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Tutorialbeschreibung

Nah- & Makrofotografie - Teil 10 - Lichtführung im Makro-Studio

Nah- & Makrofotografie - Teil 10 - Lichtführung im Makro-Studio

Ein großes Gebiet der Makrofotografie ist die Natur. Dennoch sind Motive aus der Natur nicht alles! Dieses Tutorial gibt eine Einführung in die Lichtführung im Makrostudio, weist auf den Einfluss unterschiedlicher Lichtquellen hin und zeigt Ihnen, dass Studio und Natur sich nicht ausschließen müssen!

 



Kleines Entchen ganz großBilder

Kleines Entchen ganz groß
Diese Quietscheente ist das ideale Motiv, um die Lichtführung im Studio zu erklären. Doch bis sie so da steht wie hier, ist ein weiter Weg zu gehen.
Nikon D3x mit AF-S VR Micro-Nikkor 105 mm f2.8G | Belichtungszeit 1/40 s | Blende 5,6


Lichtführung im Makro-Studio

Allgemeines

Die Fotografie im Makrostudio folgt im Wesentlichen den gleichen Gesetzen und Unwägbarkeiten wie die Makrofotografie im Freien. Der wichtigste Unterschied ist jedoch die Kontrollierbarkeit aller nötigen Parameter wie Beleuchtung, Blickwinkel u.v.m. Nicht zu vernachlässigen ist meist auch der geringere Zeitdruck, da die meisten Motive nicht durch Wind, Wetter oder bei Tieren ihre eigenen Bedürfnisse beeinflusst werden. Dies bedeutet im Gegenzug, dass Schwächen in Bildkomposition und technischer Ausführung wesentlich weniger tolerabel sind.
Doch was ist eigentlich ein Makrostudio? Für mich ist ein Makrostudio einfach alles, was ich verwenden kann, um ein Motiv - z.B. ein Produkt - in Szene zu setzen. Dazu gehört also eine geeignete Unterlage, eine Beleuchtung und was man sonst noch so zum Fotografieren benötigt (siehe weiter unten).
Das folgende Tutorial beschränkt sich darauf, eine Einführung in die Lichtführung im Makrostudio zu geben, da die meisten anderen Parameter der Aufnahme dem entsprechen, was schon früher in dieser Serie und im Bereich allgemeine Fotografie abgedeckt wurde.

Was man so braucht

Als Aufnahmematerial – also das „Makrostudio“ – kam eine Hohlkehle zum Einsatz (Marke Novoflex „Magic Studio“; alternativ reicht auch ein weißer oder farbiger Fotokarton aus, der wie eine Hohlkehle aufgestellt wird), diverse Beleuchtungsquellen, Reflektoren, ein Handbelichtungsmesser (nicht zwingend nötig) und natürlich eine Kamera;-). Doch zu all dem gleich mehr.
Die Wahl eines Models fiel mir nicht schwer. Schon seit zehn Jahren verwende ich in meinen Workshops dafür ein Quietscheentchen. Es hat die ideale Geometrie, um Beleuchtungsprobleme zu erklären, eine „gutmütige“ Oberfläche, sodass der Fotograf zu Anfang nicht gleich übermäßig viele Probleme (reflektive Oberflächen) lösen muss. Dies haben sich in der Zwischenzeit wohl auch etliche andere Fotografen gedacht, sodass Sie als Leser die hier gezeigten Techniken nicht nur einfach selbst ausprobieren, sondern auch mit vielen anderen Tutorials im Netz ergänzen können.

Die Aufgabe

Die Aufgabe wird es also sein, ein Quietscheentchen auf einer weißen Oberfläche so zu beleuchten, dass der Schattenwurf wie an einem sonnigen Tag aussieht, ohne dass die Schatten zu hart oder unnatürlich aussehen. Mit anderen Worten: es soll eine Produktaufnahme angefertigt werden, die ohne aufwendiges Freistellen möglichst direkt verwendet werden kann.

