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Tutorialbeschreibung

Makrofotografie Teil 02: Makrofotografie mit SLR-Kameras

Makrofotografie Teil 02: Makrofotografie mit SLR-Kameras

SLR-Kameras und die neuen Micro-Four-Thirds-Kameras haben Wechselobjektive. Damit ergeben sich für die Makrofotografie deutlich mehr technische Möglichkeiten. Welche das sind und wo die Vor- und Nachteile liegen, erfahren Sie in dieser Folge. Die Tutorialserie richtet sich an Einsteiger in die Makrofotografie, die einen Überblick über die verfügbaren Techniken erhalten und die Grundlagen der Bildgestaltung in der Makrofotografie erlernen möchten.

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Vor- und Nachteile von SLR-Kameras in der Makrofotografie

Alle SLR-Kameras sind prinzipiell für die Makrofotografie geeignet, denn aufgrund der Wechselobjektive können Sie zumindest immer ein Makroobjektiv verwenden. Allerdings gibt es zudem noch viele mögliche Techniken, die die Makrofotografie mit SLR-Kameras interessant machen. Für jeden ist im Prinzip etwas dabei. Es gibt preiswerte Möglichkeiten und auch solche, die viel technischen und finanziellen Aufwand benötigen.

Hinweis: Vieles (aber nicht alles), was nachfolgend zur Makrofotografie mit SLR-Kameras gesagt wird, gilt prinzipiell auch für die neue Generation Kamera mit Micro-Four-Thirds-Anschluss wie die Panasonic Lumix G1. Denn auch hier haben Sie die Möglichkeit, das Objektiv zu wechseln und damit vielfältige Möglichkeiten.

Gegenüber Kompaktkameras haben Sie bei allen Makrotechniken den Vorteil, dass SLR-Kameras durch einen deutlich geringeren Verlängerungsfaktor schon bei mittleren Brennweiten und großen Blendenöffnungen eine geringe Schärfentiefe erzeugen. Dadurch erreichen Sie ohne viel Aufwand einen schönen ruhigen Hintergrund Ihres Motivs. Generell gilt dabei, dass Vollformatkameras (bspw. Canon EOS 5D, Nikon D3) bei gleicher Brennweite und Blende eine geringere Schärfentiefe als digitale SLR-Kameras mit Verlängerungsfaktor haben. Bei den SLR-Kameras mit Verlängerungsfaktor gilt, je geringer der Verlängerungsfaktor, desto geringer die Schärfentiefe. Damit erreichen Sie mit digitalen Nikon mit Verlängerungsfaktor 1,5 also bei sonst gleichen Einstellungen und Brennweite eine geringere Schärfentiefe als mit einer digitalen Canon mit Verlängerungsfaktor 1,6 oder einer digitalen Olympus SLR oder Panasonic Lumix G1 mit einem Verlängerungsfaktor von 2,0.

Hinweis: Dieser Vorteil der geringen Schärfentiefe ist aber nicht immer ein Vorteil. Je größer der Abbildungsmaßstab, den Sie erreichen möchten, desto mehr Probleme bekommen Sie dann, auch bei hohen Blendenzahlen das Motiv ganz scharf zu bekommen. Bei der Verwendung von normalen Makroobjektiven ist dies jedoch durchaus als Vorteil zu sehen.


Mögliche Techniken für die Makrofotografie

Weil SLR-Kameras über Bajonette für Wechselobjektive verfügen, ist die Zahl möglicher Techniken für die Makrofotografie quasi unendlich groß. Die wichtigsten werden daher nachfolgend vorgestellt. Dabei gilt grundsätzlich, dass oft auch eine Kombination aus verschiedenen Techniken zu guten Ergebnissen führt. Sie sollten daher durchaus mal etwas ausprobieren und experimentieren.


Makroobjektive und Lupenobjektive

Die einfachste Möglichkeit, Makros zu machen, ist die Verwendung spezieller Objektive, nämlich Makroobjektive oder für noch größere Abbildungsmaßstäbe Lupenobjektive. Beiden Typen von Objektiven ist gemeinsam, dass sie für eine optimale Abbildungsqualität im Nahbereich konzipiert sind. Sie spielen dort ihre Vorteile in der Schärfe und der Detailwiedergabe aus, während normale Objektive hier durchaus Schwächen haben.

