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Tutorialbeschreibung

Naturfotografie - Teil 08 - Tiere

Naturfotografie - Teil 08 - Tiere

Die digitale Naturfotografie eröffnet uns Fotografen eine Menge neuer, faszinierender Möglichkeiten. Von der schnellen Bildbewertung über den Crop-Faktor ("Verlängerungsfaktor") bis hin zur Kamerafernauslösung ist unserer Kreativität ein neues Tor geöffnet worden. Natürlich gelten auch weiterhin alle Bildgestaltungs- und Belichtungsregeln, allerdings mit einigen feinen Unterschieden zur analogen Fotografie. All dies werden wir in dem Tutorial "Naturfotografie" besprechen. Und das Wichtigste: unsere Motive! Tiere, Pflanzen und Landschaften werden einen großen Raum einnehmen. Denn ohne sie gibt es keine Naturfotografie.

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Teil 8 - Tiere

Für jeden Naturfotografen ist die Tierfotografie die Krönung seines Schaffens. Das Erlebnis, einem frei lebenden Tier bis auf wenige Meter nahe zu kommen, ohne dass dieses vor uns flüchtet, gehört zu den schönsten Momenten eines jeden Menschen.

Besonders deutlich spüre ich die Faszination von (wilden und frei lebenden) Tieren, wenn ich in öffentlich zugänglichen Beobachtungsständen fotografiere. Weitaus die meisten Besucher dieser Hütten fangen fast schlagartig an zu flüstern, wenn sie einen solchen Stand betreten. Selbst wenn kein Tier zu sehen ist, erheben sie die Stimme nicht, solange sie in der Hütte bleiben. Diese Momente sind einer der Gründe, weswegen mir meine Arbeit Freude bereitet. Denn solange wir Menschen noch in der Lage sind, den Zauber der Natur zu spüren, solange macht es auch einem Naturfotografen Freude, stunden- und tagelang anzusitzen, um später seine Bilder einem breitem Publikum vorzuführen.


Naturschutz und Ethik

Ich denke, dass jedem Leser bewusst ist, dass einem Tier niemals ein Leid zugefügt werden darf, nur um es für sich auf den Sensor seiner Kamera zu bannen. In ganz Europa gibt es klare Gesetze, die es verbieten, Tiere zu quälen oder sie zu fangen. Dies ist in der Naturfotografie auch überhaupt nicht nötig. Bei keiner der nachfolgenden Aufnahmen habe ich ein Tier in die Hand genommen oder gefangen und in einem Gehege fotografiert. Für mich ist es die erste und wichtigste Regel, wild lebende Tiere nur in Freiheit und ungezähmt zu fotografieren.

Leider weiß ich nur zu gut, dass nicht alle Fotografen nach diesem Grundsatz handeln. Einige nehmen es in Kauf, Bildagenturen und die Käufer ihrer Bilder zu belügen. Sei es, dass sie zahme Tiere fotografieren (die ein anderes Verhalten zeigen als frei lebende Tiere und damit biologisch wertlose Bilder produzieren) und diese als frei lebend bezeichnen, sei es, dass sie in Bildbearbeitungsprogrammen Situationen basteln, die in der Natur so niemals vorkommen würde. Dabei ist ja gegen eine gute Bildbearbeitung am Computer nichts einzuwenden. Aber nur dann, wenn dies auch deutlich unter dem Bild steht! Damit sich jeder Betrachter seine eigene Meinung bilden kann, ob er dieses Bild gut findet, weil es so toll bearbeitet wurde oder ob er es nicht akzeptiert, weil es eben manipuliert wurde.

Grundsätzlich möchte ich immer in der Natur sein, ohne den Tieren aufzufallen. Dabei kommt es relativ oft vor, dass ich anstelle eines Bildes in der Kamera nur mit einem Bild in meinem Kopf heimkomme. Für mich ist das Naturerlebnis immer höher einzustufen als eine Störung der Natur. Und dazu gehört auch hin und wieder, den Auslöseknopf der Kamera zu drücken.

 
Zur Erinnerung:

C für Bilder, die Tiere oder Pflanzen zeigen, die von Menschen zur Schau gestellt werden. Dies sind u. a. Zoos, Gehege oder Botanische Gärten. Tiere, die sich aus freien Stücken in den vorgenannten Parks befinden, bekommen kein C zur Bildunterschrift. C steht für „captive“ = gefangen.

M für Bilder, denen ein Teil zugefügt oder weggenommen wurde, für Doppelbelichtungen und Sandwichs und für Ausschnitte, die mehr als je 10% der Breite und Höhe des Originalbildes beschneiden (dies entspricht ca. dem Ausschnitt, der von einem Dia mit Diarahmen entsteht). M steht für „manipuliert“.

Zulässig sind für mich folgende Bearbeitungsschritte: im RAW-Format der Weißabgleich, Farbmoiré-Reduzierung, Staubentfernung und die Korrektur der chromatischen Aberration und zur Bildoptimierung (dies entspricht beim analogen Fotografieren der Filmauswahl) Scharfzeichnung, Kontrast, Farbsättigung. Dies bedeutet nicht, dass bei mir alle Bilder so behandelt werden. Mindestens 80 % der Bilder bearbeite ich nur mittels Weißabgleich und Scharfzeichnung.

Die eingesetzten Brennweiten sind immer auf das Kleinbildformat bezogen! In meinem Fall müsste die angegebene Brennweite also mit 1,5 multipliziert werden, um die vorhandene Brennweite zu errechnen. Soweit nicht anders erwähnt, wurden alle Aufnahmen bei ISO 100, mittenbetont angemessen und in Aufnahmemodus A gemacht. Wenn nicht anders erwähnt, wurden alle Bilder manuell scharf gestellt. Der Weißabgleich und die Nachschärfung erfolgte immer zu Hause am Computer. Ganz selten habe ich noch etwas am Kontrast oder am Tonwert korrigiert.

Und noch dies:

Im Gegensatz zu den beiden Teilen vorher werde ich zu jedem Bild (bei dem es sinnvoll ist) die technischen Daten und die Aufnahmesituation erwähnen. Denn anders als bei Landschaftsaufnahmen oder bei Pflanzenaufnahmen ist die Tierfotografie wesentlich schwieriger, da schneller reagiert werden muss. Ich denke, dass die technischen Angaben dem einen oder anderen eine erste Hilfe sein werden, seine Kamera schon vor der Aufnahme richtig eingestellt zu haben.


