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Tutorialbeschreibung

Nah- & Makrofotografie - Teil 02 - Kameras & Objektive für die Nah- & Makrofotografie

Nah- & Makrofotografie - Teil 02 - Kameras & Objektive für die Nah- & Makrofotografie

Im zweiten Teil der Tutorialserie Makrofotografie dreht sich alles um die Wahl der richtigen Kamera. Gerade seit der digitalen Ära wird viel zu wenig auf die versteckten Werte der Kamera geachtet. Was ist eigentlich ein guter Sucher oder was macht eigentlich eine Spiegelvorauslösung so wichtig? Brauche ich sie überhaupt? Alles Fragen, die in diesem Tutorial unter anderem beantwortet werden.


Frühe Adonislibelle
Die Frühe Adonislibelle liebt stehende oder sehr langsam fließende Gewässer. Hier hatte sie sich auf ein Binsenblatt gesetzt und ihren Hinterleib in die Höhe gestreckt. Dieses Verhalten dient zur Verringerung der Aufwärmung durch die Sonne, da sie so ihre Angriffsfläche für das Sonnenlicht minimiert.

Frühe AdonislibelleBilder

Nikon D3x mit AF-S VR Nikkor 105 mm f 2.8G - Belichtungszeit 1/160 s - Blende 8 - Abbildungsmaßstab 1:1,6


 

Kameras & Objektive für die Nah- & Makrofotografie

Die richtige Kamera

Um es direkt vorwegzunehmen: DIE Kamera für die Nah- & Makrofotografie gibt es nicht. Doch es gibt einige Punkte, die man beachten sollte, um langfristig an der Nah- & Makrofotografie Gefallen zu finden. Prinzipiell können mit fast jeder Kamera Aufnahmen im Nahbereich angefertigt werden. Unabhängig davon, ob es sich um eine digitale Kompaktkamera, Bridgekamera oder eine Spiegelreflexkamera handelt. Dennoch gibt es große Unterschiede in dem Charakter der Aufnahmen und den Möglichkeiten, welche die einzelnen Kameras bieten.


Kompakt- und Bridge-Kameras

Kompaktkameras erlauben den günstigen Einstieg in die Welt der Nahfotografie, doch ihre Einschränkungen sind sehr deutlich. (Foto: Canon)

Digitale KompaktkameraBilder



 
Bridge-Kameras bieten dem Fotografen schon wesentlich mehr Möglichkeiten, doch sind ihre Einschränkungen dennoch spürbar (Foto: Panasonic).

Bridge-KameraBilder



 
Digitale Kompakt- und Bridge-Kameras sind in der Regel sehr klein und passen daher in (fast) jede Hand- oder Jackentasche. Viele dieser Kameras bieten eine sogenannte Makrofunktion. Wie im ersten Teil der Tutorialserie schon ausgeführt, wird dieser Begriff jedoch inflationär verwendet. So ist es auch hier.

Diese Funktion hat wenig mit der Makrofotografie zu tun, sondern beschreibt die Tatsache, dass der Fotograf relativ nah an die Motive herankommen kann. Diese Makrofunktion ermöglicht es dem Fotografen also, in den Nahbereich vorzustoßen. Den „echten“ Makrobereich hingegen kann man mit einer solchen Kamera in der Regel nicht erreichen, da der Einsatz von Makrozubehör meist limitiert ist.

Für den Einstieg in die Nahfotografie ist daher eine solche Kamera keine schlechte Wahl! Einige Modelle aus diesen beiden Kameragattungen ermöglichen sogar gezielt manuelle Eingriffe in die Belichtungsmessung oder sogar eine manuelle Scharfeinstellung, die in der Nah- & Makrofotografie besonders wichtig sein kann. Dennoch ist ihr Einsatz limitiert. Sowohl in technischer als auch in gestalterischer Hinsicht: Viele wichtige Funktionen, wie beispielsweise die Verwendung von externen Blitzgeräten, sind nur selten möglich.

