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Tutorialbeschreibung

Wie richtig und pressegerecht fotografieren

Wie richtig und pressegerecht fotografieren

Eine Einführung in die praxisorientierte Pressefotografie, Bildjournalismus und Auftragsfotografie für Firmen - Sven Gleisberg, Freier Fotograf und Bildjournalist, Chemnitz


Seminar-Inhalt

1. Einführung und Grundlagen der Pressefotografie


Geschichte der Fotografie Entwicklung der Pressefotografie Grundlagen der Pressefotografie Bildauswahl, Inhalt, Ästhetik, Layout und Dramaturgie

2. Das Motiv, Auswahl und Gestaltung


Bildaufbau und Bildkomposition, Der Mittelpunkt, Goldener Schnitt, Blickführungslinien und Vordergrund, Rahmen und Muster, Farben, Perspektive und Bildwinkel

3. Fotografieren – nicht knipsen


Technische Grundlagen, Licht und Beleuchtung, Farbmanagement, Bildbearbeitung, Fotografisches Know – how

1. Einführung und Grundlagen der Pressefotografie


Geschichte der Fotografie

Schon in der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde mit Hilfe der Camera obscura (lat. Camera – Kammer, obscura -dunkel) oder auch Lochkamera mit Licht gezeichnet. Zur damaligen Zeit konnte man diesen Ausdruck sogar wörtlich nehmen, da das projizierte Bild einfach abgemalt wurde. Das Prinzip der Camera obscura, ein dunkler Kasten, in den durch ein Loch, später auch eine Linse Lichtstrahlen einfallen, die auf der gegenüberliegenden Seite des Objektivs ein umgekehrtes Bild des Gegenstandes ergeben, ist auch heute noch Grundlage der modernen Fotografie. Die Ursprünge der Camera obscura lässt sich allerdings noch bis in die Antike zurück verfolgen.

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Prinzip der Camera obscura, Darstellung von Athanasius Kirchner, ca. 1650

Genutzt wurden diese teilweise sehr großen und schweren, später dann auch tragbaren (ab ca.1550 durch die Erfindung der Linse) „Cameras“ vorwiegend als Zeichenhilfe, so auch von Canaletto für sein berühmtes Gemälde von Dresden.

Die richtige Entwicklung begann allerdings viel später. Zwar wurden auch am Anfang des 19. Jahrhunderts schon Experimente mit lichtempfindlichen Chemikalien durchgeführt, die in der Camera obscura belichtet wurden. Das erste wirkliche Foto von Joseph Nicéphore Niépce stammt allerdings aus dem Jahr 1826 und kann als Geburtsstunde der Fotografie bezeichnet werden.

Das bis heute noch verwendete analoge Negativ / Positiv -Verfahren wurde von William Fox Talbot ca. 1834 bis 1839 erfunden und weiterentwickelt. Die meisten dieser Verfahren nutzten noch Glasplatten als Negative. Erst die Erfindung des Zelluloids 1887 als Filmträgermaterial bildete die Grundlage für die massenhafte Verbreitung des Rollfilms durch George Eastmans Kodak-Box. Der auch heute noch am häufigsten genutzte Kleinbildfilm wurde erst im Jahr 1925 durch Leica eingeführt. Oskar Barnack (Leica) nutzte dazu herkömmlichen 35mm Kinofilm und konstruierte eine Kamera um den Film herum. Anfangs belächelt, ermöglichte aber erst die

35mm Kamera eine schnelle und mobile Fotografie. Diese Entwicklung begründete die moderne Reportagefotografie.

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Ur-Leica, die erste Kleinbildkamera der Welt

Die Entwicklung der Digitalfotografie begann etwa ab 1985 und entwickelte sich sehr schnell. Ab Anfang der 90er Jahre kann die Digitalfotografie im kommerziellen Bildproduktionsbereich als eingeführt betrachtet werden, wobei man die Entwicklung zur Zeit als nicht abgeschlossen betrachten kann. Kleine und moderne Digicams stehen in der Bildqualität den Digitalen Spiegelreflexkameras nicht mehr nach. Einschränkungen gibt es aber in der Aufnahmebereitschaft und Geschwindigkeit, Flexibilität und der Nutzung von Zubehör, wenn es im System überhaupt vorgesehen ist.