 

ABKÜRZUNGEN:

AF-C: permanenter Autofokus
MF: manuell scharf gestellt
Bl.: Blende
SVA. Spiegelvorauslösung (wird eingesetzt, um die Verwacklung durch den Spiegelschlag zu verhindern; notwendig bei Belichtungszeiten unter ca. 1/30 sec)
Bel.: Belichtungszeit
A: Belichtungsmessung nach der Zeitautomatik der Kamera
M: manuelle Belichtungszeit eingestellt
ext. Blitz: ein Blitz eingesetzt, der nicht in der Kamera integriert ist
LW: Lichtwert, siehe auch Teil 6.5
SM: Spotmessung: nur ein ganz kleiner Teil (in der Mitte) des Bildes wird zur Belichtungsmessung herangezogen (Messkreis beträgt ca. 3mm im Durchmesser)
MbM: Mittenbetonte Messung: Die Belichtung wird im gesamten Bildfeld gemessen, der Schwerpunkt der Messung liegt aber in einem kreisförmigen Bereich in der Mitte des Bildes (Messkreis beträgt ca. 8mm im Durchmesser)
MM: Matrixmessung: Helligkeit, Farbe und die Entfernung des Motivs werden im gesamten Bildfeld zur Belichtungsmessung herangezogen
1,4-fach- oder 1,7-fach-K.: 1, 4-fach oder 1,7-fach-Konverter
dpt: Dioptrien


 

8.1 Käfer, Spinnen und andere (auch fliegende) Krabbeltiere

Auch, wenn Insekten und Spinnen sehr häufig anzutreffen sind, so ist es doch nicht ganz so einfach, sie vernünftig zu fotografieren. Nachfolgend versuche ich an diversen Beispielbildern aufzuzeigen, wie sich der Naturfotograf nach und nach diesem Thema nähern kann.

Bilder

Bild 139: Aufnahmedaten: Objektiv: 200-mm-Makro plus Zwischenring PN 11 (52,5mm) plus Nahlinse 1,5dpt; Bl.8; Bel. 1/25sec A; MbM; MF; Stativ; Fernauslöser; ISO 100.


Das Maiglöckchenhähnchen (Bild 139) ist häufig an feuchten und schattigen Stellen zu finden. Überall, wo es Bärlauch oder Maiglöckchen gibt, finden wir es von April bis Juni. Für den Einstieg in die Tierfotografie ein dankbares Motiv. Es ist leuchtend rot und daher gut zu sehen. Und früh am Morgen, wenn es noch nicht hundertprozentig aufgewärmt ist, haben wir genug Zeit, in Ruhe unser Bild zu machen.

 
Die Erdhummel (Bild 140) ist ebenfalls sehr häufig anzutreffen und besonders für Anfänger zu empfehlen. Jetzt im August stehen überall die Sonnenblumen in Blüte. Dort tummeln sich Hummeln und Bienen. Wir suchen uns eine Blüte aus, bauen Stativ und Kamera auf und warten auf den Besuch einer Hummel. So werden schon nach wenigen Aufnahmen Bilder wie die von der gezeigten Hummel möglich! Hinweis: Hummeln können stechen, aber machen davon nur in größter Not Gebrauch. Die Reihenfolge der Gefährlichkeit ist: Honigbienen (am stechfreudigsten), Wespen, Hornissen, Hummeln (am stechunfreudigsten). Dies gilt nicht vor den Nestern, da ist immer Vorsicht geboten!

Bilder

Bild 140: Aufnahmedaten: Objektiv: 200-mm-Makro; Bl.8; Bel. 1/500sec A; MbM; MF; Stativ; Fernauslöser; ISO 200.


Wer das Glück hat, eine Holzschlupfwespe (Bild 141) bei der Eiablage zu finden, (das Tier auf dem Foto versenkt gerade den Legestachel in das Holz, wo sie mit ihren Fühlern die Larve eines im Holz lebenden Insektes gefunden hat. Das nach oben ragende, lange Teil ist der „Schutzköcher“ für den Legestachel) sollte diese Chance nutzen. Denn eine Riesenholzwespe verweilt immer längere Zeit an einem abgestorbenen Ast oder Holzstück, um dort nach einer Eiablagemöglichkeit zu suchen.

 
So haben wir genug Zeit, um uns dem Tier fotografisch zu widmen. Gefährlich ist das Tier übrigens nicht.

Bilder

Bild 141: Aufnahmedaten: Objektiv: 200-mm-Makro plus Zwischenring PN 11 (52,5mm) plus Nahlinse 1,5dpt; Bl.8; Bel. A; MbM; MF; ext. Blitz; Stativ; Fernauslöser; ISO 100.


Asseln (Bild 142) sind ebenfalls dankbare Modelle. Sie sind nicht besonders schnell und jeder hat sie im oder am Haus. Eine besonders attraktive Art ist die „Schwarzkopfassel“ (Porcellio spinicornis). Sie ist deutlich größer als unsere allseits bekannte Kellerassel und zudem prächtiger gefärbt.

 
Die Aufnahmesituation war allerdings etwas kompliziert. Da die Assel aber minutenlang auf der Hauswand sitzen blieb, konnte ich in Ruhe so viele Fotos schießen, bis ich ein befriedigendes Ergebnis erzielt hatte. Wenn Asseln nicht, wie in meinem Fall, von sich aus fotogen auf die Hauswand klettern, finden wir sie an feuchten Stellen im Haus oder im Keller unter allem Möglichen verborgen.

Bilder

Bild 142: Aufnahmedaten: Objektiv: 200-mm-Makro; Bl.22; Bel. 1/5 sec A; MbM; MF; SVA; ext. Blitz auf – 0,3 LW gestellt, da der Blitz nur zum Aufhellen dienen sollte; Stativ; Fernauslöser; ISO 100.


