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Tutorialbeschreibung

Nah- & Makrofotografie - Teil 04 - Die Schärfentiefe - mehr als nur Abblenden

Nah- & Makrofotografie - Teil 04 - Die Schärfentiefe - mehr als nur Abblenden

Die Schärfentiefe beschreibt den Bereich in einem Bild, der dem Betrachter unter üblichen Betrachtungsbedingungen scharf erscheint. Diese eigentlich sehr einfache Definition hat es jedoch in sich! Warum und warum die Schärfentiefe so wichtig in der Nah- & Makrofotografie ist, werden Sie im folgenden Tutorial erfahren.


Kleine MimoseBilder

Kleine Mimose
Dieser Blattwedel einer Mimose wurde in einem flachen Winkel fotografiert, um die Dreidimensionalität der Blätter zu zeigen. Dazu ist ein Verständnis des Zusammenspiels von Blende, Brennweite und Abbildungsmaßstab sehr hilfreich
Nikon D200 mit AF-D Micro-Nikkor f2.8 - Belichtungszeit 1/60 s - Blende 4.5


Die Schärfentiefe in der Nah- & Makrofotografie - mehr als nur Abblenden

Die Schärfentiefe beschreibt den Bereich in einem Bild, der dem Betrachter unter üblichen Betrachtungsbedingungen scharf erscheint. Diese eigentlich sehr einfache Definition hat es jedoch in sich! Warum, werden Sie im Folgenden erfahren, doch zunächst ein paar ganz grundlegende Überlegungen zur Verwendung der Blende, mit der der Fotograf die Schärfentiefe beeinflussen kann.

Jedes Objektiv besitzt eine Blende zur Regelung der Lichtmenge, die durch das Objektiv gelangt. Hierzu kommt ein Satz von Metalllamellen zum Einsatz, der eine kontinuierliche Veränderung der Öffnung, welche die hindurchtretende Lichtmenge bestimmt, erlaubt. Die Größe dieser Öffnung wird durch den sogenannten Blendenwert angegeben. Die Blendenwerte (2.0, 2.8. 4.0, ..., 11, 16, ...) geben dabei nicht den Durchmesser der Öffnung an, sondern das Verhältnis von Brennweite und Durchmesser der Öffnung. Die Schritte ihrer Abstufung entsprechen √2 = 1.414, was einer Halbierung der Öffnung entspricht. Die genormte Skala verwendet zur Vereinfachung gerundete Werte. Schließt man die Blende um eine Rastung bzw. einen vollen Blendenwert, so verdoppelt sich die Belichtungszeit für eine korrekte Belichtung – öffnet man sie um eine Rastung, halbiert sich die Belichtungszeit. Die Blende regelt jedoch nicht nur die Lichtmenge, die auf den Sensor fällt, sondern beeinflusst auch das spätere Bild.

Blatt mit RegentropfenBilder

Blatt mit Regentropfen
Auch bei dieser Aufnahme war die Schärfentiefe entscheidend für den Bildeindruck, da sie maßgeblich die Modellierung des dreidimensionalen Charakters des Blatts beeinflusst. Hier wurde daher so weit abgeblendet, dass der Hintergrund nicht zu deutlich und gleichzeitig das Blatt jedoch gut konturiert im Bild festgehalten wurde.
Nikon D200 mit AF-S VR Micro-Nikkor 105 mm f 2.8 - Belichtungszeit 1/40 s - Blende 13

left"