Neben der Entwicklung der Kleinbild-und Digitalkameras gibt es eine Reihe weiterer, vorwiegend Spezialkameras, die sich aber nur an bestimmte Nutzergruppen richten. Darunter fallen Panorama-, Mittelformat-, Großbild-, Luftbild-, Highspeed-und Vermessungskameras. Panoramakameras zeichnen durch spezielle Objektive das Foto schon als Panorama auf. Mittelformatkameras arbeiten mit herkömmlichen Rollfilm, wobei das Negativ bzw. Dia eine Größe von 4,5 x 6 cm bis 6 x 9 cm aufnehmen kann. Durch das größere Format gegenüber dem Kleinbildfilm erhöhen sich die Farbsättigung, Schärfe und die Detailzeichnung beachtlich. Großbildkameras arbeiten mit Aufnahmeformaten von über 9 x 12 cm bis zu 20 x 30 cm und werden durch die gestiegene Leistungsfähigkeit der Filmmaterialien fast nur noch in der Werbung eingesetzt. In der Pressefotografie finden sich Panorama-und Mittelformatkameras wieder. Letztere aufgrund der hohen Qualität besonders für Mode- und Katalogaufnahmen.

Entwicklung der Pressefotografie


Die Fotografie wurde schon seit ihrer Erfindung zur Dokumentation zeitgeschichtlicher Ereignisse, Berichterstattung über Hintergründe in Politik, Kultur und anderen Bereichen genutzt. Bis zur Einführung moderner Druckverfahren dienten Fotos als Vorlagen für Lithographien in Zeitungen, das sie zum Abdruck mit den bisherigen Verfahren ungeeignet waren.

In den 30er Jahren wurde die Fotografie als Abbild der Wirklichkeit zum festen Bestandteil in Zeitungen und Zeitschriften. Vereinfachte Drucktechniken, bald auch in Farbe, erhöhten die Nachfrage der Nachrichtenpresse und Fachzeitschriften, die einen starken Aufschwung erlebten. Zeiterscheinungen und Tagesereignisse werden von der aufkommenden Reportagefotografie dokumentiert. Der große Erfolg rührte aus der unmittelbaren Teilhabe der Menschen an aktuellen Geschehnissen. Etwa zur gleichen Zeit entsteht der Beruf des Bildjournalisten.

Als weiteres Tätigkeitsfeld entstand die Auftragsfotografie. Bilder wurden angefertigt, um Produkte zu vermarkten, Ereignisse zu dokumentieren oder um zu illustrieren. Auch Staatsmänner bedienten sich der Fotografie zum Zweck der Propaganda. Zwischenzeitlich kam der Fotografie innerhalb von Zeitungen, Magazinen und Zeitschriften ein immer größerer Stellenwert zu, wohingegen der Text an Bedeutung einbüßte und sich teilweise nur noch auf Legenden beschränkte. Am Ende des 20. Jahrhunderts nehmen Fotos bei der Dokumentation der Geschichte eine Vorrangstellung ein, denn sie gelten als unbestechliche Zeitzeugen. Dies ist der Hauptgrund, warum viele Fotos und Fotografen der Zensur unterlagen. Während der beiden Weltkriege durften keine Fotos vom grausamen Sterben an den Fronten veröffentlicht werden. Diese Beschränkungen wichen im Korea- und im Vietnamkrieg fast vollständig.

1955 wurde in Amsterdam die „World Press Foto“ Stiftung gegründet, die in einem jährlichen internationalen Wettbewerb die besten Pressefotos auszeichnet.

Die Reportagefotografie, der Bildjournalismus bzw. die Bildberichterstattung verwendet die Ausdrucksformen und Mittel der Fotografie um Reportagen,das heißt Berichterstattung über Hintergründe zu illustrieren oder ausschließlich in bildhafter Weise darzustellen.

Grundlagen der Pressefotografie


Als Grundlage der Pressefotografie dient die Pressefreiheit. Sie regelt das Recht, Nachrichten, Fotos des Zeitgeschehens, Mitteilungen und Meinungen frei zu äußern und ohne Zensur zu veröffentlichen. Das Recht auf Pressefreiheit ist in Deutschland im Grundgesetz Artikel 5 verankert.

