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Tutorialbeschreibung

Makrofotografie Teil 08: Abbildungsmaßstäbe jenseits von 5:1

Makrofotografie Teil 08: Abbildungsmaßstäbe jenseits von 5:1

Wenn Sie von noch anderen Dimensionen träumen als von Abbildungsmaßstäben von 3:1 oder 4:1 und bspw. eine formatfüllende Abbildung eines Wasserflohs anstreben, dann brauchen Sie zwingend eine SLR oder gleich ein Mikroskop. Letzteres ist natürlich nicht ganz billig und hat ein paar entscheidende Nachteile; man kann es schlecht mit in die Natur nehmen und die Schärfentiefe von Mikroskopen ist extrem gering. Wie Sie solche Abbildungsmaßstäbe mit Ihrer SLR bewerkstelligen, erfahren Sie in dieser Tutorialfolge.

Die Tutorialserie richtet sich an Einsteiger in die Makrofotografie, die einen Überblick über die verfügbaren Techniken erhalten und die Grundlagen der Bildgestaltung in der Makrofotografie erlernen möchten.

... übrigens findest du die komplette Serie hier: Der große Fotografie-Workshop - Schnapp sie dir in unserem Shop oder in der Kreativ-Flatrate!


Problembereiche extremer Abbildungsmaßstäbe

Wenn von Abbildungsmaßstäben größer als 5:1 die Rede ist, geht es um den Bereich von 5:1 bis ca. 14:1. Das ist das Maximum, was mir bisher an meiner SLR gelungen ist. 14:1 ist allerdings ein Maßstab, mit dem Sie schon fast an Mikroskope herankommen. Allerdings unter ganz spezifischen Bedingungen, die leider das Fotografieren nicht sonderlich bequem machen und zu verschiedenen Problemen führen.

Hinweis: Wie im ersten Teil der Tutorialfolge erwähnt, ist die Berechnung des Abbildungsmaßstabs in der digitalen Fotografien nicht ganz einfach, denn neben der Sensorgröße gilt es im Prinzip auch die Auflösung des Sensors zu beachten und vor allem das Ergebnis, die Darstellungsgröße des Motivs auf dem späteren Bild. Wenn nachfolgend von einem Abbildungsmaßstab die Rede ist, ist der auf die Sensorgröße der Kamera (nicht auf die Sensorgröße entsprechend KB-Format = Vollformat) bezogen. Das heißt aber auch, dass rein rechnerisch ein kleinerer Sensor wie der von Kompaktkameras zu einem kleineren Maßstab führt, obwohl dort eventuell sogar der gleiche Bildausschnitt zu sehen ist.

Der Maßstab ist also nicht alles; es kommt vor allem auf den auf dem Bild gezeigten Bildausschnitt an. Wenn bspw. auf dem Sensor einer Lumix FZ50 nur 5mm vom fotografierten Millimeterpapier in der Breite sichtbar sind, erhalten Sie damit rein rechnerisch, bezogen auf die Sensorgröße, einen Maßstab von 1,4:1. Wenn die gleichen 5mm auf dem Sensor einer Nikon D300 abgebildet werden, dann erhalten Sie damit einen Maßstab von 4,7:1, aber der Bildausschnitt ist dann bei beiden Bilder identisch. Insofern sind Maßstabsangaben eben auch nur vergleichbar, wen die Sensorgröße übereinstimmt, oder man müsste die Maßstabsangaben auf KB-Format (Vollformat) umrechnen. Die hier angestrebten Abbildungsmaßstäbe von 5:1 bis 13:1 beziehen sich auf das Sensorformat digitaler SLRs mit Verlängerungsfaktor von ca. 1,5-1,6 (APS-C-Format) (Canon und Nikon).