 
Morgens können wir uns, wenn wir uns langsam bewegen, auch so schreckhaften Tieren wie Heuschrecken bis auf wenige Zentimeter nähern. Wie bei größeren Tieren sollten wir auch bei kleineren Tieren versuchen, immer auf Augenhöhe zu fotografieren. Bei der Aufnahme der Wanderheuschrecke (Bild 143) lag ich bäuchlings auf der Unterlage, die auf Bild 151 abgebildet ist. So konnte ich mich auf dem steinigen Untergrund einigermaßen bequem dem Motiv widmen.

Bilder

Bild 143: Aufnahmedaten: Objektiv: 200-mm-Makro plus Nahlinse 1,5dpt; Bl.8; Bel. 1/640 sec A; MbM; MF; Reissack auf dem Boden als Stativersatz; ISO 200.


 
Wegen des geringen Lichteinfalles habe ich bei der Aufnahme des Heupferdes (Bild 144) ISO 400 eingestellt. Diese erlaubten mir, noch mit 1/40 sec zu belichten - zusätzlich hellte ich das Heupferd mit einer Goldfolie auf, um das Tier von vorne etwas aufzuhellen. Das nachfolgende Bild (Bild 145) dient noch einmal dazu, den Unterschied zwischen einem Foto mit Aufhellung und einem Foto ohne Aufhellung mit einer Goldfolie zu verdeutlichen.

Bilder

Bild 144: Aufnahmedaten: Objektiv: 200-mm-Makro; Bl.5,6; Bel. 1/40 sec A; SM; MF; Stativ; Fernauslöser; Goldfolie zur Aufhellung; ISO 400.


Bild 145: Links wurde die Raupe mit einer Goldfolie aufgehellt. Rechts wurde die Raupe ohne Aufhellung fotografiert.

Bilder



 
Bild 146: Hier möchte ich einmal meine Herangehensweise an eine „gefährliche“ Aufnahmesituation aufzeigen.

Bilder



Grundsätzlich sind Honigbienen sehr aggressiv, wenn wir uns ihrem Nest nähern. Wild lebende Honigbienen sind noch etwas unangenehmer. An einem freistehenden Felsen hatten sich viele kleine Löcher gebildet, die von wilden Honigbienen als idealer Platz für ihre Nester angesehen werden. Um dies fotografisch festzuhalten, musste ich ein paar Tricks anwenden. Im linken und im mittleren Bild sieht man, dass ich eine Leiter mit einer Menschenattrappe vor die Höhle aufgebaut habe. Dies diente dazu, die Bienen an etwas Neues zu gewöhnen und um ihnen zu zeigen, dass keine Gefahr für ihre Brut besteht. Denn durch die Attrappe hatten sie Zeit auszukundschaften, ob dieses Ding gefährlich werden könnte.

Ich selber hätte mich wahrscheinlich bewegt, wenn die Wächterbienen mich umschwärmt hätten und diese Bewegung hätten sie schon als Angriff werten können. Daraufhin hätte ich nur noch schnell weglaufen können, aber keine Fotos bekommen. Nach ein paar Minuten bin ich langsam zur Leiter gegangen, habe mich der Höhle genähert und fotografiert. Dabei habe ich kaum geatmet und bin nach wenigen Bildern wieder langsam, aber zügig, von der Höhle weggegangen. Erst nach einer weiteren Wartezeit habe ich dann die Leiter mit der Attrappe abgebaut. Gestochen wurde ich nicht.

 
Wespen (Bild 147) sind nicht so stechlustig wie Bienen, dennoch ist natürlich Vorsicht angeraten. Das Nest befand sich unter dem Dach einer Garage, sodass ich mich offen und ohne Schutzmaßnahmen dem Nest nähern konnte. Bei Wespen lohnt es sich, länger zu verweilen, um an Flugaufnahmen zu kommen. Wie im kleinen Bild rechts zu sehen ist, gibt es nur eine kleine Öffnung, an der der gesamte Flugverkehr stattfindet (auf dem Bild krabbelt gerade eine Wespe aus dem Nest). Nun brauchen wir nur auf diese Stelle scharfzustellen (die Kamera muss natürlich auf einem Stativ montiert sein) und immer, wenn ein Tier kommt, auf den Auslöser zu drücken. Eine Art „Versuch und Irrtum“-Fotografie, die aber zu sehr guten Ergebnissen führen kann. Allerdings sind hektische Bewegungen zu vermeiden und Allergiker sollten vielleicht ganz auf dieses Experiment verzichten.

Bilder

Bild 147: Aufnahmedaten: großes Bild: Objektiv: 35-70mm; Bl. 8; Bel. A; MbM; MF; ext. Blitz; Stativ; Fernauslöser; ISO 100 - kleines Bild: Objektiv: 200-mm-Makro; Bl.8; Bel. 1/200 sec A; MbM; MF; Stativ; Fernauslöser; ISO 100.


 
Bild 148: Hier zum Vergleich ein Feldwespennest. Diese Wespen sind harmlos und wir finden sie auf ungemähten Wiesen an Grashalmen. Besonders toll ist es, dass wir ihnen praktisch direkt in die Kinderstube blicken können. Was ja wegen des geschlossenen Nestes bei den Wespen nicht möglich ist. Diese Wespenart ist auch für Allergiker geeignet! Dennoch, wenn die Art nicht bestimmt werden kann, sollte der Fotograf, bevor er sich in eine unangenehme Situation bringt, lieber nicht fotografieren.

Bilder



 

Langzeitserie

Für einen Naturfotografen sollte es auch immer darum gehen, den Lebenszyklus eines Tieres zu dokumentieren. Das heißt, dass das Tier über einige Jahre immer wieder fotografiert wird, um so viele Lebensabschnitte wie möglich vor die Kamera zu bekommen. Das ist nicht nur wissenschaftlich interessant, sondern bringt auch uns Fotografen Freude, wenn wir in einem Vortrag unsere Langzeitbeobachtungen zeigen dürfen. Auf den Bildern 149 bis 151 habe ich ein paar Bilder über die Wespen- oder Zebraspinne eingestellt.

Bilder

Bild 149: Aufnahmedaten: linkes Bild: Objektiv: 200-mm-Makro; Bl. 8; Bel. 1/20 sec A; MbM; MF; Stativ; ISO 100 - rechtes Bild: Objektiv: 200-mm-Makro; Bl. 8; Bel. 1/60 sec A; MbM; MF; Stativ; ISO 100.