Eingeschränkt wird dieses Recht nur bei Verletzungen des Persönlichkeitsrechtes bzw. des Rechtes am eigenen Bild der abgebildeten Person(en). Personen des öffentlichen Lebens (Politiker, Sportler, Künstler...), fotografiert auf Veranstaltung, Auftritten usw. unterliegen diesem Recht nicht und dürfen in der Regel immer zum Zweck der zeitgeschichtlichen Dokumentation abgebildet werden. Soll ein solches Foto allerdings in einem anderen Zusammenhang, zum Beispiel Werbung in einer Broschüre, genutzt werden, so ist die Erlaubnis der Personen einzuholen.

Da Zeitungen und Zeitschriften von Geschichten mit und von Menschen leben, Leser sollten sich nach Möglichkeit wiederfinden und sich mit „Ihrer“ Zeitung identifizieren können, steht der Mensch auch bei Pressefotos im Mittelpunkt. Ausgenommen von Architektur-und Landschaftsfotos, die ich allerdings nur zur Illustration einsetzen würde, sollten auf jedem Foto

Menschen zu sehen sein.

Ein weiterer wichtiger Punkt sollte immer die Überlegung sein, für wen und welchen Verwendungszweck das Foto angefertigt werden soll. Ein Foto für die hausinterne Firmenzeitung stellt andere Anforderungen an die Bildaussage als Fotos, die in einer großen Werbekampagne der Firma Verwendung finden sollen. Fotos, die der allgemeinen Dokumentation (Firmenchronik) dienen und mehr Erinnerungswert als Bildaussage besitzen, sind als Pressefoto nicht geeignet.

Bildauswahl, Inhalt, Ästhetik, Layout und Dramaturgie


Ausnahmen bestätigen die Regel, aber primär sollte ein Foto scharf, weder unter-noch überbelichtet sein. Kanten sollten scharf abgebildet sein und die dunklen Stellen sollten noch eine gewisse, leichte Transparenz (Durchzeichnung) aufweisen. Beim Negativ / Dia beurteilt man das am besten zuerst mit einer Lupe, beim Digitalfoto am Computermonitor, da der eingebaute Monitor an Kameras zu klein, meist auch nicht farbverbindlich ist.

Grundsätzlich wird die Bildauswahl nach inhaltlichen Gesichtspunkten vorgenommen. Das heißt, man wählt ein Bild aus, wenn es mit der Aussage die geschriebene Geschichte unterstützt bzw. ergänzt. Die Frage, die Sie sich als Fotograf deshalb immer wieder stellen sollten, lautet: „Was sagt mir dieses Bild? Was ist die Kernaussage der geschriebenen Geschichte und wie kann man diese Aussage am besten fotografisch unterstützen?“

Parallel dazu gilt es, die Ästhetik der Fotos / des Layouts in die Auswahl -Überlegung mit einzubeziehen. Nachdem der Inhalt klar ist, wägt man ab, ob das Foto über eine gewisse grafische und visuelle Attraktivität verfügt. Das Foto soll nicht nur informieren, sondern das auch möglichst ansprechend tun.

Ein weiterer Gesichtspunkt bei der Bildauswahl ist das spätere Layout. Das Aufmacherfoto ist in der Regel das stärkste Bild einer Geschichte. Es hat die Aufgabe, den Leser beim Durchblättern zu packen und ihn zum Lesen der Geschichte zu animieren. Im Zusammenspiel mit den anderen Fotos der Geschichte, soll versucht werden, eine ästhetische und inhaltliche Dramaturgie zu entwickeln. Ähnlich wie beim Film sollte die Abfolge der Fotos einen Plot darstellen mit Anfang, Mitte und Ende.

Dabei soll darauf geachtet werden, dass man eine möglichst abwechslungsreiche Zusammenstellung erreicht, z.B. : Totale, gefolgt von einer Detailaufnahme oder ein aktionsreiches Bild wird gefolgt von einer statischen Aufnahme. Zu beachten ist dabei auch immer die Richtung eines Bildes, wenn Fotos randnah abgebildet werden und die Akteure aus der Zeitung „laufen“.