Mit Kompaktkameras sind diese Maßstäbe kaum zu schaffen, denn bspw. bei Kombination mit einer Raynox MSN-505-Nahlinse mit 32 Dioptrien kämen Sie zwar rein rechnerisch auf einen APS-C-äquivalenten Maßstab von 7,5:1, leider reicht in der Regel aber die maximale Blendenzahl nicht aus, um die notwendige Abbildungsleistung zu erreichen. Bei der Lumix FZ50 mit maximal Blende 11 ist die Schärfe bei dieser Kombination zwar schon deutlich besser als bei Blende 9, aber noch nicht ausreichend, um von einem scharfen Bild sprechen zu können. Man müsste also wenigstens eine Kompakte mit großer Brennweite (um die 400mm KB-Äquivalent) haben, die sich auf mindestens Blende 16 abblenden lässt.

 
Mit Kameras nach dem Micro-Four-Thirds-System können Sie allerdings alternativ zu SLR-Kamera ebenfalls arbeiten. Allerdings hat bspw. die Lumix G1 einen elektronischen Sucher, keinen optischen, und dem fehlt meiner Erfahrung nach die notwendige Auflösung und Brillanz, um korrekt die Schärfe beurteilen und scharfstellen zu können. Zudem reagiert der recht träge bei sich bewegenden Motiven. Daher stelle ich es mir sehr schwer vor, bspw. mit der Lumix G1 eine Ameise oder einen Wasserfloh in diesen Maßstäben zu fotografieren.


Richtig fokussieren

Wenn Sie Abbildungsmaßstäbe um die 7:1 oder höher anstreben, dann brauchen Sie dazu natürlich extrem kleine Motiv, die Sie mittels der verwendeten Technik eben entsprechend groß auf das Bild bannen. Das Problem dabei ist, korrekt scharfzustellen. Denn je größer der Abbildungsmaßstab, desto geringer die Schärfentiefe und das bedeutet, minimal falsch zu fokussieren hat ein unbrauchbares, unscharfes Bild zur Folge. Sie müssen die Schärfe also auf einen halben Millimeter genau auf dem Motiv platzieren, und das ist mit bloßem Auge kaum noch machbar.

Sie brauchen dazu also entweder eine gute Sucherlupe, die Ihnen das Sucherbild vergrößert anzeigt, oder eine Kamera mit Live-View auf dem Display. Auch dabei sollte die Kamera die Möglichkeit bieten, das Sucherbild zu vergrößern.

Generell gilt dabei natürlich, der Autofokus ist hier fehl am Platz, selbst wenn die von Ihnen gewählte Technik dessen Einsatz noch ermöglichen würde. Die Kamera kann einfach nicht so exakt fokussieren, dass der von Ihnen gewünschte Teil des Bildes scharf ist.

 
Bild 1: Dieser Wasserfloh im Maßstab 14:1 wurde mit der LiveView der Nikon D300 scharf gestellt. Für die hier vorhandene Schärfentiefe war jedoch noch etwas Bearbeitung erforderlich.

Dieser Wasserfloh im Maßstab 14:1 wurde mit der LiveView der Nikon D300 scharf gestellt. Für die hier vorhandene Schärfentiefe war jedoch noch etwas Bearbeitung erforderlich.Bilder



 

Die Beleuchtung und Belichtung

Egal, welche Technik Sie wählen, bei Abbildungsmaßstaben größer als 5:1 arbeiten Sie in einem Abstand von 5 - 0,5cm zum Motiv, und da bleibt kein Platz mehr für Kamerablitz oder Ringblitz. Licht fällt von vorne kaum noch auf das Motiv, was im Prinzip nur Gegenlichtaufnahmen ermöglicht oder eine künstliche Beleuchtung von oben, hinten, seitlich oder unten erfordert. Um die unbedingt erforderlichen kurzen Belichtungszeiten zu erreichen, ist ein Blitz, egal ob Ringblitz, Makroblitz-System oder ein entfesselter Blitz die einzige Beleuchtungsmöglichkeit.

