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Tutorialbeschreibung

Nachtfotografie: Einstieg, Problembehandlung und Feuerwerk

Nachtfotografie: Einstieg, Problembehandlung und Feuerwerk

Im November des Jahres 2006 kam archaeopteryx auf die gute Idee, einen großen live Workshop zum Thema Nachtaufnahmen zu veranstalten.

Nun, hier seht ihr das Ergebnis daraus zusammengefasst
in einem großen Tutorial, der Text wurde von archaeopteryx und auch TID (Kamerawahl) verfasst.
 

Übersicht:
- Einführung
- Manuelle Programme
- Testreihe
- Warum sind Nachtaufnahmen oft so ein Problem?
- Feuerwerk
- Exkurs Kamerawahl von TID
- Linksammlung



Einführung
Das Thema Nachtaufnahmen ist ein breites Spektrum. Man kann es auf Lichter abgesehen haben, die sogenannte „blaue Stunde“ hat viele Reize,
oder auch der Nachthimmel kann Geheimnisse verbergen.
Um diesen Sachen auf die Spur zu kommen gibt es eine Vielzahl von Tipps und Tricks.

Ich fange mal mit den wichtigsten Sachen an:


– Ein stabiles Stativ ist eine wichtige Voraussetzung.
Man kann es wirklich nicht oft genug sagen aber ein Stativ erleichtert das Fotografieren!
(Auch wenn ich selber oft keine Lust habe dieses Teil zu schleppen.)
Wind und schwankender Untergrund (z.B. Brücken, Hochhäuser schwanken oft)
sollte man auch bei der Auswahl des Standortes berücksichtigen.

– Die verwendete Kamera sollte ein paar Eingriffsmöglichkeiten in den Belichtungsprogrammen bieten. Man sollte in der Lage sein, längere Belichtungszeiten
(z.B. Nachtprogramm – besser als gar nichts) in den Bereich von mehreren Sekunden einzustellen.

Bei längeren Belichtungszeiten (ca. einer Sekunde)
oder einer hohen ISO-Empfindlichkeit wird oft die Qualität durch ein Rauschen vermindert. Deshalb rät eigentlich jeder verschiedene Versuche zu machen um sich
künftig davon ein Bild zu machen (eine Testaufnahme mit längerer Belichtungszeit und niedriger ISO-Zahl und eine mit erhöhter ISO-Zahl und kürzerer Belichtungszeit).

Aktuelle Digitalkameras besitzen zum Teil interne Rauschunterdrückungs-Algorithmen zur Steigerung der Qualität von Langzeitbelichtungen oder Aufnahmen mit angehobener Empfindlichkeit. (Das war schon von der Canon D60 und der D20 ein Hammerunterschied)

– Wenn wir Nachtbilder (Stadtaufnahmen) mit verschiedenen Belichtungszeiten (bitte nicht verschiedenen Blendenzahlen) fotografieren könnten wir via DRI-Methode
manchen Kontrastumfang abfangen. (Werden wir aber auch noch im Laufe des Workshops zu kommen)

– Der Blitz reicht in der Regel nur ein paar Meter in die Dunkelheit, kann aber Effekte bieten. Z. B. Eine Figur steht vor einer Kirche, diese soll etwas mehr angeleuchtet werden aber die Kirche soll in einem geheimnisvollen Licht im dunklen Umfeld stehen.

Wie bei allem führen Experimente am schnellsten zum Ziel.

Manuelle Programme:

Wozu brauche ich manuelle Programme wenn es doch die Motivprogramme gibt? Dazu sollte man erst einmal wissen was Motivprogramme überhaupt machen.
So gut wie jede Kamera bietet Motivprogramme, so genannte Einsteigerkameras bieten allerdings meistens nur Programme an. Das ist für den Anfänger auch sehr nützlich, doch wenn man mehr aus dem Teil rauskitzeln möchte – ist manuelle Fotografie unumgänglich. Mit den Motivprogrammen, wenn man versteht wie sie arbeiten, kann man sogar etwas lernen.