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Beispiel eines schlechten Layouts: Das Foto steht am rechten Bildrand, Blickrichtung der Models und Besucher ist ebenfalls nach rechts und aus der Zeitung heraus. Das Model links ist zu stark angeschnitten. Ein Standpunkt des Fotografen auf der anderen Seite der Bühne wäre günstiger gewesen.

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Zum Vergleich der Bildwirkung habe ich das Foto einfach gespiegelt.

Welche Inhalte muss ein Pressefoto dem Betrachter übermitteln:


Für das Bild wichtige Personen müssen eindeutig erkennbar sein. Deshalb ist es richtig, Personen anzusprechen und sie bitten, sich umzudrehen. Rücken – oder Hinterkopffotos gehören nicht in die Zeitung. Warum und in welchem Zusammenhang wurde das Foto gemacht? Stimmt es mit der allgemeinen Aussage des Themas überein und ist dieses Thema ersichtlich?

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Foto zur Ausbildungsmesse für Jugendliche. Dieses Foto wurde als Titelfoto genutzt, obwohl nichts von der Messe, schon gar nichts aber von der Hauptzielgruppe, den Jugendlichen, zu sehen ist. (Landrat, Sparkassen-Gebietsdirektor und Stellv. Bürgermeister auf Job – Suche??)

Wo wurde das Foto gemacht? Wenn der Aufnahme – Ort für das Foto eine Rolle spielt, sollte er auch erkennbar sein. Kann der Ort in das Bildmotiv mit einbezogen werden oder eignet er sich sogar als Bildhintergrund?

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Designausstellung im Wasserschloss Klaffenbach

Für viele Motive, z.B. Auszeichnungen, gibt es nicht nur eine Möglichkeit zum fotografieren. Die Auszeichnung oder Ehrung ist sicher ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens, aber kann der Betrachter die Gründe nachvollziehen, ohne das Umfeld zu erkennen? Das Fernsehen hat diese Möglichkeit der Erklärung durch Bild und Ton, Schwenks und Bildschnitter. Der Fotograf muss diese Informationen in einem Bild umsetzen.

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2. Das Motiv, Auswahl und Gestaltung

Bildaufbau und Bildkomposition

Die Fotografie besteht aus drei Elementen: dem Motiv, den technischen Vorgängen, die das Bild auf den Film bzw. Chip bannen und der Ästhetik von Bildaufbau und Lichtführung.

Die technischen Elemente, der Umgang mit der Kamera, können und müssen durch Übung erlernt werden. Da gerade Pressefotografen oft unter ungünstigen Bedingungen wie Zeitdruck, Platzmangel durch viele Kollegen oder schlechtes Licht ihre Fotos machen müssen, ist ein sicherer Umgang mit der Ausrüstung Voraussetzung für gute Fotos. Ästhetische Gesichtspunkte sind komplizierter zu erlernen, denn sie haben mit dem Sehen, den persönlichen Sichtweisen und auch Vorlieben des Fotografen zu tun. Es gibt eigentlich keine falscher Art zu fotografieren, aber die besseren Fotos sind diejenigen, in denen der Bildaufbau mit dem Motiv in Einklang steht und die es schaffen, eindeutige Informationen zu vermitteln oder ein Gefühl zu wecken. Es gibt deshalb schon seit beginn der Fotografie Kompositionsregeln, die auch schon bei Gemälden alter Meister Anwendung fanden. Diese Methoden sollen aber nicht als strikte Regeln gelten, sondern als Werkzeug bei der Darstellung helfen.

Der Mittelpunkt


Jedes Foto besitzt einen Mittelpunkt - es ist das, was Ihre Aufmerksamkeit angesprochen hat. Es muss beim fotografieren sichergestellt werden, das auch dem Betrachter klar ist, was den Mittelpunkt darstellt. Das Auge des Betrachters soll auf diesen Mittelpunkt geführt werden, damit es nicht ziellos auf dem Bild umher irrt. Die meisten Fotos wirken nicht, weil der Fotograf nicht nah genug am Motiv dran war. Ein Motiv kann keine Wirkung entfalten, wenn man es auf dem Bild kaum sieht. Eine Hauptregel guter Fotografie lautet: „Näher rangehen“. Nur wenn das nicht möglich ist, benutzt man Objektive mit längerer Brennweite (Teleobjektive). Brennweite und Standpunkt sollten dabei ein ausgewogenes Verhältnis haben. Der Bildmittelpunkt sollte aber keinesfalls in der Bildmitte liegen. Das Auge des Betrachters findet solche Bilder langweilig, weil sie zu statisch wirken.

