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Tutorialbeschreibung

Nah- & Makrofotografie - Teil 07 - Lichtführung: Motive mit Sonnenlicht in Szene setzen

Nah- & Makrofotografie - Teil 07 - Lichtführung: Motive mit Sonnenlicht in Szene setzen

Ein gutes Foto zeichnet sich nicht nur durch eine präzise Belichtung und Scharfeinstellung aus, sondern auch durch eine bleibende Bildaussage. Aufgabe der Bildgestaltung ist es, diese Bildaussage zu unterstützen und gar erst zu erzeugen. Ein sehr wichtiges Mittel der Bildgestaltung ist die Lichtführung, da mit ihr besondere Stimmungen erzeugt werden können. Dieses Tutorials befasst sich zunächst mit der Lichtführung von Umgebungslicht und führt in dieses doch relativ technische Gebiet ein.



 Bilder

Goldene Blüte
Diese Blüte wurde von unten gegen den Himmel freigestellt. Damit die Unterseite der Blüte nicht im Schatten liegt, wurde mit einem Reflektor aufgehellt.
Nikon D200 mit 
AF-S VR Micro-Nikkor 105 mm f 2.8 - Belichtungszeit 1/90 s - Blende 8


Lichtführung – Motive mit Sonnenlicht in Szene setzen

Einige generelle Überlegungen

Ein gutes Foto zeichnet sich nicht nur durch eine präzise Belichtung und Scharfeinstellung aus, sondern auch durch eine bleibende Bildaussage. Aufgabe der Bildgestaltung ist es, diese Bildaussage zu unterstützen und gar erst zu erzeugen. Ein sehr wichtiges Mittel der Bildgestaltung ist die Lichtführung, da mit ihr besondere Stimmungen erzeugt werden können. Andererseits ist die Lichtführung eine relativ technische Problematik, weshalb man sie auch zur Aufnahmetechnik zählen kann. Wie dem auch sei! Was zählt, ist am Ende natürlich das Bild.

In den folgenden Tutorials wird Schritt für Schritt die Lichtführung mit unterschiedlichen Lichtquellen und unterschiedlichem Aufwand erklärt. Denn eines ist (für mich) ganz klar: Nicht immer ist es sinnvoll, ein Motiv mit riesigem Aufwand fotografisch umzusetzen, denn oft kann mit einfachen Mittel eine ähnlich gute Ausleuchtung erzeugt werden, ohne dass gleich ein Generator für Baustrahler notwendig wird.

In diesem Tutorial geht es zunächst um die Beleuchtung mit Umgebungslicht.

Die Eigenschaften des Umgebungslichts

Sehr häufig bedienen wir uns des natürlichen Umgebungslichtes als Beleuchtung, also der Sonne. Einer der wichtigsten Vorteile der Sonne ist ihre Verfügbarkeit. Praktisch immer können wir auf sie als Lichtquelle zurückgreifen. Darüber hinaus wirken Bilder, die mit Umgebungslicht aufgenommen wurden, für die meisten Betrachter natürlich, einfach weil wir dieses Licht gewohnt sind. All dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Sonne keine ideale Beleuchtung für die Fotografie ist! Gerade das Sonnenlicht neigt zu einer sehr großen Bandbreite an Eigenschaften, die sich je nach Tageszeit und Wetter erheblich verändern können.

Die Farbtemperatur

Eine der wichtigsten Eigenschaften des Lichtes ist seine Farbtemperatur, die angibt, ob das Licht eher orange oder bläulich ist. So ist nicht nur die Farbtemperatur einer Glühbirne geringer als die des Sonnenlichtes am Mittag, sondern selbst das Sonnenlicht verändert seine Farbtemperatur je nach Tageszeit und Wetter. So hat das Sonnenlicht am Morgen und Abend einen wärmeren Farbton (mehr Rotanteil) als am Mittag.

Bilder

Die Farbtemperaturen des Lichts zu verschiedenen Tageszeiten.

Auch die Nah- und Makrofotografie ist von diesen Veränderungen betroffen. Doch noch viel wichtiger als die Veränderung der Farbtemperatur des Umgebungslichtes, das durch Filter oder den Weißabgleich der Digitalkamera ausgeglichen werden kann, ist die Richtung des Lichteinfalls. So ist es immer wieder nötig, den Standort um ein Motiv zu verändern, um die gewünschte Wirkung im Bild zu erreichen. Leider ist nicht immer die Blickrichtung mit dem optimalen Licht auf das Motiv die aus fotografischer Sicht beste.