Fünf Motivprogramme sind bei diversen Kameras schon Standart, oft auswählbar über ein Einstellrad. Vor allem bei den Einsteigerkameras geht der Trend allerdings zu noch zahlreicheren Motivprogrammen, dass es schon wieder verwirrend werden kann. Habe letztens ein solches Teil mal in den Fingern gehabt
und nur noch mit dem Kopf geschüttelt, braucht man ja schon eine „Doktorarbeit“ (etwas Ironie muss sein).

Das Portrait:

Hierbei wählt man bei einer manuellen Einstellung eine möglichst kleine Blendenzahl (große Blendenöffnung - ca. 2,8 – das ergibt geringe Tiefenschärfe) um den Hintergrund unscharf zu bekommen. Das Gesicht sollte aber scharf dargestellt sein. Moderne Kameras haben schon die so genannte Hauttonerkennung drin und stellen durch den Sensor genau dort scharf.

Die klassische Porträtbrennweite liegt in Normalfalle zwischen etwa 75 mm und 135 mm, da hier wenige Verzerrungen in den Gesichtsproportionen dargestellt werden. Wenn ich eine größere Brennweite (ich benutze gerne mein Tele dafür) nehme, habe ich eine noch größere Freistellung der Person von dem Hintergrund (Der Hintergrund wird noch unschärfer).

Das Nachtporträt:

Eine Person oder Statue wird vor Sonnenuntergang oder nächtlicher Skyline abgelichtet und der Hintergrund soll noch gut ausgeleuchtet werden. Hier gelten allerdings die Stillhalteregeln für Fotograf und Modell. Stativ oder Bohnensäckchen sind hierbei von Vorteil. Oder man hat eine superruhige Hand.

Doch !leichte! Bewegungen sind nicht ganz so tragisch, da der Blitz die Bewegung einfriert. Es wird bei diesem Programm die so genannte Blitz-Langzeitsynchronisation aktiviert (bei aktivem Blitz orientiert sich die Verschlusszeit am Umgebungslicht, ohne das Blitzlicht zu berücksichtigen)


Landschaft:

Hier ist eine gute Tiefenschärfe und Detailzeichnung gewünscht. Die optimale Blendenzahl hierfür wird bei den meisten Programmen bei 5,6-8 angesetzt.
Manche Kameras stellen den Fokus daher im Landschaftsprogramm auf unendlich ein. Die Farbsensoren der modernen Kameras werden auf die Optimierung der Details eingestellt. Deshalb erreichen wir ein saftiges Grün oder ein leuchtendes Blau.

Sport:

Schnelle, bewegte Motive fotografieren. Hier kommt es auf kurze Verschlusszeiten und einen Nachführ-Autofokus an. Solange der Auslöser gedrückt ist, wird dabei der Autofokus nachgeführt. Daraus ergibt sich eine optimale Fokussierung.Es gibt auch eine Abschaltung der Schärfepriorität zugunsten der Auslösepriorität,
das heißt die Kamera kann ohne Zeitverzögerung und Schärfekontrolle auslösen.


Makro:

Hier ist die Aufnahmedistanz oft sehr gering, Miniaturobjekte sollen möglichst groß (Objekte bis zu einem Abbildungsmaßstab von ca. 1:1 um andere Maßstäbe zu erreichen braucht man anderes Material wie z.B. Makro-Objektiv, Nahlinsen, Balgengerät, Zwischenringe, Zusatzblitz etc.)
dargestellt werden. Die Schärfentiefe ist bei Makros aufgrund der kurzen Fokuseinstellung sehr gering.
Außerdem wird viel Licht gebraucht, deshalb sind die im Kameragehäuse integrierten Objektive meist recht lichtstark.