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Goldener Schnitt, Drittelregel


Unsere Augen finden außermittige Motive gefälliger, interessanter und dynamischer. Rücken sie das Motiv nach rechts, links, oben oder nach unten. Wahrscheinlich werden Sie feststellen, das der gefälligste Bildaufbau, in dem das Hauptmotiv jeweils zu einem Drittel vom Bildrand platziert wird, ein Foto drittelt. Diese Anordnung nennt man Drittel-Regel oder Goldener Schnitt.

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Blickführungslinien und Vordergrund


Ein weiteres Gestaltungselement ist der Vordergrund. Dieser kann aber nur in geeigneter Weise zum Einsatz kommen, wenn die Schärfentiefe (Bereich, der im Foto scharf abgebildet wird) den Vordergrund und das Hauptmotiv gleichermaßen scharf abbildet oder durch den gezielten Einsatz von Unschärfe voneinander trennt. Gleichzeitig schafft ein interessanter Vordergrund Blickführungslinien, die dem Foto mehr Tiefe (Dreidimensionalität) verleihen und das Auge des Betrachters gezielt auf den Mittelpunkt lenken.

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Die Straßenbahnschiene als Blickführungslinie lenkt den Blick auf den Arbeiter

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Vordergrund, in Bezug auf die Person größer abgebildet

Rahmen und Muster


Weitere Gestaltungselemente sind Umrahmungen, Farben und Muster. Umrahmungen eignen sich in der Pressefotografie nur bedingt zur Bildgestaltung und muss mit der Bildaussage im Einklang stehen.

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Dieses Foto wird sicher nicht unter der Rubrik „Neueröffnung“ die gewünschte Wirkung erzielen.

Muster sind in der Pressefotografie ungeeignet, da sie eher unruhig wirken, was im Zeitungsdruck oft noch verstärkt wird. Große, homogene und farbgleiche, plakativ wirkende Flächen mit nicht zu kleinen Details wirken im Zeitungsdruck besser, da sie nicht von der Bildaussage ablenken und den Betrachter nicht durch suchen von Kleinigkeiten ablenken.

Farben


Farben sind für die Bildaussage nicht immer vordergründig. Viele Fotos beziehen ihre Wirkung auch durch die Reduktion auf Graustufen (Schwarz / Weiß – Fotos). Kriegsfotografen benutzen diese Technik, um ihren Fotos mehr Ausdruck zu verleihen. Trotzdem können „bunte“ Fotos, besonders bei kulturellen Veranstaltungen, als wirksame Aufmacher verwendet werden, ohne die Bildaussage zu stören. Teilweise kann der Bildausdruck mit sehr farbfrohen Fotos auch gefördert werden.

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Eröffnung Kulturfestival „Begegnungen“ im Kaufhof

Fotos sollten auf jeden Fall nicht zu klein abgebildet werden, um die Bildwirkung auch zu entfalten. Ein gutes, groß abgebildetes Foto kann mehr Eindruck vermitteln als 10 kleine „Briefmarken“ nebeneinander.

Viele Motive lassen sich auch nachträglich durch die Wahl eines anderen Ausschnittes oder Formates verbessern. Beim Digitalfoto lässt sich der richtige Ausschnitt einfach am Computer ermitteln, aber erst nachdem das Foto im Original gespeichert wurde. Beim Print behilft man sich am besten mit einer Schablone, durch die man verschiedene Ausschnitte und Bildgrößen betrachten kann. Ist das Foto groß genug, wird es einfach, wie gewünscht, beschnitten. Einige Fotolabore bieten auch die Ausschnittvergrößerung genau nach Kundenwunsch an.