Einer der größten Nachteile dieser Kameras ist jedoch ihr sehr kleiner Sensor. Kleine Sensoren neigen nicht nur zu einem starken digitalen Rauschen, sondern besitzen den Nachteil, dass sie eine andere Bildcharakteristik erzeugen als Kameras mit größeren Sensoren. So erzeugt eine Kompakt- bzw. Bridgekamera mit ihrem wesentlich kleineren Sensor erheblich deutlichere („schärfere“) Hintergründe als eine digitale Spiegelreflexkamera mit einem Sensor im APS-C Format.

Dies bedeutet, dass eine Isolation des Hauptmotivs gegenüber dem Hintergrund bei einer Kompaktkamera wesentlich schwieriger ist als bei einer digitalen Spiegelreflexkamera. Häufig ist dies sogar unmöglich! Ein bildgestalterisches Dilemma, aus dem es nur einen wirklich sinnvollen Ausweg gibt: eine digitale Spiegelreflexkamera.

 
Squrirel
Dieses Eichhörnchen aus dem Central Park von New York wurde mit einer Kompaktkamera aufgenommen. Durch die kurze Brennweite von nur 16.4 mm, was bei einer Kleinbildkamera ca. 100 mm Brennweite entspricht, tritt der Hintergrund viel zu deutlich zutage.

Aufnahme einer KompaktkameraBilder

Sony DMC-FX55 bei 16.4 mm (KB äquivalent: 100 mm) - Belichtungszeit 1/50 s - Blende 5,6


 

Spiegelreflexkameras

Spiegelreflexkameras sollten erste Wahl sein, wenn es um die Nah- & Makrofotografie geht, da nur sie problemlos erweitert werden können. Hier beispielsweise mit einem Tilt- & Shift-Makroobjektiv (Foto: Nikon).

Spiegelreflexkamera mit MacroobjektivBilder



Während Kompakt- und Bridgekameras ein fest verbautes Objektiv haben, besitzen Spiegelreflexkameras in der Regel austauschbare Objektive. Dies ermöglicht ihnen, sich an viele Aufnahmesituationen anzupassen, sofern es ein geeignetes Objektiv für die Kamera gibt. Daher sind Spiegelreflexkameras die beste Wahl für die Nah- & Makrofotografie. In Kombination mit einem meist sehr reichhaltigen Zubehörangebot steht dem Fotospaß nichts mehr im Wege.

Spiegelreflexkameras unterscheiden sich jedoch nicht nur durch ihre wechselbaren Objektive und das umfassende Zubehör von Kompakt- und Bridgekameras, sondern durch ihren gesamten Aufbau: Bei einer Spiegelreflexkamera befindet sich hinter dem Objektiv nicht direkt der Sensor wie bei einer Kompaktkamera, sondern ein Bereich, in dem sich ein Spiegel befindet, der Spiegelkasten. Der Spiegel hat die Aufgabe, das Bild, das durch das Objektiv erzeugt wird, in einen optischen Sucher zu leiten. Dies erlaubt es dem Fotografen, genau das Bild im Sucher zu betrachten, das auch später im Bild festgehalten wird. Für die Aufnahme klappt dann der Spiegel hoch und gibt (in Verbindung mit dem Verschluss) den Sensor für die Belichtung frei.

Hinter dem Bajonett für das Objektiv befindet sich der Spiegel, der das Bild in den Sucher leitet. Dadurch kann der Fotograf das Bild schon vor der Aufnahme exakt beurteilen (Foto: Canon).

Spiegelkasten einer SpiegelreflexkameraBilder



In der Regel besitzen digitale Spiegelreflexkameras einen wesentlich größeren Sensor als Kompaktkameras. Dadurch ist die erreichbare Bildqualität erheblich besser als mit einer Kompaktkamera.

Zudem ist die Isolation des Hauptobjekts vor seinem Hintergrund besser, was es für den Betrachter einfacher macht, sich im Bild zurechtzufinden.