Hinweis: Bei extrem gutem Sonnenlicht, das noch dazu aus der richtigen Richtung und im richtigen Winkel auf das Motiv fällt, kommt unter Umständen zur Aufhellung des Motivs auch eine sehr helle Taschenlampe oder ein sehr heller Halogenstrahler infrage. Für einen Abbildungsmaßstab von 14:1 ist aber auch das nicht mehr ausreichend, zumindest nicht mit der hier verwendeten Technik. Dazu folgen etwas weiter unten noch nähere Hinweise.

 
Bild 2: Diese Ameise wurde mit Zeiss Lupenobjektiv (No. 5) aufgenommen. Abbildungsmaßstab ca. 6,3:1. Die Beleuchtung erfolgte von unten mit Ringblitz.

Diese Ameise wurde mit Zeiss Lupenobjektiv (No. 5) aufgenommen. Abbildungsmaßstab ca. 6,3:1. Die Beleuchtung erfolgte von unten mit Ringblitz.Bilder



 
Hinweis: Bei allen Techniken, bei denen eine Datenkommunikation zwischen Objektiv und Kamera nicht möglich ist, können Sie sich natürlich nicht auf die Belichtungsmessung der Kamera verlassen und sollten daher die Belichtungszeit manuell einstellen.


Standfestigkeit und präzise Fixierung der Kamera

Da auch die Gefahr von Verwacklungsunschärfe und ungenauer Fokussierung durch minimales Verwackeln der Kamera bei diesen Abbildungsmaßstäben enorm ist und zu absolut unbrauchbaren Bildern führt, ist es natürlich unerlässlich, ein stabiles Stativ mit einem stabilen Stativkopf zu verwenden, der möglichst ausreichend Tragkraft haben sollte, um neben der Kamera, dem Objektiv, eventuell dem Balgen auch einen Makroschlitten und die erforderlichen Leuchtmittel zu tragen.

Hinweis: Viele der nachfolgend vorgestellten Techniken bietet keine Möglichkeit, am Objektiv die Schärfe einzustellen. Das können Sie nur durch Änderung des Abstandes zwischen Kamera und Motiv erreichen. Dazu ist, wenn Sie nicht ohnehin einen Balgen mit Makroschiene nutzen, eine Makroschiene extrem nützlich.

Zudem sollten Sie auf jeden Fall einen Fernauslöser verwenden; der Selbstauslöser ist hier kaum noch eine Lösung, denn wenn Sie bspw. ein sich bewegendes Motiv fotografieren möchten, müssen Sie sofort auslösen, wenn es sich im Schärfebereich befindet und nicht 10 Sekunden später. Das ist auch der Grund, warum die Spiegelvorlauslösung (siehe dazu Teil 7 der Tutorialfolge) hier auch nicht das Mittel der Wahl ist, um Verwacklung durch Spiegelschlag zu vermeiden, denn auch das kostet zu viel Zeit. Sie sind daher unbedingt auf so kurze Belichtungszeiten angewiesen, dass Sie die Spiegelvorauslösung nicht brauchen.


 

Hochauflösende Objektive

Eines der größten Probleme ist sicherlich, das passende Objektiv für diese Techniken zu finden. Zwar sind Weitwinkel-Objektive in Retrostellung schon mal per se keine schlechte Lösung, aber hier gibt es auch deutliche Qualitätsunterschiede. Ich habe mir zu diesem Zweck bspw. mehrere ältere Festbrennweiten von Nikon mit Blendenring gekauft und musste dabei feststellen, dass das 28-mm-AiS deutlich schärfere und bessere Bilder als das 35mm AiS macht. Letzteres erzeugt doch bei den von mir benötigten Lichtverhältnissen recht häufig CAs (chromatische Aberrationen), die man dann recht mühsam per Bildbearbeitung beheben muss. Am besten gefallen mir für den Einsatz in Retrostellung das Nikkor 20-mm-AiS, das Nikkor 28-mm-AiS sowie das Zeiss Biotar 12,5mm und 25mm.