Darüber hinaus haben Makroobjektive eine geringe Naheinstellgrenze, sodass Sie nah ans Motiv herankommen und scharfstellen können. Auch das ist ein wesentlicher Unterschied zu herkömmlichen Standard- oder Zoom-Objektiven.

Hinweis: Es gibt neuerdings auch von verschiedenen Herstellern Zoom-Objektive mit Makrofunktion. Diese Objektive sind zwar brauchbar für das schnelle Makro zwischendurch, kommen aber oft nicht an die Abbildungsqualität von guten Makroobjektiven heran. Aber gerade, wenn es sich dabei um Weitwinkelzooms handelt, sind diese nicht zu verachten, denn Sie können dann die durch kleine Brennweiten im Nahbereich mögliche Vergrößerung nutzen, die Sie sonst fast nur bei Kompaktkameras zur Verfügung haben. Normalerweise haben nämlich Weitwinkelobjektive eine für den Brennweitenbereich zu große Naheinstellgrenze, um damit Makros zu machen.

Lupenobjekte haben einen wesentlich größeren Abbildungsmaßstab als herkömmliche Makroobjektive, die oft einen Maßstab von 1:1 oder maximal 2:1 erreichen. Die Auswahl an Lupenobjektiven ist allerdings sehr begrenzt und diese sind zudem nicht gerade preiswert. Preiswerter lassen sich höhere Abbildungsmaßstäbe mit anderen Techniken erreichen.

Gängige Brennweiten für Makroobjektive sind 60mm, 90mm, 105mm, 150mm und 180mm. Da alle in der Regel (natürlich gibt es auch hier Ausnahmen) einen Abbildungsmaßstab von 1:1 erlauben, bedeutet dies zwangsläufig, dass sich damit die Naheinstellgrenze mit der Brennweite verlängert. Das heißt, mit einem 60-mm-Objektiv müssen Sie näher ans Motiv herangehen können als mit einem 180-mm-Objektiv, um den gleichen Abbildungsmaßstab zu erreichen. Bedeutung hat die Brennweite und damit verbunden die Naheinstellgrenze des Makroobjektivs also vor allem, wenn Sie das Motiv aus einer bestimmten Distanz aufnehmen müssen oder möchten. Wenn Sie bspw. gerne Schmetterlinge und scheuere Insekten fotografieren möchten, ist ein Makroobjektiv mit großer Naheinstellgrenze und großer Brennweite optimal.

 
Tipp: Für den Einstieg empfiehlt sich ein Makroobjektiv mit 90 oder 105mm Brennweite. Damit sind Sie für die meisten Motive sehr gut gerüstet und diese Objektive sind oft noch sehr leicht und halbwegs preiswert.

Sehr beliebt sind Makroobjekte mit 90mm Brennweite (links Tamron 90mm SP Di) oder 105mm Brennweite (rechts Nikkor VR 105mm F2,8)Bilder

Bild 1: Sehr beliebt sind Makroobjekte mit 90mm Brennweite (links Tamron 90mm SP Di) oder 105mm Brennweite (rechts Nikkor VR 105mm F2,8)


 

Makrolinsen und Nahlinsen

Verfügen Sie nicht über ein Makroobjektiv oder scheuen dessen Anschaffungskosten, können Sie wie bei Kompaktkameras auch Makrolinsen verwenden und diese vor das Objektiv schrauben oder aufklemmen. Generell gilt dabei aber, dass das Ergebnis nur so gut ist wie das schlechteste beteiligte Objektiv. Wenn Sie ein Objektiv mit einer schon schlechten Abbildungsleistung im Nahbereich mit einer Makrolinse kombinieren, kann auch dann kein gutes Makro herauskommen, wenn die Makrolinse eine gute Abbildungsleistung hat.


Wenn Sie also vorher an der Naheinstellgrenze fotografiert haben, müssen Sie nun 50cm weiter vom Motiv weggehen und erhalten so auch keinen größeren Abbildungsmaßstab als vorher. Wenn Sie aber bspw. schon ohne Telekonverter die 100cm Abstand eingehalten haben, weil Ihr Motiv scheu ist, oder Sie nicht näher herankamen, macht ein Telekonverter durchaus Sinn, denn durch die doppelte Brennweite haben Sie das Motiv dann doppelt so groß im Bild wie ohne.

