Tutorialbeschreibung

HDR-Fotografie - Teil 14 - HDR experimentell: Eine surreale Szenerie erstellen

HDR-Fotografie - Teil 14 - HDR experimentell: Eine surreale Szenerie erstellen

In diesem Tutorial zur HDR-Fotografie wird eine surreale Landschaft geschaffen. Der typische HDR-Look in Verbindung mit einigen surreal anmutenden Bildmerkmalen ergänzt sich optimal. Ob dabei der surrealistische Stil in der digitalen Bildbearbeitung grundsätzlich gefällt oder nicht, ist dann eine ganze andere Frage, die als spannendes Thema beispielsweise im Forum diskutiert werden kann.

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In Verbindung mit der HDR-Fotografie fällt häufig der Begriff Surrealismus. Es wird von surrealistisch anmutenden Bildern gesprochen oder gar von der surrealistischen Fotografie. Gemeint ist dabei oftmals nur der erweiterte Kontrastumfang, der dem Betrachter erst einmal ungewohnt vorkommt. Ob das nun als surreal zu bezeichnen ist, sei dahingestellt und liegt eher in der Interpretation des Betrachters.

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Im eigentlichen Sinne war der Surrealismus, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, eine Bewegung in der Literatur und der bildenden Kunst, die versuchte, das Unwirkliche und Traumhafte sowie die Tiefen des Unbewussten auszuloten und in der Kunst darzustellen.

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Begründet wurde der Surrealismus von dem französischen Dichter und Kritiker André Breton. Einer der bekanntesten Mitglieder der Surrealistengruppe war der als Maler bekannte Salvador Dalí. Aber auch der bekannte Fotograf Man Ray gehörte zur Gruppe der Surrealisten.

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In dem folgenden Tutorial wird eine Motivszene mithilfe der HDR-Fotografie und der entsprechenden Nachbearbeitung in eine surreale Landschaft verwandelt werden, die das Gefühl vermitteln soll, unwirklich und traumhaft zu sein.

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Das Ausgangsmaterial

Die Belichtungsreihe besteht aus drei Aufnahmen, die mit je zwei Belichtungsstufen Abstand aufgenommen wurden. Wenn Sie keine Rücksicht auf den Speicherplatz nehmen müssen, sollten Sie die Aufnahmen erst einmal im RAW-Format belassen (siehe auch Teil 13 Exkurs: RAW-Format).

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Für die HDR-Generierung verwenden wir das bewährte Photomatix. In der linken Leiste wählen Sie unter dem Button HDR erzeugen (Strg/Befehl+G) das Dialogfenster zur HDR-Generierung an. Die Ausgangsbilder sollen merkmalbasiert ausgerichtet werden und die Option Versuche Geisterbilder zu unterdrücken wird nicht aktiviert. Sofern Sie die Beispieldateien verwenden, korrigieren Sie noch den Weißabgleich auf 5500 K. Das gibt den Bildern ein etwas wärmeres Licht. Unter dem Klappmenü Primärfarben des HDR-Bildes basieren auf: wählen Sie den von Ihnen bevorzugten Farbraum.

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Exkurs: Arbeitsfarbräume

Die Entscheidung, in welchem Farbraum gearbeitet werden soll, ist nicht ganz einfach. Meist dreht sich die Frage darum, ob man sRGB oder Adobe RGB wählen soll. Wer sich etwas intensiver mit diesem Thema auseinandersetzen möchte, wird feststellen, dass es noch wesentlich mehr Farbräume gibt, die für unterschiedliche Anwendungs- und Ausgabeanforderungen gedacht sind.

Grundsätzlich sollte der einmal gewählte Farbraum beibehalten werden. Das heißt, der Farbraum, der schon bei der HDR-Verarbeitung, beispielsweise in Photomatix, eingestellt wurde, sollte dann auch für den Nachbearbeitungs-Workflow im Bildbearbeitungsprogramm ausgewählt sein.

Als Entscheidungshilfe kann der hauptsächliche Verwendungszweck der fertigen Bilder dienen:

• Fotografen und Bildbearbeiter, die ihre Ergebnisse mit dem größtmöglichen Farbumfang zu Papier bringen möchten, sollten sich für den Farbraum Adobe RGB entscheiden. Dieser Farbraum ist größer als der sRGB-Farbraum.
• Für Web- und Screendesigner ist der standardisierte sRGB-Farbraum ausreichend. Dieser Farbraum wurde von Microsoft und Hewlett-Packard entwickelt, und die meisten Hard- und Softwarehersteller unterstützen ihn.