Tipp: Dank Retrostellung und Blendenring der genannten Nikkor-Objektive können Sie die natürlich auch an einer Kamera anschließen und verwenden, die kein Nikon-Bajonett hat. Die genannten Objektive gibt es zum Teil schon recht günstig bei eBay. Wichtig ist nur, dass das Filtergewinde einwandfrei ist, sonst bekommen Sie das Objektiv nicht auf den Retroring geschraubt.

Die Zeiss-Biotare 25mm und 12,5mm sind eigentlich Objektive für Pentaka  8mm-Schmalfilmkameras, haben aber eine extrem gute Lichtstärke und in Retrostellung eine Abbildungsqualität die sogar noch die vieler Mikroskop-Objektive übersteigt. Mit dem Biotar 12,5mm ist ei Abbildungsmaßstab am Balgen bis zu 14:1 möglich (siehe Bild 1)Bilder

Bild 3: Die Zeiss-Biotare 25mm und 12,5mm sind eigentlich Objektive für Pentaka 8-mm-Schmalfilmkameras, haben aber eine extrem gute Lichtstärke und in Retrostellung eine Abbildungsqualität, die sogar noch die vieler Mikroskop-Objektive übersteigt. Mit dem Biotar 12,5mm ist ein Abbildungsmaßstab am Balgen bis zu 14:1 möglich (siehe Bild 1).


 
Andere Objektive, die ich getestet habe, wie bspw. ein altes analoges Minolta 40-mm-Objektiv, haben einfach nicht die optische Auflösung gehabt, die für solche Aufnahmen erforderlich ist.

Mehr Schärfe und Detailtreue war leider aus dem analogen Minolta 40-mm-Objektiv nicht herauszuholen. Für große Abbildungsmaßstäbe daher nicht geeignet.Bilder

Bild 4: Mehr Schärfe und Detailtreue war leider aus dem analogen Minolta 40-mm-Objektiv nicht herauszuholen. Für große Abbildungsmaßstäbe daher nicht geeignet.


 
Darüber hinaus gibt es natürlich Lupenobjektive, die Sie mithilfe von passenden Adaptern an jede Kamera anschließen können. Diese sind in der Regel optisch hochauflösend und natürlich besonders für den Nahbereich konzipiert.

Lupenobjektive (links) haben oft ein RMS-Gewinde und können mittels RMS-Adapter (rechts) (für fast alle Kamera-Anschlüsse zu bekommen) an jede Kamera angeschlossen werden. Zur not, verwenden Sie noch einen weiteren Adapter, um den RMS-Adapter anschließen zu können.Bilder

Bild 5: Lupenobjektive (links) haben oft ein RMS-Gewinde und können mittels RMS-Adapter (rechts) (für fast alle Kamera-Anschlüsse zu bekommen) an jede Kamera angeschlossen werden. Zur Not verwenden Sie noch einen weiteren Adapter, um den RMS-Adapter anschließen zu können.


 

Schärfentiefe erhöhen

Je kleiner ein Motiv ist, desto weniger Tiefe hat es natürlich, aber mit Erhöhung des Abbildungsmaßstabes nimmt die Schärfentiefe so extrem ab, dass es Ihnen nicht einmal gelingen wird, mit der förderlichen Blende einen Wasserfloh komplett scharf zu bekommen. Schon minimale Wölbungen des Körpers führen zu Unschärfe auf den weiter entfernten und näher zur Kamera liegenden Teilen.

Dies können Sie nur ausgleichen, indem Sie per Bildbearbeitung eine Aufnahme aus mehreren einzelnen Aufnahmen montieren, wobei Sie aus jeder Aufnahme immer nur den schärfsten Bereich verwenden. Auf diese Weise entstand das Bild vom Wasserfloh (siehe Bild 1) aus 24 Einzelbildern. Auf dem einen war bspw. nur das Auge scharf, auf einem anderen ein Bein, auf wieder einem anderen ein Teil des Körpers.