Hinweis: Üblicherweise gibt es Telekonverter in den Stärken 1,5-fach, 2-fach und 2,5-fach. Allerdings gibt es einige Hersteller wie bspw. Nikon, die andere Stärken liefern, nämlich 1,4-fach, 1,7-fach und 2-fach. Ein 1,4-fach-Konverter würde also aus einer Brennweite von 200mm eine Brennweite von 280mm machen.

Hinweis: Nicht jeder Telekonverter vervielfacht aber die Naheinstellgrenze. Im Einzelfall sollten Sie das den technischen Angaben des Herstellers entnehmen können. Die Telekonverter von Nikon TC-14EII, TC-17EII und TC-20EII bspw. verändern die Naheinstellgrenze an einigen Objektiv nicht (bspw. 70-200mm VR 2,8), an anderen nur minimal (bspw. 105mm Micro-Nikkor F2,8).

Telekonverter vervielfachen aber nicht nur die Brennweite, sondern reduzieren auch die Lichtstärke des Objektivs um etwa den gleichen Wert, wie sie die Brennweite vervielfachen. Ein 2-fach-Konverter reduziert in der Regel die Lichtstärke um zwei Blendenstufen. Damit verbunden sind daher auch längere Belichtungszeiten. Aber auch hiervon gibt es Ausnahmen. Bspw. gibt Nikon für den TC-17EII mit einer Brennweitenverlängerung von 1,7-fach an, dass dieser die Lichtstärke nur um 1,5-Blendenstufen reduziert.

Darüber hinaus verringern Telekonverter in der Regel die Abbildungsleistung, sodass Unschärfe entstehen kann, vor allem im Nahbereich. Dies sollte man aber nicht allzu pauschal voraussetzen, denn ich persönlich habe sowohl mit einem Tamron 2-fach-Konverter an einem Tamron 90mm Makro (für Canon) und einer einfachen Nahlinse sehr gute Erfahrungen gemacht, was die Schärfe angeht, wie auch an einem Nikkor 105mm Makro mit dem Nikon 1,4-fach-Konverter und einer 25-Dioptrien-Nahlinse von Raynox. Diese Kombinationen waren sehr gut, auch wenn der Telekonverter ohne Nahlinse doch deutlich die Schärfe des Objektivs negativ beeinflusst hat.

 
Achtung: Nicht jedes Objektiv lässt sich trotz grundsätzlich passendem Kameraanschluss mit einem Telekonverter kombinieren und auch nicht mit jedem Telekonverter. Ziehen Sie also vor dem Kauf eines Telekonverters die Beschreibung Ihres Objektivs zurate. Außerdem sind zur Kombination mit einem Telekonverter auch nur lichtstarke Objektive geeignet, denn bei ohnehin schon lichtschwachen Objektiven funktioniert im günstigsten Fall der Autofokus nicht mehr, im ungünstigsten Fall können Sie aufgrund eines extrem dunklen Sucherbildes auch manuell nicht mehr scharfstellen und benötigen zu lange Belichtungszeiten.

Makrolinsen lohnen eigentlich nur, wenn Sie ein gutes Objektiv haben. Das sollte eine gute Abbildungsleistung im Nahbereich auch bei hohen Blendenzahlen haben und gleichzeitig eine hohe Lichtstärke mit einer Anfangsblendenöffnung von 2,8 oder 3,5 mindestens haben. Denn Makrolinsen nehmen auch Licht weg, und wenn Sie nur eine Anfangsblendenöffnung von 5,6 haben und für eine optimale Abbildungsleistung des Objektiv schon auf Blende 8 abblenden müssen, bedeutet dies für Ihre Makros, dass sie einen eher unruhigen Hintergrund bekommen und gleichzeitig lange Belichtungszeiten brauchen, die natürlich Verwacklungsunschärfe oder Bewegungsunschärfe (bei Wind oder bewegten Motiven) verursachen können.