Sonnenuntergang:

Ähnliche Vorgaben wie bei dem Landschaftsprogramm, wobei aber die Belichtungseinstellungen und die Farbwiedergabe (wärmere Farben) angepasst werden. Das Bild kürzer belichtet, wodurch Landschaftsdetails häufig nicht mehr sichtbar sind. Die schöne dunkle Silhouette vor der
untergehenden Sonne wird aber besser herausgearbeitet.


Schnee/Gegenlicht –

Hier wird die Belichtungssteuerung beeinflusst. Schneebilder enthalten viele weiße Flächen, die Kamera nimmt alles als sehr hell wahr und steuert dagegen.
Wir erzielen hier meist grauen statt weißen Schnee. Durch das entsprechende Motivprogramm bleibt der Schnee weiß.
Bei Gegenlicht ergibt sich eine ähnliche Situation. Die Kamera sieht viel Licht und regelt die Belichtung herunter,
so dass außer Schattenrissen nicht mehr viel auf dem Foto zu erkennen ist. In den dunklen Motivteilen können noch Details sichtbar werden,
wenn man auch hier das passende Gegenlichtprogramm wählt. Andere mögliche Motivprogramme leiten sich oft mit leicht geänderten
Parametern aus den oben Genannten ab. Kerzenlicht, Essen, Party, Weihnachten, weiche Haut und noch vieles mehr.



ISO steht abkürzend für "International Standard Organisation", ein internationales Gremium zur Festlegung von weltweit gleichen Standards. Die ISO-Werte reichen in der Regel von ISO 25 bis ISO 6400.

Die ISO-Werte stehen für die Lichtempfindlichkeit des Bildsensors der jeweiligen Kamera. Musste man bei der analogen Fotografie je nach Licht noch mit verschiedenen Filmen arbeiten, so hat man bei den Digitalkameras einige Einstellmöglichkeiten. Bei wenig Licht man einen hohen ISO-Wert (beispielsweise 400 oder höher) wählen, während umgekehrt dann natürlich ein niedriger Wert bei starkem Licht zu empfehlen ist. Zusätzlich ist auch die optimale Kombination aus Blende und Verschlusszeit notwendig.

Filmempfindlichkeit (ISO bzw. ASA) Verwendungszweck
http://de.wikipedia.org/wiki/ISO_5800


Je höher der ISO-Wert - desto besser wird das aufgefangene Licht verwertet - aber es gibt auch viele Nachteile. Deswegen kann der ISO-Wert nicht ins unendliche geschraubt werden. Mit einer Einstellen von 100 (das ist der Standard) bis 400 (je nach Kamera aber auch schon die äußerste Grenze)
erhalte ich deutlich rauschfreier belichtete Bilder. Doch wenn es dunkler wird z.B. Partys kann man bis ISO 1600 hochgehen. Doch dann sind die Bilder meist verrauscht. Um im Grenzbereich noch gute Bilder zu erhalten - empfiehlt sich ein ANTI-WACKEL-SYSTEM in der Kamera.
Hier werden aber auch oft die ISO-Werte nur hoch gesetzt...



Testreihe

So und heute habe ich dieselbe Prozedur noch einmal gestartet, allerdings anderer Standort, wollte nicht wieder Autobahnschreck sein. (Mein Mann hat nur mit dem Kopf geschüttelt) Dieser Ort ist zwar nicht gerade wunderschön, aber von der Ausleuchtung ist er gleichmäßig und man kann so die Unterschiede gut erkennen
(hoffe ich - in den Originalen sieht man ihn auf jeden Fall). Aber ich möchte Euch wirklich raten, einfach mal eine kleine Testreihe zu starten.
Ihr seht dann am Besten wie die eigene Kamera reagiert. Ach und gute Batterien mitnehmen, das Ganze hat mir einen Akku voll entleert.