Perspektive und Bildwinkel


Wie kann man die Bildwirkung schon während der Aufnahme steigern? Suchen Sie interessante Details oder wechseln Sie den Standpunkt. Nur mit dem Wechsel des Standpunktes ändert sich auch die Perspektive, beim zoomen ändert sich nur der Bildwinkel.

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Quelle: NIKON

Auf allen diesen Fotos vom Superweitwinkel bis zum Teleobjektiv hat sich die Perspektive nicht verändert. Auch das letzte Foto könnte ein Ausschnitt aus den anderen Fotos zeigen.

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Quelle: NIKON

Erst der Wechsel der Brennweite und des Standpunktes ändert die Perspektive.

Zu den weiteren Motiven gehören auch Porträts wichtiger Personen der Firma oder Partner, die in keinem Archiv fehlen und auch regelmäßig erneuert werden sollten. Diese Fotos sollten die Personen als Passfotos, aber auch im Arbeitsumfeld zeigen, z.B. am Schreibtisch, beim Rundgang in der Firma, im Gespräch mit Mitarbeitern, bei Problemlösungen usw. zeigen. Sollen während einer Sitzung mehrere Aufnahmen erstellt werden, bereiten Sie sich darauf vor und fotografieren Sie nach der „Wichtigkeit“ der Aufnahme, besonders wenn Ihr Gegenüber wenig Zeit dafür eingeplant hat. Fotos am Rednerpult sind für die Firmenchronik verwendbar, Redaktionen sind aber nicht begeistert, wenn das Gesicht von Herrn X durch ein großes Mikrofon verdeckt wird.

3. Fotografieren – nicht knipsen

Technische Grundlagen

Analoge und Digitale Spiegelreflexkameras sind für die Pressefotografie besonders gut geeignet. Die Systeme aller Hersteller sind äußerst zuverlässig, stabil, teilweise gegen Regen geschützt und durch Zubehör universell ausbaubar. Im Kameragehäuse sind alle wichtigen Funktionen, der Verschluss, die Belichtungsmessung, Autofokus usw. integriert. Durch Wechselobjektive und externe Blitzgeräte können fas alle fotografischen Aufgaben abgedeckt werden.

Wechselobjektive unterteilt man in drei Gruppen: Normalobjektive, Weitwinkelobjektive und Teleobjektive.

Normalobjektive entsprechen etwa dem Sehen des menschlichen Auges. Die Brennweite entspricht in etwa der Bilddiagonalen des Aufnahmeformates. Normalobjektive sind kompakt, meist preisgünstig, lichtstark, verzeichnungsfrei, kontrastreich und haben eine hohe farbtreue.

Weitwinkelobjektive erfassen einen größeren Bildwinkel, teilweise bis zu 180° und betonen den Vordergrund. Durch die kürzere Brennweite liefern Weitwinkelobjektive mehr Schärfentiefe als Normalobjektive, weisen aber konstruktionsbedingt eine höher Verzeichnung (Verzerrung) auf. Gute Weitwinkelobjektive sind relativ groß und schwer, auch sehr teuer.

Teleobjektive erfassen einen kleineren Bildwinkel als Normalobjektive und eignen sich zum abbilden entfernter Motive. Teleobjektive raffen die Perspektive und bilden durch die längere Brennweite den Schärfebereich punktgenauer ab. Große und lichtstarke Teleobjektive sind groß, schwer und sehr preisintensiv und für den täglichen Gebrauch nicht zwingend notwendig.

Licht und Belichtung


Die richtige Belichtung ist ein Produkt aus Gesamthelligkeit der zu fotografierenden Szene und der Dauer, die das Licht auf den Film oder Chip trifft.

Der Verschluss bestimmt die Dauer der Belichtungszeit. Er hat außerdem Einfluss auf die Bewegungsschärfe / Bewegungsunschärfe. Kürzere Verschlusszeiten frieren die Bewegung ein und verhindern ein verwackeln der Aufnahme. Dabei gilt, je schneller die Bewegung ist, desto kürzer muss die Verschlusszeit sein. Als Faustregel sollte gelten, keine längeren Verschlusszeiten als die Objektivbrennweite zu verwenden.