Die Qual der Wahl

Da es auf dem Markt eine sehr große Anzahl an Spiegelreflexkameras gibt und sich die Hersteller mit angeblich wichtigen Eigenschaften der Kameras in ihrer Werbung gegenseitig überbieten, möchte ich Ihnen hier eine kleine Zusammenstellung von wichtigen Eigenschaften einer Spiegelreflexkamera bieten, die für die Nah- & Makrofotografie wichtig sind.


Der Sucher

Der Sucher gehört zu einem der Ausstattungsmerkmale, die man tatsächlich mit dem eigenen Auge begutachten sollte!

SucherokularBilder



Der Sucher einer Kamera ist eines der wichtigsten Ausstattungsmerkmale, auch wenn in der Werbung meist eher stiefmütterlich damit umgegangen wird. Mehr als „groß“ und „X %“ Bildfeldabdeckung ist meist nicht zu finden. Doch in Wirklichkeit ist der Sucher eines der wichtigsten Ausstattungsmerkmale – nicht nur in der Nah- & Makrofotografie.

Eine gute Kamera sollte daher einen großen Sucher haben. D.h., das Sucherbild sollte groß erscheinen und man sollte nicht den Eindruck haben, durch einen Tunnel zu blicken. Darüber hinaus ist die Helligkeit des Suchers enorm wichtig. Kameras im Einstiegssegment bieten häufig nur ein Pentaspiegel, um das Bild auf die Mattscheibe im Sucher zu projizieren. Häufig ist ein solcher Sucher dunkler als der in hochwertigen Kameras, die ein Pentaprisma besitzen.

Zum Sucher gehört jedoch nicht nur das erwähnte Prisma, sondern auch das Okular, durch welches das Auge die Mattscheibe betrachtet. Insbesondere Brillenträgern sei daher angeraten, die Wunschkamera zu testen, um zu sehen, ob das gesamte Bildfeld im Sucher überblickt werden kann. Apropos Bildfeld: Die meisten Kameras zeigen im Sucher leider nicht das ganze Bild, sondern einen mehr oder weniger großen Ausschnitt davon. Meist werden 95 bis 98 % des tatsächlichen Bildes gezeigt. Eine 100-%ige Abdeckung erreichen erst professionelle Kameras, die dann mehrere tausend Euro kosten (z.B. Canon EOS 1D(s) MK III oder Nikon D3(x)).

Diese Abbildung simuliert eine 95-%ige Bildfeldabdeckung durch das schwarze Rechteck. Wie hier zu erkennen, ist meist ein kleiner Verlust an den Bildrändern verschmerzbar. Kritisch wird es jedoch bei Motiven, die nah an den Bildrand reichen!

Simulation einer 95%igen BildfeldabdeckungBilder



 

Die Abblendtaste

Für ein korrekt belichtetes Bild ist eine passende Kombination aus Blende und Belichtungszeit wichtig. In der Nah- &Makrofotografie kommt der Blende hierbei eine besondere Rolle zu, da sie durch die Regelung der ohnehin geringen Schärfentiefe das Bildergebnis maßgeblich beeinflusst. Daher sollte eine Kamera insbesondere eine Abblendtaste besitzen, die es ermöglicht, das Sucherbild auf die tatsächlich eingestellte Blende zu schließen.

Dabei wird das Sucherbild dunkler – zumindest wenn eine kleinere Blendenöffnung (= größere Blendenzahl) als die größte Blendenöffnung aktuell eingestellt ist. Darüber hinaus ändert sich im Sucher die Darstellung des Motivs, indem der Hintergrund deutlicher hervortritt und die Schärfentiefe zunimmt. Somit sieht der Fotograf erst jetzt das tatsächliche Bild, das später aufgenommen wird. Leider sparen sich viele Hersteller bei Einsteigermodellen genau diese unverzichtbare Option. Achten Sie jedoch auf sie. Eine Abblendtaste ist kein Luxus, sondern ein Muss!