Kamera EOS 20D
Blende 22
25 Sekunden
17-40er Weitwinkel
Stativ
Erste Reihe war ISO 100 – 400 – 800 –1600 - 3200

Mit zunehmen der ISO-Werte wird das Bild zwar heller, aber auch die Rauschwerte nehmen zu. Damit man einen Überblick hat, wie stark, oder weniger stark die eigene Kamera rauscht, würde ich eine eigene Testreihe vorschlagen. Meine hat eine sehr gute Rauschunterdrückung. Deshalb habe ich ein kleines Rechteck mit umgekehrt Multiplizieren aufgehellt - dort sieht man die Zuname an Rauschen besser.

 
Zweite Reihe Blenden
100 ISO
25 Sekunden
Blende 4 – 8 - 11 – 16 - 22

Die fehlenden Zwischenwerte sind nicht sonderlich aussagekräftig.
Rauschverhalten kaum

 
Dritte Reihe Zeiten
100 ISO
Blende 14
Ein mittlerer Blendenwert ist mein pers. Favorit bei Landschaft- und Nachtaufnahmen und dann kann man mit den Zeiten spielen.
Sekunden 4 – 13 – 30

 

Für die Personen die kein Stativ haben reichen auch ein paar Bücher oder eine Mauer auf der man den Foto standfest absetzen kann.


Hier noch etwas Grundsätzliches:
Warum sind Nachtaufnahmen oft so ein Problem?

Ganz einfach:

Leider hat man in der Nacht bei den manuellen Programmen oft ein Problem mit den Grauwerten. Die Kamera ermittelt meist einen mittleren Grauwert (der ja in der Kamera genormt einprogrammiert ist) und sucht sich dabei die für ihn passenden Werte für ISO, Blende und Zeit damit die Farben nach seiner Berechnung korrekt dargestellt werden.
Oft kann aber kein "korrekter" Wert ermittelt werden und man hat ein zu dunkles Motiv und überbelichtete Kanten. Klar man kann hier natürlich oft im PS nachhelfen,
aber das möchten wir ja nicht.

Also hat man dann bei einigen Motiven ein wirkliches Problem das nur durch ein kleines manuelles eingreifen beheben kann.
Ich arbeite wenn ich etwas Zeit und auch die Lust dazu habe meist mit einer kleinen Belichtungsreihe. 1 oder 2 Blenden- und Zeitwerte plus und minus von der automatisch berechneten Belichtung probieren. Irgendwann hat man dann ein Gefühl für die ca. Werte.

Das geht aber nicht von JETZT auf GLEICH.

Sehr kleine Blendenöffnung (große Blendenzahl) (f16, f22 oder mehr) zaubern aus hellenLichtquellen sternartige Lichtspitzen.
Wenn ein zu großes Kontrastverhältnis da ist, dann kann auch ein Aufhellblitz manchmal Wunder vollbringen.
Je nach der Entfernung zum Objekt kann man durch ein Butterbrotpapier vor dem Blitz gelegt ein wenig den Blitz abmildern. Funktioniert aber nicht immer.
Doch Vorsicht mit dem eingebauten Blitz, der kann natürlich auch jede Farb-Stimmung nehmen.


Feuerwerk:

So, wie versprochen nun noch etwas über das Feuerwerk, ein wahrer Klassiker unter den Nachtfotos.

Silvester steht vor der Tür und es ist nun einmal etwas Faszinierendes. Das Feuerwerk hat schon immer die Menschen in den Bann gezogen
und so habe auch ich versucht es in meinem Kopf als Bilder zu sammeln. Diese Bilder verblassen jedoch nach einiger Zeit und man ist hungrig auf neue Bilder.

Deshalb ist die Technik Fotografie etwas sehr schönes. Sie gibt wenigstens etwas von dem wieder, was wir mit dem Auge sehen.
Leider wird diese Technik nie, die Bilder die im Kopf gespeichert sind, ersetzten können, doch diese kann man jemand anderem zeigen,
währenddessen die im Kopf nur für einen persönlich bestimmt sind.