Die Blende regelt, in Abhängigkeit der Gesamthelligkeit, die Lichtmenge. Kleine Blendenzahlen bezeichnen eine große Blendenöffnung und umgekehrt. Jeder Zahlenschritt entspricht einer Blendenstufe und halbiert oder verdoppelt die Weite der Blendenöffnung und der damit eintretenden Lichtmenge. Die Blende ist entscheidend für die Schärfentiefe (Bereich, der vor und hinter dem scharf gestellten Punkt noch scharf abgebildet wird) der Aufnahme. Je kleiner die Blend (große Blendenzahl) und kürzer die Brennweite des Objektives ist, desto höher ist die Schärfentiefe.

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Bei gleichbleibender Helligkeit können die Verschlusszeit und Blende beliebig miteinander kombiniert werden.

Farbmanagement


Warum ist Farbmanagement wichtig für Fotografen wichtig? Jedes Ausgabegerät, ob Digitalkamera oder Scanner, stellt Farben innerhalb des definierten Farbraums etwas anders dar. Um die Farbausgabe (Monitor oder Drucker) auf jedem Gerät mit gleiche Qualität zu ermöglichen, werden Profile in das Bild eingebettet. Diese Profile ermöglichen das farbrichtige Umrechnen der Daten. Um Farben auf dem Monitor richtig zu sehen, muss der Monitor kalibriert, farbrichtig eingestellt werden. In einigen Programmen (Photoshop) werden kleine Zusatzprogramme (Adobe Gamma) genutzt, um den Monitor visuell den Sehgewohnheiten anzupassen. Diese Einstellungen sind nicht Farbverbindlich, aber besser als kein Farbmanagement. Für die professionelle Kalibrierung gibt es Sensoren, die am Monitor die Farbe, und Helligkeit messen und in ein Monitorprofil wandeln.

Bildbearbeitung


Mit der Bildbearbeitung sollte ohne genaue Kenntnisse, auch die der weiteren Verarbeitung in der Druckvorstufe, sparsam umgegangen werden. Jede Zeitung besitzt einen Fotosatz, die das Foto optimal für die entsprechende Verwendung bearbeiten werden. Retuschen sollten in Pressefotos sehr sparsam angewendet werden, störende Details dürfen nicht nachträglich aus dem Bild entfernt werden. Manipulierte Bilder werden als Montage gekennzeichnet.

Fotografisches Know – how


Zum fotografischen Know – how gehört zuerst Beherrschung der eigenen Technik, die gute Vorbereitung, bis hin zum Zeitplan und Bildlisten bei wichtigen Aufnahmen. Weiterhin wichtig ist eine gute, überprüfte Ausrüstung mit erforderlichem Zubehör. Man muss sich auch im klaren sein, welche Zusatzarbeiten für die Aufnahme nötig sein können. Ist der Aufnahmeort sauber, muss etwas aufgeräumt werden,reicht die Beleuchtung, Miete, Requisiten oder entstehen anderweitige Kosten? Das alles kann man vorher schon mit Hilfe von Checklisten klären und erlebt keine Überraschungen.

Weitere wichtige Punkte: - passte der Hintergrund zur Person / zum Motiv
- ist genügend Platz vorhanden
- liegt eine Fotoerlaubnis vor
- ist der Hintergrund zu überladen und unruhig
- stimmt die Bildkomposition
- ist die Beleuchtung ausgewogen
- Körpersprache, Kopfhaltung und Gesichtsausdruck

Es ist immer besser, ein Foto mehr als zu wenig zu machen. Besonders bei Gruppenaufnahmen blinzelt fast jeder Mensch einmal.

Nicht jedes Objektiv eignet sich für jedes Motiv. Porträts sollten grundsätzlich mit einer längeren Brennweite (leichtes Teleobjektiv) gemacht werden. Auch Gruppenaufnahmen sollten nur bei Platzmangel mit Weitwinkelobjektiven aufgenommen werden. Der Standpunkt des Fotografen sollte ein wenig über der Augenlinie des Motivs sein. Blitzlicht sparsam, gedrosselt oder indirekt einsetzen, um die vorhandene Lichtstimmung nicht zu zerstören.