Die Blende und der Bildcharakter

Sicher wissen Sie aus der allgemeinen Fotografie, dass Sie mit der Blende den Charakter ein und desselben Motivs stark verändern können. Fotografieren Sie mit offener Blende, so ist der Hintergrund stark verschwommen und das Hauptobjekt setzt sich klar vom Rest des Bildes ab. Fotografieren Sie hingegen mit deutlich geschlossener Blende, treten Elemente im unscharfen Bereich des Bildes deutlicher hervor. Darüber hinaus nimmt der Bereich im Bild zu, in dem Motivteile scharf erscheinen. Durch das Abblenden hat sich die Schärfentiefe erhöht. Damit ist die Blende eine sehr wichtige Stellschraube für die Bildgestaltung! Doch was geht eigentlich genau beim Schließen der Blende vor sich und warum ändert sich der Hintergrund und der Bereich im Bild der scharf erscheint? Kann man überhaupt alle am Objektiv einstellbaren Blendenwerte sinnvoll verwenden? All diese Fragen sind natürlich bei jeder Art von Fotografie wichtig, doch gibt es in der Nah- & Makrofotografie einige Besonderheiten, die man wissen sollte.

Der Wellencharakter des Lichts

Beim Fokussieren ändern Sie durch das Drehen am Objektiv die Distanz zwischen den Linsen im Objektiv und der Sensor-Ebene. Dabei wird immer eine parallel zur Frontlinse des Objektivs befindliche Ebene scharf auf den Sensor der Kamera abgebildet. So bildet jeder Objektpunkt dieser Ebene einen Bildpunkt auf dem Film ab. Betrachtet man diesen Bildpunkt genau, so erkennt man, dass dieser Punkt eigentlich ein Kreis ist. Dies ist auf den Wellencharakter des Lichtes zurückzuführen und kann durch keine noch so gute Optik verhindert werden. Dies ist der sog. Beugungsfleck, der in der Wellenoptik Beugungsscheibchen (oder auch Airyscheibchen) genannt wird. Er gibt bei gegebener Brennweite und Blendenöffnung das kleinste noch differenzierbare Detail des Motivs im Bild wieder. Feinere Details können nicht mehr unterschieden werden. Vor und hinter dieser Bildebene nimmt die Größe dieses Kreises langsam zu, man nennt ihn in der Fotografie auch Streukreis:

left"

Abbildung durch ein ObjektivBilder

Bildpunkte werden durch ein Objektiv immer auf Beugungsscheibchen (in der Grafik durch die größeren Punkte auf der Sensorseite gekennzeichnet) abgebildet. Bildpunkte, die nicht auf dem Sensor fokussiert sind, werden als größere Streukreise abgebildet (hier hellblau dargestellt).

So weit, so gut. Doch was hat das nun mit der Schärfentiefe zu tun?

Unser Auge arbeitet ähnlich wie eine Digitalkamera. Eine Vielzahl lichtempfindlicher Zelle erkennen hell-dunkel und Farbwerte und senden diese Informationen an unser Gehirn. Aufgrund der endlichen Anzahl dieser Zellen hat auch unser Auge eine endliche Auflösung. Daher nehmen wir auch Kreise, die einen gewissen Durchmesser unterschreiten, nur als Punkte wahr. Solange also der Streukreis eine gewisse Größe nicht überschreitet, sieht das menschliche Auge ihn nur als Punkt. Das heißt, dass auch Punkte, die außerhalb der Bildebene liegen, von uns noch als scharf wahrgenommen werden können. Aber warum verändert nun die Blende die Schärfentiefe?

Durch die Blende wird die Breite des Strahlenbündels, das durch das Objektiv trifft, verringert. Damit geht die Verringerung des Winkels einher, unter dem die (gedachten) Randstrahlen auf den Film treffen. Schließt man die Blende, wird dieser Winkel kleiner. Dadurch werden auch die Streukreise kleiner. Die Streukreise, die beim Abblenden kleiner als die Auflösung unseres Auges werden, nehmen wir nun als Punkte wahr. Dies führt zur Zunahme der Schärfentiefe.