 
Bild 150: Aufnahmedaten: Objektiv: 200-mm-Makro; Bl. 8; Bel. 1/25 sec A; MbM; MF; Stativ; ISO 100.

Bilder



 
Bild 151: Abschließend habe ich dann auch noch das Spinnenweibchen nach Fertigstellung ihres Kokons fotografiert. Im linken Bild sehen wir das Tier völlig ausgelaugt, nachdem es die Eier gelegt hat und nachdem der Kokon fertiggestellt wurde. Kurz nach der Fertigstellung des Eikokons stirbt das Weibchen. Rechts ist die Aufnahmesituation zu Hause im Garten dargestellt. Vor dem Objektiv ist der Kokon gerade noch sichtbar.

Bilder



 

8.2 Libellen und Schmetterlinge

Zwei nicht ganz einfach zu fotografierende Tierarten. Es gibt aber zwei Möglichkeiten, die Fotoausbeute zu erhöhen. Eine Möglichkeit ist es, die Tiere direkt nach dem Schlupf zu fotografieren (Bild 154 und 155) oder früh am Morgen bzw. am Abend (Bild 152, 153 und 156). Bilder wie das der Quelljungfer (Bild 157) sind selten und es gehört Glück dazu, dass dem Fotografen solch eine Situation präsentiert wird.

Bilder

Bild 152: Aufnahmedaten: Objektiv: 200-mm-Makro; Bl. 11; Bel. 1/13 sec A; MbM; SVA; MF; Stativ; ISO 200.


Früh am Morgen, wenn die Sonne gerade aufgeht, sitzen Schmetterlinge noch eine Weile im Gras, um sich aufzuwärmen. Allerdings sind sie die Flügel an der Außenseite selten so schön gezeichnet wie bei einem Aurorafalter (Bild 152).

 
Wenn die Sonne schon am Himmel steht, es aber vielleicht etwas bewölkt ist, klappen die Schmetterlinge ihre Flügel auseinander, um sich schneller aufzuwärmen. Diesen Moment können wir sehr gut nutzen, um auch die Innenflügel eines Schmetterlings, hier ein Distelfalter (Bild 153), auf den Sensor zu bannen.

Bilder

Bild 153: Aufnahmedaten: Objektiv: 200-mm-Makro; Bl. 16; Bel. 1/6 sec A; MbM; SVA; MF; Stativ; ISO 100.


 
Am Abend schlüpfen die Nachtfalter. Wer regelmäßig eine naturnahe Wiese absucht, wird hin und wieder einen frisch geschlüpften Falter wie hier den Wolfsmilchschwärmer (Bild 154) entdecken. In dieser Phase sind sie sehr leicht zu fotografieren und vor allem: Sie bewegen sich kaum!

Bilder

Bild 154: Aufnahmedaten: Objektiv: 200-mm-Makro; Bl. 11; Bel. 1/6 sec A; MbM; SVA; MF; Stativ; ISO 100.


 
Auch Libellen sind kurz nach dem Schlupf leicht zu fotografieren. Auch hier muss der Fotograf regelmäßig die Ufer von kleinen Teichen und Tümpeln danach absuchen, ob sich dort nicht gerade eine Libelle nach dem Schlüpfen trocknet. Das Weibchen des Großen Blaupfeils (Bild 155) färbt sich im Laufe ihres Lebens bräunlich, daher ist es um so schöner, sie nach dem Schlüpfen zu fotografieren. Und nicht immer muss ein Tier formatfüllend abgebildet werden. Ich habe hier besonders darauf geachtet, dass (außer dem Sitzhalm) kein Halm durch die Libelle „schneidet“.

Bilder

Aufnahmedaten: Objektiv: 70-200mm ; Bl. 4; Bel. 1/350 sec A; MbM; MF; Stativ; ISO 100.


 
Manchmal haben wir Glück und eine Libelle sucht sich immer wieder den gleichen Sitzast aus, um von dort nach Beute Ausschau zu halten. Dieser Ast, auf dem der Spitzfleck sitzt (Bild 156), war ca. in 1,90 Meter Höhe. So konnte ich die Libelle schön von unten nach oben fotografieren.

Bilder

Bild 156: Aufnahmedaten: Objektiv: 200-mm-Makro; Bl. 8; Bel. 1/100 sec A; SM; MF; Freihand; ISO 100.


 
Ganz selten lassen Libellen zu, dass wir uns ihnen bis auf wenige Zentimeter nähern können. Aber bei der Quelljungfer (Bild 157) war es möglich. So konnte ich sogar ein Porträt von ihr machen, was bei diesen unruhigen und aktiven Tieren in freier Wildbahn extrem selten möglich ist.

Bilder

Bild 157: Aufnahmedaten: Objektiv: 200-mm-Makro; Nahlinse 3T mit 1,5 dpt; Bl. 8; Bel. 1/50 sec A; SM; MF; Stativ; ISO 100.


 

8.3 Lurche und Eidechsen

Lurche und Echsen sind recht häufig bei uns zu finden. Besonders Frösche in Tümpeln und Eidechsen auf Mauern und Steinhaufen lasse sich bei langsamer und ruhiger Annäherung gut fotografieren.

Bilder

Bild 158: Aufnahmedaten: Objektiv: 70-200mm; Bl. 4; Bel. 1/200 sec A; MbM; MF; Freihand mit Antiverwacklungsmodus des Objektivs; ISO 400.


Nicht immer ist es möglich, sich einem Tier so zu nähern, dass wir es nah genug vor die Linse bekommen. Also müssen wir aus der Not eine Tugend machen. Beim Laubfrosch (Bild 158) konnte ich durch die grüne Umgebung zeigen, wie gut dieser Frosch getarnt ist und zusätzlich eines seiner typischen Verhaltensweisen gleich „mitliefern“, nämlich, dass er tagsüber gerne auf Blättern sitzt und sich sonnt.

 
Zufällig entdeckte ich eine Kreuzkröte (Bild 159), die in einem kleinen Tümpel gerade abgelaicht hatte. Kröten verlassen nach dem Laichen das Gewässer immer recht zügig. Also wartete ich darauf, dass sich auch meine Kröte aus dem Wasser bewegte und einen Unterschlupf an Land suchen würde. Während sie sich auf den Weg machte, lichtete ich sie mit dem Laichgewässer im Hintergrund ab.