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Tone Mapping

Sie ahnen es schon, nach der HDR-Generierung geht es direkt zum Tonemapping. Um einen überzogenen Bildeindruck zu erreichen, werden die Werte für die Stärke und für die Farbsättigung auf 80 gestellt. Unterstützt wird der Effekt durch eine stärkere Kontrastglättung; dazu wählen Sie die zweite Checkbox von links. Der Weißpunkt wird auf 0,199%, der Schwarzpunkt auf 0,010% gesetzt. Der Gamma-Wert wird auf 1,10 leicht erhöht. Wenn Sie möchten, können Sie auch noch unter Farbe, Micro und L/S die Einstellungen variieren, um ein etwas überzeichnetes Motiv zu erhalten. Mit einem Klick auf Verarbeiten werden die Tonemapping-Einstellungen angewendet und das Bild kann anschließend abgespeichert werden.

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TIPP: Wenn Sie zu einem späteren Zeitpunkt andere Tonemapping-Varianten ausprobieren möchten, empfiehlt es sich, vor dem ersten Tonemapping das eigentliche 32-Bit-HDR-Bild abzuspeichern. Somit ersparen Sie sich das erneute Generieren der HDR-Datei aus den Quellaufnahmen.


Ausrichten und Zuschneiden

Weiter geht es im Bildbearbeitungsprogramm. Öffnen Sie das Tonemapped HDRI in Photoshop und kopieren Sie die Hintergrundebene, indem Sie die Ebene auf das zweite Symbol von rechts in der Ebenenpalette ziehen. Mit Strg/Befehl+T wird das Frei-Transformieren-Werkzeug aktiviert. Wenn Sie nun die Strg/Befehl-Taste gedrückt halten, können Sie das Bild ausrichten. Zur Unterstützung sollten Hilfslinien aus dem Lineal gezogen werden. Je nach Ausgabewunsch kann das Bild an dieser Stelle auch schon auf Maß zugeschnitten werden (beispielweise als 15x10 cm bei einer Auflösung von 300Pixel/Zoll für den Fotodruck).

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Weiß- und Schwarzpunkt festlegen

Im nächsten Schritt erstellen Sie eine neue Einstellungsebene, indem Sie in der Ebenenpalette den Eintrag Neue Füll- oder Einstellungsebene erstellen>Gradationskurven auswählen. Mit den Pipetten können Sie nun einen neuen Weiß- und Schwarzpunkt für das Bild festlegen. Wenn Sie mit der daraus resultierenden Tonwertveränderung nicht 100% zufrieden sind, können Sie mit der Alt-Taste den Zurücksetzen-Button aktivieren und einen anderen Referenzpunkt bestimmen. Wenn Sie mit dem Ergebnis einverstanden sind, können Sie sämtliche Ebenen auf eine reduzieren.

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TIPP: Experimentierfreudige Anwender können durchaus auch mal mit dem Verrechnungsmodus und der Deckkraft spielen. Dazu muss lediglich die Einstellungsebene kopiert werden … und sollte das Ergebnis dann doch nicht den Vorstellungen entsprechen, wird die Einstellungsebene einfach wieder gelöscht.

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Farbtiefe reduzieren

Da die meisten Photoshop Filter-Werkzeuge nur mit 8-Bit-Dateien umgehen können, muss das Bild an dieser Stelle von 16 Bit in 8 Bit umgewandelt werden. Dazu wählen Sie unter Bild>Modus den Eintrag 8-Bit-Kanal aus.

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Filter Wellen einsetzen

Jetzt können Sie mit der surrealen Verfremdung des Bildes durch die Photoshop-Filter beginnen. Öffnen Sie das Dialogfeld Wellen unter Filter>Verzerrungsfilter>Wellen. Für die Stärke wird ein Wert von 3 und für die Wellen ein Wert von 5 eingegeben. Die Art der Wellen bleibt auf Diagonal wellenförmig eingestellt. Bestätigen Sie die Eingaben mit einem Klick auf den OK-Button.

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Alternative Verflüssigen

Wenn Sie Ihrem Bild neben dem globalen Wellen-Filter noch einen individuellen Look verpassen möchten, bietet Photoshop mit dem Verflüssigen-Filter ein mächtiges Werkzeug an. Über Filter>Verflüssigen gelangen Sie zu einem umfangreichen Dialogfenster, welches pixelgenaue Eingriffe mit unterschiedlichen Verzerrungswerkzeugen ermöglicht. (Allein, um die Möglichkeiten des Werkzeugs zu beschreiben, würde ein komplettes Tutorial kaum ausreichen). Bedenken Sie jedoch beim Experimentieren, dass mit jedem Einsatz des Filters das Bild neu berechnet wird, was entsprechende Qualitätseinbußen mit sich bringen kann.