Die Zunahme der Schärfentiefe ist jedoch nicht der einzige Effekt. Da sich alle Streukreise verkleinern, wird auch die Abbildung in jenen Bereichen des Bildes verändert, die unscharf sind. Unschärfe kommt nämlich durch die Überlagerung von großen Streukreisen zustande. Werden diese nun beim Abblenden kleiner, aber nicht so klein, dass wir sie nur noch als Punkte wahrnehmen können, so werden Bildteile, die zuvor in der Unschärfe verborgen waren, deutlicher. Oft sagt man dazu „der Hintergrund wird schärfer“. Diese Ausdrucksweise ist etwas unglücklich, da ja keine Schärfe vorhanden ist. Besser ist es daher zu sagen, dass der Hintergrund bzw. Bildelemente „präsenter“ oder „deutlicher“ würden.

left"

Strahlengang bei abgeblendetem ObjektivBilder

Durch das Abblenden werden alle Streukreise kleiner - also auch jene, die das menschliche Auge immer noch als Kreis erkennt. Alle, die kleiner als das Auflösungsvermögen des Auges sind, sieht der Mensch als Punkt - also scharf - alle anderen erzeugen eine "präsentere" Unschärfe.

All dies war jetzt sicher sehr abstrakt. Daher gehen Sie jetzt am besten einmal raus und suchen sich ein Motiv vor einem ca. 1 m weit entfernten Hintergrund. Schießen Sie nun eine Bilderserie mit sukzessive weiter geschlossener Blende und analysieren Sie anschließend die Bilder. Betrachten Sie bitte zunächst alle Bilder in gleicher Größe bildschirmfüllend. Ich bin dazu in den Garten gegangen und habe eine Libelle auf einer Blüte fotografiert. Dabei war in ca. 3 cm Entfernung eine vertrocknete Blüte hinter dem Tier und der Rasen etwa 70 cm entfernt.

Bild 1: Blende 3,2Bilder

Das erste Bild wurde mit Blende 3,2 aufgenommen und besitzt einen schön homogenen Hintergrund.

2. Bild: Blende 5,6Bilder

Das zweite Bild wurde mit Blende 5,6 aufgenommen. Der Hintergrund wird schon langsamer präsenter, ohne vom Hauptmotiv zu sehr abzulenken. Die vertrocknete Blüte wirkt nun schon deutlich ablenkend.

3. Bild: Blende 11Bilder

Das dritte Bild wurde mit Blende 11 aufgenommen. Der Hintergrund ist nun sehr präsent und lenkt ganz deutlich vom Hauptmotiv ab. Scharf ist er jedoch nicht. Die vertrocknete Blüte ist auch noch nicht scharf, aber man erkennt schon viele Details.

4. Bild: Blende 16Bilder

Dieses Bild wurde bei Blende 16 aufgenommen. Nun ist die vertrocknete Blüte praktisch scharf. Der Hintergrund aber so dominant, dass er das Hauptmotiv kaputt macht.

5. Bild: Blende 32Bilder

Blende 32 - das Maximum des Objektivs. Über die Bildgestaltung möchte ich nun keine Worte mehr verlieren, da die so stark geschlossene Blende alles zunichte gemacht hat. In Erinnerung sollte jedoch bleiben, dass der Hintergrund nicht scharf ist.

Fazit:

Ich hoffe, Sie haben ebenfalls ein geeignetes Motiv gefunden und konnten selbst ausprobieren, was Sie hier sehen. Falls Sie kein Motiv gefunden oder direkt weitergelesen haben, holen Sie diesen kleinen Test bitte nach, damit Sie ein Gefühl für die Schärfentiefe erhalten.  Anhand dieses Beispiels wird klar, dass die Schärfentiefe selbst relativ gering ist und ein zu weites Schließen der Blende den Hintergrund zu dominant macht.

Nun nochmals richtigBilder

Blutrote Heidelibelle
Nun aber nochmals richtig. Die vertrocknete Blüte in obiger Blendenserie war für das Beispiel sehr willkommen, aber aus bildgestalterischer Sicht nun wirklich nicht sehr gut. Daher veränderte ich den Bildausschnitt ein wenig und erhielt dadurch ein sehr schönes Bild der Blutroten Heidelibelle (Sympetrum sanguineum).
Nikon D200 mit AF-S VR Nikkor 105 mm f2.8 - Belichtungszeit 1/250 s - Blende 5.6