Die meisten Pressefotos sind allerdings umgangssprachlich gestellt, da das perfekte Motiv in Gestaltung und Bildaussage sich selten von allein ergibt. Überlegen Sie wer und was für das Bild wichtig ist und versuchen Sie, alle wichtigen Aussagen im Motiv unterzubringen. Details und Ausschnitte wirken interessanter und sagen manchmal mehr aus als große Überblicke mit vielen Leuten. Auch extrem tiefe oder hohe Standpunkte können die Bildaussage verstärken.

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Ein erhöhter Standpunkt schafft Perspektive nach hinten und man sieht die Größe des Teilnehmerfeldes

Die abgebildeten Personen, vor allem im mit abgebildetem Tätigkeitsumfeld, müssen nicht in die Kamera blicken.

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Diese und weitere Grundlagen werden in praktischen Übungen noch einmal gezeigt und Beispielfotos erstellt.

Kommentare
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Portrait von Gromotka
  • 29.05.2017 - 19:17

Sehr interessant. Gibt einen guten Einblick in die Pressefotografie. Danke

Portrait von susisnaomi
  • 10.11.2014 - 20:50

Sehr anschaulich erklärt. Das trägt zur eigenen Sicherheit bei. Dafür vielen Dank

Portrait von JayJay87
  • 16.08.2013 - 10:44

Echt ein supi tut....ich finde das auch mit der Brennweite und so sehr gut,das konnte mir nämlich noch niemand so gut erklären....und hab immer nach soetwas gesucht.Vielen dank für das tut...muss ich gleich mal die Cam rausholen und ein bissi rumprobieren,jetzt weiß ich ja auf was ich achten muss *freu*.....

Ich weiß,dass das tut schon etwas länger existiert,will auch nicht meckern,wollte nur auf einen Rechtschreibfehler hinweisen beim 3. Punkt bei technische Grundlagen im ersten Absatz der letzte Satz,da fehlt ein "t" ,nur so nice to know.

Lg JayJay87

Portrait von Elevenfourteen
Portrait von loner85
  • 18.12.2012 - 14:50

Ein bisschen Praxis unt ein bisschen Theorie.

Hätt ich das Forum früher gefunden, hätt ich mir einen großen Teil Bücherwälzen erspart.

Portrait von Yarnauga
  • 11.09.2012 - 08:30

Informativ und in einem angenehmen Stil geschrieben. Toll finde ich auch die vielen hilfreichen Beispielbilder.

Portrait von sevi94
  • 28.04.2012 - 02:31

Sehr informativ.. Vielen Dank

Portrait von wolfsieger
  • 21.05.2011 - 07:25

Eine hilfreiche Einführung, die wichtige Themen und Anforderungen aufzeigt und illustriert. Ich würde mich über eine Vertiefung der pressespezifischen Aspekte in weiteren Tutorials freuen.

Portrait von Flowtastic
  • 01.04.2011 - 12:07

Genau was ich gesucht habe!

Portrait von grafik_avd
  • 17.03.2011 - 02:38

sher umfangreiches und gutes tut. mit "guten" schlechten Bsp. bringt ein klasse verständnis und guten überblick.
DANKE

Portrait von ralfix
  • 13.03.2011 - 09:59

Einfach super und sehr umfangreich - toll

Portrait von PrRoNe
  • 28.02.2011 - 15:46

super, vielen dank für deine arbeit!

Portrait von Gunny2010
  • 15.02.2011 - 12:40

Danke für das Tutorial

Portrait von Heidi7
  • 11.02.2011 - 11:28

Gefällt mir gut, danke.

Portrait von cocobild
  • 22.01.2011 - 11:40

ja kurz und bündig erklärt super.

Portrait von Nick_Crombie
  • 29.10.2010 - 13:51

Vielen Dank! Super geschrieben.

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 22.10.2010 - 20:15

Sehr fundiert und professionell. Dankeschön dafür!

Portrait von trom
  • 25.07.2010 - 10:41

Danke für die interessante Beschreibung :)

Portrait von Corelli
  • 28.06.2010 - 02:52

Gut beschrieben, danke, Grüße Corelli

Portrait von faxe1
  • 04.06.2010 - 10:00

Hat mir weitergeholfen, , war sehr interessant!

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