Anzeige
Tutorialbeschreibung

Fotopraxis - Teil 03 - Blaue Stunde, Motive in der Dämmerung

Fotopraxis - Teil 03 - Blaue Stunde, Motive in der Dämmerung

Fotografie in der Praxis - 10 Tutorials zu konkreten Fotothemen zum Nachmachen und Ausprobieren.

Diese Tutorial-Reihe besteht aus insgesamt 10 Einzeltutorials, die sich mit praktischer Fotografie beschäftigen. Start ist Ende März 2009 mit dem Thema "Jahreszeiten", die weiteren Tutorials folgen im lockeren Wochenabstand.

Viel Spaß beim Nachmachen und Ausprobieren.


Blaue Stunde - Motive in der Dämmerung

Das Licht zur Blauen Stunde, der Stunde vor Sonnenauf- und nach Sonnenuntergang, ist ganz besonders stimmungsvoll. Aber nicht nur das Licht, auch die besonderen Kontraste in der Welt da draußen. Wie transportiert man die Stimmung der Abendstunden in seine Aufnahmen?

Bilder

Wenn die Sonne untergeht, beginnt die Blaue Stunde. Lichtstimmung und Farbenvielfalt sind zu dieser Tageszeit besonders spannend.


 
Wer gerne draußen fotografiert, muss den Begriff zumindest schon mal gehört haben: Blaue Stunde. Diese recht poetische Beschreibung der Dämmerung zwischen Sonnenauf- bzw. -untergang und nächtlicher Dunkelheit am Morgen oder am Abend ist wie geschaffen für stimmungsvolle Landschaftsfotos oder tolle Stadtansichten. Das Zusammenspiel zwischen letztem Sonnenlicht, dem blauen Himmel und der aufflammenden Beleuchtung der menschlichen Zivilisation kann zu extrem leuchtenden und farbigen Bildern führen – wenn man ein paar Dinge beim Fotografieren beachtet.

Wer gerne Volksfeste und Karussells fotografiert, ...

Bilder



 
... sollte unbedingt auch mal zur Blauen Stunde auf den Rummelplatz gehen.

Bilder



Zwar wirken Karussells auch bei pechschwarzer Nacht toll, die Kombination der bunten Lichter mit dem gerade noch blauen Himmel ...
 
... transportiert die Stimmung mindestens ebenso gut.

Bilder



Lichtverhältnisse

Während der Blauen Stunde, die in unseren Breiten in der Regel zwischen 20 Minuten und einer Stunde dauert, ist das restliche Sonnenlicht in etwa so hell wie künstliche Beleuchtung z. B. von Straßenlaternen oder von innen beleuchteten Fenstern. Die Belichtung ist während der Blauen Stunde relativ einfach, da die Kontraste nicht mehr so extrem wie bei vollem Sonnenlicht sind, die Dunkelheit aber auch noch nicht zu stark ist. Mehr zu Belichtungsproblemen weiter unten.

Interessant an der Blauen Stunde sind vor allem zwei Dinge: das Licht bzw. die Lichtfarben unterschiedlicher Lichtquellen und der Tonwertumfang von Outdoor-Motiven. Das vorhandene Farbspektrum zur Blauen Stunde setzt sich zusammen aus den Orange- und Rottönen, die das Sonnenlicht am Horizont und auf Wolken erzeugt, dem Blau des Himmels, für das die Ozonschicht der Erde verantwortlich ist, und eben den Farbtemperaturen von künstlichen Lichtquellen.

Das können gelb-orangefarbene Glühlampen sein, grünliche oder magentafarbene Leuchtstoffröhren, weißliche Straßenbeleuchtung oder knallige Farben von Leuchtreklamen. Gerade Aufnahmen in Städten mit ihren vielen Lichtquellen wirken zur Blauen Stunde – gute Belichtung und Bildgestaltung vorausgesetzt – fast automatisch atemberaubend.

Bilder

Die Blaue Stunde beginnt hier gerade. Die Belichtung ist nicht allzu schwierig, da das restliche Tageslicht und die aufflammende Nachtbeleuchtung hier noch etwa die gleiche Intensität haben.


 

Aufnahmetechnik

Technisch gesehen ist die Blaue Stunde relativ simpel in de Griff zu bekommen. Man kann schnell mit ein paar Probeaufnahmen die richtigen Belichtungswerte herausfinden. Die manuelle Festlegung von Blende, Verschlusszeit und Empfindlichkeit sollte man für hochwertige Aufnahmen allerdings schon beherrschen. Zumindest muss man wissen, wie man die Belichtungswerte der Kamera manuell nach oben oder unten kompensiert, da eine automatische Belichtung bei einem vorwiegend dunklen Motiv leicht dazu führen kann, dass die Bilder zu hell werden.

