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Tutorialbeschreibung

Tilt/Shift-Selbstbau

Tilt/Shift-Selbstbau

Im Allgemeinen sind Tilt-/Shift-Objektive recht teuer, mit etwas Bastelarbeit kann man sich aber schon selber was bauen. Der Miniatureffekt kommt garantiert rüber.


Hallo Fotofreunde,

heute ist endlich meine Adox-Balgenkamera angekommen. Diese Kameras gibt es für sehr wenig Geld zu ersteigern. Mit etwas Bastelarbeit, die mir noch bevorsteht, kann man sich daraus ein Tilt-/Shift-Objektiv basteln.

Anleitungen gibt es genug im Internet. Ich für meinen Teil habe mich für den Weg des geringsten Wiederstandes entschieden und die Balgencam-Variante gewählt.

Der wichtigste Teil steht schon mal vor mir. Die Adox Golf. Ich habe die Blenden und die Verschlussmechanik getestet und alles hat prima funktioniert. Der Verschluss wird später im offenen Zustand fixiert; diese Arbeit übernimmt dann meine Cam.

Die Blende kann ich mittels eines Hebels verstellen. Leider beginnt sie erst bei f6,3. Für den Anfang und die ersten Erfahrungen sollte das erst mal reichen.

Der nächste Schritt wird die Zerlegung der Kamera sein. Mit etwas Vorsicht sollte aber auch das klappen. Ich werde die inneren Nieten entfernen müssen und dann einfach mal schauen, wie es weitergeht. Die Belederung habe ich schon mal etwas entfernt; ich hoffte, irgendwelche Schrauben zu entdecken - nichts. Also doch sanfte Gewalt.

Hier sind noch Fotos ...

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... der betagten Cam.

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Ich habe die Kamera etwas demontiert. Dazu habe ich alle im Gehäuse erreichbaren Schrauben entfernt und die beiden Metallstäbchen (rote Pfeile) mit einer Zange herausgebogen. Der Halterahmen des Balgenstoffs (grüner Pfeil) lässt sich nun leicht mit einem Schraubenzieher entfernen.

Bilder


 
Das Objektiv ist mit der vorderen Klappe vernietet, diese Nieten lassen sich wegschleifen und durch vorsichtiges Verbiegen des Klappmechanismus trennen. Man kann das bei den oberen Fotos erkennen.

Jetzt ist der Balgen mit Objektiv nur noch vom inneren Gehäuserahmen zu lösen. Am besten man nimmt dazu einen kleinen scharfen Schraubenzieher. Der Balgen haftet nur ein wenig, er lässt sich leicht lösen, dennoch sollte man vorsichtig sein.

Ist er abgelöst, kann man das Objektiv vorsichtig nach innen schieben, quasi ins Gehäuse. Das war eigentlich leichter, als ich gedacht hatte.

So sollte das Ergebnis aussehen:

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Und die Rückseite:

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Damit dieses Einzelteil schon mal funktionstüchtig wird, habe ich den Auslöser etwas modifiziert. Der Verschluss dieser Kamera ist im Objektiv integriert und sollte für unser Vorhaben ständig geöffnet sein. Die Funktionsweise des Verschlusses ist recht simpel. Ein kleiner Spannhebel wird gespannt, die Verschlusszeit eingestellt (Bulb - 1/25 - 1/50 - 1/200) und der Auslöser betätigt. Einen Anschluss für einen mechanischen Fernauslöser gibt es auch noch.

Um den Verschluss dauerhaft zu öffnen, habe ich in die Fernauslöserbuchse eine kleine Schraube gedreht und die Verschlusszeit auf Bulb gestellt. Jetzt den Auslöser betätigen und der Verschluss bleibt dauerhaft geöffnet. Durch die Schraube habe ich eine Dauerauslösung.

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Das sieht nicht sehr chic aus, erfüllt aber seinen Zweck.

Jetzt brauche ich noch eine Kunststoffplatte oder Ähnliches. Morgen werde ich mal in der Garage nachschauen, dort habe ich sicher was Brauchbares. Ich habe mal etwas vorbereitet, so wie es immer die Fernsehköche machen.

Ich habe eine Epoxidharzplatte auf das Maß von 66x66 mm gesägt, in der Mitte mit einem Zirkel das Loch (Ø 42mm) markiert, vorgebohrt und mit einer Laubsäge ausgeschnitten. Mit einer Halbrundfeile und Schmirgel wird das Loch noch etwas verfeinert. Dabei bitte vorsichtig sein, das Material splittert gerne.

Ein Gehäusedeckel wurde ebenfalls auf den größtmöglichen Durchmesser gebracht.

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Da ich alles auf der offenen Kamera verklebe, habe ich mir ein Stück Pappe zurechtgeschnitten, etwas größer als der Gehäusedeckelinnendurchmesser. Die Pappe ringsherum etwas eingeschnitten und in den Deckel gepresst.

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Den Gehäusedeckel mit der eingepressten Pappe nun am Kamerabajonett befestigen. Jetzt ist das Innere der Cam geschützt.

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Zum Verkleben verwende ich Zweikomponentenkleber, der sollte alles schön zusammenhalten. Ich trage etwas davon auf den Gehäusedeckel auf, ...

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... dann lege ich die Epoxydharzplatte darauf und richte sie mittig aus.

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Nach einer kleinen Trocknungspause trage ich wieder 2K-Kleber auf den Balgen des Objektives auf und auch die angeklebte Platte bekommt noch etwas Kleber auf die Ränder.

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Jetzt kommt der Moment, von dem alle Objektive träumen - ich darf an eine Nikon.

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Dann noch etwas andrücken und den überschüssigen Kleber entfernen.