Blick durch den Sucher bei geöffneter Blende und ...

Blick durch den Sucher bei geöffneter BlendeBilder



 
... Blick durch den Sucher bei geschlossener Blende (8). Deutlich ist zunächst der Helligkeitsunterschied festzustellen. Erst auf den zweiten Blick erkennt man die unterschiedliche Darstellung besonders des Hintergrunds.

Blick durch den Sucher bei geschlossener BlendeBilder



 
Mohn
Diese Abbildung zeigt nun das fertig belichtete Bild. Durch das Zusammenspiel von Blende und Belichtungszeit entsteht auch bei geschlossener Blende ein richtig belichtetes Foto.

Das fertige BildBilder

Nikon D3x mit AF-S VR 105 mm f 2.8 G - Belichtungszeit 1/8 s - Blende 8.0 - Abbildungsmaßstab 1:2,5


Der Autofokus

Auch heute noch ist der Autofokus neben der Bildqualität des Sensors ein wichtiges Kaufargument. Während in vielen Bereichen der Fotografie der Autofokus seine Berechtigung hat, wie beispielsweise in der Tierfotografie oder bei Schnappschüssen, spielt er in der Nahfotografie nur eine untergeordnete Rolle und in der Makrofotografie gar keine. Dies hängt besonders mit dem sehr großen Verstellweg der Objektive im Nahbereich zusammen.

So kann der AF der Kamera zwar schnell sein, doch wenn die Linsen im Objektiv einfach sehr lange Wege zurücklegen müssen, bis das Bild scharf ist, spielt die Geschwindigkeit der Kamera keine große Rolle. Im Makrobereich sind die Verhältnisse ähnlich. Auch hier wären die Verstellwege einfach so groß, dass der Fotograf mit der Hand schneller scharf gestellt hätte. Erschwerend kommt nun jedoch noch der hohe Lichtverlust durch den hohen Abbildungsmaßstab hinzu, der den Autofokus zusätzlich behindert. Ganz davon zu schweigen, dass der Autofokus in der Regel zu unpräzise ist, um im Makrobereich mit seiner extrem geringen Toleranz gute Ergebnisse zu erzielen. Aus diesem Grund ist der AF in einer „Makrokamera“ eher unwichtig.

Da Sie jedoch sicher wie ich auch nicht nur Nah- & Makroaufnahmen aufnehmen möchten, würde ich Ihnen dennoch eine Kamera empfehlen, die sowohl einen guten Sucher als auch ein gutes AF-System hat.


Die verborgenen Werte

Neben diesen drei wichtigen Ausstattungsbereichen gibt es noch eine ganze Reihe von Ausstattungen, die entweder für die Nah- & Makrofotografie weniger wichtig sind, wie beispielsweise die Serienbildgeschwindigkeit, oder häufig nicht bedacht werden. Dazu gehören ein Anschluss für einen Kabelauslöser oder zumindest die Möglichkeit, die Kamera mit einem Infrarotauslöser auszulösen.

Ohne eine dieser beiden Optionen werden Sie langfristig keinen Spaß an der Nah- & Makrofotografie haben können, da viele Aufnahmen verwackelt oder unscharf sein werden. Praktisch alle auf dem Markt befindlichen Spiegelreflexkameras bieten eine der beiden Möglichkeiten, sodass es selten zu Einschränkungen kommen sollte – zumindest, wenn man den Fern- bzw. Kabelauslöser beim Fotografieren dabeihat!

Die Möglichkeit für dne Anschluss eines IR- oder Kabelauslöser sollte die ideale Makrokamera besitzen.Bilder

Die Möglichkeit für den Anschluss eines IR- oder Kabelauslöser sollte die ideale Makrokamera besitzen.


Ein weiteres Ausstattungsmerkmal, das beim Einsteiger meist viele Fragezeichen auf die Augen zaubert, ist die Spiegelvorauslösung. Jedem, der tiefer in die Nah- & Makrofotografie einsteigen möchte, sei daher eine Kamera mit mindestens einer automatischen Spiegelvorauslösung ans Herz gelegt.