Techniken für Maßstäbe jenseits von 5:1

Um einen Maßstab von 5:1 und höher (APS-C-Äquivalent) zu erreichen, gibt es verschiedene Techniken. Bedenken Sie aber, dass diese Angaben abhängig von der Bauart ihrer Objektive und Nahlinsen auch mehr oder weniger abweichen können. Die Tabelle gibt einen kurzen Überblick.

Bis auf den Maßstab 5,2-6,7:1, den Sie noch mit einem 150-180-mm-Makro-Objektiv und einer 25-32-Dioptrien-Nahlinse schaffen können, benötigen fast alle anderen Techniken eine starke Auszugverlängerung. Das kann entweder ein Zwischenring (am besten mehrere) oder besser ein Balgen sein. Mit einem Balgen sind sie wesentlich flexibler, weil Sie den nicht immer komplett ausgezogen verwenden müssen, sondern in der Länge variieren und so den Maßstab noch dem Motiv anpassen können.

Hinweis: Zur Verwendung von Nahlinsen verschiedener Stärken finden Sie alles Wesentliche in Teil 7 der Tutorialfolge. Das dort Gesagte gilt im Prinzip auch hier, vor allem das zur förderlichen Blende. Nachfolgend wird daher im Detail nur noch auf die Verwendung von Balgen, Lupenobjektiven und Retrostellung eingegangen.

 
Technik Maßstab
150-mm-Makro + 25 Dioptrien-Nahlinse 5,2:1
Balgen + 28-mm-Objektiv , Retro 5,9:1
Balgen + 28-mm-Retro 5,9:1
Zeiss-Lupenobjektiv No. 5 6,3:1
Leitz Lupenobjektiv 25mm 6,7:1
Balgen eingezogen + 20-mm-Retro 6,7:1
150-mm-Makro + 32 Dioptrien-Nahlinse 6,7:1
180-mm-Makro + 25 Dioptrien-Nahlinse 6,7:1
Balgen + Biotar 25mm, Retro 7,4:1
180-mm-Makro + 32 Dioptrien-Nahlinse 8,6:1
Balgen + 28-mm-Retro + 25 Dioptrien-Nahlinse 9,4:1
Balgen + 20-mm-Retro 10,7:1
Balgen + Biotar 12,5mm, Retro 13,9:1

Die wichtigsten Techniken sind hier sicherlich Retrostellung mit Auszugsverlängerung (Balgen oder Zwischenringe) sowie Lupenobjektive.


 

Lupenobjektive

Bei den Lupenobjektiven gibt es die wenigsten Probleme. Sie benötigen den oder die passenden Adapter zur Montage. Ich verwende bspw. einen RMS-Adapter mit M39-Gewinde als kameraseitigen Anschluss und schraube den in einen M39-Adapter für Nikon-Kameras.

Lupenobjektiv mit RMS-Adapter und M39-Adapter am Balgen montiertBilder

Bild 6: Lupenobjektiv mit RMS-Adapter und M39-Adapter am Balgen montiert.


 
Abhängig vom Lupenobjektiv haben Sie nicht mal die Qual der Wahl, die richtige Blende zu finden, weil sich die Blende nicht einstellen lässt. Wenn das Lupenobjektiv aber einen Blendenring hat, sollten Sie auch dazu eine Testreihe machen, um die förderliche Blende zu ermitteln (siehe dazu Teil 7).

Die Beleuchtung ist hier allerdings ein ähnlich großes Problem wie bei den beiden Biotaren. Sie können fast nur von unten oder hinten beleuchten.

Diese Aufnahme entstand mit 25mm Lupenobjektiv von Leitz am voll ausgezogenen Balgen. Abbildungsmaßstab ca. 6,7:1. Die Beleuchtung erfolgte hier von seitlich unten mittels RingblitzBilder

Bild 7: Diese Aufnahme entstand mit 25-mm-Lupenobjektiv von Leitz am voll ausgezogenen Balgen. Abbildungsmaßstab ca. 6,7:1. Die Beleuchtung erfolgte hier von seitlich unten mittels Ringblitz.