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Eigentlich war's das. Wenn mir morgen nicht alles auseinanderfällt, werde ich mal versuchen, damit zu fotografieren. Natürlich sollte im Inneren die kleine Pappscheibe wieder entfernt werden. ;-) Jetzt über Nacht kann der Kleber erst mal schön durchtrocknen.

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Ich hoffe, ich habe damit zum Nachbauen animiert und den Bastler in euch geweckt.

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Hier noch ein paar Ergebnisse:

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Ich brauche noch etwas Übung, die Belichtungsmessung meiner Cam funzt nicht immer zufriedenstellend und erzeugt von Unterbelichtung bis Überlichtung alles. Ich stelle deswegen auf Manuell und stelle mir die Zeit nach Histogramm ein. Der Fokus am Objektiv steht auf unendlich; durch Hin- und Herbewegen stelle ich das Motiv scharf. Durch seitliches Schwenken verstelle ich die Schärfeebene.

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Durch die relativ große Brennweite von 75mm (am Crop entsprechend mehr) sind die Einsatzbedingungen etwas begrenzt.

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Hier noch einige Fotos ...

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... aus dem ...

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... Duisburger Landschaftspark.

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Und noch ein letztes:

Bilder


Vielen Dank

Marco

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Kommentare
Portrait von Domino
  • 29.03.2015- 12:20

Bei den präsentierten Bilder sehe ich leider keine große Wirkung (Tiefenschärfe) des gebastelten Schifft-Objektives. Für bessere Resultate sollte man vielleicht ein Weitwinkelobjektiv mit viel kürzerer Brennweite benützen.

Portrait von Esteban_13
  • 01.01.2013- 12:37

Interessante Idee, eine Balgenkamera als Grundlage zu nutzen. Was mich noch interessen würde, hast du dieses Objektiv auch schon verwendet um stürzende Linien zu korrigieren? Oder geht das mit diesem "Nachbau" überhaupt?

Viele Grüße,
Stephan

Portrait von rafoldi
  • 01.01.2013- 12:51

Hallo Stefan,

nein, der Gedanke ist mir gekommen als ich die Demontierte Kamera gesehen habe. Es gibt für die Makrofotografie, zum Beispiel hier http://de.wikipedia.org/wiki/Balgenger%C3%A4t

Portrait von rafoldi
  • 27.12.2012- 12:42

Super Idee,
Ich frage mich ob das mit einem normalen Balg für die Makrofotografie auch funktionieren würde?

Portrait von Stefffo90
  • 27.09.2012- 09:30

Geht das Wirklich? Ist das Bildkreis groß genug dafür?

Portrait von fotomacher66
  • 12.10.2012- 20:32

Die Adox Golf Kamera wurde mit einem 120er Rollfilm "gefüttert" ihr Bildkreis reichte demnach für 6x6cm.
Bei den Fotos konnte ich auch keine Randabschattungen sehen, ich denke die Optik kommt gut mit den heutigen Sensoren klar.

Portrait von Stefffo90
  • 27.09.2012- 09:30

Geht das Wirklich? Ist das Bildkreis groß genug dafür?

Portrait von Domino
  • 23.04.2012- 21:13

Danke für die Idee und eine gute Beschreibung. Ich würde aber die Platte auf den Deckel lieber außer Kamera kleben. Sicher ist Sicher.

Portrait von fotomacher66
  • 12.10.2012- 20:43

Ja, unbedingt die Platte nicht an der Cam verkleben, ich möchte nicht, dass euere Kamera zerstört wird oder Schaden nimmt!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Zuvor den Gehäusedeckel an der Kamera montieren und eine Markierung an der Oberseite anbringen, so ist es beim verkleben des Deckels an die Platte einfacher diese zueinander auszurichten, sonst ist der Balgen beim ansetzen des fertigen Objektivs evtl. verdreht/schief.

Gruß
Marco

Portrait von J000S
  • 23.04.2012- 21:10

Also so eine "OP" könnte man natürlich sicherer durchführen. Auch die Aufnahmen sind nicht der Überflieger... ABER: Und das ist das wichtigste: Eigenes tilt shift Objektiv mit guten Ergebnissen :)

Portrait von cmyk61
  • 22.04.2012- 23:38

Klasse Anleitung. Auf so ne Idee muss man erstmal kommen.
Und die zugehörigen Bilder sind, wenn man die Umstände ihrer Entstehung betrachtet, erste Sahne.

Gruß

Ralf

Portrait von fotomacher66
  • 22.04.2012- 18:37

Wer 200% sichergehen möchte, das der Cam nichts passiert, markiert den aufgesetzten Gehäusedeckel und verklebt ihn entsprechend ausgerichtet mit der Trägerplatte ohne ihn auf der Cam angesetzt zu haben.

Fokussieren durch vor und zurückbewegen.

Gruß
Marco

Portrait von Preach
  • 22.04.2012- 17:41

Das macht Lust auf eigene Bastelarbeit. Leider fehlt mir noch die DSLR dafür.
Mir erschließt sich aber nicht warum du die Klebearbeit am offenen Herzen vornimmst (direkt an der Kamera). Da für gibt es für mich keinen ersichtlichen Grund.
Gerne hätte ich auch gesehen wie du die Einstellung vornimmst - vermutlich durch freies Halten des Objektives in der linken Hand (?)
Die Aufnahmen wirken auf jeden Fall.

Portrait von berndschwartz
  • 22.04.2012- 15:29

Super Idee und eine gute Anleitung, vielen Dank dafür und herzliche Grüße

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 22.04.2012- 15:16

Eine sehr schöne Bastelanleitung, vielen Dank für die Mühe.

Beste Grüße
Uwe

Portrait von akilobana
  • 23.04.2012- 20:02

Prima Idee und prima Tutorial. Macht Lust!


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