Die Schärfentiefe in Zahlen

Doch wie groß darf nun der Streukreis werden, damit unser Auge ihn noch als Punkt wahrnimmt? Hierzu ist es nötig festzustellen oder auch festzulegen, wie hoch die Auflösung des menschlichen Auges ist. Verschiedenen medizinischen Studien zufolge hat das menschliche Auge eine Auflösung von etwas mehr als einer Bogenminute. Dies bedeutet also, dass je nach Betrachtungsabstand unser Auge Kreise als Punkte wahrnimmt oder als Kreise. Um aus diesem Dilemma herauszukommen und einen Durchmesser angeben zu können, wurde der „übliche Betrachtungsabstand“ definiert. Er beträgt exakt die Länge der Bilddiagonalen. Dieser Wert mag zwar bei einem APS-C oder Vollformatsensor eher unglücklich sein, da man in einem Abstand von wenigen Zentimetern nicht scharf sehen kann, doch bei einem großen Bild ist der übliche Betrachtungsabstand meist recht zutreffend. Unter der Voraussetzung, dass also das spätere Bild unter dem „üblichen Betrachtungsabstand“ angeschaut wird, kann man ihn also auch für die Größe des Sensors als Bezugsgröße verwenden. Bei Einhaltung dieses Betrachtungsabstands ist ein Fleck gerade noch ein Punkt, wenn er 1/1500 der Diagonalen groß ist. Umgerechnet auf das Kleinbildformat darf der Streukreis unter Verwendung dieser Voraussetzungen nicht größer als 0.029 mm werden. Für das beliebte DX Format (Sony, Pentax, Nikon u.v.m.), wie es in vielen digitalen Spiegelreflexkameras verwendet wird, errechnet sich dieser Wert zu 0.019. Sie sehen also, die Durchmesser der Grenz-Streukreise sind sehr klein und hängen vom Format der Kamera ab. Somit ergeben sich je nach Kamera unterschiedliche Schärfentiefen bei sonst gleichen Rahmenbedingungen.

Je näher man fokussiert, desto geringer wird die Schärfentiefe. Dies macht sich besonders in der Makrofotografie bemerkbar, sodass es Sinn macht, sich einmal zu überlegen, wie weit man für eine bestimmte Schärfentiefe abblenden muss. Anhand der Abbildung 3 kann man mit Hilfe der Strahlensätze einen Ausdruck für die Schärfentiefe errechnen:

Ausdruck für die SchärfentiefeBilder

mit:
df: Entfernung des Fernpunkts der Schärfentiefenzone zur Linse
dn: Entfernung des Nahpunkts der Schärfentiefenzone zur Linse,
df - dn: Ausdehnung der Schärfentiefe
f: Brennweite
m: Abbildungsmaßstab
k: Blende
s: Streukreisdurchmesser

Diese Formel enthält die Brennweite und den Abbildungsmaßstab. Da im Makrobereich der Abbildungsmaßstab jedoch groß gegenüber dem Ausdruck

Ausdruck für die SchärfentiefeBilder

wird, vereinfacht sich die Formel für die Schärfentiefe und die Brennweite fällt weg:

Ausdruck für die SchärfentiefeBilder

Um es kurz zu machen. Obige Formeln braucht man nicht zu kennen, aber ihre Quintessenz:

Im Makrobereich ist die Schärfentiefe unabhängig von der Brennweite und die Schärfentiefe ist vor und hinter der Fokus-Ebene identisch.

Doch Vorsicht: das gilt natürlich nur dann, wenn das Motiv relativ nahe ist und der Abbildungsmaßstab damit groß. Für den Hintergrund gilt diese Regel nicht und somit merkt man am unscharfen Hintergrund den Brennweiteneinfluss schon. Folgende beiden Bilder zeigen dies:

Ringelschwanzagame mit Brennweite 28Bilder

Dieses Bild einer Ringelschwanzagame aus der Pilbara in Australien wurde mit 28 mm Brennweite aufgenommen.