 

Balgen und Zwischenringe mit normalen Objektiven

Am Balgen (oder auch an Zwischenringen) können Sie die Objektive normal oder in Retrostellung anschließen. Egal wie, je kleiner die Brennweite, desto stärker die Vergrößerung. Wenn Sie das Objektiv richtig herum auf den Balgen setzen möchten, benötigen Sie dazu aber spezielle Objektive, die für den Nahbereich optimiert sind. Sie können dazu bspw. Objektive für Labor-Vergrößerer verwenden, wie das Componon 28mm. Diese Objektive verfügen in der Regel über ein M42- oder M39-Gewinde, für das Sie dann wiederum einen Adapter für Ihr Kamera-Bajonett benötigen.

Hier wurde die Zuckmückenlarve mit  28mm Componon-Objektiv am voll ausgezogenen Balgen fotografiert. Abbildungsmaßstab ca.5:1. Die Beleuchtung erfolgte hier von seitlich unten mittels RingblitzBilder

Bild 8: Hier wurde die Zuckmückenlarve mit 28-mm-Componon-Objektiv am voll ausgezogenen Balgen fotografiert. Abbildungsmaßstab ca.5:1. Die Beleuchtung erfolgte hier von seitlich unten mittels Ringblitz.


 
Richtig herum angeschraubt ergibt sich der Abstand zwischen Motiv und Objektiv aus der Brennweite des Objektivs. Je kleiner allerdings die Brennweite ist, desto geringer ist der Abstand. Das kann dazu führen, dass Sie bei kleinen Brennweiten und tief liegenden Frontlinsen nicht mehr nah genug an das Motiv kommen, um scharf zu stellen.

Ein Componon mit 105mm BrennweiteBilder

Bild 9: Ein Componon mit 105mm Brennweite.


 
Wenn Sie ein Objektiv in Retrostellung verwenden, um größere Abbildungsmaßstäbe zu erreichen, müssen Sie recht nah an das Motiv ran, aber der Abstand ist unabhängig von der Brennweite gleich. Sie müssen also nicht viel probieren. Als Faustformel kann hier gelten, dass Sie ca. den Wert des Auflagemaßes des Objektivs einhalten müssen. Das Auflagemaß ist der bauartbedingte Abstand zwischen Objektivanschluss und Sensor, bzw. Filmebene, der bei allen (D)SLR-Kleinbildkameras zwischen 3,7 und 5cm beträgt.

Bei den meisten sind es ca. 4,5cm. Bei den neuen Micro-Four-Thirds-Kameras, wie der Lumix G1 ist das Auflagemaß noch deutlich kleiner. Es gilt hier aber das Auflagemaß der Kamera, für die das Objektiv gebaut wurde. Wenn Sie bspw. an einer Lumix G1 ein Nikon-Objektiv in Retrostellung verwenden würden, würden die ca. 4,5 cm Auflagemaß für Nikon-Kameras gelten.

Wie bereits in früheren Beiträgen der Tutorialfolge gesagt, sollten Sie das Objektiv immer auf unendlich fokussieren, wenn Sie es in Retrostellung anbringen, denn dort erzielen Weitwinkel-Objektive ihre beste Abbildungsleistung. Die Schärfe stellen Sie dann ein, indem Sie den Abstand zwischen Kamera und Motiv variieren.

Je kleiner die Brennweite des eingesetzten Objektivs, desto größer ist der erreichbare Abbildungsmaßstab. Wenn Sie also über ein 18-mm-Objektiv verfügen, erzielen Sie damit einen deutlich größeren Abbildungsmaßstab als mit einem 28-mm-Objektiv.

Tipp: Verwenden Sie aber am besten Festbrennweiten, denn deren Abbildungsleistung ist in der Regel denen von Zoom-Objektiven überlegen. Allerdings steht bspw. das 18-55m-Kit-Objektiv von Canon in dem Ruf, traumhaft schöne Makros in Retrostellung bei 18mm zu machen.