Wer nicht weiß, wie er seine Kamera entsprechend einstellt, sollte das schnellstens im Handbuch nachlesen. So was gehört zum Grundwissen, wenn man gute Fotos zur Blauen Stunde machen will. Den Bildbearbeitungsfreaks sei gesagt, dass es mit Photoshop und Co. zwar grundsätzlich möglich ist, leichte Fehlbelichtungen auszugleichen. Besser ist es jedoch immer, schon von Anfang an auf möglichst perfektes Ausgangsmaterial zu achten. Denn jede Korrektur am Computer geht mit mindestens winzigen Einbußen am Datenmaterial einher. Und je mehr man korrigieren muss, desto schwieriger lassen sich Qualitätsmängel wie z. B. Bildrauschen kaschieren.

Bilder

Ein Extrembeispiel zur Sonnenwende im Juni, wo die Blaue Stunde deutlich länger dauert. Hier wurde um ca. 22 Uhr fotografiert, der Himmel war noch immer ein wenig erhellt und trägt perfekt zur tollen Stimmung bei. Zur Info die Belichtungswerte: f2,8, 1/8 sek, ISO 1000, Stativ


 

Blende, Verschlusszeit und Stativ

Wie bei den meisten Landschafts- und Architekturaufnahmen gilt auch zur Blauen Stunde: Die Fotos sollten ausgedehnte Schärfentiefe zeigen. Vom Vordergrund bis zum Horizont sollte also alles schön scharf zu sehen sein. Ausnahmen gibt es natürlich, ich gehe hier aber mal davon aus, dass ausgedehnte Schärfentiefe für die meisten Motive das bessere Gestaltungselement ist. Für maximale Schärfentiefe benötigt man kleine Blendenöffnungen, man muss also mit Blende f/11, f/16 oder noch kleineren Öffnungen arbeiten.

Das bedeutet aber auch, dass die Verschlusszeiten aufgrund der rapide abnehmenden Stärke des Tageslichts ziemlich lang werden können. Zeiten von 2 Sekunden und mehr bei ISO 100 sind durchaus zu erwarten. Man benötigt also ein stabiles Stativ, da man bei solchen Verschlusszeiten auch mit modernem Bildstabilisator keine scharfe Aufnahme aus der Hand zustande bringen wird. Mal abgesehen davon hilft ein Stativ beim Festlegen des Bildausschnitts, weil man sich damit viel besser auf das Ausrichten der Kamera und die Wahl der richtigen Brennweite konzentrieren kann.

Um verwackelte Bilder auch wirklich auszuschließen, sollte man die Kamera am besten mit Fernauslöser betätigen und – falls möglich – bei einer Spiegelreflexkamera die Spiegelvorauslösung verwenden. Was das ist und wie das geht, steht im Handbuch der SLR.

Auch vor Sonnenaufgang gibt es eine Blaue Stunde. Für manche Motive lohnt es sich eben, mal sehr früh aufzustehen …

Bilder



 

Ein Wort zur Empfindlichkeit

Sicher, man kann starkes Bildrauschen mit ein wenig Weichzeichnen ganz stimmungsvoll einsetzen in der Available-Light-Fotografie. Allerdings finde ich, dass das am ehesten zu Schwarz-Weiß-Aufnahmen und ganz besonders zu Porträts passt. Wer farbstarke Landschafts- und Architekturfotos zur Blauen Stunden macht, sollte Bildrauschen soweit wie möglich vermeiden. Denn gerade die Farbverläufe am Himmel leben von Sanftheit und werden durch pixelige Strukturen grob und unansehnlich. Deshalb sollte man mit möglichst niedrigem ISO-Wert fotografieren. Zwar sind die Verschlusszeiten bei niedrigen ISO-Werten länger als mit hohen.

Da man aber in den allermeisten Fällen sowieso mit Stativ arbeiten wird, ist es belanglos, ob man mit einer Sekunde bei ISO 800 oder acht Sekunden bei ISO 100 fotografiert. Kleine Einschränkung: Wenn die Verschlusszeit zu lang ist, erwärmt sich der Sensor und es kann je nach Kameramodell und Qualität des Sensors durch die Erwärmung zu Bildrauschen kommen.

Bilder



 
Wenn man sowieso schon draußen ist, um auf die Blaue Stunde zu warten, kann man ebenso noch den Sonnenuntergang fotografieren. Die sanften Farbverläufe und Helligkeitsunterschiede, die sich später noch verstärken, bekommt man am besten aufs Bild, wenn man mit niedrigen ISO-Werten arbeitet, um Bildrauschen zu vermeiden.