Makrolinsen haben zwei Aufgaben. Zum einen verkürzen Sie die Naheinstellgrenze des Objektivs, sodass Sie durch mehr Nähe zum Motiv einen höheren Abbildungsmaßstab erreichen. Zum anderen vergrößern sie aber auch das Motiv, indem sie die Brennweite des Objektivs verkürzen und so wie ein Objektiv mit einer kleinen Brennweite mit Auszugsverlängerung wirken. Den gleichen Effekt erhalten Sie bei Verwendung von Balgen und Zwischenringen. Wie stark beide Effekte zur Geltung kommen, hängt im Detail von der Konstruktion der Makrolinse und deren Qualität und Stärke ab sowie von dem Objektiv, mit dem Sie die Makrolinse verwenden.

Tipp: Optimal sind achromatische Nahlinsen, weil diese optisch korrigiert sind und weniger zu Farbsäumen neigen als einfache Nahlinsen. Mehr zur Auswahl und den verschiedenen Typen von Nahlinsen finden Sie in Folge 3 "Makrolinsen: Die Qual der Wahl" beschrieben.

 
Bild 2: Nahlinsen (hier 3 Makrolinsen mit Klemmadapter) sind eine preiswerte Möglichkeit, mit lichtstarken Objektiven Makros zu machen.

Nahlinsen, hier 3 Makrolinsen mit Klemmadapter sind eine Preiswerte Möglichkeit mit lichtstarken Objektiven Makros zu machen.Bilder



Hinweis: Auch eine noch so gute Nahlinse kann mit einen Top-Objektiv zu unbefriedigenden Ergebnissen führen. Das kommt daher, dass sowohl gute Nahlinsen als auch gute Objektive optisch korrigiert sind, um typische Abbildungsfehler wie Farbsäume (chromatische Aberration) zu vermeiden. Abhängig von der Art der Optimierung kann eine bestimmte Nahlinsen-Objektiv-Kombination zu extrem schlechten, aber auch zu sehr guten Ergebnissen führen.


 

Telekonverter

Telekonverter werden zwischen Kamera und Objektiv gesetzt und vervielfachen die Brennweite. Damit stellen Sie ebenfalls eine Möglichkeit dar, auf einen größeren Abbildungsmaßstab zu kommen, als das Objektiv von sich aus bietet. Aber hier ist Vorsicht geboten. Viele Telekonverter vervielfachen nicht nur die Brennweite, sondern auch im gleichen Maß die Naheinstellgrenze. Wenn Sie bspw. mit einem 100-mm-Objektiv eine normale Naheinstellgrenze  von 50cm haben und dieses nun mit einem 2-fach-Konverter kombinieren, erhalten Sie 200mm Brennweite, aber fast immer auch eine Naheinstellgrenze von 100cm. Wenn Sie also vorher an der Naheinstellgrenze fotografiert haben,  müssen Sie nun 50cm weiter vom Motiv weggehen und erhalten so auch keinen größeren Abbildungsmaßstab als vorher. Wenn Sie aber bspw. schon ohne Telekonverter die 100cm Abstand eingehalten haben, weil Ihr Motiv scheu ist oder Sie nicht näher rankamen, macht ein Telekonverter durchaus Sinn, denn durch die doppelte Brennweite haben Sie das Motiv dann doppelt so groß im Bild wie ohne.

Telekonverter werden zwischen Objektiv und Kamera montiert und vervielfachen die Brennweite Ihres ObjektivsBilder

Bild 3: Telekonverter werden zwischen Objektiv und Kamera montiert und vervielfachen die Brennweite Ihres Objektivs


 
Bild 4: Das linke Bild wurde mit 200m Brennweite mit einem Nikon 70-200 F2,8 VR gemacht, das rechte vom gleichen Standpunkt mit zusätzlichem 1,7-fach-Telekonverter, also 340mm Brennweite.

Das linke Bild wurde mit 200m Brennweite mit einem Nikon 70-200 F2,8 VR gemacht, das rechte vom gleichen Standpunkt mit zusätzlichen 1,7-fach Telekonverter, also 340mm Brennweite.Bilder



Hinweis: Makros mit einem 70-200-mm-Zoom-Objektiv bei 200mm Brennweite sind nur dann überhaupt möglich, wenn das Objektiv lichtstark ist und außerdem eine für den Brennweitenbereich geringe Naheinstellgrenze hat. Ansonsten sind solche Objektive ohne Nahlinse für Makroaufnahmen eher ungeeignet.


