Anzeige
Tutorialbeschreibung

Fotopraxis - Teil 07 - Gegenlicht - wenn die Kamera aufgibt

Fotopraxis - Teil 07 - Gegenlicht - wenn die Kamera aufgibt

Fotografie in der Praxis - 10 Tutorials zu konkreten Fotothemen zum Nachmachen und Ausprobieren.

Diese Tutorial-Reihe besteht aus insgesamt 10 Einzeltutorials, die sich mit praktischer Fotografie beschäftigen. Start ist Ende März 2009 mit dem Thema "Jahreszeiten", die weiteren Tutorials folgen im lockeren Wochenabstand.

Viel Spaß beim Nachmachen und Ausprobieren.


Gegenlicht - wenn die Kamera aufgibt …,

… muss der Fotograf manuell die Belichtungswerte festlegen. Denn Gegenlicht, das meistens entweder scherenschnittartige Motive oder hell strahlende Hintergründe produziert, gilt mit als die schwierigste Lichtsituation für Fotografen. Es schafft aber auch Lichtstimmungen, wie man sie in jedem modernen Modekatalog immer wieder sieht.

Bilder



 
Problem Gegenlicht: Entweder ist das Hauptmotiv richtig belichtet und der Hintergrund überstrahlt oder das Hauptmotiv ist zu dunkel und der Hintergrund in Ordnung.

Doch das eröffnet Spielraum für kreative Versuche …

Bilder



 
Jedes Motiv, hinter das man eine Lichtquelle platzieren kann, kann man als Gegenlichtabbildung gestalten. Als Lichtquellen kommen sowohl künstliche als auch natürliche infrage. Für Landschaften und Architektur stellt man sich mit seiner Kamera natürlich so auf, dass die Sonne das Motiv von hinten anstrahlt. Im Studio verwendet man Lampen und Blitzgeräte, draußen kann man z. B. mit Feuer und Spiegelungen des Sonnenlichts oder künstlichen Lichtquellen wie z. B. Straßenlaternen arbeiten.

Wichtig bei Gegenlichtaufnahmen ist immer die Entscheidung, ob man das Vordergrundmotiv oder den hellen Hintergrund korrekt belichten will. Beides gleichzeitig geht auf normalem Weg nicht, wenn die Lichtquelle mehr oder weniger direkt ins Kameraobjektiv scheint. Der Sensor einer normalen Digitalkamera ist nicht in der Lage, den extremen Kontrastunterschied mit einer einzigen Aufnahmen zu erfassen. Hierzu müsste man mit der HDR-Technik arbeiten – um die es hier nicht geht.

In diesem Tutorial geht es vielmehr um reinrassige Gegenlichtaufnahmen, bei denen man entweder Motiv oder Hintergrund korrekt belichtet. Also, entscheidet euch für schwarze Silhouetten oder High-Key-Hintergründe. Oder nehmt euch die Tricks zu Herzen, die im Folgenden erklären, wie man den Belichtungsumfang einer Gegenlichtaufnahme doch in den Griff bekommen kann.

 
Wenn der Kontrastumfang nicht zu hoch ist, kann man mit ein wenig Bildbearbeitung aus Gegenlichtaufnahmen noch eine Menge Dynamik herauskitzeln. Für beste Ergebnisse sollte dazu der Kamerasensor einen hohen Dynamikumfang bei wenig Bildrauschen liefern, weshalb vor allem Spiegelreflexkameras für Gegenlichtaufnahmen gut geeignet sind.

Bilder



 

Belichtungsmessung oder Ausprobieren?

Wer digital fotografiert, muss sich diese Frage eigentlich nicht stellen. Denn was schadet es schon, wenn man mit ein paar Versuchen und der manuellen Belichtungseinstellung die richtigen Werte für coole Gegenlichtbilder herausfindet? Vorausgesetzt, man beherrscht seine Kamera und ist in der Lage, Blende und Verschlusszeit manuell zu verändern.

Und trotzdem – es gibt durchaus gute Gründe, mal so zu tun, als hätte man eine analoge Kamera und nur noch ein einziges Bild auf seinem 36er Film übrig. Man kann nämlich gerade bei Gegenlichtaufnahmen sehr gut lernen, wie die eigene Kamera mit so einer Lichtsituation umgeht und die verschiedenen Belichtungsmessmethoden (Mehrfeldmessung, mittenbetont, integral, Spotmessung) austesten.