Die Spiegelvorauslösung oder kurz SVA sorgt dafür, dass zwischen dem Hochklappen des Spiegels und dem Öffnen des Verschlusses zur Belichtung eine gewisse Zeit gewartet wird, damit Schwingungen in der Kamera abklingen können. Dies schlägt sich in schärferen Aufnahmen nieder. Natürlich bringt die SVA nur etwas, wenn die Kamera auf einem stabilen Stativ steht!


Der Sensor

(Foto: Nikon)

Sensor einer Vollformat-KameraBilder



Vielleicht haben Sie sich schon gewundert, warum ich nichts über den Sensor der Kamera schreibe, obwohl er es doch ist, der das spätere Bild erzeugt. Um es kurz zu machen: Die meisten Kameras mit einem Sensor im Format APS-C oder größer erreichen Bildqualitäten, die über jeden Zweifel erhaben sind. Die in Kameratests feststellbaren Unterschiede sind in der Praxis meist sehr gering, sodass der Fotograf lieber auf die anderen Ausstattungsmerkmale Wert legen sollte.

Mit einem Sensor ab ca. 10 MP hat man auch noch genug Reserven, um kleinere Ausschnittsveränderungen vorzunehmen. Auch gilt es immer zu bedenken, welche Anforderungen an den Computer durch sehr große Bilddateien gestellt werden. Der Sprung zwischen 12 MP und 24,5 MP (D3 zu D3x) war bei mir enorm, sodass mitunter auch gleich ein neuer Computer angeschafft werden muss.


Die Marke

Dies ist fast die häufigste Frage, die ich in Foren lese und bei Workshop gestellt bekomme. In meinen Augen jedoch die unwichtigste! Das einzige, was Ihre Wahl beeinflussen sollte, sind Ihre persönlichen Vorlieben bei der Bedienung, und wie die Kamera in der Hand liegt – zumindest, wenn Sie neu in die Spiegelreflexfotografie einsteigen und kein umfangreiches Sortiment mit aktuellen Objektiven besitzen.

Darüber hinaus sollten Sie sich nicht nur die Kamera, sondern das gesamte Objektiv und Zubehörsortiment anschauen. Nur ein System, das auch noch für spätere Fotowünsche gewappnet ist, sollten Sie in Betracht ziehen. Ganz besonders möchte ich Ihnen dabei neben den Objektiven das Blitzsystem ans Herz legen. Nicht alle Kamerahersteller besitzen hier gute Systeme – auch der eine oder andere der großen Hersteller hat hier Defizite!


Welche Kamera sollte es nun sein?

Ich empfehle gerne eine Kamera, die nicht ganz am unteren Ende der Modellreihe eines Herstellers steht, aber auch nicht zu teuer ist. Beispielsweise eignen sich bei den meisten Herstellern die Kameras eine Stufe oberhalb des Einstiegsniveaus sehr gut. Sie haben meist alle erwähnten Merkmale und halten sich preislich noch in einem vertretbaren Rahmen. Sparen Sie daher lieber Ihr Geld und investieren Sie es in erstklassige Objektive.


Die richtigen Objektive für die Nah- & Makrofotografie

Für die Nah- & Makrofotografie eignen sich normale (Zoom-) Objektive in der Regel nicht, da ihre Naheinstellgrenze zu lang ist, um das Motiv ausreichend groß abzubilden. Auch dem Einsatz von Makrozubehör sind je nach Qualitätsanspruch deutliche Grenzen gesetzt. Daher führt der Weg an dedizierten Lösungen für die Nah- & Makrofotografie nicht vorbei. Doch Vorsicht: Nicht überall, wo "Makro" draufsteht, ist auch "Makro" drin:


Zoom-Objektive mit „Makro-Funktion“

Nicht überall, wo "Makro" draufsteht, ist auch "Makro" drin! Bei diesem Objektiv ist die Naheinstellgrenze immerhin so weit verkürzt worden, dass bei Zoomstellung 300 mm ein Abbildungsmaßstab von ca. 1:2 erreicht wird.