 

Auszugverlängerung mit Zwischenringen und Balgen

Eine weitere Möglichkeit, den Abbildungsmaßstab zu erhöhen, liegt in der Realisierung einer Auszugverlängerung. Das heißt, Sie schaffen mehr Abstand zwischen der letzten optischen Linse im Objektiv und dem Sensor bzw. der Filmebene. Dadurch ergibt sich eine vergrößerte Abbildung des Motivs. Das ist im Übrigen auch der Grund dafür, dass Teleobjektive und Makroobjektive mit großer Brennweite in der Regel deutlich länger als Normalbrennweiten und Weitwinkel-Objektive sind.

Eine Auszugverlängerung können Sie mit Balgeneinstellgeräten, kurz Balgen genannt, oder Zwischenringen erreichen. Beide werden zwischen Kamera und Objektiv montiert und verfügen über keinerlei optische Linsen. Sie dienen eben nur als Abstandshalter.

Ein Balgen kann in der Länge aufgrund des Fächers variiert werden und damit verschieden Abbildungsmaßstäbe ermöglichen. Dazu verfügt er über Stellschrauben mit denen Sie die Länge einstellen und fixieren können.Bilder

Bild 5: ein Balgeneinstellgerät, hier mit Nikonanschluss.


 
Bild 6: Ein Balgen kann in der Länge aufgrund des Fächers variiert werden und damit verschiedene Abbildungsmaßstäbe ermöglichen. Dazu verfügt er über Stellschrauben, mit denen Sie die Länge einstellen und fixieren können.

Ein Balgen kann in der Länge aufgrund des Fächers variiert werden und damit verschiedene Abbildungsmaßstäbe ermöglichen. Dazu verfügt er über Stellschrauben mit denen Sie die Länge einstellen und fixieren können.Bilder



 
An das andere Ende des Balgens schließen Sie ein Objektiv. Wichtig ist dabei, dass das Objektiv keinen zu großen Durchmesser haben darf, ansonsten können Sie den Balgen nur voll ausgezogen nutzen, weil das Objektiv dann vom Durchmesser nicht zwischen die Führungsstangen des Balgens passen würde. Außerdem benötigen Sie ein Objektiv, an dem Sie die Schärfe manuell einstellen können, denn wenn Sie nicht gerade über einen Balgen mit AF verfügen, müssen Sie die Schärfe manuell einstellen können. Die meisten Balgengeräte übertragen die AF-Steuerung der Kamera nicht an das Objektiv.

Und dann kommt es schließlich noch auf die Brennweite an. Dies gilt nicht nur für den Balgen, sondern auch für den Einsatz von Zwischenringen. Denn anders als zu erwarten, ist nicht eine große Brennweite für das Objektiv sinnvoll, sondern eher eine möglichst kleine. Je kleiner die Brennweite und je größer die Auszugsverlängerung, desto größer ist der Abbildungsmaßstab.

Zwischenringe gibt es in der Regel im Set und sie bestehen aus unterschiedlich breiten Ringen, die einzeln oder kombiniert verwendet werden können.Bilder

Bild 7: Zwischenringe gibt es in der Regel im Set und sie bestehen aus unterschiedlich breiten Ringen, die einzeln oder kombiniert verwendet werden können.


Hinweis: Zwischenringe werden in der Regel im Set und in verschiedenen Stärken angeboten. Außerdem gibt es welche mit AF- und Blendenübertragung und manuelle. Wenn Sie manuelle Zwischenringe verwenden, müssen Sie Objektive einsetzen, bei denen Sie die Blende und/oder die Schärfe manuell einstellen können.


 

Retroringe

Die preiswerteste Möglichkeit, auch in größere Abbildungsmaßstäbe vorzudringen und eine gute Schärfe zu erreichen, sind Retroringe. Diese werden zwischen Kamera und Objektiv geschraubt. Anders als bei Balgen und Zwischenringen kommt das Objektiv auf der anderen Seite des Retroringes aber nicht in der der normalen Richtung dran, sondern mit der Frontlinse zur Kamera zeigend. Es wird über das Filtergewinde an den Retroring geschraubt und zeigt dann also mit dem Kameraanschluss zum Motiv.