1. Der eingebaute Blitz

Was liegt näher, als den internen Blitz hochzuklappen und eine Aufnahme anzufertigen? Quick and dirty würde der Engländer sagen. Und genau so ist auch das Ergebnis:
Die Ente überstrahlt vorne und hat einen harten Schatten zur vom Blitzgerät abgewandten Seite. Wirklich schön ist das nicht. Darüber hinaus fehlt der Ausleuchtung jegliche Dreidimensionalität – Tiefe? Nicht wirklich...

Bilder

Bei dieser Aufnahme wurde unser stolzes Quietscheentchen totgeblitzt. Für so ein Bild hätte es sich wirklich nicht so rausputzen müssen. Da ich keine Kamera mit internem Blitz besitze, wurde hier ein externes Blitzgerät knapp links neben der Kamera positioniert.

2. Die künstliche Sonne von oben

Das Ziel der Produktaufnahme ist ja, eine natürliche Beleuchtung zu erzielen. Daher liegt doch nichts näher, als eine Lichtquelle von oben einzusetzen. Genau dort, wo normalerweise die Sonne scheint. Dazu habe ich einfach eine Halogenlampe (50 W) verwendet, die einen Strahler besitzt, und sie direkt oberhalb der Ente platziert.
Das Ergebnis überzeugt wenig: Unser Quietscheentchen hat einen dunklen Schatten auf der Stirn, im Schnabel und auf der Brust. Doch warum nur sieht die Aufnahme so anders aus, als wir es uns vorgestellt haben? Das liegt an den unterschiedlichen Geometrien der Beleuchtung durch die Sonne und die Halogenlampe. Die Halogenlampe ist wie die Sonne eine punktförmige Lichtquelle. Doch besitzt sie im Gegensatz zur Sonne zwischen sich und dem Motiv keine ganze Atmosphäre, die das Licht streut, sondern nur eine unbedeutende Luftschicht, wenn man überhaupt davon reden möchte.

Bilder

Diese Aufnahme zeigt so harte Schlagschatten, dass wir unser Quietscheentchen besser gleich wieder unter der Höhensonne hervorholen, damit es keinen Sonnenbrand bekommt.

3. Ein heiterer Tag im Studio

Nicht, was Sie jetzt gleich denken. Nein, getrunken wurde nichts (zumindest nichts Alkoholisches), und das Lachen hat sich auch in Grenzen gehalten. Wobei mir das Fotografieren immer Spaß macht. Sicher haben Sie schon bemerkt, dass bei strahlendem Sonnenschein die Bilder auch meist zu harte Schatten aufweisen. Daher fotografiert es sich viel besser an einem ganz leicht bewölkten Tag. Eben „heiteres“ Wetter. Es heißt, also die Lichtquelle im Studio so zu verändern, dass sie die Lichtbedingungen an einem solchen Tag widerspiegelt. Dazu gibt es verschiedene Wege. Wenn Sie bei einem Halogenstrahler bleiben wollen, dann positionieren Sie zwischen Lampe und Motiv einfach ein Butterbrotpapier oder eine opake Plexiglasscheibe. Alternativ können Sie auch zu einer dedizierten Lampe für diesen Zweck greifen, wie es sie zu Table-Top-Studios gibt. Diese Lampen haben meist Leuchtstoffröhren und einen größeren Reflektor.
Das Ergebnis kommt nun schon langsam dem nahe, wie wir es gerne hätten. Die Schatten auf Stirn, Brust und Schnabel sind wesentlich weicher und heller. Doch so ganz stimmt es immer noch nicht. Dies hängt mit dem relativ kleinen „Himmel“ zusammen, den man im Makro-Studio simulieren kann. Mit einem sehr großen Diffusor oder gar einem Lichtzelt könnte man das Problem vermeintlich lösen. Durch die größere Lichtfläche entsteht ausreichend Streulicht, um das Motiv homogen, aber auch akzentfrei zu beleuchten. Ist dies noch bei einem weißen Untergrund möglich, so versagt das Lichtzelt bei farbigen Untergründen, da dann die Schatten in der Farbe des Untergrunds getönt sind.

Bilder

Nicht schlecht für eine Lampe! Bei dieser Aufnahme sind die Schatten des Entchens wesentlich weicher und plastischer. Dennoch kommt das Licht zu einseitig von oben.