Bilder

Bild 159: Aufnahmedaten: Objektiv: 14-24mm; Bl. 8; Bel. 1/200 sec A; MbM; MF; Freihand; ISO 200.


 
Europäische Wasserschildkröten sind extrem scheu und plumpsen sofort ins Wasser, wenn sie auch nur den Hauch einer Gefahr ahnen. So war es auch bei dieser Wasserschildkröte (Bild 160). Also musste ich mich dem Gewässer sehr langsam nähern und mich zusätzlich durch einen Strauch tarnen, um an diese Bilder zu kommen. Außerdem war eine extrem lange Brennweite nötig, um das Tier einigermaßen ins Bild zu setzen.

Bilder

Bild 160: Aufnahmedaten: Objektiv: 500-mm-Makro plus 1,4-fach-K.; Bl. 8; Bel. 1/1000 sec A; MbM; MF; Stativ; ISO 400; Fotograf und Stativ durch Strauch getarnt.


 
Bei Eidechsen gelingen Bilder wesentlich leichter als bei einer Wasserschildkröte. Wenn wir uns langsam dem Platz nähern, an dem sich eine Eidechse sonnt, können wir bis auf wenige Zentimeter an das Tier herankommen. An das Weibchen der Zauneidechse (Bild 161) kam ich ohne Probleme bis auf 50 cm heran. Sollte eine Echse dennoch verschwinden, lohnt es sich, ein paar Minuten zu warten. Sie wird an einer anderen Stellen wieder erscheinen und wir können unser Glück erneut versuchen.

Bilder


Bild 161: Aufnahmedaten: Objektiv: 200-mm-Makro; Bl. 5,6; Bel. 1/100 sec A; MbM; MF; Reissack als Stativersatz; ISO 200.


 

8.4 Vögel

Die Bilder 162 bis 169 sind Aufnahmen, die im Prinzip von allen Naturfotografen so gemacht werden können. Sie bilden häufige Vögel ab und sind praktisch ungetarnt entstanden. Diese Bilder sollen dazu dienen, Mut zu machen, um sich - mit der nötigen Geduld - erst einmal an „Allerweltsvögel“ heranzutasten (bevor der Fotograf sich tarnt oder gar Flugaufnahmen von Vögeln macht, was sehr oft zur Frustration des Naturfotografen führt, da die Ergebnisse meist unbefriedigend sind).

Bilder

Bild 162: Aufnahmedaten: Objektiv: 300mm; Bl. 5,6; Bel. 1/2500 sec A; MbM; MF; Stativ; Infrarotfernauslöser; ISO 400; ungetarnt.


Eine Kohlmeise (Bild 162) aus der Nisthöhle herausschauend zu fotografieren, ist für viele leicht umzusetzen. Denn Kohlmeisen brüten beinah überall in Mitteleuropa, sind wenig scheu, und wenn ein Nistkasten aufgehängt wird, brüten sie sogar auf dem Balkon.

 
Höckerschwäne (Bild 163) sind auf jedem größeren Weiher anzutreffen. Auch mit geringen Brennweiten sollte es kein Problem sein, Schwäne zu fotografieren, selbst wenn sie wie hier schwimmen und sich somit bewegen.

Bilder

Bild 163: Aufnahmedaten: Objektiv: 500mm plus 1,4-fach-K.; Bl. 7,1; Bel. 1/320 sec M; MF; Stativ; ISO 100, ungetarnt.


 
Hier gilt das Gleiche wie zu Bild 163. Nur ist der Schwan (Bild 164) noch leichter zu fotografieren, denn er bewegt sich nicht! Einzige Bedingung, die der Fotograf erfüllen muss: früh aufstehen, um das schönste Licht zu nutzen.

Bilder

Bild 164: Aufnahmedaten: Objektiv: 70-200mm; Bl. 8; Bel. 1/160 sec M; MF; Stativ; ISO 100; ungetarnt.


 
Tauben (hier eine Türkentaube auf Bild 165) sind zwar häufig, aber auch relativ scheu. In Großstädten sind sie aber leicht vor die Linse zu bekommen. Auf dem Land hilft es, sich mit einem Auto zu nähern, denn im Gegensatz zu uns Menschen sehen sie ein Auto nicht als Gefahr für sich an. Dies gilt übrigens für sehr viele Vögel und auch Säugetiere!

Bilder

Bild 165: Aufnahmedaten: Objektiv: 70-200mm; Bl. 6,3; Bel. 1/160 sec A; MbM; AF-C; Freihand; Antiverwacklungsmodus am Objektiv eingestellt; ISO 100; aus dem Auto heraus fotografiert.


 
Vögel markieren durch ihren Gesang ein Revier. Da sie während des Gesanges voll auf Nebenbuhler konzentriert sind, können wir uns ihnen manchmal bis auf wenige Meter nähern. So gelang es mir, mich auf offenem Feld dem Drosselrohrsänger (links im Bild 166) zu nähern. Die Nachtigall (rechts im Bild 166) sang unbeirrt an einem stark begangenen Wanderweg. Auch dort war eine Aufnahme nicht besonders schwierig.

Bilder

Bild 166: Aufnahmedaten: linkes Bild: Objektiv: 500mm plus 1,4-fach-K.; Bl. 5,6; Bel. 1/640 sec M; MF; Stativ; ISO 200; ungetarnt - rechtes Bild: Objektiv: 500mm; Bl. 5,6; Bel. 1/250 sec A; MbM; MF; Stativ; ISO 200; ungetarnt.


 
Stockenten (Bild 167) sind sehr häufig und auf beinahe jedem Gewässer anzutreffen. Diese Aufnahme soll einmal aufzeigen, wie es nicht richtig ist. Richtig ist der Aufnahmestandpunkt (gleiche Augenhöhe mit dem Tier), aber über dem Kopf ist einfach zu wenig „Luft“, die Ente erscheint in das Bild hineingequetscht. Und die Spiegelung unten ist angeschnitten. Entweder hätte die Aufnahme nur die Ente mit wenig Spiegelung zeigen sollen, dann wäre automatisch genügend Platz über dem Kopf. Oder die Aufnahme hätte ohne Konverter gemacht werden können, dann wäre es perfekt gewesen. Auch, wenn das Bild technisch sehr gut gemacht ist, gehören solche Bilder leider in den virtuellen Papierkorb.