Kleiner Tipp zum praktischen Üben: Stellt eure Kamera vor ein Gegenlichtmotiv auf ein Stativ, legt als Aufnahmeprogramm eine Halbautomatik wie A (Av - Zeitautomatik) oder T (Tv - Blendenautomatik) fest, und geht nun die Belichtungsmessmethoden eurer Kamera durch. Welche Messmethoden die Kamera bietet, steht im Handbuch. Bei den Einzelbildern darf die Kamera natürlich nicht verschoben werden. Vergleicht dann die Ergebnisse, um zu sehen, welche Belichtung am besten war.

 
Würde man hier das weiße Federkleid des Schwans anmessen, bekäme man viel zu dunkle Bilder. Die richtigen Belichtungswerte wurden hier mit ein paar Testaufnahmen ermittelt.

Bilder



 

Was messen?

Grundsätzlich dürfte die Spotmessung bei Gegenlichtaufnahmen die besten Ergebnisse bringen. Denn würde man mit der automatischen Mehrfeldmessung arbeiten, bei der einfach ein Mittelwert aller im Sichtfeld verteilten Einzelmessbereiche verwendet wird, würden weder Hintergrund noch Vordergrundmotiv perfekt belichtet werden.

Zwar sind viele Digitalkameras mittlerweile so "intelligent", bei einem Gegenlichtmotiv den Messschwerpunkt in die Mitte zu legen, also dorthin, wo sich üblicherweise das Hauptmotiv befindet, wirklich zuverlässig ist diese Methode aber auch nicht. Wer auf Nummer sicher gehen will, stellt die Spotmessung oder eine alternative Methode ein, bei der nur ein sehr kleiner Bereich im Sucher vermessen wird. Dann wird je nach Intention entweder das Gegenlichtmotiv oder der Hintergrund anvisiert, der Auslöser halb durchgedrückt, und man hat die richtigen Belichtungswerte.

Vorausgesetzt, das anvisierte Motiv ist nicht extrem dunkel (schwarzer Anzug) oder extrem hell (ausgebleichter Himmel), denn dann muss man die Belichtung natürlich nochmals manuell nach oben oder unten kompensieren. Wie bekannt sein sollte, sind Belichtungsmesser auf 18prozentiges Grau bzw. mittlere Helligkeit (Wiese, Haut etc.) geeicht. Wird etwas Dunkleres oder Helleres angemessen, führt das zu mehr oder weniger falschen Messwerten, die manuell korrigiert werden müssen.

Bilder

Die Jacke der Walkerin im Vordergrund war ideal, um mit einer Spotmessung vor der eigentlichen Aufnahme die richtigen Belichtungswerte zu ermitteln.


In freier Natur

Wer draußen ist, muss bloß Richtung Sonne sehen und findet ganz automatisch Gegenlichtmotive. Bäume und Pflanzen, Häuser, Menschen und etliches mehr. Wichtig für die Bildgestaltung ist dabei der Sonnenstand. Steht die Sonne hoch am Himmel, ist das Licht eher kühl und blau, je weiter die Sonne nach unten wandert, desto gelblich-rötlicher werden die Farben.

Für romantische Silhouetten von Pferd und Reiter/in sind Abendstimmungen ideal, wer eher auf Fotos im Katalogstil aus ist, der kann auch zur Mittagszeit fotografieren. Ganz praktisch sieht das so aus, dass man sich einen hellen, von der Sonne beschienenen Hintergrund sucht, sein Model z. B. in den Schatten eines Hauses oder eines Baumes stellt, und die Belichtungswerte dann am Model ermittelt. Der Hintergrund wird extrem hell werden und den Menschen im Vordergrund je nach Lichtrichtung und Intensität mit einer gleißenden Aura versehen.

Bilder

Mit jeder Minute ändert sich die Lichtmenge, die auf den Sensor trifft. Bei Sonnenuntergängen muss man ständig kontrollieren, ob die eingestellten Belichtungswerte noch stimmen.

 
Hier entscheiden Millimeter, welchen Effekt man erzielt. Wird die Kamera ein wenig nach links oder rechts bewegt, ist mehr oder weniger viel von der Sonne hinter den Gondeln des Riesenrads zu sehen. Die Belichtungswerte verändern sich dadurch enorm oder, falls man die Werte zuvor manuell eingestellt hat, bekommt man mehr oder weniger harte Kontraste.