4. Mit Licht modellieren

Keine Panik - Sie müssen jetzt nicht gleich zum Bildhauer werden. Ein paar Spiegel aus der Handtasche oder aus dem Bad oder zwei Reflektoren sind der Schlüssel zum Erfolg. Was uns jetzt nämlich nur noch fehlt, ist eine Aufhellung der Schatten. Der größte Schatten befindet sich zweifellos auf der Brust und rechts auf der Schulter unseres Quietscheentchens. Daher wurde in erster Instanz rechts direkt neben der Kamera ein Reflektor aufgebaut, der das Licht von oben zusätzlich auf den Schatten lenkt. Das Ergebnis ist nicht schlecht. Deutlich aufgehellte Schatten, die Plastizität verleihen.
Bilder
 
Bei dieser Aufnahme wurde das Ergebnis mit nur einem Reflektor von rechts ganz wesentlich aufgewertet.
 
Um dem Ganzen noch das i-Tüpfelchen aufzusetzen, kann man nun noch den letzten verbliebenen, (nach meinem Geschmack) störenden Schatten auf der Brust und im Schnabel aufhellen. Dazu positioniert man einfach einen weiteren Reflektor (oder eben einen Spiegel) links neben unserem Quietscheentchen. Das Ergebnis ist absolut überzeugend und war gar nicht so schwierig zu erreichen.

Bilder

Lichtführung auf höchstem Niveau. Es ist schon erstaunlich, was man mit einer einzigen Lampe und zwei Reflektoren erreichen kann. Das Ergebnis kann man so stehen lassen, wie ich finde.

5. Das Aufhelllicht

Das Ergebnis mit nur einer Lampe ist wirklich überzeugend, wenn man zwei Reflektoren einsetzt. Doch wozu verwenden viele Fotografen zwei oder mehr Lampen? Die Frage kann man nicht eindeutig beantworten. Sicher kann man jedoch sagen, dass die Aufhellung mit einer Lampe durch (eine) weitere wesentlich feiner gesteuert werden kann und dass man mit noch mehr Lampen zusätzlich noch spezielle Effekte erreichen kann. Daher zurück zu unserer Lampe von oben mit der künstlichen Schleierbewölkung. Doch statt mit Reflektoren zu arbeiten, wird nun rechts von der Kamera eine Leuchte mit großem Reflektor oder alternativ auch wieder ein Strahler mit Diffusor so positioniert, dass er die Schatten wie gewünscht aufhellt. Durch Variation von Leuchtstärke und Abstand kann der Effekt feingetunt werden.

Bilder

Dieses Bild entstand durch zwei Lampen, die so positioniert wurden, dass ein Aufheller die Schatten des Hauptlichts aufhellt, ohne sie zu zerstören.

Natur im Studio

Mit ein paar eigenen Idee lassen sich mit den hier vorgestellten Techniken praktisch alle Aufgabenstellungen im Studio in den Griff bekommen. Doch nicht immer heißt Studio auch Produktfotografie oder, Gegenstände zu fotografieren. Nicht selten kann man auch mit und in der Natur mit der Studioausrüstung arbeiten. Daher hier einige Bilder, um sich Appetit zu holen. In den Aufnahmen wurde der Hintergrund durch entsprechend eingefärbte Stoffe oder Kartons erreicht. Viel Spaß beim Ausprobieren.

Bilder

Freigestellt
Bei dieser Aufnahme wurde die Dahlie durch zwei Lichtquellen von unten beleuchtet und gegen einen dunklen Hintergrund freigestellt.
Nikon D200 mit AF-D Micro-Nikkor 60 mm f2.8 | 1/200 s bei Blende 4,5

Bilder

Arbeit mit dem Spiegel
Um den Effekt der Wiederholung in einem Studio optimal zu zeigen, ist die Verwendung eines zweiten Gegenstands meist aufgrund des geringen Abstands schwierig. Daher kann man Spiegel auch mal nicht zum Aufhellen, sondern einfach hinter dem Motiv verwenden. Der schwarze Hintergrund wurde durch einen schwarzen Vorhang erreicht.
Nikon D200 mit AF-D Micro-Nikkor 60 mm f2.8 | 1/200 s bei Blende 4