Der Charakter des Lichts

Doch nicht nur die Farbe des Lichtes ändert sich mit der Tageszeit oder dem Wetter, auch der Charakter des Lichtes ist variabel. So ist die Beleuchtung bei stark bedecktem Himmel im Allgemeinen sehr diffus. Die Folge sind Aufnahmen ohne Schatten. Doch das Fehlen von Lichtakzenten macht solche Bilder leicht langweilig. Die pralle Mittagssonne hingegen erzeugt harte Schatten, die uns zwar durch unsere tägliche Wahrnehmung vertraut sind, aber durch den beschränkten Kontrastumfang des Filmes oder des Bildchips nicht wiedergegeben werden können. Auf der anderen Seite ist ein zu niedriger Sonnenstand in der Nah- und Makrofotografie ebenfalls nicht vorteilhaft, da sich die Motive sehr häufig nah am Boden befinden. Bei niedrigem Sonnenstand entstehen so viele Schatten, die beispielsweise von Grashalmen herrühren können. In der Nah- & Makrofotografie kommt also dem Licht und seiner Beeinflussung eine zentrale Bedeutung zu.

Bilder

Im Schatten
Bei stark bewölktem Himmel kann es leicht passieren, dass selbst ein attraktives Motiv wie diese gelbe Tulpe in einem roten Tulpenbeet eher langweilig wird.
Nikon D3 mit AF-S VR Micro-Nikkor 105 mm f 2.8 - Belichtungszeit 1/1000 s - Blende 3,2

Den Lichtcharakter von Umgebungslicht beeinflussen

Der Reflektor

Ein wichtiger Aspekt ist die Auswahl der Tageszeit, zu der fotografiert wird, um die passenden Hilfsmittel zur Beeinflussung des Lichts auszuwählen. Meist kann bei Umgebungslicht mit Reflektoren gearbeitet werden, sofern nicht genau am Mittag fotografiert wird. Zwar kann die (Haupt-) Lichtrichtung durch einen Reflektor nicht beeinflusst werden, doch kann die Intensität und Härte von Schatten stark beeinflusst werden. Als Reflektoren bietet sich bei kleinen Motiven ein einfacher weißer Karton an. Er streut das Licht diffus. Dies führt zu Schatten mit weichen Übergängen. Je nach Geschmack kann der Karton auch mit Alufolie oder Goldfolie überzogen werden. Dabei sollte es übrigens vermieden werden, die Folien zu zerknittern, wie häufig empfohlen wird. Eine „zerknitterte“ Folie erzeugt häufig kleine Reflexe auf dem Motiv, was unschön aussieht. Besser ist es, die glänzende Seite der Alufolie aufzukleben und mit der matten Seite das Licht zu reflektieren. Beide Varianten reflektieren mehr Licht als der unbeklebte Karton und eignen sich damit besonders für helle Situationen, bei denen der einfache Karton nicht hilft. Die Kartonreflektoren können nach meiner Erfahrung bis zu einer Größe von DIN A4 gut verwendet werden. Darüber hinaus werden sie zu instabil und einfach zu groß, wenn damit außerhalb eines Studios gearbeitet werden soll.

Bilder

Selbst gebasteltes Reflektor-Set.

Bei Motiven mit einer Größe von ca. 20 cm werden jedoch größere Reflektoren verwendet, um eine weichere Ausleuchtung zu erreichen. In solchen Fällen verwende ich Reflektoren aus der Portraitfotografie. Hier bieten sich die kleineren Modelle an (meist ca. 50 bis 60 cm Durchmesser), da ihr Packmaß so klein ist, dass sie problemlos in jede Fototasche passen. Normalerweise werden diese Reflektoren mit Überzügen in Silber, Gold und Weiß geliefert. Je nach Geschmack und Motiv können mit den Überzügen verschiedene Farbstimmungen erzeugt werden. Gold erzeugt meist warme Farbtöne, was bei Umgebungslicht die beste Variante ist, wenn der kühle Lichtcharakter der Silberfolie gewünscht wird.