Zoomobjektiv mit "Makro"-FunktionBilder



 
Das Angebot jedes großen Herstellers umfasst eine fast unerschöpfliche Zahl an Zoom-Objektiven. Viele dieser Objektive werben mit der Bezeichnung „Makro“. Dies ist jedoch häufig irreführend. Zwar bieten diese Objektive eine erweiterte Nahgrenze, doch erreichen die meisten nur einen Abbildungsmaßstab von 1:3. Deshalb sollte man sie eher als „Nah-Objektive“ ansehen. Sie sind zwar durch den erweiterten Einstellungsbereich sehr praktisch und können universell eingesetzt werden, doch ergeben sich dadurch auch Einschränkungen.

In der Regel liegt die optische Qualität solcher Objektive unterhalb ihrer verwandten Spezialisten – in diesem Fall nicht der Makroobjektive, sondern konventioneller Zoom-Objektive, was auf notwendige Kompromisse bei der optischen Konstruktion zurückzuführen ist. Dennoch bieten sie für den Anfang eine attraktive Möglichkeit, in den Nahbereich vorzustoßen. Wenn man mit solchen Objektiven arbeiten will, so muss man immer daran denken, dass der vom Hersteller angegebene Abbildungsmaßstab nur bei der längsten Brennweite erreicht wird. Was mitunter sehr unpraktisch ist, wenn man mit einem 70-300-mm-Zoom-Objektiv bei 300 mm im Nahbereich arbeiten will.


Makro-Objektive

Unter dem Namen „Makro-Objektiv“ ist heute eine Vielzahl an Objektiven auf dem Markt, die dieser Bezeichnung nur mit Einschränkungen gerecht werden. So fokussieren diese Objektive stufenlos von unendlich ( ∞ ) bis zu einem Abbildungsmaßstab von 1:2 bzw. 1:1. Die gängigsten Brennweiten dieser Objektive liegen zum einen im Bereich der Normalbrennweite (bezogen auf das Kleinbildformat) von 50 bis 60 mm Brennweite, im Bereich der leichten Teleobjektive von 90 bis 105 mm Brennweite und schließlich im Telebereich bei 180 oder 200 mm Brennweite.


Das "Normalmakro"

Makroobjektive mit ca. 50 mm Brennweite besitzen einen natürlichen Bildwinkel und eignen sich wegen ihres kurzen Aufnahmeabstand (meist ca. 6 cm) sehr gut für Pflanzen.

 
Makro-Objektive im unteren Brennweitenbereich von 50 bis 60 mm Brennweite bieten einen natürlichen Bildwinkel und erlauben es, den (unscharfen) Hintergrund noch mit einer großen Vielzahl an Details darzustellen. Diese Objektive eignen sich bevorzugt für Produktfotos, Nahaufnahmen von Pflanzen in ihrem Lebensraum und für hohe Abbildungsmaßstäbe. Ihr größter Vorteil ist jedoch ihre kompakte Bauweise. Ein Nachteil ist der geringe Arbeitsabstand, also der Abstand zwischen Frontlinse und Objekt, der bei ca. 9 cm liegt.

NormalmakroBilder



 

Die mittleren Tele-Makros

Makroobjektive mit mittlerer Brennweite (ca. 100 mm) ermöglichen das Freistellen des Motivs schon wesentlich einfacher als Objektive mit ca. 50 mm Brennweite, da ihre raffende Bildwirkung stärker zu tragen kommt.

Telemakro mit InnenfokussierungBilder



 
Im mittleren Brennweitenbereich findet man heute die größte Auswahl an Makroobjektiven. Ihre Qualität bewegt sich sowohl bei den Kameraherstellern als auch bei den Fremdmarkenherstellern auf so hohem Niveau, dass man genau überlegen sollte, welches Objektiv das richtige für den eigenen Stil ist.