Der Kontrast zwischen Dunkelheit und farbigen Lichtpunkten
ist eine Herausforderung und die ersten Versuche gehen meist voll daneben, ich kann mich an meine ersten gruselvollen Analogbilder erinnern.
Den Film hätte ich mir sparen können, doch auch das gehört zu den Erfahrungen von einem/einer der/die loszog, um Bilder zu machen.
Dabei ist es gar nicht so schwierig, man muss nur wissen wie.


Vorraussetzungen:
Man kann Blende und Zeit an der Kamera einstellen!
Wie schon erwähnt gibt es an einigen Kameras auch ein Programm „Feuerwerk“. Dann ist ein Stativ, Bohnensack, Mauer... – wie bei eigentlich allen Nachtbildern –
ein unbedingtes MUSS. Die ISO sollte man auf höchstens 100 – wenn es geht auf weniger – einstellen und auf geht es.


Bereits am Tag suchen wir uns einen geeigneten Platz zum fotografieren aus, denn da hat man den besten Überblick über die örtlichen Gegebenheiten.
Der Standort sollte gut gewählt sein, dies ist eines der wichtigsten Kriterien um ein gutes Bild zu machen. Möglichst stellen wir unsere Kamera weit genug von störenden Lichtquellen, wie Straßenlaternen und ablenkenden Straßen weg und er sollte uns einen direkten Ausblick auf den Abbrennplatz bieten.
Die Entfernung zum Abschussplatz sollte ungefähr 300-500m betragen,  weiter sollte das zu schießende Bild sich im unteren Bereich
- mittig vom Sucher befinden um auch manche Bodeneffekte einzufangen.


Wie bei vielen Nachtaufnahmen gilt auch hier, das EXPERIMENTIEREN steht im Vordergrund.

Superwichtig:
Der Autofokus sollte ausgeschaltet sein (sonst ist eine kurze Auslösezeit nicht möglich da der Motor sich zu Tode sucht) und das Objektiv muss auf unendlich scharf gestellt werden!!!!
Manche schwören auf eine möglichst kleine Blendenzahl  (die Blende ist weit geöffnet)  mit kürzerer Belichtung und andere wollen eine längere Belichtung
und eine größere Blendenzahl (die Blende ist nicht sooo weit geöffnet).


Farben die dunkel sind (Goldtöne), werden bei einer großen Blendenzahl oft verschluckt, jedoch verschwinden dann störende Raucheffekte,
die bei einer kleinen Blendenzahl zu sehen sind.


Kleiner Tipp noch am Rande:
Man kann, wenn es eine kurze Lücke zwischen den einzelnen Raketenabschüssen gibt, das Objektiv mit einem Stück schwarzer Pappe abdecken,
so unterbindet man unerwünschten Lichteinfall – allerdings Vorsicht - die Gefahr hohen Bildrauschens mit zunehmender Belichtungszeit steigt!


Ich habe 2004 bei einer Kirmesendveranstaltung das Feuerwerk mal mit einer Testreihe aufgenommen und anbei Euch ein paar Versuche angehängt.
Leider werde ich wohl dieses Jahr Silvester wieder nicht dazu kommen ein paar Aufnahmen zu machen, aber jedem der Zeit und Lust hat würde ich das mal ans Herz legen.
Macht schon Spaß!





 
Kamerawahl: von TID

Ich hau die hier auch mal rein, weil vielleicht noch mal ein anderer Ansatz zur Kamerawahl aufgezeigt wird:


Zu meiner Person:
Ich fotografiere sowohl DSLR als auch mit diversen "Kompakten". Hauptmotive sind Nacht und unterirdische Objekte, und die Konzertfotografie(Klassik)

Meine Ausrüstung ist zwar nicht die neueste, aber ich denke meine Erfahrungen kann man sehr wohl auf die aktuelle Technik übertragen.