Bilder



 

Bildgestaltung

Wo stehe ich mit meiner Kamera? Wo geht die Sonne unter, welche Motive habe ich im Vordergrund? Werden noch Wolken am Himmel zu sehen sein oder vielleicht ein Kondensstreifen eines Flugzeugs? Wo sind markante Linien und Punkte wie Straßen, Gebäudekanten, Laternen oder Strahler im Bild?

All diese Fragen sollte man sich in Ruhe vor Beginn der Blauen Stunde überlegen. Denn wenn die Dämmerung anbricht, hat man nicht mehr allzu viel Zeit, durch die Gegend zu rennen und den Kamerastandort zu wechseln. Weil die Stimmung und auch die Lichtmenge sich schnell verändern, ist man vor allem damit beschäftigt, die Belichtungswerte immer wieder neu zu justieren. Zusätzlich auch noch die Bildgestaltung neu zu beginnen, kostet wertvolle Zeit.

Bilder

Der Himmel wird bereits tiefblau, aber die Kondensstreifen der Flugzeuge und ein paar Wolken werden noch vom Sonnenlicht von schräg unten beschienen – ein typisches Motiv zur Blauen Stunde.


 

Lichtspuren

Ein Klassiker in der Available-Light-Fotografie zur Blauen Stunde sind Lichtspuren von Autos. Auch hier macht‘s die Mischung aus Tages- und Kunstlicht.

Man kann Lichtspuren natürlich auch in stockfinsterer Nacht fotografieren, dann sollte man sich jedoch einen Blickwinkel suchen, der auch andere Lichtquellen mit einbezieht, damit die Umgebung nicht in völliger Schwärze versinkt. Vorteil der Dunkelheit: Man kann die Lichtspuren praktisch beliebig lang werden lassen, da man die Blende einfach manuell offenhält (Verschlusszeit: Einstellung Bulb, B).

Zur Blauen Stunde sind Lichtspuren je nach Restlicht deutlich kürzer, da die Verschlusszeiten auch kürzer sind. Man muss also sehr genau abwägen, mit welcher Blende und Verschlusszeit fotografiert, um die Länge der Lichtspuren auf den Fotos zu steuern. Wie immer gilt: Je kleiner die Blende (großer Blendenwert) und der ISO-Wert, desto länger die Verschlusszeit.

 
Zum Ende der Blauen Stunde schimmert der Himmel gerade noch ein wenig blau. Genau die richtige Zeit, um Langzeitbelichtungen zu machen, die für solche Lichtspuraufnahmen notwendig sind.

Bilder



 

Bildbearbeitung

Es geht um Farben, es geht um Farbverläufe und es geht um Kontraste – zur Blauen Stunde aufgenommene Bilder haben meistens einen ganz eigenen Look. Ansatzpunkt für die Bildoptimierung sind – mal abgesehen von üblichen Retuschen (Flecken, störende Bildelemente, Bildbeschnitt etc.) – vor allem die Tonwert- und Kontrastoptimierung sowie Farbkorrekturen/-optimierungen. Denn auch wenn der automatische Weißabgleich und die automatische Belichtung immer besser geworden sind, kann es durchaus passieren, dass Bilder zu hell, dunkel oder flau werden oder die Farben nicht wirklich stimmig sind. Eine standardisierte Vorgehensweise kann ich hier natürlich nicht abliefern. Die Fotos sind einfach zu verschieden und erfordern ganz unterschiedliche Herangehensweisen. Ein paar Tipps sind aber dennoch möglich.

• Vorsicht bei sanften Farbverläufen! Bei zu starken Farbkorrekturen kann es passieren, dass Farbabrisse entstehen, die sich dann wie Kanten oder Stufen durch einen vorher gleichmäßigen Verlauf ziehen.

• Ist ein Bild zu dunkel geraten, sollte man bei der Korrektur vor allem die Tiefen (Schatten) im Blick behalten. Denn gerade in dunklen Bildbereichen taucht bei einer allgemeinen Aufhellung schnell heftiges Bildrauschen auf.

• Wird ein Bild nach der Verarbeitung als JPG-Datei gespeichert, sollte man auf hohe Qualität bei niedriger Komprimierung achten. Farb- und Helligkeitsverläufe reagieren sehr empfindlich auf zu starke Komprimierung und können plötzlich wieder die schon oben genannten Stufen aufweisen. Am besten eine Kopie des Originals speichern und sofort kontrollieren. Sind die Verläufe unsauber, lieber noch mal mit geringerer Komprimierung speichern oder gleich das verlustfreie TIFF-Format verwenden.

