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Tutorialbeschreibung

Dirty Girl - Low-Budget Fotografie

Dirty Girl - Low-Budget Fotografie

Am Beispiel seiner ersten Projektarbeit mit Personen beschreibt unser Mitglied Jan Klug-Offermann sowohl Ausrüstung als auch Umgebung für anspruchsvolle Personenfotografie. Dieses Tutorial ist erstmals auf PSD-Tutorials.de in der Commag-Ausgabe 11/2006 erschienen.
Jan Klug-Offermann (http://www.offermann.org)


Personen-Fotografie - Dirty GirlBilder


Am Beispiel meiner ersten Projektarbeit mit Personen (Peoplefotografie) möchte ich Euch die so genannte Low-Budget-Fotografie näherbringen. Auch mit einfachen und sehr günstigen Mitteln kann man doch recht ordentliche Ergebnisse erzielen.

Das Projekt nennt sich „Dirty Girl“ und lief von Dezember 2005 bis August 2006.


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Grob umrissen ging es um die Abbildung mehr oder weniger bekleideter Frauen in einer Scheune unter der Nutzung minimaler Ausrüstung.
Dazu möchte ich ein bisschen ausholen – nicht zuletzt, um auch ein wenig die „Angst“ vor eigenen Projekten zu nehmen. Ich fotografiere zwar schon seit ca. 1980 mit einigen Unterbrechungen, kam aber erst im Oktober/November 2005 zur Peoplefotografie – also der Fotografie von Menschen. Im Oktober und November besuchte ich einige Workshops, um den Umgang mit Modellen und das Arbeiten im Studio besser kennenzulernen.
Im Dezember 2005 lernte ich dann zufällig das Model Alex(andra) Maier kennen. Sie kommt aus meiner Gegend und erklärte sich bereit, mit mir auf TFP-Basis zu arbeiten. Wir lernten uns kennen und hatten schnell einen guten Draht zueinander. Da ich zu dieser Zeit noch kein eigenes Studio, geschweige denn eine adäquate Ausrüstung wie Blitzköpfe, Reflektoren und Ähnliches hatte, blieb mir nur die Wahl, selber was zu basteln.

Gesagt, getan – ich wollte mit Baustrahlern arbeiten, weil diese auf Stativ schon für wenig Geld in den einschlägigen Baumärkten zu bekommen waren. Im Internet informierte ich mich, wie man am einfachsten und effektivsten mit Baustrahlern arbeiten konnte und stieß auf die Webseite von Dirk Hennig, und auf seiner Seite fand ich eine peinlich genaue Erklärung eben zu diesem Thema: Anleitung von Dirk Hennig

So zog ich los zum Baumarkt meines Vertrauens, kaufte mir zwei 500-Watt-Baustrahler und das Montagematerial für die weißen Regenschirme, die ich mir im Internet bei einem Werbemittelhandel bestellte – denn meine Suche in diversen Schirm-Fachgeschäften blieb leider erfolglos.
Derart gerüstet, fühlte ich mich durchaus in der Lage, ein weiteres Shooting mit Alex zu vereinbaren. Wie gesagt, Studio war noch kein eigenes vorhanden, mieten war zu teuer, also fiel unsere Wahl auf meine Scheune.

(TFP: Time for Prints oder auch Time for Pictures – das Model und der Fotograf arbeiten unentgeltlich. Der Fotograf und das Model dürfen beide die Bilder bekommen und nutzen.)