Um ein Objektiv am Retroring anbringen zu können, müssen Sie unter Umständen noch Filter-Adapterringe verwenden, wenn das Filtergewinde des Objektivs größer oder kleiner als das des Retroadapters ist. Retroadapter haben in der Regel einen Durchmesser von 52, 55 oder 58mm.


 

Retrostellung am Balgen mit den Biotaren

Die beiden Biotare mit 12,5 und 25mm Brennweite bieten eine hervorragende Abbildungsleistung, haben aber ein großes Problem. Sie lassen sich nicht mal eben mit dem Filtergewinde an einen Retroadapter schrauben. Ihr Durchmesser ist so klein, dass es weder einen Retroadapter, noch Reduzierringe dafür gibt. Wer nicht handwerklich begabt ist und sich einen Adapter basteln kann, muss daher wohl oder übel zu Notbehelfen greifen.

Ich nutze zur Montage am Balgen (mit Nikon-Anschluss) einen M42-Adapter für Nikon-Bajonett, der die Fokussierung auf Unendlich ermöglicht. Dazu haben diese Adapter in der Mitte eine Linse, die ich einfach herausgebrochen habe. Das Ergebnis ist ein Ring mit Nikon-Bajonett, dessen Öffnung in der Mitte einen Durchmesser hat, der minimal kleiner als der der Biotare ist. Das Biotar setze ich nun mit der Frontlinse auf den M42-Adapter und spanne es mit einfachen Haushaltsgummis fest. Sieht nicht professionell aus, funktioniert aber sehr gut, auch wenn man die Kamera nach unten kippt, denn die Biotare wiegen kaum was.

Ein Biotar in Retrostellung am Balgen befestigt. Wenn Sie keinen Blitz zur Beleuchtung verwenden, was allerdings zu empfehlen ist, setzen Sie einfach eine Wasserwaage für den Blitzschuh in den Blitzschuh ein, damit das Gummi nicht wegrutschen kann.Bilder

Bild 10: Ein Biotar in Retrostellung am Balgen befestigt. Wenn Sie keinen Blitz zur Beleuchtung verwenden, was allerdings zu empfehlen ist, setzen Sie einfach eine Wasserwaage für den Blitzschuh in den Blitzschuh ein, damit das Gummi nicht wegrutschen kann.


 
Tipp: Die förderliche Blende beträgt beim 12,5-mm-Biotar 3,5 und beim 25-mm-Biotar 4. Diese Blende sollten Sie vor der Montage am Balgen einstellen, denn es ist zumindest bei dieser Art der Befestigung problematisch, das nachträglich zu tun.

Da beide Objektive für eine Kamera mit ganz anderem Auflagemaß als einer SLR konzipiert sind, müssen Sie mit beiden extrem nah ans Motiv heran. Es bleibe nur wenige Millimeter Abstand, sodass eine Beleuchtung auch von der Seite oder unten kaum noch praktikabel ist.

Sie müssen Ihr Motiv also entweder von unten oder hinten beleuchten. Das Problem dabei: Wenn Sie einen Blitz nutzen, leuchtet der natürlich nur in dem Moment, in dem Sie auslösen. Vorher brauchen Sie aber auch Licht, um die Schärfe einstellen zu können. Um bspw. den Wasserfloh zu fotografieren, habe ich dazu einen Tropfen Wasser mit dem Wasserfloh auf eine dünne Glasplatte aufgetragen und diese auf ein Wasserglas gestellt, um die Glasplatte von seitlich unten mit dem Ringblitz beleuchten zu können. Um die Schärfe einstellen zu können, benutze ich zwei Schwanenhals LED-Leuchten, die ich exakt so nah am Tropfen positioniere, dass die den Wasserfloh von zwei Seiten beleuchten. So ist eine Fokussierung möglich und das blaue Licht der LEDs wird später durch das Licht vom Blitz überdeckt und ist nicht mehr sichtbar.