Zurzeit verwende ich folgende Modelle, die alle zeitgleich beschafft wurden:

(Anfang 2004)

EOS 300d mit diversen Objektiven, die ich noch hatte.

Olympus cz-8080 Kompakt.

Olympus c-765UZ Kompakt.


Alle Kameras verfügen über die gleichen wählbaren manuellen Parameter (ISO, Zeit, Blende, WB)
Lediglich verfügt die c-765 über keinen RAW-Modus, während die EOS 300d nur integrale Mittenmessung bei der Belichtungsmessung ermöglicht.


Nun aber zu Aspekten die die Kamerawahl direkt beeinflussen:


1. Bildqualität
Ein Konglomerat aus den Aspekten optische Güte, Sensorfläche, Lichtstärke und Signalaufbereitung

2. Bevorzugte Motive
Hier ist die Schärfentiefeberich gekoppelt mit der Anfangsbrennweite,
welche wiederum aus der Sensorgröße resultiert von entscheidender Bedeutung.

3. Ansprüche an das Handling
Was will ich mit mir rumtragen, was ist am Aufnahmeort zugelassen et c etc.

zu 1.

Grundsätzlich kann man die Güte einer Digitalkamera ohne Einbeziehung eines Objektives wie folgt beurteilen:

Sensorfläche pro Pixel
Güte=-----------------------------
Signaltreue


Die Größe der Sensorfläche beschreibt hier die Größe eines Pixels bzw. eines "Triples" (das RGB-Banding außer bei Sigma und Fuji).
Dem gegenüber steht die Treue des aufgezeichneten Signals zum Original. Es ist logisch, dass eine größere Sensorfläche pro Pixel mehr Licht aufnehmen kann
und dadurch die Signaltreue bzw. der Signal-Rauschabstand größer ist, als bei einer Kamera mit kleinerer Sensorfläche.

Fazit dieser Betrachtung wäre, das DSLR grundsätzlich höhere Qualität liefert.


zu 2.

Ein Punkt der Punkt 1. zu wieder läuft ist die Betrachtung der verwendeten Objektive und deren Verhalten. Nehmen wir das auch mit der EOS-400d gelieferte 18-55mm Kitobjektiv. Es hat einen dreifachen Zoom, der vom Weitwinkel bis in den leichten Telebereich verläuft.
Die maximale Blendenöffnung ist 3.5, was bedeutet, dass das eintretende Licht bei 19mm Brennweite um den Faktor 3.5 angeschwächt wird.

Bei 55mm beträgt die Offenblende 5.6 . Bei der Vergleichskamera Olympus 8080 kommt ein 5-fach Zoom zum Einsatz. Es deckt einen Brennweitenbereich von 7-35mm ab. Die Offenblende ist 2.4 bei 7mm und 3,5 bei 35mm.

Das bedeutet zunächst, dass bei der Olympus bei gleichem Bildwinkel (28mm KB-Äquivalent) mehr Licht durchgelassen wird als bei der Canon,
wobei die Olympus allerdings über die wesentlich kleinere Sensorfläche verfügt.

Das ist aber nicht das Entscheidende, weil die Eos hier immer noch lange an der Olympus vorbeizieht.Interessanter wird es, wenn wir das hyperfokale Verhalten beider Objektive betrachten.
Bei der Olympus 8080 komme ich bei einer Fokussierung von 1.7m auf dem hyperfokalten Bereich bei Offenblende (2.4) Das heißt, das bei Lichtstärke 2.4 alle von 1.7m bis unendlich scharf abgebildet wird.
Das Canon Kitobjektiv kann diesen Wert nicht ereichten, da es nur bis Blende 22 bei 18mm abgeblendet werden kann. Für diesen Vergleich ist aber die hyperfokale Grenze von 1.9m ausreichend.

Nun gehe ich nach Frankfurt und mache eine Nachtaufnahme des Hohlbeinsteges.