Bilder

Bild 167: Aufnahmedaten: Objektiv: 500mm plus 1,4-fach-K.; Bl. 5,6; Bel. 1/500 sec A; AF-C; Stativ; ISO 100, ungetarnt.


 
Wer auf dem Land wohnt, kann sich auch, bewaffnet mit einem Zoomobjektiv um die 200mm herum und einem externen Blitz, in einer Scheune dem Nest einer Rauchschwalbe (Bild 168) widmen. Die Schwalben sind Menschen gegenüber nicht sehr scheu, und nach einer kurzen gegenseitigen Gewöhnung lassen sich Flugaufnahmen von den Elterntieren machen. Aber hier ist schon eine längere Erfahrung notwendig, da z. B. die Schärfe im Voraus auf einen Punkt festgelegt werden muss. Der AF würde zu viel Zeit kosten und die Schwalbe würde immer zu spät fotografiert. Wichtig: natürlich müssen die Jungen im Nest schon befiedert sein, weil sie dann öfter gefüttert werden und die Elterntiere uns Menschen dann auch noch leichter in die Nähe des Nestes lassen.

Bilder

Bild 168: Aufnahmedaten: Objektiv: 70-200mm; Bl. 11; Bel. 1/60 sec A; SM; MF; Freihand; ext. Blitz und diesen auf -1,0 LW gestellt; SO 200; ungetarnt.


 
Turmfalken (Bild 169) brüten auch gerne in der Nähe des Menschen. Wenn die Jungtiere ca. 1 Woche vor dem Ausfliegen sind, lassen sie sich bei ihren Dehnübungen fotografieren. Dieses Nest war unter einem Dach, wo eine kleine Höhlung den Falken einen idealen Brutplatz bot. Aber auch hier: bitte erst an das Thema Nestfotografie gehen, wenn schon genügend Erfahrung im Bereich Naturfotografie gesammelt wurde. Natürlich muss auch genügend Wissen über die zu fotografierende Vogelart vorhanden sein.

Bilder

Bild 169: Aufnahmedaten: linkes Bild: Objektiv: 500mm plus 1,4-fach-K.; Bl. 5,6; Bel. 1/60 sec A; MbM; MF; ext. Blitz indirekt geblitzt; Stativ; ISO 100; ungetarnt - mittleres Bild: Objektiv: 500mm; Bl. 8; Bel. 1/125 sec – 0,7 LW Korrektur A; MbM; MF; Stativ; ISO 200; ungetarnt; rechtes Bild: Objektiv: 500mm; Bl. 9; Bel. 1/80 sec A; MbM; MF; Stativ; ISO 200; ungetarnt.


 
Normalerweise plane ich Wochen und Monate voraus, welches Tier ich wann und wo fotografiere. Ab und zu aber setzt mir der Zufall auch ein Tier direkt vor die Kamera. Der hier abgebildete Zaunkönig (Bild 170) baute sein kunstvolles Nest tatsächlich in eine Falte meines Tarnzeltes! So konnte ich, aus nur wenigen Zentimetern Entfernung, vom Nestbau bis zum Flügge werden der Jungen am intimen Leben eines Zaunkönigpärchens teilnehmen. Und das mit einem Makroobjektiv!

Bilder

Bild 170: Aufnahmedaten: Objektiv: 200-mm-Makro; Bl. 10; Bel. 1/250 sec A; MbM; ext. Blitz; MF; Stativ; ISO 100; Tarnhütte.


Langzeitserie

Wie schon weiter oben geschrieben, sollte ein Naturfotograf auch immer den Lebenszyklus eines Tieres dokumentieren. Das heißt, dass das Tier über einige Jahre immer wieder fotografiert wird, um so viele Lebensabschnitte wie möglich vor die Kamera zu bekommen. Wie bei den Insekten funktioniert dies natürlich auch bei anderen Tieren. Auf den Bildern 171 bis 173 habe ich ein paar Bilder über den Buntspecht eingestellt, den ich seit Jahren aus einer fest installierten Tarnhütte heraus fotografiere.

 
So verhält sich ein frierender Buntspecht (Bild 171): er plustert sich auf, um zwischen den Federn eine Luftschicht zu bilden, die sich durch seine Körperwärme aufwärmt und ihn so bei Temperaturen von minus 10 Grad vor Unterkühlung schützt.

Bilder

Bild 171: Objektiv: 500mm; Bl. 8; Bel. 1/160 sec + 0,3 LW Korrektur A; MbM; MF; Stativ; ISO 100; Tarnhütte.


 
So verhält sich ein Buntspecht (Bild 172), wenn er sich unsicher fühlt. Er schaut mit einem Auge um den Stamm, um zu schauen, ob ihm Gefahr droht.

Bilder

Bild 172: Objektiv: 500mm plus 1,4-fach-K.; Bl. 8; Bel. 1/320 sec A; MbM; MF; Stativ; ISO 100; Tarnhütte.


 
Hier eine Nahaufnahme der Krallen eines Buntspechtes (Bild 173), die speziell für das Festhalten an Baumrinde angepasst sind.

Bilder

Bild 173: Objektiv: 500mm plus 1,4-fach-K.; Bl. 8; Bel. 1/200 sec A; MbM; MF; Stativ; ISO 100; Tarnhütte.


 

Schwierige Aufnahmen

Die Bilder 174 bis 176 sind nicht so leicht zu machen. Sie erfordern lange Übung und sehr viel Erfahrung im Umgang mit wilden Tieren. Allerdings gibt es auch Zufälle, wo einem Anfänger einmal ein beutegreifender Vogel vor die Kamera kommt. Dann heißt es: schnell reagieren!

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Bild 174: Objektiv: 500mm plus 1,7-fach-K.; Bl. 7,1; Bel. 1/320 sec A; MbM; MF; Stativ; ISO 100; ungetarnt.


Diesen Turmfalken (Bild 174) hatte ich schon tagelang beobachtet. Um sein Weibchen willig zu machen, muss er vor jeder Paarung eine Maus abliefern, dann darf er zur Sache kommen. Ich hatte den Falken immer den gleichen Ast anfliegen sehen. Daher baute ich meine Kamera auf und hoffte, ihn dort ablichten zu können. So geschah es.