Ein Retroring, hier von Nikon hat auf einer Seite den Objektivanschluss der Kamera und auf der anderen Seite ein Filtergewinde.Bilder

Bild 8: Ein Retroring, hier von Nikon, hat auf einer Seite den Objektivanschluss der Kamera und auf der anderen Seite ein Filtergewinde.


 
Achtung: Das birgt die Gefahr, das Schmutz und Nässe in das Objektiv eindringt. Sie bekommen dazu im Fachhandel bspw. bei www.traumflieger.de sogenannte Retro-Abschlussringe für verschiedene Objektivanschlüsse. Diese verfügen auf der anderen Seite über ein Filtergewinde, sodass Sie bspw. einen Skylight-Filter aufschrauben können.

Hier waren zwei Filter-Adapterringe notwendig, um das Objektiv, das einen größeren Filterdurchmesser als der Retroadapter hatte, an diesem montieren zu können.Bilder

Bild 9: Hier waren zwei Filter-Adapterringe notwendig, um das Objektiv, das einen größeren Filterdurchmesser als der Retroadapter hatte, an diesem montieren zu können.


 
Um einen möglichst großen Vergrößerungseffekt am Retroadapter zu bekommen, sollte das verwendete Objektiv eine möglichst kleine Brennweite haben. Optimal sind Objektive zwischen 20 und 40mm Brennweite. Je kleiner allerdings die Brennweite ist, desto näher müssen Sie an das Motiv heran und desto größere Probleme haben Sie bei der Beleuchtung des Motivs. Daher sind zwar extrem kleine Brennweiten gut für einen hohen Abbildungsmaßstab, aber nicht für die Belichtungszeit und die Beleuchtung.

Die Nutzung von Retroadaptern zusammen mit Weitwinkelobjektiven hat den Vorteil, dass Sie damit eine gute Schärfe erreichen, da Weitwinkel-Objektive für die Fokussierung auf Unendlich optimiert sind und dort eine optimale Abbildungsleistung erreichen. Drehen Sie das Objektiv herum, indem Sie es falsch herum an den Retroadapter schrauben, erhalten Sie so ein Objektiv, das für den extremen Nahbereich optimiert ist. Sogar mit preiswerten Objektiven wie den meisten Zoom-Objektiven, die zusammen mit Einsteiger-SLR-Kameras verkauft werden (Kit-Objektive), können Sie so technisch brillante Makros machen.

Allerdings hat diese Technik auch zwei entscheidende Nachteile:
• Sie haben keine Möglichkeit, über die Kamera die Blende einzustellen und müssen dies am Objektiv zu tun. Viele moderne Objektive haben jedoch gar keinen Blendeneinstellring mehr. Sie benötigen also zwingend ein Objektiv, mit dem Sie die Blende an einem Blendeneinstellring einstellen können, damit Sie komfortabel damit arbeiten können. Auch die Schärfe müssen Sie dann natürlich manuell einstellen.
• Der Schärfebereich ist äußerst knapp und Sie müssen sehr nah ans Motiv heran. Das macht die Beleuchtung extrem schwierig. Zusammen mit großen Blendenzahlen für mehr Schärfentiefe erhalten Sie so schnell lange Belichtungszeiten, die zu Verwacklungsunschärfe führen können.


Tipp: Wenn Sie einen Retroring verwenden, muss das Objektiv den gleichen Filterdurchmesser wie der Retroadapter haben. Falls das nicht der Fall ist, können Sie Filter-Adapterringe dazwischen setzen. Da Sie das Objektiv über das Filtergewinde anschrauben, müssen Sie nicht zwingend ein Objektiv mit dem zur Kamera passenden Anschluss verwenden. Sehen Sie sich, falls Sie kein geeignetes Objektiv mit Blendenring besitzen, einfach mal bei eBay um. Dort gibt es preisgünstig viele ältere Nikon-, Canon- und Zeiss-Objektive mit Blendenring, die hervorragend geeignet sind.