Dieses Bild wurde mit Brennweite 55 mm aufgenommen.Bilder

Zum Vergleich: dieses Bild wurde mit 55 mm Brennweite aufgenommen und besitzt daher einen wesentlich ruhigeren Hintergrund, da längere Brennweiten eine geringe Schärfentiefe besitzen und die Perspektive stärker raffen als Weitwinkelobjektive.

Die Beugung

Es liegt nun die Frage nahe, ob man nicht einfach immer die Blende soweit wie möglich schließen sollte, da dies zu einer immer größeren Ausdehnung der Schärfentiefe führen sollte. Neben gestalterischen Aspekten wie z.B. dem Wunsch nach einem unscharfen Hintergrund gibt es auch ein physikalisches Argument gegen zu große Blendenzahlen: Das Phänomen der Beugung. Sie hat ihre Ursache in der Wellennatur des Lichts und führt dazu, dass auch bei einem „perfekten“ Objektiv eine Punktlichtquelle nicht auf einen echten Punkt abgebildet wird, sondern auf dem Beugungsscheibchen (oder auch Airyscheibchen). Diese Erscheinung ist von der Wellenlänge des Lichtes abhängig. Dies ist jedoch kein großes Problem, da der Wellenlängenbereich des sichtbaren Lichtes relativ beschränkt ist und so als quasi konstant angesehen werden kann.

Die Beugung führt dazu, dass das Beugungsscheibchen mit zunehmender Blende (kleinerer Blendenöffnung) größer wird. Sobald es die Größe des Zerstreuungskreises erreicht, tritt Beugungsunschärfe ein! Dieser Übergang ist schleichend und unterscheidet sich ein wenig von Objektiv zu Objektiv. Somit wird deutlich, weshalb man mit einer Digitalkamera, die einen kleineren Zerstreuungskreis besitzt als eine Vollformatkamera, von allzu starkem Abblenden absehen sollte. Folgende beiden Ausschnitte verdeutlichen an einem Extrembeispiel die beugungsinduzierte Unschärfe:

left"

Ausschnitt bei Blende 16Bilder
Ausschnitt bei Blende 32Bilder

Diese beiden Aufnahmen sind Ausschnitte bei 100 % Vergrößerung (1 Pixel auf dem Monitor entspricht einem Pixel des Sensors).
Links bei Blende 16. Das Bild ist scharf und man kann sogar die Interferenzen zwischen dem Bayer-Filter des Sensors und den Facetten im Auge der Libelle erkennen.
Rechts: Das gleiche Motiv aufgenommen bei Blende 32. Um es gleich vorwegzunehmen: Nein das Bild ist weder verwackelt noch defokussiert! So stark kann im Extremfall beugungsinduzierte Unschärfe sein, wenn man zu weit abblendet.

Kleine Merkhilfe für unterwegs

Folgende Tabellen enthalten einige wichtige Werte, die unter Berücksichtigung der für uns wichtigen Beugung errechnet wurden. Die Blendenangaben beziehen sich dabei auf die nominale Blende und nicht auf die effektive Blende! Objektive wie das AF-S VR Micro-Nikkor 105 mm von Nikon, die dem Fotografen die effektive Blende mitteilen, sind daher nicht mit Schärfentiefentabellen verwendbar.

Schade! Nein, nicht wirklich. Bei solchen Objektiven braucht man nämlich eine solche Tabelle gar nicht. Für sie gilt:

Bis zu einer effektiven Blende von 22 tritt keine Beugung bei einer Kamera mit einem Sensor im (ca.) APS-C Format ein.left"

und

Bis zu einer effektiven Blende von 32 tritt keine Beugung bei einer Kamera mit einem Vollformatsensor ein.