Telemakro ohne InnenfokussierungBilder



 
Makro-Objektive in diesem Brennweitenbereich werden gerne als Allrounder bezeichnet, was auch vollkommen gerechtfertigt ist: Sie sind im Allgemeinen noch relativ kompakt, leicht zu handhaben und bieten einen etwas größeren Arbeitsabstand, der bei ca. 15 cm liegt. Ein weiterer Vorteil ihrer Brennweite liegt in der Fähigkeit, auch bei größeren Blendenzahlen das Hauptobjekt noch vom Hintergrund freizustellen.


Die Telemakros

Im Telebereich findet man bisher nur eine geringe Zahl an Objektiven. Wobei auch hier alle Objektive auf sehr hohem Niveau liegen und sich hauptsächlich in ihrem Bokeh unterscheiden. Diese Objektive werden zwar gerne als das Nonplusultra empfohlen, da sie eine unvergleichliche Fähigkeit besitzen, das Hauptobjekt freizustellen und einen noch größeren Arbeitsabstand bieten, doch sind sie sehr schwer zu handhaben und verlangen dem Fotografen überproportional mehr Können ab als die anderen Brennweitenklassen.

Deshalb sollte man diese Brennweitenklasse nicht zu Beginn kaufen, sondern bevorzugt im Bereich von 90 bis 105 mm Brennweite das passende Objektiv suchen. Sollte dann später der Hunger auf die lange Brennweite kommen, dann kann man sie sich auch noch zulegen. Die leichten Telemakros werden durch die „Großen Kanonen“ sicher nicht arbeitslos, was hauptsächlich mit der geringen Mobilität und Spontaneität der 200-mm-Makroobjektive zusammenhängt. Mit ihnen wird ausschließlich vom Stativ aus gearbeitet, wohingegen mit einem 105-mm-Makroobjektiv auch der Schuss aus der Hand möglich ist.

 
Größenvergleich gängiger Makroobjektive:

GrößenvergleichBilder



Im nächsten Teil der Tutorialserie dreht sich alles um Zubehör, wenn Ihnen die Möglichkeiten Ihres Objektivs nicht mehr ausreichen, Sie festen Stand für Ihre Kamera suchen und natürlich noch viel mehr.

 

Bilder
Zum Autor: Björn Langlotz, promovierter Naturwissenschaftler, ist Autor des Buchs 'Digitale Fotopraxis Makrofotografie' aus dem Galileo Verlag und ein bekannter Naturfotograf mit dem Schwerpunkt Makrofotografie. Regelmäßig erscheinen seine Texte und Bilder in internationalen Büchern und Zeitschriften. Darüber hinaus ist er Mitbegründer der Plattform Fototrainer4you, wo er Fotokurse für Makrofotografie in kleiner Gruppengröße sowie Einzeltrainings anbietet und Fotoreisen führt.

Kommentare
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Portrait von Figib
  • 29.01.2014 - 22:39

Vielen Dank für das Tutorial!

Portrait von HeinzGeorg
  • 19.12.2013 - 21:27

Klasse Beitrag.
Aber mit welcher Brennweite sollte man beginnen?
Oder sollte man nach und nach alle besitzen?

Portrait von MichaelZ
  • 29.07.2013 - 14:13

Nette Übersicht und Einführung. Vielleicht wäre für die Telemakros noch eine Angabe zum ungefähren Arbeitsabstand und zur Anwendung, z.B.Libellen auf Ansitz o.ä. ergänzenswert.

Portrait von atom29
  • 14.11.2012 - 20:00

Klasse geschrieben, erleichtert den Kauf und klärt vorher auf!

Portrait von martin_t
  • 03.01.2012 - 15:44

im Gesamtzusammenhang gutes Tutorial. teilweise etwas sehr an den Grundlagen.