 

Bilder

Zum Autor:
Björn Langlotz, promovierter Naturwissenschaftler, ist Autor des Buchs 'Digitale Fotopraxis Makrofotografie' aus dem Galileo Verlag und ein bekannter Naturfotograf mit dem Schwerpunkt Makrofotografie. Regelmäßig erscheinen seine Texte und Bilder in internationalen Büchern und Zeitschriften. Darüber hinaus ist er Mitbegründer der Plattform Fototrainer4you, wo er Fotokurse für Makrofotografie in kleiner Gruppengröße sowie Einzeltrainings anbietet und Fotoreisen führt.

Kommentare
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Portrait von Mats_tias
  • 06.05.2013 - 06:57

Vielen Danke für die Tipps.

Portrait von swet123
  • 30.08.2012 - 15:06

sehr tolles tutorial

Portrait von wilhelms1985
Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 25.01.2012 - 13:28

Vielen Dank. gutes Tutorial... Sehr gute Tipps !

Portrait von hamsibone
  • 06.08.2011 - 22:32

Vielen Dank für das Tutorial

Portrait von penguinpower
  • 04.07.2011 - 09:34

Ich will mir einen eigenen Reflektor basteln und wollte fragen, ob es eine Rolle spielt, wenn der Reflektor faltbar ist oder nicht, um zum selben Ergebnis wie hier im Tut zu gelangen. Ich habe da so meine Bedenken, dass ein 3x faltbarer Reflektor das Licht anders streut und reflektiert als ein normaler Reflektor.

Trotzdem, sehr gutes Tut. Hatte am Anfang gedacht, dass man mit 2-3 Lampen arbeiten müsste, um an dieses Ergebnis heranzukommen.

LG

Portrait von dianab
  • 30.06.2011 - 10:42

Danke für dieses Tutorial

Portrait von Schnuppi8480
  • 21.06.2011 - 09:19

skizzen mit infos wo der blitz ist etc wären noch hilfreich gewesen ... sonst top ... danke ...

Portrait von ellsworthkelly
  • 11.04.2011 - 11:35

vielen Dank, gut mit den Fotos erklärt. hätte mir noch ein paar varianten gewünscht.

Portrait von bearli
  • 12.06.2010 - 16:22

sehr gut, gut mit Beispielbilden erklärt

Portrait von chuckderbiber
  • 10.06.2010 - 10:43

Schön gemacht. Toll wären jetzt noch Bilder vom Setup gewesen.

Portrait von miamullemaus
  • 12.03.2010 - 11:13

Danke für dieses Tutorial

Portrait von PeterSchlaufer
  • 09.03.2010 - 20:13

Gut erklärt, indem zuerst das gezeigt wird, was letztlich keine guten Resultate liefert

Portrait von tvandi
  • 09.03.2010 - 19:16

Super Tutotrial, so soll das sein. ;-)

Portrait von niinee
  • 09.03.2010 - 17:54

sehr tolles tutorial
konnte einiges daraus lernen..vielen dank

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 08.03.2010 - 17:16

klasse! weiter so =D
wird jez gleich mal angeschaut :)

Portrait von wwweye
  • 08.03.2010 - 13:26

Das BESTE daran ist die schrittweise Heranführung an das Endergebnis, statt einem das Resultat vor die Füße zu werfen und sagen: "So muss es sein!"
Darum: doppelten Dank :)

Portrait von simmlerd
  • 07.03.2010 - 16:38

Sehr gutes Tutorial - Kommt gerade zur rechten Zeit

Portrait von nicodemo
  • 07.03.2010 - 11:22

Toll finde ich an dm Tut, dass ich es auch mit meinen Möglichkeiten zu Hause nachempfinden kann, immer gibt es einen Tip (ich sage nur "Butterbrotpapier"), wie ich das ohne wilde Anschaffungen meistern kann. Danke.

Portrait von nikolli
  • 06.03.2010 - 19:22

Sehr anschaulich und hilfreich, vielen Dank.

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