Zwar kann man so die tatsächliche Schärfentiefe nicht so einfach berechnen, aber Hand aufs Herz: Wer stellt die Blende regelmäßig schon nach der exakten Ausdehnung der Schärfentiefe in Millimeter ein? Die Schärfentiefe ist und bleibt auch ein Gestaltungsmerkmal und ist damit auch Geschmackssache. Auch für Objektive, die die effektive Blende übertragen, kann man natürlich die exakte Schärfentiefe berechnen, indem man den Verlängerungsfaktor der Belichtung berücksichtigt. In Zeiten der innenfokussierten Objektive ist dies jedoch nicht ganz trivial! Insbesondere, da ich zwar einerseits denke, dass es nicht schadet, mal etwas über die Schärfentiefe zu erfahren, aber andererseits meine, dass die Fotografie zum Fotografieren da ist, habe ich hier auf dieses "wilde" Herumrechnen verzichtet.

Unten stehende Werte können nicht mit den „einfachen“ Formeln ausgerechnet werden! Grundsätzlich liegen die so errechneten Schärfentiefen unterhalb derer, die man durch die einfache Formel weiter oben erhält. Alle Werte, die durch ein „B“ ersetzt wurden, geben an, dass bei dieser Blende das Beugungsscheibchen größer als der Streukreis wird, was zu einer Abnahme der Gesamtschärfe führt. Da der Effekt schleichend ist, werden meist noch mit den ersten Blenden, die in den Tabellen mit „B“ gekennzeichnet sind, gute Ergebnisse erreicht. Bei den höheren Blenden wird der Effekt jedoch sehr deutlich.

An dieser Stelle ist noch darauf hinzuweisen, dass sich die Schärfentiefe aufgrund der Beugung, kurz bevor vollständige Beugung eintritt, vermeintlich wieder kleiner wird. Dies ist auf zwei gegenläufige Effekte zurückzuführen. Zum einen erhöht sich die Schärfentiefe durch das Abblenden. Zum anderen erhöht sich jedoch die Beugung ebenfalls in der gleichen Richtung.

Tabelle 1: Schärfentiefe für eine Digitalkamera mit Sensor im DX Format (Faktor 1.5)

Abbildungsmaßstab

Schärfentiefe in mm

 

1:2.8

1:4

1:5.6

1:8

1:11

1:16

1:22

1:32

1:10

11.6

16.5

22.9

31.8

41.9

52.0

49.70

B

1:5

3.17

4.5

6.24

8.66

11.0

13.3

8.03

B

1:4

2.12

3.0

4.11

5.65

7.36

8.87

5.35

B

1:3

1,27

1.78

2.46

3.39

4.27

4.93

B

B

1:2

0.63

0.89

1.21

1.65

2.05

1.97

B

B

1:1

0.21

0.29

0.40

0.50

0.51

B

B

B

2:1

0.08

0.10

0.13

0.12

B

B

B

B

5:1

0.0

0.02

B

B

B

B

B

B

Tabelle 1: Schärfentiefe für eine Vollformatkamera

Abbildungsmaßstab

Schärfentiefe in mm

 

1:2.8

1:4

1:5.6

1:8

1:11

1:16

1:22

1:32

1:10

18.4

26.3

36.7

51.8

70.3

97.5

124.4

137.7

1:5

5.03

7.17

9.99

14.1

18.9

26.0

31.8

28.8

1:4

3.35

4.8

6.30

9.34

12.6

17.3

21.2

16.8

1:3

2.01

2.86

3.98

5.60

7.47

10.2

11.8

8.28

1:2

1.0

1.43

1.98

2.78

3.69

4.87

5.39

B

1:1

0.33

0.47

0.65

0.89

1.14

1.37

0.68

B

2:1

0.12

0.17

0.23

0.31

0.34

B

B

B

5:1

0.04

0.05

0.06

B

B

B

B

B

Nachdem Sie sich nun sehr detailliert mit der Schärfentiefe auseinandergesetzt haben, sollten wir nicht aus dem Auge verlieren, dass wir bisher rein theoretische Berechnungen vorgenommen haben und das Objektiv und seine Konstruktion nicht berücksichtigt haben. Dennoch geben uns die beiden Tabellen einen guten Eindruck, welche Blende noch sinnvoll eingesetzt werden kann. Wenn Sie sichergehen möchten, sollten Sie nicht bis zur letzten Blende ohne Beugung in der Tabelle abblenden, sondern schon einen Blendenwert vorher aufhören. Dies reicht bei guten Objektiven normalerweise aus.
In nächsten Tutorial dreht sich dann alles darum, wie man die Beugung überlisten kann und zu praktisch unendlicher Schärfentiefe mit normalen Objektiven kommen kann.