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Rauschfilter einsetzen

Öffnen Sie nun den Rauschfilter unter Filter>Rauschfilter>Rauschen reduzieren. Geben Sie für die Stärke einen Wert von 10 ein und die Details erhalten einen Wert von 8%. Farbstörungen reduzieren wird mit etwa 60% eingestellt und Details scharfzeichnen mit 10%. Bestätigen Sie die Eingaben mit OK.

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Unscharf maskieren

Im nächsten Schritt wird das Bild etwas nachgeschärft. Öffnen Sie dazu unter dem Menüpunkt Filter>Unscharf maskieren den bewährten Schärfe-Dialog. Geben Sie für die Stärke 100%, für den Radius 1 Pixel und für den Schwellenwert 6 Stufen ein. Bestätigen Sie die Eingaben mit OK.

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Weiches Licht

Abschließend wird der Filter Weiches Licht angewendet, um der Szenerie endgültig etwas Surreales zu verleihen. Klicken Sie dazu noch einmal den Menüpunkt Filter an. Unter den Verzerrungsfiltern finden Sie den Eintrag Weiches Licht. Für die Körnung reicht ein Wert von 1 aus, für die Lichtmenge wird ein Wert von 6 ausgewählt und für den Kontrast passt ein Wert von 16. Bestätigen Sie die Einstellungen mit OK.

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Wenn Sie mit dem Ergebnis zufrieden sind, können Sie das Bild nun abspeichern und die Arbeit ist getan. Es gibt jedoch noch eine Menge weiterer Filter und Effekte, mit denen Bilder surrealistisch gestaltet werden können. Einer davon, der in unserem Beispiel als Alternative zum Weichen Licht sehr gut passt, ist der Windeffekt, den Sie unter Filter>Stilisierungs-Filter>Windeffekt finden. Oder vielleicht doch lieber den Distorsionsfilter unter Filter>Verzerrungsfilter>Distorsion…

Bleibt mir an dieser Stelle nur noch, viel Vergnügen beim Ausprobieren zu wünschen.

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Kommentare
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Portrait von moika111
  • 28.07.2009 - 22:27

Wunderbar weiter so!!!!

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-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 23.04.2009 - 08:56

absolut gelungenes Tutorial...

Portrait von rstock
  • 23.04.2009 - 08:51

Ich liebe diese Tutorial Serie

Portrait von Theresi
  • 28.03.2009 - 10:08

gut, daß eine Arbeitsdatei dabei ist

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-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 29.10.2008 - 22:03

tolle Ergänzung und wie immer super erklärt

Portrait von Phylly
  • 08.10.2008 - 11:32

am besten fand ich die bildwirkung der frau auf der couch

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-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 27.08.2008 - 15:44

super ganz gut, hat mir sehr gefallen

Portrait von r_manu
  • 25.08.2008 - 07:46

tolles tutorial! ich finde die ganze hdr-reihe toll. danke!

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-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 24.08.2008 - 15:46

sehr interresant obwohl das erste und letzte beispiel mehr verschwommen als surreal aussieht :)

Portrait von BIM
BIM
  • 23.08.2008 - 11:51

Vielen Dank, die ganze Reihe finde ich sehr interessant und gut verständlich geschrieben

Portrait von Tommel
  • 22.08.2008 - 16:05

Ich hoffe ich habe bald mal die Zeit, um diese Tut-Serie mal praktisch nachzuvollziehen

Portrait von FrankBauer
  • 22.08.2008 - 07:08

gut verständlich, klar strukturiert und hilffreich. vielen dank für das mal wieder sehr gut gemachte tut

Portrait von Karl
  • 21.08.2008 - 23:44

Danke, sehr schönes Tutorial wieder und einmal etwas anderes.

Portrait von bbroianigo
  • 21.08.2008 - 14:12

Auch wenn ich von meinem Können noch so gut wie nichts nacharbeiten kann, so bin ich doch begeistert von diesen Arbeit und übe und übe

Portrait von mayhardcastle
  • 21.08.2008 - 10:57

sehr interessant und inspirierend... vielen dank für ein weiteres tolles tutorial!

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-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 20.08.2008 - 19:54

Schönes Tutorial, danke dafür.

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-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 20.08.2008 - 14:49

echt cool!
Vielen dank!
Auch alles super erklärt!

Portrait von Imajin
  • 20.08.2008 - 13:57

Dem kann ich nur beipflichten. Danke!

Portrait von OlliX
  • 20.08.2008 - 13:10

Vielen Dank für das interessante Tutorial!

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-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 20.08.2008 - 10:16

Die ganze HDR-Reihe ist sehr gut. Danke.

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