Portrait von hamsibone
  • 06.08.2011 - 22:46

Vielen Dank für das Tutorial

Portrait von Schnuppi8480
  • 21.06.2011 - 09:04

danke ... sehr schön geworden ...

Portrait von doanwi
  • 17.08.2010 - 15:22

Der Bericht ist sehr informativ und m. E. "Hersteller-frei" geschrieben. Die abgebildete Hardware habe ich beim Lesen des Berichts als Beispiele und nicht als Gesamtpalette verstanden. Somit war ich erstaunt, dass man sich daran stoßen kann...

Portrait von Equinox
  • 09.07.2010 - 15:09

alles klar, sehr hilfreich!
werde auch mal ins Buch reinschauen

frage mich z.Z. noch, ob die SVA (1 Sekunde ist fest eingestellt, was anderes geht nicht) bei der Kamera, die ich plane zu erwerben, ausreicht...

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 27.03.2010 - 22:27

Danke für den Tipp nicht gleich mit dm schweren und großen 200er
einzusteigen.

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 11.01.2010 - 19:54

Für den Einstieg hervorragend gelungen und gut verständlich

Portrait von ferdl54
  • 09.12.2009 - 18:18

Sehr aufschlussreich und für mich als Anfänger sehr informativ.
Danke

Portrait von 2002opal
  • 01.10.2009 - 21:45

Super! Wie immer prima erklärt und visualisiert! Danke!

Portrait von maribor
  • 28.09.2009 - 15:37

echt gut !!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Portrait von Niobe
  • 27.09.2009 - 14:38

Danke für die Zusammenstellung - muss ich auch in Ruhe lesen.

Portrait von Bjoern_Langlotz
  • 15.09.2009 - 19:10

Hallo,
wie ich jetzt schon häufig geschrieben habe, geht es nicht darum hier eine Marktübersicht über Objektive oder Kameras zu geben. Daher kann das Tamron eben in keiner Auflistung fehlen - es existiert eine solche Liste nämlich gar nicht!
Es geht hier vielmehr darum die Zusammenhänge zu erläutern. Bei einer Marktübersicht wäre dieser Artikel nämlich sicher nächstes Jahr veraltet. Darüber hinaus schreibe ich persönlich nur über Dinge, die ich selbst ausprobiert habe. Ich hoffe, dass Ihr Verständnis dafür habt, dass ich eben nicht jedes Objektiv am Markt im Detail kennen.
Weg davon ist das Tamron in seiner aktuellen Ausführung aber tatsächlich ein sehr schönes Objektiv.

Portrait von Norexan
  • 15.09.2009 - 17:20

Sehr gut! Allerdings habe ich das Tamron 90mm in der auflistung vermisst ;)

Portrait von Bjoern_Langlotz
  • 15.09.2009 - 15:31

@Lokithe1st
Der Workshop bezeiht sich nciht auf eine Marke! Alles gesagte gilt natürlich auch für Objektive und Kameras von Canon, Sony, Pentax, Sigma, Tamron und was es sonst noch so gibt.
Wie ich schon weiter unten geschrieben habe, war es für mich einfacher Nikonbilder zu nehmen, da ich ersten schon dei Gehnemigung dafür hatte (die muss man nämlich jedes mal einholen...) und zweitens mich in derem Portfolio auskennen.
Grundsätzlich soll es hier nur darum gehen Klassen von z.B. Objektiven vorzustellen und keine Fabrikate im Einelnen.

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 15.09.2009 - 14:01

Sehr gut und leicht verständlich geschrieben.

Schade ist etwas das es sich hauptsächlich im Nikon Objektive und Kameras handelt. Das sollte man wenigstens auf die großen ausweiten. Also Canon, Sigma, Tamron evtl.

Aber in jedem Fall gute Arbeit und sehr nützlich.

Portrait von Grossonkel
  • 14.09.2009 - 23:47

Gut erklärt wieder was mitgenommen!

Gruß Thomas

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