 
Wochenlanges Warten bei Regen, Schnee und eisigen Temperaturen brachten endlich den Erfolg. Vor meine Tarnhütte setzte sich dann endlich eines Tages dieses Sperberweibchen. Ohne festen Ansitz ist es beinahe unmöglich, scheue Greifvögel wie Sperber oder Habichte vor die Kamera zu bekommen.

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Bild 175: Objektiv: 500mm; Bl. 7,1; Bel. 1/125 sec + 0,3 LW Korrektur A; MM; MF; Stativ; ISO 100; Tarnhütte.


 
Einen Wiedehopf (Bild 176) oder überhaupt einen Vogel im Fluge zu fotografieren, braucht viel Zeit und viele Bilder. Dieses Bild entstand in Spanien und forderte monatelanges Warten und sehr viele Fotos.

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Bild 176: Objektiv: 70-200mm; Bl. 4; Bel. 1/1600 sec A; MbM; AF-C; Freihand; Antiverwacklungsmodus am Objektiv eingestellt; ISO 200; ungetarnt.


 
Bild 177: Hier einmal eine Serie von Bildern, die aufzeigen sollen, dass nicht immer alles so einfach klappt, wie es die vorhergehenden Bilder vielleicht glauben machen!

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Spuren im Schnee

Zum Abschluss der Vögel hier noch zwei interessante Schneespuren, verursacht durch Vögel. Anstelle der Vögel selber lohnt es sich auch, einmal nur die Spuren der Tiere zu fotografieren. Solche Aufnahmen können genauso interessant sein wie der Vogel selbst.

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Bild 178 zeigt die Spuren einer auffliegenden Amsel, links oben im Bild sind die Abdrücke der Federspitzen vor dem Abheben zu erkennen. Die rechte Spur sind die Füße während des Anlaufs.

 
Bild 179: Diesen Abdruck werden nur die allerwenigsten je einmal in der freien Natur sehen. Es ist kein von Menschen gemachter „Schnee-Engel“! Es handelt sich dabei um den Abdruck eines Birkhuhns. Birkhühner landen im Tiefschnee oftmals mit ausgebreiteten Schwingen, wenn sie von einem Baum oder Strauch auf den Boden landen. Wegen des Schnees können sie mit ihren Füßen nicht „hart“ auf dem Boden landen, sie landen dann wie auf dem Bild zu sehen mit ausgebreiteten Flügeln auf dem Schnee.

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8.5 Tiere mit Fell

In Mitteleuropa Säugetiere zu fotografieren, gehört zu den schwierigsten Aufgaben. Daher rate ich dazu, erst einmal in Wildfreigehen oder zur Not auch in Zoos zu üben. Denn, wenn wir in freier Wildbahn einem Reh gegenüberstehen, werden wir keine Zeit mehr haben, uns groß mit der Kameratechnik zu beschäftigen. Dann muss alles automatisch funktionieren, damit wir uns wenigstens noch auf die Bildgestaltung konzentrieren können.

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Bild 180: 300mm; Bl. 8; Bel. 1/250 sec A; MbM; MF; Stativ; ISO 100; C.

Im Wildfreigehege des Bayerischen Waldes sind Luchse und Braunbären (Bild 180) die optimalen Motive für jeden Naturfotografen. Hier können wir unter beinahe realistischen Bedingungen unser fotografisches Talent unter Beweis stellen. Jedem, der sich etwas intensiver mit der Naturfotografie beschäftigen möchte, sei ein Urlaub mit der Familie im Nationalpark Bayerischer Wald nahegelegt. Dort können wir zu jeder Jahreszeit zudem viele Gleichgesinnte antreffen.

 
Auch das ist eine Möglichkeit, Wildtiere vor die Kamera zu bekommen: immer wieder bekomme ich Anrufe, dass jemand Igel in seinem Garten hätte und ob ich nicht zum Fotografieren vorbeischauen wolle. Im Bild 181 habe ich dann dieser Bitte einmal nachgegeben. Von Wildheit ist auf dem Foto natürlich nicht mehr viel zu sehen, auch wenn der Igel ein frei lebender Igel ist.

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Bild 181: 14-24mm; Bl. 8; Bel. 1/60 sec A; MbM; ext. Blitz entfesselt von einer zweiten Person gehalten, damit kein Schatten vom Igel zu sehen ist; MF; Freihand; ISO 200; ungetarnt.


 
Bild 182: Mäuse und Ratten sind so häufig, dass es eigentlich für jeden Naturfotografen möglich sein sollte, zu einigermaßen guten Bildern zu kommen. Mäuse finden wir vor allem in älteren Holzstößen und Ratten finden wir besonders oft an Flüssen, an denen sich gleichzeitig auch Menschen gerne aufhalten. Alle Aufnahmen wurden mit einem externen Blitz aufgenommen und im Belichtungsmodus A fotografiert. Die Fokussierung erfolgte manuell.

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Nutrias oder Sumpfbiber (Bild 183) finden wir an Flüssen oder größeren Teichen. Wenn sie von Menschen gefüttert werden, können sie sehr zutraulich werden. Diesen Albinonutria konnte ich am Rhein fotografieren. Er wurde gerne und oft mit Unmengen an Brot gefüttert.

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Bild 183: 14-24mm; Bl. 8; Bel. 1/500 sec A; MbM; MF; Freihand; ISO 100; ungetarnt.


 
Ende März fand ich an einem Waldrand, nahe einem Holzstapel, ein totes Tier. Neugierig begann ich es genauer zu betrachten. Es war eine Ratte, der im Nacken ein größeres Stück Fleisch herausgerissen worden war. Ich beschloss, mich auf die Lauer zu legen. Vielleicht konnte ich den „verantwortlichen“ Beutegreifer fotografieren. Kaum war ich in der Nähe des Holzstoßes, sah ich tatsächlich ein Hermelin (Bild 184) unter einem Baumstamm verschwinden.