Fazit

Wenn Sie in extreme Abbildungsmaßstäbe vordringen möchten, ist dazu schon ein enormer Aufwand notwendig. Nicht nur für die Fokussierung des Motivs und die Belichtung und Beleuchtung, sondern auch hinterher bei der Bearbeitung. Aber dennoch ist es äußerst faszinierend, in die Welt der Kleinstlebewesen vorzudringen. Es lohnt sich also auf jeden Fall, um die eigene Neugier zu befriedigen, oder wussten Sie, wie viele verschiedene Arten von Wasserflöhen es gibt? Ovale und runde und mit Rüssel oder mit Bart?

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Kommentare
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Portrait von näherbitte
  • 10.01.2014 - 23:33

Tolle Bilder und ein wohl beträchtlicher Aufwand an Bildbearbeitung (Wasserfloh) und viel Improvisationstalent.
Für mich jedenfalls noch einige Nummern zu groß, ääh, zu klein. Werde erstmal versuchen, mit meinem 90 mm Makroobjektiv und einer achromatischen Nahlinse einigermaßen klarzukommen. Vielen Dank !

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 08.10.2013 - 09:11

Gute Ideen und Inspiration finde ich in diesem Tutorial. Vieles was ich ausprobieren werde. Danke dafür.

Portrait von martin_t
  • 03.01.2012 - 16:04

interessantes Tutorial, das auch nochmal den einen oder anderen Blick in Grundlagen gibt.

Portrait von hamsibone
  • 06.08.2011 - 22:52

Vielen Dank für das Tutorial

Portrait von Schnuppi8480
  • 21.06.2011 - 08:57

ist ja ein wahnsinn was alles möglich ist ... super vielen dank

Portrait von wir697296
  • 09.12.2010 - 08:23

vielen dank - klasse

Portrait von Kazechi
  • 27.08.2010 - 13:25

Total lehrreich! Dankeschön :)

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 18.03.2010 - 21:32

Äußerst informativ!
Vielen Dank!

Portrait von kurtl42
  • 30.12.2009 - 15:02

Vielen Dank für das Tutorial, solche detailreichen Informationen sind schwer zu finden!

Portrait von goacat
  • 13.11.2009 - 11:42

Hat mir sehr gut gefahlen, vor allem die Bildbeispiele fand ich sehr hilfreich! Danke!

Portrait von roman2
  • 18.08.2009 - 15:14

genial !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Portrait von RalfK123
  • 04.08.2009 - 07:44

Sehr informativer Beitrag, vielen Dank.

Portrait von HelmutN
  • 20.07.2009 - 21:05

Super Workshop. Hier sind Infos und Anleitung jenseits der Literatur, die ich bisher gesehen habe.

Portrait von markussan
  • 19.07.2009 - 15:02

gefaellt mir auch richtig gut. mal 'ne andere seite der fotografie.

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 19.07.2009 - 12:25

Sehr schön, gefällt mir!

Portrait von Zaher
  • 18.07.2009 - 16:54

woow dank dir 1000mal ist unglaublich was man mit den richten Geräten bzw. Aufsätzen für Ergebnise erzielen kann.. :D

Portrait von d0t

d0t

  • 16.07.2009 - 10:45

Super erklärt! Wollte schon immer mal wissen wie solche Fotos entsehen

Portrait von KlausWB
  • 16.07.2009 - 08:50

Super !
Ich hab schon lange vergeblich gutes Info-Material gesucht,
jetzt habe ich was ich brauche, vielen vielen Dank.

Portrait von absurt
  • 15.07.2009 - 11:35

Vielen Dank für die super Beschreibung. Wie kommt am am günstigsten an Balgen und ein Objektiv für Nikon (D80) heran?

VG Absurt

Portrait von helma_spona
  • 15.07.2009 - 11:41

Also ich würde da mal bei ebay gucken? oder bei deinem Fotohändler, auch Novoflex hat Balgen, nur nicht gerade günstig. Aber einen Balgen für Nikon-Bajonett zu finden ist nicht wirklich schwer.

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