Neben den einfachen manuellen Retroringen gibt es auch einen automatischen Retroadapter von Novoflex, der für Canon und Nikon-Kameras zur Verfügung steht. Er erlaubt die Nutzung von Blenden und AF-Übertragung. Damit können Sie extrem komfortabel mit Retroadapter fotografieren. Das Problem mit der Blendenauswahl an Objektiven ohne Blendenring lässt sich unter Umständen wie folgt lösen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Ihre Kamera über eine Abblendtaste verfügt, dass das Objektiv an die Kamera passt und dass es sich nicht um ein Nikon-Objektiv oder ein Objektiv mit Nikon-Anschluss handelt. Wenn Sie eine Nikon-Kamera mit Nikon-Objektiv verwenden, funktioniert das wie nachfolgend beschrieben konstruktionsbedingt nicht. Für Canon-Kameras ist dies aber eine gute Wahl:

• Schließen Sie das Objektiv normal an die Kamera an.
• Schalten Sie die Kamera ein und wählen Sie das Programm "A" (Blendenpriorität) aus.
• Stellen Sie die gewünschte Blende ein.
• Drücken Sie die Abblendtaste und halten Sie diese gedrückt. Schrauben Sie bei gedrückter Abblendtaste das Objektiv ab und lassen Sie dann die Abblendtaste los und schalten die Kamera aus.
• Montieren Sie nun das Objektiv mit Retroring an der Kamera. Die Blende wurde auf den vorgegebenen Wert geschlossen und bleibt so, bis Sie das Objektiv wieder richtig herum an die Kamera anschließen.

Auf diese Weise können Sie die Blende auch in Retrostellung wählen, haben aber den Nachteil, dass bei geschlossener Blende das Sucherbild unter Umständen sehr dunkel ist und das Scharfstellen erschwert.

Tipp: Es ist außerdem zu empfehlen, das Objektiv auf unendlich zu stellen, also auf unendlich zu fokussieren und die Schärfe über die Positionierung der Kamera zu justieren, um ein optimales Abbildungsergebnis zu erzielen. Dazu ist bspw. ein Makroschlitten auf dem Stativkopf sehr gut geeignet.

Das folgende Bild zeigt die Ergebnisse mit den vorstehend erläuterten Techniken. Als Motiv diente eine 20-Cent-Münze. Es wurde jeweils an der Naheinstellgrenze fotografiert, um den größtmöglichen Maßstab zu erreichen.

Sie sehen am Ergebnis schon, dass vor allem beim Einsatz des Balgens das Bild sehr dunkel ist, trotz eigentlich ausreichender Beleuchtung. Auch das Bild mit dem Retroring ist noch recht dunkel. Beides liegt daran, dass bei diesen Techniken ein extrem geringer Abstand zum Motiv erforderlich ist, was die Beleuchtung extrem erschwert.

Tipp: Bei Verwendung des Balgens haben Sie noch die Möglichkeit, das Objektiv in Retrostellung anzubringen. Damit erreichen Sie mehr Schärfe und etwas mehr Abstand zum Motiv. Mehr dazu finden Sie in Teil 7 und 8 der Tutorialfolge.

Das Beispiel zeigt aber auch eindrucksvoll, wie viele Details und relativ viel Schärfe bei Verwendung des Retroadapters vorhanden ist. Hier sieht man jeden Fleck und jeden Kratzer sowie oxidierte Stellen auf der Münze, die bei ähnlichem Maßstab mit 105mm Makro-Objektiv und Telekonverter nicht mehr sichtbar sind.

 
Mit einem Weitwinkel-Zoom-Objektiv (die unteren beiden Aufnahmen) lassen sich Makros nur sehr bedingt machen und zwar, wenn das Objektiv über eine Makro-Funktion verfügt. Allerdings lässt sich zumindest bei dem hier verwendeten 18-50mm EX von Sigma der Vergrößerungseffekt im Nahbereich bei kleinen Brennweiten nicht nutzen, denn dafür ist die Naheinstellgrenze nicht gering genug. Bei 18mm Brennweite ist die Münze doch sehr klein im Bild, von einem wirklichen Makro kann hier nicht die Rede sein.

Eine 20-Cent-Münze aufgenommen mit den beschriebenen Makrotechniken. Bilder

Bild 10: Eine 20-Cent-Münze, aufgenommen mit den beschriebenen Makrotechniken.