Bilder



Aber nicht nur Menschen sehen im Gegenlicht gut aus, auch Landschaften kann man toll im Gegenlicht arrangieren. Je tiefer die Sonne steht, desto schwärzer wird die Landschaft, wenn man für die Fotos die Belichtung auf den Himmel ausrichtet. Aber Achtung! Richtet man die Kamera in Richtung der untergehen (aufgehenden) Sonne aus, führen schon kleinste Richtungsänderungen zu anderen Belichtungswerten. Auch sollte man die Geschwindigkeit der Sonne nicht unterschätzen. Wer einen Sonnenuntergang mit manuell eingestellten Belichtungswerten fotografiert, muss spätestens alle paar Minuten die Werte kontrollieren und anpassen.

Bilder

Hier hat man es eigentlich gleich mit zwei Lichtquellen zu tun. Die Sonne wird von der Wasseroberfläche des Flusses reflektiert, weshalb der Gegenlichteffekt noch deutlicher ausfällt.


 

Gegenlicht im Studio

Porträts, Produktfotos, Stillleben - all das kann man im Studio stimmungsvoll mit Gegenlicht arrangieren. Bei Porträts arbeitet man oft mit einem sogenannten Effektlicht, das von hinten Glanz auf die Haare oder einen feinen Lichtsaum bringt - eine typische Anwendung von Gegenlicht. Üblicherweise strahlt zusätzlich eine Lampe/Blitz - das Hauptlicht - von schräg vorn auf die Person und das Gegenlicht dient lediglich dazu, die Kontur vom Hintergrund zu trennen.

Ebenso gut kann man aber auch das Hauptlicht abschalten und nur mit dem Effektlicht/Gegenlicht arbeiten. Je nach Größe des verwendeten Reflektors lassen sich von feinen Lichtsaum (Spot) bis zum komplett strahlenden Hintergrund (Softbox) unterschiedliche Effekte erzielen.

 
Kein Foto eines gefüllten Glases ohne Gegenlicht - das Licht von hinten bringt die Flüssigkeit zum Leuchten.

Bilder



 
Auch hier wird mit Gegenlicht gearbeitet, wobei das Leuchten des Weines später per Bildbearbeitung noch verstärkt wurde.

Bilder



Ein weiteres Einsatzgebiet für Gegenlicht ist die Produktfotografie. Gerade bei durchscheinenden Dingen wie Gläsern, Flaschen oder Flacons bringt das Licht von hinten, das zusätzlich zu weiteren Lichtquellen eingesetzt wird, die Inhalte der Gefäße zum Leuchten. Ähnlich wie in der Produktfotografie lässt sich Gegenlicht für allgemeine Stilllife-Bilder einsetzen. Ist das Gegenlicht die Hauptlichtquelle, entstehen Schatten, die nach vorne weisen. Damit die Gegenstände nicht lediglich als schwarze Silhouetten erscheinen, kommt zusätzlich ein Aufheller (Lampe, Blitz, Reflektor) von vorne zum Einsatz.

 
Die Kunst in der Produktfotografie besteht darin, Stimmungen zu erzeugen. Hier wurde kein direktes Gegenlicht eingesetzt, sondern mit zwei seitlich positionierten Softboxen gearbeitet. Die Softbox rechts stand dabei schräg hinter den Gläsern.

Bilder



 

Gegenlicht mit Reflektor aufhellen

Wie gerade schon angedeutet, kann man mit einem Aufheller die extremen Hell-dunkel-Unterschiede bei Gegenlichtaufnahmen relativ einfach ausgleichen. Fotografiert man ein Motiv in der Nähe wie z. B. einen Menschen vor Sonnenlicht, genügt schon eine einfache weiße Styroporplatte, um das Sonnenlicht ins Gesicht zu reflektieren.

Wer so was öfter macht, sollte sich jedoch nicht mit einer Styroporplatte belasten, sondern sich lieber einen einfachen Faltreflektor zulegen. Das muss kein Profiteil sein, eine einfache Ausführung mit silberner, goldener oder weißer Bespannung genügt völlig. Vor allem, wenn man ohne Hilfe fotografiert und den Reflektor selber halten muss, sollte der Reflektor möglichst klein und handlich sein.

Bilder

Ein Motiv, zwei Lichtsetups. Die linke Aufnahme wurde lediglich mit einer hinter dem Model platzierten Softbox aufgenommen, bei der rechten Aufnahme stand zusätzlich ein weißer Reflektor vor dem Model, der die Schatten aufhellte.


 
Extremes Gegenlicht wie durch die große Softbox kann im Studio tolle Effekte bringen. Die Belichtung ist allerdings etwas knifflig, wenn man die Lichtquelle nicht völlig überstrahlen lassen möchte.