Während ich permanent den Stamm im Auge behielt, holte ich Kamera und Objektiv aus dem Wagen und ging langsam zu dem Holzstapel. Nun brauchte ich nur noch zu warten, bis das Tier wieder hervorkam. Tatsächlich, wenige Minuten später kam es, immer wieder wieseltypisch Männchen machend, aus seinem Versteck hervor und schaute mich an. Es hüpfte noch ein-, zweimal auf den Stämmen herum, gleichwie, als ob es extra für mich eine kleine Show abziehen wollte. Dann, nach wenigen Sekunden hüpfte es, sich noch einmal kurz zu mir umschauend, auf einem Feldweg weiter und verschwand schließlich hinter einer Biegung.

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Bild 184: Objektiv: 70-200mm; Bl. 7,1; Bel. 1/640 sec A – 0,3 LW; MM; AF-C; Freihand; Antiverwacklungsmodus am Objektiv eingestellt; ISO 200; ungetarnt.


 
Begegnungen wie diese mit einem Reh (Bild 185) können einem Naturfotografen jederzeit widerfahren. Daher auch hier: immer schon Kamera und Objektiv bereithalten, um die wenigen Augenblicke zum Fotografien nutzen zu können.

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Bild 185: Objektiv: 500mm plus 1,4-fach-K.; Bl. 5,6; Bel. 1/200 sec A; MbM; MF; Stativ; ISO 100; Tarnhütte.


 
Für diese Aufnahme war eine längere Beobachtungszeit nötig, damit ich wusste, wann und wo das Tier mir vor die Kamera laufen würde. Zudem musste auch das Licht stimmen. Im Herbst tragen alle Hirschartigen Geweihe, dann ist also die beste Zeit, um sie zu fotografieren. Diese Aufnahme eines jungen Damhirsches gelang mir in Spanien.

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Bild 186: Objektiv: 500mm plus 1,7-fach-K.; Bl. 8; Bel. 1/500 sec A; MbM; MF; Stativ; ISO 100; Beobachtungshütte für jeden zugänglich.


 
Schlafende Wildtiere sind die Krönung im Leben eines Naturfotografen. Einen Monat im Tarnzelt vor dem Bau einer Fuchsfamilie bescherte mir dieses Erfolgserlebnis. Im rechten unteren Bild ist mein Tarnnetz mit dem Objektiv zu sehen. Außerdem sind auf dem Bild auch noch 2 Jungfüchse zu sehen.

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Bild 187: linkes Bild: Objektiv: 500mm plus 1,4-fach-K.; Bl. 8; Bel. 1/100 sec A; MbM; MF; Stativ; ISO 100; tragbares Tarnzelt.


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Kommentare
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Portrait von Susan99
  • 12.05.2018 - 19:09

Vielen Dank für das gute Tutorial.

Portrait von Brook_Falls
  • 04.08.2013 - 09:25

Danke für dieses tolle Tutorial. Tolle Bilder und viele Tips.

Portrait von Sir Jeffrey
  • 16.07.2013 - 16:04

Tolle Beispielbilder und viele gute Anregungen. Mal sehen was sich davon umsetzen lässt. Herzlichen Dank.

Portrait von Gladiole
  • 16.05.2013 - 22:57

Wieder viele gute Tipps und schöne Bilder.

Besonders die Information über die Tiere helfen mit Sicherheit weiter.

Portrait von WhiskyBaby
  • 26.11.2012 - 14:32

Deine Tierbilder sind richtig toll :) ich hoffe das ich auch mal solche hinbekomme mit dem Tutorial :)

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 20.08.2012 - 09:07

Gute Tips, gut erklährt. Danke für die Kameraeinstellungen zu den Bildern

Portrait von Blue_Velvet
  • 12.08.2012 - 17:26

Ich finde das Tutorial sehr gelungen und gut geschrieben. Auch die Informationen zu den Bildern finde ich toll! Nur die Geduld im Tarnzelt habe ich nicht. Sehr interessant & hilfreich.

Portrait von Pegasine
  • 28.07.2012 - 22:15

Wirklich sehr interessant geschrieben. Aber ich glaube, Wochenlang täglich in einem Tarnzelt zu sitzen um dann mal eine tolle Aufnahme zu machen würde meine Geduld überfordern.
Da fotografiere ich doch lieber Haustiere :-)
Aber du hast meinen absoluten Respekt für deine Arbeit und die Fotos sind wirklich toll

Portrait von Yarnauga
  • 25.07.2012 - 13:02

Super anregungen und unterhaltsam geschrieben!

Portrait von yankeefranky
  • 20.06.2012 - 17:53

Vielen dank für dieses gute Tutorial.Es enthält gute Informationen die einem helfen die eigene Fotogaphie zu verbessern.

Portrait von Gismo77
  • 06.06.2012 - 16:10

Klasse Tutorial, gefält mir sehr gut

Portrait von KittyCat
  • 25.04.2012 - 09:58

Super Tipps, freu mich schon aufs ausprobieren.

Portrait von PinguinHut
  • 09.03.2012 - 14:12

echt ausführlich beschrieben

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 22.11.2011 - 11:15

Super tollte und schöne Fotos...mit guten Tipps zum selber probieren.

Portrait von Pixelpaxel
  • 03.03.2011 - 14:23

Der Text ist doch arg moralisierend und der erhobene Zeigefinger schaut in fast jedem Textabschnitt hindurch. Seine eigene Meinung kundtun ist ja gut und schön, aber sie so über alles andere zu erheben und zum Gesetz für andere zu erklären, find ich oberlehrerhaft und für mich persönlich - ich bin übrigens auch eine begeisterte Naturfotografin mit einem intakten Gewissen der Natur und meinen Bildern gegenüber - nicht akzeptabel.
Allein deshalb lass ich den Hut lieber auf.

Portrait von PhotoshopFan
  • 20.02.2011 - 20:21

vielen Dank für die wirklich guten Bilder und die Beschreibungen!!!!

Portrait von Schnuppi8480
  • 26.01.2011 - 21:59

sensationelle Bilder ... klasse tipps ...

Portrait von pascal
  • 14.11.2010 - 21:44

tolle bilder und klasse infos!

Portrait von L0RI
  • 09.09.2010 - 00:28

Tolle Bilder Und tolles Tutorial.
Danke!

Portrait von HeinzD
  • 31.03.2010 - 15:20

Also ich finde diesen Workshop absolut top. Er beinhaltet eigentlich das Wesentliche für die Bereiche "Tiere in der Natur".

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