 
Hinweis: Zwar zeigt dieses Beispiel deutlich, dass sich mit Telekonverter sehr gut auch qualitativ akzeptable Makros machen lassen, allerdings gilt das nur bei einem Telekonverter, der nicht auch die Naheinstellgrenze des Objektivs verlängert.


Empfehlungen für den Einstieg

Für den Einstieg in die Makrofotografie sind Makroobjektive eine gute Wahl, denn sie sind unkompliziert zu nutzen und ermöglichen Maßstäbe von 1:1. Wenn Sie größere Abbildungsmaßstäbe erreichen möchten, ist ein Retroring eine der preiswertesten, wenn auch nicht die komfortabelste Möglichkeit.

Wenn Sie sich für ein gutes Makro-Objektiv entscheiden, ist auch eine gute, achromatische Nahlinse eine gute Ergänzung für höhere Abbildungsmaßstäbe.

Tipp: Für fast alle Techniken ist ein Stativ mit ein 3-Wege-Neiger oder im optimalen Fall einem Makroschlitten eine gute Wahl. Mehr dazu erfahren Sie außerdem in Teil 11 "Stative, Stativköpfe und Makroschlitten im Praxistest".

Darüber hinaus sind ein Selbstauslöser an der Kamera oder ein Fernauslöser sowie eine Spiegelvorauslösung an der Kamera sinnvoll, vor allem, wenn Sie größere Abbildungsmaßstäbe als 1:1 erreichen möchten.

Hinweis: Mehr Tipps und Tricks zum Einsatz von Balgen, Zwischenringen und Retroringen für große Abbildungsmaßstäbe finden Sie auch in den Teilen 7 und 8 der Serie.

Kommentare
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Portrait von näherbitte
  • 11.01.2014 - 00:20

Vielen Dank für die gute, verständliche und sicher auch hilfreiche Darstellung.

Portrait von susisnaomi
  • 16.02.2013 - 00:09

Danke für die Infos. Werden natürlich ausprobiert!!!

Portrait von karchinger
  • 06.09.2012 - 16:20

erste sahne, hilft dem anfänger wirklich weiter

Portrait von tanatosXL
  • 20.07.2012 - 17:17

Für Anfänger wie mich,einfach genial.Vielen Dank

Portrait von fotohein
  • 13.06.2012 - 11:50

Danke für die guten Vorschläge, haben mir weitergeholfen.

Portrait von Kuntis
  • 16.10.2011 - 16:06

Vielen Danke, Super TUT!

Portrait von hamsibone
  • 06.08.2011 - 23:05

Vielen Dank für das Tutorial

Portrait von Postmanngoose
Portrait von toothpick
  • 06.02.2011 - 15:46

sehr aufschlussreich und informativ

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 21.12.2010 - 19:27

vielen dank! wirklich informativ!

Portrait von wir697296
  • 08.12.2010 - 14:17

vielen dank - sehr interessant

Portrait von practicant
  • 11.11.2010 - 16:12

Makrofotografie mit bescheidenen Mitteln mache ich schon lange. Mit dem Workshop weiß ich nun, wie ich das Thema weiterentwickeln kann. Danke!

Portrait von Roddy
  • 14.09.2010 - 22:20

Sehr übersichtlich und gut erklärt...danke dafür!

Portrait von Subsee
  • 07.09.2010 - 20:41

Danke für das Tutorial, es gibt einem gewisse Grundlagen

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 19.08.2010 - 21:33

sehr gut, einige fragen beantwortet!

Portrait von vfr_blondie
  • 07.08.2010 - 18:47

Sehr gute Erläuterung der verschiedenen technischen Möglichkeiten - jetz muss man es nur noch umsetzten :-)

Portrait von JoeSch
  • 09.04.2010 - 10:54

Danke für das Tutorial. Hat mir wirklich weitergeholfen.

Portrait von abonics
  • 27.03.2010 - 09:44

Gutes und verständliches Tutorial. Danke ! ^^

Portrait von apet001
  • 16.02.2010 - 13:10

Sehr wissenswert! Danke

Portrait von deepflight78
  • 11.01.2010 - 16:18

Sehr gut und vor allem hilfreich. Vielen Dank!

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