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Es war am 21. Dezember 2005 bei um die Null Grad herum, als Alex und ich in die Scheune gingen. Die Baustrahler mit Schirmen waren aufgebaut und wir machten die ersten Testschüsse. Die Graukarte war natürlich mit von der Partie, um später das „warme Licht“ der Baustrahler per Weißabgleich wieder auf ein natürliches Niveau zu bringen. Halogenlampen geben ein Licht mit einer Farbtemperatur von ca. 3000 Kelvin ab, Tageslicht dagegen hat eine Farbtemperatur von etwa 5500 Kelvin. Wir überprüften die ersten Testaufnahmen und waren begeistert von genau diesem warmen Licht, welches die Baustrahler in der Scheune verbreiteten. Also wurde die Graukarte weggelassen und die Falschfarben bewusst und gewollt so in die Bildkomposition mit übernommen. Die ersten Aufnahmen waren auch noch trocken und sauber – also ohne Wasser, Öl und Dreck. Allerdings fehlte uns noch eine gewisse Härte in den Bildern. Ich kann echt nicht mehr sagen, wer von uns beiden auf die Idee kam, Wasser und Dreck mit ins Spiel zu bringen und auch die Klamotten etwas zu verunstalten. Auf jeden Fall konnte ich Alex davon überzeugen, kein Wasser, sondern bestes Speiseöl zu benutzen. Also einfaches Sonnenblumenöl aus dem Discounter um die Ecke für ca. 80 Cent den Liter! Eigentlich bin ich nur auf das Öl gekommen, da ich befürchtete, das Wasser könnte uns in der Scheune gefrieren. (Eine kleine Anmerkung: Ich bewundere Alex immer noch für ihre Leistung – wie gesagt, es herrschten Temperaturen um den Gefrierpunkt!)


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Mit Öl und einer Schere bewaffnet, gingen wir erneut in die Scheune zur zweiten Runde und versuchten dabei, durch den Einsatz von Öl, Dreck, Mimik und Posing noch eine gewisse Dramatik mit in die Bilder zu bekommen – langer Rede kurzer Sinn: Es ist uns (wie ich denke) gelungen. Siehe hierzu auch Foto 2 (Alex aus dem allerersten „Dirty Girl“-Shooting). Die Idee zur Serie und Projektarbeit „Dirty Girl“ war geboren. Es war also kein im Voraus geplantes Projekt, sondern eigentlich ein Zufall – es hat sich halt so ergeben. Auf jeden Fall hat es mich nicht mehr losgelassen.

Im Laufe der Monate kam Model um Model und Shooting um Shooting. Nicht immer waren die Ergebnisse von Erfolg gekrönt. Es stellte sich sehr schnell heraus, dass nicht jedes Model dafür geeignet war. Wenn kein Draht zwischen uns war, dann wurden auch meist die Fotos eher durchschnittlich und ausdruckslos. So weit ich mich erinnere, war es Eve Milagro (Foto 3 und 4), welche die weiteste Anreise auf sich nahm, um bei meinem Projekt mit dabei zu sein – sie kam aus Stettin in Polen zu mir. Ich kann nicht mehr genau sagen, wie viele Models in der Scheune waren, aber ich schätze mal gute zwei Dutzend.

Noch ein paar Worte zur verwendeten Technik.
Als Kamera kam meine geliebte Canon EOS 350D zum Einsatz mit dem 50 mm Festbrennweiten-Objektiv mit einer Offenblende von f1,8 (ebenfalls von Canon). Zwei Baustrahler wie oben beschrieben, die unterschiedlich aufgestellt wurden, um verschiedene Lichtstimmungen zu erzeugen. Öl aus dem Lebensmittelhandel und Dreck vom Lehmboden meiner Scheune. Das einzig „teure“ an der Ausrüstung ist dann allenfalls der Kamerabody der digitalen Spiegelreflexkamera, denn sogar das lichtstarke Objektiv Canon 50mm 1,8 II ist neu schon für unter 100 Euro zu bekommen. Viel billiger geht es kaum noch.

Ob einem die Bilder gefallen oder nicht, das ist natürlich eine Frage des persönlichen Geschmacks. Bis jetzt hat es für einen Artikel in der DigitalPHOTO und zu drei kleinen Ausstellungen hier im Umkreis gereicht. Das ist doch deutlich mehr, als ich erwartet hätte. Wer Interesse an dem DigitalPHOTO-Artikel zur „Dirty Girl-Serie“ hat, der kann ihn sich auf meiner Website gerne saugen: hier geht’s zum Artikel. Hier findet ihr auch noch weitere Bilder aus der Serie.
Also: nur Mut zu eigenen Projekten und auch zu Experimenten, was Ausrüstung, Location, Licht und so weiter angeht. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. In diesem Sinne bedanke ich mich für eure Aufmerksamkeit.