Bilder

Zum Autor:
Björn Langlotz, promovierter Naturwissenschaftler, ist Autor des Buchs 'Digitale Fotopraxis Makrofotografie' aus dem Galileo Verlag und ein bekannter Naturfotograf mit dem Schwerpunkt Makrofotografie. Regelmäßig erscheinen seine Texte und Bilder in internationalen Büchern und Zeitschriften. Darüber hinaus ist er Mitbegründer der Plattform Fototrainer4you, wo er Fotokurse für Makrofotografie in kleiner Gruppengröße sowie Einzeltrainings anbietet und Fotoreisen führt.


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Kommentare
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Portrait von Figib
  • 29.01.2014 - 22:39

Vielen Dank für das Tutorial!

Portrait von Brook_Falls
  • 08.08.2013 - 19:08

Tolles Tutorial, sehr hilfreich für Anfänger in der Makrofotografie. Vielen Dank. Wird probiert.

Portrait von markus8845
  • 20.03.2013 - 12:35

super info sehr gut für anfänger mit tollen bildern.

Portrait von robert3
  • 20.02.2013 - 18:48

Sehr informativ und interessant.

Portrait von atom29
  • 08.11.2012 - 12:36

guter Einblick in den allgemeinen Umgang mit der Schärfentiefe sowie die spezielle Anwengung im Makrobereich!

Portrait von BodomNighty
  • 25.10.2012 - 20:07

Schönes Tutorial, hab mir nur wiedermal ein bisschen mehr erwartet, als rine Einführung.
Super finde ich, dass neben einer Übung und vielen Beispielen Erklärungen nicht zu kurz kommen.

Portrait von karchinger
  • 06.09.2012 - 16:08

erste sahne, hilft dem anfänger wirklich weiter

Portrait von Porschesuper319
  • 25.05.2012 - 22:11

Super erklärt! Vielen Dank! Konnte schon Super Ergebnisse erziehlen! Mit diesem Tutorial wird ein gutes hintergrundwissen vermittelt!

Portrait von hamsibone
  • 06.08.2011 - 22:45

Vielen Dank für das Tutorial

Portrait von Etheria
  • 22.07.2011 - 08:04

Danke, sehr gut erklärt. Werde es gleich mal ausprobieren!

Portrait von dianab
  • 30.06.2011 - 10:24

super und sehr schön erklärt. Danke

Portrait von Schnuppi8480
  • 21.06.2011 - 09:06

super ... sehr schön erklärt ...

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 08.04.2011 - 15:42

DANKE - wie immer gut -- sehr ausführlich erklärt!

Portrait von wir697296
  • 09.12.2010 - 09:11

Klasse - vielen vielen Dank

Portrait von imcapples
  • 09.08.2010 - 17:28

Sehr interessantes Tutorial mit guten Erklärungen.

Portrait von motani
  • 09.07.2010 - 19:11

sehr interessanter Beitrag und prima Erläuterungen

Portrait von bearli
  • 12.06.2010 - 15:39

sehr gut, sehr ausführlich

Portrait von gama_d300
  • 09.04.2010 - 20:24

Gut und genau erklärt und dabei nicht zu trocken geworden.

Portrait von n0zem
  • 14.02.2010 - 21:15

Sehr hilfreich hatte noch nie von beugungsunscharfe gehört aber es erklart einige nicht gelungene foto's

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 20.01.2010 - 14:25

ich liebe die technischen Erläuterunngen eigentlich überhaupt nicht, trotzdem habe ich es ibis zum Ende durchgelesen und es war auch für einen Techikmuffel leicht zu verstehen,

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