Die Positionierung des Reflektors

Die Position des Reflektors gegenüber dem Motiv hängt entscheidend von der Position der Sonne ab. Scheint die Sonne von der Seite, so positionieren Sie Ihren Reflektor auf der anderen Seite neben der Kamera und stellen ihn so ein, dass mögliche Schatten abgemildert werden. Wenn Sie durch den Sucher Ihrer Kamera blicken, können Sie die richtige Stellung erkennen, wenn Ihr Hauptobjekt durch die Lichtstrahlen des Reflektors aufgehellt wird. Fotografieren Sie hingegen in einer Gegenlichtposition, ist die richtige Positionierung des Reflektors noch stärker von der Stellung der Sonne abhängig. Experimentieren Sie zunächst mit der Position des Reflektors links oder rechts von der Kamera und modellieren Sie das Licht so, dass es zu Ihrem Motiv passt. Die Position über der Kamera sollten Sie hingegen vermeiden oder nur sehr dosiert einsetzen, da hier die Gefahr von Schatten, die von oben nach unten durch das Bild laufen, besonders groß ist.
Folgende Bilder illustrieren die Wirkung eines Reflektors und erklären seine Position.

Bilder

Dieses Bild wurde ohne Reflektor aufgenommen.

Bilder

Ganz schön spitz!
Dieser Dornteufel, eine australische Echse, saß auf der Sandpiste und ließ sich bereitwillig fotografieren, sodass selbst diese Aufnahme möglich wurde. Die Tier ist übrigens etwa 15 cm lang. Zur Abmilderung des Schattens am Kopf (siehe erstes Bild) wurde ein Reflektor eingesetzt.
Nikon D200 mit AF-S VR Micro-Nikkor 105 mm f 2.8 - Belichtungszeit 1/125 s - Blende 5,6

Bilder

Die Position des Reflektors. 

Der Diffusor

Reflektoren können immer dann eingesetzt werden, wenn die Schatten in eine Richtung weisen, aus der mit einem Reflektor aufgehellt werden kann. Besonders mittags bei hohem Sonnenstand ist dies jedoch nicht einfach, da der Reflektor dann von unten aufhellen muss. Selbst wenn eine solche Position möglich ist, sieht das Ergebnis häufig etwas unnatürlich aus.

Folgende Bilder illustrieren diese Problematik:

Bilder

Diese Aufnahme einer Rose gegen den Himmel zeigt sehr schön den seidigen Charakter der Blütenblätter. Nichtsdestotrotz könnte die Blüte von unten leicht aufgehellt werden.

Bilder

Diese Aufnahme wurde mit Reflektor (Gold-Silber gemustert für eine natürliche Farbtemperatur) von unten aufgehellt. Aufgrund der starken Reflexion geht der seidige Charakter der Blütenblätter verloren, da der Durchlichtcharakter verlorengegangen ist. Hier kann eine schwächer reflektierende Beschichtung des Reflektors helfen.

Darüber hinaus ist insbesondere bei sehr klarem Wetter das direkte Sonnenlicht sehr hart. Beide Probleme können mit einem Diffusor vermieden werden: Der Diffusor wird zwischen Sonne und Motiv positioniert und hält das direkte Sonnenlicht ab. Dadurch verschwinden sowohl harte Schatten als auch das harte Sonnenlicht. Der Preis ist jedoch ein Lichtverlust, der jedoch meist in Kauf genommen werden kann, wenn man vom Stativ aus arbeitet. Als Diffusor kommen entweder spezielle Produkte aus dem Zubehörbereich in Frage, die meist als Kombiprodukte „in“ einem Reflektor enthalten sind (oft handelt es sich nämlich bei Portraitreflektoren um Diffusoren mit Reflektorhüllen). Aber auch dünner Stoff hilft ungemein. Bei sehr kleinen Motiven kann sogar ein Papiertaschentuch verwendet werden. 

Folgende beiden Bilder zeigen die Wirkung eines Diffusors bei hartem Sonnenlicht:

Bilder

Diese Aufnahme entstand bei hartem Sonnenlicht. Die Flügel des Schmetterlings sehen aufgrund der Reflexion auf den Flügeln nicht sehr leuchtend aus.