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Die weiteren hier abgebildeten Models sind:
Model Tina (Foto 1, 3 und 4)
Alex (Foto 2)
Model n8light (Foto 5)
Evi K (Foto 6)


Der Autor:
Jan Klug-Offermann ist Web-Programmierer, lebt in einem kleinen Ort in Unterfranken namens Mömlingen (nahe der hessischen Grenze mit entsprechendem Einreisevisum). Als Fotograf ist er Autodidakt und Amateur mit Leidenschaft und dem Hang zu ausdruckbetonten Bildern und dunklen Kompositionen. Ihm ist nichts Menschliches fremd und er ist immer offen für neue Ideen. Am liebsten fotografiert er Menschen.


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Kommentare
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Portrait von Mriccardi
  • 13.02.2016 - 10:47

Schöne Idee, aber ein wenig mehr Infos wären super gewesen. Das war jetzt eher eine nette Kurzgeschichte.
Mich hätte die Arbeit ansich mehr interessiert.

Portrait von FLAB
  • 25.04.2014 - 18:52

Dieses Tutorial fällt inhaltich und vom Umfang her gegenüber den meisten andern ab.

Portrait von ghostinside
  • 28.08.2013 - 01:53

Interessant, mal sehen, wer sich da so zum Ablichten bereit stellt.

Portrait von paetzmann
  • 15.03.2013 - 20:46

Klasse Sache, aber leider muss man erstmal Modelle finden, die soetwas mitmachen!

Portrait von loner85
  • 18.12.2012 - 14:53

Ja mit Baustrahler, Styroporplatten und weißen Regenschirmen - das kommt mir ziemlich bekannt vor :) aber schön geschildert (vorallem der Tip mit dem Öl, statt dem Wasser) :)

Portrait von spuellana
  • 27.10.2012 - 14:32

danke für das hilfreiche tutorial ;)

Portrait von luftschiffpirat
Portrait von martin_t
  • 10.01.2012 - 12:49

Links funktionieren leider nicht, hier einer: http://www.HENNIGArts.com/baustrahler-studio.html
den Artikel der DigitalPhoto konnte ich nicht finden..

Portrait von Keschon
  • 21.10.2011 - 02:32

Gutes Tutorial und informativ.

Portrait von nasto
  • 16.07.2011 - 00:46

Danke für die Bemühungen. Mal schauen, ob es wirklich zu kurz geraten ist :-)

Portrait von Flowtastic
  • 01.04.2011 - 12:10

War mir ein bischen zu wenig Information.. Mehr Infos zu deinem Setup wären schon nett gewesen.

Portrait von sebhaeb
  • 16.01.2011 - 22:32

"Weniger ist oft mehr, oder in der Begrenztheit der Mittel zeigt sich der wahre Künstler"; eine inspirierende gelungene Idee der ansteckend wirkt

Portrait von 2much4you
  • 03.11.2010 - 18:46

Echt schonmal n super anfang....grade das Querformat Bild hat nen richtig guten Ausdruck,und das mit dem bissche Equipment!Top, was mich noch interessieren würde ist die Nachbearbeitung...

mfg Phil

Portrait von jko

jko

  • 11.06.2011 - 07:53

Hi Phil!
So gut wie keine Nachbearbeitung - Tonwerte und Kontraste nach "Gefühl" angepasst und fertig.

vg jko

Portrait von Nano82
  • 23.09.2010 - 19:41

Das macht lust auf selber auspobieren, billiger gehts kaum.....

Portrait von tmai65
  • 25.06.2010 - 11:03

kurz, prägnant, anschaulich,
Toller Artikel der Mut mach eigene low budget projekte anzugehen.

Portrait von Christopha
  • 26.04.2010 - 11:35

Nette Beschreibung.

Portrait von tofagoe
  • 15.04.2010 - 21:02

Kurzweilig beschrieben, macht Mut selbst so ein Shooting zu machen.

Portrait von dalulli
  • 13.04.2010 - 15:08

Klasse Sache, aber leider muss man erstmal Modelle finden, die soetwas mitmachen!

Portrait von HolyMario
  • 25.02.2010 - 18:09

Interessant auf jeden fall, aber leider alles zu grob umrissen

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