Die Kamera postiere ist an einem der Treppenhäuser, so das ich auf den Verlauf der Brücke blicke. Die ersten bildwichtigen Details befinden sich ca. 2m vor der Kamera, die Skyline Frankfurts ist ca. 1km entfernt.Ich will alles scharf.

Die Oly 8080 wird auf ISO 50 gestellt und realisiert das Bild in 8 Sekunden bei Blende 4 und 7mm Brennweite (18mm KB)

Die Canon mit Kitobjektiv packt die gewünschte Schärfe bei Blende 22. Als ISO ist 100 gewählt. Um dann den gleichen Bildeindruck zu erlangen muss
ich bei der CANON ca. 200Sekunden belichten.In dieser Situation ist durch die Kombination des extrem lichtempfindlichen Objektives
der 8080 mit der geringen hyperfokalen Distanz, dieser Kamera der EOS 300d mit dem Kit-Objektiv haushoch überlegen, da das Kitobjektiv bei Blende 22 Beugungsunschärfen produziert, die dem Oly-Objektiv schon bei Offenblende fremd sind.

3. Handling
Eine DSLR macht zunächst natürlich einen professionelleren Eindruck, allerdings sei daran erinnert, dass große Fotografen ihr Können
niemals an eine bestimmte Technik gebunden haben.
(Schreibst Du ja selber, dass nicht die Kamera sondern die Person dahinter die Bilder macht).

Ich muss beruflich sehr oft Klassikkonzerte fotografieren.
Hier wäre der Einsatz eines DSLR aufgrund des Lärmpegels der Kamera ein sofortiges KO-Kriterium. (Außer es gibt einen extra-Bereich für Fotografen,
was ich allerdings im Klassikbereich noch nicht kennen gelernt habe.)

Dafür benutze ich wiederum die Oly 765, die bei 1/2-Zoll Sensorgröße 3.2mio Pixel realisiert. Das Objektiv entspricht Kleinbild 35-350mm mit den Vorzügen des kleinen Sensors bei 6.3-63mm und dem damit verbundenen Schärfeverhalten.Im ungünstigsten Falle erreiche ich eine Lichtstärke von 3.7 bei Offenblende.
Ich muss mit ISO 400 fotografieren, das rauscht. Die Bilder jage ich danach durch Noiseware und die so gewonnenen Bilder gehen so in den Print oder die Presse.
Die Kamera ist flüsterleise und absolut unauffällig. Fast keiner bekommt mit, dass ich Bilder mache. MIT DSLR geht das definitiv nicht.


FAZIT:

Es gibt keine ideale Kameratype.
Sowohl DSLR als auch Kompakt haben beide ihre Vorzüge.
Die Wahl muß jeder Fotograf von eigenen Bildverständnis und den gewählten Motiven abhängig machen.
Für mich liegt das Ideal in einer Mischung der verfügbaren Aufnahmetechniken,
denn meine beiden Hasselbladd mit allen Objektiven und meine Sinar f2 8" x 10" habe ich ja auch noch, auch wenn ich sie nur noch sehr selten benutze.


Was ich ganz vergaß: Die Kompakte Olympus-8080 liefert durchaus brauchbare Langzeitbelichtungen.
(Meine längste bisher 8min)


Prosumerkompakt Oly 8080 auf Brückengeländer. DRI. Belichtungszeiten der Einzelaufnahmen
bei Blende 8: 8min / 4min / 2min / 1min /30 Sek / 15 Sek / 8 Sek / 4 Sek / 2 Sek / 1 sek / 1/2Sek / 1/4 Sek /1/8 Sek / 1/15Sek bei ISO 50
(stark verkleinert mit BSPLINE-Algorythmus)

Gruß


TID


Teile der Serie:







 
Linksammlung:

Erwähnte Links in der Diskussion

http://www.digiachim.de/DRI/index.htm
http://www.striewisch-fotodesign.de/lehrgang/lehrg.htm
http://www.schremmer.de/Atmosphare/Blaue_Stunde/blaue_stunde.html
http://www.ralfonso.de/Fotoschule/fotoschule23.html
http://www.fotolehrgang.de/
http://de.wikipedia.org/wiki/ISO_5800 (Filmempfindlichkeit Verwendungszweck)
http://www.henner.info/rauschen.htm (Bildrauschen)
http://www.digitalphoto.de/ (Artikel über 'Available Light Fotografie')

Beschreibungen

http://de.wikipedia.org/wiki/Langzeitbelichtung
http://www.ixus-world.de/index.htm?tips/digital.../digital_zoom.htm
http://www.psd-tutorials.eu/modules.php?name=News&file=article&sid=817

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit, ebenso herzlichen Dank an alle Mitwirkenden!
Der Text und die Bilder stammen von archaeopteryx und TID.

Für weitere Fragen bitte hier bei den Kommentaren posten.


Kommentare
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Portrait von Stefan.U
  • 07.07.2015 - 20:57

Herzlichen Dank

LG
Stefan

Portrait von Luciferin
  • 28.11.2014 - 23:19

Für alle die in die Nachtfotogafie einsteigen wollen ,schön und gut verständlich beschrieben

Portrait von yumuzu
  • 28.07.2014 - 17:17

Danke für das Tutorial!:)

Portrait von Rehmbo
  • 02.02.2014 - 16:15

Klasse! Danke schön!

Portrait von Figib
  • 02.01.2014 - 11:27

Vielen Dank für das Tutorial!

Portrait von Gladiole
  • 29.06.2013 - 16:39

Tolle Tipps und Beschreibungen, es gibt noch viel zu tun

Portrait von madenessence
  • 05.04.2013 - 21:43

fands leider wenig hilfreich.

Portrait von Chlüthy
  • 01.04.2013 - 11:31

hatte bis jetzt immer Schwierigkeiten gute Bilder in der Nacht zu machen, hoffe das Tutorial hilft mir dabei besser zu werden.

Portrait von dasbutterbrot
  • 11.02.2013 - 10:19

Wird heute direkt ausprobiert, habe ja noch Semesterferien :)

Portrait von Zewa
  • 31.01.2013 - 18:54

sehr nützlich. danke

Portrait von enoNdo
  • 01.12.2012 - 02:39

viele nützliche informationen, danke!

Portrait von woasis111
  • 26.08.2012 - 14:32

Das Tutorial ist echt klasse.
Das Bild von der brücke ist echt genial!!!

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 21.08.2012 - 14:47

Animiert richtig zum ausprobieren.

Portrait von Fotofelix
  • 12.08.2012 - 20:52

Klasse! Danke für die vielen tollen Beispielbilder.

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 03.08.2012 - 01:18

Danke. Sowas habe ich gesucht.

Portrait von haro10
  • 10.04.2012 - 00:37

Vielen Dank für die umfangreiche Zusammenfassung des Themas, als Ergänzung könnte man noch anführen, das die Bildstabilisatoren der Objektive bei Benutzung eines Statives ausgeschaltet werden sollte um Unschärfe durch den Stabi zu vermeiden. Bei Kürzeren Belichtungszeiten kann auch die Spiegelvorauslösung helfen, Verwackler zu vermeiden.

Gruß und nochmals Dank für die Mühen

Portrait von MicroSmurf
  • 27.10.2011 - 21:43

Vielen Dank, sehr informativ.

Portrait von Schnuppi8480
  • 21.06.2011 - 08:24

klasse ... super hinweise ... werde ich gleich mal probieren ...

Portrait von Fotomaus
  • 19.02.2011 - 11:28

Vielen Dank, werd ich gleich mal ausprobieren!

Portrait von Harald_F
  • 27.01.2011 - 16:20

Sehr gutes Tutorian.Kanke dafür!

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