Bilder

Leuchtende Farben
Bei dieser Aufnahme wurde zwischen Sonne und Schmetterling ein Diffusor positioniert. Dies führt zu weichen Schatten (siehe unterer Flügel) und "saftigen" Farben.
Nikon D3x mit mit AF-D Micro-Nikkor 60 mm f 2.8 - Belichtungszeit 1/320 s - Blende 4,5

Natürlich können die beiden Möglichkeiten, das Sonnenlicht zu beeinflussen, auch kombiniert werden! Beide Maßnahmen zielen darauf ab, hartes Sonnenlicht an einem klaren Tag in weiches Licht zu verwandeln, wie es an einem Tag mit schwacher Schleierbewölkung vorhanden ist. Doch selbst an solchen Tagen mit schon sehr gutem Licht hilft ein Reflektor häufig weiter, um Lichtakzente zur Betonung zu liefern. Alles in allem ist daher der beste Rat: experimentieren!

Bilder

Blick in die Ferne
Diese Narzisse wurde von schräg unten aufgenommen und so in der rechten Bildseite positioniert, dass sich die Blüte in die Ferne öffnet.
Nikon D3 mit AF-D Micro-Zoom-Nikkor 70-180 mm f 4.5-5,6 - Belichtungszeit 1/200 s - Blende 14

 


Bilder
Zum Autor:
Björn Langlotz, promovierter Naturwissenschaftler, ist Autor des Buchs 'Digitale Fotopraxis Makrofotografie' aus dem Galileo Verlag und ein bekannter Naturfotograf mit dem Schwerpunkt Makrofotografie. Regelmäßig erscheinen seine Texte und Bilder in internationalen Büchern und Zeitschriften. Darüber hinaus ist er Mitbegründer der Plattform Fototrainer4you, wo er Fotokurse für Makrofotografie in kleiner Gruppengröße sowie Einzeltrainings anbietet und Fotoreisen führt.

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Kommentare
Portrait von Figib
  • 29.01.2014- 22:48

Vielen Dank für das Tutorial!

Portrait von Julichen
  • 17.12.2013- 10:14

wirklich hilfreich! Vielen Dank

Portrait von Raeuberface
  • 18.08.2013- 16:37

Vielen Dank. Echt super Danke!

Portrait von Raeuberface
  • 17.08.2013- 13:14

guter Beitrag, werde die Tipps beherzigen. danke

Portrait von robert3
  • 20.02.2013- 18:47

Sehr gelungen. Hier werden tollte Tipps gegeben.

Portrait von Eaquendija
  • 18.01.2013- 18:31

Vielen Dank! Tolles Tutorial!

Portrait von karchinger
  • 06.09.2012- 16:10

erste sahne, hilft dem anfänger wirklich weiter

Portrait von karchinger
  • 06.09.2012- 16:09

erste sahne, hilft dem anfänger wirklich weiter

Portrait von karchinger
  • 06.09.2012- 16:09

erste sahne, hilft dem anfänger wirklich weiter

Portrait von odessa
  • 11.07.2012- 18:59

Sehr gut beschrieben, liebe Macrofotografie, werde es ausprobieren und mir ein paar Reflekroren bauen. Insgesamt klasse!! Danke!

Portrait von Nicole_H
  • 26.06.2012- 08:15

Der Einsatz von Reflektoren ist gut erklärt und macht Lust auf´s ausprobieren!

Portrait von littlepinkcakes
Portrait von Sakartvelos
  • 05.10.2011- 13:09

vielen dank für dieses tolle tutorial°!

Portrait von Krestan
  • 12.08.2011- 11:39

Danke
Schöne Bilder, gut gemacht.

Grüsse Markus

Portrait von hamsibone
  • 06.08.2011- 22:38

Vielen Dank für das Tutorial

Portrait von Schnuppi8480
  • 21.06.2011- 09:13

gefällt mir sehr gut ... danke ...

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 28.03.2011- 18:19

Diese tollen Tipps, sind auch gut zum weiterempfehlen, Bastel-Tipps usw. alles vorhanden. Tolle Anregungen zum ausprobieren.

Portrait von Waldrand
  • 08.01.2011- 18:30

Sehr guter Beitrag, werde die Tipps beherzigen. danke

Portrait von wir697296
  • 09.12.2010- 09:27

echt Klasse - vielen Dank

Portrait von rabenau
  • 03.07.2010- 21:40

Wirklich gutes Tutorial mit guten Beispielfotos



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