• Für optimale Bildqualität sollte man mit RAW-Dateien arbeiten. Zwar ist der Aufwand dann deutlich größer, weil die RAW-Bilder zunächst mit einem geeigneten Programm entwickelt werden müssen. Die Bildqualität ist aber gerade bei größeren Abzügen oder Ausdrucken weitaus besser als mit einem JPG-Foto, das vor dem Ausdruck noch optimiert werden musste. Verwendet man für den Druck ein perfekt belichtetes JPG-Bild mit minimaler Komprimierung, sind die Qualitätsunterschiede zu RAW im Druck kaum zu bemerken.

 
Die beiden folgenden Aufnahmen entstanden kurz nacheinander, allerdings mit anderem Blickwinkel.

Bilder



 
Bei der Querformataufnahme wurde der Himmel nachträglich kräftig mit einem grauen Verlauf (Ebenenmodus Weiches Licht) in Photoshop abgedunkelt, um die Stimmung zu Beginn der Blauen Stunde zu verstärken.

Bilder



DVD-Werbung
Kommentare
Achtung: Du kannst den Inhalt erst nach dem Login kommentieren.
Portrait von Stefan.U
  • 07.07.2015 - 21:05

Jetzt kann ich das entlich auch mal ausprobieren! Finde die Anleitung super! Dankeschön

LG
Stefan

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 11.01.2015 - 14:52

Interessante und hilfreiche Tutorial-Serie. Danke.

Portrait von Figib
  • 30.12.2013 - 08:23

Vielen Dank für das Tutorial!

Portrait von ghostinside
  • 28.08.2013 - 01:33

Vielen Dank, werd ich bei nächster Gelegenheit ausprobieren!

Portrait von Gladiole
  • 29.06.2013 - 19:00

Einige guten Anregungen zum Ausprobieren, vielen Dank.

Portrait von KittyCat
  • 12.10.2012 - 10:49

Super Tutorial. Die nächste blaue Stunde kann kommen.

Portrait von Nille87
  • 25.09.2012 - 09:26

Vielen Dank für das Tutorial Blaue Stunde, Motive in der Dämmerung! Kann ich gut gebrauchen zum Einstieg in die Fotografie :) Werde mir mal die ganze Reihe hiervon gönnen :)

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 29.08.2012 - 09:09

Werde mich ab jetzt zeitlich etwas umstellen. gutes tut.

Portrait von Fotofelix
  • 12.08.2012 - 20:57

Danke für die Hilfe beim einfangen der Blauen Stunde. Schön erklärt.

Portrait von Pegasine
  • 29.06.2012 - 19:24

Gut erklärt und mit klasse Bildern unterlegt

Portrait von oionline
  • 04.04.2012 - 21:18

gut erklärt und sehr schöne Beispielbilder, danke für das tolle Tut!

Portrait von gloveY
  • 04.12.2011 - 19:13

sehr gutes Tutorial und die Bilder erst !
danke

Portrait von MicroSmurf
  • 27.10.2011 - 20:05

Vielen Dank, sehr informativ.

Portrait von pedali
  • 16.08.2011 - 11:07

Sehr ausführlich und viele gute Tipps zum Fotografieren zu den farblich und optisch wohl schönsten Tageszeiten. Die Tipps zu ISO, Verschlusszeiten und Blendenöffnung fand ich hilfreich und werden mir bei meinen weiteren Versuchen solche Szenen einzufangen wichtige Zeit sparen.
Tolles Tutorial, danke!

Portrait von Fredvonschleck
  • 04.08.2011 - 11:50

sehr schöne bilder, hilfreiches tut

Portrait von Schnuppi8480
  • 16.03.2011 - 21:42

super schöne bilder ... ich hoffe meine werden auch so toll

Portrait von kasi
  • 09.02.2011 - 10:09

Gut erklärt und auf den Punkt gebracht, wie das gesamte How-to-Fotopraxis!
5 Sterne!!!

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 08.01.2011 - 15:32

Vielen Dank für die gute Erklärung mit tollen Beispielbildern!

Portrait von Katzenwelt
  • 20.12.2010 - 21:36

sehr schön erklärt, zusammen mit dem BlaueStundenRechner von hier aus dem Forum, habe ich sicher profitieren können, Danke

Portrait von MarvinMG
  • 16.12.2010 - 14:10

so die Dämmerung kann kommen! Danke nettes Tut

x
×
×