Bilder



 

Blitzen bei Gegenlicht

Alternativ zum Reflektor kann man ein Blitzgerät zum Aufhellen einsetzen. Das hat mehrere Vorteile: Erstens wird der Kontrastumfang Motiv-Hintergrund reduziert und die Belichtung ist ausgewogener, zweitens leuchten die Farben des Vordergrundmotivs kräftiger (mehr Licht - mehr Farbsättigung), drittens erzeugt das Blitzlicht bei Personen- oder Tieraufnahmen ein Spitzlicht in den Augen, was die Porträtierten lebendiger macht.

Für das Aufhellblitzen gibt es keine einfachen technischen Regeln, je nach Kamera und Blitzgerät ist die Konfiguration verschieden. Seht am besten im Handbuch der Kamera unter den Stichworten Blitz oder Aufhellblitz nach. Dort müsste nachzulesen sein, wie man die Kamera oder das Blitzgerät einstellt, damit Vorder- und Hintergrund ausgewogen belichtet werden.

Und informiert euch dabei auch gleich darüber, wie man die Blitzleistung verändert. Denn beim Aufhellen von Gegenlichtaufnahmen geht es schließlich darum, dem Hauptmotiv nur dezent ein wenig mehr Helligkeit zukommen zu lassen, um die Gegenlichtstimmung nicht zu zerstören. Strahlt der Blitz zu viel Licht ab, kann man die Leistung bei allen guten Kameras manuell reduzieren.

Bilder

Hier haben wir es mit indirektem Gegenlicht zu tun. Der Hintergrund wurde mit rotem Blitzlicht von schräg rechts angestrahlt. Bei der zweiten Aufnahme kam zusätzlich von vorne oben weißes Blitzlicht zum Aufhellen dazu.


Kommentare
Achtung: Du kannst den Inhalt erst nach dem Login kommentieren.
Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 11.01.2015 - 14:50

Interessante und hilfreiche Tutorial-Serie. Danke.

Portrait von ofaessler
  • 19.01.2014 - 21:14

sehr gutes Tutorial, vielen Dank!

Portrait von Figib
  • 02.01.2014 - 11:32

Vielen Dank für das Tutorial!

Portrait von HeinzGeorg
  • 29.12.2013 - 19:58

Ein paar Tips für die Kameraeinstellungen (LW) oder Haltepunkte für die Spotmessung wären schöne Ergänzungen gewesen.

Portrait von Gladiole
  • 29.06.2013 - 19:46

Vielen Dank für die Tipps

Portrait von collies
  • 22.05.2013 - 12:44

schönes Tutorial, gefällt mir außerordentlich gut!

Portrait von zlubi
  • 01.11.2011 - 18:51

Sehr ausführliches Tutorial mit schönen Beispielen. Vielen Dank dafür :)

Portrait von MicroSmurf
  • 27.10.2011 - 20:06

Vielen Dank, sehr informativ.

Portrait von Schnuppi8480
  • 21.06.2011 - 08:28

was soll man sagen ... einfach super ... die einfachsten dinge können soooo schön aussehen ...

Portrait von robrob
  • 05.05.2011 - 17:18

Dieses Tutorial hat mir bis jetzt am meisten gezeigt und war am verständlichsten ! Sehr schön :)

Portrait von Flowtastic
  • 01.04.2011 - 12:12

Sehr gutes Tutorial... Die ganze Serie von dir ist sehr Hilfreich!!

Portrait von abiszett
  • 13.01.2011 - 18:58

Interessante Ausführungen, die sicherlich hilfreich sein werden. Außerdem gute Fotos :-)

Portrait von Inspiron
  • 28.12.2010 - 16:18

Sehr nützliche Hinweise, danke

Portrait von igorowitsch
  • 16.12.2010 - 11:28

schön erklärt
und gute Beispielfotos

Portrait von darcio
  • 09.12.2010 - 22:03

Sehr Gute Tipps. Tolle Arbeit

Portrait von bst_Michael
  • 08.12.2010 - 21:46

Vielen Dank für die guten Hinweise und Beispiele.

Portrait von Nikonmania
  • 12.10.2010 - 20:32

Sehr schön,und nutzlich!

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 22.08.2010 - 12:28

Danke für den Tipp!!

Portrait von Sethju
  • 13.07.2010 - 12:02

Schöner How-To, allerdings ohne Exif-Daten daher nur 3 Sterne

Portrait von Julius123
  • 23.05.2010 - 20:22

sehr gute Tipps! Vielen Dank

x
×
×