gelesen.

Portrait von FurryWolf
  • 13.03.2013 - 09:11

Einer der besten HDR-Tutorials die ich bis jetzt gefunden habe! Natürlich alle Teile von 1-15 :-) DANKE *Daumen hoch*

Portrait von damo1234
  • 27.01.2013 - 08:40

Danke für dieses super Tutorial

Portrait von marsmillenium
Portrait von Antje18
  • 25.05.2012 - 10:32

Danke für das Tutorial, sehr hilfreich!

Portrait von aphi
  • 16.12.2011 - 07:34

Vielen Dank, dies Tut ist eine interessante Anregung

Portrait von coyotegc
  • 19.11.2011 - 17:06

Vielen Dank für die hilfreichen Informationen !

Portrait von dzimmermann
  • 20.10.2011 - 13:56

Für mich uninteressant, für Andere, die diesen "Look" mögen, sicherlich lehrreich.

Portrait von dorianZ
  • 14.10.2011 - 15:05

Super, genau das hab ich gesucht! Danke

Portrait von fox_
  • 06.09.2011 - 10:29

Ich freue mich schon aufs ausprobieren :-)

Portrait von jarek2006
  • 02.09.2010 - 11:30

Vielen Dank, das war wirklich ein super tutorial

Portrait von OgaLur
  • 25.05.2010 - 07:04

War nicht das was ich mir vorgestellt habe.

Portrait von marslux
  • 22.03.2010 - 21:31

Ein sehr ausführliches Tutorial; damit bringe sogar ich ein "Infrarot-Bild" fertig

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 04.03.2010 - 07:54

Gutes Gelingen, werde mir aber wohl doch das HDR Programm zulegen. Kommt aufgrund dieses Teils des tutorials auf meine Osterwunschliste!

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